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Devil in Disguise

von LadyLou
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
04.05.2014
03.10.2014
6
24.935
1
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
04.05.2014 2.038
 
Kurzes Vorwort der 'Autorin':
Juhu, eine neue Fanfiktion, ich hab ja noch nicht genug bei denen ich zu selten weiterschreibe ;D
Also, ich denke man kann das hier durchaus auch lesen, wenn man das Buch nicht gelesen hat, ich habe dafür eine gute Testerin, meine beste Freundin, Inspiration und Beta-Leserin hat es nämlich nicht gelesen, wenn etwas also unverständlich ist wird sie mich hoffentlich darauf hinweisen ;) Ansonsten könnt ihr das natürlich auch gerne machen.
Bei Genre und Altersempfehlung bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich es so lasse. Aber jetzt genug davon, ich hoffe es finden sich ein paar Leser für mein Baby und dass ihr vielleicht ein Review da lasst ;)



1. Kapitel

She walks down the street
Alone in the dark
Her head's held up high
(...)
As she crosses the road
She looks to the stars and asks for advice
Where to go, where to go from here
- Gypsy and the Cat (Jona Vark)


Kalt fegte der Wind durch die Häuserschluchten, riss dem einsamen Mädchen ihre Kapuze vom Kopf und spielte mit ihrem Haar.
Sie versuchte mit einer Hand, sich die Kapuze wieder über zu ziehen und vergrub die andere im langen Fell der Belgischen Schäferhündin, die dicht neben ihren Beinen lief und darauf vertraute, dass ihre Besitzerin wusste, wohin sie gingen.
Doch Drew wusste es nicht. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so spät alleine draußen gewesen zu sein, ohne ihre Freundinnen oder jemand Erwachsenen. Und noch nie in ihrem Leben war sie so ziellos gewesen, noch nie so verloren.
„Es ist okay, Senta, wir finden etwas“, flüsterte sie, als wäre es ihr Hund, der beruhigt werden müsste, und nicht sie selbst.
Sie hatte kaum genug Geld, um ein Ticket für die Bahn zu bezahlen. Und wohin sollte sie auch fahren? Nicht einmal etwas zum Anziehen hatte sie dabei.
Doch sie wollte nicht an die logische Konsequenz denken. Dass sie früher oder später zurück musste. Irgendwann, viel zu bald.
Einen kurzen Moment lang schloss sie die Augen. „Ich gehe nicht zurück. Niemals“, sagte sie leise zu sich selbst.
Drew lief einfach weiter, immer weiter, bis ihre Beine müde wurden. Dann ließ sie sich auf eine Bank an einer Bushaltestelle fallen und starrte auf das Plakat an der Hauswand gegenüber.
„Dem Alltag entfliegen – zu Schnäppchenpreisen!“, versprach irgendeine Fluglinie darauf.
Wenn das nur so einfach wäre…
Leise drangen Worte aus ihren Ohrhörern. Help von Hurts. Der Text sprach ihr aus der Seele. Wäre da nur irgendjemand, der ihr helfen könnte.
Zu ihren so genannten Freundinnen konnte sie nicht. Ihnen die Wahrheit sagen? Schwäche zeigen? Ha! Das wäre keine gute Idee. Eigentlich waren sie nicht wie Freunde. Den meisten von ihnen ging es um Ansehen, manchen um schlichten Selbstschutz. Leute fertig machen, bevor man selbst zum Opfer wird. Der Schlüssel zur Beliebtheit. Sie waren wie Verbündete im Krieg, gemeinsam gegen den Rest der Highschool. Die Art von Verbündeten, die sich sofort gegenseitig in den Rücken fielen, wenn es brenzlig wurde. Man erzählte sich nichts von den Problemen, die man hatte, schon gar nicht von denen, die sich außerhalb der Schule ergaben.
In diesem Moment wünschte sich nichts mehr als einen wirklichen Freund, auf den sie zählen konnte. Der sie beschützte. Nur einen.
„Hey, Puppe!“, der Ruf schallte über die Straße und ließ sie den Kopf heben.
Es war eine kleine Gruppe von Jugendlichen.
Gossenkinder, war ihr erster Gedanke. Ungebildet, rüpelhaft, gefährlich.
Drew zog den Kopf ein. Solchen Gestalten wäre sie sogar aus dem Weg gegangen, wenn sie nicht alleine gewesen wäre.
Die Jungen kamen näher. Stämmige, hässliche Kerle. Sie stanken nach Alkohol und Rauch.
Aufstehen und weglaufen? Kurz erschien es ihr als annehmbare Lösung. Doch die Jungen waren schon zu nah.  
„Was?“, fragte sie unbeteiligt. Ihre Stimme zitterte ein wenig und sie zog Senta dichter zu sich.
Einer der Typen ließ sich schwer auf den Platz neben ihr fallen. „Haste mal Feuer?“, er schob sich eine Zigarette in den Mundwinkel.
„Ich rauche nicht“, sie richtete ihren Blick stur geradeaus, durch einen bulligen Jungen hindurch in die Ferne.
„Ey, hältst dich wohl für was Besseres, hä?“
Ich halte die meisten lebenden Individuen für etwas Besseres als dich, Reptilien und Amphibien eingeschlossen. Die Worte schwirrten ihr kurz durch den Sinn, doch sie war nicht so dumm, sie auszusprechen. Stattdessen schüttelte sie nur leicht den Kopf.
„Dann schau mich an, wenn ich mit dir rede, Puppe.“
Widerwillig warf sie dem Jungen einen Blick zu. Er hatte schlimme Akne und schiefe, gelbe Zähne. Sein Unterkiefer wirkte zu mächtig für den Rest seines Schädels.
„Willste eine?“, er hielt ihr seine Kippenpackung hin.
„Nein, danke“, sie sah wieder nach vorne.
„Hey, Süße, tau mal was auf. Ich wette, ich kann dich schneller zum Stöhnen bringen als die Schnösel, für die du sonst so die Beine breit machst.“, sie erahnte aus dem Augenwinkel sein breites Grinsen.
„Ich hab einen Freund“, sagte sie möglichst ruhig, eine ihrer häufigsten Lügen um unerwünschte Gesellschaft wieder los zu werden, aber das hier war nicht die Art von Jungen, mit denen sie sonst zu tun hatte. Das hier war anders. Zu ihren Füßen ließ Senta ein leises Knurren hören.
„Er muss ja nichts davon wissen“, der Junge beugte sich zu ihr und sein Gesicht nährte sich ihrem Hals.
Drew sprang auf und Sentas Knurren wurde lauter.
„Hey, wo willstn hin, Schlampe?“, einer der anderen Jungen schubste sie zurück, als sie sich an ihm vorbeidrängen wollte.
Senta sprang vor und stieß ein ungewohnt tiefes, bedrohliches Bellen aus. Doch die Jungen ließen sich davon wenig beeindrucken. Sie bildeten einen Halbkreis um Drew und nahmen ihr somit die Fluchtmöglichkeit.
„Ich glaub wir waren hier noch nicht fertig, Süße“, der schmierige Typ, der anscheinend der Anführer war, trat dicht hinter sie, legte seine Hand auf ihre Taille und ließ sie langsam nach oben wandern. Sein Atem streifte ihren Hals und sie erstarrte. Übelkeit machte sich in ihrer Magengegend breit.
„Lasst mich in Ruhe“, ihre Worte klangen schrill in ihren Ohren.
„Aber es fängt doch grade erst an, Spaß zu machen“, der Junge küsste ihren Hals und sprang dann mit einem Aufkeuchen zurück. „Scheiße!“, schrie er. Seine Jeans war aufgerissen und ein dunkler Fleck breitete sich darauf aus.
Sentas Nackenfell war gesträubt, ihre Haltung leicht geduckt, ihre Zähne gefletscht.
„Scheiße, ich blute!“, brüllte der Junge und wich an die Rückwand des Haltestellenhäuschens zurück. „Schlampe! Dein Hund is irre! Total krank! Der gehört umgebracht!“
„Darum könnte man sich doch gleich kümmern“, einer seiner Kumpel zückte ein Springmesser und grinste. Der Ausdruck in seinen Augen ließ Drew zurückschrecken. Er meinte es ernst.
„Ja, zuerst kümmern wir uns um deinen Köter, und dann um dich, kleines Miststück“, die Worte wurden von einem fiesen Grinsen begleitet. Die Jungen kamen auf sie zu und keiner von ihnen sah so aus, als hätte er auch nur einen Hauch von Gewissensbissen.
Drew reagierte instinktiv und schneller, als sie es sich selbst zugetraut hatte. Sie trat nach dem Anführer, der ihr immer noch am nächsten stand, und traf die Stelle, an der Senta ihn zuvor gebissen hatte. Dann schlug sie den schmächtigsten der Jungen ins Gesicht, wich einem anderen aus, der nach ihr griff, schubste den noch benommenen Schwächeren und ergriff durch die entstandene Lücke im Kreis die Flucht.
„Holt sie euch!“, hörte sie die Stimme des Anführers.
Sie rannte so schnell wie noch nie in ihrem Leben, ihr Hund hetzte neben ihr her. Doch sie hörte die Schritte der Jungen hinter sich.
Außer ihnen schien niemand mehr unterwegs zu sein, die Straßen waren wie leergefegt. Drews Gedanken rasten. Sie musste irgendwo hin, wo Menschen waren. Eine Bahnstation vielleicht. Doch sie hatte keine Ahnung, wo sie war.
Ein Schatten in einer der Querstraßen fiel ihr auf, sie sah sich danach um, in der Hoffnung jemand zu entdecken, der ihr helfen konnte – und schlug der Länge nach auf dem Asphalt auf. Sie hörte das Lachen der Jungen, die nur noch Meter entfernt sein konnten. Mit einem Wimmern versuchte sie sich wieder aufzurichten, als eine Stimme erklang.
„Spielt ihr?“
Sie kam mühsam auf die Beine und drehte sich um. Ihre aufgeschürften Handflächen und Knie brannten, Senta stellte sich vor sie, bereit, sie zu verteidigen.
Zwischen ihr und der Bande stand ein schlanker Junge. Seine Haare schimmerten rot im Laternenlicht, seine Kleidung war ungewöhnlich und einen Moment lang meinte Drew, dass er spitze Ohren hatte. Doch sie musste sich im schwachen Licht der Straßenlaternen täuschen.
Ihr Blick richtete sich auf ihre Verfolger, die ratlos stehen geblieben war.
„Was?“, der vorderste starrte sein Gegenüber verständnislos an.
„Spielt ihr? Darf ich mitmachen?“, die Stimme des Jungen klang viel zu unbeschwert für die trostlose Gegend, als wäre er falsch abgebogen und hätte noch nicht gemerkt, dass das hier nicht der richtige Ort war um Freunde zu finden.
„Was laberst du, Freak? Verpiss dich!“, motzte einer der Jugendlichen.
„Also spielt ihr nicht? Schade…“
„Nein, dass hier ist ne ernste Sache zwischen uns und der Schlampe da, also schwirr ab, du Spasti, oder ich schlag dich zu Brei!“
Der Rothaarige warf einen Blick über seine Schulter und musterte Drew. Sommersprossen waren über seine Nase und Wangen verteilt, sein Ausdruck ließ keine Angst erkennen, nicht einmal eine Spur von Besorgnis.
„Ich glaube nicht, dass ich sie mit euch allein lassen sollte“, sagte er und wandte sich wieder den Jungen zu. „Sie wirkt nicht so, als wolle sie irgendwas mit euch zu tun haben.“
„Was gehtn dich das an?!“
„Wenn ihr Freunde von mir bedroht? Das geht mich eine Menge an.“
„Ihr seid Freunde, hn? Dass ich nich lache“, schnaubte der Bulligste der Gruppe. „Schau dich doch mal an, Junge, als ob die sich mit dir abgibt!“
„Eher als mit euch, denke ich. Wir kennen uns zwar nicht“, er sah wieder zu Drew. „Aber sie sieht aus, als könnte sie einen Freund gebrauchen.“, er lächelte ihr zu und obwohl die Situation absolut aussichtslos war – sie waren deutlich in der Unterzahl – erwiderte sie sein Lächeln, denn es war unglaublich ansteckend.
„Bullshit! Du solltest abhauen, oder wir machen dich fertig, Freak!“
„Du? Mich?“, der Junge lachte laut. Sein Lachen hallte von den hohen Häusern wieder und es wirkte genauso fehlplaziert wie er selbst. „Süß.“
Drew schluckte. Wer immer er war, war er wahnsinnig oder was?
„Ich mein es ernst! Ich schlitz dich auf!“, brüllte der Junge mit dem Springmesser und hielt es drohend vor sich.
„Ach ja? Damit?“, der Junge nickte zur Waffe seines Gegenübers, dann zog er mit einer schnellen, geschmeidigen Bewegung selbst ein Messer. Doch es war kein simples Klappmesser, die Klinge war so lang wie sein Unterarm. „Versuch es!“
Der andere wich zurück. „Scheiße“, murmelte er.
„Kommt schon“, der Junge lachte wieder. „Zu einem kleinen Spielchen sage ich nie nein.“, seine Stimme senkte sich. „Und ich verliere nicht.“
Einige der Typen wichen zurück, doch der mit dem Messer schluckte, seine Hand zitterte. „Ich… ich mach dich kalt!“, rief er wenig überzeugend.
Der Rothaarige sprang vor, er bewegte sich unglaublich schnell. Nur einen Wimpernschlag schien es zu dauern. Er schlug dem anderen das Messer aus der Hand und hielt ihm die Spitze seines eigenen an die Kehle. „Ich würde sagen, ich hab gewonnen“, man hörte das Lächeln in seiner Stimme. „Aber ich bin heute großzügig.“, er fuhr mit der Spitze der Klinge am Hals des anderen entlang und hinterließ eine hauchfeine, rote Linie aus der sich ein einzelner Blutstropfen löste. „Du kannst abhauen.“
Der Bullige ließ ein Fiepsen hören, er sprang zurück, machte auf dem Absatz kehrt und gab Fersengeld.
„Will noch jemand?“, der Rothaarige machte mit der Klinge eine ausladende Bewegung und lachte wieder.
Die Jungen wichen zurück, wechselten Blicke.
„Der Typ ist wahnsinnig“, flüsterte einer von ihnen, bevor er seinem Kumpel nachlief. Die anderen folgten, wobei sie immer wieder Blicke über die Schulter warfen.
Drews neuer Freund steckte das Messer weg und kam zu ihr, ein breites Grinsen auf dem Gesicht, als wäre das alles grade ein großer Spaß für ihn gewesen. Er sah nicht gut aus, nicht in dem Sinne, wie sie es definierte, aber irgendetwas an ihm übte eine starke Anziehung auf sie aus. Auf eine ganz eigene Art und Weise war er attraktiv. Und seine Ausstrahlung war eine paradoxe, unwiderstehliche Mischung aus Gefahr, Selbstbewusstsein, Vertrauenswürdigkeit und Abenteuer.
„Ich bin Peter“, er streckte ihr die Hand entgegen. „Alles okay bei dir?“
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