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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
Alle Kapitel
227 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
07.08.2019 4.045
 
A/N: Das Ende kommt immer zu früh (oder manchmal auch nicht früh genug), warum nicht jetzt schon? (Auf den Tag genau zum Hochladezeitpunkt des ersten Kapitels, nur eben drei Monate verspätet.) Danke an die Leser, die meine unregelmäßigen Updates bis hierher ausgehalten haben, an 219 Reviews, 44 Empfehlungen und den momentanen Stand von 202 Favoriten! Ihr habt es erst möglich gemacht, dass ich mich dazu motivieren konnte, diese Geschichte zu Ende zu führen, und viel Spaß beim Lesen des letzten Kapitels!



94. Kapitel: Ein gelbes Band – an gelewes gebend


Und nicht nur meine Regenjacke hatte den Krieg überlebt – meine Jeans und mein weicher Kapuzenpulli waren ebenfalls noch da.
Als ich meine Regenjacke jedoch näher in Augenschein nahm, stellte sich heraus, dass meine anfängliche Erleichterung etwas trügerisch war: Das Kleidungsstück war anscheinend dem Feuer zu nahe gekommen, und eine der Taschen war innen förmlich weggeschmolzen. Leider genau die Tasche, in der sich mein Handy hätte befinden sollen.
Gott, das muss gestunken haben. Schmelzendes Plastik riecht nie gut. Außerdem: Ferthu hál, Handy, war eine schöne Zeit mit dir.
Sicherlich hatte die Elektronik ein schönes Feuerwerk verursacht. Glücklicherweise waren sowohl mein Portemonnaie als auch meine Schlüssel mehr oder weniger intakt.
Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass alles etwas Feuerschaden genommen hatte, doch die Frau des Dorfvorstehers, die sich mir mit Frau Syfbur vorgestellt hatte, sprach voller Ehrfurcht von der Kleidung. Sie fragte mich, wo ich herkäme, dass ich solche Kleidung besäße, die aus Drachenhaut gemacht schien.
Drachenhaut hätte sicherlich Feuer standgehalten, wage ich zu behaupten…
Ich dankte ihr jedoch überschwänglich, dass sie sich die Mühe gemacht hatte, meine Kleidung aufzuheben.
Hit is swiotullic þæt þys scinlæce is“, sagte sie daraufhin ernst. „Hit wæs huru cyndelic þæt we þá cláþ for séo ongéagnhwyrft þæs hláfordes folcwita anhéoldon. Hwær is he?
He is déad“, antwortete ich und verzog das Gesicht, hoffte, dass keine weiteren Fragen folgen würden. Mein Rohirrisch war nicht gut genug, um eine ganze Unterhaltung führen zu können.
Es ist offensichtlich, dass dies magisch ist“, hatte Frau Syfbur gesagt. „Demnach war es nur natürlich, dass wir die Kleidung für die Rückkehr des Herrn Ratgeber aufgehoben haben. Wo ist er?
Er ist tot“, hatte ich wahrheitsgemäß geantwortet, und glücklicherweise ließ sie es darauf beruhen und verließ den Raum, damit ich mich in Ruhe umziehen konnte.
Erst da stellte ich fest, dass sowohl meine Wanderschuhe fehlten, als auch jegliche Unterwäsche, die ich damals abgelegt hatte. Mein Mund verzog sich, als ich mir vorstellte, wie all das munter den Flammen zum Opfer fiel, doch daran war letztendlich nichts zu ändern.
Es war etwas ungewohnt, nach so langer Zeit des Kleid-tragens auf einmal nicht bei jedem Schritt den schweren Stoff zu spüren, der einem gegen die Beine schlug. Vor Allem die Leichtigkeit von sowohl Pullover als auch Regenjacke irritierte mich sehr, und beinahe war ich froh über das gewohnte Gefühl meiner Stiefel, die mich daran hinderten, einfach an die Decke zu schweben.
Ich war auch froh, dass mir meine Stiefel zu groß waren, denn so konnte ich meine Hosenbeine hineinstecken. Das Reiten würde hierdurch endlich leichter werden, und ich musste nicht befürchten, bei jeder Bewegung Estéadigs aus dem Sattel geworfen zu werden.
Der Reißverschluss der Regenjacke war unwiderruflich zerstört, und halb fragte ich mich, was man wohl zuhause sagen würde. Wie viel Zeit war überhaupt vergangen? Würde man mich noch erkennen? War in meiner Welt keine Zeit vergangen, während ich hier war, war dort die gleiche Zeit vergangen wie hier oder war ich letztendlich wie einer der Protagonisten in mehreren chinesischen Märchen: Nur ein paar Tage in einem fremden Königreich, aber bei der Rückkehr waren in der echten Welt hundert Jahre vergangen und jeder, den man kannte, war schon längst tot?
Mein Hals schnürte sich bei diesem Gedanken zu, und schnell schob ich ihn weg. Dennoch musste ich für einen Moment innehalten, die Augen schließen und tief durchatmen, um die aufblühende Furcht in mir niederzukämpfen.
Es brachte nichts, darüber nachzudenken, denn ändern konnte ich daran sowieso nichts.
Ich würde es erst sehen, wenn ich schon wieder in meiner Welt war.


Wir verabschiedeten uns von dem Dorfvorsteherpaar, und ich war froh über meinen Umhang – meine Kleidung hatte nicht nur überraschte Ausrufe von beiden Strolchen hervorgerufen, auch die Dorfbewohner starrten lange auf meine merkwürdig blaue Hose.
Blau ist hier wohl nicht Mode, wie? kommentierte meine innere Stimme trocken.
Nee, das ist wohl eher grün und braun… Blau ist, soweit ich mich richtig erinnere, eher Farbe von Gondor und den Elben.
Das Reiten war durch die Hose eine große Erleichterung, und ich erlaubte sogar einen kurzen Trab und Galopp, nachdem ich die Steigbügel angepasst hatte. Mein Kleid lag zusammengerollt in einer Satteltasche von Krähenfuß; ich hatte es mitnehmen wollen.
Wenn Éomer schon davon sprach, dass ich die Kette wegen ihren Erinnerungen behalten sollte, so wollte ich auch mein Isengard-Kleid mitnehmen, denn daran hingen auch sehr viele Erinnerungen.
Wir ritten weiter über die grünen Ebenen, und während hinter uns das Dorf verschwand, tauchte vor uns langsam das Gebirge auf, und mit ihm ein Streifen Grün: Der Fangorn-Wald.
Wir kamen unserem Ziel immer näher.


And here is… an fenn“, bemerkte Krähenfuß trocken und zeigte auf eine Pfütze.
Ich verdrehte die Augen. „Nein“, sagte ich. „Der Sumpf in meiner Erinnerung war ein bisschen größer als das.“
Wir liefen ein gutes Stück vom Wald entfernt über die Ebene, untersuchten den Boden auf etwaige Nässe hin. Die Pferde hatten wir ein Stück entfernt angepflockt, und wieder einmal war ich froh, aus dem Sattel zu kommen: Der Jeansstoff scheuerte mit der Zeit auf der Innenseite der Schenkel.
Ich wusste nicht, wie lange wir schon hier über die Ebene liefen und nach dem blöden Sumpf suchten. Vielleicht waren wir auch an der falschen Stelle, aber wenn ich mich richtig erinnerte, war der nicht allzu weit weg vom Dorf gewesen.
Méahred hatte sich so weit entfernt, dass er immer wieder in gut versteckten Mulden verschwand, ich schaute mich öfters nervös nach ihm um, Krähenfuß hingegen ignorierte das.
Schließlich lief ich zu Krähenfuß.
„Vielleicht sollten wir am Waldrand entlanggehen“, schlug ich zögerlich vor. „Méahred tut das schon.“
Þa we móton þa hors begietan.
Ich nickte, und mit Krähenfuß zusammen ging ich zu den Pferden, band Estéadig los. Der Strolch nahm sowohl sein eigenes als auch Méahreds, und gemeinsam machten wir uns auf den Weg.
Ich starrte währenddessen immer wieder prüfend in den Wald hinein, konnte dort jedoch nichts Besonderes entdecken.
Langsam sank meine Hoffnung. Waren wir überhaupt an der richtigen Stelle? Hatte sich das Portal bereits geschlossen? War es mit Sarumans Tod zerstört worden?
Und was sollte ich tun, wenn dies tatsächlich der Fall war?
Nicht dran denken. Nicht jetzt.
Ich schluckte gegen den Klumpen an, der sich in meinem Hals bildete.
Stuntfola“, begann Krähenfuß auf einmal langsam, „gif… gif þæt porte niht is þere eart þú wilcuman to belífan éac us.
Ich war so überrascht über diese Worte, dass ich stehenblieb. Krähenfuß ging noch ein paar Schritte weiter, ehe er merkte, dass ich nicht mehr neben ihm war, blickte besorgt zu mir zurück.
Wenn das Portal nicht mehr da sein sollte, darfst du gerne bei uns bleiben.
„Äh“, sagte ich geistreich, starrte den Strolch an. „Äh… meint Ihr das ernst? Und habt Ihr das gerade eben beschlossen? Hat Éomer Euch dazu angestiftet?“
Géa.“ Krähenfuß‘ besorgter Ausdruck wurde sofort von einem Augenverdrehen ersetzt. Er schnaubte sarkastisch auf, schüttelte den Kopf und stapfte weiter. „Geæþele ic eam ágan séo cyning ágieman for þé. Ná, ic sculde oferþincan þys and þe huru to þæt gíesthús gíenbringan.
Ich blinzelte heftiger und rannte ihm dann nach. Kurz war ich besorgt, ob Estéadig mitkommen würde, doch nach einem kurzen Zungeschnalzen kam das Pferd folgsam mit mir mit und lief sogar beinahe schneller als ich.
Ja. Natürlich schulde ich es dem König, mich um dich zu kümmern. Nein, ich sollte das besser noch einmal überdenken und dich wieder zurück zum Gasthof bringen.
Ich hatte ihn schnell eingeholt.
„Das war eine ernstgemeinte Frage“, beschwerte ich mich. „Ich war einfach überrascht!“
And hit wæs an eornoste andswaru.“ Krähenfuß räusperte sich und erhob dann die Stimme. „Méahred! Héo nawilnie!
Stille antwortete seinem Ruf.
Wir blickten uns kurz an, Krähenfuß seufzte tief und wir setzten unseren Weg nun mit größeren Schritten fort.
Beinahe verdrängte die Nervosität den letzten Satz von Krähenfuß. „Und das war eine ernstgemeinte Antwort“, hatte der Strolch gesagt, ehe er laut „Méahred! Sie will nicht!“ gerufen hatte.
Ich runzelte die Stirn. Hatten die beiden etwa darüber gesprochen? Das war ein merkwürdiger Gedanke, aber Krähenfuß‘ Sie will nicht! machte ansonsten keinen Sinn.
Währenddessen kroch ein Wärmegefühl in meiner Brust hoch – Krähenfuß‘ Angebot war unerwartet gewesen, aber ich verspürte eine tiefe Dankbarkeit, dass er es mir gemacht hatte.
Ich hatte auf dieser zweiten Reise eine andere Seite von ihm kennengelernt. Ironisch, eigentlich, wenn man bedachte, wie viel Angst ich bei unserem ersten Treffen vor ihm gehabt hatte.
Und falls – falls – das Portal geschlossen sein würde, hatte ich einen Notfallplan.

Wir fanden Méahred hinter einem Hügel stehend, den Blick konzentriert auf den Rand des Fangornwaldes gerichtet.
„Seht ihr das?“ fragte er, ohne sich umzudrehen, als wir bei ihm angelangt waren.
Ich runzelte die Stirn, als ich seinem Blick folgte. Der Wald sah vollkommen normal aus, auch, nachdem ich sicherlich fünf Minuten lang darauf gestarrt hatte.
Also, ich sehe Bäume. Wie lange geht das schon so?
Krähenfuß seufzte wieder, und ich wandte mich schon halb ab, als Méahred erneut zeigte.
„Da ist es wieder!“
Dieses Mal musste ich mir die Augen reiben, weil ich im ersten Moment dachte, ich würde halluzinieren: Es sah ein wenig so aus, als ob sich ein einzelner Baum langsam aus dem Nichts auf der Ebene materialisierte.
Im nächsten Moment klopfte mein Herz auf einmal heftig. Am Baum flatterte etwas im Wind, etwas Gelbes.
Ein gelbes Band.
„Das ist das Portal!“ flüsterte ich atemlos und drehte mich zu den Strolchen um. Meine Hände zitterten vor Aufregung, und beinahe hüpfte ich auf und ab. „Das ist das Portal, das ist mein Heimweg!“
Þæt?“ fragte Krähenfuß ungläubig und starrte die Erscheinung an. „An tréow?“ Er schien nicht sonderlich beeindruckt, dass der gerade aus dem Nichts aufgetaucht war.
„Bei Allem, was Bäume anrichten können, wundert mich dies nicht“, murmelte Méahred, ging zu Krähenfuß‘ Satteltasche und holte mein Kleid heraus.
Ich hatte dies aufgeregt beobachtet, drehte mich immer wieder zwischendurch um, da ich fürchtete, dass der Baum wieder verschwinden sollte.
„Er verschwindet und taucht immer wieder auf“, meinte Méahred, der mein ständiges Drehen mitbekam. „Ich kann noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob die Abstände gleich bleiben oder länger werden. Sicher ist jedenfalls, dass dies wohl das versprochene Portal ist?“
Bei diesen Worten blickte er Krähenfuß fragend an, doch dieser zuckte mit den Schultern.
Gríma natellede, ic cnáwe nánuht.
„Das ist das Portal“, sagte ich mit Nachdruck, holte tief Luft, um mich zu beruhigen. Ein weiterer Abschied war gekommen, und mit einem Nicken nahm ich mein Kleid entgegen. „Ich danke für alles – auch, wenn ich am Anfang noch ziemliche Angst vor Euch hatte. Ich habe Euch besser kennengelernt und gemerkt, dass Ihr nicht ganz der Bastard seid, für den ich Euch gehalten hatte.“
Krähenfuß lachte leise. „Þæt wæs ealfela glíeg.
„Dachte ich mir“, seufzte ich und verdrehte die Augen. „Ich habe Euer Verständnis von Spaß zu spüren bekommen. Dennoch muss ich wohl auch Gríma dankbar sein – der hat Euch schließlich den Auftrag gegeben, mich hierher zurückzubringen. Und das, obwohl er ein manipulativer Lügner war, was mir eigentlich schon vorher hätte klar sein müssen.“
Krähenfuß nickte nur. „Ic hope þæt þú and þín hors éower fór wilnest findan“, sagte er, und ich erkannte das rohirrische Sprichwort. Estéadig würde ich schließlich hierlassen, damit sie nach Edoras zurückgebracht werden konnte.
Mögest du und dein Pferd euren Weg finden.
„Gleichfalls, für euch beide“, sagte ich und verneigte mich tief, lachte dann. „Wenn Éomer irgendetwas gegen euch unternehmen sollte, komme ich wieder und stelle ihn zur Rede!“
Eine leere Drohung, von der ich mir sicher war, dass die beiden dies auch wussten. Wenn das merkwürdige Auftauchen und Verschwinden des Portals bedeutete, dass Sarumans Tod doch so langsam seine Wirkung zeigte, dann würde ich nicht zurück können, wenn ich erst einmal auf der anderen Seite war.
Und das war schließlich das, wofür ich die ganze Reise über gekämpft hatte, nicht wahr? Nach all der Zeit wieder nach Hause zu kommen.
Wehtun tat es trotzdem, der Gedanke, all das zurücklassen zu müssen und wahrscheinlich niemals wiederzusehen. Aber es war besser, als hierzubleiben und sich die ganze Zeit zu fragen, was zuhause wohl passierte, denn ich gehörte nicht hierher. Daran war nichts zu ändern.
Ich würde Saruman nicht gewinnen lassen, würde nicht zulassen, dass er mich hier einsperrte.
Krähenfuß war neben Méahred getreten, und sie erwiderten gemeinsam meine Verbeugung. Gerne hätte ich beide einfach in den Arm genommen, doch erstens waren meine Arme wohl zu kurz dafür und zweitens… ich spürte, wie meine Emotionen begannen, sich aufzutürmen. Besser, das hier so schnell wie möglich durchzuziehen, ehe ich ins Wanken kam.
Ferthu hál“, sagte Méahred. „Ich hoffe, dass du gut zuhause ankommst.“
Ferthu hál, méowle“, sagte auch Krähenfuß, und ich verbeugte mich noch einmal.
Ferthu hál, und bringt Estéadig sicher nach Edoras zurück – und danke noch einmal, für Alles“, sagte ich mit einem Kloß im Hals, und dann drehte ich mich um, mein Kleidungsbündel fest unter den Arm geklemmt, und begann, auf den Baum zu zustapfen. Währenddessen wagte ich nicht, zurückzuschauen, denn hier begann schon wieder das Moor, und ich musste aufpassen, wo ich hintrat. Das war gut, es lenkte mich von meinen bebenden Händen ab, von dem Gefühl, dass meine Brust sich zuschnürte. Jetzt noch nicht die Kontrolle verlieren. Ich hatte genug Zeit gehabt, mich darauf vorzubereiten.
Als ich schließlich den Baum und somit festen Grund erreichte, drehte ich mich noch einmal um und winkte. Ich blinzelte, denn meine Augenwinkel brannten.
Krähenfuß und Méahred hoben ebenfalls die Arme und winkten mir zu, und sie wirkten merkwürdig verschwommen. Womöglich bedeutete das, dass das Portal sich gerade wieder auflöste.
Ich musste mich beeilen.


Ich konnte nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war, als ich endlich, die Beine meiner Jeans mit schwarzem Schlamm bespritzt, den Waldrand erreichte. Halb dankte ich Frau Syfbur, dass meine Wanderstiefel verloren gegangen waren – diese waren gerade mal knöchelhoch gewesen, und das Moorwasser hätte schnell meine Fußlappen durchtränkt. Das war bei meinen jetzigen Stiefeln kein Problem.
Die Entfernung war schwierig einzuschätzen gewesen, mehr noch, weil ich dank eines Gefühlsausbruches teilweise nur schwerlich den Boden hatte sehen können. Letztendlich hatte ich anhalten müssen, bis ich mich wieder etwas beruhigt hatte.
Ich hasse Abschiede. Ich hasse, hasse, hasse sie.
Auf der anderen Seite wirkte gerade das authentisch, wenn ich behauptete, ich hätte mich verlaufen. Wenn ich denn auf Menschen traf.
Als ich noch einmal erschöpft einen Blick nach hinten warf, stand der Baum zwar noch da, doch das gelbe Band war weg.
Super, ich habe nicht einmal eine Ausrede. Danke, Saruman.
Mit einem tiefen Seufzen trat ich in den lichten Wald Norwegens und stieß auch gleich darauf auf den Wanderweg. Alles roch frisch (wenn man von mir und dem Moor – und Pferdegeruch absah), und für einen Moment schloss ich die Augen und atmete tief ein, ehe ich ein paar Schritte in die eine Richtung des Weges lief.
Ich war wieder in meiner Welt, das war deutlich.
In der Ferne meinte ich, aufgeregte Stimmen zu hören, und etwas näher das leise Läuten von Schafglocken.
Menschliche Stimmen bedeuteten Hilfe.
Und hatte so nicht alles angefangen? Mit einem Hilferuf, durch den ich einer fiktiven Figur in die Arme gelaufen war?
Ich räusperte mich, und machte mich auf den Weg.




Epilog


Schreiben hilft, sagen viele. Es hilft, Erlebtes zu verarbeiten, dies sagt auch mein Psychologe, der ein netter Mensch ist. Er fordert mich auf, Tagebuch zu schreiben, doch ich bin nicht gut darin, regelmäßig zu schreiben und mich dazu zu zwingen. Deshalb habe ich mich entschlossen, das Erlebte anders zu verarbeiten. Schon ein lustiger Zufall, dass ich diese Seite gefunden habe, auf der ich dies teilen kann, und manchmal frage ich mich, wie viele der anderen Geschichten nicht vielleicht doch auch wahr sind.
Anfangs bin ich sehr skeptisch beim Gedanken gewesen, mein Erlebtes fremden Menschen zu erzählen. Doch die Albträume sind weniger geworden, auch, wenn ich meinem Psychologen natürlich nicht die Wahrheit gesagt habe. Ich versuche, so dicht wie möglich daran zu bleiben, denn im Grunde will er mir ja nur helfen und tut meine Ausrutscher als lebhafte Fantasie ab.
Es ist schwierig gewesen, sich wieder hier in dieser hektischen Welt einzufinden, doch ich gewöhne mich langsam wieder daran. Ich habe herausgefunden, dass ich kein ganzes Jahr weg gewesen bin, sondern in dieser Welt nur eine Woche. So ganz verstehe ich nicht, wie das Zeitverständnis von Sarumans Zauberspruch ein ganzes Jahr auf eine Woche hat verkürzen können.
Anfangs habe ich viel verdrängt, vergessen, in mir weggeschlossen, um wieder zur Normalität zurückfinden zu können, doch das Schreiben hat es wieder zum Vorschein gebracht – all die Erinnerungen an das, was passiert ist. Und die Ratgeberkette, die an meinem Regal hängt, ist eine Bestätigung, dass das alles kein Traum gewesen ist.
In der Uni habe ich mich für ein Anglistik-Studium eingeschrieben, nachdem mir eine Erwähnung Tolkiens in die Hände gefallen ist, dass sein Rohirrisch vom Altenglischen inspiriert sei – so habe ich im Nachhinein mehr Verständnis für die Sprache von Krähenfuß aufbringen und sie verschriftlichen können. Und es gibt mir etwas zu tun.
Manchmal wünschte ich, ich könnte zurückkehren, wenn auch nur, um den Strolchen und den Hobbits zu versichern, dass ich gut zu Hause angekommen bin. Doch dann fällt mir wieder ein, durch was ich durchgehen musste, um hierher zu gelangen, und ich bin nicht bereit, dieses Risiko noch einmal einzugehen.
Außerdem ist das Portal ohnehin verschwunden. Bei den Familienurlauben, in denen es wieder in diese Ecke Norwegens geht, habe ich nachgeschaut – der Baum steht zwar noch da, doch er ist ohne Band.
Und das ist wohl auch besser so.



ENDE



Nachwort, 01.07.2019:

Ha, nach etwas mehr als fünf Jahren ist diese Geschichte endlich beendet.
Stuntfola ist wohl eine der persönlichsten Protagonisten gewesen, die ich bisher je geschrieben habe – kein Wunder, war sie doch als dreiviertel-Self-Insert angelegt. Diese Geschichte ist, im Grunde, aus Trotz entstanden, denn viele Geschichten, die ich gelesen habe, waren unbefriedigend.
Fragen kamen auf, wie: Weshalb werden die Weltenwandler immer von Elben aufgesammelt? Sind die Elben im Dritten Zeitalter nicht normalerweise sehr unter sich und nicht unbedingt freundlich gegenüber Außenseitern gestimmt? Weshalb akzeptieren die Protagonisten immer schnell und ohne Nachfrage, dass sie sich in Mittelerde befinden? Weshalb werden sie immer munter in alle möglichen Schlachten mitgeschleppt, in die Canon-Charaktere, die meist eine weitaus bessere Ausbildung dafür haben, nicht mitdürfen? Weshalb versucht niemand, sie loszuwerden, weil sie in einem Krieg ganz einfach hinderlich sein würde? Weshalb laufen solche Geschichten immer gleich auf eine Romanze hinaus? Weshalb haben die meisten Protagonisten aus unserer Welt keinerlei Probleme damit, sich auf einmal mit unzureichender Hygiene auseinandersetzen zu müssen? Weshalb gibt es kaum kulturelle oder sprachliche Probleme?
Um es kurz zu fassen: Mir fehlte die Verbindung zu den Charakteren, ihr Handeln war für mich nicht nachvollziehbar. Und deshalb musste ich eine eigene Geschichte dazu schreiben.
Stuntfola ist trotzdem ein eigener Charakter (deshalb die umständliche Umschreibung des „dreiviertel-Self-inserts“), ich habe sie nur an mich angelehnt. Ich sage mir aber auch, dass vielleicht gerade das der Grund ist, weshalb sie viele Leute zu mögen scheinen: Weil sie, in gewisser Weise, ehrlich ist und ich mich manchmal eben nur wenig zurückgehalten habe, meine eigenen Gefühle und Erlebnisse in den Text mit einfließen zu lassen und sie nur leicht zu ändern, damit sie an den Kontext angepasst sind. Natürlich hat jede Figur in Cwideas ein Stück von mir selbst, aber bei stuntfola ist es mit Abstand am Stärksten. Ihr könnt ja raten, was wohl echt und was erfunden war.
Außerdem freue ich mich sehr, dass manche meiner eigenen Charaktere solch ein Eigenleben entwickelten (Hallo, Krähenfuß!), dass sie mich selbst mit ihrem Wiederauftauchen und ihrer Charakterentwicklung überraschten.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manchmal am Beginn das Ende schon feststeht, und so war es auch bei dieser Geschichte – das vorläufige Ende, wie ich es hinter der Tarnung immer genannt habe, stand bereits fest, als diese Geschichte noch als Drabblesammlung in Planung war.
Mir war von Anfang an klar, dass auch die Anwesenheit stuntfolas nichts an Grímas (oder Sarumans) Tod ändern würde. Es war mir von Anfang an klar, dass er sterben würde, dass die ganzen mehr und mehr verzweifelten Hoffnungen, die stuntfola sich machen würde, vergebens sein würden.
Ich hätte es ändern können, natürlich. Doch das hätte mit meinem eigentlichen Ziel dieser Geschichte nicht zusammengepasst. (Was wäre eigentlich, wenn die Protagonisten einfach mal zufällig genau der falschen Person in die Arme laufen würde und zwar nicht entweder den ganz Guten oder den total Bösen, sondern der… eher dunkelgrauen Zone? Und wie geht man damit um, jemanden retten zu wollen, es aber nicht schafft?)
So gesehen habe ich versucht, Klischees aufzubrechen und sie in eine realistischere Umgebung zu verfrachten, zu zeigen, dass Handlungen auch ihre Konsequenzen haben, und dumme Handlungen und Worte ohnehin. Dass manchmal auch Personen von außerhalb nichts an dem vorgeschriebenen Schicksal der Figuren ändern können, so ungerecht das auch erscheint. Und vor Allem, dass jede Figur ihren ganz eigenen Hintergrund hat, ihre eigene Sichtweise. Aus einer bestimmten Sichtweise kann die Motivation einer Figur sehr logisch und begründet sein, während andere nur darüber den Kopf schütteln.
Und dass Mittelerde nicht nur von netten, hilfsbereiten Menschen/Elben bevölkert ist, die den Weltenwandler wohlwollend aufsammeln – dass aber auf der anderen Seite auch Personen, die auf den ersten Blick unsympathisch sind, eine andere Seite von sich offenbaren können. Ob mir das gelungen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Wen es interessiert, mehr über die Hintergründe über die generelle Geschichte zu erfahren: Ein Faktencheck ist bereits auf meinem Blog hochgeladen.

Und zudem habe ich mir selbst gesagt, dass dies meine (längste und) letzte große Geschichte hier auf FF.de wird. Meine angefangenen Geschichten werden natürlich noch weitergehen und beendet werden, aber ich werde keine neue Longfic mehr anfangen. OS und Kurzgeschichten vielleicht, aber nicht mehr solch ein Monsterwerk, wie es „Cwideas“ nun geworden ist. Ich möchte mich auf meine eigenen Projekte konzentrieren.
Es gibt so einige Szenen, die geplant waren, aber die ich letztendlich umschreiben oder streichen musste, und natürlich findet sich ein Haufen Plotholes in der Geschichte. Diese werde ich wohl nach und nach auf meinem Blog veröffentlichen, einfach, weil es Spaß macht, sich über eigene Fehler lustig zu machen.

Ich möchte allen meinen Reviewern (unten namentlich aufgeführt), ob nun regelmäßig oder nur sporadisch mit dabei, und allen Favoriten danken, doch es gibt noch ein paar Personen „hinter den Kulissen“, die ich gerne noch namentlich nennen möchte.
Da wären
Roheryn, die mir mit ihren Arda- und medizinischen Kenntnissen immens weiterhalf
AuctrixMundi, die mir bei ein paar kleineren Problemen half und mir Ratschläge gab
Amaraen, mit der ich mich über Klischees in Fanfiktions austauschte und die mir bei einer Schreibblockade aushalf
Nairalin, die mir wertvolle Informationen über den Leichnam und das Elbische/bzw. die Sprache Gondors gab,
EruanMithrandir für seine Pferdekenntnisse,
Pamplemousse, die oft betalas, mir bei einigen Kapitelfragen zur Seite stand und mit der ich mich über die rohirrische Kultur unterhalten konnte und
Súlimë, die mir bei geschichtlichen Fragen sowohl in der realen als auch in Tolkiens Welt oft zu Hilfe kam.
Außerdem eine gute Freundin, die nicht auf FF.de ist, die mir aber auch gerade am Anfang viel weiterhalf und die wohl auch mitverantwortlich dafür ist, dass Krähenfuß letztendlich den Hintergrund bekommen hat, den er hat.

Ein herzliches Danke auch an meine ganzen Reviewer:
Sulime,
The-Black-Future,
xXLeaXx
May,
Arique,
helyanwe,
Eamanee,
Galadriel Elanesse,
Leseratte,
Mameha,
Roheryn,
Tinwe,
Misty Smoke,
Elentirmo,
Gurkensalat71,
Pamplemousse,
Blauer Eisdrache,
GeorgiaVee,
Trevelyia,
Freia,
larus21,
D Lirium,
arkansaw,
Adrenalin,
Jessy,
Taye,
roseta,
Chroyane,
Elinor,
KeinNiemand,
schwoerzfepp,
CatoftheCanals,
Flying Fantasy,
Pink98,
Teshy (und dir begeisterten Dank für die Fanart!),
reijschka,
CaptainKokosnuss,
scip,
Elenor-Rohir,
whisper,
EruanMithrandir,
VenjasDragon!

Euch allen vielen, vielen Dank für die Anregungen, den Austausch, und eure wertvollen Gedanken und Kritiken und Lob!

Danke an euch alle, und ich hoffe, dass die Geschichte euch, trotz ihrer stellenweisen Längen und ihren Plotholes, gefallen hat!
Es verneigt und verabschiedet sich

Thainwyn
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