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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
Alle Kapitel
227 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
07.05.2014 2.174
 
A/N: So, die Examensaufgabe ist abgeschickt – und als Belohnung gibt es das neue Kapitel. *g*



4. Kapitel: Neueinkleidung – edníwe hrælung


Der Mann hatte sein Pferd an einem Balken angebunden, wie ich nun sah. Nur ein Stück entfernt ragte das Wikingerhaus vor uns auf, und der Reiter wandte sich zum Gehen.
Ich löste meinen Griff in der Mähne des Pferdes und machte einen Schritt, um mich im nächsten Moment auf den Knien wiederzufinden. Beinahe war ich ein wenig verwundert, wie ich dorthin gekommen war.
Als ich mich jedoch aufrichten wollte, merkte ich den Grund: Meine Beine waren zu Pudding geworden. Hatte ich ja schon vorher gewusst, dass Reiten anstrengend war, so merkte ich hier die Konsequenzen für ein Mädchen im Zeitalter der Computer, Schule, Uni mit viel Sitzgelegenheiten: Ich war diese Anstrengung einfach nicht gewöhnt. Reiten erforderte eben doch Muskeln.
Ich wusste jetzt schon, dass mich für den nächsten Tag ein mörderischer Muskelkater erwarten würde.
Meine Hände streckten sich nach dem Sattel aus, ergriffen den Steigbügel, und mit heftig zitternden Beinen versuchte ich, mich wieder hochzuziehen.
Der Reiter war stehengeblieben und blickte zu mir zurück, als er gemerkt hatte, dass ich ihm nicht folgte. Ich senkte rasch wieder den Blick und starrte auf den Boden, während ich versuchte, auf den Beinen zu bleiben.
Ein Paar abgenutzter Stiefel trat in mein Blickfeld, und dann wurde ich am Arm gepackt. „Stütze dich auf mich. Anders kommen wir nie hier fort.“
Ich schluckte und machte einige zögernde Schritte, stolperte mehr, als dass ich ging. Mein Gott, fühlten sich meine Beine schwach an.
So kamen wir zwar langsam voran, aber wir kamen voran. Es war nicht weit bis zu der dicken Holztür, beschattet durch ein Vordach, welches von schlicht geschnitzten Säulen gestützt wurde, doch es kam mir vor, als wenn wir eine halbe Stunde dafür gebraucht hätten.
An der Tür führte mich der Mann zu einer der Säulen, damit ich mich dagegen lehnen konnte. Dies tat ich auch, während ich dem Mann einen vorsichtigen Blick zuwarf.
Dieser holte eine Kette unter seiner grünen Tunika hervor, und staunend verweilte mein Blick auf dieser. Es war eine dicke Kette mit einem faustgroßen Anhänger, und sie schien gänzlich aus Gold zu sein. Der Anhänger war in der Form einer Blüte, die einen schwarzen Stein einfasste. Onyx, möglicherweise, wenn dies denn kein einfaches Plastik ist. Aber beeindruckend ist sie schon, wenn vielleicht auch ein bisschen zu protzig. Sie sieht jedenfalls schwer aus.
Der Mann schien meinen Blick bemerkt zu haben, denn er wandte sich zu mir um, und seine hellen Augen bohrten sich in mich. Er trat auf mich zu und packte mich grob an der Schulter, und verängstigt blickte ich zu ihm auf. „Du verhältst dich still und sagst kein einziges Wort“, knurrte er gedämpft. „Die Menschen hier würden dich ohnehin nicht verstehen, selbst, wenn du dein bestes Westron sprechen würdest. Ich will keinen einzigen Laut von dir hören, hast du verstanden?“
Ich schluckte, setzte zum Sprechen an und bemerkte, dass nichts besseres als ein ängstliches Krächzen herauskam. Stattdessen nickte ich nur, und der Reiter schnaubte leise und packte mich wieder am Arm.

Wir gingen zur Tür, und der Mann, der mich aus dem Sumpf gerettet hatte, hob die Hand und klopfte hart gegen die Tür.
Es dauerte eine Weile, ehe diese sich einen Spalt breit öffnete und eine Stimme in dem merkwürdigen Englisch-Deutsch-Mischmasch eine Frage stellte. Mein Retter antwortete, und dann wurde die Tür gänzlich aufgezogen, und ein älterer, gebeugter Mann beäugte misstrauisch die Kette. Dann jedoch wurde sein Ton freundlicher, und mit einem kurzen Seitenblick auf mich führte er uns in das Haus hinein. Es war, soweit ich erkennen konnte, gänzlich aus Holz gemacht. Ein Rauchloch spendete gleichzeitig ein wenig Licht und war über der Feuerstelle, die mitten im Raum war.
Am Ende des Hauses stand ein hoher Stuhl, und auf ihm saß ein großer Mann mit fahlem, blondem Haar, welches beinahe mehr grau als blond erschien. Er hatte eine große Nase, die aus seinem Gesicht herausspringen zu wollen schien, und seine Stirn war voller Falten, und auch unter seinen Augen waren einige zu sehen. Obwohl das nicht den Eindruck macht, als wären dies Lachfalten.
Auch er trug einen großen Anhänger, der hier jedoch aus einem anderen Metall, Kupfer dem rötlichen Glanz nach zu urteilen, zu sein schien, der an einer Lederschnur um seinen Hals hing. Er musste wohl so etwas wie ein Bürgermeister oder Dorfvorsteher sein. Eines muss man ihnen lassen – sie spielen ihre Rollen als mittelalterliche Bürger ausgesprochen gut.
Der Mann sprang auf, als er uns sah, und verbeugte sich tief vor uns. „Westu hál, mín hlaford folcwita!“ rief er aus und redete dann in einem Strom von unverständlichen Worten auf den Reiter ein, sodass ich automatisch abschaltete.
Mein Retter jedoch hielt sich nicht lange mit den Reden des Mannes auf, sondern schob mich vor, sodass der Blick des Mannes sich auf mich richtete.
Ich blickte zu Boden, wollte nicht in die Augen des Mannes blicken, der mich skeptisch musterte und schließlich wieder etwas zu dem Reiter sagte.
Dieser brummte etwas und schob mich schließlich auf eine der naheliegenden Türen zu. Wir gingen einen kurzen Gang entlang, ehe der Reiter wieder vor einer Tür stehenblieb und klopfte.
Einen Moment später wurde etwas durch die Tür gerufen, und der Mann öffnete sie und führte mich nach drinnen in einen kleinen, schlicht gehaltenen Raum. Eine Truhe stand neben dem Bett mit Fellen an der Wand, ein Tisch. Ein Kerzenhalter war auch in die Wand eingelassen worden.
Das nenne ich mal authentisch. Könnte fast wirklich aus alten Zeiten sein. Die Leute hier sollten wirklich ein Museum aufmachen.
Mín hlaford folcwita. Ic gefréde weorþfullic be þín cuman, and tó mín ceorl.“ Die leise Stimme gehörte zu einer älteren Frau, die in dem Stuhl neben dem Tisch saß und dabei war, einige Kleidungsstücke zu flicken. Auch ihr Haar war mehr grau als blond, und ihr neugieriger Blick verweilte auf mir.
Der Reiter nickte knapp. „Ic þance þæt þé wilcumest mé, frówe Syfbur“, sagte er, dann trat er einen Schritt zurück und wies auf mich, während er weiter redete.
Die Frau betrachtete mich nun mit schräg geneigtem Kopf, dann erhob sie sich und trat auf mich zu, zupfte an meiner Kleidung und runzelte die Stirn. Dann schaute sie den Reiter an, lächelte und nickte und eilte aus dem Raum hinaus.
Etwas verwirrt blieben wir zurück, oder eher gesagt: Ich war verwirrt, da ich ja kein Wort verstanden hatte von dem, was geredet worden war. Ich erinnerte mich jedoch noch gut an mein Redeverbot, und so wartete ich ein wenig nervös ab.

Nach einer gefühlten halben Stunde kam die Frau wieder, den Arm voller Kleidung. Der Reiter nickte ihr zu und wandte sich um, und ehe ich noch etwas sagen, ihm verzweifelt hinterher rufen konnte, er solle mich nicht allein lassen, war er schon aus dem Raum verschwunden und hatte die Tür hinter sich geschlossen.
Und da war ich nun, allein mit einem Stapel Kleidung und einer Frau, deren Sprache ich nicht verstand.
Dies erwies sich jedoch nicht als ein allzu großes Problem, denn sie hatte Mittel und Wege, mir deutlich zu machen, was sie von mir wollte. Zuerst schickte sie mich durch eine Tür in einen anliegenden, kleinen Raum hinein, in dem ein großer, hölzerner Zuber stand. Ich sollte mich ausziehen und in diesen steigen; das Wasser würde später kommen. Oder so ähnlich.
Wie ich herausfand, hätte ich erst auf das Wasser warten sollen, denn zwei junge Mädchen platzten herein, als ich gerade dabei war, mein Unterhemd auszuziehen.
Erschrocken zuckte ich zusammen und wartete ab, bis die Mädchen mit unterdrücktem Kichern den Zuber gefüllt hatten und wieder verschwunden waren, wobei sie mir immer wieder neugierige Blicke zugeworfen hatten.
Erst dann entledigte ich mich meiner restlichen Kleidungsstücke und stieg vorsichtig in das heiße Wasser. Ein tiefes Seufzen entfuhr mir, als ich spürte, wie meine verkrampften Muskeln sich lockerten und der schwarze Schlamm des Moores sich von meiner Haut löste. Schwarze Dreckstückchen schwammen schon auf dem Wasser, und ich blickte mich nach Seife und Shampoo um.
Seife fand ich, Haarwaschmittel nicht. Doch die Seife würde vielleicht vorerst ausreichen, um mich wieder sauber zu machen und den Geruch von Pferd von mir abzuwaschen. Und den Schmutz würde ich auch schon noch irgendwie aus meinen Haaren herausbekommen.


Schließlich fühlte ich mich soweit wieder sauber und erfrischt, und ich stieg tropfend aus dem Zuber, welches sich als ein wenig riskant erwies, da der Boden sehr glitschig war. Einmal stürzte ich beinahe, konnte mich jedoch noch rechtzeitig am Rand festhalten.
Als ich tropfend aus dem Zuber gestiegen war und mich an einem rauen Handtuch abtrocknete, klopfte es an die Tür, und eine Stimme rief etwas hindurch.
Ich schlang das Handtuch um meinen Körper und huschte zu dieser, öffnete sie.
Die Frau blickte mir entgegen und lächelte mich zufrieden an, während sie etwas sagte und dabei auf die Truhe wies. Ich spähte an ihr vorbei und sah, dass dort Kleidung bereitgelegt worden war.
Nun, meine Eigenen würde erst gewaschen werden müssen, ehe ich diese wieder anziehen konnte, das verstand ich.
Und da packte die Frau mich schon am Arm und zerrte mich in den Raum hinein, um mir die Kleidung zu zeigen, die sie anscheinend extra für mich gefunden hatte.
Vieles war mir zu groß, und die Frau schüttelte den Kopf, bis wir schließlich Unterwäsche und eine Hose aus braunem Stoff fanden, die mir einigermaßen passte. Ein eingenähtes Seil hielt sie an ihrem Platz, und darüber kam ein graues Unterkleid aus Leinen mit langen Ärmeln, die ich hochkrempeln musste, welches bis zu meinen Fußknöcheln reichte. Darüber kam ein dichteres, kürzeres Kleid aus dunkelbrauner Wolle mit kurzen Ärmeln. Ein Gürtel um meine Taille verhinderte, dass es einfach um mich her schlabberte, und die Frau schüttelte seufzend den Kopf, als sie den Gürtel fest zog.
Schuldbewusst senkte ich den Kopf. Ich wusste, ich war dünn, trotz der ständigen Ermahnungen meiner Mutter, doch etwas mehr zu essen, aber ich hatte nun mal einen kleinen Magen. Diese Geste erinnerte mich wieder an sie und ein Kloß war in meinem Hals, doch ich versuchte, ihn herunterzuschlucken.
Ich würde sie sicherlich finden. Bestimmt.


tbc...



A/N: Und eine kleine Frage interessehalber: Wie stellt ihr euch stuntfola eigentlich vor, vom Aussehen her? Soweit ich weiß, habe ich sie nicht wirklich beschrieben... *g*



@Mausepups: Das kann mal passieren. *g* Ha, und ja, und es wird wohl noch deutlicher, weshalb sie dummes Fohlen genannt wurde... sie wird noch ein paar törichte Dinge tun; andererseits – was erwartet man denn? Sie ist in der Gewalt eines Psychopathen und hat keine Ahnung, was sie tun soll. Da können schon mal Fehler bei rauskommen. *gg*
Danke für dein Review! :)

@xXLeaXx: Natürlich wird man komisch angeschaut, wenn man fragt, welche Sprache man da eigentlich gerade spricht. Passiert ja schon, wenn man auf der entsprechenden Sprache sagt, dass man die Sprache nicht versteht. *g* Natürlich wäre die Möglichkeit gegangen, die allseits bekannte Amnesie-Sache auszupacken, doch auf den Gedanken kam stuntfola hier nicht, weil sie eben das alles noch für zu... unecht hält. Auch, dass sie krampfhaft nach einer Erklärung sucht, die nichts mit Mittelerde zu tun hat, kommt, weil dies aus meiner Sicht realistischer ist. Ich zumindest würde ähnlich reagieren und mir alles mögliche einfallen lassen, weil ich einfach nicht glauben würde, mich in der Welt eines Buches zu befinden. Und stuntfola ist da sehr kreativ mit ihren Vorschlägen. *g* (Oder auch einfach verzweifelt.) An die Amnesie-Sache habe ich während des Schreibens aber tatsächlich überhaupt nicht gedacht...
Heh, ich schätze, dass der Reiter wohl daran gewöhnt sein muss, feindselig oder zumindest misstrauisch angestarrt zu werden... er strahlt ja selbst nicht gerade Offenheit und Freundlichkeit aus. *g* Bisher zumindest.
Freut mich, dass du ihn magst! Er ist mir in der Zwischenzeit auch sehr ans Herz gewachsen, mein grimmiger, noch namenloser Eorling! *g* (Er wird noch einen Namen bekommen, keine Sorge.)
Oh, er hat seine Gründe für seine Unhöflichkeit. Er ist gerade etwas in Eile und möchte das Kind eigentlich so schnell wie möglich wieder loswerden. *g* Doch ob das klappt...?
Ja, der Sarkasmus ist eine willkommene Abwechslung zu den ganzen düsteren Sachen, die ich sonst schreibe... *gg*
Danke für dein Review! :)

@Arique: Heh, Mittelerde – ja, vielleicht. Als Touristengruppe, aber auf keinen Fall allein. *g*
Nun, und mit dem, dass sie keine Mary-Sue sein möchte, liegt daran, dass Mary-Sues immer im Mittelpunkt des Geschehens sind. Das möchte sie lieber nicht... und weil die eben meist in die Zeit des Ringkrieges geraten. Auf das Erlebnis kann sie auch verzichten. *gg*
Ja, das mit dem gutaussehenden Typen würde wohl einer Mary-Sue passieren...
Und nein, der Rohir muss sie ja sogar eher vom Pferd zerren, als dass sie allein herunterkommt. *g*
Freut mich, dass stuntfola sympathisch herüberkommt; dies hatte ich gehofft. Ein unsympathischer Charakter wäre zwar auch interessant gewesen, wegen Verbesserungspotential, aber... nein. Der grimmige Aufsammler ist da wohl genug, denke ich. *gg* Ich hatte ein bisschen befürchtet, dass stuntfola zu weinerlich oder zu schwächlich herüberkommt... was in den nächsten Kapiteln deutlicher dargestellt wird.
Danke für das Lob und dein Review! :)
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