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Valentine

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 Slash
Asahina Yusuke
07.05.2014
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Valentine

Seit ich auf die Mittelschule kam, hatte ich mich in einen meiner Klassenkameraden verliebt. Bald war Valentinstag und ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich hatte nur wenige Freunde und nur wenige wussten, dass ich mich in den Klassenclown verliebt hatte. Auch Aoi wusste davon. Sie war meine beste Freundin und stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Nur dieses Mal war ich auf mich allein gestellt, da Aoi an einem Austausch teilnahm und so übermorgen nicht bei mir sein konnte. Und das war noch das harmloseste Problem...

Seit ich zehn Jahre alt war, hasste ich mich selbst. Mein Ich war einfach nicht gut. In der Klasse wurde ich wegen meinen Ausrastern gehänselt. Heute war alles anders. Ich war 15, hatte eine beste Freundin und war zum ersten Mal verliebt. Ausgerechnet in einen Klassenkameraden. In den Klassenclown. Yuusuke, der Klassenclown. Doch auch wenn er der Klassenclown war, machte es mir nichts aus. Sogar Aoi ermutigte mich.

In zwei Tagen war Valentinstag. Der Tag, an dem man seinem Geliebten oder seiner Geliebten selbstgemachte Schokolade schenkte. Und ich war eine von ihnen. Ich hatte Yuusukes Geschenk fertig und verpackt. Innerlich bereitete ich mich auf übermorgen vor. Aoi schickte mir jeden Tag eine Mail, in der stand:,,Kopf nicht hängen lassen! Du schaffst das!“ Wenn sie so etwas nicht geschrieben hätte, wäre ich wahrscheinlich schon vor Aufregung gestorben. Dabei war ich schon das Sensibelchen in der Familie. Mein großer Bruder Shiro war nach Australien ausgewandert. Von da an lebte ich mit meinen Eltern allein. Dennoch hatten Shiro und ich Kontakt. Er wusste von der Gesamtsituation. Shiro selbst war 22, hatte eine hübsche Freundin und lebte in Australien. Auch er schrieb mich an. Ich solle den Kopf nicht hängen lassen und es durchziehen, meinte er...
Nach zwei Tagen war es endlich soweit. Die ganze Nacht hatte ich nicht geschlafen, ging dafür die ganze Situation immer und immer wieder durch. Mit verschiedenen Ergebnissen. Vor Aufregung hielt ich es kaum die ersten beiden Stunden aus. Nach einer Ewigkeit beendete der Lehrer den Unterricht. Ich nahm meine Tasche, schlich mich unauffällig raus. Durch die Gänge, wie ein Schatten huschend. Ohne von einem Klassenkameraden gesehen zu werden, war Adrenalin pur. Ich kam mir wie in einem Actionmanga vor. Dennoch lief bis jetzt alles nach Plan. An den Spinten angekommen, musste ich nicht lange suchen. Seiner war genau vier rechts und einen über meinem. Jeden Morgen trafen wir uns hier, sagten aber nichts zueinander. Ich nicht, weil ich nervös war und er nicht, weil er mich wahrscheinlich gar nicht beachtete. Aus meiner Tasche holte ich die herzförmige Schokolade auf der ,,Für Yuusuke“ stand. Sie war schmal genug, um sie durch den mittleren der drei Luftschlitze zu stecken. Danach verbrachte ich die Pause allein.

Nach der Schule ging ich zu den Spinten, um meine Schuhe zu holen. In Japan gab es eine bestimmte Regel, in der Schule nur in speziellen Schuhen zu laufen. Für die Straßenschuhe gab es Spinte. Doch als ich die Tür öffnete, entdeckte ich ein kleines Päckchen. Verwirrt zog ich es heraus. ,,Danke für die Schokolade. Hier ist mein Valentinsgeschenk für dich...“ stand auf einem kleinen Zettel, der an der Seite des Kartons klebte. Ich öffnete das kleine Päckchen, dessen Inhalt nur aus Schokolade bestand. Woher wusste Yuusuke, dass ich ihm die Schokolade geschenkt hatte? ,,Du hast es schon gefunden? Ich bin wirklich mies im verstecken...“; lachte eine Stimme hinter mir. Ich fuhr erschrocken herum, erkannte Yuusuke, der hinter mir stand und lächelte. ,,Wollen wir zusammen nach Hause gehen?“,fragte er. Ich bekam vor Schock keien Ton heraus, weshalb ich einfach zögerlich nickte. Zusammen traten wir über die Schwelle zur Freiheit. Eine Zeit lang herrschte Stille. Die Nervosität fraß mich innerlich auf. ,,Danke noch mal für die Schokolade. Sie war wirklich gut“, brach Yusuuke das Schweigen. ,,Woher wusstest du, dass ich es war?“, wollte ich kleinlaut wissen. ,,Um ehrlich zu sein hab ich dich die ganze Zeit über beobachtet. Du bist für mich, wie ein offenes Buch. Anhand deiner Bewegungen kann ich sagen, was für Laune du hast, oder wie es dir geht. Und im Moment bist du wirklich nervös, Chisu.“ Unglaublich. Er hatte es sofort erfasst. ,,Ich habe dich immer nur aus der Ferne beobachtet. Du schienst für mich unerreichbar. Darum dachte ich, ich würde dich auf mich aufmerksam machen“, meinte ich verlegen. ,,Das hättest du nicht müssen. Von Anfang an hattest du meine Aufmerksamkeit. Du hast sie bloß nicht wahrgenommen.“ In seinen Worten lag so viel Wärme. Sein rotes Haar, seine roten Augen. Es faszinierte mich. Und dennoch sah ich beschämt dem Boden entgegen. Weil ich nicht gemerkt hatte, dass Yuusuke meine volle Aufmerksamkeit auf ihn lenken wollte. Plötzlich zog Yuusuke mich in eine kleine Gasse. ,,Heute ist Valentinstag. Lass mich dir dein spezielles Geschenk geben“, bat er. ,,Yuusuke...“ Schnell hielt ich mir die Hand vor den Mund. ,,Nein, das ist gut. Du bist die Erste, die mich beim Vornamen nennt.“ Während er diese Worte sprach, kam er mir näher. ,,Das ist mein wahres Geschenk für dich...“, hauchte er, legte seine Lippen auf meine und versiegelte sie zu einem Kuss. Das war der Ort, an den ich immer wieder zurück wollte. Das war unser kleines Paradies...

Ende
 
 
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