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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
Alle Kapitel
227 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.01.2018 2.322
 
A/N: Dank an die liebe Pamplemousse, die das Kapitel hier betagelesen hat – und außerdem spreche ich mal wieder eine Triggerwarnung aus. Es wird etwas… roh und brutal in diesem Kapitel.
Außerdem wünsche ich nachträglich ein frohes neues Jahr!


79. Kapitel: Rattenplage – rættwíte




Ich konnte noch nicht einmal schreien; vor Schreck holte ich nur scharf Luft. Instinktiv hatte ich mich nach vorne geworfen und hing nun mit dem Oberkörper am Rand eines tiefen Lochs, krallte mich mit den Fingern in die gefrorene Erde.
Den Kopf zu verrenken, um zu schauen, wie tief das Loch unter mir war, wagte ich nicht; zu sehr fürchtete ich, dass ich dann abrutschen würde. Es war offensichtlich, dass das hier eine Falle war. Solche großen Löcher entstanden nicht einfach so im Waldboden.
Und wer weiß, womöglich sind dort unten angespitzte Stöcke, wie man sie immer in den ganzen Filmen sieht.
Ich schauderte; spürte, wie ein kalter Tropfen meinen Hals herunterlief (ob Schweiß oder geschmolzener Schnee konnte ich nicht sagen) und wie meine Arme begannen, zu schmerzen. Ich stöhnte leise auf, biss mir auf die Zunge und versuchte, mich allein an den Armen hochzuziehen. Währenddessen tastete ich mit den Füßen nach Unebenheiten, auf denen ich mich hätte entlasten können, doch ich fand nichts – die kleinen Steine, die hervorstanden, waren zu klein. Die Brosche von meinem Umhang drückte mir auf den Hals, machte das Atmen schwierig.
Ich biss mir auf die Zunge, spürte dies noch nicht einmal richtig, da diese immer noch taub vom Eiswasser war. Versuchte noch einmal, mich hochzuhieven und ließ frustriert den Kopf nach vorne fallen.
Mit geschlossenen Augen und brennenden Armen überlegte ich, einfach loszulassen. Vielleicht hatte ich Glück und fiel neben die aufgestellten Stöcke; vielleicht hatte ich doppelt Glück und es war nur eine einfache Grube ohne Mordwaffe am Boden.
Vielleicht hatte ich Pech und fiel genau in die Stöcke rein und verblutete jämmerlich.
Ein leises, würgendes, hohes Geräusch entwich meinem Mund, als ich daran dachte, meine Finger kratzten über die gefrorene Erde in dem Versuch, einen besseren Halt zu finden.
Und ich war so nahe daran, endlich nach Hause zu kommen! Nein! Das kann ich nicht so hinnehmen. Nicht nach Allem, was passiert ist!
Ich keuchte auf, während meine Arme vor Anstrengung zu zittern begannen, presste die Stirn an den kalten Erdboden. Ich merkte, dass ich rutschte. Meine eisigen, tauben Finger hielten mich nicht mehr sonderlich lange, und ich ächzte vor Anstrengung, mein eigenes Gewicht oben zu halten.
„Ah. Wer hätte gedacht, dass gerade du eines der alten Lager finden würdest? Verfluchte Ratte.“
Ich konnte nicht recht realisieren, dass da jemand gesprochen hatte; ich hatte keine Schritte gehört. Die Anstrengung verlangte meine ganze Aufmerksamkeit, meine ganze Willensstärke, um einfach nur nicht loszulassen.
Vielleicht war ja auch gerade das lächerlich und meine Füße baumelten gerade mal fünf Zentimeter über dem Grubenboden.
Ich merkte jedoch auf, als sich zwei große, warme Hände um meine Handgelenke schlossen, dreckige Stiefelspitzen erschienen in meinem Blickfeld, und mit einem tiefen Ächzen wurde ich nach vorne gezogen. Gefrorene Zweige und Steine schrammten meinen Körper entlang, und irgendetwas Rotes hinterließ Flecken auf dem Schnee, bis ich schließlich losgelassen wurde. Erleichtert lag ich einfach nur der Länge nach auf dem Bauch, drückte das Gesicht auf den Boden, und atmete schwer. In diesem Moment tat mir alles zu weh, um mich zu bewegen.
„Danke“, murmelte ich, nicht sicher, ob ich überhaupt gehört worden war.
Dann prallte auf einmal etwas hart gegen meinen Kopf; ich zuckte heftig zusammen. Meine Arme protestierten schmerzhaft; ich hatte sie hochgerissen, um mich zu schützen. Für einen Moment war ich verwirrt, doch mein benommener Verstand erklärte das gleich damit, dass sich vielleicht ein Ast gelöst und unglücklicherweise genau auf mich gefallen war. Das würde auch das Gewicht erklären, welches ich auf meinem Rücken spürte; es musste ein großer Ast sein. Vielleicht war er morsch gewesen und hatte seine Last nicht mehr ausgehalten.
Und der Ast hat sich also ohne einen Laut einfach so vom Baum gelöst und ist gerade auf dich gefallen? Das macht Sinn, ja, kommentierte meine innere Stimme. Vor Allem ohne eine Ladung Schnee.
Ein zweites Mal prallte etwas gegen meinen Kopf, und ich spürte etwas Nasses in meinen Haaren; meine Hände zuckten sofort zu der schmerzenden Stelle.
Vielleicht war das der Schnee.
Ein drittes Mal prallte etwas hart gegen meinen Kopf, und dieses Mal spürte ich für einen Augenblick die scharfkantige Ecke eines Steins, der sich in meine Haut bohrte und einen blendenden Schmerz hinterließ.
Warte.
Äste schlagen einen normalerweise nicht mit Steinen.

Es gibt einige Nachteile bei der Furcht – sie lässt einen erstarren und wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen, sie lässt einen das Atmen vergessen, schaltet das Denken aus und lässt einen kopflos handeln.
Einer der Vorteile ist jedoch der berühmte fight or flight-Reflex, den eigentlich jedes Tier tief in sich verankert hat. Dieser Reflex schärft die Sinne und schaltet jegliche körperliche Funktionen aus, die in Konflikt mit den großen Muskeln kommen könnten, die nur eine wirkliche Aufgabe haben – bereit zu sein, entweder zu fliehen oder zu kämpfen.
Diese Furcht durchflutete mich, nachdem mir klar geworden war, dass Äste normalerweise leblose Objekte waren und nicht dreimal in Folge auf die gleiche Stelle schlagen konnten. Auch fühlte es sich anders an, als wenn wirklich ein Ast auf mir gelandet wäre – es würde härter sein, massiger, schwerer und ich würde die Konturen der Rinde spüren können.
Und außerdem konnten Äste normalerweise nicht sprechen.
Panik ergriff mich; ich vergaß meine schmerzenden Arme und Beine und drehte, wand und trat nur noch um mich, in dem Versuch, hochzukommen. Wieder sauste der Stein herab, traf dieses Mal mein Gesicht und ließ scharfen Schmerz aufblitzen.
Jemand knurrte irgendetwas über mir, verlagerte sein Gewicht, und dann wurde ich auf einmal noch fester auf den Boden gedrückt. Meine Hände flogen über den gefrorenen Boden, auf der Suche nach irgendetwas, das ich als Waffe benutzen konnte, ein Stock oder Ähnliches.
Messer, flüsterte meine innere Stimme panisch. Messer, Messer, Messer. Du hast ein Messer, stuntfola!
Dieses war jedoch halb unter mir selbst begraben, der Griff drückte in meinen Bauch und presste mir die Luft ab. Über mir krachte der Stein der Abwechslung halber auf meine Schulter, und dann griff jemand nach meinen Haaren, zog meinen Kopf hoch und knallte ihn auf den gefrorenen Boden.
Ich weiß nicht, ob ich geschrien hatte. Mein Hals war wund, mein Kopf war gespalten und ich konnte nicht denken, während meine Hand auf Autopilot war und weiter tastete. Etwas lief mir in die Augen und verklebte sie, und ich schmeckte Blut und Erde auf der Zunge.
Und dann klirrte etwas leise, und Kettenglieder gruben sich ruckartig schmerzhaft in meinen Hals.
Vor meinem inneren Auge starrte Gríma mich wieder mit diesem unheimlichen Gesichtsausdruck an.
Nein! Nein, nein, nein, nein! Nicht schon wieder!
Ich schnappte nach Luft, kratzte mit meiner freien Hand nach der verdammten Kette, versuchte, sie zu lockern. Über mir lachte jemand.
Dunkle Flecken tanzten vor meinen Augen, während mir die Luft ausging. Verzweifelt tastete ich weiter, stieß gegen etwas Raues, was sich nach Leder anfühlte. Leder? Holzgriff. Messer.
Ich drehte mich unter Anstrengung ein Stück, spürte, wie die Klinge freikam und zog sie unter mir hervor. Beinahe verlor ich sie einmal, weil meine Finger auf einmal zu schwach waren, das Messer zu halten.
Mir ging die Luft aus. Messer greifen. Zustoßen.
Mein erster Stoß ging ins Leere, mein Zweiter traf auf Widerstand. Ich drückte fester, spürte das Messer auf einmal leichter gleiten, schneiden.
Der Druck auf meinem Hals ließ plötzlich nach, ich rang nach Luft, hustete und spuckte und hörte ein ersticktes Keuchen über mir. Meine Hand wurde klebrig, glitschig; das Messer rutschte beinahe aus meinem Griff. Weiter zudrücken.
Das Gewicht hob sich ein wenig von mir, und ich begann sofort wieder, zu strampeln und mich zu winden, um freizukommen, rollte mich zur Seite und war frei.
Curse þé!“ grollte jemand, ich spürte, wie wieder Hände nach meinen Haaren griffen. Ich rappelte mich flach atmend auf, wich den Händen aus, stolperte und rannte.


Irgendetwas an meinem Gleichgewichtssinn war gestört. Das merkte ich erst nach einer Weile, als ich mich schon durch einige Büsche und durch Unterholz gekämpft hatte. Wahrscheinlich hing das mit meinem abflauenden Adrenalin zusammen; ich stolperte öfter, und mir war sowohl schwindelig als auch übel.
Und irgendwann ging mir die Luft aus; ich schleppte mich nur noch schwer atmend durch den Schnee, während meine Lungen mit jedem Atemzug schmerzten.
Mit einem Wimmern fiel ich schließlich auf die Knie, während mein Herz immer noch heftig klopfte und mein Hals sich zusammenzog und roh war. Halb erwartete ich, schwere Schritte zu hören, die hinter mir den Boden erzittern ließen, doch es war alles unheimlich still. Außerdem hatte es wieder zu schneien begonnen; kleine Flocken schwebten lautlos zwischen den Ästen hindurch und fielen auf den Boden, schmolzen auf meinen blutigen Händen. Steine und gefrorene Erdklumpen hatten mir die Finger aufgerissen, und mein eigenes Blut trocknete unter dem Fremden.
Als ich sie anblickte, bedankten sie sich dafür, indem sie begannen, zu schmerzen, und ich spürte, wie sich mein Gesicht verzog, während ich ein Schluchzen unterdrückte. Alles tat mir weh, vor Allem mein Kopf.
Das Messer hatte ich verloren; zumindest hatte ich es nicht mitgenommen. Ich hatte nur weg gewollt, hatte nicht daran gedacht, noch einmal nach dem Griff zu greifen. Selbst jetzt spürte ich immer noch den Drang, aufzustehen und weiterzulaufen, zu fliehen, blind durchs Unterholz hindurch und einfach nur weg von dem Strolch.
Meine Beine spielten jedoch nicht mit; sie zitterten stark und fühlten sich sehr weich an. Tränen sammelten sich in meinen Augen, während ich verstärkt das Schluchzen in mir aufsteigen spürte.
Dafür ist keine Zeit! rief meine innere Stimme aus. Spare dir das Weinen für später auf, wenn du in Sicherheit bist!
Wo ist Sicherheit? Ich bin aus dem Auenland fort; ich bin nirgendwo sicher.
Taumelnd zwang ich mich wieder auf die Beine, doch da drehte sich auf einmal alles und dann begrüßte mich der Boden wieder sehr plötzlich und schmerzhaft. Ich würgte auf, und mein Kopf pochte. Langsam kroch ich weiter, robbte ein Stück über den Boden, während ich saure Galle hinten in meinem Hals schmeckte.
Ich wusste noch nicht einmal, wo genau ich den Strolch getroffen hatte. Fakt war, dass das wohl nicht alles nur mein Blut auf den Händen war; doch es konnte gut sein, dass er gleich vor mir stehen würde, um zu beenden, was er angefangen hatte. Es konnte gut sein, dass die Wunde nicht tief genug war, nicht kritisch genug, dass der Strolch nach einer kurzen Verschnaufpause nicht wieder munter aufstehen und mir folgen konnte! Ich wusste ja noch nicht einmal, wer mich da angegriffen hatte!
Ich spürte wieder die Furcht aufflammen, wimmerte leise auf und kämpfte mich wieder auf die Beine. Ich schaffte es sogar, ein paar Schritte zu taumeln, ehe ich wieder unliebsame Bekanntschaft mit dem gefrorenen Erdboden schloss und dieses Mal vor Frustration aufschluchzte. So würde ich nicht vorwärts kommen, geschweige denn, dass ich überhaupt wusste, in was für eine Richtung ich musste. Vielleicht kroch ich ja die ganze Zeit auch nur wieder auf dem Strolch zu, und panisch drehte ich mich um und robbte in die entgegengesetzte Richtung.
Zumindest, bis ich langsame, knirschende Schritte auf dem Schnee hörte.

Im ersten Moment war ich erstarrt, konnte mich weder bewegen noch etwas anderes tun. Lauf! schrie meine innere Stimme, doch ich konnte mich nicht rühren, wusste zugleich, dass ich in meinem jetzigen Zustand wohl kaum vor ihm würde davonlaufen können.
Wenn der Strolch mit seiner Wunde nach mir suchen konnte, dann standen meine Chancen schlecht. Ich konnte nichts tun, war ihm hilflos ausgeliefert, denn mir fehlte die Kraft, mich erneut zu wehren – das Adrenalin war abgeklungen, und ich bezweifelte, dass es wiederkommen würde.
Hatte Éowyn auch diese Apathie nach der Schlacht gehabt? War sie deshalb so teilnahmslos gewesen und hatte in den Häusern der Heilung nur noch den Tod verlangt? Ausgebrannt sagt man dazu. Nur noch auf den Tod warten.
Irgendwo in mir schien ein Funke jedoch noch überleben zu wollen, denn auf einmal spürte ich, wie die Angst überhand nahm und ich, so schnell und leise ich konnte, auf den nächsten Busch zu robbte, um mich flach atmend darunter zu schieben. Die vielen Zweige stachen und kratzen an meiner Haut, hielten meine Kleidung fest, doch schließlich hatte ich mich so gut wie möglich unter das Gesträuch gezwängt, hielt den Atem an, während ich vorsichtig zwischen den Zweigen hindurch spähte.
Sicherlich war ich zu laut gewesen, sicherlich hatte der Strolch mich gehört, sicherlich -
Der Schnee fiel immer noch, und die knirschenden Schritte kamen näher. Mit hämmerndem Herzen, welches sich so anfühlte, als wolle es gewaltsam meinen Brustkorb sprengen, versuchte ich, so still wie möglich zu liegen. Und zumindest hatte ich, so auf dem Boden liegend, im Moment keine Probleme mit meinem Gleichgewichtssinn.
Trotzdem zuckte ich zusammen, als die Schritte auf einmal ganz nahe waren, anscheinend um meinen Busch herumgingen, und dann ertönte ein merkwürdiges Geräusch – als wenn jemand den Schnee zur Seite schieben würde. Danach hörte ich für eine Weile gar nichts mehr, und ich begann schon, zu hoffen, dass der Typ einfach wieder gegangen war.
Aber das ist höchst unwahrscheinlich. Du hättest seine Schritte gehört, wenn er sich entfernt hätte. Das heißt, er steht ganz einfach da und wartet. Wartet vielleicht darauf, dass du von selbst aus deinem Versteck hervorkommst, da er die deutlichen Spuren gesehen hat.
Ich unterdrückte ein Wimmern, biss mir auf die Lippe, hörte Schnee knirschen.
Und sah zu meinem Entsetzen auf einmal die Stiefel direkt vor mir stehen.
Stuntfola?


tbc…


A/N: Falls jemand Interesse hat - eine kleine Besprechung des Kapitels ist auf meinem Blog zu finden.



@Chroyane: Schön, mal wieder von dir zu hören! ^^ Und freut mich, dass du das Kapitel unheimlich fandest – ich gehe davon aus, dass du stuntfolas Halluzination meintest? Ja, das sollte gruselig sein. ^^
Oje, da beneide ich dich keineswegs! Einer Rotte in freier Wildbahn gegenüberstehen ist nicht wirklich lustig.
Danke für dein Review! :)
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