Willkommen in Berk!

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
07.05.2014
23.05.2014
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Mit einem letzten Seufzer riss ich mich von der Stadt hinter uns los und starrte auf das offene Wasser. Meine Eltern hatten dieses Jahr den grandiosen Einfall gehabt auf eine mehr oder weniger einsame Insel namens Berk zu fahren. Die ganzen Sommerferien lang! „Vivian“ hatte meine Mutter gesagt „diese Insel ist einfach himmlisch! Voller Geheimnisse und alter Legenden! Ein Vorfahre von uns, keine Ahnung wie der hieß, soll auch dort gelebt haben! Stell dir nur vor, wir fahren an unsere Wurzeln zurück!“ Klar und ich Pechvogel konnte keine Vorfahren in Kuba haben, wo sich jetzt meine allerbeste Freundin Sonja im Strand räckelte. Ich war wirklich ein Pechvogel wie er im Buche steht. Vor zwei Wochen hatte Leo mit mir Schluss gemacht. Leo Walker, mit dem ich fast fünf Monate zusammen gewesen war! Wütend verzog ich meine grünen Augen zu Schlitzen. Das nächste Desaster waren meine Haare gewesen. Sonja hatte immer gesagt, nach Liebeskummer muss was Neues her. Also ging ich zum Friseur. Und kam als Junge wieder raus. Wirklich war! Ich hatte Kurzhaarfrisur gesagt und hatte jetzt so kurze Haare, dass die gerade mal meine Ohren überdeckten. Dazu noch meine null komma nichts Oberweite, obwohl ich schon fast 14 war, die Sommersprossen und die grünen Augen. Kein Anblick wenn man an ein Mädchen dachte. Aber ich war bis vor zwei Wochen ganz zufrieden mit meinem Aussehen gewesen. Wie gesagt, bis vor zwei Wochen. „Vielleicht hatte Leo deshalb die Fliege gemacht. Weil ich aussehe wie ein Junge.“ hatte ich zu Anfang gedacht und es hatte unzählige Sonja-Schockomus-Spezialstunden gebraucht, ehe ich diesen Gedanken verdrängte.

Zurück zur Insel. Wie gesagt, es war da kalt, kein Handynetz, kein Internet und es gab anscheinend 9 Monate Schnee und 3 Monate Hagel. Ich fragte mich immer noch wieso die Wikinger sich nicht einfach einen schöneren Ort gesucht hatten. Kuba zum Beispiel! Eigentlich war ich ja nicht so der Typ für Meckereien, aber mein persönliches Gleichgewicht war nun mal heftig gestört worden. Mich konnte man normalerweise mit einem Buch in die Ecke setzten und vergessen. Ich seufzte herzzerreißend. Was war nur mit mir los? „Pubertät.“ würde meine Mutter jetzt fachmännisch sagen. Aber so war ich nicht. Nicht mal unter extremen Zuständen. Ich sehnte mich nach der alten, wenn auch ziemlich kleinen und schmächtigen Vivian zurück. Die, die ihre Freunde verteidigt, stundenlang vor sich hinträumen kann und keine Kurzhaarfrisur hat. Kurz gesagt, mir ging es so richt mies. Und meine Laune hob sich auch nicht wirklich als wir nach einer Schiffsreise von 8 Stunden endlich die Insel sahen, auf der ich die nächsten 6 Wochen festsitzen würde. Der Kahn, der meiner Meinung nach schon längst auf dem Meeresgrund liegen müsste, am Steg anlegte, erwartete uns die ganze Dorfgemeinde von sage und schreibe 25-30 Personen. Da war die achtköpfige Familie, die die Pansion leitete, die 3 Fischer, die beiden Frauen die jeweils einen Suveniershop führten und sich beide gerade stritten, welche Suveniers besser waren, der dicke Gastwirt mit seiner Frau und noch ein paar andere Leute, die hier einfach nur lebten. Wie wusste ich selbst nicht. Zu der Dorfgemeinde gehörten auch noch ein Haufen Schafe, sieben Hunde und eine Heerde Yak’s. Nicht mal richtige Kühe hatten die hier. Es sah fast so aus als währe die Zeit hier schon vor Urzeiten stehengeblieben. Die Pension war klein, nur vier Zimmer zu vermieten. Ich bekam mein eigenes. Meine Eltern hatten für den heutigen eine Erkundungstour für sich angesetzt und ich wollte mich auch auf dieser Insel umsehen. Nach drei Stunden hatte ich die genau Position von Berk ermittelt. Berk lag 12 Tage nördlich von Trostlos, ein paar Grad südlich von Schweinekalt und mitten auf dem Längengrad der Langeweile.

Meine Tour endete abrupt als ich an einem kleinen, windschiefen Haus ankam. Es sah aus wie ein Hexenhaus aus den Kindermärchen, die Mama und Papa mir früher immer vorgelesen hatten. Seltsamerweise kam mir dieser Ort nicht im Geringsten gruselig vor. Eher wie ein lang vergessenes Zuhause. Ich fasste meinen ganzen Mut zusammen und klopfte an die Tür an. Diese schwang knarrend auf und gab den Blick frei auf ein großes Kuddelmuddel aus Töpfen, Säcken, Schränken und einem Haufen Krimskrams. Von der Decke hingen Kräuter und verströmten einen schweren Duft der einen beinahe Ohnmächtig machte. Vorsichtig schlich ich in die Dunkelheit. „Hallo, ist jemand zu Hause?“ rief ich zaghaft in die Wohnung. Keine Antwort. Vielleicht wohnte hier seit Monaten niemand mehr. Mit der linken Hand wischte ich ein paar Spinnenweben vor meinem Gesicht weg und hatte nun freie Sicht auf eine Wand, die über und über mit seltsamen Ketten geschmückt war. Diese Ketten stellten alle möglichen Symbole dar. Ein Drache, ein Vogel, ein Schiff, noch ein Drache und so weiter. Ganz unten hing an einem kurzen Lederband ein kleiner schwarzer Stein, der die Form eines Schlüssels hatte. Unwillkürlich fühlte ich mich davon angezogen und streckte die Hand aus. „Das würde ich an deiner Stelle nicht machen Kleine.“ kam es plötzlich aus einer dunklen Ecke. Vor Schreck machte ich einen Satz nach vorne und rannte direkt in die Wand. Die Ketten kam in Schwindung und fielen alle auf mich herab. „Herrje, kannst du nicht aufpassen?“ schimpfte die mysteriöse Stimme ärgerlich und jetzt kam die kleine, verschrumpelte Gestalt zum Vorschein. Es war eine alte Dame. Und mit alt meine ich so richtig Ur-Ur-Ur-alt. Sie sah aus wie eine wandelnde Mumie. Eine stocksaure wandelnde Mumie. Und diese baute sich jetzt in ihrer vollen Größe vor mir auf und verdonnerte mich dazu, die ganzen Ketten wieder aufzuhängen. Mein Kommentar: „Aber Sie haben mich doch erschreckt.“ wurde mit einem wütenden „Ruhe und weitermachen.“ bestraft. Nach einer langen, langen und nochmals langen Zeit und einem Rückenkrampf war ich fertig. Die Mumie sahs inzwischen in einem alten Schaukelstuhl und paffte ein Pfeife. Und so was ihn ihrem alter. Das war unmöglich gesund.

Ich setzte mich vor den Schaukelstuhl im Schneidersitz hin, da es keine andere Sitzmöglichkeit gab und wartete ab. Ich hatte keine Ahnung auf was ich wartet aber ich wartete. So vergingen 11 quälende Minuten ehe die Mumie anfing zu sprechen. „Was wolltest du in meinem Haus? Ich mag keine Fremden!“ dabei verzog sie das Gesicht zu einer Grimasse und stieß Rauch aus der Nase aus. „Ähm … ich habe keine Ahnung.“ gestand ich ehrlich. Ich wusste wirklich nicht was ich hier wollte. Die Hüttte hatte mich nur irgendwie geradezu magisch angezogen. Wieder schweigen. Plötzlich setzte sich die Mumie so ruckartig auf, das ich schon wieder fast einen Herzstillstand bekam. Sie machte ein paar kleine Schritte in Richtung Ketten und zog die mit dem schwarzen Schlüssel hervor. „Da.“ sagte sie und hielt ihn mir unter die Nase. „WTF!“ durchfuhr es mich. Mich erst anschnauzen das nicht anzufassen und ihm mir jetzt geben? Die Frau war verrückt! Mit einem kleinen Schuss Wahnsinn. Aus so einer Zusammensetzung bestanden Serienkiller die ihre Leichen versteckten. Meine Fantasie drehte mit mir vollens durch und ich stellte mir vor, wie schon früher Kinder hier gesessen hätten, betäubt von dem Geruch der Kräuter und dann mit einem Messer erstochen wurden und wie bei Hänsel und Gretel in eine Ofen geschoben wurden nur um dann als Pasteten an die anderen Dorfbewohner verteilt zu werden. Okay, zu viele Horrorgeschichten in der Jugend. „Wa-wa-was?“ stammelte ich. „Nimm und verschwinde.“ sagte sie wütend. Vorsichtig nah ich den Schlüssel in die Hand. Gerade als ich schon fast wieder aus der Tür war rief sie mir noch etwas zurück. „Du hältst den Schlüssel der Zeit in deinen Händen. Du kannst damit die Vergangenheit öffnen.“ Ja klar! Als nächstes sagt sie mir, das Drachen wirklich leben! „Sag einfach: Tür zur Vergangenheit, ich befehle dich zu öffnen.“ „Und wie komm ich dann wieder in die Gegenwart zurück?“ Nicht das ich wirklich daran glauben wüde, aber sich ist sicher. „Tür zurück, ich befehle dir dich zu öffnen.“ damit schlug sie mir die Tür vor der Nase zu. Und ich stand einfach blöd da.

Ich erzählte meiner Mama irgendwas von Campen und schöne Sonnenuntergänge, aber ich glaubte, die hätten es nicht mal gemerkt, wenn ich weg gewesen währe. Die Beiden wahren viel zu sehr damit beschäftigt „ihre Wurzeln“ zu erkunden. Mir war das alles zu blöd. Ich schnappte mir meinen Schlafsack und machte das ich wegkam. Auf meinem Rundgang hatte ich eine Vielzahl von Höhlen gesehnen, in denen ich übernachten konnte. Ansonsten hielt mich meine Jeans, die Stiefel und die schwarze Jacke zu genügen warm. Es dauerte einen gefühlte Ewigkeit, bis ich einen Platz gefunden hatte. Es war schon dunkel als ich soweit zufrieden mit der Stelle war. Als alles fertig vorbereitet war, trat ich aus der Höhle und lief ein Stück bis zu den Klippen. Dann holte ich einmal tief Luft und zog die Kette aus meiner Tasche. Ich stellte mich auf den großen Felsen vor mir und schrie: „Tür zur Vergangenheit ich befehle dir dich zu öffnen!“ Aus reinem Instinkt tat ich so, als würde ich eine Tür aufschließen. Dann schloss ich die Augen. Wie wohl das alte Berk aussehen würde? Ob ich meinen Vorfahren treffen würde?

Als ich die Augen wieder öffnete war alles so wie vorher. Nichts, rein gar nichts hatte sich verändert. Frustriert bemerkte ich, das die ganze Sache nur ein großer Schwindel gewesen war. Aber mal ehrlich, wer ist auch so blöd und lässt sich von einer Pfeifenrauchenden Mumie eine Kette aufschwätzen? Richtig, ich. Es wurde immer dunkler, und ich erinnerte mich, dass ich vor lauter Aufregung vergessen hatte, eine Taschenlampe einzupacken. Ich stürmte zurück ins Dorf. Auch hier hatte sich nichts verändert. Es sah alles so aus wie früher. Nur ein paar Gebäude wahren mir davor noch nicht aufgefallen. In der Pension brannte noch Licht. Vorsichtig öffnete ich die Tür und währe vor Schreck fast umgefallen. Die Glühbirnen waren weg und statt dem Tresen stand nun ein großer runder Tisch an der Wand. „Okay, das ist mega gruselig!“ murmelte ich, während ich noch einen letzten prüfenden Blick auf das Feuer warf und mich dann feste in den Arm zwickte. Kein Traum und auch keine Attrappe. „Ist das abgefahren!“ quietschte ich und hüpfte auf der Stelle herum als mich eine tiefe Stimme herumfahren ließ. „Habt ihr das gehört? Da war doch etwas!“ Diese Stimme war so furchteinflößend das ich mich sofort versteckte. Ein großer Mann mit schwarzen Haaren und einem zotteligen Bart trat die Tür ein. Er trug eine Streitaxt und einen Brustpanzer. Ich tippte auf Wikinger. „Hier is nichts Alvin. Alles leer.“ Ich drückte mich noch tiefer an die Wand. „Weitersuchen! Der Drachenbezwinger muss hier irgendwo sein. Sucht weiter am Strand.“ Alvin hatte einen an der Klatsche. Drachen gab es doch gar nicht. Trotzdem stieß ich erleichtert die Luft aus, als der Wikinger aus dem Türahmen spazierte. Mein Instinkt sagte mir, dass ich schleunigst verschwinden sollte. „Aber“ dachte meine Neugierde „wenn ich schon hier bin, kann ich mich ja auch mal umsehen. Woher wissen, ob es nächstes mal wieder funktioniert.“ Instinkt verzog sich beleidigt unters Bett und schmollte. Und mein Körper schlich sich aus der „Pension“ und unterzog das ganze Dorf einer genau Prüfung. Als mich plötzlich jemand in eine Gasse zog.

Ich bekam vor Schreck den Mund ich auf. „Sag mal spinnst du? Da draußen laufen ein dutzend bewaffneter Verbannten rum und du läufst einfach so durch die Gegend?“ zischte mich der Angreifer an. Es war zu dunkel um ihn richtig zu erkennen. „Tschuldigung. Ich wusste nicht das das gefährlich ist.“ murmelte ich „komm nicht so ganz von hier.“ Mein Gesprächspartner nickte nur stumm während er sich weiter der Beobachtung der Männer widmete. „Was hast du vor Alvin?“ murmelte eher zu sich. „Er will den Drachenbezwinger und ist auf dem Weg zum Strand.“ gab ich zurück. „Was?“ „Das war doch deine Frage oder?“ War ich wirklich so schwer zu verstehen? „Das ist gar nicht gut. Ganz und gar nicht gut.“ Der Fremde biss sich heftig auf die Lippen bevor er einfach davon stürmte. Soviel von, du spazierst hier so rum. Aber so leicht ließ ich nicht locker. Ich stürmte ihm hinterher. Na warte du Idiot, ich werde dich ganz sicher nicht alleine lassen. Der Fremde, der sich in dem fahlen Licht vereinzelter Fackeln als eher jung erwies, schlug den Weg zum Meer ein. Ich staunte schon wieder, wie wenig sich verändert hatte. Heutzutage benutzte man den gleichen Weg. Der Junge schlug einen Schleichweg ein, der um und durch eine Vielzahl von Felsen und Felsspalten führte. Endlich machte er so abrupt halt, dass ich stolperte und in ihn hineinflog. Gerade noch rechtzeitig fand dieser das Gleichgewicht wieder und verhinderte so einen Sturz. „Was zum Thor tust du hier?“ knurrte er mich an. Und erstarrte dann. Der Mond war hinter den Wolken hervorgekommen und beschien jetzt mein Gesicht und das des anderen Jungen. „Ach du scheiße!“ entfuhr es mir. Mir gegenüber stand ein ziemlich kleiner und schmächtiger Junge mit kurzen braunen Haaren, Sommersprossen und grünen Augen. Ich kniff mir in den Arm. Ich hatte grad meinen Vorfahren getroffen. Und er sah mir buchstäblich zum verwechseln ähnlich. „Ich glaub ich träume.“ murmelte mein Zwilling. Kurzerhand schob ich seinen Ärmel zurück und zwickte ihn einmal kräftig. „Autsch, was zum Odin …“ „Siehst du, kein Traum. Ich bin Vivian!“ sagte ich und hielt ihm die Hand hin. „Hicks.“ sagte der Junge und schlug ein.
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Hey, ich weiß, hab noch zwei andere Geschichten am laufen, aber diese Idee hat sich einfach in meinem Kopf festgesetzt und lässt mich nicht mehr los. Ich werde es wahrscheinlich so machen, das ziemlich viele Folgen aus der Animationsserie auftauchen.
LG Anemonenfisch
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