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Für die Familie

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12
Jesse Pinkman Walter White
04.05.2014
26.05.2014
3
5.625
 
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04.05.2014 1.876
 
„… oh mein Gott, Charlie das ist ja furchtbar! Warum hast du das nicht schon früher erzählt?! Soll ich vorbeikommen?“ hörte ich Anastasia auf der anderen Seite des Hörers sagen.
Eigentlich wollte ich es ihr nicht erzählen, aber als sie fragte was denn in letzter Zeit mit mir los war, spürte ich das dringende Bedürfnis mich irgendjemandem mitzuteilen. Nein, das war nicht ganz richtig. Ich wollte mich ihr mitteilen. Ana war meine beste Freundin, schon seit der ersten Klasse und ich verbrachte so gut wie jede freie Minute mit ihr.
„Musst du nicht heute zum Tennis?“
„Dir geht es mies, was interessiert mich da Tennis! Ich bin schneller da als du ‚Ginger‘ sagen kannst!“
„Ginger“
„Du blöde Kuh, das zählt nicht!“ antwortete sie mir kindisch, woraufhin ich lachen musste.
Ich wollte grade noch etwas erwidern, aber da hörte ich schon das Aufgelegt-Piepen, oder wie auch immer dieses Geräusch hieß. Nach dem, was letzte Woche passiert war, freute ich mich richtig sie zu sehen, denn ich hoffte sie würde mich ablenken können. Ana war diese Woche krank gewesen und deshalb war ich nun umso glücklicher mit ihr reden zu können.

Meine Ma kam grade von Tante Marie zurück und auch Dad und W. Junior waren kurz Zuhause gewesen, aber Junior ist zu irgendeiner Freundin und wo mein Dad hin war, wusste ich nicht. Ich beschloss meiner Mutter ein wenig Gesellschaft zu leisten, während ich auf meine Freundin wartete.
Ihr ging es zurzeit genauso scheiße, nur glaubte sie es nicht zeigen zu dürfen.
„Ma, Anastasia kommt vorbei!“ rief ich, als ich die Küche betrat.
Doch sie war nicht da.
Ich ging in ihr Schlafzimmer und da stand sie, in ihrem Kleiderschrank wühlend. Auf dem Bett lag der große rote Koffer, den ein Freund ihr zum Geburtstag geschenkt hatte. Er war offen und Kleidungsstücke waren darin, ordentlich zusammengefaltet.
„Ma?“ fragte ich nun etwas perplex.
Was hatte ich denn jetzt schon wieder verpasst? Ich schaute sie sichtlich verwirrt an und bekam nur einen Das-Weißt-Du-Doch-Blick von ihr. Ich schüttelte nur leicht den Kopf, um ihr zu deuten, dass ich keine Ahnung von gar nichts hatte!
„Mensch, Charlotte, das hatte ich dir doch erzählt. Dein Bruder und ich wollten doch zu dieser Mutter-Kind-Kur fahren“ sagte sie und gestikulierte wild mit den Händen.
„Jetzt? Ich meine, bist du dir sicher, dass das eine gute Idee ist?“ fragte ich und bemühte mich ruhig zu bleiben. Sie konnte Dad doch nicht allein lassen!
„Ja bin ich. Es ist doch nur für zwei Tage und ich denke es ist besser für Walter jr., es wird ihn ein wenig ablenken“, ihre Stimme klang ungewohnt unsicher.
Und was ist mit Dad? MIT MIR? Wollte ich schreien, doch ich tat es nicht. Es versetze mir einen Stich, wie wenig ich ihr doch zu bedeuten schien.
„Außerdem hoffe ich, dass du mal mit deinem Vater redest. Vielleicht hört er ja auf dich“ fuhr sie fort, als ich nicht antwortete.
Jetzt wurde ich allerdings neugierig.
„Was meinst du?“ fragte ich.
Irgendwie kam ich mir mit meinen vielen Fragen dumm vor, aber ich verstand heute überhaupt nichts. Meine Kopfschmerzen, machten es auch nicht wirklich leichter.
„Du hast es doch bestimmt bemerkt, dein Vater benimmt sich in letzter Zeit sehr komisch. Ich weiß, er ist krank und es ist nicht leicht, aber er kommt immer erst mitten in der Nacht nachhause und dann ist er wie verändert, so … aufgewühlt“ sagte sie und schien wirklich besorgt.
Ich wusste nicht recht was ich darauf sagen sollte, glücklicherweise klingelte es in diesem Moment. Ich nickte nur mit dem Kopf und flitzte dann zur Haustür. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus und die schlechte Stimmung war wie weggeblasen, als ich in das hübsche Gesicht meiner rothaarigen Freundin schaute. Ana.

„Dein Onkel arbeitet bei der DEA!“
„Deshalb muss ich noch lange nicht den Namen jedes x-beliebigen Verbrechers in Albuquerque kennen, Ana.“
„Naja, jedenfalls …“
Hier saßen wir nun auf dem Sofa, tranken heiße Schokolade und stopften Marshmallows in uns rein. Zunächst hatten wir über meinen Dad und seine Krankheit geredet. Ich hatte ihr mein Herz ausgeschüttet, auch was das Verhalten meiner Mutter anging.
Glücklicherweise hatten wir nach einer Weile dann einen Themenwechsel. Anastasia fing an mir alles über die Albuquerque Verbrechenswelt darzulegen und ich hörte gespannt zu. Naja ich versuchte es jedenfalls.
Sie war, seit ich sie kannte, besessen von diesem Polizeikram. Letztes Jahr hatte ich ihr zu Weihnachten ein altes Polizeifunkgerät geschenkt, dass ich meinen Onkel abschwatzen konnte und nun wusste sie über alles bestens Bescheid. Sie liebte es auch mich in ein Gespräch darüber zu verwickeln, wobei dieses meistens in einem Monolog ihrerseits endete. Doch ich würde lügen, würde ich sagen ich wäre davon genervt.
„… hat man Tuco schon so gut wie überführt. Alles spricht dafür, dass er es war der die beiden Männer umgelegt hat. Seine eigenen Männer! Und man konnte es sogar beweisen, man muss ihn nur finden. Die DEA hat eine Fahndung nach ihm rausgegeben. Das ist so krass, noch nie stand man so kurz davor dieses Arschloch endlich zu verhaften!“ fuhr sie aufgeregt fort.
Ich hatte nie verstanden, was genau sie an diesem Zeug so spannend fand. Irgendein Drogendealer hat irgendwen getötet und jetzt wird ihn irgendwer verhaften. Am Ende ist es doch egal, für uns macht es keinen Unterschied ob dieser Typ nun im Gefängnis sitzt oder nicht.
„Ja du hast recht, das ist der Wahnsinn“ sagte ich mit einem leichten Hauch Ironie in
der Stimme. „Aber weißt du was noch der Wahnsinn ist? In einem Monat findet der Schulball statt.“
Ana verdrehte daraufhin nur die Augen. Ich konnte sie schon sagen hören …
„Wie kannst du so etwas vergleichen?“
Sie klang ein vorwurfsvoll, aber ich wusste, dass sie mir nicht wirklich böse war und deshalb ignorierte ich ihren Einwand. Außerdem war sie genauso aufgeregt wegen des Balls wie ich.
„Wirst du mit Jake hingehen? Ihr seid so süß zusammen und ich glaube er mag dich richtig gerne.“
„Glaubst du? Ich weiß nicht Charlie, er ist der geilste Typ in unserem Jahrgang, warum sollte er grade mit mir zum Ball gehen wollen?“
„Ähm Hallo?! Vielleicht, weil du das geilste Mädchen in unserem Jahrgang bist? Merkst du nicht wie er dich ansieht!“ sagte ich.
Es stimmte! Anastasia war wunderschön und bei so ziemlich jedem beliebt. Vielleicht merkte sie es nicht, aber es war offensichtlich, dass unsere Kerle sie anhimmelten. Ich hatte da weniger Glück.
„Wie auch immer“ sagte sie und wurde knallrot, „was ist mit dir, Schätzchen?“
„Chris hat-„ doch ich kam nicht dazu meinen Satz zu beenden
„Nicht dein Ernst!“ warf Ana ein. „Chris Howell ist ein Freak!“
Nun war ich diejenige, die ihre Augen verdrehte.
„Na dann passt er doch perfekt zu mir“ sagte ich und musste leicht lachen, als ich Anas Gesicht sah. Sie schien das gar nicht lustig zu finden, aber irgendwie konnte ich es ihr nicht verübeln.
Chris Howell war ein großer dünner Kerl mit schwarzem Haar und in unserer Schule nannten ihn alle nur den Freak. Er hatte eine merkwürdige Art sich auszudrücken. Egal was er sagte, es klang irgendwie immer wie eine Morddrohung. Als er mich gefragt hatte, hatte ich auch nur zugesagt, weil ich fürchtete er würde mich sonst im Schlaf erwürgen. Naja und irgendwie fand ich ihn auch ganz niedlich.
„Ich bitte dich, frag jemand andern und sag ihm ab, er macht mir Angst! Frag doch Dean, Thomas oder geh alleine, alles ist besser als Chris Howell“ sie sprach seinen Namen, als würde er ihr Pickel bereiten.
Langsam wurde mir die Sache allerdings zu dumm. Chris war natürlich nicht meine erste Wahl gewesen, aber was sollte ich denn tun, ich wollte auch nicht alleine gehen. Im Gegensatz zu Ana schauten mich die Kerle nicht einmal mit dem Arsch an. Ich war mir sicher, kaum einer kannte überhaupt meinen Namen, ich war für alle nur der Schatten von Anastasia Hartmen. Es nervte mich schrecklich, ich konnte machen was ich wollte, man würde mich nie als eigenständige Person wahrnehmen. Nicht einmal meine Erdkunde-Lehrerin, mit der ich nun schon drei Jahre Unterricht hatte, konnte sich meinen Namen merken.
„Sag mal, musst du nicht längst wieder zuhause sein?“ fragte ich, versuchte dabei allerdings nett zu klingen. Es wäre nicht richtig sie für diesen miesen Zustand verantwortlich zu machen, sie konnte ja nichts dafür. Wenn ich sie nicht hätte, dann wäre ich nicht ‚Der Schatten von Anastasia Hartmen‘, ohne sie wäre ich einfach ein Niemand.
Alarmiert schaute Ana auf ihre Uhr und fing dann laut an zu fluchen. Also hatte ich recht, ihre Eltern warteten sicher schon. Kaum war sie von dem Sofa aufgesprungen, hatte sie auch schon Schuhe und Jacke angezogen und war bereit zu gehen. Ich stand ebenfalls auf um sie zum Abschied zu umarmen.
„Wir reden wann anders nochmal darüber. Grüße deinen Dad von mir und wünsch ihm gute Besserung, wir sehen uns“ sagte sie und verließ dann schnell das Haus.
Ich schaute auf die Uhr und tatsächlich war es schon halb 10. Meine Ma und Junior waren schon auf ihrem kleinen Ausflug und mein Vater war noch immer nicht zurück. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, denn ich hatte das ganze Haus für mich alleine.


Started staring at the passengers and waving goodbye, can you tell me what was ever really special about me all this time? And I believe the world is burning to the ground, oh well I guess we’re gonna find out, let’s see how far we’ve come
Nachdem ich geduscht hatte und in Klamotten war, machte ich das Radio an und drehte ganz laut auf. Es lief How far we‘ve come, einer meiner Lieblingslieder von Matchbox 20.
Sofort fing ich an wie eine bekloppte durch das ganze Haus zu tanzen. Das war einer meiner kleinen Macken, wenn Musik lief und ich nicht grade von hunderten von Leuten umgeben war, dann tanzte ich. Ok, eigentlich konnte ich nicht tanzen, es war mehr ein wildes Rumhüpfen und Arschgewackel.
Ich war schon fast außer Puste, als ich etwas zu hören glaubte. Ich drehte das Volumen runter und hörte nun deutlich Autotüren knallen, direkt vor unserem Haus. Dad. Sofort rannte ich zur Tür, bereit meinen Dad zu empfangen, doch als ich sie öffnete schreckte ich leicht zusammen.
Vor mir stand ein Mann, mexikanischer Herkunft mit kurzen dunkeln Haaren. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Ich hatte so mit meinem Vater gerechnet, dass ich nun überhaupt nicht wusste was ich sagen sollte und als mir klar wurde, dass ich nur in kurzen Shorts und T-Shirt vor Mr. Unbekannt stand, wurde ich knallrot.
Ich betrachtete ihn und sofort breitete sich ein unangenehmes Gefühl in mir aus. Er hatte eine grade aufrechte Haltung eingenommen und ein gezwungen nettes Lächeln auf dem Gesicht, was allerdings einen starken Kontrast zu seinem ruppigen Äußeren bildete und es mir schwermachte etwas über sein Wesen zu erfahren. Ich war eigentlich immer sehr gut darin gewesen Menschen einzuschätzen, aber dieses Mal fiel es mir furchtbar schwer und das machte mir Angst.
Ich starrte ihn einen Augenblick lang nur an und sah wie das gezwungene Lächeln nach einem kurzen Moment zu einem fiesen Grinsen wurde, dass mir eine unangenehme Gänsehaut bereitete.
„Hallo Liebes, mein Name ist Tuco. Ist dein Vater zuhause?“

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R & R
Peace out, bitchachos
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