Verrückt nach Devon

von cmc
GeschichteDrama, Romanze / P18
04.05.2014
04.05.2014
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Liebe LeserInnen,
diese Geschichte schlummert schon seit einigen Jahren auf meiner Festplatte. Zwar kein Slash, denn hier geht es um ein Heteropärchen, aber vielleicht gefällt sie euch ja trotzdem und kann die Wartezeit auf das nächste Kapitel von Winterhimmel verkürzen.

Viel Spaß beim Lesen.

LG, Chris

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Prolog
Steck dir ein Ziel, und dann mach dir einen Plan, um dieses Ziel auf dem besten Weg zu erreichen. Der beste Weg ist nicht immer der einfachste oder der schnellste. Und egal, was passiert, sei ehrlich und bleib dir selbst treu.

Sam hatte sich an den Rat ihrer Mutter gehalten und zumindest, was Schule und Beruf betraf, war sie damit immer gut gefahren. Aber im Privatleben war es wohl nicht so einfach. Sie seufzte, während sie die Haustür aufschloss. Ihre Mom war im Wohnzimmer und sah überrascht auf, als ihre 20jährige Tochter hereinkam. „Wieso bist du schon zurück? Ich dachte, du triffst dich mit Kevin?“

Sam seufzte erneut und ließ sich neben ihrer Mutter auf das Sofa fallen. „Hab ich auch.“

Patricia Parker zog die Brauen hoch, betrachtete ihre Tochter genauer und stand dann wortlos auf. Sie ging in den Essbereich, holte ein Weinglas und goss es halb voll mit Rotwein. Sam nahm das Glas entgegen, trank einen Schluck und seufzte erneut.

„Vorgestern haben wir zum ersten Mal miteinander geschlafen,“ sagte sie dann.

Tricia war nicht besonders überrascht. Sam und Kevin gingen schon seit fast drei Monaten miteinander aus. „Das war dein erstes Mal überhaupt. Wieso hast du mir nichts davon erzählt?“

Sam stellte das Weinglas ab und sah ihre Mutter offen an. „Das wollte ich. Aber ich wollte auch nicht rumjammern, daher dachte ich, ich versuche es zuerst nochmal. Ich wusste schließlich, dass es weh tun kann. Du hast mir oft genug gesagt, ich sollte mir vom ersten Mal nicht zu viel erhoffen, und abwarten, wie es sich dann entwickelt. Jetzt ist mir schon ein bisschen nach Jammern zumute.“

„Oh. Das heißt dann wohl, es ist auch beim zweiten Mal nicht so toll gelaufen.“

Sam nickte. „Kevin hat mich heute Mittag zum Lunch abgeholt und dazu überredet, den Rest des Tages blau zu machen. Wir waren bei ihm, und zuerst war es auch schön. Es hat mich erregt, wie er mich geküsst und gestreichelt hat. Es hat nur leider nicht lang gedauert, bis er zur Sache gekommen ist. Es tat nicht mehr weh, aber um ehrlich zu sein… Ich fand es nicht so toll, weil ich nichts davon hatte. Als er fertig war, hab ich einige Minuten gewartet und ihn dann gebeten, mich wieder zu streicheln, weil ich auch zum Höhepunkt kommen wollte. Er ist total sauer geworden, als er mitbekommen hat, dass ich nicht gekommen bin, als er mit mir geschlafen hat.“ Sam stieß einen frustrierten Laut aus. „Klar, Männer sind empfindlich bei so was, aber ich verstehe nicht, wieso er so sauer war. Ich meine, ich habe ihm schließlich keinen Höhepunkt vorgespielt. Ich wollte einfach nur ehrlich sein.“

Tricia seufzte. „Mit seinen 28 Jahren sollte Kevin eigentlich genug Erfahrung haben, um zu merken, wenn seine Partnerin nichts davon hat. Und er sollte auch genug Erfahrung haben, um es besser zu machen. Vielleicht hätte ich doch den Mund aufmachen sollen.“

Jetzt war Sam es, die ihre Brauen hochzog. „Was meinst du damit?“

„Ich habe geahnt, dass das nichts wird mit euch beiden. Du bist nicht in ihn verliebt.“

Sam stieß die Luft aus. „Ja, da hast du offenbar Recht. Er sagte, es wäre besser, wenn wir uns nicht mehr sehen, und es macht mir nicht besonders viel aus, mal abgesehen davon, dass ich es ziemlich mies von ihm finde. Aber ich finde es okay, dass du nichts gesagt hast. Ich fand es immer schon toll, dass du mich meine eigenen Erfahrungen machen lässt. Jetzt ist es halt mal eine, die nicht so angenehm ist. Das gehört zum Leben dazu.“

Tricia sah ihre Tochter nachdenklich an. „Manchmal glaube ich, ich hätte dich mit der Schule viel mehr bremsen müssen. Ich hätte darauf bestehen sollen, dass du mehr Kind bist.“

Sam schüttelte den Kopf. „Nein, Mom. Das stimmt nicht. Es ist ja nicht so, dass ich vor lauter Lernen keine Kindheit hatte.“

Das stimmte. Im Gegensatz zu vielen anderen Hochbegabten hatte Sam nie Mühe gehabt, Freunde zu finden und Spaß zu haben. Nicht nur Gleichaltrige, sondern später auch Freunde unter ihren älteren Mitschülern. Sam hatte mehrere Klassen übersprungen und war erst 12 gewesen, als sie ihren Highschool-Abschluss gemacht hatte. Ihre Klassenkameraden waren alle einige Jahre älter als sie, aber Sam war immer akzeptiert worden.

Am MIT hatte es zwar einige Wochen gedauert, bis die anderen Studenten sie akzeptierten, und diese ersten Wochen waren hart gewesen. Aber dann konnte sich das Mädchen über einen Mangel an Freunden nicht beklagen. Mit vielen von ihnen war sie auch heute noch gut befreundet, und das hatte nichts damit zu tun, dass sie inzwischen auch reich war. Mit 16 hatte Sam einen erstklassigen Diplomabschluss in Informatik und Mathematik abgelegt. Schon während des Studiums hatte sie mit der Entwicklung einer professionellen 3D-Software begonnen. Neben dem technischen Studium hatte sie Wirtschaftskurse belegt, die Software fertiggestellt und sie verschiedenen Firmen präsentiert, die Spezialeffekte für Kinofilme erstellten. Sie hatte schnell die ersten Abnehmer gefunden, und der Kundenkreis war durch gute Mund-zu-Mund-Propaganda rasch größer geworden.

Hinzu kam, dass im Bereich Grafikdesign ebenfalls immer häufiger ein entsprechender Bedarf vorhanden war, und Sams Software war wirklich gut. Sie war noch nicht einmal achtzehn Jahre alt gewesen, als sie damit bereits die erste Million verdient hatte. Jetzt, gut zwei Jahre später, war sie die Inhaberin einer erfolgreichen Software-Firma, die sich auf Grafik- und 3D-Software spezialisiert hatte. Die Programme wurden weltweit von führenden Unternehmen verwendet, und Sams Vermögen belief sich inzwischen auf mehrere Millionen Dollar. Aber bisher war ihr Geld bei ihren Freundschaften nie ein Thema gewesen. Die Menschen schätzten Sam wegen ihrer Intelligenz, des spritzigen Humors und ihrer liebenswerten Art.

Die Sache mit Kevin war der erste wirkliche Fehlschlag in ihrem Leben. Sie hatte ihm vertraut, und sie hatte gedacht, in ihn verliebt zu sein. Beides war ein Fehler gewesen, aber damit würde sie schon klar kommen. Vielleicht lag es einfach daran, dass sie ihre Ausbildung und ihre Karriere bis ins Detail geplant hatte, nicht aber ihr Privatleben. Dafür hatte sie noch nie einen richtigen Plan gemacht, aber dieses Versäumnis würde sie nachholen.

Tricias Stimme riss sie aus ihren Gedanken. „Das ist jetzt wohl nicht gerade ein günstiger Zeitpunkt, um zu Mom zu ziehen. Aber sie braucht mich.“

Erschrocken sah Sam ihre Mutter an. „Grandma? Ist sie etwa krank? Es ist doch hoffentlich nichts schlimmes?“

Tricia seufzte. „Sie wird wieder gesund, aber das wird eine Weile dauern. Sie hat vorhin aus dem Krankenhaus angerufen. Mom hatte gestern einen Unfall. Zum Glück hat sie keine schweren inneren Verletzungen, aber sie hat viele Knochenbrüche. Unter anderem sind beide Beine gebrochen, die Verletzungen am rechten Bein sind kompliziert. Das Bein wurde gestern bereits operiert, aber die Ärzte sagen, dass noch mindestens zwei weitere Operationen nötig sein werden, und es wird Monate dauern, bis sie wieder richtig fit ist.“

Sam vergaß ihre eigenen Probleme. „Los, lass uns packen gehen. Grandma braucht dich wirklich, und ich werde für einige Tage mitkommen. Ich kann eine Pause jetzt gut gebrauchen.“

Tricia war erleichtert. „Geht das denn, dass du einfach für einige Tage wegfährst? Ich dachte, die Präsentation der neuen Software ist nächste Woche.“

Sam zuckte die Schultern. „Die Software ist fertig, und um den Rest können sich meine Mitarbeiter allein kümmern. Wofür hab ich denn ein gutes Management? Die Familie geht vor.“