Drei Jungs - Teil 1 (Leseprobe)

LeseprobeRomanze, Freundschaft / P18 Slash
04.05.2014
14.06.2014
5
10134
 
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
HINWEIS:
"Drei Jungs" ist die deutschsprachige Neubearbeitung meines englischen Romans "Triangle - The Complete Series". Eigentlich hatte ich vor, das ganze Buch hier zu posten, doch dann trat ein Verlag an mich heran. :) Das Buch erscheint nun im Herbst/Winter 2014 bei Forever by Ullstein.
-------------------------------


1.  Azurblau

JAMES: Azurblau leuchtet der ferne, wolkenlose Himmel über mir. Endlos weit, und doch - wenn man lange genug hinaufstarrt, bekommt man das Gefühl, dass die ganze Atmosphäre auf einen niederdrückt. Aber das liegt sicher an mir. Ich bin nicht wirklich der Typ für Sonne und Strand. Eine der abartig laut kreischenden Möwen, die über uns ihre Kreise ziehen, wird mich sicher gleich vollkacken. Wenn ich in einer Sache richtig gut bin, dann darin, immer Pech zu haben.
Vielleicht sollte ich mich entspannen, oder es zumindest versuchen. Was nicht leicht ist bei der Affenhitze. Ich hasse Sommer. Und entspannen. Ganz ehrlich, schon beim Gedanken an Meditation und solches Zeug verkrampfe ich mich total. Ich werde es wohl nie ins Nirvana schaffen, sorry, Buddha.
Also schön, ich bin hier. Ich sollte versuchen, es zu genießen. Und nicht mehr daran denken, dass ich bis Montag noch eine Hausarbeit fertigkriegen muss. Am Strand liegen und atmen. Ein und aus. Das kann nicht so schwer sein. Einfach mal abschalten. Ich kriege das hin. Angestrengt lausche ich dem rhythmischen Meeresrauschen und versuche, das Möwengeschrei auszublenden. Als ich merke, dass ich auf meiner Unterlippe herumkaue, muss ich über mich selber lächeln. Ganz ehrlich, James Foley, wie konntest du dich zu diesem Ausflug überreden lassen?
Natürlich ist es Caseys Schuld. Weil ich bei über sieben Milliarden menschlichen Wesen auf diesem Planeten allein zu ihm nie nein sagen kann. Casey Mills ist mein bester Freund, und auch mein einziger. Ich bin nicht gut im Umgang mit Menschen, hab zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Es fällt mir schwer, jemanden an mich heranzulassen, zu vertrauen. Nur Casey hat es irgendwie geschafft, meine turmhohen Mauern zu unterwandern. Er ist was Besonderes, gleichzeitig tiefgründig und naiv. So was ist selten, erfrischend. Er glaubt an das Gute im Menschen. An Nächstenliebe und den Weltfrieden. Vielleicht sogar an den Weihnachtsmann. Aber das ist irgendwie süß. Ein kleiner Teil von mir, der sich noch daran erinnert, wie es ist, heil zu sein, ist davon fasziniert.
Doch natürlich kann unsere Freundschaft nicht einfach locker und entspannt sein, weil mein Leben so nun mal nicht funktioniert. Wenn man befreundet ist, ist man nur das und nicht mehr, genau das ist der Punkt. Deshalb war es absolut klar, dass ich mich früher oder später in Casey verknallen würde. Und verdammt, hat es mich erwischt. Noch ahnt er nichts davon, und das soll um Gotteswillen auch so bleiben. Wenn er das je mitbekäme, würde das alles zerstören. Wie gesagt, er ist mein einziger Freund. So etwas Kostbares würde ich nie aufs Spiel setzen. Er ist mir näher, als je jemand zuvor. Irgendwie hat er sich unter meine Haut gestohlen.
Casey steht nach eigner Aussage nicht auf Jungs. Ich habe keinen Grund, ihm das nicht zu glauben. Wenn ich objektiv wäre, würde ich ihn als durchschnittlich hübsch beschreiben. Seine Gesichtszüge sind weich, fast noch ein wenig kindlich. Eigentlich ist er gar nicht mein Typ, weder sportlich, noch groß. Er ist sogar ein bisschen kleiner als ich. Und doch - ich würde ihn am liebsten die ganze Zeit anstarren. Seine traumhaft blauen Augen sind irre schön, und das verwuschelte blonde Haar steht ihm gut. Er hat etwas an sich, das mich berührt. Vielleicht ist es sein offenes, liebenswürdiges Lächeln oder die Art, wie er unwillkürlich die Augenbrauen zusammenzieht, wenn er nachdenkt. Vielleicht werde ich es nie einkreisen können. Vielleicht ist das ohnehin egal.

Der Nachmittag ist dösig und faul. Ich kann förmlich spüren, wie mein Hirn in der Hitze wie ein Spiegelei gebraten wird. Die Sonne ist gnadenlos hell, und Rizzo hat meine Sonnenbrille geklaut, als ich nicht aufgepasst habe. Wichser. Ich verabscheue diesen Kerl. Casey hat ihn eingeladen, mitzukommen, und ich war von Anfang an dagegen. Das einzig Gute daran ist, dass wir mit Rizzos chromblitzendem Porsche herfahren konnten. Natürlich ein Cabrio. Ich saß zuvor noch nie in so einem Traumwagen. Ich würd’s nie zugeben, aber die Fahrt war ziemlich geil, wenn auch hart an der Grenze zum Lebensgefährlichen. Klar, dass Rizzo so eine Karre hat, seine Alten haben richtig Kohle. Der Porsche passt zu ihm, schnell, wendig, rücksichtlos. Rizzo kommt mit jedem Mist durch, behandelt Menschen wie Kaugummi. Er kaut eine Weile darauf herum, und wenn’s den Geschmack verloren hat, spuckt er’s aus. Ich mag ein kaltherziger Bastard sein, aber selbst ich habe Skrupel. Er nicht mal im Ansatz. Und jetzt kommt der Brüller: Alle lieben ihn - trotzdem oder gerade deswegen. Und das nur aus einem einfachen Grund. Genau wie sein Porsche ist Danny Rizzo ein richtiger Hingucker. Verdammt auch, ja, ich gebe es zu. Er sieht unglaublich gut aus, wie ein Hollywood-Filmstar, A-Promi-Liga. Fast surreal. Normalerweise sieht man solche Leute nicht live. Wahnsinnskörper, höllisch sexy. Braunes, kurzes Haar, das lockig wäre, wenn er es wachsen ließe. Dunkle Samtaugen, die einem durch und durch gehen. Makellose Haut, keinerlei Clerasil-Bedarf. Wie kann man so perfekt sein? Am Schlimmmsten ist, dass er auch noch Ausstrahlung hat. Und er weiß um seine Wirkung. Oh ja. Er ist wie eine Waffe, die jederzeit losgehen kann. Unberechenbar, gefährlich, rücksichtslos. Wenn der etwas will, kriegt er’s auch, da könnt ihr euch sicher sein. Ich dagegen hab noch nie etwas bekommen, das ich wirklich wollte. Noch nicht ein einziges Mal. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb ich Rizzo so verachte. Er hat einfach alles, und das lässt er ganz schön raushängen.

»Habt ihr Lust auf ein Eis?« Caseys schlanker Körper wirft einen Schatten auf mich, als er sich neben mir aufsetzt und seine Beine ranzieht.

»Ist das ´ne Einladung?« Rizzo hebt faul seinen Kopf. Er liegt ausgestreckt auf dem Bauch vor uns wie ein plattgetretenes Insekt. Verdammt, er fängt schon an, knackig braun zu werden. Ich versuche, mit meinem Blick nicht an seinem Adoniskörper hängen zu bleiben. Was nicht leicht ist. Kein Gramm Fett, nur Muskeln. Ein unglaublicher Knackarsch. Mist auch.

Casey lächelt und für einen kurzen Moment wandert sein Blick genauso über Rizzo, wie meiner. Als er merkt, dass ich ihn beobachte, sieht er schnell weg. Wird er etwa rot? Er lacht leise. »Na schön.«
Seine weiten Shorts rutschen ein bisschen, als er sich erhebt. Sie gewähren eine neckische Aussicht auf einen Spalt breit blasse Haut seines süßen Hinterns, doch er zieht sie sofort hoch. Rizzo und ich wechseln einen Blick, als er sich in Richtung Eisstand aufmacht, seine Schritte langsam und schwer auf dem Sand. Himmel steh mir bei.

Rizzo rollt sich auf den Rücken und hält eine Hand über sein Gesicht, als ihn das grelle Sonnenlicht trifft. Warum nimmst du Blödmann nicht meine Sonnenbrille? Er sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an, grinst.

»Du wirst rot wie ein Hummer.«

Toll, danke für den Hinweis. Ich weiß sehr wohl, dass ich nicht braun werde. Ich verbrenne bloß, und dann schäle ich mich.

»Leck mich, Rizzo.«

Er lacht leise und betrachtet mich eingehend mit seinen wunderschönen braunen Augen. Niemand, der kein Mädchen ist, sollte so lange, dunkle Wimpern haben dürfen.

»Ganz locker, Foley. Stocksteif kannst du sein, wenn du tot bist.« Er schnappt sich etwas und hebt die Hand, um mit einer Flasche Sonnencreme zu wedeln. »Willst du?«

»Wem hat du die wieder geklaut?«

Rizzo lässt sein berüchtigtes Herzensbrecher-Grinsen auf mich los und zuckt lässig die Achseln. Als ob das bei mir ziehen würde! Bevor ich eine Bemerkung machen kann, setzt er sich geschmeidig auf und platziert sich neben mir. Viel zu nah für mein Bedürfnis. Sein Bein berührt meins und dieser Mistkerl beobachtet mich genau auf irgendeine Reaktion hin. Natürlich kriegt er keine, das wäre ja noch schöner. Ich starre kühl zurück, und Shit, das war ein böser Fehler. Denn jetzt will keiner von uns als Erster wegsehen. Bloß keine Schwäche zeigen. Rizzo ist ein Raubtier. Die wittern Angst. Nicht, dass er mir Angst bereitet. Aber irgendwas Komisches macht seine unmittelbare Nähe schon mit mir, kribbelt leicht in meiner Magengegend.

»Wusstest du«, setzt Rizzo mit seiner angenehmen Stimme an, während er großzügig Sonnencreme auf seine Hand spritzt, »dass Leute mit heller Haut viel eher Hautkrebs kriegen?«

»Wow. Vor zehn Jahren wären das schockierende Neuigkeiten gewesen.« Ich schaffe es tatsächlich, so gelangweilt zu klingen, wie ich wirken will. Rizzo verteilt die weiße Creme über seine schlanken Finger. Schöne Hände. Wieso ist eigentlich alles an ihm so widerlich schön? Das gehört verboten.
Ich zucke erschrocken zusammen, als er die Sonnencreme nicht für sich selbst verwendet, sondern ohne Vorwarnung seine Hände auf meinen erhitzten Oberkörper legt. Er verreibt die Creme langsam, sorgsam, als sei es das Normalste auf der Welt. Auf seinen Lippen tanzt ein winziges, amüsiertes Lächeln. Bastard!

»Entspann dich, James.« Es ist kaum mehr, als ein Wispern, und doch ein Befehl. Rizzos Hände gleiten über meinen Körper, seine Finger heiß auf meiner Haut. Es ist elektrisierend, verführerisch, und die Tatsache, dass ich es nicht so empfinden will, macht mich ganz fuchsig. Am liebsten würde ich ihm eine reinhauen. Ich hasse diesen Kerl so sehr. Er ist nicht unwiderstehlich. Niemand ist das. Warum hüpfen dann meine Hormone wie ekstatische Mänaden herum und mir ist durch und durch heiß? Mit großer Anstrengung atme ich tief durch und, da ich nichts Besseres zu tun habe, starre ich wieder zu den klagenden Möwen hinauf.

Azurblau. Caseys Augen lassen den Himmel im Vergleich blass wirken. Er hockt sich neben mich und reicht mir ein Eis.

»Hey. Wo habt ihr die Sonnencreme her?«

Rizzo und ich tauschen einen Blick. Er hat ein teuflisch charmantes Grinsen im Gesicht, als er seine Eiswaffel in Empfang nimmt. Er sieht mich an, als er daran leckt. Langsam. Aufreizend. Dann wandert sein Blick zu Casey, und sein Grinsen wird noch breiter. Verdammter Mistkerl, ich weiß genau, was du gleich sagen wirst!

»Willst du was abhaben, Mills?«

Manchmal hasse ich es, recht zu haben.