Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
Alle Kapitel
227 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.12.2018 3.167
 
A/N: Uuund wir beginnen natürlich schon wieder mit einem Zeitsprung. So langsam glaube ich, dass ich keine zusammenhängenden Szenen mehr schreiben kann. D: Außerdem habe ich mal in meinen ursprünglichen, groben Kapitelplan von 2015 geschaut, und… nun, laut dem Plan sollten stuntfola und Krähenfuß eigentlich bereits in Rohan angekommen sein. Hups. Aber ich verspreche, dass sie sich auch bald wieder auf den Weg machen werden.
Ich bedanke mich für die neue Empfehlung, die sie insgesamt zu 36 haben aufsteigen lassen!
Ein großes Dankeschön auch an die liebe Súlime und die liebe Pamplemousse, die mir eine große Hilfe bei der Namensauswahl waren!
Und... ist es ironisch, das Kapitel jetzt hochzulade? Ja. Aber ich mag verdammte Ironie. (Und fürchte, dass mein Laptop seinen Geist aufgibt. Oder zumindest die Tastatur.)
Außerdem wünsche ich, falls man sich vorher nicht mehr lesen sollte, frohe Weihnachten! :)



84. Kapitel: Stallgespräche – faldspræca



Wir durften im Gasthof bleiben. Der Herr Schlüsselblum (den ich bisher nur einmal kurz zu Gesicht bekommen hatte) erlaubte uns, die kalte Jahreszeit dort zu verbringen, solange wir in der Küche blieben und seine anderen Gäste nicht verschreckten.
Das war eine Forderung, mit der wir alle mehr als zufrieden waren. Nachdem sich die anderen vergewissert hatten, dass das Blut auf meinem Kleid tatsächlich nicht von mir stammte und ich unverletzt war, wurden sie auch etwas ruhiger und gaben mir ein wenig mehr Freiraum.
Albert ging mir aus dem Weg, oder versuchte es zumindest. Einfach war das nicht, da er ja in der Küche aushalf, aber dort ging er einfach seinen Aufgaben nach und ignorierte mich, wenn ich ihn etwas fragte. Also gab ich es irgendwann auf, auch, wenn das ungute Gefühl blieb.
Gerwin hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mich in die Gemeinschaft einzugliedern, und er stellte mich dem ganzen Personal des Gasthofs vor: Farbod, der uns eingelassen hatte und so etwas wie eine Art Empfang (und gleichzeitig Zimmermädchen) war, Lothar, der Koch mit dem stets mürrischen Gesicht und weißer Schürze, Trutz, der sein Hilfskoch war und die Töpfe überprüfte, Torold, der arme Mann, der immer den Abwasch machen musste, und Bero, der den Blasebalg bediente und entsprechende Armmuskeln hatte. Im Haus an sich gab es noch Ubald, der zusammen mit Farbod die Gäste empfing und ihnen die Zimmer zeigte.
Sie alle waren sehr freundlich zu mir, was aber vielleicht auch an Krähenfuß‘ drohender Gestalt liegen mochte, die mich oft begleitete: Schließlich war nur ich fähig, sein Rohirrisch für die anderen zu übersetzen. Der Strolch hatte ebenfalls angefangen, in der Küche auszuhelfen – meist war er draußen, um Holz für die Feuerstelle zu hacken, während ich mithalf, das Gemüse zu schneiden.
Ich spürte, dass er den anderen immer noch nicht ganz geheuer war, und dass Krähenfuß sich selbst ein wenig darüber ärgerte, auf Zeichensprache zurückgreifen zu müssen, um sich zu verständigen. Meist schien er erleichtert, für sich allein seiner Arbeit nachgehen zu können, und nur am Abend kam er wieder, um sich neben mich zum Schlafen hinzulegen.
Ich war froh, dass er da war – er verhinderte, dass ich mein Ziel aus den Augen verlor. Er erinnerte mich stets daran, weshalb ich hier war und durch was ich hatte durchgehen müssen, um hierher zu gelangen.
Er erinnerte mich daran, dass ich nicht hierbleiben konnte.


Die Sonne schien blass durch die noch kahlen Zweige der Bäume hindurch, und ich atmete tief die kühle Luft ein, als ich aus dem Plumpsklo hinaustrat und hinter mir die Tür wieder schloss. Es war ein kleines Häuschen etwas abseits des Gasthofs; ähnlich wie das, welches wir damals in Norwegen im Urlaub gehabt hatten. Merkwürdig, zu sehen, wie manche Dinge einfach die Zeit überdauerten.
Der Schnee knirschte unter meinen Stiefeln, und ein wenig fröstelnd verschränkte ich die Arme vor der Brust, während ich mich auf den Weg zurück zu Küche machte. Der Winter hatte Eriador immer noch fest im Griff.
Ich hörte etwas weiter entfernt das rhythmische Geräusch von dem holzhackenden Krähenfuß. Es hatte etwas Beruhigendes an sich. Vielleicht konnte ich zu ihm gehen und mich ein wenig mit ihm unterhalten.
Leise aufseufzend zog ich meine Hände in meine Ärmel zurück und machte mich auf den Weg. Handschuhe wären auch toll, dachte ich trocken, und nicht zum ersten Mal wünschte ich, ich hätte Stricken oder Häkeln gelernt. Dann hätte ich mir selbst welche machen können, oder wenigstens Stulpen.
Ich hatte für den kurzen Weg meinen Umhang nicht mitgenommen, doch zur Küche zu laufen, um ihn zu holen, wenn ich doch sowieso nur kurz mit Krähenfuß reden würde, war sinnlos.
Ein leises, merkwürdig schnaubendes Geräusch ließ mich aufmerken.
Ich reckte den Kopf und blickte mich um, während Nervosität in mir langsam aufstieg. Das Plumpsklo war am Waldrand, und auf einmal erschien mir dieser unheilverkündend – nur darauf wartend, dass etwas aus ihm hervorkam, um mich anzugreifen.
Oder jemand. Wie die Strolche damals, die wir nicht bemerkt hatten, ehe sie uns umringt hatten.
„Zeit, zu gehen“, bemerkte meine innere Stimme angespannt, und ich stimmte ihr zu. Krähenfuß konnte warten.
Wäre es nicht sicherer, erst zu Krähenfuß zu gehen und ihm davon zu berichten? Ich meine, wenn da wirklich etwas ist, dann -
Krähenfuß wird mich auslachen, schoss ich zurück. Wenn da wirklich nichts ist, wird er nur wieder sagen, dass ich paranoid bin und darüber hinwegkommen -!
Wann hat er jemals gesagt, dass du paranoid bist? Kein einziges Mal.
Zitternd stieß ich meinen Atem aus, blickte mich wieder um. Hatte ich mir das Knacken eine Astes gerade nur eingebildet?
Die Stalltür war offen.
Ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, was ich gerade gesehen hatte: Die Tür des Stalls war nur angelehnt, nicht fest geschlossen wie sonst.
War etwa jemand eingebrochen? Soweit ich wusste, waren im Moment keine Gäste mit Pferden anwesend; es hatte also niemand einen Grund, in den Stall zu gehen.
Vorsichtig trat ich näher, verfluchte leise den Schnee, der unter meinem Gewicht knirschte. Eigentlich sollte ich froh darüber sein, nicht mehr zu hungern und genug warmes Essen zu haben, aber im Moment wünschte ich mir, ein Geist zu sein.
Der würde wenigstens keine Geräusche machen.
Langsam einen Fuß vor den anderen setzend schlich ich mich an den Spalt, lugte hindurch.
Viel war nicht zu sehen; also schob ich die Tür ein Stück weiter auf und schlüpfte in das warme Dämmerlicht.
Der Stall roch nach Heu, nach Holz und nach Tier. Es brauchte eine Weile, ehe sich meine Augen an das Halblicht gewöhnt hatten, und als sie es taten, zuckte ich unwillkürlich zurück.
Es stand tatsächlich ein Pferd in einer der Boxen, angebunden mit einem Seil. Es drehte den Kopf, um mich anzusehen, während ich versuchte, mein heftig schlagendes Herz zu beruhigen.
Nur ein Pferd. Kein Grund zur Panik. Nur ein ganz normales Pferd.
Zögerlich näherte ich mich, streckte ihm die Hand hin. Der warme Atem blies mir entgegen, und die feinen Haare am Maul kitzelten an meinen Fingern. Ich hatte vergessen, wie groß diese Tiere waren.
Als es den Kopf hob, wich ich unwillkürlich ein Stück zurück.
„Tut mir Leid“, murmelte ich, „ich habe nichts für dich.“ Ich runzelte die Stirn, betrachtete das Tier ein wenig genauer. Es schien ein Brauner zu sein, auch, wenn ich die Fellfarbe schlecht im Dämmerlicht schätzen konnte. Die Mähe war dunkler als das restliche Fell, und es hatte einen hellen Fleck auf der Stirn. Einen Stern, nennt man so etwas, meinte ich mich zu erinnern. Oder eine Schnippe?
„Solange du nicht so etwas Einfallsloses wie Sternchen heißt“, brummte ich. Mir fiel wieder ein, dass ich damals nicht nach dem Namen von Folcwitas – Grímas – Pferd gefragt hatte. Auf der anderen Seite wusste ich jetzt, dass die Chance, dass er mir den Namen verraten hätte, sehr gering war – wahrscheinlich hatte er ihn selbst nicht gekannt. („Gebt ihm ein Pferd und lasst ihn gehen, wohin er will“, hatte Théoden schließlich befohlen.) Außerdem hatte er zu dem Zeitpunkt ganz viel andere Dinge im Kopf gehabt, als über einen Namen für sein Pferd nachzudenken. Damals hatte ich das nur nicht gewusst, und erst zu spät herausgefunden, als ein Rückweg schon unmöglich war.

Gedämpft klirrte Metall gegen Metall, und ich drehte mich um.
Einer der Männer des Gasthofs trat in den Stall, in der Hand einen Beutel haltend. Schon wollte ich halb die Hand zum Gruß heben, doch dann sah ich den merkwürdig kühlen Blick, der über mich hinwegglitt, das krause, braune Haar, und mein Herz sank.
„Solltest du nicht in der Küche sein?“ fragte Albert, ohne mich anzusehen, und legte den Beutel auf den Fußboden. Das Pferd streckte ihm den Kopf entgegen, und er streichelte ihm leicht über die Stirn.
„Schon“, murmelte ich und blickte zu Boden. „Ich hatte nur gesehen, dass die Tür offen war, und wollte nachschauen, was es damit auf sich hat. Jetzt weiß ich es ja und kann wieder gehen.“
„Du kannst mithelfen, das Pferd zu striegeln, wenn du schon hier bist“, sagte Albert trocken, ehe ich auch nur einen Schritt gemacht hatte, hob den Beutel auf und griff hinein. Kurze Zeit später hielt er mir eine Bürste hin.
Für einen Moment zögerte ich. Das hier fühlte sich nach einem Friedensangebot an, doch mein Gefühl hatte mich schon früher getäuscht. Auf der anderen Seite zehrte diese Spannung und Ablehnung seitens Alberts an mir, und ich wollte, dass dies aufhörte.
Ich ergriff die Bürste, und Albert holte einen Hufkratzer aus dem Beutel.
„Du weißt, wie du damit umgehen musst?“ fragte er, und ich nickte, nachdem ich die harten Borsten angefasst hatte.
„Kräftig in Fellrichtung striegeln“, antwortete ich, ein wenig stolz, dass dieses Wissen von meinem damaligen Reitunterricht noch hängengeblieben war.
Albert schnaubte leise, und ich sah schnell genug auf, um zu sehen, wie ein Lächeln über sein Gesicht huschte. „Genau“, antwortete er, und dann beugte er sich herunter, um den Huf des Pferdes anzuheben.


Eine Weile lang arbeiteten wir schweigend. Es tat gut, immer die gleichen Bewegungen auszuführen; irgendwann schaltete der Kopf ab, und man konzentrierte sich nur noch auf die Regelmäßigkeit. Außerdem war es gut, etwas Lebendiges, Warmes unter den Händen zu spüren – ein Tier, von dem man merkte, dass es dankbar für die Behandlung war.
Meine Nervosität war kaum noch vorhanden, nur ein leichtes Ziehen in der Magengegend war noch da. Dies brachte mich auch dazu, schließlich das Schweigen zu brechen.
„Ich… ich hatte gar nicht mitbekommen, dass ein Gast mit Pferd gekommen ist.“
„Er kam heute Mittag“, sagte Albert und klopfte dem Tier auf den Hals, welches als Dank an seinem Hemd zupfte. „Vor einiger Zeit hatte sich noch Ubald um die Pferde gekümmert, aber da er jetzt Farbod hilft und damit alle Hände voll zu tun hat, habe ich diese Aufgabe übernommen. Es kommen um diese Jahreszeit nicht viele Reisende her, demnach ist es eine leichte Aufgabe.“
Der Ton seiner Stimme war ruhig, beinahe gleichgültig.
Für einen Moment herrschte wieder Schweigen, da ich nicht recht wusste, was ich darauf erwidern sollte. War das hier eine Anspielung auf etwas – auf Saruman und Gríma? Auf unsere Gruppe?
Ich hörte, wie er auf der anderen Seite des Pferdes tief aufseufzte.
„Du… hattest gesagt, dass dein Großvater gestorben ist“, sagte er leise. „Dies tut mir leid. Sicherlich muss dich das sehr aufgewühlt haben, und ich entschuldige mich, dich bei deiner Ankunft daran erinnert zu haben. Ich wusste dies natürlich nicht, und ich… ich hatte mich nur erschrocken, wie kalt du darauf reagiert hattest.“
Aha. Da war es also. Das Gespräch, welches notwendig war, damit er verstand, vor dem ich aber eine Heidenangst hatte. Es würde bedeuten, zugeben zu müssen, dass ich ihn angelogen hatte.
Ich schloss die Augen, lehnte für einen Moment meinen Kopf gegen den Pferdeleib. Wo fing ich am Besten an?
„Das ist alles etwas komplizierter“, sagte ich. „Saruman – der Herr Scharrer – ist in Wirklichkeit nicht mein Großvater gewesen. Auch, wenn er so wirken konnte, wenn ihm danach war.“ Ich schauderte. „Er ist ein mächtiger Zauberer gewesen, der jedoch durch den Krieg fast all seine Kraft verloren hat, und… wir waren Anhängsel, die er auf dem Weg zu einem neuen, grausamen Racheplan mit sich mitgeschleppt hat.“
Das hörte sich bescheuert an, und Albert schien das auch zu denken.
„Hat der Herr Folcwita dir das eingeredet?“ fragte er düster.
„Nein!“ stieß ich heftig hervor, sah, wie das Pferd irritiert den Kopf zurückwarf und zwang mich, ruhiger zu werden.
„Nein“, wiederholte ich leiser. „Dies hat er nicht.“ Kurz lachte ich bitter auf. „Er mag zwar ein verdammt manipulativer Lügner gewesen sein, aber das hat er sich nicht ausgedacht. Und ich übrigens auch nicht.“
Ich hörte, wie Albert langsam ausatmete.
„Das bedeutet, dass du nicht wirklich freiwillig mit ihnen unterwegs warst“, sagte er. „Und vielleicht verstehst du, dass ich dir nicht ganz glauben kann – nicht, wenn du schon wieder mit so jemandem unterwegs bist.“
Meine nächster Bürstenstrich wurde etwas zu unbeherrscht; das Pferd ruckte mit dem Kopf. Beruhigend strich ich ihm mit der freien Hand über den Hals, spürte die Wärme, die von ihm ausging.
„Krähenfuß hat versprochen, mich nach Hause zu bringen“, erklärte ich, „und im Gegensatz zu Saruman vertraue ich ihm.“ Es überraschte mich selbst ein wenig, dies zu sagen und vor Allem zu merken, dass ich es ernst meinte.
Dabei wusste ich immer noch nicht genau über Krähenfuß‘ Hintergründe und Motivationen Bescheid, aber Krähenfuß… wirkte mehr wie ein Mensch. Vielleicht, weil ich bisher mehr Emotionen von ihm mitbekommen hatte als von Gríma und Saruman zusammen. Und Krähenfuß hatte mich bisher nicht belogen.
Vielleicht vertraute ich ihm aber auch eher, weil ich wusste, dass er sich selbst danach sehnte, wieder nach Hause zu kommen. Oder zumindest in eine Umgebung, in der er sich nicht wie ein Fremder fühlen musste und in der man ihn verstand, ohne mich ständig als Übersetzerin mitschleppen zu müssen.
Fremdheit und Einsamkeit verband Menschen miteinander.
Zu meiner Überraschung hörte ich, wie Albert ein leises, schnaubendes Lachen von sich gab. „Ich glaube dir zwar immer noch nicht ganz“, (danke, diese Bestätigung brauchte ich, brummte meine innere Stimme sarkastisch) „doch es freut mich, dass du nicht mehr so… furchtsam klingst.“
„Ich folge ja auch nicht mehr einem bösen Zauberer, der Leute mit seinem Stab schlägt, wenn sie ihm zu langsam sind“, bemerkte ich düster und blickte auf, um Albert anschauen zu können. Zumindest den Teil seines Gesichts, den ich über den hohen Pferderücken hinweg sehen konnte. „Ja, das ist mein sogenannter Großvater gewesen. Glaubst du, dass er uns von den Vorräten, die du uns damals mitgegeben hast, etwas abgegeben hätte? Ha! Niemals! Es ist so viel einfacher, Leute zu kontrollieren, wenn sie hungern!“
Alberts Entsetzen war beinahe spürbar, und ich striegelte grimmig das Pferd weiter. Mein Hals hatte sich während meiner Worte zusammengezogen, und er brannte, als ich mich wieder an den bitteren Geschmack der Furcht zurückerinnerte.
„Die blauen Flecken...“, murmelte der Knecht. „Das bedeutet, dass diese eigentlich – aber – der Herr Scharrer? Er war doch nur ein harmloser, alter Mann! Er war sehr nett und höflich, als er bei uns war, und der Herr Schlüsselblum hat nur in den höchsten Tönen von ihm gesprochen!“
„Und hast du auch mal darüber nachgedacht, weshalb er uns in den Stall geschickt hat?“ knurrte ich. „Gríma und ich wussten sehr genau, wie seine verdammte Stimme funktioniert, auch, wenn Gríma resistenter dagegen war als ich. Er hat uns wie Tiere behandelt, denn nicht viel mehr waren wir für ihn.“ Ich holte bebend Luft, als ich mich wieder daran erinnerte, was an dem einen Morgen passiert war – hier im Stall. Merkwürdig, wie ich das eigentlich schon wieder vergessen hatte, aber es war so viel in der Zwischenzeit passiert.

„Gríma hatte mich eigentlich hierlassen wollen“, flüsterte ich, und ein bitteres Lächeln zerrte an meinen Mundwinkeln. „Damals hatte ich gedacht, dass er mir einen Gefallen tun wollte; jetzt bin ich davon überzeugt, dass er das nur gesagt hatte, um sich selbst zu schützen. Schließlich wusste ich über ihn Bescheid, und ich durfte Saruman nichts davon erzählen.“ Ich lachte nervös auf. „Wenn er damals schon gewusst hätte, was ich wirklich über sein Schicksal wusste, hätte er wohl hartnäckiger versucht, mich zum Dableiben zu überreden.“
„Und du bist dennoch mit ihnen gegangen“, sagte Albert tonlos. „Obwohl du wusstest, was der Herr Scharrer für ein Mann war.“
Zauberer“, korrigierte ich dunkel. „Das sind keine Menschen, das sind unsterbliche Wesen in menschlicher Form.“
„Du bist dennoch mit ihnen gegangen“, wiederholte Albert hartnäckig. „Warum?
Für einen Moment zögerte ich, blickte wieder zu Boden und holte dann tief Luft.
„Weißt du, wie das ist, jemanden zu sehen und genau zu wissen, dass dieser jemand in den eigenen Tod laufen wird?“ fragte ich leise. „Vor Allem, wenn du schon etwas Zeit mit dem Mann verbracht hast? Wenn er dein einziger Halt in einer ansonsten fremden Welt war, und dann zu wissen, dass er… ermordet werden wird? Wie würdest du dich da fühlen? Würdest du da nicht eine gewisse, gruselige Verantwortung spüren?“
„Du sagtest, dass du… froh seist, dass sie tot sind.“
„Damit meinte ich hauptsächlich Saruman“, erwiderte ich und lachte ein wenig bitter auf. Mein Hals schnürte sich wieder zu, und ich legte beide Hände auf den warmen, atmenden Pferdekörper, sog den angenehmen Geruch ein. „Bei Gríma bin ich mir da nicht ganz sicher, obwohl er zweimal versucht hat, mich umzubringen. Ich bin immer noch der Meinung, dass er ein ziemlicher Bastard ist, weil er sowohl das getan hat, als auch mich angelogen – aber ich bin da nicht viel besser, oder? Ich meine, ich habe ihm auch kein Wort darüber gesagt, dass er sterben wird, dass er im Auftrag von Saruman einen Mord begehen würde!“
Meine Beine waren schwach, und ich musste mich in das Stroh setzen, ließ die Bürste neben mich fallen und zog die Knie an den Körper. Eigentlich wollte ich das alles nicht sagen, weil ich wusste, dass es Albert überfordern würde, aber die Worte sprudelten nur so aus mir heraus; ich konnte sie nicht stoppen. Meine Stimme überschlug sich, und ich zitterte.
Hilflos.
Mein Hals schnürte sich zu.
„Hätte ich etwas ändern können? Ich wusste über die Handlung Bescheid: Nachdem ich herausfand, wer er wirklich war, wusste ich, wo sein Pfad enden würde! Und ich habe nichts mit dem Wissen gemacht, ich habe ihn stumpf in seinen eigenen Tod laufen lassen!“
Danach herrschte Stille, nur durchbrochen von dem Atem des Pferdes und seinem leisen Schnauben. Klar, ich hatte Albert sicherlich überfordert – schließlich redete ich von Wissen, was mir wohl in dieser Welt als Visionen in die Zukunft zugeschrieben worden wären. Krähenfuß hatte das auch bestätigt, als ich ihm näher von Grímas Tod berichtet hatte.
Nur war meine Vorhersagekraft nur begrenzt gewesen. Tut mir Leid, ab diesem Zeitpunkt ist stuntfola leider nicht mehr fähig, in die Zukunft zu schauen: Bitte sparen Sie Ihr Kleingeld, sie ist übersättigt!
Ich blickte auf, als ich hörte, dass Albert langsam um das Pferd herumkam und auf mich zutrat.


tbc…



@EruanMithrandir: Herzlichen Glückwunsch! :)
Da habe ich aber schon anderes von anderen Reviewern gehört und bin eigentlich auch selbst der Meinung, dass manche Sachen etwas langgestreckt bis womöglich überflüssig sind, aber es freut mich, dass du es nicht so siehst. ^^
Hehe, viel Freude weiterhin an deinem Pferdchen wünsche ich, und vielen Dank für dein Lob und dein Review! :)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast