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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
Alle Kapitel
227 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
09.02.2018 2.160
 
A/N: Ein Dank an Pamplemousse, die mir in meiner Zeit des "kein Internet habens" mit der Rohirrischen Übersetzung half!


80. Kapitel: Flucht im Schnee – fléam in þá snáw




Ich atmete leise auf. Das war unverkennbar Krähenfuß' Stimme gewesen, und vielleicht war er mir gefolgt. Und sicherlich wusste er, dass ich mich hier befand – er hätte ansonsten keinen Grund gehabt, nachzufragen.
„Ich… ich bin hier“, antwortete ich, wimmerte beinahe, teils aus Erleichterung, teils aus Furcht. Ich wusste nicht, was mit dem anderen Strolch war, wo er war. Es konnte sein, dass er uns hören würde und herankommen und...
Es brachte nichts, so etwas zu denken; die Furcht lähmte mich nur. Ächzend kroch ich unter dem Busch hervor, hörte, wie Krähenfuß nach Luft schnappte, und dann hockte er auf einmal neben mir.
Es war unheimlich, seine großen, vor Entsetzen geweiteten Augen zu sehen; Krähenfuß war nicht jemand, den etwas entsetzte!
Hwæt be Béma limpede to þé?“ fragte er beinahe ungläubig, streckte die Hand aus und strich über meine Stirn. Als er seine Hand wieder zu sich nahm, waren seine Finger rot. Ich unterdrückte ein Schluchzen, blinzelte Tränen zurück, die sich in meinen Augen sammelten.
„Keine Zeit“, flüsterte ich; selbst das Sprechen tat weh. „Einer der Leute… griff mich an. Weg!
Er runzelte die Stirn, schien jedoch nicht überrascht. Für einen Moment hob er den Kopf, blickte sich wachsam um; der Schnee ließ sein Gesicht ungewöhnlich blass wirken.
Ic fyrhtede áht swá þys wilnede limpian“, murmelte er. „We sculde swá cafra swá éaþelic færan fram here. Forweorþian.“ Er blickte auf mich herab, streckte mir die Hand hin. „Canst þú standan?
Ich schluckte, nickte zögerlich. „Ich… ich glaube.“
Mein Herz flatterte in meiner Brust, als ich Krähenfuß‘ Hand nahm und er mich mit sich auf die Beine zog. Der Schwindel meldete sich wieder, und ich würgte auf, krümmte mich zusammen, versuchte, für einen Moment lang einfach nur tief ein – und auszuatmen. Meine Angst machte dem einen Strich durch die Rechnung und ließ es mehr zu einem Schluchzen werden.
Doch eine kleine Flamme der Hoffnung brannte in meiner Brust.
Ich hatte befürchtet, dass so etwas in der Art passieren würde. Wir sollten so schnell wie möglich von hier verschwinden. Kannst du stehen?
Noch nie zuvor hatten Krähenfuß‘ Worte willkommener geklungen. Ich wollte nur noch weg von hier, weg und mich erholen und nach Hause.
Doch mein Gewissen spielte nicht mit.
Was ist mit den Hobbits? Wenn Hern und die anderen tatsächlich einen Angriff planen, wenn sie zuschlagen, dann ist es deine Schuld gewesen, dass sie nicht vorgewarnt wurden.
Ich stöhnte leise auf, während wir begannen, uns langsam fortzubewegen. Krähenfuß stützte mich, was notwendig war – ansonsten wäre ich sehr schnell wieder auf dem Boden gelandet. Mein Kopf fühlte sich immer noch so an, als würde er zerspringen wollen, meine Beine zitterten und meine Schulter schmerzte höllisch. Selbst Krähenfuß‘ Griff tat weh, doch ich biss die Zähne zusammen und kämpfte mich Schritt für Schritt vorwärts. Immer noch war der Geschmack von Blut und Erde in meinem Mund, und ich merkte förmlich, wie mein Gesicht anschwoll, sich die Haut spannte.
„Wohin… gehen wir?“ presste ich mühsam nach einer Weile hervor, während ich hoffte, dass die Antwort nicht „zum Lager“ sein würde.
Þanon“, antwortete Krähenfuß kurz angebunden und mit grimmigem Ton. Ich spürte, wie er eigentlich schneller gehen wollte, sich aber meiner langsamen Geschwindigkeit anpasste.
Seine Antwort – „fort“ – machte jedoch keinen Sinn. Wohin wollte er gehen, und würden die Strolche uns nicht mit Leichtigkeit folgen können, in meinem jetzigen Zustand?
Und die Hobbits? Was ist mit den Hobbits?
„Warte“, murmelte ich, verzog das Gesicht, als ich tief einatmete. Die Panik, die für einen kurzen Moment verschwunden war, kämpfte sich langsam wieder an die Oberfläche. „Wir gehen jetzt?“
Krähenfuß gab keine Antwort, stapfte stumm weiter.
Im nächsten Moment erstarrte ich. Etwas entfernt gingen drei Strolche durch den Wald, anscheinend auf der Suche nach etwas, denn sie gingen langsam und drehten die Köpfe. Einer blieb auf einmal stehen und begann, hektisch und wütend auf die anderen beiden einzureden.
„… sind wir noch hier? Wir hätten in der Heimat sein können, hätte Hern dem Plan nicht zugestimmt! Das Mädchen sagte, dass Scharrer tot ist, und wer von uns hat im letzten Monat bitte nicht an diese Möglichkeit gedacht?“
„Du glaubst dem Mädchen?“ höhnte einer der anderen. „Scharrer lässt sich nicht so einfach töten.“
„Und weshalb ist er dann nicht aufgetaucht? Sollte er uns im Stich gelassen haben?“ Der Mann spuckte aus. „Nein, er kann uns nichts mehr geben. Ich verschwinde von hier; Fréareð ist immer noch nicht aufgetaucht.“
„Gut.“ Der dritte Strolch lachte. „Das werde ich ihm sagen, wenn er wiederkommt. Ich habe außerdem einen Schrei vor nicht allzu langer Zeit gehört; ich glaube, ich weiß, womit er beschäftigt ist.“
Dieser Kommentar erntete nur trockenes Lachen und ein ungläubiges Schnauben. „Und weshalb suchen wir dann nach ihm? So lange hält selbst Fréareð nicht durch.“
Krähenfuß zog an mir, doch ich wimmerte auf, klammerte mich an seinen Arm fest.
Cume“, flüsterte er ungeduldig. „Híe béo gietaþ an incan gif we siomian! Þa gá nú!
Mein Kopf pochte, während mich ein erneuter Schwindel überkam. Es dauerte einen Moment, ehe ich seine Worte übersetzt hatte, doch zu diesem Zeitpunkt hatte er sich schon in Bewegung gesetzt und schleifte mich halb mit.
Komm jetzt! Sie werden Verdacht schöpfen, wenn wir stehenbleiben! Also bewege dich!
Meine Beine schmerzten, als ich sie zwang, voranzugehen, um Krähenfuß zu entlasten. Und ich wollte schließlich weg, nicht wahr?

In der Ferne waren auf einmal laute Rufe zu hören.
Krähenfuß stieß ein leises, zischendes „Cwéad!“ aus und ging schneller, sodass ich Mühe hatte, mitzuhumpeln. Öfter stolperte ich über versteckte Wurzeln im Schnee, zischte leise aufgrund meiner Schmerzen.
Mehr Strolche kamen uns entgegen, doch wir hatten Glück und diese waren eher in Gespräche untereinander verwickelt; einige überholten uns in einiger Entfernung auch. Andere gingen zwar schnell, drehten sich jedoch immer mal wieder um, gingen ein Stück zurück und schritten dann schnell in den umliegenden Wald hinein – weg von den Rufen, und nicht in Richtung derjenigen, die an uns vorbeiliefen.
Auch Krähenfuß drehte auf einmal ab, machte einen Bogen und hielt dann hinter einem breiten Baum inne, bedeutete mir, still zu sein.
Þú eart tó sláw“, knurrte er. „Ic bedece forgiefedness, stuntfola.
Ehe ich realisieren konnte, was genau er damit meinte, ging er halb vor mir in die Knie, zog mich an der Hüfte zu sich und dann lag ich auf einmal wieder über seiner Schulter, als er sich aufrichtete.
Ich konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken und kniff die Augen zusammen; dies war alles andere als förderlich für meine Übelkeit und mein Schwindelgefühl.
„Wundert Euch nicht, wenn ich Euch ankotze“, murmelte ich, klammerte mich an seinen Rücken. Immerhin hatte er sich entschuldigt, und wir waren tatsächlich schneller; mit großen Schritten ging Krähenfuß nun voran, während ich auf und ab wippte. Meine Finger hinterließen blutige Spuren auf seinem dreckigen Umhang. Die immer noch fallenden, kleinen Schneeflocken bildeten ein ganz eigenes Muster mit dazu.
Ich konnte mich nicht recht entschließen, ob es nun besser war, mit geschlossenen oder mit offenen Augen die Krähenfuß-Taxi-Tour mitzuerleben – mit offenen Augen sah ich den Boden, der schnell unter uns vorüberzog, was mir Schwindel verursachte, aber mit geschlossenen Augen waren meine Sinne verstärkt auf die auf und ab wippende Bewegung konzentriert. Letztendlich beschloss ich, die Augen halb geschlossen zu halten, konzentrierte mich darauf, die Schmerzen in meinen Armen und die Übelkeit auszuhalten. Ab und an traf mich ein Zweig im Gesicht, zerrte an meinem Haar.
Hören tat ich zumindest die fernen Rufe, die hektisch durch den Wald schallten. Irgendjemand schrie etwas, was ich nicht verstehen konnte, aber mein Magen wurde zu einem harten Klumpen bei dem Geräusch.
Wir hinterlassen Spuren, wimmerte meine innere Stimme auf. Wir hinterlassen deutliche Spuren im Schnee, denen sie ganz einfach folgen können; das sind noch um die zwanzig Leute! Sie können uns leicht einholen und uns ein für allemal umbringen!
Ich schluckte, schmeckte Galle hinten im Hals. Dann würden wir zumindest dafür sorgen, dass sie nicht die Hobbits angreifen.
Wenn wir tot sind? jammerte meine Stimme. Die Strolche würden uns umbringen und sich danach um die Hobbits kümmern; wenn wir sie nicht vorwarnen, läuft das alles aufs Gleiche hinaus!
„Krähenfuß?“ würgte ich. „Was ist mit den Hobbits? Die… die Strolche werden sie angreifen!“
Þæt is niht úre gehréow“, antwortete Krähenfuß angespannt unter mir. „Stille nú.
Ich schnappte nach Luft, was mich zusammenzucken ließ, da sich Krähenfuß‘ Schulter für eine Moment tiefer in meine Magengrube drückte.
Das ist nicht unsere Sorge. Still jetzt.
„Wie könnt Ihr sagen, dass das uns nichts angeht?“ flüsterte ich entsetzt. „Die Hobbits haben uns aufgenommen und uns geholfen; sie hätten uns auch ganz einfach umbringen können! Wir sind es ihnen schuldig, sie zumindest -“
Schmerz explodierte in meinem Kopf und brachte mich dazu, mir auf die Zunge zu beißen. Ich schmeckte Blut. Für eine ganze Weile konnte ich nichts weiter tun, als nur stumm und mit zusammengekniffenen Augen auf Krähenfuß‘ Schulter zu wippen, während der weiterhin eilig voranschritt. Ich unterdrückte ein Wimmern.
Als ich blinzelnd die Augen öffnete, sah ich in der Ferne einen schweren, tiefhängenden Ast verschwinden, obwohl ich mir nicht sicher war, ob das der Grund für meine plötzlichen Kopfschmerzen war.
Vielleicht hatte Krähenfuß das auch mit Absicht gemacht.
Mein Kopf pochte wieder; fühlte sich so an, als habe ihn jemand mit einer Axt gespalten, und ich würgte trocken auf. Halb war ich froh darüber, an diesem Tag noch nichts gegessen zu haben; dies ließ mich zumindest nicht noch eine andere Art von Spur hinterlassen. Ich konnte kaum noch denken, lauschte nur dem Knirschen von Krähenfuß‘ großen Schritten und seinem Atem. Alles drehte sich langsam.
„Mein Kopf bringt mich noch um“, murmelte ich, und unter mit schnaubte Krähenfuß.
We nawilnie þæt hópan.

Und auf einmal hielt er abrupt an. Ich würgte wieder, stöhnte und versuchte, den Kopf zu verrenken. Waren da andere Strolche? Wartete er einfach, bis sie vorbeigegangen waren?
In dem Versuch, so wenig Geräusche wie möglich zu machen, mich aber gleichzeitig umzudrehen, zappelte ich herum – bis Krähenfuß sprach. Sein Tonfall ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
Læt ús gefierran. Ic behrópe þé.
Er klang so gar nicht nach Krähenfuß, sondern beinahe... flehend. Wer war das, der da vor uns stand?
Lass uns gehen. Ich bitte dich.
Für eine Weile hörte ich nur das schwere Atmen in der Stille des Waldes, und, in weiter Ferne, die Rufe der Suchenden.
„Du tust das für den hláfordswica?“ fragte eine andere Stimme, und ich sah an seinen Haaren, wie Krähenfuß langsam nickte. Schritte kamen näher, blieben stehen. Jemand schnaubte leise, bewegte sich.
Eine ganze Weile lang war es still.
„Ich werde versuchen, sie von euch abzulenken“, sagte der Strolch schließlich, und ich hörte förmlich sein schiefes Lächeln. „Lass uns hoffen, dass Fréareð das bekommen hat, was er verdient.“
Ic líefe þys he hæfþ“, antwortete Krähenfuß, holte Luft. Seine Stimme war leise bei seinen nächsten Worten. „Find mé in þá Mearce. Beheald þanc.
„Werde ich tun“, antwortete der andere Strolch ernst. „Gebéoted.
Für einen Moment neigte Krähenfuß den Kopf, atmete nur, dann klopfte ihm jemand auf die freie Schulter und ging mit schnellen Schritten an uns vorbei – und genau in unserer Spur, wie ich bemerkte. Neutralisierte sie, wischte unsere Fußabdrücke aus.
Mein Gesicht brannte, als ich den Kopf hob, kurz dem Strolch nachschaute – blondes Haar, wie nicht anders zu erwarten bei den ganzen Eorlingas – und spürte, wie Krähenfuß sich dann wieder in Bewegung setzte. Ich ließ den Kopf sinken, legte für einen Moment eine Hand an meine Wange.
Mir war mitten im Gespräch klargeworden, dass ich eigentlich nicht hatte zuhören wollen; da war etwas im Tonfall der beiden gewesen, der es merkwürdig privat gemacht hatte.
Ich glaube, das hat er. Finde mich in der Mark. Danke.
Der erste Teil des Satzes hatte sich auf Fréareth bezogen, und ich spürte wieder die flatterhafte Angst in mir wachsen. Was hatte Fréareth damit zu tun? War der Strolch, der mich angegriffen hatte, der uns verfolgte, letztendlich – ich schob den Gedanken gewaltsam beiseite, schluchzte auf.
Ich musste mich ablenken.
„Krähenfuß?“ fragte ich leise. „Was… was bedeutet gebéoted?
Für eine ganze Weile war Krähenfuß still, lief durch den Schnee. Ich hatte das Gefühl, eine falsche Frage gestellt zu haben, und ich öffnete schon den Mund, um mich zu entschuldigen und ihm zu sagen, er solle das alles vergessen, als er antwortete.
Gebéoted“, wiederholte er. „Þú… gíefest þin cwideas for hwá. Swá an swaru.
Ich schluckte. Das, was Krähenfuß da sagte, drückte die Bedeutsamkeit des Wortes ziemlich gut aus, wenn es denn das war, was ich ahnte.
Du… gibst jemandem dein Wort. Wie ein Schwur.
Ich nickte stumm, während Krähenfuß mit mir weiter in die Dunkelheit hinein eilte.

Gebéoted. Versprochen.


tbc...


A/N: Wer sich ein wenig mehr für Krähenfuß' Sicht der Dinge interessiert (und für den Namen des Strolchs, der am Ende vorkam); ich habe eine kleine Drabblesammlung über die beiden angefangen. Zu finden unter dem Namen Schatten dunkler Krähenschwinge.
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