Gefühle sind für Menschen da (Wettbewerb Die Liebe)

KurzgeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P12
Fuchs / Celeste
06.05.2014
06.05.2014
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Fandom: Reckless
Hauptperson: Fuchs (Celeste)
Nebenpersonen: Jacob Reckless,Will Reckless, Clara
Anmerkung: Dieser Oneshot ist ein Beitrag zum Wettbewerb "Die Liebe" von Thorinstochter

Dunkel und schwer warfen die hohen Bäume ihre Schatten auf das weiche Gras, auf welchem Fuchs lag. Der Himmel, welcher vor einigen Stunden noch so blau und wolkenlos erschienen war, passte sich ihrer Stimmung an. Dunkle Wolken verdunkelten die Sonne und drohten mit ihrer undurchdringbaren Schwärze.

Es war ihr egal. Sie kümmerte sich nicht darum, dass ein wahrscheinlich ein Gewitter nahte. Erschöpft lehnte sie sich an einen Baumstamm und starrte zum Himmel hinauf. Schon bald spürte sie einen ersten kalten und nassen Regentropfen auf ihrer Schnauze.

‚Gleich wird es schütten wie aus Eimern‘, stellte sie teilnahmslos fest und schüttelte den Tropfen ab. Sie sah keine Notwendigkeit in den Wald zu laufen und sich im Schutz einer Höhle zu verkriechen. Wenn es anfing zu regnen, dann hörte es auch irgendwann wieder auf. Und wenn ihr rotbraunes Fell auch nass wurde, es trocknete auch wieder. So war es vorbestimmt.

War das nicht mit allen Dingen so? Hatte alles sein Ende? Galt das auch für diesen unbändige Sehnsucht und den damit verbundenen Schmerz in ihrer Brust?

Er war wieder fort und sie wusste nicht, ob er jemals zurückkehren würde. Wie oft hatte sie schon versucht den Spiegel zu zerstören und damit die Rückkehr in „seine Welt“ zu verhindern? Es war ihr nie gelungen und war er wieder dort. Was er wohl gerade machte? Verbrachte glücklich seine Zeit mit Will, seinem Bruder oder sogar mit ihr?

Seit nicht nur Will, sondern auch Clara, seine Geliebte in ihrer Welt aufgetaucht war, war nichts mehr wie früher. Sie war so wütend, wenn sie allein schon an diese Menschenfrau dachte. Vor ihrem inneren Auge tauchten Bilder auf. Szenen, welche sie versteckt aus dem Wald heraus beobachtet hatte.

Ihr drehte sich der Magen um, als sie sich daran erinnerte, wie die beiden miteinander gelacht hatten. Clara schmeichelte Jacob mit ihren Worten und warf dabei ihre blonden Haare anzüglich zurück. Sie verstand immer noch nicht, wie so etwas hatte passieren können.  Warum war Jacob nur darauf eingegangen?  

Dieser Blick, mit dem er Clara betrachtet hatte, war doch für sie bestimmt! Für den Kuss, der darauf folgte, hatten beide eine Ausrede gehabt: Das Lerchenwasser, was sie Gefühle entwickeln lassen hatte, die sonst nie aufgetaucht wären. Doch sie hatte den beiden nicht geglaubt.Clara war ein Fremdkörper. Sie gehörte nicht in diese Welt und zerstörte alles, was Fuchs sich in ihren tiefsten Träumen erhofft hatte.

Warum hatte Jacob nicht gemerkt, was er ihr damit antat? Mit seiner Abwesenheit machte er es ihr nicht gerade leichter. War er so kühl? Sie wusste, dass sie nicht alle ihre Gefühle unter dem dichten Fell verbergen konnte. Wenn man sie kannte, dann spürte man, dass etwas nicht stimmte. ‚Kennt er mich so schlecht?‘, fragte sie sich.

Der Schmerz in ihrer Brust drohte Fuchs zu zerreißen. Sie wünschte, dass er in diesem Moment zurückkehrte, zurück zu ihr. Alles würde sie ihm erzählen, kein Detail würde sie auslassen. Für ihn gab sie sich zu erkennen, für ihn zeigte sie ihre wahre Gestalt, doch für alle anderen blieb sie verschlossen.  Fuchs wollte Jacob in ihre Arme schließen, ihm tief in die Augen schauen und nie wieder loslassen. Er gehörte zu ihr, nicht in diese andere Welt.

Ohne ihn hatte das Leben für sie keinen Sinn. Jacob war die Person, die sie in ihren schwächsten Augenblicken am Leben hielt. Warum war er nun nicht hier? Warum hatte er sie allein gelassen? Spürte er nicht, was er anrichtete? Es zerriss sie und nahm ihr die Luft zum Atmen. Selbst in ihrer Tiergestalt konnte sie ihre menschlichen Gefühle nicht verhindern.

‚Liebe‘, das Wort klang nach Glück, nach Freiheit und Leben, doch das war es nicht. Die Schattenseite der Liebe war dieser schreckliche Schmerz, der einfach kam und ging, so wie er wollte. Sie konnte nichts dagegen tun; sie konnte nur herumsitzen und abwarten, dass etwas geschah, was den Kummer nahm.

Das Leben als Fuchs war so viel leichter. In diesem hatte sie ihr wahres Ich gefunden. Am liebsten würde sie die menschliche Gestalt für immer ablegen und die Jahre bis zu ihrem Tod als Tier verbringen. Doch es ging nicht. Das Kleid ließ sie viel zu schnell altern, es nahm ihr kostbare Sekunden, wertvolle Minuten, einzigartige Stunden und nie endende Jahre. Im Grunde genommen stahl es ihr all die Zeit, die sie als Mensch hätte sinnvoll nutzen können.

Aber die Zeit spielte keine Rolle mehr. Mit wem sollte sie diese verbringen? Jacob war nicht da und kam vielleicht niemals zurück. Es lohnte sich nicht den Alterungsprozess aufzuhalten. Für ihn hätte sie es getan, doch er war nicht da. Er war in seiner Welt. Mit jeder Stunde, die er dort verbrachte, verlor er einen Teil seiner Erinnerung. ‚Wahrscheinlich hat er mich schon vergessen‘, dachte Fuchs verzweifelt.  

Dicke Tränen mischten sich zu den Regentropfen, die schwer auf ihr Fell prasselten. Liebe, das war nichts als Schmerz. Warum musste sie dies spüren? Warum konnte sie nicht davon verschont bleiben. Liebe, das war etwas für Menschen. Doch das war sie schon lange nicht mehr.

Sie brauchte Gefühle wie die Liebe nicht, sie wollte das nicht. Am liebsten hätte sie sich dieses dämlich klopfende Teil aus ihrer Brust gebissen. Doch sie wusste, dass sie ohne ein Herz nicht überleben konnte. Fuchs war gefangen in ihren Gefühlen, sie war gefangen in sich selbst.

Keiner konnte ihr helfen, sie musste diesen Kampf alleine ausfechten. Niemand unterstützte sie in diesem Moment, auch nicht der junge Mann, der das Szenario von weitem beobachtete. Er war drauf und dran sein Versteck zu verlassen und der Füchsin Gesellschaft zu leisten. Aber er traute sich nicht. Jacob war zu feige.
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