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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
Alle Kapitel
227 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.07.2019 2.055
 
A/N: Ein Dank geht an Pamplemousse für das Betalesen und an die Person, die einen neuen Stern für diese Geschichte dagelassen hat – Dankeschön! Wir sind jetzt bei 44 Sternen, 203 Favoriten und 217 Reviews! Ich verneige mich vor euch (und frage mich, was ihr zu der neuen Person sagt und ob das wirklich zu random war – ich kann alles erklären)! Außerdem befinden wir uns jetzt wirklich im letzten Drittel der Geschichte. Noch zwei Kapitel bis nach Rohan.
Und auch das h in Méahreds Namen wird wie ein hartes ch ausgesprochen, oder eben wie im schottischen Loch.
Viel Spaß mit dem Kapitel wünsche ich! :)



88. Kapitel: Sinn für Details – an éage für sméalicness


Wir ließen uns alle um das Feuer herum nieder, doch ich war noch viel zu aufgeregt, um an Schlaf zu denken.
Krähenfuß schien es ähnlich zu gehen; er nahm meinen Stock und stocherte in der Glut herum, fachte das Feuer wieder an. Währenddessen herrschte ein unangenehmes Schweigen, eine spürbare Anspannung hing in der Luft.
Als schließlich kleine Flammen aufzüngelten, nutze ich die Gelegenheit, Méahred näher in Augenschein zu nehmen. Das lange, blonde Haar und die blonden Bartstoppeln wiesen ihn, wie Krähenfuß auch, als reinen Eorling aus: Er war keiner von Sarumans Halborks. Auch trug er Kleidung, die der Krähenfuß‘ ähnelte und wohl mal grün gewesen sein mochte.
An seiner Seite hing ein langes Messer, und ein wenig wunderte ich mich darüber, dass er es nicht gegen Krähenfuß eingesetzt hatte. Dieser hatte ihn schließlich angegriffen, aber vielleicht war Méahred auch so selbstsicher in dem Wissen gewesen, dass er Krähenfuß würde überwältigen können, dass er es nicht gebraucht hatte. Und wenn man die Leichtigkeit bedachte, mit der es ihm gelungen war...
Ich schauderte. Das bewies nur mal wieder, dass das Äußere nichts über die Fähigkeiten der Personen aussagte.
Memo an mich selbst: Den neuen Begleiter niemals, niemals verärgern. Könnte übel für einen selbst ausgehen.
Das Feuer knisterte leise.
Méahred seufzte tief und lange, als würde er sich darauf vorbereiten, eine unangenehme Frage zu stellen.
„Er ist also tot?“ fragte er leise, während er zur Seite in den Wald starrte, und Krähenfuß zuckte kaum merklich zusammen. „Das Mädchen hat die Wahrheit gesprochen?“
Instinktive Abneigung flammte in mir auf, und ich räusperte mich, während ich ihn finster anstarrte. Es war deutlich, dass er nicht mich ansprach.
„Äh – hat es“, gab ich etwas angefressen zur Antwort. „Das Mädchen hat auch einen Namen, wie Krähenfuß vorhin auch gesagt hat. Es ist ein sehr einfach zu merkender Name: Ihr habt Euch sogar noch darüber lustig gemacht.“
Méahred wandte überrascht den Kopf.
„Ich dachte, dass -“, begann er, stutzte dann jedoch. „Krähenfuß?“ Hilfesuchend blickte er zu dem genannten Strolch, der zu Boden starrte.
Héo nemnede mé þys gearwe“, murmelte dieser. „Siþþan wé gemetton.
Zu meiner Überraschung zuckte ein beinahe zufriedenes Lächeln über Méahreds Gesicht, als er sich von seiner Verwunderung erholte. „Das sollte ich mir vielleicht merken.“
Krähenfuß stöhnte nur leise bei dieser Aussicht, ganz und gar nicht begeistert.
Sie nennt mich schon seit einer ganzen Weile so“, hatte er dem anderen Strolch erklärt. „Seit wir uns das erste Mal getroffen haben.
Das war wirklich schon eine ganze Weile her. Ich fragte mich, ob Gríma ihm bei dem Morgengespräch wohl von meiner Namensgebung erzählt hatte, wenn Krähenfuß behauptete, dass er den Namen seit unserer ersten Begegnung kannte. Vielleicht war es aber auch nur einfacher, das zu sagen.
Die Anspannung war zumindest gelockert worden, und noch immer zuckte das Lächeln über Méahreds Gesicht, als er sich mir zuwandte. „Du scheinst merkwürdige Namen anzuziehen“, bemerkte er, und für einen Moment wurde sein Lächeln bitter.
„Doch um zu meiner anfänglichen Frage zurückzukommen: Stimmt es, dass der hláforde Saruman tot ist?“
„Jap“, sagte ich knapp und fragte mich, wie oft ich das wohl noch deutlich machen musste. „Saruman ist tot. Normalerweise stirbt man, wenn man die Kehle durchgeschnitten bekommt.“
Oder von einer Kette erwürgt wird, lachte meine innere Stimme leise, und ich schloss kurz die Augen, um sie zu vertreiben.
Geh weg. Das hat gerade nichts mit dem Thema zu tun.
Als ich die Augen wieder öffnete, starrte Méahred mich entsetzt an, dann jedoch wurde sein Blick hart.
„Und auch die Umstände seines Todes -“
Ja!“ sagte ich mit Nachdruck und warf meine Arme in die Luft. War es so schwer, mir Glauben zu schenken? „Ihr – ward Ihr nicht in Fréareths Gruppe, als ich das alles erzählt hatte? Saruman ist tot, Gríma ist tot, Krähenfuß war eingesperrt, ich habe ihn befreit und jetzt sind wir alle auf dem Weg nach Hause!
Das war zumindest die stark vereinfachte Version.
„Ich war in Fréareð‘ Gruppe, aber kein Freund von ihm und seiner Führung“, erklärte Méahred langsam, während sein Blick zu Krähenfuß schweifte, der immer noch den Boden sehr interessant zu finden schien. „Und ich verstehe jetzt auch ein wenig besser, weshalb ihr zusammen unterwegs seid: Wenn du Créofan befreit hast, hat er dich sicherlich aus Dankbarkeit mitgenommen.“
Mir entging nicht der leise Spott in seiner Stimme und lächelte angestrengt.
„So in etwa.“

Für eine Weile schwieg Méahred, schien über die Information nachzudenken.
„Wo ist dein Zuhause?“ fragte er dann. „Créofan sagte, er wolle in die Mark zurückkehren.“
Für einen Moment schwieg ich etwas überrumpelt. Das war schon das zweite Mal, dass mich jemand nach näheren Informationen fragte, anstatt einfach irgendetwas anzunehmen, weil es dem entsprechenden Individuum sowieso egal war.
„Äh… ja, in der Mark“, antwortete ich. „Irgend – in der Westfold.“ Das war noch nicht einmal vollkommen gelogen. Gríma hatte mich immerhin da in der Nähe aufgesammelt, wenn ich das richtig in Erinnerung hatte.
Der Strolch schwieg wieder eine Zeit lang.
„Ich gehe davon aus, dass Créofans Worte, dass ihr den neuen Herren der Mark besuchen wollt, demnach nur eine Ausrede war, um Fréareð ruhigzustellen? Edoras liegt schließlich nicht auf dem Weg dorthin.“
Ich zuckte zusammen und blickte hilfesuchend zu Krähenfuß hinüber. Ich wollte nicht jetzt schon dem Strolch alles erzählen; nicht, wenn er uns am Morgen wieder verlassen würde. Der Strolch starrte jedoch immer noch zu Boden und schien lieber woanders sein zu wollen. Auf meine Blicke reagierte er nicht.
Ich seufzte frustriert auf und starrte auf meine Schuhspitze, mir dessen bewusst, dass Méahred auf eine Antwort wartete. Je länger ich es hinauszögerte, umso offensichtlicher war es, dass meine nächsten Worte eine Ausrede waren. Was sollte ich ihm sagen? Gut, ich konnte vielleicht damit beginnen -
Telle him, stuntfola“, ertönte da Krähenfuß‘ ungewöhnlich leise Stimme, und mein Kopf schnellte hoch. Der Strolch vermied es immer noch, einem von uns in die Augen zu sehen, was mich mehr als alles andere beunruhigte. Er hatte sich Gríma gegenüber nie so… eingeschüchtert verhalten, nicht einmal gegenüber Saruman! Selbst da war immer noch ein leichter Spott im Respekt gewesen, hier jedoch… ich unterdrückte wieder ein Schaudern. Hier jedoch war keine Spur von Spott zu merken.
Wer zur Hölle war Méahred?
Ich holte tief Luft.
„Nein, das war tatsächlich keine Ausrede“, sagte ich langsam, während ich widerwillig die Ratgeberkette unter meinem Kleid hervorzog. „Wir wollen zu Éomer, um ein… sozusagen gestohlenes Eigentum wieder zurückzugeben.“
Das Gold glänzte schwach im Feuerschein, als es sich leicht drehte.
Eine komische Abfolge aus Entsetzen, Schmerz und grimmigem Verstehen glitt über Méahreds Gesicht, und schließlich presste er die Lippen aufeinander. Die Kette schien ihm alle offenen Fragen zu beantworten, die er gehabt hatte.
Ah“, sagte er kühl und sehr leise. Beinahe klang es, als wenn ihm ein langwieriger Verdacht bestätigt worden war. „Der hláfordswica. Ich wage zu behaupten, dass alles jetzt auf einmal sehr viel mehr Sinn macht.“
Die zwischenmenschliche Temperatur sank um mehrere Grade. Méahred hatte die eine Hand zur Faust geballt, und seine Knöchel traten weiß hervor. Ich ließ indessen die Kette wieder unter meinem Kleid verschwinden.
Da hat jemand ganz offensichtlich ein Problem mit Gríma gehabt, bemerkte meine innere Stimme trocken. Und dies war nicht einmal verwunderlich: Niemand der Strolche hatte Gríma gemocht, in ihren Augen war er ein doppelter Verräter gewesen. Erst wendete er sich gegen seinen Lehnsherren, dann brachte er seinen zweiten Herren um und machte im Grunde alle wütend.
Ich schnaubte leise.
„Vieles macht durch ihn viel mehr Sinn“, bemerkte ich trocken, warf Krähenfuß einen kurzen Blick zu. „Dank ihm und seinen manipulativen Lügen, zum Beispiel, bin ich ja auch hier und nicht irgendwo anders, wo ich es besser hätte. Deshalb bin ich froh, dass er weg ist und mich nicht mehr mit sich mitschleift.
Dies schien Méahred zu verwirren, er stutzte und betrachtete mich mit gerunzelter Stirn. „Aber du warst mit ihm unterwegs.“
„Das bedeutet nicht, dass ich ihn mochte“, schoss ich zurück. „Wisst Ihr, dass er zweimal versucht hat, mich umzubringen? Würdet Ihr Leute mögen, die Euch belügen und auch noch versuchen, Euch umzubringen?“
Ich sah die nächste Frage kommen, noch ehe er sie vollständig stellen konnte.
„Weshalb warst du dann mit ihm -“
„Weil mir keine andere Wahl blieb!“ Nun lag es an mir, meine bebenden Hände zu Fäusten zu ballen; ich hatte mich gerade aufgerichtet, um Méahred wütend über das Feuer hinweg anstarren zu können. „Erst wusste ich nicht, wer er war, und als mir das klar wurde, saß ich bereits für fünf Monate mit ihm in diesem verdammten Turm fest! Und verratet mir, wo ich danach hätte hin sollen, als Saruman sich auf den Weg ins Auenland machte – hätte ich mich allein durch Dunland durchschlagen sollen? Mit meinem nicht vorhandenen Wissen darüber, wie man überlebt? Nein danke!
Und, bemerkte meine innere Stimme leise, wir wollen nicht vergessen, dass du ihn vor seinem Tod retten wolltest. Aber das sollten wir vielleicht erst einmal für uns behalten.

Der Strolch blinzelte mich nach meinem Ausbruch überrascht an, ehe ein schiefes Lächeln auf seinem Gesicht erschien.
„In der Hinsicht scheint dein Name wohl nicht ganz unverdient, stuntfola.“
Ein unfreiwilliges Lachen kam aus meinem Mund, dämpfte meinen Ärger etwas. Ich musste schon zugeben, dass er in der Hinsicht Recht hatte. Und es passte zu den Eorlingas, so merkwürdig viel Wert auf Namen und ihre Bedeutung zu legen. Währenddessen spürte ich, wie sich langsam Erschöpfung in mir breitmachte; mir wurde bewusst, dass ich in dieser Nacht noch nicht viel geschlafen hatte.
„Das stimmt wohl“, sagte ich müde, warf Krähenfuß wieder einen Blick zu, der dieses Mal den Kopf gehoben hatte und uns abwechselnd anblickte. „Und zumindest scheinen wir schon zwei zu sein, die den – wie hieß er bei euch? – hláfordswika nicht mochten.“
Hláfordswica“, bestätigte Méahred mit einem leisen Lächeln, welches ein wenig zu zucken schien, als er sich Krähenfuß zuwandte. Er erhob sich, bürstete sich ein paar Grashalme von den Beinen. „Irgendwelche Einwände, wenn ich die erste Wache übernehme? Bis zum Morgengrauen ist es nicht mehr lange, und ihr seht so aus, als ob ihr Schlaf benötigt.“
Ich schüttelte den Kopf, gähnte hinter vorgehaltener Hand.
„Macht Ihr mal“, murmelte ich und legte mich hin.
Was soll das? fragte meine innere Stimme irritiert. Du vertraust ihm einfach so, wo du vor einigen Momenten – Stunden – wie viel Zeit auch immer vergangen sein mag – noch erleichtert warst, dass er morgen wieder verschwindet?
Ich musste tatsächlich einen Moment überlegen. Er hat mich zum Lachen gebracht, antwortete ich schließlich. Es ist so lange her, seit ich zuletzt ehrlich lachen konnte – nein, das im Gasthaus zählt nicht, da hat… Albert das alles etwas überschattet. Also, dass Méahred mich zum lachen bringen konnte, macht ihn ein bisschen sympathischer – zusätzlich zu dem Fakt, dass er Gríma nicht mag. Das ist ein großer Pluspunkt.
Ich spürte förmlich, wie meine innere Stimme die Augen verdrehte. Super Prioritäten, die du da hast.
Ich schloss die Augen, lauschte dem Knistern des Feuers und wartete auf den Schlaf, bis Krähenfuß sein langes Schweigen brach.
Þú eart gewiss þæt -
„Ich bin mir sicher“, antwortete Méahred und schnaubte. „Schließlich will ich nicht riskieren, dass ihr überfallen werdet, weil ihr es nicht mehr gewöhnt seid, Wache zu halten.“
Ic naþence þæt þú canst forgietan þæt“, bemerkte Krähenfuß trocken. „Ic eom húru besorgian þæt þú áslæpest.
Méahred erwiderte darauf nichts, doch als er erneut sprach, war seine Stimme weiter weg, und der Tonfall merkwürdig an der Grenze zum Bitteren.
„Dann ist es ja gut, dass du weißt, wo ich bin, um mich vom Einschlafen abhalten zu können: An Gesprächsstoff sollte es uns nicht mangeln. Gute Nacht, Créofan.“
Ich lauschte noch eine Weile, doch es blieb still, und irgendwann versank ich schließlich in der tieferen Dunkelheit des Schlafs. Hoffentlich würden wir morgen wirklich den Gwathló überqueren können.


tbc...
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