Nightfall

GeschichteFamilie / P12
Kwai Chang Caine Peter Caine
04.05.2014
04.05.2014
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Titel: Nightfall
Autor: Lady Charena
Fandom: Kung Fu TLC
Charaktere: Caine, Peter, Liam Holmes
Thema: # 030. Tod
Word Count: 5359
Rating: PG12, AU, character dead
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Summe: Es scheint, die Neuigkeiten über den Tod von Liam Holmes waren verfrüht. Der Dim Mak-Meister kehrt zurück, um sich an Peter und Caine zu rächen. (Bezug auf die Folge: „A Chinatown Murder Mystery: The case of the poisenend hand“) * // * // * = markiert Erinnerungen


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



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I hope that since we're here anyway
We could end up saying
Things we've always needed to say
So we could end up staying
Now the story's played out like this
Just like a paperback novel
Let's rewrite an ending that fits
Instead of a Hollywood horror - Someday, Nickelback
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Den Blick von der monoton vorbeiziehenden Landschaft abwendend, richtete Caine seine Aufmerksamkeit auf seinen Sohn. Peter war in der letzten halben Stunde ungewöhnlich still gewesen und nun zeigte sich die Müdigkeit, die Caine in ihm spüren konnte, auch in seinen Zügen. Er griff hinüber und legte seine Hand auf Peters Arm.

Der junge Cop sah auf und lächelte, als er dem besorgten Blick seines Vaters begegnete. „Alles okay, Paps?“, fragte er.

Caines Hand glitt an seinem Arm hoch zur Schulter, seine Finger pressten probend in Peters verspannte Muskeln. Sein Sohn gab einen gedämpften Protestlaut von sich, als der prüfende Druck eine Welle von Schmerz durch seine Schultern und den Nacken sandte. Caine ließ seine Hand weiter in Peters Nacken gleiten und schob den Kragen der Lederjacke weg. Heilende Wärme strahlte von seiner Berührung ab, als er Peters bloße Haut berührte und der junge Cop entspannte sich unwillkürlich, der Schmerz in seinen Schultern und dem Nacken ebbte ab und verschwand schließlich.

Der Shaolin zog seine Hand zurück, ließ sie aber auf der Schulter seines Sohnes ruhen. „Du bist erschöpft“, sagte er leise. „Vielleicht sollten wir hier einen Ort suchen, an dem wir übernachten.“

Peter warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Es war erst halb neun. Zugegeben, er fühlte sich nicht mehr wirklich fit, da sie lange vor Tagesanbruch aufgebrochen waren und die Fahrt, die sie die letzten beiden Stunden durch endlose, monotone Getreideanbauflächen geführt hatte, war auch nicht besonders anregend. Aber jetzt von der Straße herunter zu fahren und ein Motel zu suchen, schien ihm Zeitverschwendung. „Es ist kaum Verkehr, das Wetter ist bestens, kein Eis mehr auf der Straße – wir werden noch vor Mitternacht Zuhause sein. In dieser verlassenen Gegend ein annehmbares Motel zu finden könnte fast genauso lange dauern.“ Doch kaum waren die Worte aus seinem Mund, wurde er unsicher. „Ich meine... also falls du müde bist, Paps – ich bin erst morgen Mittag mit Annie und Kelly zum Essen verabredet – wir können natürlich hier in der Gegend irgendwo übernachten.“

Verdammt, warum hatte er nicht daran gedacht? Sein Vater musste erschöpft sein...

* // * // *

Seit mehr als zwei Wochen grassierte die Grippe in Chinatown und obwohl Lo Si und Ting Yung nach Kräften Caine unterstützt hatten, waren doch die meisten Kranken zu dem Shaolinpriester gekommen. Peter und Skalaney hatten sich erboten, in ihrer Freizeit dabei zu helfen, die Medikamente zu verteilen. April tauchte von Zeit zu Zeit in Caines Loft auf, um Tees und heilende Mixturen für ihre obdachlosen Freunde zu besorgen. Mr. Zhao und viele Ladenbesitzer sorgten dafür, dass April und andere Helfer neben Caines Kräutern auch Lebensmittel für ihre Schützlinge erhielten. Der Winter zog sich in diesem Jahr ungewöhnlich lange hin und vor allem die Menschen, die auf der Straße lebten, fielen der Grippe leicht zum Opfer. Ting Yungs Sohn und Cheryl wurden von Lo Si mit langen Listen an Apotheken und chinesische Händler in die umliegenden Städte geschickt, als ihre Kräutervorräte zu Ende zu gehen drohten. Anders als bei der Seuche vor einem Jahr war es diesmal nicht möglich, die Wirkstoffformel synthetisch nachzubauen und in großen Mengen herzustellen. Die Kräuter wurden für jeden Patienten in einem speziellen Verhältnis gemischt. Dr. Sabourin kam vorbei und berichtete von der Situation im Krankenhaus. Auch das 101ste Revier blieb nicht verschont. Roger und Jody waren die ersten, die sich krank meldeten. Später erwischte es auch Mary Margaret und Strenlich, so dass Captain Simms nichts anderes übrig blieb, als Kermit von seinem geliebten Computer wegzuholen und zusammen mit Peter auf die Straße zu schicken. Selbst eine Grippewelle konnte das Verbrechen nicht stoppen. Die Presse ebenfalls nicht. Peter grinste, als er daran dachte, wie sein Vater Sandra Mason hatte abblitzen lassen, als sie unangemeldet auftauchte und ihn interviewen wollte. Es gab nicht viele Leute, die es fertig brachten, der berühmten Reporterin von Channel 3 zu entkommen – ohne sich mit einem ätzenden Kommentar in den Mittagsnachrichten wieder zu finden.

Die Unterbesetzung des Reviers führte dazu, dass Peter seinen Dad mehrere Tage nicht zu Gesicht bekam. Zu müde um selbst im Kreise seiner Kollegen im Delancys noch ein Bier zu trinken, fiel der junge Cop jeden Abend ins Bett. Als die Grippewelle im Abflauen schien und sowohl Jody als auch Roger wieder auf den Beinen waren, entspannte sich die Situation etwas. Und als Captain Simms mit dem Ansinnen an Peter herantrat, einen Mann zu identifizieren, der in einer Stadt - einige Stunden Autofahrt nördlich gelegen - tot aufgefunden worden war, übernahm Peter den Auftrag ohne den geringsten Anflug von Unmut. Sehr zum Erstaunen seines Captains. Karen Simms hatte sich bereits auf eine längere Diskussion mit ihrem besten Detective eingestellt. Aber sogar die Aussicht auf ein paar Stunden langweiliger Autofahrt, die nur dazu diente, einen Mann zu identifizieren, den er vor einigen Jahren verhaftet hatte, schien dem jungen Cop nach all dem Stress eine willkommene Abwechslung.

Als er in das Loft seines Vaters trat, fiel ihm überdeutlich auf, wie leer und still die Räume wirkten. „Paps?“, fragte er und seine Stimme hallte leise nach. Wie nicht anders zu erwarten, erhielt er keine Antwort. Und doch konnte er die Anwesenheit seines Vaters deutlich spüren. Er entdeckte Caine in einem der hinteren Räume, in denen er denjenigen Zuflucht gegeben hatte, die krank und heimatlos gewesen waren. Der Shaolinpriester war im matten Schein einiger Kerzen damit beschäftigt, Decken ordentlich zu falten und in einem großen Pappkarton zu verstauen, der den Werbeaufdruck von Mr. Lees Wäscherei trug. Er blickte auf und lächelte seinen Sohn an, als Peter sich wortlos zu ihm gesellte und ihm zur Hand ging. Zu zweit waren die Decken rasch verstaut. Peter befestigte den Deckel und stellte den Karton neben die Tür, wo bereits drei weitere standen. „Soll ich sie wegbringen? Wir können sie in mein Auto packen und alle auf einmal transportieren.“ Im Geiste verglich er die Größe des Kofferraums seines Stealth mit den vier Kartons und korrigierte sich selbst auf zwei Fahrten.

Caine legte den Arm um die Schultern seines Sohnes und drückte ihn kurz an sich. „Ich danke dir für dein Angebot, doch Mr. Lee wird sie morgen früh abholen. Die Bürgermeisterin hat das arrangiert.“

„Die Bürgermeisterin?“, fragte Peter erstaunt.

„Ja. Die Decken stammen aus dem Erdbebenvorrat der Stadt.“ Caine griff mit der freien Hand nach dem Kinn seines Sohnes und drehte Peters Gesicht zu sich. „Du bist nicht hier, weil du krank bist, mein Sohn.“

Peter schüttelte den Kopf und lächelte. „Ich glaube nicht, dass sich der Virus noch an mich herangewagt hat, nachdem du mir dieses abscheuliche Zeugs zu trinken gegeben hast.“

Caine erwiderte das Lächeln seines Sohnes und gab ihm einen liebevollen Stoß gegen das Kinn.

Peter versteckte seine Sorge über den müden Ausdruck im Gesicht seines Vaters hinter einem breiten Grinsen. Nur selten ließ sich der Shaolinpriester seine Erschöpfung so offen anmerken. Die Entscheidung war bereits getroffen, noch bevor er den Gedanken zu Ende gebracht hatte. „Du errätst nicht, warum ich hier bin“, sagte er und ein Schalk tanzte tief in seinen lachenden, braunen Augen.

„Du bist gekommen, um mich zu fragen, ob ich dich auf eine Reise begleiten möchte“, erwiderte Caine ruhig.

Peter öffnete den Mund – und schloss ihn wieder. Dann breitete er mit einem übertrieben leidenden Seufzen die Arme aus. „Ich gebe auf. Gegen dich kann ich einfach nicht gewinnen, was, Paps? Woher weißt du das? Ich habe mich gerade eben erst entschieden, dich zu fragen. Eigentlich bin ich nur hergekommen, um dir zu sagen, dass ich für einen Tag nicht in der Stadt sein werde.“ Er stopfte die Hände in die Taschen seiner Jacke. „Was frage ich überhaupt. Meine Gedanken müssen ein offenes Buch für dich sein.“

Der Priester berührte die Wange seines Sohnes. „Ich fühle mich geehrt. Es wäre mir eine Freude, dich zu begleiten, Peter. Doch ich kann die Stadt jetzt nicht verlassen, auch nicht für einen Tag. Es sind noch sehr viele Menschen krank.“

Mit einem Seufzen – halb resigniert, halb amüsiert – beugte sich Peter vor und küsste seinen Vater auf die Stirn. „Ich hätte daran denken sollen, bevor ich fragte. Sorry, Paps.“ Er richtete sich auf. “Kann ich dich wenigstens zum Abendessen einladen? Ich kenne dich doch, du hast heute bestimmt noch nichts gegessen.“

Caine nickte. „Begleitest du uns, Meister?“, fragte er, ohne sich umzudrehen.

Peter blickte über seine Schulter hinweg überrascht zur Tür, wo plötzlich Lo Si aufgetaucht war.

Der alte Mann, die Hände in die Ärmel geschoben, lächelte den jungen Polizisten an. „Danke für das Angebot, mein Freund, doch ich werde den Abend mit Xiaoli und den Kindern verbringen. Sie haben die Krankheit gut überstanden, dank deiner Hilfe, Kwai Chang Caine. “ Er verneigte sich leicht. Caine wandte sich ihm zu und verbeugte sich ebenfalls. Die Augen des alten Mannes suchten den Blick des Jüngeren. „Ich denke, du solltest deinen Sohn auf dieser Reise begleiten.“

Caine blickte ihn verwundert an, stellte jedoch keine Fragen. Peter war dagegen nicht so zurückhaltend – wie üblich. „Wieso? Ich meine, woher weißt du davon?“ Hatte Lo Si die Angewohnheit an Türen zu lauschen – bildlich gesprochen, denn der Raum, in dem sie sich aufhielten hatte keine Tür.

Der alte Mann hob die Schultern in einer Art und Weise, die Peter von seinem Vater kannte. Diese Geste konnte alles und nichts bedeuten und hieß für gewöhnlich, dass er keine Antwort erhalten würde. Er fing einen Blick auf, den Caine mit dem Ehrwürdigen wechselte und den er nicht deuten konnte. Er spürte nur, dass sein Vater unwillkürlich näher zu ihm trat und eine Hand auf seine Schulter legte, als ob das, was er im Blick des alten Mannes las oder etwas, das Lo Si gleich sagen würde, in irgendeiner Weise eine Bedrohung für Peter darstellen könnte. „Du kannst nicht alle Kranken alleine versorgen.“

Lo Si schüttelte den Kopf. „Ich werde nicht allein sein. Ting Yung wird helfen und Cheryl ist in ihren Studien inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie einfachere Mischungen selbst herstellen kann. Außerdem...“ Sein Grinsen vertiefte die unzähligen Runzeln in seinem Gesicht noch mehr.“...ist Meister Khan von seiner Reise zurückgekehrt und bietet seine Hilfe ebenfalls an.“

Peter blickte seinen Vater amüsiert an. „Sieht so aus, als wärst du überstimmt, Paps. Du hast keine andere Wahl, als mitzukommen.“ Er runzelte die Stirn, als er den ungewöhnlich ernsten Gesichtsausdruck des Priesters bemerkte. „Ich meine... also wenn du nicht willst, dann will ich nicht...“

Caine legte seinem Sohn einen Finger auf den Mund und stoppte ihn. „Ich möchte dich begleiten.“ Er ließ seine Hand in einer uncharakteristisch flüchtigen, fast geistesabwesenden Liebkosung über Peters Wange und Schläfe gleiten. „Warte unten auf mich, ich möchte noch kurz mit Lo Si sprechen.“

„Okay.“ Peter schob seine Verwirrung beiseite. Offensichtlich ging da noch irgendetwas zwischen dem Ehrwürdigen und seinem Vater vor, das ihn nichts anging. Doch als er zur Tür blickte, um sich von Lo Si zu verabschieden, war der bereits verschwunden. „Sieht so aus, als müsste euer Gespräch warten.“

Caine sah ebenfalls zur Tür und für einen Moment stand Zorn in seinen Augen, wie Peter verblüfft registrierte. Sein alter Herr schien tatsächlich auf den Ehrwürdigen wütend zu sein. Kaum zu glauben. Einen Lidschlag später war in Caines Blick nur noch die übliche Gelassenheit und Peter fragte sich, ob er sich den Zorn nicht nur eingebildet hatte. Vielleicht ein Trick des Lichts oder so. Er legte den Arm um die Schultern seines Vaters. „Komm’, gehen wir essen.“

* // * // *

„Ich bin nicht müde.“

Caines Stimme holte Peter aus seinen Grübeleien. Offenbar las sein Vater mal wieder seine Gedanken.

„Nein, das tue ich nicht. Es war nur eine logische Schlussfolgerung aus deinen Worten.“ Caines Gesicht war völlig ausdruckslos, doch in seinen Augen funkelte es amüsiert.

Peter stöhnte. „Paps, du treibst mich in den Wahnsinn, wenn du das tust.“

Übertrieben erstaut blickte Caine seinen Sohn an. „Wenn ich was tue?“, fragte er.

Sein Sohn grinste. „Das weißt du genau.“ Er warf einen kurzen Blick auf seinen Vater, der sich entspannt zurückgelehnt hatte und richtete dann seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße. „Paps... kann ich dich etwas fragen?“

„Offensichtlich bist du dazu in der Lage“, kam die trockene Erwiderung seines Vaters.

„Dad! Ich meine das ernst.“

Caine musterte seinen Sohn. „Du kannst mich alles fragen, Peter.“

„Okay.“ Peter strich sich mit einer Hand übers Haar. „Warum hast du... Du wolltest doch nicht mitkommen. Warum hast du deine Meinung nach Lo Sis Besuch geändert? Doch nicht allein wegen dem, was er gesagt hat. Ich kenne dich, du hättest die Stadt niemals verlassen, wenn es nicht wichtig gewesen wäre.“ Er wartete, doch es kam keine Antwort von seinem Vater. Unruhe machte sich in ihm breit. „Gibt es irgendetwas, das du mir verschweigst, Paps? Dachte der Ehrwürdige – oder dachtest du – mir könnte etwas auf der Fahrt passieren?“ In Gedanken überflog er rasch die Ereignisse des Tages.

Nichts ungewöhnliches war geschehen. Er hatte früh morgens seinen Vater abgeholt, die Fahrt war – von einem Zwischenstopp zum Frühstücken abgesehen – ereignislos und angenehm verlaufen. Nach anfänglichem Schweigen hatte sich sein Vater als gesprächsbereit gezeigt und die Zeit bis zu ihrer Ankunft war wie im Flug vergangen. Peter hatte Caine auf dessen Wunsch bei einem kleinen Park aussteigen lassen und war dann weiter zum Revier gefahren, um den ehemaligen Sträfling zu identifizieren. Es schien, dass der Mann keine Angehörigen und auch sonst niemand hatte, der ihn offiziell identifizieren hätte können. Die Leiche bot einen alles andere als angenehmen Anblick. Jemand hatte dem Mann in den Kopf geschossen und hinterher seine Fingerkuppen mit Säure verätzt, so dass es unmöglich war, seine Identität anhand der Fingerabdrücke nachzuweisen. Peter benötigte einige Zeit, um in dem halb zerstörten Gesicht die Züge des Drogendealers wieder zu erkennen. Schließlich unterzeichnete er die erforderlichen Dokumente, was fast noch länger dauerte und durfte letztlich gehen.

Peter beschloss seinen Wagen beim Revier geparkt zu lassen und zu Fuß zu dem nicht allzu weit entfernten Park zu gehen. Er wollte den Geruch der Leichenhalle loswerden, bevor er sich mit seinem Vater traf. Nicht ganz unerwartet fand er Caine in Gesellschaft vor. Bei einem überdimensionierten Schachspiel fand er seinen Vater in reger Unterhaltung mit zwei älteren Männern, die offenbar seine Meinung über einen Schachzug hören wollten. Amüsiert beobachtete Peter, wie sein Vater den Streit schlichtete und einer jungen Frau mit einem hustenden Kleinkind und einem weiteren Baby im Kinderwagen einen kleinen Beutel mit Kräutern gab. Er sah, wie Caine das Baby aus dem Wagen hob und im Arm hielt, während die Frau sich um das andere Kind kümmerte und plötzlich war ihm, als würde ein anderes Bild die Realität überlagern. Er sah einen wesentlich jüngeren Kwai Chang Caine mit einem Baby im Arm – seinem Sohn. Peter blinzelte und das Bild war weg. Er schüttelte den Kopf. Was war das gewesen? Hatte er sich das nur eingebildet oder hatte er... eine Erinnerung seines Vaters aufgefangen? Peter beschloss nicht weiter darüber nach zu grübeln, als sein Vater das Kind an dessen Mutter zurückgab, den beiden Schachspielern zunickte und auf Peter zukam.

„Du hast deinen Auftrag erledigt“, stellte Caine fest und rückte seinen Hut zurecht.

Peter nickte und stopfte die Hände in die Jackentaschen. „Was hältst du davon, wenn wir irgendwo essen gehen? Ich habe Hunger.“ Er bedauerte inzwischen, seine Lederjacke anstelle eines Mantels angezogen zu haben, hier draußen war es ziemlich kühl.

„Wie immer.“ Caine trat zu ihm und schlug seinen Kragen hoch, zog den Reißverschluss der Jacke ganz zu. Genauso, wie er es gemacht hatte, als Peter zwölf gewesen war. Dann zog er einen orangefarbenen Schal aus seiner Tasche und wickelte ihn um Peters Hals. „Am anderen Ende des Parks gibt es ein gutes Restaurant.“

Peter grinste. Typisch sein Vater, er fand sich immer und überall zurecht. Er hoffte immer noch, das dieser besondere Orientierungssinn auch Teil seines genetischen Make-ups war. Doch bisher war ihm noch kein allzu großer Erfolg beschieden gewesen. Vermutlich war er wie immer zu ungeduldig. „Hey, woher hast du den denn?“, fragte Peter neugierig. Er hatte den Schal noch nie zuvor bei seinem Vater gesehen.

„Ein Geschenk von Cheryl“, erklärte Caine, während er – offensichtlich zufrieden mit seinem Werk – einen Schritt zurücktrat, um ihn in Augenschein zu nehmen. „Sie hat ihn selbst gestrickt.“

Peter schnitt eine Grimasse. „Na hoffentlich kratzt er nicht. Ich erinnere mich an die Zeit, als Kel und Carolyn einen Handarbeitskurs besucht haben. Sie haben unglaublich hässliche Socken und Schals produziert und ich musste sie tragen...“ Während sie langsam durch den Park schlenderten, berichtete Peter ausführlich von seiner Leidenszeit als „Lieblingsopfer“ seiner beiden Pflegeschwestern. Stolz erhellte seine Züge, als er mit seiner Schilderung seinen Vater zum Lachen brachte...

* // * // *

Caine senkte den Blick auf seine ineinander verschränkten Hände. „Es ist das Recht jedes Mannes, seine Gedanken für sich zu behalten“, entgegnete er langsam. „Der Ehrwürdige schien sehr... besorgt... darum, dass ich dich begleite – ohne mir den Grund dafür zu erläutern.“

Enttäuschung machte sich in Peter breit. „Dann bist du also nur deshalb mitgekommen.“

„Peter.“ Wieder legte Caine eine Hand auf den Arm seines Sohnes und wartete darauf, dass der ihn ansah. „Nicht allein deshalb.“ Er streichelte Peters Wange. „Ich bin dankbar für jeden Augenblick, den wir gemeinsam verbringen“, fügte er leise hinzu.

„Paps, ich...“ Das Aufröhren eines Motors hinter dem Stealth unterbrach ihn. „Was zum... Welcher Idiot fährt denn mitten im Winter und nachts mit dieser Geschwindigkeit?“ Irritiert sah Peter die roten Rücklichter im Dunkel vor ihnen verschwinden. „Muss ein Selbstmörder sein. Nicht einmal Kermit würde hier so aufs Gas treten.“

„Oder du“, setzte sein Vater trocken hinzu.

„Oder ich“, bestätigte Peter mit einem Grinsen. „Habe ich dir schon erzählt, dass Kermit mir die erste Fahrstunde gegeben hat? In Pauls Wagen natürlich.“

„Ich dachte mir, dass ich diesen... einzigartigen Fahrstil... wiedererke...“ Caine unterbrach sich, als Peter plötzlich heftig auf die Bremse trat und der Wagen schlingernd und rutschend nach einigen Metern zum Stillstand kam.

„Ha-Hast du das auch gesehen?“, fragte Peter atemlos. „Da... da war ein Kind auf der Straße.“ Caine hatte bereits den Sicherheitsgurt gelöst und war aus dem Wagen, bevor Peter das letzte Wort gesprochen hatte. Er holte fluchend eine Taschenlampe aus dem Handschuhfach und folgte seinem Vater. Im Dunkeln zu sehen war auch eine der Lektionen, die er bisher ausgelassen hatte... „Paps?“ Er umrundete den Wagen und ließ seinen Lichtstrahl über die Fahrbahn wandern. Wo steckte sein Vater? Unbehagen stieg in ihm auf. Verdammt, das ganze roch nach einer Falle. Es kam ständig vor, dass jemand eine Panne oder einen Unfall vortäuschte, um dann denjenigen, der ihm zu Hilfe kommen wollte, auszurauben oder den Wagen zu stehlen. Und oft genug fielen dabei Schüsse oder ein Messer kam zum Einsatz. Er wechselte die Taschenlampe in die rechte Hand und zog mit der Linken seine Beretta aus dem Holster. „Paps? Wo zum Teufel steckst du?“

Dann sah er die beiden gleichzeitig – seinen Vater und ein kleines Kind, das mitten auf der Straße saß, nur unzulänglich bekleidet in einem Sommerkleidchen mit Rüschen und buntem Blumenaufdruck. Blondes Haar, das im Schein seiner Taschenlampe aufleuchtete, war zu zwei Zöpfen gebunden, die mit schwarzen Schleifen geschmückt links und rechts ihr Gesicht umrahmten. Ihre Haut war im Licht der Taschenlampe sehr bleich.

„Paps, warum machst du nichts? Sie erfriert ja.“ Peter schob seine Waffe zurück in den Gürtel und begann seine Jacke aufzuknöpfen, um sie um das still dasitzende Kind zu legen. „Was ist passiert? Gab es einen Unfall? Wo sind ihre Eltern?“

Caines Hand schnellte vor und packte Peter unsanft am Oberarm. „Fass’ sie nicht an, Peter!“, befahl er barsch.

Peter zuckte zusammen – zum einen wegen des ungewohnt harschen Tones, zum anderen weil sich die Finger seines Vaters wie eine Stahlklammer schmerzhaft in seinen Arm bohrten. „Aber...“

„Siehst du denn nicht, wer... oder was... sie ist?“

„Nein.“ Verwirrt starrte Peter seinen Vater an. „Was meinst du damit? Sie ist ein Kind.“

„Sie ist tot. Sie ist das Kind, dass der Dim Mak-Meister rächen wollte.“ Caine zog seinen Sohn hinter sich, so dass er zwischen Peter und dem Kind stand.

„Was redest du da? Das soll... wie hieß der Kerl noch... Holmes. Sie soll Holmes Enkelin sein?“ Peter richtete den Strahl seiner Taschenlampe wieder auf das reglose Kind. „Das ist doch... das ist unmöglich! Überhaupt... Holmes ist tot. Ich habe es selbst gesehen.“

Plötzlich umgab ein goldenes Schimmern das Kind. Caine schlug Peter die Taschenlampe aus der Hand – doch noch bevor sie einen Bogen durch die Nacht beschrieb und klappernd auf dem Asphalt aufschlug, bevor sie erlosch; sah er wie sich die Gestalt des Kindes auflöste und statt dem Mädchen sich ein Haufen sich übereinander und untereinander windender Schlangen vor ihnen befand. Das so abrupte Erlöschen des Lichtes machte Peter wie blind. „Paps?“ Eine Hand legte sich über seinen Mund.

Fast im gleichen Moment ging die Taschenlampe wieder an. Sie flackerte ein paar Mal und beleuchtete dann ein Stückchen der vor ihnen liegenden Straße. Zwischen den Schlangen stand eine hochgewachsene Gestalt, in einen dunklen, bodenlangen Umhang gehüllt. Eine Kapuze verhüllte das Gesicht.

Peter spürte, wie sich sein Vater versteifte. „Was willst du von uns?“, fragte er scharf. „Sind nicht bereits genug Menschen gestorben? Um ein Kind zu rächen, dessen Schicksal unabänderlich war!“

Liam Holmes streifte die Kapuze zurück. Seit ihrem letzten Zusammentreffen war er noch mehr gealtert, sein Gesicht glich einem Totenschädel, die blutlose Haut straff über die Knochen gespannt. Er schüttelte die weiten Ärmel seines Umhangs zurück und hob die Hände vor die Brust, Zeige- und Mittelfinger an den Kuppen zusammengepresst, die Haltung, die ein Dim Mak einnahm, kurz bevor er den tödlichen Griff, mit dem er sein Opfer vergiftete, anwendete. „Ja“, erwiderte Holmes. „Ich habe bei unserer letzten Begegnung gelernt, dass das Schicksal eines Menschen unabänderlich ist, Shaolin. Hast du wirklich geglaubt, du hättest mich ins Feuer geworfen? Die Kunst der Dim Mak ist älter als die Shaolin, wir kennen all eure Tricks und verwenden sie gegen euch.“ Er lachte – ein entsetzlich bitteres, hasserfülltes Lachen, das Peter eine Gänsehaut verursachte und Caines Griff um den Arm seines Sohnes verengte. „Meine Enkeltochter war das einzige, was für mich auf dieser Welt zählte, Priester. Ich hatte alles gegeben, was ich besitze, um sie zu retten. Aber die Ärzte ließen zu, dass sie starb. Und ich konnte noch nicht einmal bei ihr sein, um ihr die Angst zu nehmen, weil ich in diesem Land mein Gesicht nicht offen zeigen durfte.“ Er presste die Finger fester zusammen und aus dem Nichts kam das Zischen und Züngeln von Schlangen.

Caine hob beide Hände, die Handflächen nach außen gedreht. „Ich will nicht gegen dich kämpfen“, sagte er. „Deine Enkeltochter ist gestorben, weil ihre Zeit gekommen war. Deine Taten binden ihren Geist und ermöglichen es ihr nicht, sich weiter zu bewegen und ihre Reise fortzusetzen.“

Die sich träge zu Holmes Füßen windenden Schlangen glitten auseinander und machten den Weg frei. Er kam einen Schritt auf Caine zu. „Die Shaolin legen viel Wert auf Barmherzigkeit. Nun, ich werde dir zeigen, wie barmherzig ein Dim Mak-Meister sein kann. Dir wird erlaubt sein, bei deinem Sohn zu bleiben, während er stirbt.“

„Genug.“

Es war nur ein einziges Wort, gesprochen ohne besondere Betonung, doch Holmes Gesicht verzerrte sich vor Wut. Dann spielte ein kleines Lächeln um die schmalen, blassen Lippen, das die Leere in den tiefliegenden Augen darüber nur noch deutlicher hervortreten ließ. „Zu spät, Priester. Wir sehen uns eines Tages wieder. Und dann... wenn du genug gelitten hast... erst dann werde ich dich töten. Das Leben eines Kindes – für das Leben eines Kindes.“

Die Taschenlampe flackerte – und erlosch. Holmes verschwand in der Dunkelheit so urplötzlich, wie er erschienen war.

Caine tastete nach Peter und zog ihn an sich. Seine geschulten Sinne vernahmen ein merkwürdiges Flüstern und Wispern, das Gleiten von Schlangen auf dem rauen Asphalt. Schlangen. Die Begleiter eines Dim Mak-Meisters, von ihm gerufen. Er konnte sie nicht sehen, nicht einmal seine Fähigkeiten als Shambhalameister konnten die dunkle Macht der Dim Mak überkommen. Alles, was er tun konnte, war die Schlangen zu vernichten, bevor sie dicht genug an sie heran glitten, um zu beißen. Mit der reinen Energie seines ch’i brachte er den Asphalt um sie herum zum Glühen, feurig-rot zog sich ein handbreiter Kreis um ihn und seinen Sohn, in dessen Zentrum sie sich befanden.

„Vater?“ Es war die angstvolle Stimme seines Kindes. Peters Hände umklammerten seine Schultern. „Was ist los? Wo ist er hin?“

„Bewege dich nicht, Peter“, warnte ihn sein Vater. „Holmes hat Schlangen auf uns gehetzt. Kannst du sie nicht hören?“

„Schlangen?“ Ein Schauer des Abscheus rann durch Peter. „Aber ich höre nichts.“ Er schluckte hart und sein Herz begann zu rasen. Im Dunkel konnte er seinen Vater nicht sehen, doch die Hände, die sich um sein Gesicht legten, beruhigten ihn sofort.

„Zeige keine Angst, Peter.“

„Okay“, flüsterte Peter. „Ich versuch’s, Paps.“ Er spürte, wie sich sein Vater von ihm abwandte.

Caine hob beide Hände, Handflächen nach außen und bündelte sein ch’i. Asphalt zum Brennen zu bringen war weitaus schwieriger, als Kerzen zu entzünden, auch wenn Peter bereits das wie ein Wunder vorkommen mochte. Er konzentrierte sich, schöpfte Kraft tief aus der Quelle in seinem Inneren. Er spürte Peter zusammenzucken und der wild rasende Herzschlag seines Kindes erfüllte seine Ohren, als Flammen aus dem Asphalt um sie herum schossen. Die Schlangen wurden für einen Augenblick sichtbar, bevor sie in einem Funkenregen zerbarsten.

Doch auch ein Shambhalameister war ein menschliches Geschöpf. Und Caine hatte seine Kräfte in den letzten Wochen über Gebühr in Anspruch genommen. Die Flammen erloschen zitternd und auch der glühende Ring um sie wurde matter – und verschwand schließlich ganz. Caine sackte halb besinnungslos gegen Peter, der ihn auffing und an sich drückte.

„Bist du in Ordnung?“, flüsterte Peter angsterfüllt, den Mund dicht am Ohr seines Vaters.

Caine brachte ein müdes Nicken zustande. „Wir müssen gehen, bevor sie einen neuen Versuch starten.“ Er konnte sie hören, das Wispern und Gleiten der Körper auf dem bereits auskühlenden Asphalt, sie kamen näher. Das Knirschen, mit dem sich die Schlangen über die Asche ihrer verbrannten Artgenossen schoben. Er richtete sich auf und löste sich aus Peters Griff. Seine Hände auf den Schultern seines Sohnes drängte er ihn vorwärts, in Richtung des Stealth.

Sie hatten den Wagen erreicht und Peter riss die Fahrertür auf, als Caine das warnende Gleiten eines Körpers auf Metall wahrnahm – einen Augenblick später schnellte sich die erste Schlange vom Dach des Stealth. Caines Hand war nur Bruchteile von Sekunden schneller und schleuderte das Tier weg. Sie schlug einige Meter von ihm entfernt auf und zersprühte in einem Funkeregen. „Peter! Schnell, in das Auto.“ Eine Schlange wand sich um Caines Knöchel. Er bückte sich und riss sie weg. In diesem Augenblick stürzten mehrere vom Dach des Wagens auf den Shaolinpriester. Eine der Schlangen, lang und dünn wie ein Seil, wand sich sofort um seinen Hals, um ihm den Atem abzuschnüren. Auch diese riss Caine von sich weg.

„Paps!“

Die Angst in Peters Stimme ließ Caine erstarren. Er blickte über das Dach des Sportwagens und sah Ian Holmes, die Innenbeleuchtung des Wagens umhüllte ihm mit einem matten Schimmern aus Licht. Der Dim Mak-Meister hatte die Hand erhoben, Zeige- und Mittelfinger abgespreizt und dicht aneinander gepresst. Sein erhobener Arm glich der Haltung einer Schlange, die gleich zubeißen würde.

„Nein!“

Holmes Arm schnellte vor und berührte Peter am Halsansatz. Der junge Polizist stieß einen leisen Schrei aus und begann, an den Wagen gelehnt, langsam zu Boden zu sinken. Noch bevor er dort ankam, war Caine bei ihm und fing ihn auf. Peter an sich drückend, glitt er mit ihm zu Boden.

Holmes trat einen Schritt zurück in die Dunkelheit. „Dieses Mal kannst du nicht helfen. Es gibt kein Gegenmittel gegen das Schlangengift der Dim Mak. Wir sehen uns wieder, Shaolin“, sagte er leise. „Das Leben eines Kindes - für das Leben eines Kindes.“ Dann war er verschwunden. Das Rascheln und Flüstern um sie herum verstummte.

Peter stöhnte leise und bewegte sich unruhig in den Armen seines Vaters. „Was... was... hat er mit mir... gemacht?“

„Du musst ganz still liegen bleiben, Peter.“ Caine durchsuchte mit einer Hand seine Tasche, während er mit der anderen Peters Gesicht streichelte, um ihn zu beruhigen. „Er hat dich vergiftet.“

„G-Gift?“

Caines Finger schlossen sich um das kleine Fläschchen mit dem Mittel, das Peters ch’i stabilisieren würde, hoffentlich so lange, bis er ihn in ein Krankenhaus bringen konnte. Er spürte, wie das Gift in Peters Körper wütete, ein heißroter Strom aus Dunkelheit, der tief in gesundes, lebendes Gewebe vordrang und es zerstörte. Er zog das Keramikfläschchen hervor und zog den Korken heraus. Mit sanfter Gewalt öffnete er Peters Mund und zwang ihn, das Elixier zu trinken. Peter schrie auf und schlug um sich, nicht mehr erkennend, wer ihn festhielt - doch er schluckte. Eiskalte Verzweiflung umklammerte das Herz des Shaolin, als er erkannte, dass es kaum Wirkung zeigte. Er wusste, dass nichts, was er in seiner Tasche bei sich trug, die Vergiftung stoppen konnte. Er zog Peter enger an sich, atmete tief ein und öffnete seinen Geist, um sein ch’i mit dem seines Sohnes zu verbinden. Er visualisierte die Verbindung zwischen ihm und Peter als ein silbernes Band, das ihre Seelen aneinander fesselte. Nachdem Peter sein Shaolintraining beendet hatte, war es für sie beide einfacher gewesen, auf diese Weise eins zu werden. Doch etwas drängte sich zwischen sie und zu seinem Entsetzen wurde Caine zurückgeschleudert.

Er schlug die Augen auf und fand sich neben Peter auf dem Asphalt liegen. Sein Sohn wand sich, sein schweißbedecktes Gesicht war vor Schmerzen verzerrt. Sein verkrampfter Körper strahlte eine Hitze ab, die den Flammen, die Caine gegen die Schlangen gerichtet hatte, gleichkam. „Nein, Peter.“

Peters Lider öffneten sich. Sein Blick war glasig. „Paps?“, flüsterte er. „Mein.... mein Handy. In meiner... Ta-Tasche. Kermit.... du musst... Kermit anrufen. Drück’ einfach... einfach die „1“. Das ist unser... unser... Signal...“ Er brach ab und begann um Atem zu ringen. Seine Lippen nahmen rasch den Blauton eines Erstickenden an.

Caines Hand zitterte, als er Peters Jacke zurückschlug und das kleine Telefon aus Peters Brusttasche holte. Er starrte einen Moment unsicher auf die Tasten mit den winzigen Ziffern und presste dann auf die „1“. Ein langezogener Piepton durchbrach die Stille und die Anzeige leuchtete auf. Dann wurde das Gerät wieder stumm. Es glitt aus Caines Hand auf den Boden und blieb dort unbeachtet liegen.

Er zog Peter wieder in seine Arme und drückte ihn fest an sich. Sein Herz weigerte sich zu glauben, was er spürte – die grauen Schatten des Todes, die seinen Sohn zu umhüllen begannen. „Nein!“ Er wusste nicht, dass es das gleiche, verzweifelte Flüstern war, das er mehr als zwanzig Jahre zuvor ausgestoßen hatte, als er den brennenden Tempel einstürzen sah und Peter darin gefangen glaubte. Nur war sein Sohn dieses Mal bei ihm, in seinen Armen. Peters ch’i zerrann zwischen seinen Fingern wie Sand. „Peter.“ Sanft drückte er ihn gegen sich. Sein Mund glitt über die glühende Wange seines Kindes, streifte ein Ohr. „Peter. Nein. Du darfst mich nicht noch einmal verlassen.“

Caine wusste nichts von den Tränen, die über seine Wangen glitten und sich mit der Feuchtigkeit auf Peters Gesicht mischten. Er versuchte erneut, mit seinem ch’i nach der schwindenden Lebensenergie seines Sohnes zu greifen, doch er hatte nicht die Kraft, die Schatten zwischen ihnen zu durchdringen.

Plötzlich wurde Peter in seinen Armen sehr still. Er öffnete die Augen und starrte in den sternenübersäten Himmel. „Vater?“, flüsterte er stockend, seine Stimme die des Zwölfjährigen, der er vor so langer Zeit gewesen war.

Caines Hand zitterte, als er über Peters Gesicht strich. „Ich bin hier, Peter. Ich bin bei dir.“ Die Worte kamen kaum über seine Lippen. „Du bist nicht allein.“

„...es... tut mir so... leid.“ Peter drehte sein Gesicht in die Hand seines Vaters. Seine Augen schlossen sich. „...ich... ich....“

„Ich liebe dich auch“, flüsterte Caine erstickt. „Peter... Peter... mein Sohn... für immer.“

Wie ein Sonnenstrahl, der auf die Oberfläche eines Sees trifft, erhellte ein Lächeln Peters Gesicht. Dann wurde es leer und sein Körper entspannte sich mit dem letzten Schlagen seines Herzens.

„Nein...“ Ein fast unhörbares Flüstern. Ein wortloser Schrei stieg in den schweigenden Himmel auf.

Als Kermit sie mit dem Morgengrauen fand, wiegte Caine noch immer seinen toten Sohn in den Armen, glitten seine Finger noch immer über ein erstarrtes Gesicht, das nie wieder auf seine Berührung reagieren würde.

Kermits entsetzter Ausruf konnte ihn ebenso wenig erreichen, wie Augenblicke später Lo Sis sanfte Berührung seiner tränenbedeckten Wangen oder Jody, die sich in Captain Simms Griff wand und ihren Kummer herausschrie.



-ende –



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Giving me wings for flying away
As I feel my body, it dies
Let my soul join the pale sky's grey

I'll soon be back
As the legends used to say
A night, blazed, right into dark
Or a day with its sky full of grey
(Nightfall – Poetry of death)
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