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Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
51
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
07.05.2014 2.017
 
27. Kapitel: Ein blasser Schatten in der Dämmerung – An scua æbléc innan þæm æfenglóman



Die Straße zog sich dahin. Nur langsam schien der Wald näher zu rücken, und ich fragte mich, wie ich diese lange Strecke schwimmend hatte überstehen können. Zusätzlich zu dem einen Mal Beinahe-Ertrinkens.
Und so gehen wir dann also im Gänsemarsch voran...
Dies stimmte tatsächlich: Saruman ging vorneweg, ich mit ein wenig Abstand hinterher und dann kam Gríma dicht hinter mir. Wir mussten schon ein merkwürdiges Bild abgeben. Und hier kommt Gänsemama Saruman, die sich auf dem Spaziergang mit ihren beiden Küken befindet... seht, wie schön sie in einer Reihe gehen! Da geht einem doch gleich das Herz auf bei so viel Zuneigung...
In diesem Moment wandte der Zauberer leicht den Kopf, und ich zuckte zusammen und senkte den Blick.
Verspotte ihn nicht“, hatte Gríma gesagt, und dies hatte ich auch nicht vor, vor Allem nicht in seiner Gegenwart. Wer wusste denn wirklich sicher, dass Zauberer nicht doch Gedanken lesen konnten?
Es war merkwürdig, den Platz nun von Nahem zu sehen, und ich war mir sicher, dass bei unserer Ankunft noch nicht so viel grün gewesen war. Moos wuchs auf den Steinen, und überall breiteten sich tatsächlich Grasflächen aus. Auch Bäume wuchsen hier, sprossen aus dem Gras hervor, und alles in Allem sah es beinahe... schön und friedlich aus.
Unwillkürlich lächelte ich ein wenig. Man sah, dass Baumbart und seine Ents alles taten, um Orthanc wieder zu dem blühenden Garten zu machen, der er einst gewesen war.
Ob dies wohl irgendwann die Entfrauen aus dem hohen Norden hier herunter locken würde...? Ich hoffte es für den Ent.
Zumindest, bis auf einmal die Platte unter mir nachgab.

Eine Hand packte mich an der Schulter und riss mich zurück, und ich schnappte nach Luft, während ich schreckensblass die tiefe Grube sah, die unter der zurückschwingenden Platte kurz sichtbar wurde. Glatte Wände, metertiefer Sturz. Ein Hinauskommen wäre unmöglich gewesen.
„Pass auf, wo du hintrittst, stuntfola“, knurrte eine Stimme hinter mir. „Folge dem Herrn Saruman und lass dich nicht von irgendetwas ablenken, bis wir aus Isengard hinaus sind.“
Ich wurde wieder nach vorne gestoßen, und schluckend machte ich einen großen Bogen um die Platte und eilte hinter Saruman her. Mein Herz klopfte noch schnell in meiner Brust, als ich zu dem Zauberer aufgeschlossen hatte, der tatsächlich sein Tempo verlangsamt zu haben schien.
Weshalb? Wir werden schon noch nachkommen, außerdem wäre es ihm sicherlich egal gewesen, sollte ich tatsächlich in die Grube gefallen sein...ein Magen weniger, den es zu füllen gilt.
Ich blickte wieder zu Boden, schwor mir, ab sofort in Sarumans Fußstapfen zu treten... was nicht ganz einfach bei dem harten Untergrund und dem ganzen Staub war. Die lange, graue Straße zog unter uns dahin, und ab und zu sah ich neben uns noch große Löcher, wo die Erde aufgerissen war – ein Teil der vielen Gruben Sarumans, die jedoch teilweise kollabiert waren durch die Wassermassen, die viel Erde und Gestein mit sich gerissen hatte.
Was wohl Saruman bei diesem Anblick denken mochte? Sicherlich kneift er nur die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und grübelt darüber nach, wie es wohl so weit kommen konnte... oder auch ist ihm das alles hier nichts mehr wert und er denkt nur über seine neuen Pläne nach.
Ich schauderte. Irgendwie hoffte ich, dass seine Gedanken noch ein bisschen länger bei seinem Turm verweilen mochten und nicht sofort zum Auenland abschweiften.
Saruman machte einen kleinen Bogen um eine erneute Platte, und dieses Mal folgte ich seinem Schwung. Himmel, weiß der etwa auswendig, welche Platten Todesfallen sind und welche nicht?
Eigentlich müsste er es ja wissen. Schließlich war er damals vor Flinkbaum weggelaufen, gerannt, ohne, dass er in eine seiner eigenen Fallen gelandet war – wenn ich zumindest auch hier dem Buch glauben schenken konnte.
Das heißt, du weißt nicht alles über mich. Du weißt nur einiges, grob umrissen, wie die Handlung eines Buches.
Bei der Erinnerung an Grímas leisen Satz musste ich ein Schaudern unterdrücken. Ja, in der Tat – ich wusste eben nur die Handlung des Buches. Und obwohl ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht hatte, wie wohl der Weg von Saruman und Gríma zum Auenland ausgesehen haben mochte, sollte ich dies wohl hier am eigenen Leibe erfahren.


Als wir das zerstörte Tor erreichten, das nun zwei große Bäume flankierten, als wären sie Wachen, warf ich noch einmal einen kurzen Blick zurück auf den Turm. Er stand noch immer genauso groß und schwarz da wie am Anfang, doch beschlich mich das merkwürdige Gefühl, dass er etwas von seiner Dunkelheit, seiner Bedrohlichkeit eingebüßt hatte.
Womöglich kam das deshalb, weil ich wusste, dass er nun leer war; nur noch eine hohle Nadel, die sich gegen die umliegenden Berge reckte. Eine hohle Nadel war nicht gefährlich.
Und obwohl ich froh war, den Turm endlich hinter mir lassen zu können, so ahnte ich doch, dass ich ihn bald wieder schmerzlichst vermissen würde. Im Orthanc war es trocken und warm, geschützt vor Wind und Wetter.
Langsam sank die Sonne hinter die Berge und warf ein rötliches Licht auf die Bäume, und die Schatten wurden länger. Saruman jedoch ging weiter voran, immer auf der graue Straße, die in den Wald führte.
Der Nebel, der das Tal bei unserem Ankommen eingehüllt hatte, war verschwunden; nur einige dünne Fäden krochen wie suchende Finger über den Boden. Kein einziger der alten, dunklen Bäume stand auf der Straße; noch nicht mal ein Grashalm wuchs auf ihr.
Das Licht schwand beträchtlich, als wir in den Wald eintauchten, und nur kleine Lichtflecken drangen durch das Dickicht der Äste zu Boden. So ähnlich hatte ich mir den Düsterwald immer vorgestellt, nur eben noch ein bisschen finsterer...
Saruman jedoch schritt zügig voran, ein blass schimmernder Schatten im Dämmerlicht, und wir hinterher. Mittlerweile rückte ich öfters den Gurt auf meiner Schulter zurecht, da dieser eben doch anfing, unangenehm zu drücken. Ich bin es nicht mehr gewöhnt, so lange Strecken zu laufen... und dabei sind wir erst am Mittag aufgebrochen...
Doch zu Saruman gehen und ihn um eine Pause bitten? Niemals! Zu leicht könnte man ihn unabsichtlich verärgern, und wenn ich eines nicht wollte, dann war es, Saruman noch einmal wütend zu erleben. Der Vorfall mit dem Palantír hatte mir doch sehr deutlich gezeigt, dass ich das nicht noch einmal erleben wollte.
Ich hätte hierfür üben sollen, schoss es mir durch den Kopf. Ich habe schließlich gewusst, dass wir bald aufbrechen würden.
Ja, aber wie hättest du bitte üben wollen? In deinem Zimmer 50 Male auf und ab laufen? Du hattest andere Sorgen mit deinem Vokabel-lernen. Immerhin hast du dort ein wenig Fortschritte gemacht.
Ich warf einen raschen Blick zu Gríma zurück, der schweigsam und mit seinem verschlossenen Gesichtsausdruck hinter mit herging. Würde er denn tatsächlich den Unterricht fortsetzen, hier, in solch einer Situation? Ein wenig zweifelte ich daran.
Auf der anderen Seite; wie sollte man sich denn beschäftigen? Um irgendwelche Spiele zu spielen, wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“, war Gríma sich wahrscheinlich zu alt für (und ich so gesehen ja auch); außerdem wusste ich nicht, ob Saruman sich daran stören würde.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, als wenn der Zauberer keine Gespräche dulden würde; nicht, solange er selbst nicht sprach.
Vor meinem inneren Auge tauchte auf einmal ein Bild von einem Twister-Spiel auf und unserer Gruppe, die mit verrenkten Gliedmaßen auf der Plane stand und versuchte, nicht umzufallen. Dies brachte mich immerhin zu einem schiefen Grinsen, bis ich beinahe gegen Saruman lief, der stehengeblieben war.

Mit einem leisen Quieken wich ich einen Schritt zurück und senkte den Blick, während Saruman sich umdrehte und mit einen prüfenden Blick, der beinahe beiläufig erschien, zum dichten Blätterdach hinaufschaute.
„Es wird rasch dunkel“, bemerkte er leise, „und selbst, wenn diese Straße sicher ist, so sollten wir doch zum Ruhen nicht auf ihr verweilen. Ebenso wird es kein Feuer geben; denn ein Solches mag so manchen unerwünschten Gast anziehen. Jedoch wird es, denke ich, nicht nötig sein, Wachen einzuteilen – meine Anwesenheit mag wohl die schlimmsten Wesen verscheuchen.“
Wir nickten zu diesen Anweisungen bloß, und dann hatte Saruman sich auch schon umgewandt und schritt zügig von der Straße in den dunklen Wald hinein. Wieder einmal bewunderte ich, wie zielsicher und schnell und geschmeidig er sich für solch einen alten Mann bewegte; beinahe schien es, als würde in seinen Bewegungen eine elbische Anmut liegen – was ich jedoch, so gesehen, schlecht beurteilen konnte, war ich schließlich noch keinem Elben begegnet.
Schließlich kamen wir zu einer Stelle, die ihm geeignet genug erschien; eine kleine Lichtung, die von schlanken Buchen umgeben war. Hier war das Blätterdach nicht ganz so dicht, sodass dieser Fleck ein bisschen heller als der umliegende Rest des Waldes schien.
Der Zauberer lehnte seinen Stab aufrecht gegen den Stamm einer dieser Bäume und ließ sich, nachdem er seine weiten Ärmel zurecht gezupft hatte, an diesem nieder.
Er schloss die Augen, schien sich um uns nicht zu kümmern, und mit einem leisen Seufzen ließ ich meine Decke von meiner Schulter gleiten, während ich etwas nervös von einem Bein auf das andere tänzelte. Es schien, als wenn dies hier unser Schlafplatz für die Nacht sei, und ich musste mal.
Gríma indessen hatte sich seinem Herrn gegenüber auf der anderen Seite des kleinen Platzes an einen Baum gelehnt, und er nickte mir unwillig zu, als er meinen flehentlichen, unsicheren Blick bemerkte.
Da kann ich doch nichts für; ich muss halt... tut mir Leid, aber das ist ein menschliches Bedürfnis. Ich weiß ja nicht, ob Saruman auch so etwas hat...
Ich schlug mich also ein wenig in das Gebüsch, ständig nervös nach hinten schauend, ob ich mich auch ja nicht zu weit entfernte und auch wieder zurück fand. Hinter einem großen Busch hockte ich mich hin und versuchte, nicht an das ganze Krabbelgetier zu denken, was in diesem Moment wohl unter meinen Füßen auf dem Waldboden umherlief.
An das fehlende Toilettenpapier hatte ich mich in der Zwischenzeit gewöhnt, und so rümpfte ich noch nicht einmal mehr die Nase, als ich meine Hose wieder hochzog und mit dem Fuß ein wenig Erde über meinen Urin scharrte, wie ich es bei Katzen beobachtet hatte. Vielleicht würde das tatsächlich ein wenig den strengen Geruch überdecken.
In diesem Moment war ich heilfroh, meine Regel für diesen Monat hinter mir zu haben – es wäre unangenehm geworden. Selbst, wenn es abgestorbenes und größtenteils totes Blut und Gewebe war – Blut war es dennoch, und ein solcher Geruch hätte leichter Raubtiere angezogen.
Meine Anwesenheit mag wohl die schlimmsten Wesen verscheuchen.
Ich zweifelte nicht daran, dass Saruman als Maia einen gewissen Rang und somit noch eine Art Macht hatte. Seine Kräfte waren ihm zwar von Gandalf genommen worden, doch ich hatte dennoch die Macht seiner Stimme deutlich zu spüren bekommen. Er würde sich schon gegen Menschen und Räuber durchsetzen können – und notfalls waren wir wahrscheinlich als Kanonenfutter gedacht.
Doch wie stand es mit Tieren? Selbst, wenn Saruman seine Stimme hatte – was konnte er denn eigentlich gegen Wölfe oder gar Warge ausrichten?
Ich schauderte bei dem Gedanken und hoffte, dass es nicht dazu kommen würde.
Als ich zurückkehrte, saß Saruman immer noch mit geschlossenen Augen an seinem Baum, und Gríma hatte seinen Umhang dicht um sich gezogen.
Zögerlich tappte ich zu meiner Decke und öffnete den Gürtel, um diese vorsichtig auszurollen. Es war mir etwas unangenehm, denn keiner der beiden rührte sich: Saruman saß immer noch mit geschlossenen Augen da, und Gríma beobachtete jede meiner Bewegungen wachsam.
Die Spannung war beinahe spürbar.
Schließlich hatte ich meine Decke ausgebreitet, suchte mir einen Baum neben dem Ratgeber aus und kuschelte mich in die Decke hinein.
Wirklich bequem war es nicht. Der Boden war hart, dazu noch feucht, und eine Wurzel hatte es sich in den Kopf gesetzt, egal, wie ich mich auch drehte, sich unsanft in meinen Oberschenkel zu bohren. Eine Decke war eben kein richtiger Ersatz für einen Schlafsack mit Isomatte.
Ich würde versuchen müssen, die Nacht zu überstehen. Entschuldigungen würde es keine geben, das wusste ich – wir würden am nächsten Morgen aufstehen und weitergehen, ganz gleich, was für Beschwerden wir auch haben sollten. Saruman hatte ein Ziel, und wir... wir folgten.
Was blieb uns denn auch anderes übrig?


tbc...
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