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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
07.05.2014 2.287
 
A/N: Ich habe nichts gegen Amische und ihre Lebensweise. Ich denke, es ist nur für uns befremdlich, weil man eben auf so viel verzichtet. Und deshalb hat mein Protagonist dieses Vorurteil, weil sie eben nicht versteht, was um sie herum vorgeht. Man möge es ihr (und mir) verzeihen.



3. Kapitel: Zurechtweisung und neue Namen – Cídunga and edníwe naman



Meine Behauptung, dass ich aus der Westfold käme, schien dem Ich-bin-ein-Reiter-Rohans-Spieler (wenn es denn nicht doch ein Psychopath war) zu genügen, denn er richtete keine weiteren Fragen an mich, sondern schwieg.
Ich währenddessen fühlte mich alles andere als zufrieden und wohl. Ich saß hier bei einem wildfremden Mann auf dem Pferd, der nebenbei bemerkt auch nicht sonderlich angenehm roch, dazu noch bei engstem Körperkontakt und ich hatte keine Ahnung, wo er mich hinbringen wollte. „In das nächstgelegene Dorf“ konnte tatsächlich die nächste Ansiedlung sein, konnte jedoch auch eine Art Codewort für „töten, ausrauben und irgendwo abladen und verrotten lassen“ sein.
Gut, dass ich nur mein uraltes Handy, mein Portemonnaie und meinen Schlüssel dabei hatte. Vielleicht würden ihn die paar norwegischen Kronen und der Euro, die ich dadrin hatte, abspeisen, und mit dem Handy konnte ich immer noch versuchen, ihm den Schädel einzuschlagen, sollte es zum Ernstfall kommen.
Dass ich dabei wohl eher das Handy verlieren und wie gelähmt auf mein Ende warten würde, verdrängte ich aus meinen Gedanken.
Und doch... wenn dies tatsächlich Mittelerde ist? fragte sich ein träumerischer, dem Wahnsinn naher Teil meines Gehirns.
Still, herrschte ich ihn an, und er verstummte. Doch er hatte etwas angestoßen; eine Erinnerung an die Geschichten, die ich mir so gerne ausdachte.
In welchem Zeitalter würde ich mich dann befinden? Vor, nach, oder gar während des Ringkrieges?

Bitte, lass es nicht während des Ringkrieges sein. Lass mich nicht auf Orks treffen und keinen Krieg miterleben. Herrgott, ich will doch keine Mary-Sue sein!

Außerdem war der Gedanke unlogisch. Weshalb sollte dies hier Mittelerde sein, selbst, wenn die Landschaft gut zu Rohan passen würde? Dies hatte ich schon früher von Norwegen gedacht.
Nein, ich musste mich wohl oder übel mit dem Gedanken anfreunden, dass mich ein „Herr-der-Ringe-Nerd“ aufgegabelt hatte, der nicht ganz richtig im Kopf war.
Was nicht wirklich zu meiner Beruhigung beitrug.
„Verzeiht die Frage, mein Herr... welches Zeitalter schreiben wir gerade?“ Es fühlte sich übertrieben an, so zu sprechen, doch wenn mein sogenannter Retter so sprach, musste ich wohl oder übel mitspielen. Ich erwartete halb, dass er laut auflachen und mir mit einem breitem Grinsen erklären würde, dass all dies nur ein Scherz war und er mich nach Hause bringen wollte.
Vielleicht freute es ihn ja auch, dass ich mein Schicksal akzeptiert hatte und bei seinem Scherz mitspielte und ihm eine Mittelerde-relevante Frage stellte. Fragen war immer der beste Weg, um Antworten zu erhalten – um was für Antworten es sich auch handeln mochte.
In meinem Fall, eine Abweisung.
Der Reiter schnaubte leise. „Du bist wirklich unwissend, stuntfola“, sagte er, doch meine Frage beantwortete er mir nicht.
Doch ich würde nicht lockerlassen. Ich musste wissen, in was für einer Lage ich mich befand, und das konnte ich nur, indem ich den Reiter ausfragte. Selbst, wenn ich damit bewirkte, dass er mich allein mitten auf der Ebene zurückließ. „Was für eine Sprache sprechen wir denn nun gerade?“
Wenn dies hier in der normalen Welt Englisch war, musste es in Mittelerde anders genannt werden. Die Leute da kannten schließlich kein England oder Deutschland, geschweige denn von Europa. Wenn ich mich recht erinnerte, hatte Tolkien beabsichtigt, dass Englisch das Westron repräsentieren sollte, die Gemeine Sprache, die von allen Völkern dort gesprochen wurde.
Ich hatte das Gefühl, als wenn der selbsternannte Eorling mich argwöhnisch betrachtete. „Du musst von weit her kommen, um dies nicht zu wissen, cild, oder auch waren dir deine Eltern schlechte Lehrer“, sagte er. „Wir sprechen Westron, die Gemeine Sprache, die von allen Völkern neben ihrer Muttersprache gesprochen wird.“
Mein Gesicht hellte sich auf, obwohl ich wusste, dass er dies nicht sehen konnte. „Westron!“ wiederholte ich begeistert, um meine Lüge glaubhaft wirken zu lassen. „So heißt das! Mutter sagte immer nur 'die Gemeine Sprache' dazu.“
Dazu sagte der Reiter nichts, und ich nahm all meinen Mut zusammen und fragte ihn noch einmal. Möglicherweise antwortete er mir nun, wo er wusste, dass ich nach den damaligen Umständen arm gewesen wäre und von nichts eine Ahnung hatte. „Welches... welches Zeitalter schreiben wir, mein Herr? Bitte, ich... ich weiß es wirklich nicht.“
„Wenn du noch weiter stuntspræcest, werfe ich dich vom Pferd. Dann darfst du selbst sehen, wie du das nächste Dorf erreichst.“

Ich verstummte angesichts dieser Drohung. Der Reiter hatte mich zwar aus dem Sumpf gezogen, doch er schien bereit, mich ebenso schnell wieder abzusetzen. Und anscheinend glaubte er mir nicht, was wiederum dazu führen würde, dass er mich so schnell wie möglich absetzen und loswerden wollen würde.
Ich konnte nur hoffen, dass dies tatsächlich in einem Dorf und nicht an einem Fluss oder dergleichen war.
Herrgott, der nimmt seine Rolle etwas zu ernst, für meinen Geschmack... wenn er mir hiermit Angst machen will, ist ihm das auf jeden Fall gelungen.
Eine ganze Weile lang traute ich mich nicht, irgendetwas zu sagen, bis jedoch schließlich meine verfluchte Neugierde die Überhand gewann. „Was... was bedeutet stuntsprächest?
Ich erwartete keine Antwort. Nein, ich erwartete, dass er genervt von mir war und mich tatsächlich vom Pferd warf, und in meinem Kopf schloss ich schon mit dem Gedanken ab, tagelang allein, hungrig und frierend auf dieser Ebene umherzuirren.
Ein tiefes Seufzen erklang hinter mir, und ich spürte, wie sich seine Brust hob und senkte. „Stuntspræcest bedeutet 'dumme Dinge sagen'. Du solltest mehr Nachdenken, ehe du sprichst. Es würde dir gut tun, denn dann würde nicht so viel unsinniges Geschwätz aus deinem Mund heraus kommen, stuntfola.
Ich senkte den Blick und schwieg. Oje, was hatte er mir da nur für einen Namen gegeben! Stunt konnte ich mir nun dank der Erklärung zusammenreimen, und fola... nun, es war geraten, aber es hörte sich doch sehr nach dem Wort Fohlen an. Was zu einem Eorling passen würde; eine Bezeichnung für ein Kind.
Da hatte ich nun meinen Namen: Dummes Fohlen.
Und wohl mehr oder weniger verdient.



Schließlich tauchten hinter den Hügeln strohgedeckte Dächer auf. Dies mutete jedoch schon ein wenig seltsam an, da selbst in Norwegen die Menschen in der Zwischenzeit Holzdächer hatten, oder welche, die mit Schiefer oder Tonziegeln gedeckt waren. Es sah beinahe aus wie eines dieser Museumsdörfer, in denen Leute so taten, als gehörten sie in diese Zeit hinein und sich so kleideten und versuchten, so zu leben.
Es dauerte eine Weile, bis ich bemerkte, dass wir tatsächlich einer Art Weg folgten; einer Spur von niedergedrücktem Gras, welche sich mit der Zeit verbreiterte und sandiger wurde. Ein hölzerner Zaun tauchte neben uns auf, und dahinter stand eine große Herde von grauen Pferden, grasend in der Sonne.
Wir folgten nun tatsächlich einem Sandweg, immer auf die Hütten zu, an Feldern vorbei und anderen Weideflächen für Rinder und Schafe. Die Menschen, die auf den Feldern arbeiteten, blickten auf, wenn wir vorüberkamen, und lange noch spürte ich ihre misstrauischen Blicke im Rücken. Weder grüßten sie uns, noch wir sie; der Reiter ritt einfach vorüber, ohne ihnen groß Beachtung zu schenken.
Ich sank auf dem Pferd wieder ein wenig zusammen, mich unwohl fühlend durch das Schweigen und die grimmigen Blicke. Die Menschen hier nahmen ihre Rolle als mittelalterliche Bauern womöglich etwas zu ernst. Da hatte ich schon weitaus mehr Menschen gesehen, denen ihre Arbeit mehr Spaß machte, und die sich mehr über Besucher freuten.
Doch wo waren die Touristen? Dies hier war ein wundervoll nachgebildetes Dorf, keine Frage; aber sollten dann nicht zumindest irgendwo rucksackbepackte Menschen mit ihren Kindern herumlaufen? Oder zumindest Schilder stehen, mit irgendwelchen historischen Daten und nützlichen Informationen?

Ich konnte es nicht länger leugnen: Ich wurde nervös. Dies hier war zu seltsam: Ein Museumsdorf mitten in der Ebene, ohne richtige Straßen, die dorthin führten? Ohne Restaurant, Eintrittskartenschalter, Parkplatz?
Fanatiker, schoss es mir auf einmal durch den Kopf. Das sind alles Fanatiker, die so gerne im Mittelalter leben wollen würden, dass sie dies wirklich tun. Womöglich sogar schon seit Generationen, sodass sie vergessen haben, wie die wirkliche Welt aussieht. Und mein Retter gehört zu ihnen, seiner Sprache und Kleidung nach. Womöglich ist dies eine Art norwegische Version der Amischen Gemeinschaft aus Amerika...
Dieser Gedanke trug wenig zu meiner Beruhigung bei. Da war mir doch der Gedanke lieber, dass der Reiter einfach nur ein Larp-Player war, der sich einen sehr groben Scherz erlaubte...
Und eine neue Frage kam in mir auf: Was würden sie mit mir „Fremden“ machen? Unweigerlich kamen mir Bilder von Hexenverbrennungen in den Sinn, und ich schauderte und schluckte hart gegen den aufkommenden Kloß in meinem Hals. Warum werden Mary-Sues eigentlich nie als Hexen angesehen? Das wäre doch mal ein interessanter Plot. Und weshalb kommen mir solche Gedanken erst jetzt?
Mittlerweile ritten wir zwischen den Hütten hindurch, auf der Hauptstraße entlang. Welches mehr ein Sandweg als eine Straße war, aber wahrscheinlich sahen diese Leute das hier schon als Straße an. Einige Hühner liefen glucksend aus dem Weg, als wir vorüber kamen, und die Kinder hielten in ihrem Spiel inne und blickten mit großen Augen zu uns auf.
Selbst die Kinder waren wie im Mittelalter gekleidet; einfache, braune oder graue Hosen und Kleider. Auch die anderen Leute auf der Straße blickten uns nach, und auch hier grüßte niemand. Viele der Menschen, die ich sah, waren blond in verschiedenen Schattierungen; selten nur erblickte ich braun – oder rothaarige Leute, von Schwarzhaarigen ganz zu schweigen, die praktisch nicht vorhanden schienen.
Hitler hätte die Eorlingas geliebt, schoss es mir durch den Kopf. Alle blond, alle arisch. Eben wie die Skandinavier, nur mit mehr arischen Genen als diese, denn es gibt auch schwarzhaarige Skandinavier. Dies jedoch ist unter den Eorlingas selten.
Wir waren schon fast durch das halbe Dorf, und ich begann mich schon zu fragen, wo wir eigentlich hinwollten, als der Reiter auf einmal von dem Hauptweg abbog und einen schmaleren Pfad entlang ritt, der einen kleinen Hügel hinaufführte.

Auf dem Hügel stand ein großes Haus, welches mich fast ein wenig an eine der Langhallen der Wikinger erinnerte; nur sehr viel kleiner. Von den Giebeln schauten schlichte Pferdeköpfe auf uns herab, und auch dieses Haus war mit Stroh gedeckt.
Vor den zwei Stufen, die zum Haus hinaufführten, hielten wir an, und der Reiter saß ab und blickte zu mir hinauf. „Sitz ab.“
Vorsichtig lehnte ich mich über den Pferdehals, doch da verkrampften sich meine Oberschenkel, und ich keuchte auf und hielt inne, kniff die Augen zusammen, während ich darauf wartete, dass der Schmerz nachlassen würde.
Ich war es wirklich nicht mehr gewöhnt, auf einem Pferd zu sitzen; vor Allem nicht so lange Zeit. Ich hatte vergessen, wie sehr so etwas doch in die Beine ging.
Der Reiter blickte zu mir auf, als ich ein leises Wimmern von mir gab. Ich schaffte es mit meinen schmerzenden Beinen nicht, eines über die Kruppe des Pferdes zu schwingen. Der Pferderücken war einfach zu breit.
Schließlich schüttelte der Reiter den Kopf und nahm die Zügel des Pferdes. Ich schloss die Augen, während sich das große Tier wieder in Bewegung setzte, und so schaukelte ich ein kurzes Stück, ehe wir wieder anhielten.
„Du kannst nicht dort oben bleiben, stuntfola“, erklang seine barsche Stimme wieder. „Steig ab.“
Ich schluckte und schüttelte den Kopf, hoffte, dass ich mit dem Pferd verschmelzen würde, sodass ich nicht abzusteigen brauchte. Doch natürlich geschah dies nicht.
Das Einzige, was geschah, war, dass das Pferd laut schnaubte und sein Gewicht verlagerte.
Schließlich nahm ich all meinen Mut zusammen und öffnete die Augen, um dem Reiter zu erklären, weshalb ich nicht absteigen konnte. „Ich... ich kann nicht -“
Hände packten mich an den Hüften und zogen an mir, und mit einem erschrockenen Ausruf krallte ich mich in die Mähne des Pferdes. Ich spürte, dass ich fiel, und in dem Versuch, das Gleichgewicht zu halten, lehnte ich mich fest gegen den kräftigen Pferdehals, trat unabsichtlich das Pferd, als mein Bein über die Kruppe rutschte.
Und dann hatte ich auf einmal festen Boden unter den Füßen. Ich stieß meine angehaltene Luft aus und drehte den Kopf dem Reiter zu, der mittlerweile seinen Griff um mich gelöst hatte.
„Du kannst“, sagte er mit Nachdruck. „Komm jetzt. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“

tbc...



@xXLeaXx: Ich stelle mir die Eorlingas im Allgemeinen eher ruppig und rau von ihrer Lebensweise vor – ein wenig eben halt wie die damaligen Wikinger. Ich meine, klar, Fremde sind in der Mark willkommen, wie Éomer es ja mal erwähnte, aber das kann sicherlich nicht auf alle Eorlingas zutreffen... außerdem leben die ja etwas abgeschotteter. Ich könnte verstehen, wenn die etwas argwöhnisch auf Ungewohntes blicken.
Zu den mangelnden Reitkünsten: Es war mir eben wichtig, da so viel Realismus wie möglich mit einzubringen. (Obgleich ich nicht jeden Toilettengang beschreiben werde. *g*) Ein Mädchen aus unserer Welt, welches nicht so viel mit Pferden am Hut hat, wird nicht plötzlich die perfekte Reiterin sein.
Hm... ich frage mich, ob das jetzt so eine tolle Idee gewesen ist, im siebten Kapitel ein ganzes Gespräch auf Rohirrisch/Altenglisch mit einzubauen... ich gebe zu; ich war schon ein wenig enttäuscht, als ich das Altenglische gehört hatte. Ich hatte es mir mehr wie das moderne Englisch vorgestellt, also variierender und weicher im Tonfall, zudem Legolas im Buch ja auch sagte, dass die Sprache mal rau wie die Berge und dann wieder sanft wie die Hügel, also wie das Land an sich, klingen würde, als Aragorn die Klage der Rohirrim sang.
Nun, ob er das glaubt... sie hat ja die Entschuldigung angegeben, dass sie einen verwirrenden Traum gehabt hat. *gg*
Danke für dein Review! :)
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