Der Regen kommt und geht

KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
08.05.2014
08.05.2014
1
842
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
08.05.2014 842
 
Anime/Manga: Ame & Yuki - Die Wolfskinder (Ookami kodomo no Ame to Yuki)

Genre: Familie, Schmerz/Trost

Kurzbeschreibung: Yuki, die die ganze Zeit über nichts Anderes im Kopf gehabt hatte als die Schule und ihre neuen Freundinnen, fällt endlich etwas Entscheidendes bei ihrem jüngeren Bruder auf. Ame hat sich verändert. Sie, die gelernt hat mit den Wolfsgenen umzugehen und mit ihnen zu leben, möchte die Veränderung, die ihr Bruder durchmacht, aufhalten. Aber das kann sie nicht. Sie hat es zu spät bemerkt. Ebenso wie Hana.

Viel Spaß mit dem kleinen OS zu dem Film, den ich mittlerweile so sehr liebe! :)

Der Regen kommt und geht.

Ein Schluchzen schüttelte ihren Körper und die kleinen Wassertropfen plätscherten von ihren langen Haaren ins Wasser der Badewanne.
Die frischen Kratzer und kleinen Wunden brannten im Seifenwasser, aber das war es nicht, was sie zum Weinen brachte. Sie war diese Kratzer und Wunden gewöhnt, als lebensfreudiges und abenteuerlustiges Kind hatte sie schon viele davon mit nach Hause gebracht. Von kleinen Steinen, Ästen oder Tieren. Vom Bäume klettern, jagen oder kriechen auf dem Boden. Wie schon gesagt, sowas kannte sie.
Aber das hier waren nicht die normalen Kratzer, nein, ganz im Gegenteil.
...Ame...Ame...Ame...
Sie ließ Wasser von ihrer Hand auf die Oberfläche tröpfeln. Es sah aus wie Regen.
Regen, wie er gerade draußen vor dem Fenster tobte.
Regen, wie in der Nacht in der ihr Bruder geboren wurde.
Regen, wie in einer der vielen Nächte, in denen Ame einfach nicht nach Hause kam.

"Ame...", sie schluchzte wieder, diesmal über ihre eigene Dummheit. Hatte sie sich nicht geschworen sich nicht mehr zu verwandeln? Niemanden mehr zu verletzen? War es nicht so gewesen? Aber nein, sie hatte versagt. Warum war Ame so stur? Warum wollte er nicht einsehen, dass die Schule besser für ihn war als der Wald? Warum wollte er nicht einsehen, dass er von einem menschlichen Lehrer viel nützlicherer Dinge lernen konnte als von seinem eigenen 'Meister', wie er ihn nannte?
Warum konnte er nicht so sein wie sie?
Er könnte doch auch Freunde haben und mit denen spielen oder mit ihr zusammen am Küchentisch sitzen und Hausaufgaben machen. Sie stellte sich vor wie sie gemeinsam dort saßen und sie ihm erklärte wie man richtig dividierte oder wenn sie ihn ein wenig Grammatik abprüfte. Sie mochte Grammatik und noch mehr mochte sie Mathematik, es machte ihr Spaß.

"Yuki?"
Hana trat ins Badezimmer. Sie sah nicht sauer aus oder enttäuscht, nur hilflos und mit ihrem Latein am Ende. Gerade vor zwanzig Minuten war noch alles in Ordnung gewesen und plötzlich fetzten sich ihre beiden Kinder gegenseitig durch das Haus, nicht mehr spielerisch wie früher, sondern in einem erbitterten Kampf.
Yuki kletterte aus der Badewanne und ließ sich in ein Badetuch hüllen. Ihre Mutter rubbelte ihr über den Kopf, sowie sie es immer getan hatte, aber diesmal herrschte keine rege Unterhaltung zwischen den Beiden, keiner von ihnen wusste, was er sagen sollte.
Die Grundschülerin schniefte und Hana zog sie in ihre Arme.
"Es tut mir leid, Mama.", schluchzte sie auf und Hana hielt sie noch ein wenig fester. Vieles hatte sie sich beigebracht und vieles hatte sie lesen können, aber mit der jetzigen Situation war sie vollkommen überfordert.
"Es ist nicht deine Schuld.", murmelte sie deswegen leise und Yukis Augen wurden größer:
"Ist es Ames?"
"Nein, Ame ist auch nicht Schuld. Er kann genauso wenig etwas dafür wie du."
"Warum ist er nicht wie ich?", wollte Yuki wissen, teilweise klang sie ein wenig schmollend.
"Warum bist du nicht wie er?", stellte Hana sanft die Gegenfrage und sofort löste Yuki ihre verschränkten Arme und starrte sie an, schien darüber nachzudenken.
"Ist es schlimm, dass er so ist wie er ist?"
"Nein, das ist es nicht. Ich wollte euch die freie Entscheidung überlassen und ihr habt euch entschieden."
"Ame hat sich falsch entschieden."
"Es gibt kein richtig oder falsch in dieser Sache, Yuki. Ihr seid sowohl Mensch als auch Wolf und ihr könnt euch beide Seiten gleichermaßen zu Nutze machen."
"Aber das will ich nicht! Ich will kein Wolf mehr sein!", rief das Mädchen aus und Hana lächelte traurig.
"Ebenso wie Ame kein Mensch mehr sein will. Das war seine Entscheidung."
"Er irrt sich."
"Du kannst ihn zu nichts zwingen, was er nicht will. Du hast doch gesehen, wie das eben geendet ist."
"Warum erlaubst du ihm das?"
"Ich möchte, dass ihr beide glücklich seid. Das wollte ich immer und euer Vater wollte das genauso."
Yuki sagte nichts mehr, sie wusste nicht mehr, was sie sagen sollte oder konnte, denn ihre Mutter schien eine seltsame Akzeptanz an den Tag zu legen, die Yuki nicht verstand.
Sie wollte nicht, dass Ame war wie er war. Sie konnte nicht sagen warum, sie wollte es einfach nicht. Aber erst als es zu spät war, merkte sie, dass sie ihn nie hätte aufhalten können.
Review schreiben