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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
Alle Kapitel
227 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
02.06.2018 2.956
 
A/N: Ein herzliches Dankeschön an Súlime, die mir bei der Recherche zum Aufbau mittelalterlicher Küchen immens weiterhalf! Ich bedanke mich für 186 Favoriteneinträge, und... nun, nach fast 50 Kapiteln treffen wir wieder auf alte Bekannte. Außerdem danke ich der Reviewerin, die mir geschildert hat, weshalb sie diese Geschichte vorerst nicht weiterlesen wird. Ich danke für deine Ehrlichkeit.


82. Kapitel: Die Suppe auslöffeln – séo syflige lafian



Ich weiß nicht mehr genau, wie viele Tage so vergingen. Meine Kopfschmerzen hatten sich irgendwann gelegt, und ich konnte wieder selbst laufen.
Zumindest für kurze Zeit.
Fakt war, dass die Strolche immer noch meinen Rucksack und damit unsere Vorräte hatten, und es war Januar. Viel zu essen fanden wir nicht. Zwar hatte ich mal ein paar Bücher über Survival gelesen, doch vieles davon war aus meiner Erinnerung verschwunden – zu Hause, in meiner Welt, hatte ich so etwas ja nicht gebraucht. Da hatte es so etwas wie Supermärkte, Dosen und Tiefkühltruhen gegeben, sodass man jederzeit etwas essen konnte.
Ich merkte, dass dies auch Krähenfuß anstrengte. Zwar sagte er nichts und setzte sich jeden Morgen mit stoischer Miene weiter in Bewegung, doch auch er wurde schneller müde, verausgabte sich schneller.
Wir brauchten dringend etwas zu Essen; die paar Blätter Spitzwegerich, Scharbockskraut, Taubnessel und Brombeere, die wir fanden, waren meist nur genug, um einem zumindest das Gefühl zu geben, etwas im Magen zu haben. Krähenfuß fand, zu meiner Überraschung, ab und an sogar einige wilde Möhren und ein paar merkwürdige Knollen, die vom Aussehen her an eine Kartoffel erinnerten, jedoch eher nach Artischocke schmeckten. Wasser war zum Glück dank des Schnees kein großes Problem, doch es war unangenehm, den Schnee erst lange im Mund schmelzen zu lassen, wenn man Durst hatte.
Mein Kreislauf meldete sich in dieser Zeit immer öfter, sodass Krähenfuß irgendwann dazu überging, mich einfach wieder zu tragen, nachdem ich mehrmals beinahe umgekippt war.
Dadurch kamen wir nur langsam voran; ich merkte auch Krähenfuß‘ Schwäche. Es gab ein paar Male einen sehr unangenehmen Zeitpunkt, in dem ich das Gefühl hatte, der Strolch würde unter mir zusammenbrechen; doch jedes Mal schaffte er es, mich vorher abzusetzen.
Von den anderen Strolchen sahen wir kein Lebenszeichen, doch das bedeutete schließlich nicht, dass sie nicht noch immer da waren.


Ich hatte wieder auf Krähenfuß‘ Schulter gedöst; versuchte, die Gedanken zu verdrängen, die mir in der letzten Zeit immer häufiger kamen.
Leg‘ dich einfach in den Schnee, wenn du das nächste Mal musst. Schließe die Augen. Bald wirst du die Kälte nicht mehr spüren, und du wirst nicht mehr schwach sein. Du belastest damit weder Gríma noch Krähenfuß.
Ich schauderte, schluckte. Das Argument in meine Welt zurückfinden war sehr viel schwächer geworden, grenzte sogar an Sinnlosigkeit. Wir hatten schließlich nur Sarumans und Grímas Wort, beides Leute, die nicht wirklich für ihre Ehrlichkeit bekannt gewesen waren.
Ich muss, knurrte ich jedes Mal zurück. Ich kann das schaffen.
Wir werden sehen.
In diesem Moment spürte ich, dass ich rutschte, und eine Moment später trafen meine Füße wieder auf den festen Boden. Ich lehnte mich gegen Krähenfuß; die Schwäche ließ mich sehr unsicher auf den Beinen sein.
Müde ließ ich den Blick nach oben schweifen, erblickte ein großes, zweistöckiges Haus, bei dem ein Schild an einer Kette sanft im Wind schwang. Ein grüner Baum mit hängenden Ästen war darauf gezeichnet; eine Trauerweide, und die dunklen Runen darunter beschrieben sicherlich den Namen.
Krähenfuß legte eine schwere Hand auf meine Schulter, drehte mich zu ihm und holte tief Luft. Zu meinem Schrecken sah er ungewohnt erschöpft aus, und er schien nervös zu sein. Diese Reise zehrte genauso an ihm wie an mir auch.
We moton for help ascian“, sagte er, und es hörte sich so an, als würde es ihn einige Überwindung kosten, diese Worte auszusprechen. „We habbaþ náht to etan, we sindon geléwed. Wiþ þys þing we béon náwa bewyrcan cuman to þá Mearce.“ Er holte noch einmal tief Luft, doch ich unterbrach ihn.
„Und ich bin die Einzige, die die Gemeine Sprache spricht. Ich muss das Reden übernehmen.“
Krähenfuß zögerte für einen Moment, nickte dann aber.
Beheald Þanc“, sagte er leise, zögerte einen Moment lang. „Cwidde húru næniht þæt cúþ ús earfeþe gearfoþ bringan.
Ich schluckte kurz, nickte und wandte mich der dunklen Tür zu. Einfacher gesagt als getan.
Wir müssen um Hilfe bitten“, hatte Krähenfuß so widerwillig zugegeben. „Wir haben nichts zu Essen, wir sind geschwächt. Unter diesen Umständen werden wir niemals die Mark erreichen.
Zu dem Zeitpunkt war mir die Aufforderung deutlich gewesen, die er in seinen Worten versteckte – Krähenfuß konnte nur Rohirrisch sprechen, und es war mehr als unwahrscheinlich, dass hier oben im Norden jemand ebenfalls diese Sprache beherrschte. Ich musste anklopfen und höflich um Asyl bitten. Da war Krähenfuß‘ letzte Aufforderung an mich unnötig gewesen.
Sage bloß nichts, das uns in Schwierigkeiten bringen könnte.
Ich werde es versuchen, brummte ich innerlich, während ich mich von ihm löste, kurz die Augen zusammenkniff, um meinen Schwindel zu kontrollieren und mich auf den Weg zur Tür machte.

Auf mein Klopfen reagierte niemand, und auch beim zweiten Mal regte sich nichts. Ich drehte mich hilfesuchend zu Krähenfuß um, doch da stand dieser schon hinter mir und hämmerte mit der Faust gegen die Tür.
„Einen Moment!“ drang eine gedämpfte Stimme von innen zu uns heraus.
Ich trat einen Schritt zurück – ungern wollte ich die Tür in das Gesicht bekommen, sollte diese sich nach außen öffnen. Krähenfuß war auch wieder zurückgetreten, wie ich mit einem kurzen Blick über die Schulter bemerkte, und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Er sah abgerissen aus, und mir war bewusst, dass ich selbst wohl nicht viel besser wirken musste. Auf der anderen Seite machten wir immer noch einen besseren Eindruck als Gríma und ich damals unter Saruman.
Zumindest, wenn man nicht das getrocknete Blut an der Seite meines Kleides beachtete.
„Was gibt es?“ fragte eine Stimme, und ich wandte den Kopf wieder der Tür zu, die sich einen Spalt breit geöffnet hatte. Dunkelbraune Augen in einem sonnengebräunten Gesicht blickten mir entgegen, dazu wildes, schwarzes Haar. „Was wünscht Ihr?“
Ich räusperte mich, holte tief Luft, während ich mit den Händen an einer Falte meines Kleides herumnestelte.
„Zimmer“, sagte ich schwach, „und Essen. Bitte, wir sind lange unterwegs gewesen und haben unsere Vorräte verloren, und...“
„Könnt ihr zahlen?“
Mich durchlief es kalt bei diesen Worten. Es war natürlich eine logische Frage, aus der Sicht des Türstehers; der Besitzer des Gasthofs würde sicherlich Umsatz machen wollen, und diesen konnte er nicht erreichen, wenn er Gäste kostenlos einquartierte.
Aber wir hatten kein Geld, keine Möglichkeit, ihn zu bezahlen. Für einen Moment vermisste ich Sarumans äußerst überzeugende Stimme, die uns sicherlich problemlos einen Platz hätte verschaffen können.
Wer sagt, dass sie Geld zur Bezahlung annehmen müssen? fragte meine innere Stimme mit einem unangenehmen Unterton. Ihr könntet euch sicherlich auch euren Aufenthalt auf die eine oder andere Weise verdienen.
Ich schnappte nach Luft. „So etwas werde ich nicht -!
Was für eine andere Möglichkeit bleibt euch denn?
Ich holte tief Luft.
„Wir haben kein Geld“, erklärte ich und konnte nicht verhindern, dass sich ein verzweifelter Unterton in meine Stimme schlich, „aber wir sind willig, für unser Essen zu arbeiten! Bitte, wir können sicherlich irgendetwas -“
Stuntfola“, hörte ich Krähenfuß‘ warnende Stimme hinter mir und spürte auf einmal seine schwere Hand auf meiner Schulter, doch ich ließ mich davon nicht abhalten.
„ - wir können Wäsche waschen, putzen, in der Küche aushelfen -“, ratterte ich alle Möglichkeiten herunter, die mir in den Sinn kamen, doch ich wurde wieder unterbrochen.
Und zwar, indem man einfach die Tür vor unserer Nase schloss.
Für einen Moment blinzelte ich das Holz stumpf an, ehe sich mein Hals zusammenschnürte, als die Realisation kam, was das bedeutete. Meine Augen brannten.
Geséoh þæt“, murmelte Krähenfuß müde, und auf eine Weise klang dies schlimmer, als wenn er mich angeknurrt hätte. „We nearon willcume.
Ich drehte mich zu ihm um, schluckte hart gegen den Kloß in meinem Hals an. Ungebeten liefen meine Tränen über und rannen an meinen Wangen herab. Halb wunderte ich mich darüber, dass mich dies so enttäuschte.
Ich hatte nach Fréareths Angriff nicht geweint, aber dafür jetzt?
Sieh an. Wir sind nicht willkommen.
Meine Beine zitterten; ich fühlte mich in diesem Moment einfach nur noch kraftlos, und langsam ließ ich mich auf den Boden sinken, schloss die Augen und vergrub mein Gesicht in den Händen.
Þæt náwilnie helpan“, knurrte Krähenfuß über mir. „We mótan gán gif we here wunian nacunnan.
Und er stieß mich mit den Fuß an. Als ich nicht reagierte, stieß er mich noch einmal an, und dann hörte ich, wie er tief aufseufzte. Ich schniefte.
Das hilft nicht. Wir müssen weitergehen, wenn wir hier nicht bleiben können.
Im nächsten Moment spürte ich bereits wieder Hände unter meinen Achseln, und mit einem Grunzen wurde ich hochgehoben und wieder über Krähenfuß‘ Schulter geworfen. Meine Tränen änderten die Richtung und liefen nun lautlos über meine Stirn in meinen Haaransatz.

„Wartet!“ rief auf einmal eine laute Stimme von der Tür her, und Krähenfuß drehte sich halb um.
Auch ich verrenkte den Kopf und sah, dass die Tür des Gasthofes sperrangelweit offenstand, während der Mann, mit dem ich gesprochen hatte, sich schwer atmend an den Türrahmen lehnte.
Seine Augen waren groß vor Entsetzen, während er uns anstarrte.
„Ihr – ihr könnt bleiben“, sagte er atemlos, „Himmel, ihr solltet bleiben! Wollt Ihr ihr den Tod bringen?!“
Für einen Augenblick blinzelte ich verwirrt, während Krähenfuß nur stumm dastand. Einen Moment später wurde mir bewusst, wie ich auf Krähenfuß‘ Schulter lag – der Mann hatte wahrscheinlich einen wunderbaren Ausblick auf das ganze getrocknete Blut an der Seite meines Kleides. Und anscheinend sah es so aus, als ob es mein Eigenes war.
Er winkte uns hektisch.
„Was steht Ihr denn noch da, kommt hinein!“ rief er, und Krähenfuß setzte sich schließlich in Bewegung.
Neue Tränen traten mir in die Augen, und ich biss mir auf die Lippe, um mich davon abzuhalten, erleichtert aufzuschluchzen. Krähenfuß hatte wohl mein Zittern gespürt, denn er klopfte mir aufmunternd auf den Rücken.
Nawép, stuntfola“, murmelte er. „Þú móst cwiddian dón.
Ich weiß.
Der Mann ging voraus, zumindest sah ich ihn nicht mehr. „Ich habe noch nichts abgesprochen“, sagte er, „doch selbst mein Herr sollte einsehen, dass wir nicht ablehnen sollten, wenn Verwundete vor unserer Tür stehen. Ich werde Euch zu einem Lager bringen, auf das Ihr sie legen könnt.“
Krähenfuß antwortete ihm nicht, und ich schwieg ebenfalls, konzentrierte mich mehr darauf, mich vom Weinen abzuhalten.
Es wurde schlagartig wärmer, als wir im Haus waren, und ein Schauder durchlief mich.
„Es kamen vor einiger Zeit einige andere Gestalten vorbei, die einen ganz und gar nicht angenehmen Eindruck machten“, erklärte der Mann beinahe entschuldigend, während er uns führte. „Von daher müsst Ihr mein Misstrauen verzeihen – wir hatten einige unschöne Zwischenfälle hier.“
Krähenfuß gab ein undefinierbares Geräusch von sich, und ich fragte mich, ob er den Mann vor sich auslachte oder ob ihm etwas unangenehm war. Sicherlich hatte der Mann hiermit auf die Strolche angespielt. Es wurde noch wärmer, wir traten durch eine Tür, und dann roch es auf einmal ganz verlockend nach warmem Essen.
Ich spürte, wie sich der Speichel in meinem Mund sammelte; dank der Wärme drehte sich in meinem Kopf alles, und Übelkeit kam in mir auf. Verfluchter Kreislauf.
„Farbod!“ rief eine ärgerliche Stimme. „Du weißt doch, dass Gäste nicht in die Küche – bei der Erleuchteten, was ist passiert? Du hast diese Landstreicher doch nicht etwa mit Einverständnis des Herrn Schlüsselblums eingelassen?
„Nein“, antwortete unser Führer, „aber ich habe Albert nach seiner Meinung gefragt, und er sagte, dass wir sie einlassen sollten.“
Ein Schnauben erklang, und irgendetwas, das sich wie Töpfe anhörte, klirrte laut gegeneinander.
„Du weißt, dass du nachher den Ärger für Alberts dumme Entscheidungen ausbaden darfst? Ich möchte nicht zugegen sein, wenn du dem Herrn Schlüsselblum erklären musst, dass du ohne sein Einverständnis einfach zwei Landstreicher eingelassen hast, und das in diesen Zeiten!“ Der Sprecher schnaubte wieder. „Ich werde ganz sicher nicht zugegen sein. Schaffe die Leute hier heraus, ehe sie die ganze Küche vollbluten!“
Ich runzelte die Stirn. Albert… irgendetwas klingelte bei dem Namen in meinem Kopf, aber der war zu wattig, als dass ich eine ordentliche Verbindung hätte erstellen können. Krähenfuß trug mich weiter, und als er sich drehte, sah ich in den großen Raum hinein.
In der Mitte war eine Feuerstelle, auf der verschieden große Töpfe standen. Von irgendwoher fiel Licht in den Raum und erhellte ihn, glänzte auf verschiedenen Küchengeräten und hohen Regalen, die an den Wänden standen. Ein Mann stand mit dem Rücken zu uns an einem Tisch und schien etwas zu hacken, ein zweiter hatte sich über die Feuerstelle gebeugt und war dabei, etwas in einem der Töpfe umzurühren. Ein Dritter bediente vorsichtig einen Blasebalg, um das Feuer anzufachen, und ich sah seinen Blick, als er kurz von seiner Arbeit aufschaute, um uns anzuschauen. In einer Ecke stand ein Vierter und war mit dem Abwasch beschäftigt. Und ein Fünfter warf uns einen flüchtigen, bitterbösen Blick zu und hatte die Hände in die Hüften gestemmt.
Krähenfuß trug mich weiter, an unserem Führer vorbei, und dann kniete er sich nieder, und ich rutschte. Sofort klammerte ich mich an ihm fest, doch der Strolch brummte in einem beruhigenden Ton.
Vorsichtig ließ ich mich nach hinten sinken, spürte erleichtert, dass es weich war – Felle und Decken waren hier aufgeschichtet worden. Krähenfuß stützte mich und schob die Felle hinter mir zusammen, bis ich aufrecht sitzen konnte. Meine Hände bebten, und mein Schwächegefühl übermannte mich mal wieder, während ich das ganze Essen roch.
Schon lange hatte mein Magen nicht mehr geknurrt, um zu signalisieren, dass ihm etwas fehlte – er zog sich nur noch zusammen und ließ einen mit Übelkeit, schwachen Beinen und einem sich drehenden, leichten Kopf zurück. Ich blinzelte; versuchte, mich zu konzentrieren.
Hinter Krähenfuß war unser Führer anscheinend in eine hitzige Diskussion mit dem Koch verstrickt; ihre lauten Stimmen übertönten das allgemeine Geklapper der Küche.
„Du bringst meinen ganze Plan durcheinander!“ beschwerte sich der Koch – ich ging davon aus, dass der Sprecher der Koch war. Der Mann, der uns so finster angeschaut hatte, hatte zumindest eine helle Schürze umgebunden gehabt. „Das Abendessen muss fertiggestellt werden; wir haben einen festen Ablauf, und du störst ihn, weil Albert sagte, du sollst Landstreicher aufnehmen?“
„Das Mädchen ist verletzt!“ zischte unser Führer scharf zurück. „Sie braucht sicherlich Ruhe und einen sauberen Ort – außerdem sagte sie, dass sie nichts zu Essen haben! Willst du damit sagen, dass wir Menschen in der Not nicht helfen sollen?“
„Nicht, wenn diese von uns stehlen wollen“, bemerkte der Koch düster. Ich sah, wie er den Kopf schüttelte. „Rufe Albert; er soll sich um sie kümmern – er hat uns dies schließlich eingebrockt. Er hat diese Suppe gefälligst auch wieder auszulöffeln. Er ist draußen, um Wasser zu holen.“
Unser Führer nickte und verschwand.
Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen; versuchte, meine Übelkeit zu ignorieren. Schwach spürte ich, wie Krähenfuß es sich neben mir gemütlich machte, auch, wenn er sicherlich immer noch wachsam den Küchenablauf beobachtete.
Für den Moment tat es einfach nur gut, im Warmen zu sein und keine Furcht verspüren zu müssen.

Irgendwann wurde ich angestoßen, und blinzelnd öffnete ich die Augen. Krähenfuß hielt mir eine Schale mit Brühe hin, und ich nahm sie vorsichtig an. Die Wärme tat gut an den Händen, und ich nahm einen zögerlichen Schluck. Sie schmeckte salzig, und nach Fleisch, Fett, Kräutern und Wasser. Sofort sammelte sich Speichel in meinem Mund, und ich schluckte, um nicht vor Begeisterung zu sabbern. Wie schnell man doch vergisst, wie gut eine einfache Brühe schmecken kann.
Kein Wunder, bemerkte meine innere Stimme trocken. Wie lange ist es nochmal genau her, dass du zuletzt etwas Ordentliches, Warmes gegessen hast? Und hier hattet ihr noch nicht einmal einen Saruman, der euch regelmäßig mit trockenen Brotkanten versorgt hat.
Ich warf dem Strolch einen schnellen Blick zu.
„Habt Ihr schon etwas gehabt?“ fragte ich, und Krähenfuß nickte knapp.
Nicht gänzlich überzeugt schloss ich wieder die Augen, genoss den Geschmack auf der Zunge, ehe ich einen erneuten Schluck nahm; mich währenddessen zwang, nicht gierig alles hinunterzustürzen – das würde nur in Verbrennungen resultieren. Behutsam stellte ich die Schale auf den Boden, nachdem ich fertig war; es war immer noch ein Rest Flüssigkeit darin.
Im Hintergrund klapperten Löffel gegen metallene Töpfe, Gemüse wurde geputzt und gehackt, und über Allem lag das beinahe heimelige Knistern des Feuers. Mit Wehmut musste ich wieder an das Auenland denken, und dann fuhr wieder eine eisige Hand meine Wirbelsäule hinab und in meinen Magen hinein.
Die Strolche. Was ist mit den Strolchen?
Ich riss die Augen auf, um Krähenfuß davon zu überzeugen, dass wir den Hobbits irgendwie helfen mussten, wenn wir wieder zu Kräften gekommen waren, doch dazu kam ich nicht.
Einige Schritte von uns entfernt stand ein junger Mann im Raum, der mich unverhohlen anstarrte, den Mund geöffnet, als hatte er etwas sagen wollen, dies aber vergessen. Er hatte hellbraunes, krauses Haar; die Spitzen leuchteten durch das Feuer hinter ihm.
Neben mir hatte Krähenfuß sich angespannt. Vorsichtshalber legte ich ihm eine Hand auf den Arm, und die Augen des Mannes vor uns blitzten bei der Geste auf; er trat einen Schritt vor.
„Stuntfola“, flüsterte er.


tbc…



A/N: Zu der Knolle, die Krähenfuß ganz am Anfang ab und zu findet: Es handelt sich hierbei um die Pflanze Topinambur und kommt aus Afrika. Wenn die Hobbits schon anachronistisch genug sind, um Tomaten und Kartoffeln anbauen zu können und funktionierende Standuhren zu haben, dann dachte ich, dass sie auch sich selbst ausgewilderte Topinambur haben könnten.
Und ja, das Kapitel endet übertrieben dramatisch, in der das designated Love-Interest den Namen der Geliebten haucht, und dann laufen sie in Zeitlupe aufeinander zu und fallen sich schluchzend in die Arme und küssen sich. Nein, keine Sorge, das wird nicht passieren. Als ob; die beiden haben doch viel zu sehr Eigenleben entwickelt...
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