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Das  Bäumchenfest

von No Cookie
GeschichteHumor, Fantasy / P12
05.05.2014
19.10.2014
10
10.603
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05.05.2014 1.138
 
Ein sanfter Duft nach Orangen und Zimtstangen schwängerte die Luft und draußen vor den dicken Finsterbergwänden fiel, wie ich genau wusste, lautlos der Schnee in dichten Flocken.
Ich summte leise ein Bäumchenfestlied vor mich hin das mir schon seit Tagen in den Hörlöchern hing,  und band eine weitere Kugel an einen Zweig der kleinen Tanne, die ich heute Nacht, mithilfe meiner Partnerin Quas, heimlich in die Raucherecke geschleppt hatte. Damit wollten wir die Ferien für alle ein wenig süßer gestalten und sie würde morgen früh hoffentlich eine hübsche Überraschung für unsere Mitschüler geben. Es war wirklich nicht leicht gewesen das Gewächs zu beschaffen, oder gar es hier hoch zu bekommen. Eine verräterische Spur aus Tannennadeln zeigte den Schleichweg, den wir durch die Gänge genommen hatten um nicht durch Nachtschwärmer doch noch entdeckt zu werden.
Prüfend trat ich einen Schritt zurück und betrachtete kritisch mein Werk. Zufrieden nickte ich mir selbst zu. Der hölzerne und gläserne Schmuck war zwar ziemlich bunt zusammengeworfen, wirke mit seinen klassischem rot und dem goldenen Lametta, an den dunkelgrünen Nadeln aber doch recht hübsch. Mal sehen was die weiße Wolpi zu meinem Werk sagen würde, wenn sie zu mir zurückkehrte.  Vorausgesetzt ihr gelang es endlich den großen Baumkuchen ungesehen aus der Bäckerei hierher zu schmuggeln. Eine Aufgabe die ich sehr erleichtert ihr übertragen hätte, da sie mir mit meinem zwei linken Beinen und bei völliger Dunkelheit sicher nicht unfallfrei geglückt wäre. Sie sollte bald wieder da sein.
„Bravo Mädchen, ganz entzückend“, meine eine Stimme höhnisch
„Du hattest schon immer ein Händchen dafür“, spottete eine Andere, der Ersten erschreckend ähnlich.
Ich fuhr zusammen wie unter einem Peitschenhieb und grub meine Finger in den Stoff meiner Hose.
Diese Stimmen, ich hatte sie schon eine Ewigkeit nicht mehr gehört und kannte sie dennoch eben so gut wie meine Eigene. Allzu oft hatte ich ihren beißenden Hohn ertagen müssen. Langsam drehte ich mich um, in der Hoffnung alles möge nur Einbildung sein.
Hinter mir standen zwei Gestalten, die sich zum verwechseln ähnlich sahen und von denen ich gehofft hatte ihnen niemals wieder über den Weg laufen zu müssen.
Opticus und Circulus die Zwillinge unter meinen vierzehn Brüdern und die übelsten Quälgeister, denen ich je in die Finger geraten war. Ich war fassungslos und für einen kurzen Moment fühlte ich mich wieder genau wie damals, als ich ihren Gemeinheiten noch hilflos ausgeliefert gewesen war.
„Was macht ihr denn hier?“, war das Einzige was ich in meinem Erstaunen hervorbringen konnte und glotze ungläubig von Einem zum Anderen, während mir noch immer ein Goldstern vom Finger baumelte.
Opticus, ich konnte sie also tatsächlich noch auseinanderhalten und dies nach all den Jahren, verzog sein Gesicht zu jenem Grinsen auf dem immerzu eine neue Quälerei gefolgt war, und trat von Rechts einen Schritt auf mich zu.
„Aber aber“, tadelte er mich gespielt, „Begrüßt man so etwas seine lieben Brüderchen die man Jahr und Tag nicht mehr gesehen hat?“, fragte er, lauernd wie eine Katze vor dem Sprung.
„Wir dachten wir manchen dir eine Bäumchenfestfreude und kommen dich besuchen. Ist das nicht nett von uns?“, ergriff jetzt Circulus das Wort und schlich wie auf der Pirsch, von Links näher an mich heran.
Noch einmal wich ich einen Schritt zurück, bis ich die Tannennadeln im Rücken spürte die mir wie mit zahllosen spitzen Fingern in die Haut stachen und mir den Fluchtweg versperrten. Dabei ließ ich meine Brüder keinen Moment aus den Augen.
Ich schnaubte verächtlich und verschränkte die Arme vor der Brust, eine protzige Geste mit der ich sie aber eigentlich nur am Zittern hindern wollte. Die alte Angst hatte sich schon wieder in meinen Gliedern breitgemacht und lähmte diese mit Eiseskälte. Wo blieb Quas nur? Das wäre der perfekte Zeitpunkt endlich hier aufzutauchen.
„Das glaubt ihr ja wohl selber nicht“, knurrte ich dennoch, wobei meine Stimme aber um einiges rauer klang als sonst „Das hier ist eine Schule und solch Eine habt ihr bisher doch niemals freiwillig betreten“, erinnerte ich sie an die gemeinsamen, zum Glück vergangen, Tage.
Grenzenloser Ärger husche kurz und synchron, so wie alles was sie taten, über die Gesichter der Zwillinge, doch sofort darauf hatten sie sich wieder im Griff.
Noch enger schlossen sie die Zange um mich herum und beugten sich bedrohlich zu mir herunter, da ich selbst für einen Hempel etwas kurz geraten war.
„Schade Bruder“, hauchte der Eine und klimperte mit übertrieben falschem Bedauern mit dem Auge, „sie hat uns durchschaut“.
„Sie waren eben schon immer eine ganz schlaue“, meckerte der Andere und eine Fratze überschwemmte seine Züge die Abscheu und, zu meinem Entsetzen sogar so etwas wie Hass, verriet.
Dann ging alles ganz schnell. Flink wie die Wolpertinger stürzten sie auf ein lautloses Zeichen auf mich los. Ihre Hände schlossen sich wie Schraubstöcke um meine Arme und zerrten mich aus dem Baum wieder heraus, zwischen dessen Zweigen ich verzweifelt Schutz gesucht hatte. Es gelang mir im letzten Moment, die dünne Plakette die uns Quas einmal als Detektivausweis aus einigen Ölsardinenbüchsen zurechtgeschnitten hatte, in die stacheligen Zweige zu werfen. Dann wurde ich von den Füßen gehoben.
Ich wehrte mich aus Leibeskräften, schlug um mich, warf mich herum und zappelte wie ein Fisch am Haken. Meine Brüder schnauften angestrengt, ließen in ihrem Griff aber nicht das geringste Bisschen locker.
Bald schon, erlahmten meine Kräfte und verließen mich schließlich ganz. Irgendwann baumelte ich hilflos in den Armen von Optikus und Circulus, denen es, im Gegensatz zum Grips, niemals an Körperkräften gefehlt hatte. Bebend vor Zorn und mit hochrotem Kopf sah ich zu den Beiden auf und schenkte ihnen einen, vor Verachtung, brennenden Blick.
Die Beiden Hempel wirkten irritiert, lachten dann aber meckernd auf und schüttelten fassungslos das Haupt.
„Warum denn so aufgeregt Schwesterchen? Wir sind doch nur hier um einer Tradition mit dir nachzukommen. Dem Bäumchenschmücken“, gurrte Circulus, der ein paar Minuten älter und deshalb auch schon immer der Rädelsführer der Beiden gewesen war, und tätschelte mir unsanft den Kopf.
Ich konnte vor Zorn nur ein wütendes Fauchen hervorbringen und mich überkam der heftige Wunsch meine Zähne in die verhöhnende Hand zu schlagen.
Da aber zog Opticus schon wieder meine Aufmerksamkeit auf sich, als er, ohne seinen Griff zu lockern, hinter mich trat und den Baum betrachtete.
„Aber da ihr hier schon so einen habt..“, meinte er kopfschüttelnd und schnalzte unter falschem Bedauern mit der Zunge, „müssen wir eben dich schmücken“, meckerte er auf, gemeiner als es jeder Stollentroll gekonnt hätte.
Gesagt, getan. Mit einer flinken Bewegung riss er das goldene Lamettaband, das aufzuhängen ich Ewig und die Hilfe einiger hoher Kisten gebraucht hatte, von dem Gewächs. Er warf mir eine Schlinge davon um den Kopf und zog daran so fest er konnte. Während unser Bruder mich noch immer fest umklammert hielt, wickelte er mich von Oben bis Unten darin ein und fesselte mich, mit diesem sonst so schönen Zierrat, nachhaltig. Ich konnte kein Glied mehr rühren.
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