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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.537
52
Alle Kapitel
229 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
18.12.2017 2.164
 
A/N: Ich bedanke mich herzlichst für 182 Favoriteneinträge - und bei Pamplemousse fürs betalesen!



78. Kapitel: Eine fragwürdige Verabredung – an líegnende gemæting




Die Luft schmeckte kalt und frisch und nach Eis und Rauch. Ich hustete, öffnete meine Augen und rollte meine steifen Schultern ein wenig, während ich mich in eine sitzende Position aufrichtete. Die gemurmelten Gespräche rundherum hatte ich schon im Halbschlaf mitbekommen, aber jetzt, wo ich wach war, waren sie nicht viel deutlicher geworden – noch hatten sie ihre Drohung verloren.
Es war wie ein Flashback zu einer Zeit, von der ich gehofft hatte, dass sie vorbei wäre.
Als ich den Kopf wandte, erblickte ich Krähenfuß mit geschlossenen Augen an seinem Baum lehnend, tief und regelmäßig atmend.
Vielleicht sollte ich auch wieder schlafen; das würde mich zumindest von meiner Situation ablenken. Was aber nichts daran ändern würde, dass ich doch irgendwann wieder aufwachen würde und mich immer noch der Situation stellen müsste. In der Hinsicht war das ziemlich sinnlos.
Außerdem hatte ich Hunger. Ich richtete mich also auf, setzte mich bequemer, aber immer noch wachsam, hin und ließ den Blick über die Lichtung schweifen. Das Bild hatte sich nicht viel von dem verändert, welches ich tagtäglich unter Saruman gesehen hatte; nur war hier eben kein Zauberer, und die Gruppe war kleiner und sah bedeutend abgerissener aus.
Von meinem Rucksack war keine Spur zu sehen, und ich seufzte leise auf. Sicherlich war es nicht das gewesen, was Frodo sich vorgestellt hatte, als er ihn mir gegeben hatte. Hingehen und fragen, wo er abgeblieben war, würde ich trotzdem nicht; Fréareth hatte gestern sehr freundlich deutlich gemacht, dass er heute noch einmal mit uns reden würde.
Die Art, wie er mich angesehen hatte, ließ mich schaudern. Er hatte keinesfalls vergessen, dass ich ihm damals mit voller Absicht ein Messer in den Arm gerammt hatte, um aus seinem Griff zu entkommen – wobei er nicht wusste, dass ich damals unter Einfluss von dem Gift gewesen war, welches Saruman mir verabreicht hatte. Zumindest bezweifelte ich stark, dass Saruman ihm dieses kleine, jedoch wichtige Detail erzählt hatte – es hätte schließlich ihn selbst als Schuldigen dargestellt, und das hatte er sich zu der Zeit nicht erlauben können.
Þú eart wæccan, stuntfola?
Ich wandte erstaunt den Kopf – das war Krähenfuß‘ Stimme gewesen, gedämpft und leise. Das Verwirrende an dem Bild war nur, dass er immer noch selig schlafend an seinem Baum neben mir lehnte. Ich lehnte mich ein Stück weiter vor, kniff die Augen zusammen. Seine Brust hob und senkte sich regelmäßig, weder zuckten seine Augenlider, noch gab er mit irgendeinem anderen Zeichen zu erkennen, dass er aufgewacht war.
War das ein Trick? Hörte ich jetzt schon Krähenfuß‘ Stimme, so, wie ich einst Sarumans Stimme gehört hatte?
Wäre Gríma da nicht logischer als Kandidat für? Der ist wenigstens auch tot.
Ich seufzte leise und antwortete, während ich mich reichlich bescheuert fühlte, mit jemandem zu reden, der schlief.
„Ja, ich bin wach.“
Wel“, antwortete der schlafende Krähenfuß. „Far pissian, ic finde þé þæræfter.
Ich starrte ihn etwas fassungslos an.
Gut. Gehe dein Geschäft verrichten; ich finde dich dann.
„Hoffentlich doch nicht währenddessen“, murmelte ich, und Krähenfuß schnaubte leise.
Na carwielm, stuntfola. Ic wilnie sprecan éac þé.
Noch einmal warf ich ihm einen skeptischen Blick zu, wedelte vorsorglich mit der Hand vor seinem Gesicht herum und erhob mich, als er nicht reagierte. Ich fragte mich, ob das eine gute Idee war, Instruktionen von einem Schlafenden anzunehmen.
Keine Sorge. Ich will mit dir reden.
Vielleicht ist das ein verborgenes Talent von ihm – Bauchreden, überlegte ich, während ich in den umliegenden Wald hinein stapfte. Ich war froh, eine Möglichkeit bekommen zu haben, mich somit zu bewegen, um wieder etwas Wärme in meine steifen Glieder zu bekommen.
Das ist wohl mehr eine Entschuldigung gegenüber dir selbst, bemerkte meine innere Stimme. „Du könntest jederzeit herumlaufen, aber du hast viel zu viel Angst vor den Strolchen, um es zu tun.
Jetzt, wo sie wissen, dass Saruman tot ist, werden sie verzweifelt sein. Solchen Leuten stellt man sich nicht in den Weg.
Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und bemerkte erst nach ein paar Schritten, dass ich unwillkürlich schneller ging. Nachdem ich einmal tief Luft geholt hatte, zwang ich mich, wieder langsamer zu gehen. Ich wollte schließlich eigentlich nur weit genug weg, um ungestört auf die Waldtoilette zu können. Das hatte rein gar nichts mit Krähenfuß‘ merkwürdigem Befehl zu tun.
Bist du dir sicher, dass das auch wirklich Krähenfuß war?“ Meine innere Stimme schien skeptisch. „Jemand anderes könnte seine Stimme nachgeahmt haben. Er sah schließlich so aus, als wenn er tief und fest schlafen würde.
Wer sollte seine Stimme so gut nachahmen können? Ich runzelte die Stirn. Nichtmal Saruman könnte das. Vielleicht kann er wirklich bauchreden.
Meine Stimme schnaubte.
Glaubst du das wirklich?
Ich spürte Blicke im Rücken; sicherlich hatten einige der Strolche mich bemerkt. Doch falls ihr Gedächtnis nicht allzu sehr gelitten hatte, sollten sie sich noch daran erinnern, dass ich mich damals öfter mal zurückgezogen hatte, um auf die Toilette zu gehen.
Wie auf ein Stichwort tauchte hinter einem Baum auch ein Strolch auf, der zu stutzen schien und die Stirn runzelte, als er mich sah. Vielleicht hatte er mit jemand anderem gerechnet.
„Wo willst du hin?“ fragte er, allen Anscheins nach schlecht gelaunt.
Innerlich wappnete ich mich gegen diesen Blick, holte tief Luft. „Ich muss mal“, antwortete ich mit einem gezwungenen Lächeln. „Und ich wollte das nicht mitten im Lager machen.“
Für einen Moment betrachtete er mich kritisch, hob nachdenklich den Blick, gähnte dann herzhaft und zuckte mit den Schultern. „Wie du meinst. Solange dein Créofan im Lager ist, wirst du wohl wiederkommen.“ Und er trat zurück, lehnte sich wieder seufzend an seinen Baum.
Ich senkte den Blick, als ich an ihm vorbei eilte; froh, das Lager hinter mir lassen zu können. Mein Krähenfuß? Wohl eher nicht.
Noch einmal warf ich einen kurzen Blick zurück, sah, dass der Strolch mir nachschaute und dann den Blick abwandte, die Hände unter seine Arme geschoben, um sie warm zu halten. Vielleicht, um zu sehen, in was für eine Richtung ich ging, damit er notfalls jemanden hinterherschicken konnte.
Was sie wohl denken würden, wenn sich dann auch Krähenfuß aufmachen würde? Würden sie glauben, dass wir geflohen wären, oder würden sie gar nicht den Zusammenhang sehen?
Ich seufzte leise auf, schauderte und zog die Schultern höher. Hoffentlich hatte Krähenfuß einen Fluchtplan.


Ich war schließlich weit genug gegangen, dass ich von den Strolchen nichts mehr hörte und schon längst nichts mehr sah. Die kahlen Bäume gaben dem Ganzen einen trostlosen, beinahe düsteren Anblick, wie sie so still und dunkel inmitten des Schnees standen. Das Zurückfinden würde leicht sein; ich konnte einfach meinen Spuren folgen, und Krähenfuß würde auch wissen, wo ich mich befand.
Erleichtert hockte ich mich auf den Boden, verrichtete mein Geschäft und schob gerade Schnee über die dampfende Pfütze, als ich Schritte hörte.
Ich zuckte zusammen, kauerte mich mit heftig schlagendem Herzen hin. War das Krähenfuß? Meine Spuren waren wahrscheinlich leicht zu finden gewesen, da ich schließlich weiter gegangen war als die Männer; im Schnee waren meine einsamen Fußabdrücke gut sichtbar.
Zweige knackten, als die Schritte näher kamen, und dann erblickte ich einen blonden Haarschopf, der in einiger Entfernung durch das Unterholz ging. Ich richtete mich schon halb auf, einen Ruf auf den Lippen, als der Strolch sich umdrehte und mein Herz stehenblieb.
Das war nicht Krähenfuß.
„Gríma?“ flüsterte ich. Das konnte nicht sein; ich hatte ihn begraben; er war tot! Er durfte nicht dort stehen und lebendig sein; meine ganze bittere Reue wäre umsonst gewesen! Meine ganzen Gespräche mit Krähenfuß wären sinnlos gewesen, weil er noch am Leben war und mir sehr gut selbst von meinem verdammten Heimweg erzählen konnte, anstatt das dem Strolch zu überlassen!
Ich gab ein leises Wimmern von mir, welches Gríma jedoch gehört zu haben schien, denn er wandte den Kopf. Ich schluckte, während mein Magen sich verknotete und mein Hals sich zuschnürte. Sicherlich würde sein Blick gleich auf mich fallen, und er würde spöttisch lächeln und mich fragen, was ich dort tun würde. Er würde zu mir kommen, die hellen, grauen Augen hart und kalt und geweitet, und er würde seine Kette in die Hand nehmen und beenden, was er in der Hütte damals angefangen -
Und mir fiel auf, dass dies doch nicht Gríma war; das Gesicht war anders. Bärtiger. Zerfurchter, in gewisser Weise angestrengter. Die Kleidung war anders, und jetzt, wo ich genauer hinschaute, merkte ich, dass auch der Gang und die Statur anders war.
Ich ließ mich hinter das Gebüsch fallen, kauerte mich zusammen, während ich versuchte, mein immer noch heftig schlagendes Herz zu beruhigen.
Fange ich jetzt auch noch an, Dinge zu halluzinieren?
In meinem Kopf lachte das Bild Grímas auf. Teagoras, stuntfola?

Ich weiß nicht ganz, wie lange ich dort so noch kauerte; die Schritte hatten sich längst entfernt, ehe ich mich erhob und weiter in den Wald stapfte. Mich beunruhigte diese Begegnung ziemlich; nicht nur, weil ich mir so etwas gerade jetzt nicht erlauben konnte. Die Strolche waren nicht gut auf den ehemaligen Ratgeber zu sprechen, waren es nie gewesen, und jetzt, wo sie wussten, dass er ihren Herren umgebracht hatte, würden sie nicht allzu glücklich reagieren, wenn ich auf einmal anfangen würde, einige von ihnen mit Gríma anzusprechen.
Was mich jedoch mehr beunruhigt hatte, war diese Erleichterung gewesen, die ich im ersten Moment verspürt hatte, als ich den Strolch verwechselt hatte – dieses Gefühl von Sicherheit, dass da jemand war, den ich kannte und an den ich mich wenden konnte. Er hat zweimal versucht, mich umzubringen, verdammt! Erleichterung sollte nicht eines der ersten Gefühle sein, die in mir hochkommen, sobald ich ihn sehe!
Vielleicht wirst du doch wahnsinnig“, bemerkte meine innere Stimme trocken. „Oder du fühlst dich ganz einfach hilflos, das kann auch sein.
Wie auch immer. Ich schob den Gedanken von mir. Ich muss zusehen, dass ich hier irgendwie heil rauskomme, um nach Hause zu kommen.
Und so ging ich weiter durch den Wald, während die winterliche Stille mich verschluckte.


Der Schnee knirschte unter meinem Gewicht, und es hatte etwas Hypnotisierendes, durch den stillen Wald zu gehen – es dauerte nicht allzu lange, und ich setzte nur noch einen Fuß vor den anderen. Zwischendurch war ich immer mal wieder ein Stück zurückgegangen, um Krähenfuß die Möglichkeit zu geben, zu mir aufzuschließen.
Gríma hatte ich nicht noch einmal halluziniert, was vielleicht auch daran lag, dass mir keine anderen Strolche über den Weg liefen. Was genau das bedeutete, wollte ich mir lieber nicht ausmalen.
Ich hörte ab und an große Zweige brechen, doch es war schwierig, herauszufinden, wo genau diese waren oder wie weit weg von mir. Meine ersten Gedanken hatten bei den Strolchen gelegen, doch glitten sie schnell, nachdem ich einige Spuren im Schnee fand, zu Wildschweinen über. Für einen Moment überlegte ich, zurück in die Sicherheit der Gruppe zu gehen.
Ein Wildschwein war nicht zu unterschätzen; sie konnten schneller als Menschen rennen und allein mit ihrer Körpermasse so einiges an Schaden anrichten, geschweige denn mit ihren Hufen und Zähnen. Schon Schweine konnten Knochen zerbeißen.
Und ich wusste nicht, ob ich schnell genug auf einen Baum würde klettern können.
Wo bleibt Krähenfuß? Soll ich zurückgehen?
Ich blieb stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und schnaubte. Zumindest war mir während des Gehens ein wenig wärmer geworden, und vielleicht sollte ich einfach eine Weile hier warten. Mein Zeitgefühl war zudem im Eimer; ich konnte nicht sagen, wie lange ich schon von der Gruppe fort war oder wie weit ich mich tatsächlich entfernt hatte.
Mein Magen gab ein unangenehmes Ziehen von sich und erinnerte mich daran, dass ich heute noch nichts gegessen hatte. Verdammte Strolche, klauen einfach unser Essen.
Ein dunkler Fleck auf dem hellen Schnee weiter vorne ließ mich die Stirn runzeln. Das sah fast nach einer Verfärbung aus oder etwas Ähnlichem, nicht nach einem gefallenen Blatt oder einem Ast.
Vorsichtig näherte ich mich der Stelle. Einige verschiedene Tierspuren waren dort; hatten den Schnee auf der Suche nach Gras weg gescharrt. Bei dieser Gelegenheit hatten sie das schwarze Etwas auf dem Schnee verteilt, und erst, als ich fast davorstand, erkannte ich, dass es sich um Ruß oder Asche handelte. Einige kleine Kohlereste waren verstreut dazwischen.
Das hier war eine Feuerstelle.
Ist das hier ein Lager gewesen? Und wenn ja, von wem? Und das Wichtigste: Haben sie Essen dagelassen?
Mit neuer Energie, die von Leuten kommt, die wirklich hungrig sind, machte ich mich daran, das Lager zu untersuchen, schob Schnee beiseite und schaufelte ihn teilweise mit den Händen weg. Zwischendurch schob ich mir immer mal wieder ein wenig Schnee in den Mund, damit ich Wasser hatte. Eisiges Wasser zwar, welches das Innere meines Mundes schon bald schmerzen und taub werden ließ vor Kälte, aber immerhin Wasser. Es würde mich ein wenig von meinem Hunger ablenken.
Wo bleibt nur Krähenfuß? Und würde der etwas zu essen mitbringen?
Ich rutschte ein wenig weiter, fest entschlossen, das gesamte Lager nach etwas Essbarem abzusuchen – und sei es nur ein gefrorenes Brotstück oder ein Apfelstrunk.
Und dann gab der Boden unter mir nach.


tbc...
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