Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Cwideas

von Thainwyn
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Frodo OC (Own Character) Saruman
07.05.2014
07.08.2019
94
246.330
50
Alle Kapitel
227 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
07.05.2014 2.358
 
A/N: Kleine Lektion der Aussprache des Altenglischen für alle Interessierten: Der Buchstabe þ wird im Altenglischen wie ein englisches hartes th ausgesprochen, wie in dem Wort north oder thorn. Der Buchstabe ð, Đ als Großbuchstabe, wird wie ein weiches th ausgesprochen, ähnlich wie in den Worten the oder clothing.
Das th hingegen gleicht einem normalen, deutschen T, und das a wird wie ein normales, deutsches a ausgesprochen, ebenso das y, das wie ein ü gesprochen wird. Mit dem g und dem c ist das so eine lustige Sache, die ich jedoch hier nicht weiter ausführen möchte. Ihr seid schließlich wegen des Kapitels hier und nicht wegen der Lektion. (vielleicht im nächsten Kapitel, wenn Interesse daran besteht.)
Und ja, das nächste Kapitel wird länger auf sich warten lassen. Das verspreche ich. Ic béote þæt.



2. Kapitel: Gerettet - gegéoced



Der Norweger schien meinen Ruf tatsächlich gehört zu haben, denn er wendete sein Pferd in meine Richtung und kam auf mich zu – jedoch zu langsam für meinen Geschmack.
Ich wedelte kräftiger mit meinen Armen, doch der Reiter ließ sich dadurch nicht beirren und setzte seinen Weg in der gleichen Geschwindigkeit fort.
Möglicherweise erwartete er auch, dass ich zu ihm kam.
Also lief ich los, in seine Richtung, den Blick auf ihn gerichtet. Es war ein schönes Pferd, welches er hatte; ganz groß und mit einem dunkelgrauen Fell und etwas dunklerer Mähne und Schweif.
Doch je näher ich kam, umso merkwürdiger erschien mir der Reiter selbst. Von Weitem hatte ich seine Kleidung für eine dicke Weste und einen grünen Regenumhang gehalten; nun jedoch sah ich, dass er tatsächlich einen dunkelgrünen Umhang aus schwerem Stoff trug, der über die Kruppe des Pferdes hing.
Er hatte dunkelbraune Lederstiefel an und eine grüne Hose, von einem helleren Ton als sein Oberteil, das beinahe wie ein Waffenrock mit gleichfarbigen, langen Ärmeln aussah. Er hatte ein Messer am Gürtel hängen.
Ich verlangsamte meinen schnellen Lauf etwas und runzelte die Stirn, doch da ich nicht auf den Boden geachtet hatte, stolperte ich und schlug der Länge nach hin.

Das Gras unter mir sank, und panisch prustend schlug ich um mich in dem Versuch, wieder auf die Beine zu kommen, doch dieses Mal erwies sich der Schlamm als zäher und zog mich hinab. Er umschloss meine Hände und kroch gurgelnd und schmatzend an meinen Knien hoch. Verzweifelt versuchte ich, meine Hände zu befreien, doch je mehr ich mich wehrte, umso mehr hielt mich der Schlamm fest.
Ein Schatten fiel auf mich.
Stille nú, cild“, knurrte eine Stimme über mir, und kräftige Hände griffen unter meine Arme und zogen mich aus dem Morast, der mich mit einem widerwilligen Schmatzen freigab.
Ich spürte wieder festen Boden unter mir, und langsam beruhigte sich mein rasender Herzschlag wieder. Erleichtert und mit einem Lächeln blickte ich zu meinem Retter hinauf.
Das Haar, welches von einem dunklen Blond war, hing ihm strähnig und ungewaschen über den Rücken, und wäre nicht das kantige, grimmige Gesicht gewesen, hätte ich den Reiter beinahe für eine Frau gehalten, denn er hatte keinen Bart. Die hellen, grauen Augen blickten mich unfreundlich an, und das Lächeln schwand von meinem Gesicht.
Þú eart dysgest, áfærende into þone fenn“, sagte der Reiter in einem barschen Ton. „Áspric nú, cild! Hwý eart þú ānlíepe hēr? Hwær is þín hām?
Ich starrte den Reiter an. Das klang nur wenig nach Norwegisch, dafür merkwürdigerweise nach einer Mischung aus... Deutsch und Englisch. Was für eine Sprache war das? Holländisch klang zwar auch ähnlich, hatte jedoch noch einen kehligeren Klang als dies hier.
Und verstehen konnte ich trotzdem nichts.
„Ähm... tut mir Leid, ich... ich verstehe nicht...“, versuchte ich es vorsichtig auf Englisch. Auf Deutsch würde er mich wahrscheinlich ohnehin nicht verstehen. „Können Sie mich verstehen? Kan du forstå mig? Taler du norsk? Dansk, måske?
Von Norwegern hieß es doch, dass ihre Sprache dem Dänischen ähnlich klang, und dies beherrschte ich besser als Norwegisch.
Der Reiter schwieg einen Moment, während er mich weiterhin anstarrte, und langsam begann ich mich unwohl unter dem Blick dieser hellen Augen zu fühlen. Kalt, schoss es mir durch den Kopf. Abweisend, misstrauisch. „Wo kommst du her, Kind? Wo ist dein Heim? Warum bist du hier ganz allein auf der Ebene? Bist du von Zuhause fortgelaufen?“ Sein Tonfall war unverändert barsch, doch er sprach Englisch; eine Sprache, die ich verstand. Und dies sogar noch sehr gut, doch dies war eine Gabe, die allen Skandinaviern zu Eigen war.
Schließlich wurden bei ihnen die ganzen Filme nicht synchronisiert, sondern lediglich mit Untertiteln versehen. Kein Wunder, dass sie meistens sehr gut in der englischen Sprache waren.

Vor Erleichterung, verstanden zu werden, sprudelten mir die Worte nur so aus dem Mund.
„Ich – ich weiß nicht genau, wo ich bin; ich war hier eigentlich mit meinen Eltern zum Wandern, aber ich habe sie irgendwie verloren, und -“
Stille nú, cild!“ fuhr mich der Reiter auf seiner merkwürdigen Sprache an, und erschrocken zuckte ich zusammen und schwieg. Er jagte mir Angst ein. Seine Stirn war gerunzelt, als er seinen Blick über mich gleiten ließ, dann schüttelte er den Kopf und blickte unruhig hinter sich. „Ic scolde náwyrce þæt...“ murmelte er. Dann blickte er wieder auf mich herab.
„Ich werde dich in das nächste Dorf bringen, dort findest du vielleicht deine Eltern wieder.“
Ich atmete erleichtert auf und lächelte, blinzelte, um die Tränen zurückzuhalten. „Danke“, brachte ich stockend hervor. „Vielen, vielen Dank -“
Doch meine Stimme versagte, als der Norweger auf mich zukam, mich packte und mich auf einmal mit einem Grunzen hochhob. Erschrocken hielt ich die Luft an, als ich auf das große Pferd gesetzt wurde. Das Leder des Sattels knarrte, als ich etwas unbehaglich hin und her rutschte, um einen guten Halt zu bekommen.
Der Norweger saß hinter mir auf und nahm die Zügel, sodass ich nun zwischen seinen Armen saß. „Halte dich fest“, sagte er zu mir, und ehe ich noch etwas erwidern konnte: „Forþ.
Das Letztere war anscheinend ein Befehl für das Pferd gewesen, denn es machte auf einmal einen großen Satz, sodass ich mich erschrocken in der grauen, alles andere als weichen Mähne festklammerte. Hätten die Arme des Reiters mich nicht eingeschlossen, so wäre ich spätestens jetzt wieder auf dem Boden gewesen.


Eine Zeit lang hüpfte ich kläglich auf dem Pferd auf und ab; jedenfalls fühlte es sich so an, doch ich biss die Zähne zusammen und schwor mir, keinen Laut über meine Lippen kommen zu lassen. Herrgott, ich wünschte mir schon jetzt, dass der Ritt bald ein Ende nehmen würde.
Früher, als ich klein war, war ich gerne geritten, doch das wurde irgendwann zu teuer, und so hatte dies aufgehört. Jetzt gerade war es mir auch schleierhaft, weshalb dies mir einmal Spaß gemacht haben konnte.
„Halte dich gerade“, ertönte die Stimme des Norwegers hinter mir, und ich spürte eine Hand, die gegen meine gerundete Wirbelsäule drückte. „Richte deinen Rücken auf. Das, wie du da hängst, ist keine Haltung, die man auf einem Pferd haben sollte.“
Zögernd richtete ich mich ein wenig auf, drückte meinen Rücken durch, und ich spürte, dass ich nicht mehr ganz so schlimm hüpfte wie am Anfang. „Danke“, sagte ich leise, doch der Norweger brummte nur etwas vor sich hin.
Nun, wo ich etwas besser an die Bewegungen des Pferdes angepasst war, hatte ich ein wenig mehr Zeit, mich umzusehen und die Schönheit der norwegischen Landschaft zu bewundern. Weit vor uns ragte das Gebirge groß und drohend unter einem blauen Himmel auf, und die weite Ebene erstreckte sich, so weit das Auge blicken konnte.
Doch selbst das erklärte die merkwürdige Aufmachung des Norwegers nicht. Ich nahm all meinen Mut zusammen und holte tief Luft. „Wird... wird hier ein Film gedreht?“ fragte ich zögernd und fragte mich sogleich, warum dann nirgendwo Kameras zu sehen waren oder andere Leute, die an einem Set arbeiten sollten. Außerdem, hätte der Typ sich dann nicht als Schauspieler vorgestellt? „Oder sind Sie von einem Larp? Dann ist das ein wirklich cooles Kostüm.“ Ja, das mit dem Live-Action-Roleplaying konnte ich mir schon eher vorstellen. Leute, die sich mittelalterlich verkleideten und mit Schaumstoffschwertern aufeinander einhackten.

„Was für eine fremde Sprache sprichst du da, Kind?“ fragte der Reiter düster. „Du kommst nicht aus der Mark. Sprich, von wo kommst du? Aus welchem Land bist du? Und weshalb bist du hier?“
„Ich...“ begann ich zögernd, unsicher, ob ich mich bei dem einen Wort verhört hatte. Das musste ich. Wahrscheinlich war dies der Bereich, in dem ich mich befand, der Mark genannt wurde. Bei den Norwegern konnte alles möglich sein, und mit mir als Herr der Ringe verrücktem Mädchen konnte man sich schon mal verhören. „Ich komme aus Deutschland. Ich war hier im Urlaub mit meinen Eltern, bis ich sie eben gerade leider verloren habe.“
Ein Schnauben war die Antwort auf meine Erklärung. „Und du erwartest, dass ich dies glauben soll? Ich bin nicht so unwissend wie manch andere Eorlingas und weiß sehr wohl etwas über die Länder außerhalb der Mark. Ein... Deutschland gehört nicht dazu, und dem Zustand deiner seltsam anmutenden Kleidung nach zu urteilen bist du nicht weit gelaufen. Also sprich besser die Wahrheit, wenn ich dich noch einmal frage, cild: Woher kommst du?
Doch ich konnte ihm für einen Moment nicht antworten, saß nur starr auf dem Pferd, während es in meinem Inneren brodelte.

Er hatte Eorlingas gesagt.

Die Eorlingas, Eorls Söhne, Reitervolk des Landes Rohan, angesiedelt auf dem Kontinent Mittelerde. Einem fiktiven Kontinent, erfunden von einem englischen Schriftsteller namens John Ronald Reuel Tolkien.
Das hier war ein Traum. Es war ein Traum, es musste ein Traum sein! Oder auch saß ich mit einem Psychopathen auf dem Pferd, der sich einbildete, in Mittelerde zu sein.
Aber solche Leute würden sie doch nicht frei herumlaufen lassen, oder? War er vielleicht aus seiner Anstalt ausgebrochen?
Und wenn dies ein Psychopath war und kein freundlicher Larp-spieler, der sich einen Spaß daraus machte, mich gehörig an der Nase herumzuführen – musste ich dann nicht fürs Erste das Spiel mitspielen? Wer weiß, was er tun würde, wenn ich ihm sagen würde, dass dies Norwegen war, wenn ich sein Realitätsbild zerriss... ich schauderte bei dem Gedanken. Ich war in seiner Gewalt, hatte keinerlei Mittel, um mich zu wehren oder zu fliehen.
Ich musste mitspielen.
Der Reiter wartete immer noch auf meine Antwort, und ich holte tief Luft. „Ich... ich komme aus der Westfold, mein Herr“, sagte ich. „Bitte verzeiht. Ich habe mich hier verlaufen und hatte einen verwirrenden Traum.“
Bebend wartete ich auf seine Antwort und hoffte, dass wir uns nicht gerade in der Westfold befanden; denn dies hätte ihn nur misstrauischer gemacht.
Schließlich sprach der Reiter, und eine grimmige Zufriedenheit war aus seiner Stimme herauszuhören.


„Also doch.“


tbc...



A/N: Wie ich feststellen durfte dank der Serie Vikings klingt Altenglisch nicht mal halb so schön, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Es ist eine harte, raue Sprache, vom Klang her ähnlich eben wie das Deutsche – nicht wirklich melodisch.
Ich werde das Altenglische unübersetzt lassen – schließlich versteht unsere Hauptperson auch kein Wort der ihr fremden Sprache, und ich wollte hiermit ein wenig den Klang herüberbringen.
Das andere, hingegen, übersetze ich gerne:

Dänische Vokabeln:
Kan du forstå mig? = Können Sie mich verstehen?
Taler du norsk? = Sprechen Sie Norwegisch?
Dansk, måske? = Vielleicht Dänisch?



@Sulime: Hehe, ja. Es ist, wie schon beschrieben, eine „lange“ Version von stuntfolas Reise. Ich hoffe, dass es dennoch nicht langweilig wird, denn hier habe ich die Möglichkeit, Details noch mit einzubauen und vielleicht die eine oder andere Sache auszubauen, bzw. deutlicher zu machen. (Obwohl das mit dem Reiter wahrscheinlich verflucht schwierig wird...)
Nun ja, und auch, falls der Akku vom Handy mal alle ist – erschlagen kann man einen potentiellen Angreifer immer noch mit dem Ding, und wahrscheinlich würde es sogar noch funktionieren, würde man es wieder laden! *gg*
Oh, und es wird noch eine Weile dauern, bis man erfährt, wer der Reiter ist. *g* Ich mag Rätselspiele, wie du ja weißt.
Die Stelle habe ich umgeändert, danke für dein aufmerksames Lesen und den Hinweis!
Und danke für dein Review! :)

@Mausepups: Deinen Hinweis habe ich befolgt und das Englische übersetzt, sowie ich jegliche Fremdsprachen, derer stuntfola mächtig ist, im Anhang übersetzen werde, sofern sie auftauchen. Das Wort, oder eher, der Name stuntfola wird im nächsten Kapitel erklärt, da sie ihn dort erst bekommt, sozusagen. *g*
Und ich bin jetzt etwas sprachlos wegen des Lobes. Das hätte ich nicht erwartet; danke dafür! *g*
Ich hoffe, du hast (trotz Vorkenntnisse) weiterhin Spaß an dieser Geschichte!
Danke für dein Review! :)

@xXLeaXx: Es freut mich, dass dies hier nicht nach der Standard-Version klingt. Dies sollte es auch nicht. *g* Oh, Norwegen ist unglaublich schön; Norwegen und Schweden. Diese Einsamkeit und die Natur ist unglaublich; man hat das Gefühl, alleine auf der Welt zu sein. *-* Und die Wanderwege... nun, wenn du Pech hast, musst du doch tatsächlich durch einen rauschenden Bach und hast danach nasse Socken, sofern du nicht vorher klug genug warst, die auszuziehen. *g*
Es freut mich, dass stuntfola sympathisch ist... und ja, Näheres zu ihrem Aufenthaltsort ist in diesem Kapitel.
Und nein; das J im Help ist kein Fehler – sie ruft da auf Norwegisch. *g*
Danke für dein Review! :)

@May: Hm, das stimmt wohl; es gibt auch gute Versionen. Nur halt nicht so zahlreich, und keine, die eben meinen tatsächlichen Geschmack getroffen hat, und deshalb... schreibe ich eine Eigene. *g*
Nun, nicht alle Rohirrim sind kriegerisch, muss ich dazu sagen... es gibt mehr, aber auch weniger mutige Männer in Rohan. *g* Und ja, wie man in diesem Kapitel sieht, spielen die Rohirrim tatsächlich eine etwas größere Rolle. Freut mich, dass dich das freut. *g*
Vielen Dank für dein Review! :)

@Arique: Eben. Um es noch ein bisschen realistischer zu machen, muss ich eben weiter ausholen, und da reichen die begrenzte Anzahl an Drabbles nicht aus. *g*
Ja, Norwegen ist unglaublich schön, da bin ich einer Meinung. (Wie du sicherlich lesen kannst. *g*) Nun, ich bin nicht gänzlich stuntfola, und deshalb reagiert sie eben anders. Ich schätze, ich wäre panisch den Weg voraus oder zurückgelaufen. *g*
Hier in der langen Version darfst du dich freuen; da kommt sogar ein ganzes Gespräch in unverständlichem Altenglisch drin vor... *g*
Danke für dein Review! :)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast