Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
14.04.2020
32
148.160
6
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
10.05.2014 4.884
 
Welcome to 'Fortune Of Life'
Ein neuer Multichapter meinerseits, der hoffentlich mehr Anklang bei euch finden kann. :)

Autor: Rayden  
Arbeitstitel: FOL
Titel: Fortune Of Life
Rating: P16 evtl. 18 Slash
Progress: 26/~35 in Progress, etwa 74 %
Posts: unregelmäßig - abhängig von RL und Interesse, achte auf 10 - 15 Tage Rythmus
Kapitellänge: 4.000 - 5.000 Wörter
Pov: Author
Main Characters: Chester, Mike. Dennoch beleuchtet die Geschichte die Leben mehrerer Protagonisten.
Inhalt: Mix aus AU w/ slight Canon.
Charlene schnappt sich ihren Sohn, Chester, und flüchtet mit ihm von ihrem Mann nach Agoura Hills zu ihrer alten Freundin Rebecca, zu der sie wieder Kontakt bekommen hat. Rebecca nimmt die beiden gerne in ihrer Familie auf und Chester muss sich in ihrem neuen Leben entfernt von Wut und Gewalt zurecht finden. Er freundet sich mit Rebecca‘s Sohn, Brad, und dessen Freunden an und verliebt sich schnell in Mike. Auch dieser scheint ihm nicht abgeneigt zu sein und sie erleben eine schöne Zeit. Doch unbewusst birgt Chester ein vernichtendes Geheimnis.

! Info:
Eigenkreation und demnach mein Eigentum:
Charlene, Rebecca, Dan, Elisabeth, Olivia, Amber, Paul, Kathy, Lilly, Marion, Kim, Sara, Joel, Melissa, Ashley, Evan

Linkin Park’s Mitglieder + evtl. auftauchende Mitglieder der Linkin Families, Mark Wakefield, Ryan Shuck und Sean Dowdell gehören sich selbst, sie wurden lediglich von mir für meine fiktive Geschichte ausgeborgt. Nichts geschah jemals so, wie hier beschrieben.


© Geschichte: Rayden, 15.04.2014 - xxx
Share your thoughts, pls.


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'Fortune Of Life'
1. Kapitel


Es war kurz nach drei Uhr nachts, als sie leise durch das Haus schlich. Ein klein wenig wehmütig blickte sie sich um. Die Gewissheit ihren gefassten Entschluss nun tatsächlich umzusetzen, war beinahe unbegreiflich. Oft hatte sie darüber den Kopf geschüttelt und gelacht. Sie hatte einfach ihre Augen verschlossen und die kleine Hoffnung, es würde sich bessern, nie aufgegeben. Noch immer war sie sich unsicher, wollte es fast schon wieder abblasen und sie wusste auch nicht, warum sie sich etwas von ihrem Ältesten einreden hatte lassen.

Sie schlich nur wegen dieser wutentflammte Stimme und die zur Faust geballte Hand, die kräftig auf den Tisch eingeschlagen hatte, zittrig durch den Flur. Sie hatte sich beschimpfen lassen. Als verantwortungslos und schlechte Mutter, sie sollte nicht so naiv sein und endlich etwas tun. Sie hatte geweint, sich und ihm eingestanden, dass sie es wusste, doch einfach nicht konnte. Sie hatte schlichtweg Angst - vor Konsequenzen und ganz besonders vor ihm.

Er hatte nur tief durchgeatmet und ihre wegen Schluchzern zitternden Schultern eingefangen. Schließlich wusste er, was für ein schwerer Schritt dies für sie darstellen musste und dennoch hatte er an seiner Meinung festgehalten. Der Umgang in diesem Hause war ungesund für seinen kleinen Bruder. Bei jedem erneuten Besuch, sah er wie sein Bruder mehr gebrochen wirkte. Er sorgte sich sehr, wusste was er durchmachte.

Er hatte sich damals selbst gerettet. Er war geflüchtet und hatte Unterschlupf bei seiner damaligen Freundin gefunden. Sie hatte ihn unterstützt und er war deswegen auf einem rechten Weg geblieben. Oft fühlte er sich beschämt, nicht für seinen kleinen Bruder einschreiten zu können. Gerne hätte er einfach dessen Sachen gepackt und ihn mit sich genommen, doch er konnte sich aus beruflichen Gründen nicht um ihn kümmern. Er war viel zu oft für einige Wochen weg. Mehr als auf ihre Mutter einzureden konnte er nicht. Und dies hatte er getan, bei jedem Besuch, bat er sie, flehte er sie an. Sie musste doch genug Verstand besitzen und den Jungen fortbringen und auch sich selbst vor dem gewalttätigen Alkoholiker retten, der sich Ehemann und Vater schimpfte.

„Brian, bitte… du musst doch verstehen, warum er so geworden ist.“, hauchte sie mit kraftloser Stimme. Unsicher hatte sie ihren Blick dabei auf die Tischkante gelegt. In diesem Moment war sie einfach nur eine zerbrochene Frau, die ihren Mann aus alter, aber starker Liebe schützte. Dabei sah sie sogar über ihre Blutergüsse an den Oberarmen und dem blauen Auge und den geprellten Rippen ihres Jüngsten hinweg.

Ein bitteres Schnauben kam von ihm. Seine Kaffeetasse war leer und er versuchte seine Wut mit einer Zigarette zu mildern. „Die Vergangenheit ist keine Entschuldigung für sein Verhalten. Nein, wirklich nicht. Er hätte sich kümmern sollen und nicht sein Versagen in verdammten Alkohol ertränken. Und ganz sicherlich sollte er nicht, seine Aggression, die sich eigentlich gegen ihn richtet, an euch auslassen.“

„Aber-“, begann sie erneut sich vor ihren Mann verbal stellen zu wollen.

„Fuck! Kein verdammtes aber, Mom!“, schrie er aus, als er seine Faust auf den Tisch schlug, sodass das Kaffeegeschirr klirrte und sie bitter zusammenzuckend in Tränen ausbrach.


Sie hatte Gänsehaut bei dieser sehr lebhaften Erinnerung bekommen. Sie hätte diese gerne abgeschüttelt und dennoch fühlte sie sich nun wieder bestärkt in ihrem Vorhaben. Sie atmete tief durch und öffnete die Tür. Sie schlupfte in den dunklen Raum, der nur schemenhaft vom Mondschein erleuchtet wurde. Sie brauchte kein Licht, wusste wo sein Bett stand und wollte auch nicht ungewollt Aufmerksamkeit wecken.

Sie kniete sich vor das Bett. Ein zärtliches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht ab und kurz war sie sich sicher das Richtige zu machen. Es lenkte sie für einen Moment von ihrem wummernden Herzschlag ab. Vorsichtig streichelte sie ihm durch die leicht zerzausten Haare. „Wach auf, Baby.“, meinte sie mit liebevoller Stimme und sah zu wie er sich grummelnd bewegte. Sie beugte sich zu ihm, küsste seine Stirn. „Chazy, wach auf.“

Müde schlug er seine Augen auf. Er war verwirrt und blickte auf die dunkle Silhouette seiner Mutter. Sein Blick schwirrte zu seinem Digitalwecker. Viel zu früh um aufstehen zu müssen. „Mom?“, krächzte er etwas verschlafen. Grummelnd zwang er seine müden Glieder dazu, sich zur Seite zu drehen und sich wieder in das Bett zu kuscheln. Chester schloss die Augen wieder, wollte nicht wirklich wissen, was sie von ihm wollte.

„Du musst aufstehen Baby.“, meinte sie und sah ihm ein klein wenig mitfühlend zu. Sie weckte ihn ungern aus einem friedlichen Schlaf, den er so oft missen musste. „Wir müssen los. Komm schon, Chester wir gehen weg.“

„Hm.“, brummte er nur. Sein Verstand war noch nicht klar genug, um die Bedeutung ihrer Worte begreifen zu können. Er hatte seine schweren Augen bereits wieder geschlossen und war beinahe erneut eingeschlafen. Er spürte ihre sanften Finger durch seine Haare fahren und vergrub sein Gesicht etwas mehr im Kopfkissen.

„Hey, nicht wieder einschlafen. Wir gehen – jetzt, Chester. Wir müssen jetzt weg. Es ist vielleicht unsere einzige Chance, von deinem Dad wegzukommen.“, meinte sie erneut und stand aus ihrer Hocke auf. Sie nahm ihn sanft an der Schulter und rüttelte ihn etwas. „Wach bleiben, ja?“, meinte sie.

Er brummte erneut und sie sah ihm ein paar Sekunden zu, wie er sich etwas wälzte. Sie atmete durch und ging zu seinem Schrank. Sie nahm eine Reisetasche und begann wahrlos Kleidung von ihm reinzustopfen.

Chester gähnte und rappelte sich auf seine Ellenbogen. Durch kleine Augen, die ihm fast wieder zu fielen, sah er ihr zu. „Was machst du? Mom!“

„Shh, Chazy… nicht so laut. Steh auf und sieh zu, dass du dir noch ein paar deiner Sachen nimmst.“, forderte sie und durch den Einfall von kühlem Mondschein, sah er ihren ernsten Blick. Er verstand noch immer nicht völlig, was gerade vor sich ging und dennoch folgte er der Aufforderung seiner Mutter.

Langsam stand er auf und zog sich noch eine normale Jeans an, ehe er auf seinen Schreibtisch zu schlürfte. Leicht schwankend stand er davor. Er griff nach seinem Discman und ein dickes, leicht fledderndes Notizbuch. Er drückte seine Augen immer wieder zu, blinzelte oft um die Müdigkeit los zu werden.

Seine Mutter schnappte sich nun einen Rucksack und entleerte weiter seinen Kleiderschrank. Chester drehte sich und ging wieder zu seinem Bett. Er kniete sich hin und zog eine Kiste hervor. Dort verstaute er seine wichtigsten Dinge und legte auch das andere mit hinein. Er nahm sie und legte auch einige seiner CDs hinzu.

„Hast du alles?“, fragte sie und klang nunmehr ziemlich ungeduldig. Er blickte sie an und sah auf die zwei Taschen in ihren Händen. Es war hell genug, dass er ausmachen konnte, wie sie zitterte.

„Fast.“, nuschelte er und war ruhiger als sie. Vielleicht, weil er auch noch nicht völlig verstand, was sie gerade taten. Er schloss die Kiste wieder und nahm sie unter den Arm. „Meine Gitarre und der Verstärker.“

Sie seufzte leise. „Nimm die Gitarre noch.“, meinte sie ein wenig hastig und lief schon zur Tür.

„Und was ist mit dem Verstärker?“, empörte er sich und blieb felsenfest stehen.

„Keiner kann diesen noch tragen, Chester. Und wir gehen nicht noch einmal zurück!“, meinte sie und hob ihre Augenbrauen. Sie stand nun wieder im Dunklen. Er konnte ihren Gesichtsausdruck nicht mehr erkennen, doch ihre Worte allein reichten aus, dass er wusste, er sollte sich nicht widersetzen. Dennoch verzog er schmerzlich das Gesicht. „Chester, komm schon… verdammt, ich kauf dir einen Neuen.“

„Versprochen?“, hauchte er und griff nun nachdem Hals seiner Gitarre. Sein Blick lag dabei sehnsüchtig auf dem Verstärker, den er nur ungern zurückließ.

„Gebraucht und wenn ich das Geld zusammenkratzen kann.“, meinte sie und öffnete dann die Tür. Sie schlich hinaus und Chester zögerte noch einen kleinen Moment. Er spürte, dass er sein Zimmer nie wieder betreten würde, sobald er ihr nachging. Wehmütig blickte er sich um. Es war sein Rückzugsort gewesen. Hier war ihm nichts passiert, sobald er es abgeschlossen und seine Musik laut aufgedreht hatte, war die Welt in Ordnung.

Er schloss die Augen und auch wenn er noch nicht ganz verstand und wusste, was genau seine Mutter eigentlich vorhatte, so war ihm bewusst, dass er nie wieder unter seinem Vater leiden musste. Ein Fakt den er sehr begrüßte und der ihn nun beinahe aus seinem Zimmer trieb.

Schon zu oft hatte er sich vorgestellt einfach abzuhauen. Sein Leben den Rücken zu kehren und einfach in eine ungewisse Zukunft schreiten. Er hatte nie wirklich Angst davor gehabt und einmal hatte er es sogar gewagt und war für vier Tage verschwunden gewesen, bis sein Vater ihn bei einem Kumpel aufgefunden hatte. Er hatte gemerkt, dass er nicht einfach gehen konnte. Er konnte sich nur immer für ein paar Tage bei Freunden verstecken, doch ohne seine Mutter hätte er nie wirklich wegrennen können.

Nun jedoch war es sie, die sich ihn schnappte und fort wollte und Chester konnte sich in diesem Moment gar nicht fröhlicher schätzen. Grinsend lief er ihr nach. Vieles musste er zurück in seinem Zimmer lassen, doch das Wichtigste trug er in der Hand. Hastig schlüpfte er in seine Schuhe und hüpfte durch das taufeuchte Gras, worin der Mondschein glitzerte.

Seine Mutter räumte bereits seine Taschen in den Kofferraum. Als er zu ihr stieß, sah er dass sie auch schon vieles von ihr selbst gepackt hatte. Sie lächelte zaghaft und streichelte ihm durch die Haare. „Chaz, nimmst du das mit vor?“, meinte sie und er nickte nur. „Gut, steige ein.“, befahl sie ihm und sah immer wieder nervös zu dem im dunklen liegenden Haus.

Er lud seine Sachen vorn ein und holte sich noch zügig sein Skateboard von der Veranda, ehe er ihr gehorchte und einstieg. Chester wartete noch einen kleinen Moment, bis sie sich auf den Fahrersitz niederließ. Sie steckte ratschend den Schlüssel ins Zündschloss und lehnte sich dann erst noch durchatmend zurück.
„Bist du dir wirklich sicher, Mom?“, fragte er leise und hoffte im Stillen, dass dies so war. Andernfalls könnte er ihr das nicht durchgehen lassen. Egal wie schlecht ihm es dabei ging. Er konnte nicht sehen, wenn seine Mutter traurig war. „Du liebst Dad.“

Sie hatte ihren Kopf zurückgelegt und ihre Augen geschlossen. Sie fasste nur zu ihm und legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel. „Ich liebe dich auch, mein Schatz. Ohne ihn sind wir besser dran.“, meinte sie zärtlich und drehte ihren Kopf mit einem sanften Lächeln zu ihm. Es lag leichte Trauer in ihrer Stimme, doch sie klang dennoch entschlossen.

Ihr Sohn presste seine Lippen zusammen und blickte in seinen Schoß. Er wollte nicht daran schuld sein, dass sie ihren Mann verließ. Obwohl es auch für sie besser war. „Es ist besser, aber…“

Sie lächelte sanft. „Ich habe auch zu lange so gedacht, Chester.“, meinte sie sanft und konnte seine leichten Zweifel verstehen. „Es ist okay. Er ist… ein schlechter Mensch geworden. Es ist schwer, aber… wir werden ohne ihn ein schöneres Leben haben. Ich liebe nur noch die schönen Erinnerungen mit ihm. Wir zählen – du und ich. Du bist doch mein Baby.“

Chester grinste und verdrehte seine Augen leicht. Er legte seine Hand auf ihre. „Eher dein pubertierender Teenie.“, meinte er amüsiert, genoss jedoch die Liebe, die seine Mutter für ihn hatte. Sie war ihm unheimlich wichtig, denn sie war sein einziger Halt.

Lachend knuffte sie ihn und startete dann den Motor. „Du bist für immer und ewig mein Baby.“ Sie fuhr von der Einfahrt ab. Die Scheinwerfer leuchteten ein letztes Mal auf das Haus und sie beide atmeten durch. Sie wussten, dort hatten sie es schwer gehabt und dennoch konnte keiner von ihnen wirklich gänzlich loslassen. Dort war einfach ihr zu Hause gewesen.

Sie fuhren ihre Straße hinab. Der Radio ging nur sporadisch und so war es ruhig. Sie blieben still, schlossen wohl beide für sich diesen Teil ihres Lebens ab und stellten sich auf einen Neuen ein. „Wohin geht es überhaupt?“, fragte Chester schließlich, als sie dabei waren die Stadt zu verlassen.

Chesters Mutter schluckte etwas. Sie lächelte zögerlich, doch war zuversichtlich. Sie hatte Hilfe bekommen von einer alten Freundin, mit der der Kontakt eigentlich schon lange eingeschlafen war. Dennoch hatte sie sich sofort wieder mit dieser alten Bekanntschaft gut verstanden und hatte dort Unterkunft und einen vorläufigen Job zum Putzen bekommen. „Weit weg, Chazy.“

Chester atmete tief durch. Insgeheim hatte er befürchtet seine Freunde zurücklassen zu müssen. Er hatte nicht wirklich daran gedacht, doch im Hinterkopf war es ihm bewusst gewesen. Anders käme sein Vater ihnen schnell wieder auf die Schliche. „Ok und… wohin genau?“

„Ich konnte mich auf eine alte Freundin verlassen. Rebecca. Sie und ihr Mann haben auch einen Sohn. Ihr habt euch damals gut verstanden.“, grinste sie bei der bereits leicht verschwommene Erinnerung.

Chester überlegte und schüttelte den Kopf. „Ich kenne keine Rebecca.“

Sie lachte etwas. „Ja, da warst du auch vielleicht zwei Jahre, Schatz.“, meinte sie und streichelte ihm kurz über die Wange. „Sie wohnen in Agoura Hills, das ist in Kalifornien. Ein Vorstädtchen von Los Angeles. Sie heißen Delson mit Nachnamen und Bradford ist ihr Sohn, mit ihm wirst du dich schon verstehen. Sei nett und anständig, wie ich es dir beigebracht habe.“

Chester nickte und ließ diese Informationen erst einmal sinken. Er fühlte sich nicht mehr ganz so wohl. Alles Bekannte wurde ihm nun genommen und er wurde in eine komplett neue Welt geschmissen. Alles würde fremd sein und er müsste sich erst wieder zurecht finden müssen. Daheim kannten viele seine Geschichte. Dort war er gebrandmarkt. Es war nicht leicht gewesen. Doch die Aufregung um ihn und seine Familie hatte sich schnell gelegt und man hatte einfach versucht seine Familie zu ignorieren.
Doch vielleicht war es nicht schlecht. Niemand kannte ihn in Agoura Hills. Er bekam eine neue Chance, ein normales Leben führen zu können. Wo er weder aufgezogen wurde, noch umhätschelt als wäre er zerbrechlich.

„Du wirst dich schnell eingewöhnen, Schatz.“, meinte seine Mutter und durchbrach seine Gedanken dabei. Er sah vom Fenster zu ihr. Ihr Gesicht wurde sanft vom Mondschein umschmeichelt, ansonsten war es dunkel. „Rebecca hat mir schon einiges erzählt. Brad ist ein netter Junge, er wird dich sicherlich seinen Freunden vorstellen.“

Chester schnaubte leise. „Keine Angst, Mom. Ich finde mich schon zurecht.“

Sie lachte leise und grinste strahlend zu ihm. „Ich weiß, du bist tapfer.“

„Abgehärtet.“, murmelte er seufzend. Chester schlüpfte aus seinen Schuhen und zog seine Füße zu sich auf den Sitz. Er umschlang seine Beine mit seinen Armen und starrte auf die lange Straße die immer nur teilweise vom Scheinwerferlicht beschienen wurde.

„Vielleicht findest du ein heißes Beachgirl zur Freundin.“, neckte sie und stupste ihn von der Seite an.

Er lächelte und brummte etwas. Kurz dachte er an Samantha. Mit ihr war er ein Jahr zusammen gewesen, aber sie hatte mit ihm Schluss gemacht, weil er ihr angeblich zu schwierig war. Er wusste nicht ob es bereits wahre Liebe gewesen war, doch er hatte sie sehr gemocht. Sie hatte ihn an schlechten Tagen aufmuntern können. Doch auch wenn die Leute gerne über die Vergangenheit der Benningtons hinweg sahen, so wurde dennoch getuschelt und ein Auge auf sie geworfen. Etwas mit dem Samantha wohl nicht gut auskam. „Ist dort Meer?“

„Nein.“, lachte sie nun auf. „Agoura Hills ist aber nur eine halbe Stunde vom Pazifik entfernt. Es sind Sommerferien, sicherlich fährt Brad mit seinen Freunden oft hin. Sie nehmen dich bestimmt mit.“

Chester lächelte. „Wenn ich kein Mädchen finde, bringe ich wenigstens etwas Bräune mit nach Hause.“

Sie lächelte und zuckte mit einer Schulter. „Ich glaube, ich würde mein Baby auch nicht teilen wollen.“

„Oh Mom.“, brummte er und schüttelte amüsiert den Kopf. Seine Augen wurden langsam wieder schwer. Das Rauschen der Reifen und das herbeiziehen der dunklen Umgebung lullten ihn wieder ein.

„Auf der Rückbank liegt eine Decke, Chaz. Schlaf noch ein wenig.“, meinte seine Mutter schließlich und Chester drehte sich etwas. Er zog die Decke vor und kuschelte sich in diese ein.

Er lehnte seinen Kopf etwas gegen das Beifahrerfenster und starrte noch ein wenig auf die Straße. „Wie lange fahren wir?“, nuschelte er.

„Sechs Stunden sicherlich, spätestens am Vormittag sind wir da.“, antwortete sie.

„Willst du mal wechseln?“, fragte er noch.

„Schon gut, ich bin wach und hab auch genügend Kaffee dabei. Schlaf ruhig, Ches.“, meinte sie und hob eine Thermoskanne hoch, damit er diese sah. Er nickte nur.

„Du lässt mich nie fahren. Ich kann das gut!“, meinte er leicht protestierend. Er seufzte etwas und gähnte dann.

„Weiß ich, schlaf jetzt.“, grinste sie und sah noch einmal kurz zu ihm. Sie zog die Ecke der Decke noch etwas über seine Schulter und blickte dann wieder zurück. „Gute Nacht, Chazy.“

-

Ein Tag vor dem Aufbruch, Agoura Hills

Die Sonne brannte heiß hinab und ließ die Straßen flimmern. Die Luft war trocken und stand schwer in den Räumen. Die Jungs schwitzten ohne sich zu bewegen und ihre Instrumente standen unberührt in der Garage. Sie hatten das Tor aufgemacht und warteten vergeblich auf kleine Windstöße.

„Wir sollten proben.“, schnaufte Mike und wartete beinahe nur darauf, dass die dicke Luft ihm in den Lungen stecken blieb. Er lag ausgelaugt auf der alten Wohnzimmergarnitur, die Brads Eltern ersetzt hatten. Sein Shirt hatte er ausgezogen und benutzte es nun als Kissen. Ihm rann Schweiß von der Stirn und brummend wischte er sich diesen mit dem Handrücken ab.

„Ich bewege mich kein Stück, Shinoda. Mark ist auch nicht da.“, brummte Joe und platschte etwas mit seinen Füßen, die er in eine kleine Wanne gesteckt hatte, dessen Wasser allerdings nun auch schon wieder aufgewärmt war. „Wechselt mir jemand das Wasser?“, fragte er kläglich und schrumpfte in den zur Couch gehörendem Sessel.

„Fick dich.“, brummte Brad nur und teilte sich die Couch mit Mike. Ein ständiges Surren lag in seinen Ohren und langsam machte es ihn verrückt. „Rob! Schalt das scheiß Ding ab!“, knurrte er.

Der Angesprochene presste seine Lippen zusammen und folgte der Aufforderung. Er machte den kleinen Handventilator aus und schmiss ihn auf den Couchtisch. „Bläst eh nur warm.“, kommentierte er und lehnte sich auf dem Zweisitzer zurück. „Gehen wir zum Meer.“, schlug er vor. Er überlegte kurz, doch es ging kein Wind und die Sonne prallte zu sehr, sodass er nicht surfen könnte, dennoch wäre es eine nette Abkühlung.

„Ich setze mich nicht in ein Auto, da drin ist es wie in einem Ofen.“, brummte Dave neben Rob. Er legte seinen Kopf schief und grinste zu Mike. „Aber in Mikes Pool könnten wir gehen.“

Mike sah langsam auf und glaubte sich schon wieder zu viel bewegt zu haben. Er brummte und schüttelte den Kopf. „Jason hat Freunde da. Der Pool ist voll.“

„Euer Pool ist riesig.“, kommentierte Joe ein klein wenig hoffnungsvoll.

„Kein Bock auf Kindergarten.“, murrte Mike.

„Dein Bruder ist nicht viel jünger.“, meinte der DJ erneut und zuckte mit den Schultern. „Könnte ich aushalten, wenn ich dafür eine Abkühlung haben kann.“

„Du kannst gerne gehen, Joe.“, brummte Mike, als die Tür vom Haus zur Garage geöffnet wurde. Brads Mutter kam zu ihnen und grinste. Sie hielt ein Tablett mit Gläsern, frischer Limonade und einer Schüssel mit zerschnittener Wassermelone in der Hand und stellte es für sie auf den Tisch.

„Ich höre euch gar nicht.“, meinte sie und klang viel zu munter für sie alle. Es wirkte beinahe so, als störte sie sich nicht an der heißen Temperatur. Sie grinste breit und sah in die Runde.

„Zu heiß.“, brummten sie beinahe gleichzeitig und Brad erbarmte sich. Er beugte sich zur Glaskaraffe und begann für seine Freunde auszuschenken und auszuteilen. Genießend nippten sie an ihrem kalten Getränk und dankten Brads Mutter.

„Nun gut, wenn ihr nicht probt, dann könntest du mir später ein wenig zur Hand gehen, Bradford.“, meinte sie und grinste ihn entschieden an. Sie blickte auf ihre Armbanduhr, als würde sie demonstrieren wollen, dass sie noch so viel in so weniger Zeit zu tun hatte. „Gästezimmer saugen und Bettwäsche beziehen. Dein Zimmer räumst du auch noch sauber auf, darum hatte ich dich gestern schon gebeten.“

Ihr Sohn blickte nur bitter zu ihr und seufzte die Augen verdrehend. Er nickte, schließlich nachdem er seine Missgunst darüber gezeigt hatte und sie verließ zufrieden wieder die Garage. Knurrend fiel er wieder in die Couch zurück und schnaubte noch etwas.

„Kommt deine Oma wieder mal zu Besuch?“, fragte Mike und wirkte ein wenig schadenfroh. Er war Brads bester Freund und wusste wie anstrengend und pingelig die alte Dame sein konnte. Er beugte sich zu ihm und kniff ihn in die Wange. „Mein kleiner Braddy.“, meinte er mit verstellter Stimme und lachte auf.

Der Gitarrist knurrte und schüttelte Mikes Hand ab. „Nein, sie kommt nicht.“

Mike hob eine Augenbraue. „Wer dann? Ansonsten habt ihr doch keine Besuche.“, stellte er neugierig fest und bemerkte auch, dass Brad dieser Besuch nicht ganz zu passen schien.

„Eine Freundin von meiner Mom und deren Sohn. Sie ziehen sogar praktisch ein, also solange die nichts Eigenes haben.“, verzog Brad den Mund und nippte etwas angefressen an seiner Limonade. „Ich darf mein Zimmer teilen.“

„Echt? Wer sind die?“, fragte Dave nun und schnappte sich ein Stück der Wassermelone. Fragend sah er durch die Runde und jeder schien interessiert auf Brads Antwort zu warten. Sie starrten zu ihm und Brad zappelte etwas. Er wollte noch nicht daran denken und schon gar nicht darüber reden. Er kannte die beiden selbst nicht und wusste auch dementsprechend nur das was seine Mutter ihm erzählt hatte.

„Ich kenne sie auch nicht. Meine Mom hat erst wieder seit ein paar Monaten Kontakt mit ihr, Charlene oder so.“, grummelte er und zog nun seine Füße hinauf um sie auf dem Tischrand abzustellen.

„Und der Sohn?“, hakte Joe nach und griff sich nun auch etwas aus der Schüssel. Dies war wohl der Teil, den sie am interessantesten fanden. Der DJ stellte sich bereits einen Jungen vor, wie sie selbst waren. Er grinste etwas und hoffte er würde ihre Hobbies teilen. Vielleicht würden sie einen neuen Freund in ihrer Gruppe begrüßen können.

„Ich weiß nur, dass er Chester heißt und ein Jahr älter ist.“, zuckte er mit den Schultern. Er rümpfte etwas die Nase. „Alles schön und gut, wenn meine Mom meint, aber ich hab ehrlich keinen Bock mein Zimmer zu teilen.“, empörte er sich und brummte wehleidig.

„Vielleicht ist er cool.“, grinste Rob aufmunternd und schenkte sich etwas von der Limonade nach. „Ich bin gespannt auf ihn.“

Dave lachte auf und stieß Rob etwas mit dem Ellenbogen. „Schon möglich.“, meinte er und sah dann zu dem Gitarristen. „Aber was machst du wenn Olivia kommt?“

Brad seufzte und verdrehte die Augen. Ungern wurde er nun an seine Freundin erinnert, die er nun schon seit vier Wochen missen musste. „Bis zum Schulanfang ist sie noch weg. Ich hoffe bis dahin haben die schon was gefunden.“, erklärte er. „Beim Telefonieren muss ich mich wohl… etwas zurückhalten, wenn er da ist.“

„Oh Brad!“, schrie Joe lachend aus und spritzte in seinem Übermut etwas mit dem Wasser. Ein ganzer Schub landete dabei auf Mike und perplex schnappte er nach Luft. Nur ein paar Sekunden war es still geblieben, ehe sie ihn schallendes Gelächter verfielen und der Koreaner eine halbherzige Entschuldigung hervorpresste.

Quietschende Bremsen durchschnitten ihr kehliges Gelächter und aufsehend sahen sie den Cabrio am Straßenrand parken. ‚Girls Just Wanna Have Fun‘ plärrte lautstark und definitiv zu basslastig aus den Lautsprechern und lachend stiegen zwei Mädchen in Miniröcken und Bandeau und sehr luftigen Cardigans aus dem Wagen.

Eine der beiden hatte braune schulterlange und glatte Haare und sie lächelte strahlend zu ihrem Freund. Mike grinste leicht und wurde unruhig auf seinen Platz. Er sah ihr mit gierigem Blick dabei zu wie sie zu ihm kam. Anna setzte sich auf seinen Schoß und rieb extra etwas aufreizender an seinem Schritt, als sie sich zu ihm beuge und seine Lippen gierig einfing. Ihre Hände dufteten gut und hielten sein Gesicht sanft umrahmt.

Ihre Freundin schnappte sich hingegen Dave und begrüßte ihren festen Freund dergleichen leidenschaftlich. Brad seufzte etwas neidisch und wünschte sich Olivia zu sich. Sein Herz stolperte nur bei dem Anblick seiner beiden Freunde, die nicht ohne ihre Freundinnen auskommen mussten. Er blickte zu Rob, der mitfühlend zu ihm sah. Brad schnaubte und verschränkte wartend die Arme. „Kommt schon…“, murmelte er beleidigt. „Joe bekommt schon einen Steifen.“

Der Angesprochene grinste nur und sah auf die beiden Pärchen, die sich von Brad nur wenig stören ließen. Er deutete auf sich und schüttelte dann den Kopf belustigt. „Mark ist doch gar nicht da.“

„Schwanzlutscher…“, grummelte Brad nur. Es war ihm ein wenig unangenehm und zappelig rutschte er etwas auf der Couch auf. Er schielte zwischen Mike mit Anna und Dave mit Lilly hin und her und zuckte mit den Schultern. „Dabei musst du doch glatt hetero werden, man.“

Joe schenkte ihm einen übertrieben gestikulierten Handkuss und zwinkerte einmal. „Baby, ich denke nicht das die beiden Mädels Mark in den Schatten stellen könnten.“

Kichernd ließ Anna von Mike ab. Sie wischte sich mit dem Daumen an ihrer Unterlippe entlang und ließ ihre andere Hand zärtlich über Mikes nackte Brust streicheln. „Joe dich will auch nur Wakefield.“

„Fick dich Anna.“, lächelte Joe und zeigte ihr den Mittelfinger. Er nickte zu ihr und Lilly. „Warum seid ihr überhaupt hier, wir proben.“

Anna musterte den DJ und legte dann ihren Kopf zur Seite. „Nein, ihr würdet eigentlich proben – tut ihr aber offensichtlich nicht und ich wollte Mike sehen.“, grinste sie etwas aufmüpfig. Sie stieg von dem Emcee wieder herab und nahm dabei seine Hand. Sie zog an dieser und beorderte ihn dazu aufzustehen. „Und wenn ihr nichts macht, nehme ich ihn mit.“

„Anna…“, brummte Brad. Er wollte nicht das sein bester Freund bereits ging, einerseits sah er ihn in den letzten Wochen wegen ihr nur zu den Proben und andererseits wusste er, dass sich ihre Runde bald komplett auflösen würde und er dann seiner Mutter helfen gehen musste.

Mike nahm sein Shirt und zog es sich wieder über. Er grinste verliebt und zuckte mit den Schultern. Er zupfte noch etwas an dem Stoff und verwob dann seine Finger mit Annas. „Ist eh viel zu warm, Brad. Fahren wir nach Malibu? Dave, Lil wollt ihr mit?“

„Na klar!“, lachte Lilly auf und zog Dave ebenso bestimmend hinter sich her. Der Bassist grinste nur und winkte schnell über seine Schulter hinweg, als er mit seiner Freundin dem anderen Pärchen zu Lillys Cabrio folgte.

„Spinn ich?“, keuchte Joe dann und seufzte beleidigt. „Die Idioten fahren nach Malibu und lehnten vorhin noch den Vorschlag Schwimmen zu gehen ab, ehrlich man?“

Rob lachte etwas und stand nun ebenfalls auf. Er schlug Joe freundschaftlich auf die Schulter. „Ich gehe mit dir, wenn du fährst.“, schlug er seinem Kumpel vor und seufzte innerlich, da er noch ein weiteres Jahr auf seinen Führerschein verzichten musste.

Etwas aufgebracht schnappte sich Joe noch ein Stück der Wassermelone und stopfte sich diese in den Mund, er griff nach seinen Schuhen und schüttelte Rob ab. „Ich gehe zu Mark.“

„Nein! Joe… man.“, seufzte Brad und stand zügig auf. Doch der DJ war nicht mehr aufzuhalten. Er stampfte barfuß durch den Vorgarten und verschwand dann um die Ecke. Bittend sah er zu Rob und stemmte seine Hände an seine Hüften.

Rob lachte und nickte zum Haus. „Ich weiß schon, du willst nicht helfen, huh?“, fragte er und wusste allerdings bereits, dass er den Gitarristen durchschaut hatte.

Brad nickte und verzog gespielt wehleidig das Gesicht. Seufzend deutete die Auffahrt hinab. „Mom, wäre sicherlich bald wieder auf der Matte gestanden, ganz gut, dass sie weg sind… nur… man, he hilfst du mir – bitte, Rob?“

„Nur wenn du mir ein Date mit Melissa verschaffst.“, forderte Rob und sah erst zu Brad.

Der Gitarrist seufzte und kam auf seinen jüngeren Kumpel zu. Beinahe zu väterlich wuschelte er dem Drummer durch die Haare. „Bleib lieber unschuldig, Robert.“, seufzte er tief. Brad zog ihn allerdings mit sich und nahm dessen Forderung stillschweigend an.

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tbc.
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