Verkaufende auf Risa (Teil 3/3 - Verkaufende auf Risa)

von Blaue 8
GeschichteAllgemein / P12
08.05.2014
08.05.2014
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2.
Als sie das Hotel verließen, wußte Kal-Jinn, daß ihm seine Aufgabe eine Menge Geduld und Feingefühl abverlangen würde. Seine normalen Kundinnen kamen nach Risa, um sich zu amüsieren, aber diese hatte deutlich gemacht, daß sinnliche Freuden sie nicht im geringsten interessierten. Eine zu hastige und offensive Vorgehensweise würde lediglich bewirken, daß sie sich wieder von ihm trennte, da war sich der Verkaufende sicher.
Kal-Jinn sah die Straße hinunter, über die sich bereits der risanische Abend senkte. Zahllose Blumenkübel verströmten ihren Duft, bunte Lichter gingen an und von etwas weiter entfernt drang ein älterer Föderationsschlager durch das muntere Treiben, das auf dem Boulevard herrschte. Er atmete tief die milde Luft ein, dann sah er lächelnd zu seiner Kundin hinüber.
"Was meinen Sie, wie wäre es, wenn..." versuchte er einen Vorschlag, aber Aryshtin unterbrach ihn sofort.
"Wir gehen essen!" bestimmte sie. "Ein paar Straßen weiter gibt es ein brauchbares Restaurant. Wir sind zwar spät dran, aber ich habe nicht besonders viel Lust, mit leerem Magen loszuziehen."
Wenig später betraten sie ein gemütliches kleines Lokal, das sich für diese frühe Stunde schon gut gefüllt hatte. Aryshtin sah sich noch suchend nach einem Platz um, als der Inhaber auch schon auf sie zukam.
"Guten Abend, Mrs. Aryshtin!" begrüßte er sie herzlich. "Ich freue mich sehr, Sie heute in so galanter Begleitung zu sehen. Wie Sie sehen, ist es bei uns schon ein bißchen voll, aber Driok hat Ihnen drüben einen Tisch freigehalten. Ich hoffe, das war so in Ordnung."
Die Rhazaghani lächelte. "Guten Abend, Gradeen! Das war sehr liebenswürdig von ihm. Sagen Sie Driok, daß ich mich freue, daß er an mich gedacht hat."
"Er ist gerade in der Küche, aber ich schicke ihn gleich zu Ihnen." antwortete der Wirt und geleitete seine Gäste bis zu ihrem Platz. "Darf ich mich übrigens danach erkundigen, ob Sie mit Ihren Nachforschungen vorangekommen sind, Mrs. Aryshtin?"
Sie seufzte und zuckte die Achseln. "Manchmal läuft der Lark durch den Sumpf. Es ist schwierig, Gradeen, aber nett, daß Sie fragen. Dies hier ist übrigens Kal-Jinn. Er will mich auf meiner Suche begleiten."
"Eine Freude, Ihre Bekanntschaft zu machen." Einen Moment lang betrachtete Gradeen Kal-Jinn ebenso freundlich wie aufmerksam, dann wandte er sich wieder an die Rhazaghani. "Wenn Sie mir die Bemerkung gestatten: Es war sehr vernünftig von Ihnen, sich an einen Verkaufenden zu wenden, Mrs. Aryshtin! Bei ihm sind sie in guten und zuverlässigen Händen. Ein wesentlich besserer Umgang für Sie als dieses ganze Gesindel, das sich drüben herumtreibt."
Er nickte ihnen noch einmal zu, dann verschwand er in Richtung Küche. Es dauerte daraufhin nicht mehr lange, bis ein mit mehreren Speisekarten ausgerüsteter, auffallend junger Cardassianer an ihren Tisch kam. Er strahlte, als er vor ihnen stehenblieb.
"Hallo Mrs. Aryshtin, ich war sicher, daß Sie noch kommen würden. Ich vermute, Sie nehmen die cardassianische Speisekarte wie gewöhnlich. Guten Abend, Sir! Darf ich Ihnen vielleicht unsere risanische Karte empfehlen?"
"Hallo Driok!" Die Rhazaghani lachte freundlich und nahm die angebotene Karte entgegen. "Ich danke Ihnen! Ich bin so ausgehungert, daß ich einen Lorrick mit Panzer vertilgen könnte."
Der junge Mann schüttelte entsetzt den Kopf. "Oh nein, Mrs. Aryshtin, das ist nicht Ihr Ernst! Ich wüßte niemanden, der so etwas..." Er unterbrach sich, mit einem Mal stark verunsichert. "Oder?" Mit großen Augen schaute er die Rhazaghani an.
Aryshtin schmunzelte und begann in der Speisenaufstellung zu blättern. "Übertreiben Sie nicht, Driok! Eigentlich sind sie gar nicht so übel."
Ihr Gesprächspartner schnappte nach Luft. "Sie meinen, Sie haben... - Wirklich? Aber wenn man einen Lorrick auch nur ärgert... Sagen Sie, Mrs. Aryshtin, hat er denn nicht fürchterlich gestunken?"
Die Rhazaghani gluckste. "Nur zu Anfang, Driok, später nicht mehr!" Sie hielt inne und blickte von ihrer Karte auf. "Hören Sie, Kal-Jinn, möchten Sie denn nichts essen?"
Bis zu diesem Punkt hatte der Verkaufende das Gespräch mit wachsendem Staunen verfolgt, doch nun bemerkte der junge Ober seine Verblüffung und hielt eine Erklärung für angebracht.
"Mrs. Aryshtin hat fast ein Jahr auf Cardassia gelebt." erzählte er Kal-Jinn in unbefangenem Tonfall. "Dabei hat sie eine Menge Tiere kennengelernt, müssen Sie wissen. Sie hat sogar Urdus gesehen, lang wie zwei ausgewachsene Männer, dabei heißt es, sie wären schon lange ausgestorben."
"Wir nannten sie damals Tümpelwächter." warf die Rhazaghani ein, während sie sich wieder in ihre Speisekarte vertiefte. "Lang, aber ziemlich dumm. Sie fangen sich fast von selbst, es reicht völlig aus, sich neben das Wasser zu stellen."
Allmählich fand der Verkaufende seine Sprache wieder. "Sie waren auf Cardassia, Inaja Aryshtin?" fragte er fassungslos. "Wann?"
Die Befragte zuckte die Achseln. "Nach Föderationszeitrechnung dürfte es jetzt gut drei Standardjahre her sein."
"Aber vor drei Standardjahren..." Kal-Jinn verstummte. Man mußte kein Rechenkünstler sein, um zu wissen, daß Cardassia vor drei Jahren noch mitten im Krieg gestanden hatte. Trotzdem gab es irgendetwas, das ihn ihre Aussage nicht einen einzigen Augenblick bezweifeln ließ. Stattdessen begann er sich zu fragen, was es für eine Frau sein mochte, die es im Dominionkrieg fertiggebracht hatte, es hinter die feindlichen Linien zu schaffen und ein Jahr lang im Herzen des Feindes zu überleben. Wer sie auch immer nach Risa geschickt hatte, mußte einen sehr triftigen Grund gehabt haben; und das war es vermutlich, was sich der Ryaichan ebenfalls sagte.
"Verzeihen Sie, Sir! Sie möchten doch sicher die risanische Karte?" unterbrach Driok seine Gedanken.
Kal-Jinn blickte auf. "Nein, ich nehme ebenfalls die cardassianische, vielen Dank!" antwortete er. "Oder können Sie mir vielleicht ein Gericht besonders empfehlen?"
Der junge Cardassianer lächelte. "Nehmen Sie den Ulab-Teller!" erwiderte er und blinzelte ihm verschmitzt zu. "Ich esse ihn auch selbst."
"Ausgezeichnet! Ich denke, in dem Fall habe ich meine Wahl getroffen."
Er sah zu Aryshtin hinüber und stellte fest, daß sie ihn voller Interesse über ihre Karte hinweg beobachtet hatte. Einen Moment noch fand er sich aufmerksam gemustert, dann blitzte es in ihren Augen vergnügt auf und sie wandte sich Driok zu.
"Für mich das Gleiche, Driok! Ich glaube, in Zukunft werde ich mich lieber gleich nach Ihrem Abendessen erkundigen."
Nur einen kurzen Augenblick später kam der junge Mann mit zwei dampfenden Tellern aus der Küche und stellte sie vor den beiden Gästen ab. Kal-Jinn nickte ihm dankend zu, doch Aryshtin schaute sich auf dem Tisch um, als suche sie etwas.
"Driok, ich fürchte, Sie haben etwas vergessen."
Der Cardassianer seufzte bekümmert. "Wie Sie wollen, Mrs. Aryshtin!" antwortete er ergeben.
Er ging noch einmal in die Küche und stellte gleich darauf das Gewünschte auf den Tisch. Anschließend schaute er zu, wie die Rhazaghani ihr komplettes Essen in cardassianischer Yamok-Sauce ertränkte. Er schüttelte den Kopf.
"Warum tun Sie das, Mrs. Aryshtin? Sie mögen das Zeug doch nicht einmal."
Aryshtin sah von ihrem Teller auf, und Kal-Jinn, der sie still beobachtete, glaubte eine sonderbare Hilflosigkeit in ihrem Blick zu erkennen.
"Die Dinge, die wir mögen und jene, die wir müssen, sind nicht immer Weggefährten, Driok!" lautete ihre betrübt klingende Antwort.
Der Cardassianer nahm die Speisekarten vom Tisch und preßte sie gegen die Brust.
"Ich hatte immer geglaubt, auf Risa wäre das der Fall." murmelte er verwirrt. "Zumindest was das Essen angeht."
Dann drehte er sich um und kehrte in die Küche zurück.
Kal-Jinn erkannte bereits nach dem ersten Bissen, daß der Ulab-Teller ausgezeichnet zubereitet worden war. Gleichzeitig merkte er jedoch, daß der junge Driok recht gehabt hatte: Aryshtin schmeckte das Essen nicht. Ohne jeglichen Genuß und fast zwanghaft schob sie die mit reichlich Sauce bedeckten Stücke in den Mund, und ihr häufiger Griff nach dem bereitstehenden Glas Wasser ließ vermuten, daß ihr das Gericht viel zu salzig war. Je länger er sie beobachtete, um so mehr bekam er den Eindruck, daß sie einen Kampf ausfocht, doch von was für einer Art, vermochte er nicht zu sagen. Diese ganze Frau schien ein unlösbares Rätsel zu sein.
Unterdessen hatten sich zwei Terraner an einen nahestehenden Tisch gesetzt und ein fast unüberhörbares Gespräch begonnen. Nach kurzer Zeit hob Aryshtin den Kopf und schien sich durch die lautstarke Unterhaltung von ihrer Mahlzeit ablenken zu lassen. Kal-Jinn warf einen diskreten Seitenblick zum Nebentisch hinüber. Seine Erfahrung sagte ihm, daß die beiden Männer dort keine Urlauber waren; stattdessen nahm er an, daß es sich um Angehörige einer Frachterbesatzung handelte. Wahrscheinlich befand sich ihr Schiff im Orbit und war gerade im Begriff, seine Ladung zu löschen.
"Fünf Jahre!" knurrte der Ältere der beiden gerade. "Fünf Jahre die man auf ein- und demselben Pott verbracht hat, und dann muß man sich so etwas anhören. Von wegen 'Ich wollte nur ganz sichergehen'. So redet man nicht mit alten Freunden, verdammt!"
"Ich weiß auch nicht, was Grischa sich dabei gedacht hat." pflichtete ihm der andere bei. "Außerdem, als ob man sich ein Injektorventil einfach unter den Overall stecken könnte. Ich sag dir eins: Auf Risa stimmt was nicht, das ist es! Weißt du, was mir Vico vor zwei Monaten über Subraum erzählt hat? Sein Schiff war gerade in der Reedereiwerft überholt worden, und kaum waren sie ein paar Tage hier, da verschwindet ein komplettes neu eingesetztes Krüger-Kühlelement - einfach so. Diese neuen leistungsstarken Dinger sind vielleicht klein, trotzdem schafft man sie niemals unbemerkt von einem Schiff runter. Der Bordingenieur hat geschworen, daß bei der letzten Kontrolle noch alles in Ordnung war, und tatsächlich konnte der Captain weder ihm noch sonst jemandem etwas nachweisen. Sie mußten sich damit abfinden, daß das Ding weg war."
Sein älterer Freund runzelte die Stirn. "Und du meinst, es liegt an Risa?" forschte er nach.
"Klar! Hör mal öfter in den Frachterchat rein, da war im letzten halben Jahr schon von vier oder fünf Vorfällen die Rede. Angeblich soll sich sogar ein Schiff der Sternenflotte darunter befinden, auch wenn die Föderalen natürlich dementiert haben. Es war jedesmal dasselbe; wertvolle Ausrüstungsgegenstände oder neue Schiffsteile sind buchstäblich über Nacht verschwunden, und immer befanden sich die Schiffe im risanischen Orbit. Einige Leute behaupten mittlerweile, Risa hätte sich nach dem Krieg zu einem der größten Treffpunkte für Technologieschmuggler und Hehler aller Art entwickelt."
"Na schön, aber wie holen sie die Sachen unbemerkt raus?"
"Das weiß eben keiner. Vico glaubt, daß sie es fertigbringen, das Zeug mitten im Schiff zu orten und durch einen neuartigen Transporter rauszubeamen, aber das kann ich mir nicht vorstellen." Er beugte sich vor und senkte die Stimme ein wenig. "Weißt du, was ich dagegen glaube? Meiner Ansicht nach haben die Cardassianer noch etwas anderes mit hierhergebracht außer ihren häßlichen Visagen und dieser stinkenden Ketchup-Imitation, wenn du verstehst was ich meine."
Kal-Jinn sah, wie sich Aryshtins Miene schlagartig verdüsterte. Sie schob ihren nahezu geleerten Teller abrupt von sich und lehnte sich zurück.
"Driok!" rief sie zu dem jungen Cardassianer hinüber, der gerade ein paar Tische weiter das Essen servierte. "Ich würde gerne zahlen. Ich habe mir jetzt genug kindisches Frachtergeschwätz anhören müssen."
Gleich darauf griff sie in die an ihrem Gürtel befestigte Geldbörse und drückte dem herbeigeeilten jungen Mann den Entgelt sowie ein großzügig bemessenes Trinkgeld in die Hand.
"Das Essen und die Yamok-Sauce waren ausgezeichnet, Driok!" betonte sie, während sie den beiden überraschten Männern einen feindseligen Blick zuwarf. Drioks gestotterten Dank beantwortete sie mit einem freundschaftlichen Schlag auf die Schulter, dann verließen sie und Kal-Jinn das Restaurant.
"Ärgern Sie sich nicht, Inaja Aryshtin!" riet ihr der Verkaufende, während er neben ihr Schritt hielt. "Manche Außenweltler haben sich noch nicht an die cardassianischen Einwanderer gewöhnt. Hin und wieder begegnet man eben Leuten, die so reden."
Aryshtin warf ihm im Gehen einen Seitenblick zu.
"Sie tun das nicht!" bemerkte sie.
"Nein, warum auch? Die cardassianischen Immigranten sind ein Gewinn für Risa. Wie Sie schon richtig bemerkten, haben wir Schwierigkeiten, unsere Bevölkerungszahl konstant zu halten. Natürlich kann man nicht abstreiten, daß es auch kriminelle Elemente unter den Zugereisten gibt, doch das ändert nichts daran, daß die meisten Cardassianer fleißige, ergebene und äußerst disziplinierte Bürger sind. - Wo gehen wir eigentlich hin, Inaja Aryshtin?"
"Nach Barioncy!" antwortete sie wie selbstverständlich.
Der Verkaufende schnappte nach Luft und blieb abrupt stehen.
"Nach Barioncy?" wiederholte er entsetzt. "Aber Inaja Aryshtin, Barioncy ist das verrufenste Vergnügungsviertel der ganzen Hauptstadt! Die Syndikate haben es fest im Griff, und selbst unsere Ordnungskräfte halten sich nach Möglichkeit dort heraus. Man ist bemüht, daß die Kriminalität von dort nicht auf andere Stadtteile übergreift, aber das ist auch schon alles. Diese Gegend kann nicht einmal mit gutem Willen als schön bezeichnet werden, sie ist ein Gemisch aus Spelunken, Absteigen und Spielhöllen, nichts weiter. Bitte, Inaja Aryshtin, ich versichere Ihnen, wenn Sie sich vergnügen wollen, ist Endraky ein wesentlich geeigneterer Ort. Ich kann Ihnen Bäder zeigen, die..."
"Sie hatten mir zugesagt, daß Sie mich überallhin begleiten wollen." unterbrach ihn Aryshtin, die sich von seinen Einwänden vollkommen unbeeindruckt zeigte. "Ich jedenfalls gehe nach Barioncy. Wenn Ihnen das nicht gefallen sollte, wird es wohl das beste sein, wenn Sie mich jetzt an dieser Stelle verlassen."
Kal-Jinn sah sie einen Moment lang verzweifelt an, dann seufzte er tief und nickte.
"Nach Barioncy!" stimmte er ihr ergeben zu.
Sie mußten noch einen kompletten Stadtteil durchqueren, aber Kal-Jinn stellte zum zweiten Mal an diesem Tage fest, daß seine Kundin sehr bewegungsfreudig und außerordentlich gut zu Fuß war. Seinen Vorschlag, einen Gleiter zu chartern, lehnte sie rundheraus ab. Glücklicherweise war er als Verkaufender daran gewöhnt, viel in der Stadt unterwegs zu sein, ansonsten hätte der lange Fußmarsch eine erhebliche Härte für ihn bedeutet. Schließlich aber sagten ihm seine sämtlichen vorhandenen Sinne, die Nase nicht ausgenommen, daß sie nun Barioncy erreicht hatten.
Das Publikum auf der Straße hatte sich erheblich gewandelt. Viele Vorübergehende standen eindeutig unter dem Einfluß von Alkohol oder anderen Drogen, womöglich auch noch in bunter Kombination. Dem gesamten, von dem grellen Licht der Bars beleuchteten Fußgängerstrom haftete etwas Aggressives an, und Kal-Jinn hatte Mühe, dafür zu sorgen, daß Aryshtin nicht angerempelt wurde. Hin und wieder traf ihn im Gedränge ein heftiger Stoß oder ein anzüglicher Blick, doch darauf kam es nicht an. Seine Aufgabe war es, seine Inaja unbelästigt durch dieses Gewimmel zu geleiten, allerdings erwies sich das als nicht ganz einfach, weil sie unverdrossen an ihrem Schrittempo festhielt.
Als Aryshtin unvermittelt in eine Seitenstraße abbog, geschah es, daß Kal-Jinn kurz den Anschluß zu ihr verlor und sich erst wieder den Weg zu ihr freikämpfen mußte.
"Hey, schöne Inaja!" hörte er im nächsten Augenblick eine männliche Stimme von weiter vorn. "Schau mich an! Glaubst du nicht, daß du mit mir eine Menge Spaß haben könntest?"
Kal-Jinns Gesicht verdunkelte sich, und er schob sich energisch durch die Menge. Er konnte zwar erkennen, daß sich Aryshtin gegenüber dem plötzlichen Hindernis zu ducken begann, doch dieses hier betrachtete er als seine Angelegenheit. Als er neben ihr anhielt, wußte er, daß es nicht nötig war, einen Blick auf den Hals des anderen zu werfen. Die niveaulose Ansprache hatte voll und ganz genügt, ihn darüber zu unterrichten, daß dieser kein Kategoriekennzeichen besaß.
Der freizügig gekleidete junge Mann warf einen überraschten Blick auf Kal-Jinn, der ihn düster erwiderte. Schon im nächsten Moment blieben die Augen des Illegalen an dem goldenen Kennzeichen hängen und er hob sich ergebend die Hände.
"Schon gut!" brachte er hastig heraus. "Meine Güte, ich wußte ja nicht... Ich meine, ich wollte keinen Ärger machen. Es ist deine Kundin, okay, Kumpel?"
Gleich darauf war er im Straßengewimmel untergetaucht.
Aryshtin wandte sich zu Kal-Jinn um und sah ihn an. Ihrem Gesicht war nicht einmal ein Anflug von Dankbarkeit anzusehen.
"Ich hatte keine Unterstützung nötig." sagte sie gelassen.
Der Verkaufende trat neben sie. Er kannte Aryshtin noch nicht lange, aber nach seinen bisherigen Beobachtungen hatte es nicht viel Sinn, jetzt mit einer ritterlichen Erklärung anzufangen.
"Der Mann ist ein Illegaler." versuchte er ihr begreiflich zu machen. "Ich weiß nicht, von welcher Welt er stammt, aber er unterliegt nicht einmal gesundheitlichen Kontrollen, während man über seine Absichten bestenfalls Vermutungen anstellen kann. Solche Leute bringen die risanische Prostitution in Verruf, und darum kann ein Verkaufender sie nicht einfach tolerieren, verstehen Sie?"
Aryshtin schwieg. Einen Moment lang betrachtete sie ihn mit gerunzelter Stirn, doch mit einem Mal begann sich ihr Gesicht aufzuhellen. In ihren Augen funkelte es begreifend.
"Sie meinen, er ist ein Eindringling." faßte sie seine Worte zusammen. "Ein Eindringling, der hier draußen unterwegs ist und Ihr Revier unsicher macht. Wenn Sie auf ihn treffen, wird Sie nichts daran hindern, ihn zumindest zu vertreiben."
Sie nickte zufrieden und drehte sich wieder um, doch dann zögerte sie und warf ihm noch einen Blick über die Schulter zu.
"Sie haben sich schnelles Wild ausgesucht, Kal-Jinn!" teilte sie ihm mit einem Schmunzeln mit. "Passen Sie also gut auf, daß es Ihnen nicht wieder davonläuft."
Daraufhin fuhr sie fort, sich raschen Schrittes einen Weg durch die Fußgängermenge zu bahnen.
Wenig später schienen sie am Ziel angelangt zu sein. Aryshtin hielt auf einen Nachtclub zu, der die benachbarten Bars um einiges an Größe und Aufmachung übertraf. Über dem Eingang verkündeten ständig variierende Holoschriftzeichen in allen Regenbogenfarben, daß der Name des Etablissements 'Die Andockrampe' lautete. Kal-Jinn warf ihnen einen unbehaglichen Blick zu, dann folgte er seiner Inaja hinein.
Drinnen wurden sie von einem beängstigenden Gedränge und einer geradezu ohrenbetäubenden Geräuschkulisse empfangen. Auf mehreren dicht umlagerten Bühnen fanden Vorführungen statt, die der Verkaufende nur als ordinär bezeichnen konnte, doch Aryshtin schenkte weder den frivolen Darbietungen noch der langen Theke Beachtung. Zielstrebig schob sie sich durch das Gewühl, bis sie das Ende der überfüllten Räumlichkeiten erreicht hatte, gelangte in einen kurzen Gang und folgte ihm bis zu seinem Ende. Ohne ihren Schritt zu verlangsamen passierte sie einen nausikaanischen Türsteher und betrat ein kleineres Zimmer, wo bereits mehrere Personen um einen Tisch versammelt saßen. Einer von ihnen, ein hochgewachsener Risaner mittleren Alters, sah von seinen Karten auf.
"Sie kommen spät!"
Die Rhazaghani zuckte gleichgültig die Achseln und zog sich einen Stuhl heran.
"Wenn schon! Dann steige ich eben in der nächsten Runde ein."
Kal-Jinn war neben dem Tisch stehengeblieben. Ganz offensichtlich wurde hier Intin gespielt, eine risanische Variation des Föderationspokers, den Sternenflottenleute schon vor über zwei Jahrhunderten nach Risa gebracht hatten. Man mußte nicht besonders helle sein, um zu ahnen, daß es wohl kaum die entschärfte Variante war, die in diesem Raum bevorzugt wurde.
"Inaja Aryshtin," drängte er sie voller Unruhe, "ich glaube, es wäre besser, wenn..."
Der Risaner, offensichtlich der Hausherr, wandte nun erstmalig seine Aufmerksamkeit Kal-Jinn zu. Er betrachtete ihn ebenso interessiert wie sorgfältig, dann blickte er mit einem anzüglichen Grinsen zurück zu der Rhazaghani.
"Aber Mrs. Aryshtin," begann er in vorwurfsvollem Tonfall, "warum haben Sie uns denn nicht gesagt, daß Sie sich ein wenig einsam fühlen? Ich wüßte wirklich keinen unter uns, der Ihnen nicht jederzeit gern zu Diensten gewesen wäre; ein Wort von Ihnen hätte genügt. Zugegeben, vielleicht sind wir nicht ganz so hübsch wie Ihr eleganter Freund hier, aber der Spaß wäre Sie weitaus billiger gekommen, das können Sie mir glauben."
In der Runde erhob sich zustimmendes Gelächter, das Aryshtin nicht im mindesten aus der Ruhe brachte. Sie lehnte sich zurück und legte die Fingerspitzen zusammen.
"Ich wollte einen niveauvollen und vertrauenswürdigen Begleiter." antwortete sie gelassen. "Und damit dürften die hier Anwesenden stark überfordert sein. - Setzen Sie sich zu uns, Kal-Jinn!"
Der Angesprochene schaute bezeichnend nach unten. Der einzige noch in Frage kommende Stuhl war von einem Lardai belegt, der sich eng auf der Sitzfläche zusammengerollt hatte. Das Tier besaß ein tiefschwarzes Streifenmuster und war mindestens viermal so groß wie der kleine Disi. Momentan lag es ruhig und beobachtete den Verkaufenden aus hellgelben Augen, aber es machte den Eindruck, als ob es in der Lage wäre, sehr schnell zu reagieren.
Kal-Jinn wandte den Blick. Auf dem Stuhl daneben lehnte der Besitzer des Lardais und grinste erwartungsvoll. Es war leicht ersichtlich, daß von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten war.
Aryshtins Augen verengten sich. Im nächsten Augenblick erklang ein derart wütendes Fauchen, daß sämtliche Anwesenden zusammenzuckten. Ein Glas kippte mit dumpfem Klirren um, mehrere Karten segelten zu Boden. Als die Spieler sich gleich darauf wieder gefaßt hatten, stellten sie fest, daß sich der Lardai unter den Tisch geflüchtet hatte.
Aryshtin schien sich kaum bewegt zu haben, doch sie warf einen warnenden Blick in die Runde. "Kal-Jinn," wandte sie sich daraufhin an ihren Begleiter, "ich glaube, Sie haben einen Stuhl."
Der Besitzer des Tieres war offensichtlich noch immer im Begriff, sich von dem Schreck zu erholen. "Das war nicht nötig!" sagte er vorwurfsvoll, während der Verkaufende zwischen ihm und Aryshtin Platz nahm.
"Es steht Ihnen frei, mit Ihrem Symbionten zu tauschen." antwortete die Rhazaghani kühl. "Im übrigen habe ich den Eindruck, daß es Zeit für eine neue Runde wird. Sind das nicht Ihre Karten da unten?"
Kurz darauf wurde neu ausgeteilt. Kal-Jinn beobachtete besorgt, wie Aryshtin ihre Karten aufnahm und beugte sich vorsichtig zu ihr hinüber.
"Bitte, Inaja Aryshtin," raunte er ihr in beschwörendem Tonfall zu, "diese Männer sind mit allen Wassern gewaschen, Sie dürfen sich nicht auf ein Spiel mit ihnen einlassen. Glauben Sie mir doch, Sie haben nicht die allergeringste Chance, gegen sie zu gewinnen."
"Nicht doch, da tust du ihr Unrecht, mein Junge!" schaltete sich der Hausherr ein. "Es stimmt zwar, daß wir ihr am Anfang einiges abnehmen konnten, aber ich kenne niemanden, der so schnell Intin gelernt hätte wie unsere hochverehrte Mrs. Aryshtin. Mittlerweile dürfte sie ihre Verluste zumindest annähernd wieder wettgemacht haben." Er grinste gutgelaunt in die Runde. "Und schließlich wurde hier schon lange nicht mehr so ehrlich gespielt wie in der letzten Zeit, oder irre ich mich?"
Einer der Männer lachte. "Was bleibt einem übrig? Irgend jemand muß sie mit Schiffssensoren ausgestattet haben. Ich kenne schon ein paar wachsame Leute, aber Mrs. Aryshtin kann man nur noch als unheimlich bezeichnen."
"Gute Beobachtungsgabe hat nichts Unheimliches an sich." gab die Rhazaghani zurück. "Das würden Sie rasch feststellen, wenn Ihr Überleben davon abhängig wäre." Sie sortierte gemächlich ihre Karten und warf ihrem Gastgeber darüber hinweg einen Blick zu. "Wie sieht es eigentlich aus, Mr. Cusari? Haben Ihre Leute noch etwas in Erfahrung bringen können, das für mich von Interesse ist? Sie wissen ja, daß ich gut für Informationen zahle."
Der Angesprochene spielte aus und zuckte die Achseln. "Es sieht so aus, als ob Ihr Mann kurz vor seinem Verschwinden auch Gespräche mit dem Nordsyndikat geführt hat. Jedenfalls hat er Schmuggelgeschäfte mit den Lemnorianern durchgezogen; mit viel Erfolg, soweit ich erfahren habe. Anscheinend hatte er schon kurz nach seiner Ankunft ein kleines aber tüchtiges Trüppchen um sich versammelt. Solchen Leuten wie Aurelak Hiss dürfte er damit einiges an Konkurrenz gemacht haben."
Aryshtins Gesicht verfinsterte sich, und sie legte in mühsamer Beherrschung die Faust auf den Tisch.
"Das ist noch immer nichts Neues, diese Auskünfte bekomme ich hier in der Gegend seit drei Dekaden zu hören. Ich sagte Ihnen bereits, daß mich vor allen Dingen Hinweise über seinen Verbleib interessieren. Wenn das alles ist, was Sie mir bieten können, scheinen die Berichte über Sie doch sehr übertrieben zu sein."
Ein Kellner erschien und stellte ein Glas mit transparentem Inhalt neben ihr ab. Sie hob verwundert den Kopf, dann beugte sie sich vor und betrachtete mißtrauisch die Flüssigkeit.
"Was ist das?" erkundigte sie sich.
Cusari sah sie an und lächelte. "Eine kleine Kostprobe auf Rechnung des Hauses. Ich dachte mir, für jemanden der Alkohol so ausgezeichnet verträgt wie Sie, wäre es schade, sich ausschließlich mit romulanischem Ale abzugeben. Vielleicht möchten Sie sich einmal an einer neuen Herausforderung versuchen."
Plötzlich sah Kal-Jinn aus dem Augenwinkel, wie sich jemand über den Tisch beugte. Eine schmale olivfarbene Hand griff gemächlich nach dem Glas und schüttete seinen Inhalt in aller Ruhe auf den Boden. Dann stellte sie das leere Gefäß zur Seite.
"Nein." sagte eine ruhige Stimme. "Das ist ganz bestimmt nicht das Richtige für sie. Ich würde vorschlagen, Sie lassen lieber ein Ale kommen."
Cusari schwieg einen Moment und schürzte nachdenklich die Lippen. Dann blickte er auf und nickte dem Kellner zu. "Na gut, Sie haben es gehört! Ein romulanisches Ale für unsere reizende Mrs. Aryshtin!"
Kal-Jinn drehte den Kopf und begegnete den dunklen Augen eines Orioners.
Er war klein, fast zierlich, und erwiderte den Blick des Verkaufenden mit einem Lächeln, das etwas äußerst Unheimliches an sich hatte. Gleichzeitig strahlte er die Gelassenheit eines Mannes aus, der wußte, daß er mit dem Anflug eines Stirnrunzelns seine komplette Umgebung in Panik versetzen konnte. Mr. Cusari war es jedenfalls anzusehen, daß er seinen Gast noch immer mit Unruhe beobachtete.
Kal-Jinns Stimme schien sich unvermittelt selbständig zu machen.
"Warum haben Sie das getan?" brachte er heiser heraus.
Der Orioner senkte die Lider und warf einen nachlässigen Blick dorthin, wo das verschüttete Getränk eine Pfütze am Boden bildete. Dann sah er erneut den Verkaufenden an.
"Ich bin sicher, daß es nicht gut für Mrs. Aryshtin wäre." ließ er ihn wie selbstverständlich wissen. "Und ich möchte gern ganz sicher gehen, daß sie sich in einem guten gesundheitlichen Zustand befindet, wenn ich sie verkaufe. Es erhöht den Preis, verstehen Sie?"
Aryshtin entblößte die Zähne zu einem ebenso selbstbewußten wie grimmigen Lächeln.
"Soll das etwa heißen, daß Sie noch immer keinen Käufer für mich gefunden haben? Und das bei Ihren Beziehungen, Mr. Rako? Ich muß sagen, Sie enttäuschen mich."
Der Orioner lehnte sich vor und sah sie genau an.
"Ich bin in der Lage, warten zu können." antwortete er überraschend sanft. "Haben Sie nur noch ein ganz kleines bißchen Geduld, Mrs. Aryshtin!"
Kal-Jinn blickte zwischen den beiden hin und her, und plötzlich stieg ein furchtbarer Verdacht in ihm auf. Ungeachtet der Beobachter beugte er sich zu der Rhazaghani hinüber, während er den Orioner nervös im Auge behielt.
"Inaja Aryshtin," fragte er so leise wie es ihm möglich war, "wer ist dieser Mann?"
"Mr. Rako? Nun, seine Geschäfte lassen ihn viel in Barioncy herumkommen. Man nennt ihn hier auch den kleinen Orioner, wenn Ihnen das mehr sagen sollte."
Der Verkaufende spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach.
"Bitte, Inaja Aryshtin," zischte er ihr verzweifelt ins Ohr, "Sie dürfen auf gar keinen Fall länger hierbleiben. Dieser Mann da drüben gilt als extrem gefährlich. Wenn ich Ihnen erzählen würde, was in Olanki alles über ihn in Umlauf ist..."
"Sie sollten auf Ihren Begleiter hören, Mrs. Aryshtin!" stimmte ihm Mr. Rako freundlich zu und bewies damit, daß Orioner ein ebenso feines Gehör wie Vulkanier besaßen. "Er hat ganz recht, Sie sind unvorsichtig. Vielleicht wäre es wirklich vernünftiger, wenn Sie sich etwas mehr vor mir in acht nehmen würden."
Aryshtin warf einen scharfen Blick hinüber und lachte verächtlich.
"Machen Sie sich seinetwegen keine Sorgen, Kal-Jinn! Er wäre niemals imstande, mir etwas anzutun. Ich bin weitaus stärker als er, und das weiß er genau. Stimmt es etwa nicht, Mr. Rako?"
Kal-Jinn sah, wie das Lächeln des Orioners langsam erlosch. Er senkte den Kopf, und in die schwarzen Augen trat ein sonderbares Funkeln.
"Es mag sein, daß Sie stark sind." sagte er leise. "Aber auch die Starken haben irgendwann einmal einen Moment der Schwäche. Vergessen Sie das besser niemals, Mrs. Aryshtin!"

Als sie später hinaus in die Nachtluft traten, konnte es Kal-Jinn kaum fassen, daß sie beide noch am Leben und zudem unverletzt waren. Immer wieder sah er sich vorsichtig um, während er Aryshtin hinterher eilte.
"Es ist kaum zu glauben, daß diese Leute Ihnen nicht die Taschen ausgeleert haben." wunderte er sich. "Sie haben sogar ein wenig Geld gewonnen. Woher wußten Sie, daß Mr. Cusari beide Male geblufft hat, Inaja Aryshtin?"
"Das war nicht sonderlich schwer." antwortete sie etwas abwesend. "Er hat zwar sein Gesicht unter Kontrolle, aber das gilt nicht für seinen Schweiß. Man braucht keine sehr feine Nase, um ihn wahrzunehmen; ein wenig Übung reicht vollkommen aus."
Einen kurzen Moment lang schwieg der Verkaufende verblüfft, dann beschleunigte er seinen Schritt und schloß zu ihr auf.
"Inaja Aryshtin," begann er vorsichtig, "es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber Sie sind dabei, sich in höchste Gefahr zu begeben. Diese Männer sind allesamt Kriminelle und nicht der richtige Umgang für jemanden wie Sie. Glauben Sie mir, es ist besser, wenn Sie nicht wieder dorthin gehen."
Die Rhazaghani stieß gereizt die Luft aus. "Falls Ihnen das entgangen sein sollte: Ich habe die Situation voll und ganz im Griff. Diese Leute sind in der Lage, mir Informationen zu besorgen, die ich brauche, und darum werde ich weiterhin Kontakt zu ihnen halten. Ich bin nicht bereit meine Suche aufzugeben, nur weil Ihnen mein Umgang nicht gefällt."
"Voll und ganz im Griff?" Er sah sie an und schüttelte fassungslos den Kopf. "Glauben Sie das tatsächlich? Hören Sie, momentan mögen diese Männer Ihre Gegenwart noch als amüsant empfinden, aber Sie müssen jederzeit damit rechnen, daß ihre Duldsamkeit von einem Augenblick zum anderen ein Ende hat. Wissen Sie denn nicht, was in dem Fall mit Ihnen passieren wird? War Ihnen die Drohung des kleinen Orioners wirklich nicht deutlich genug?"
Aryshtin fuhr herum. In ihren Augen blitzte es.
"Ich habe allmählich genug von Ihrem Geschwätz." fauchte sie. "Ich habe Sie angestellt, weil ich annahm, Sie wären in der Lage, mich zu verstehen. Stattdessen scheinen Sie mich für nichts weiter als ein unselbständiges kleines Kind zu halten. Damit Sie es wissen: Ich habe keinen Aufpasser nötig, und ich habe auch kein Interesse an einem Begleiter, der nicht bereit ist, mir auch nur das geringste Vertrauen entgegenzubringen. Sie haben Ihr heutiges Honorar von mir erhalten; lassen wir es dabei bewenden, Mr. Kal-Jinn!"
Sie wandte sich abrupt ab und ging davon. Gleich darauf bog sie in eine Seitengasse ein, und obwohl Kal-Jinn ihr nacheilte, war sie bereits verschwunden, als er die dunkle Straße erreicht hatte. Er lauschte noch einen Moment, aber es blieb alles still. Es war, als hätte die Nacht sie verschluckt.
Kal-Jinn lehnte sich gegen das nächste Gebäude und seufzte tief. Dann schlug er frustriert mit der Faust gegen die Mauer. Er hatte versagt, hatte es an Fingerspitzengefühl fehlen lassen. Es hätte ihm klar sein müssen, daß man diese Frau nicht auf die schnelle Art überzeugen konnte. Stattdessen hatte er sich von seiner Angst zu vorschnellem Handeln hinreißen lassen, noch bevor er ihr Vertrauen errungen hatte. Darüber, was für Folgen aus seiner Ungeschicklichkeit erwachsen würden, mochte er im Moment nicht nachdenken.
Müde strich er sich das Haar aus der Stirn und machte sich auf den Rückweg. Mittlerweile war nur noch wenig Betrieb auf den Straßen; die Spielhöllen und Vergnügungsstätten spuckten ihre allerletzten Gäste aus. Kal-Jinn wußte, daß ihn ein langer Fußmarsch erwartete. Um diese Zeit bekam man keinen Gleiter mehr, jedenfalls nicht in Barioncy.
Es lag ein anstrengender und beunruhigender Tag hinter ihm, und so begannen ihn nach kurzer Zeit seine Erlebnisse wieder einzuholen. Inaja Aryshtin war eine der ungewöhnlichsten Kundinnen, die er jemals gehabt hatte, soviel stand für ihn fest. Schon die allererste Begegnung war seltsam gewesen. Kal-Jinn erinnerte sich an Arotays Erschauern, seine eigene Beklemmung, als er Aryshtin gegenüberstand, auch an Disis verblüffend aggressives Verhalten. Ein solch wütendes Geräusch hatte er von Neskijes Liebling noch niemals gehört. Gerade dieses Fauchen war es dann gewesen, das Aryshtin später in der Andockrampe nachgeahmt hatte, um den gestreiften Lardai vom Nebenstuhl zu vertreiben. Doch genaugenommen, und wenn Kal-Jinn länger darüber nachdachte, konnte man nicht direkt von Nachahmung sprechen. Die beiden Laute waren zwar einander ähnlich gewesen, aber was Aryshtin von sich gegeben hatte, hatte einen volleren und kräftigeren Klang besessen, so als ob es der Kehle eines weit größeren Lardais entstammte.
Eines Lardais, der eine Rückenlänge von wenigstens eineinhalb Schritt besaß.
Tiere. Im Restaurant hatte Aryshtin über cardassianische Tiere gesprochen und darüber, auf sie Jagd gemacht zu haben. Wie hatte sie sich über Disi geäußert? - "Er weiß noch einen Jäger zu erkennen!" gefolgt von "Sie haben sich schnelles Wild ausgesucht, Kal-Jinn!", bevor sie ihren Weg mit ihm fortsetzte. Wenn man ihre häufigen Stimmungswechsel einmal außer acht ließ, schien sich bei dieser Frau alles Denken und Empfinden um die Jagd zu drehen.
Hier ergab sich noch etwas Auffälliges: Die Jäger, die der Verkaufende kannte, pflegten gern und ausgiebig über ihre bevorzugten Waffen zu sprechen, doch bei Aryshtin war das nicht der Fall gewesen. Noch einmal beschwor er ihr Bild vor seinem inneren Auge. Irgend etwas in ihm sträubte sich dagegen, sie sich mit einem Jagddisruptor unter dem Arm vorzustellen.
Kal-Jinn begann intensiv nachzudenken. Mit welchem Hilfsmittel mochte Inaja Aryshtin wohl auf die Jagd gehen? "Ich bin weitaus stärker als er, und das weiß er genau!" Unwillkürlich erinnerte er sich an das Lächeln des kleinen Orioners, und wie es bei Aryshtins Worten erloschen war. So sah ein Mann aus, der sich voll und ganz im klaren darüber war, daß sein Gegenüber recht hatte.
Ein heftiger Schulterstoß riß ihn unversehens aus seinen Gedanken. Der Verkaufende stolperte und streckte haltsuchend die Hand nach der Gebäudewand aus.
"He!" zischte es aus dem Halbdunkel. "Paß doch auf, du Dreckstück!"
Die Männerstimme trug einiges an Alkohol mit sich. Kal-Jinn blickte auf und erkannte zwei Schatten, die sich dem ersten hinzugesellten.
"Was ist los, Sil, hast du Ärger?" fragte jemand.
"Hat mich absichtlich angerempelt, das Mistschwein. Da zahlt man die ganze teure Passage von der Erde, und was passiert? Erst haun´ sie einen übers Ohr, ziehn´ einem jeden Föderationsdukaten aus der Tasche, und zum Schluß darf man sich auch noch sowas bieten lassen. Diese miese parfümierte Nutte von Risa steht mir bis oben hin."
Das Herz des Verkaufenden begann heftig zu schlagen. Terraner! Kaum eine Spezies war so unberechenbar wie diese. Es konnte durchaus sein, daß man ihm nach ein paar Worten auf die Schulter klopfte und ihn dann in Ruhe ließ, genauso war aber denkbar, daß man ihn ohne Vorwarnung einfach umbrachte. Bei Terranern war absolut alles möglich. Verzweifelt schaute er von rechts nach links. Er hätte laufen sollen, solange er noch die Gelegenheit dazu hatte, aber nun spürte er die Mauer im Rücken, und jeglicher Fluchtweg war ihm versperrt.
Der Größte von den dreien trat vor und stieß ihn gegen die Schulter.
"Du hast unseren Freund gehört. Darf man fragen, was du dir dabei gedacht hast? Suchst wohl Streit, he?"
Kal-Jinn hob in einer verzweifelten, beschwichtigenden Geste die Hände.
"Bitte, meine Herren, der Stoß tut mir sehr leid. Ich war in Gedanken. Glauben Sie mir, es steckte keine Absicht dahinter..."
Der Mann, mit dem der Verkaufende zusammengestoßen war, machte einen Schritt auf ihn zu. "Merkt ihr was?" knurrte er. "Der Kerl versucht mich als Lügner hinzustellen. Na warte, Freundchen!"
Ein kräftigerer Stoß vor Kal-Jinns Brust folgte, dabei spürte er, wie die Faust des anderen gegen sein Kategorieabzeichen stieß. Der Mann stutzte und blieb einen Moment still.
"Hey!" rief er dann aus. "Wißt ihr, was das ist? Das ist einer von den Laffen mit Hundemarke, eine Schickse im Herrenanzug. Ihr wißt schon, die Typen, die hier herumlaufen und echten Männern die Weiber ausspannen. Genau die Sorte, die uns jetzt noch gefehlt hat, oder wie denkt ihr darüber?"
Der dritte und kleinste Schatten kam heran.
"Ich weiß nicht, Sil!" sagte er mit gedämpfter Stimme. "Der Bursche sieht mir ziemlich kräftig aus, ich weiß nicht, ob die Mühe überhaupt lohnt. Ich meine, was soll´s eigentlich?"
Sein Freund lachte. "Du kannst aufhören, dir in die Hose zu machen! Diese Typen dürfen sich nicht verteidigen, verstehst du? Ich hab´s vor ein paar Tagen gehört. Wenn sie es tun, kriegen sie Berufsverbot oder so etwas in der Art."
Kal-Jinn begann zu zittern. Was der Mann sagte, stimmte im großen und ganzen. Es war Verkaufenden unter Androhung der Linzenzentziehung untersagt, Gewalt gegen Gäste anzuwenden. Jedes Jahr zog es Scharen von Urlaubern nach Risa, und die meisten von ihnen kamen wegen der Verkaufenden, weshalb man einen Imageverlust unter allen Umständen vermeiden wollte. Außerdem beugte man Eskalationen am wirkungsvollsten durch eine passive Haltung vor, wie es von offizieller Seite hieß. Notwehr war zwar rein theoretisch erlaubt, aber für einen Verkaufenden war es sehr schwer, nachträglich zu beweisen, daß er nicht mehr hatte fliehen können und daß es außerdem um sein Leben gegangen war, vor allem wenn er seinen Gegner verletzt hatte. Das alles führte dazu, daß ein Verkaufender sich lieber verprügeln ließ und den anschließenden Verdienstausfall hinnahm, als sich gegenüber brutalen Gästen zur Wehr zu setzen.
"Meine Herren, bitte..." begann er voller Angst.
Im nächsten Augenblick traf ihn ein Faustschlag mit entsetzlicher Wucht in den Magen und raubte ihm den Atem. Während er sich zusammenkrümmte, überkam ihn eine Welle der Übelkeit, doch er hatte nicht einmal genug Luft, um richtig zu würgen. Verzweifelt kämpfte er dagegen an, seinen Mageninhalt von sich zu geben, als er auch schon spürte, wie er gepackt und hochgerissen wurde. Benommen hob er den Arm, um sein Gesicht zu schützen, doch der zweite Schlag erfolgte noch nicht. Stattdessen faßten die Männer zu und schleiften ihn mit sich, und der Verkaufende begriff, daß man sich ihm in einer ungestörteren Ecke widmen wollte. Anscheinend wußten seine Angreifer nicht, daß diese Vorsichtsmaßnahme in Barioncy überflüssig war. Hier würde ihm niemand helfen, egal wie laut er schrie.
Kal-Jinn war bereits zweimal von Gästen mißhandelt worden, hatte jedoch in beiden Fällen das Glück gehabt, nur Prellungen und Platzwunden davongetragen zu haben. Der Verdienstausfall war nicht sonderlich gravierend gewesen, doch dieses Mal wußte er, daß es schlimm werden würde. Wenn ihm seine Angreifer Teile des Gesichtsschädels zertrümmerten, konnte es etliche Dekaden dauern, bis man ihn für seine Arbeit wieder hergestellt hatte. Für Kal-Jinn stellte sein gutes Aussehen keine Annehmlichkeit, sondern eine unabdingbare Voraussetzung für seinen Beruf dar.
Die Terraner schleiften ihr Opfer in einen schmalen Durchgang zwischen zwei Gebäuden, und der Verkaufende registrierte halb betäubt, daß es hier ein wenig heller war. Von einer nahen Kneipe schien das Licht der Holobuchstaben in den Häuserspalt, in regelmäßigen Abständen von rosa auf grün und wieder auf rosa wechselnd. Offenbar wollte man sehen können, wohin man traf, möglicherweise aber auch einfach seine Reaktion auf die Mißhandlung beobachten.
Noch einmal hob er schützend seine Hand vor das Gesicht, aber sogleich zerrte man ihm beide Arme auf den Rücken. Der Mann namens Sil kam heran und grinste zufrieden.
"So, Freundchen, los geht´s! Hiernach wird nicht mal mehr die mieseste Schlampe ein Auge auf dich werfen, dafür werden wir sorgen."
Der Verkaufende sah eine Faust auf sich zurasen und drehte hastig den Kopf zur Seite, doch der Schlag streifte noch seine Nase und kollidierte schmerzhaft mit seinem Wangenknochen. Er stöhnte leise und biß die Zähne zusammen, während ihm einer der Männer ins Stirnhaar griff und sein Gesicht wieder nach vorn zerrte.
"Na warte, du Miststück!" murmelte sein Peiniger ärgerlich und holte erneut aus. "Paß auf, dieser hier trifft besser."
Die Umgebung wurde schlagartig dunkler. Ein riesenhafter Schatten war in den Spalt zwischen den beiden Gebäuden gefallen.
Der Verkaufende merkte, daß die Männer, die ihn festhielten, unversehens erstarrten. Mühsam verdrehte er die Augen und schaute zur Seite hinüber. Wenige Schritte entfernt erkannte er etwas Unglaubliches, ein Ding, eine Kreatur oder viel eher einen vierbeinigen Albtraum, der sich drohend näherte.
"Ich würde vorschlagen, ihr laßt ihn augenblicklich los." knurrte eine weibliche Stimme. "Ich möchte nur ungern den Rest der Nacht damit verbringen, eure Überreste aus meinen Zähnen zu stochern."
Ein entsetztes Keuchen war alles, was die drei Angreifer herausbrachten. Kal-Jinn wurde so abrupt losgelassen, daß er sich nicht mehr halten konnte und hilflos zu Boden sank. Dann waren nur noch die Schritte der Flüchtenden zu hören, die sich außerordentlich rasch entfernten.
Während der Verkaufende gegen Schmerz und Übelkeit kämpfte, hörte er, wie sich etwas auf ihn zubewegte. Gleich darauf wurde es still.
Kal-Jinn fühlte Blut aus seiner Nase laufen. Einen Moment lang bemühte er sich lediglich, ruhig und gleichmäßig durch den Mund zu atmen, dann hob er vorsichtig den Kopf.
"Inaja Aryshtin?" fragte er zaghaft.
Ein greller Blitz ließ ihn die Augen schließen. Dann kniete jemand bei ihm nieder.
"Kal-Jinn? Ist alles in Ordnung mit Ihnen?"
Hände griffen unter Kal-Jinns Arme und brachten ihn ebenso behutsam wie kraftvoll in eine Sitzposition. Gleich darauf spürte er stützend die Mauer im Rücken und sah, wie sich Aryshtin besorgt über ihn beugte.
"Es tut mir leid, daß ich nicht eher zur Stelle war. Es waren anfangs noch zu viele Passanten in der Nähe, und ohne Hilfsmittel war es nicht ganz leicht, Sie wiederzufinden."
Der Verkaufende betastete vorsichtig seine rasch anschwellende Wange und sah zu ihr auf.
"Warum sind Sie mir nachgegangen?"
Sie seufzte. "Es war falsch, mich einfach von Ihnen abzuwenden. Eigentlich pflege ich meine Leute nicht allein zu lassen, müssen Sie wissen. Diese Gegend ist gefährlich, darin ähnelt sie in gewisser Weise meiner Heimat."
Kal-Jinn schwieg und betrachtete ihr Gesicht, das abwechselnd grün und rosafarben beleuchtet wurde. Im Moment war nichts als mitfühlendes Bedauern darin zu finden, und so ging er das Wagnis ein.
"Verzeihen Sie, Inaja Aryshtin, ich warte normalerweise, bis meine Kundinnen von sich aus mit dem Thema anfangen." setzte er behutsam an. "Aber was ist Ihre Heimat?"
"Haben Sie schon etwas von Rhazaghan gehört?"
Er schüttelte stumm den Kopf.
"Machen Sie sich nichts daraus. Es hätte mich ehrlich gesagt auch gewundert."
"Sie sind in der Lage, Ihr Äußeres zu verändern, nicht wahr?"
"Ja, das ist richtig! Wie kamen Sie darauf, daß ich es sein mußte?"
Kal-Jinn lächelte. "Ich habe ein gutes Stimmengedächtnis. Außerdem war ich schon zuvor zu dem Schluß gekommen, daß Sie wehrhafter sein müssen, als Sie aussehen. Haben der kleine Orioner und die übrigen davon gewußt?"
"Das haben sie. Cusari hatte mich einmal gefragt, womit ich mir den Weg hinaus zu verdienen gedächte, und daraufhin habe ich meinen Mitspielern gezeigt, in welcher Gestalt sich ein Rhazaghaner freie Bahn zu verschaffen pflegt. Er hat die Frage anschließend nicht mehr wiederholt."
Der Verkaufende lachte und verzog ein wenig das Gesicht dabei. "Kann ich mir vorstellen!"
Er legte die Hand gegen die Mauer und begann sich in die Höhe zu stemmen. Aryshtin griff rasch zu und leistete ihm Unterstützung dabei.
"Geht es?" erkundigte sie sich fürsorglich. "Ich könnte Sie ebensogut tragen."
Kal-Jinn hatte Mühe, nicht laut aufzulachen. "Verzeihen Sie, Inaja Aryshtin, aber das wäre auf alle Fälle zu viel verlangt." entgegnete er. "Ich mag angeschlagen sein, aber ich habe auch noch so etwas wie eine Berufsehre. Außerdem möchte ich nur ungern in dieser Situation einem Kollegen begegnen, verstehen Sie?"
"Wenn Sie meinen! Sie wären freilich nicht der erste Verletzte, den ich auf meinen Schultern nach Hause schaffe."
Als sie beide gegen Morgen vor dem "Frühling" anhielten, musterte Aryshtin ihn noch einmal besorgt.
"Sie kommen wirklich zurecht?"
"Es ist halb so schlimm, machen Sie sich keine Sorgen um mich, Inaja Aryshtin!"
"Ich nehme an, Sie gehen heute erst einmal zum Arzt?"
Der Verkaufende nickte. "Ja, es gibt jetzt auf Risa eine Menge tüchtiger Mediziner. Ich denke, daß einer von ihnen wohl Zeit für mich erübrigen kann." Er sah sie an und zögerte einen Moment. "Kann ich aus Ihrer Frage ersehen, daß ich wiederkommen darf, Inaja Aryshtin?" erkundigte er sich dann zaghaft.
Sie lächelte verschmitzt. "Ich warne Sie, Sie sind auf jemanden gestoßen, der bei seinen Leuten als kompromißloser Plagegeist bekannt ist. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ja, ich würde mich freuen! Sie dürfen gerne wiederkommen, Kal-Jinn!"
Er wies ängstlich auf seine unförmig verschwollene Wange.
"Selbst wenn ich..."
Aryshtin betrachtete ihn mit großen Augen, dann bekam ihr Blick etwas Mitleidiges, als sie verstand.
"Sie meinen, selbst wenn Ihr Gesicht noch nicht wieder ganz in Ordnung sein sollte?" vervollständigte sie seinen Satz. "Hören Sie, Kal-Jinn, Sie sollten einmal mich und meinen Jagdtrupp sehen, wenn wir erfolgreich ins Habitat zurückkehren. Vermutlich würden Sie vor Entsetzen davonlaufen."
Sie schickte sich an hineinzugehen, schaute ihn jedoch noch einmal neugierig an.
"Was für Aufgaben gehören eigentlich noch zu Ihrem Beruf? Ich meine, wenn Sie nicht gerade die geschlechtlichen Bedürfnisse Ihrer Kundinnen erfüllen oder mit mir durch Barioncy laufen?"
Er legte den Kopf ein wenig schräg und seine Augen funkelten freundlich.
"Es wäre mir eine Freude, es Ihnen einmal zeigen zu dürfen, Inaja Aryshtin!"
Sie nickte nachdenklich, während sie ihn im Licht der Straßenlampen betrachtete.
"Warum nicht? Kehren Sie jetzt heim und schlafen Sie gut, Kal-Jinn! Ich denke, nach diesem Tag haben Sie es sich sehr verdient."
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