Zwischen Wellen und Fallen

von - Leela -
KurzgeschichteAllgemein / P12
01.05.2014
01.05.2014
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Diese Geschichte gehört zu dem gleichnamigen Wettbewerb »Zwischen Wellen und Fallen« von Scorpio. Vielen Dank für diese tolle Inspiration! ^^
Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen! ^^

Zusatzinformation: Wir haben es in diesem Fandom mit tierischen Protagonisten zu tun; in diesem Fall dem Waschbären Bert, und dem Erdferkel Cedric. Ansonsten dürfte sich alles hoffentlich von selbst erklären.
Hinweis zum Wettbewerb: Ich richte mich grundsätzlich nach alter Rechtschreibung.



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Zwischen Wellen und Fallen

„Ach, es geht doch nichts über einen gemütlichen Tag beim Fischen, was Cedric?“ sinnierte Bert, der sich entspannt auf seiner Seite des kleinen Ruderbootes zurückgelehnt hatte und in den Himmel sah. „Zwei Freunde in ihrem Boot allein auf hoher See…“
      Cedric sah von seinem Buch auf und lachte. „Wenn du mit »hoher See« den immergrünen See meinst…“
      Bert sah sich auf dem ruhigen Binnengewässer mitten im immergrünen Wald um, das sich blau um das nur ganz leicht schwankende Boot schmiegte und lachte ebenfalls verlegen. „Naja… Groß genug ist er jedenfalls, daß man zumindest vom offenen Meer träumen kann.“ meinte der Raccoon, während er sein Spiegelbild im Wasser betrachtete.
      „Du, Bert, auf dem offenen Meer wäre ich aber nicht so gerne in diesem kleinen Bötchen unterwegs!“ warf Cedric ein. „Dafür müßte es schon etwas sein, dem ich da mehr vertrauen kann.“
      „Ja!“ Bert drehte sich euphorisch zu seinem Freund um und machte eine ausladende Geste. „Ein riesiges Kreuzfahrtschiff, zum Beispiel. Das wäre doch was!“
      „Bert…!“ Der Aardvark hatte vor Schreck sein Buch fallen lassen und hielt sich am Rand des Bootes fest. „Hör auf, so zu schaukeln!“
      „Oh, Verzeihung!“ erwiderte Bert verlegen.
      Als gemächlich wieder Ruhe einkehrte, machte Cedric es sich wieder mit seinem Buch gemütlich, und Bert lehnte sich wie schon zuvor auf seiner Seite zurück, um in den Himmel zu sehen und sich in ein Abenteuer zu träumen. Der buschige Schwanz des Waschbären hing dabei über den Bootsrand, so daß die Spitze knapp in das Wasser tauchte und Kreise über den See zog. Eine sanfte Stille umschloß die Freunde, untermalt von den Lauten des Waldes um sie herum. Alles war harmonisch, – bis etwas zuschnappte, und Bert mit einem jähen Aufschrei aus dem Boot hochschießen ließ.
      Cedric sah irritiert von seiner Lektüre auf. „Bert, was ist los?“
      Bert sammelte sich gerade keuchend wieder vom Boden des Bootes auf. „Piranhas, Cedric! Piranhas!“
      Der Millionärssohn lachte. „Aber Bert! Im immergrünen See gibt es doch keine Piranhas!“
      „Ach ja?“ gab Bert zurück, während er sich noch den schmerzenden Schwanz hielt. „Was macht dich da so sicher?“
      „Piranhas leben in Südamerika! Hier hat es noch nie Piranhas gegeben!“ erwiderte Cedric ungerührt.
      „Und wie erklärst du dir dann das?“ Der Raccoon zeigte wütend auf seine Schwanzspitze.
      „Keine Ahnung, aber nicht durch Piranhas.“ meinte Cedric unbeeindruckt. „Dafür wird es sicher eine einfache Erklärung geben.“
      „Ach? Ich halte Piranhas für eine sehr einfache Erklärung!“ behauptete Bert, während er sich skeptisch und mit einem gewissen Abstand zur Oberfläche im Wasser umsah.
      „Okay, laß es mich so sagen: Eine einfache und logische Erklärung!“ spezifizierte Cedric seufzend.
      „Ich finde sie sehr logisch!“ beharrte Bert. Nachdenklich starrte er in das Wasser. „Vielleicht hat sie jemand hier ausgesetzt!“
      „Bert. Deine Phantasie geht mit dir durch.“ beruhigte Cedric ihn.
      „Wenn du dich da man nicht vertust!“ murmelte der abenteuerlustige Waschbär, da schnappte er plötzlich nach Luft. „Cedric! Das Wasser… es brodelt! Das müssen hunderte von Piranhas sein! Vielleicht sogar tausende!“
      Cedric streckte die Hand aus und sah in den Himmel. „Nein, Bert. Es fängt nur an zu regnen!“
      „Na, wunderbar!“ grollte Bert. „Das ist eine perfekte Tarnung für die Piranhas!“
      Der Aardvark seufzte tief. Er beschloß, nichts mehr dazu zu sagen. Wenn mit seinem Freund die Phantasie durchging, war ihm mit logischen Argumenten nicht mehr beizukommen. Statt dessen verstaute er das Buch wieder in seiner Tasche und holte die Ruder hervor. „Wir sollten zusehen, daß wir an Land kommen.“
      „Jetzt sprichst du endlich die richtige Sprache!“ kommentierte Bert, als er sich das zweite Ruder nahm. „Und anschließend muß ich gleich einen Artikel in der immergrünen Zeitung aufgeben, um die Leute vor der Piranhainvasion zu warnen!“
      „Bert…“ Cedric schüttelte den Kopf. „Du weißt, daß das Ralph nicht gefallen wird. Es kommen nur fundierte Tatsachen in die Zeitung. Und gerade deine Artikel prüft er immer sehr genau.“
      „Und ich sage dir, in unserem See leben gefährliche, alles fressende Killerfische!“ beharrte Bert. „Ich habe es doch selbst erlebt!“
      „So ein Blödsinn!“ erwiderte Cedric, nun schon ein bißchen ärgerlich. „Wir sind hier doch nicht in einem Horrorfilm. In unserem See gibt es keine…“
      Weiter kam der Aardvark nicht, als irgend etwas Riesiges aus dem Wasser emporschoß und ein Stück aus dem Boot herausbiß. Jetzt stockte selbst der Sneerjunge geschockt.
      Bert mußte sich seinerseits erst von seinem Schock erholen und löste sich als erster aus der Starre. „Und wie nennst du das?“ fragte er im Affekt, während er auf die Bißspur zeigte.
      „Gefährlich!“ war Cedrics Antwort. „Los, zurück zum Ufer!“
      Ohne weiter Zeit zu verlieren begann er zu paddeln, und Bert setzte sofort mit ein. Doch als sie auf das rettende Ufer zuhielten, bewegte sich das Wasser vor ihnen plötzlich in riesigen Wellen, so daß die beiden Freunde in die entgegengesetzte Richtung abdrifteten. Noch ehe die beiden begriffen, was die Ursache dafür war, ragte ein riesenhafter Fisch aus dem Wasser auf, dessen mit scharfen Zähnen bewehrtes Maul wie eine Einladung zum Dinner wirkte.
      Bert schrie erneut auf. „Cedric, in die andere Richtung, schnell!“
      Gemeinsam legten sie sich ins Zeug und nutzten die Strömung, die das riesige Ungetüm verursacht hatte, um so zügig wie möglich auf die andere Seite des Sees und dort in Sicherheit zu gelangen.
      „Denkst du jetzt immer noch, es ist nichts in unserem See?“ stieß der Waschbär beim Rudern hervor.
      „Aber es sind keine Piranhas!“ stellte Cedric keuchend klar.
      Bert sparte sich eine Antwort. Dafür konzentrierte er sich gerade lieber darauf, möglichst schnell an das rettende Ufer zu gelangen.
      Doch kaum steuerten sie auf das andere Ende des Sees zu, kam die Welle von der Seite zurück, und ein weiterer Fisch tauchte direkt vor ihnen auf.
      „Zur Seite, zur Seite!“ schrie Bert panisch und war schon dabei, eine andere Richtung einzuschlagen, die zwischen den beiden Fischen hindurch führte.
      „Nein, zurück!“ rief Cedric, der bereits schneller gesehen hatte, daß ihnen von der Seite ebenfalls der Weg abgeschnitten wurde. Mit einem jähen Aufschrei kam Bert dem Impuls sofort nach, als es auch schon hinter ihnen brodelte, und sich ihnen von dort ebenfalls etwas in den Weg stellte.
      „Sie haben es auf uns abgesehen!“ schrie Bert.
      „Dort vorne ist noch eine Lücke, Bert!“ Cedric zeigte mit zitterndem Finger nach links. „Das können wir versuchen!“
      Das Wasser war mittlerweile von den hungrigen Bestien so aufgewühlt, daß sich die Freunde knapp im Boot halten konnten, und mittlerweile schwappte immer mehr Wasser durch das fehlende Stück in der Seitenwand und vermischte sich mit dem Regen, der sich stetig auf dem Boden des Bootes sammelte. Bert konnte sich kaum entscheiden, ob er rudern oder Wasser schöpfen sollte, als sich schon der Rachen des nächsten Riesenfisches nur wenige Meter vor ihnen auftat. Fast zeitgleich schob eine Welle sie bald schon direkt auf das aufgerissene Maul vor ihnen zu, als hinter ihnen noch einer dieser Riesenfische aus dem Wasser kam. Innerhalt kürzester Frist sah sich das Boot von den großen Fischleibern umzingelt, die ihnen mit gefährlich gefräßigen weit aufgerissenen Mündern entgegenschauten.
      „Wir sitzen in der Falle!“ keuchte Bert entsetzt, als um sie herum zwar eine wenig Ruhe in die Wasseroberfläche einkehrte, sie sich aber von sieben großen Fischen umzingelt sahen, die sie hungrig anstarrten. Der Raccoon sah sich verzagt um. „Das war’s Cedric! Hier kommen wir nie wieder raus!“
      „Hätte ich bloß auf dich gehört, Bert…“ jammerte sein Freund.
      „Es war schön, dich gekannt zu haben, mein Freund.“ proklamierte der Waschbär.
      „Aber wir können doch jetzt nicht aufgeben!“ gab Cedric zurück, während er weiter das Wasser aus dem Boot schöpfte.
      „Aber was sollen wir jetzt tun? Wir kommen nicht lebend an den Monsterfischen vorbei! – Cedric, paß auf! Wir treiben direkt auf einen zu!“
      Schnell warf der Sneerjunge sein Schöpfinstrument beiseite und schnappte sich ein Ruder. „Bert, ich brauche Hilfe!“
      „Schon dabei, Cedric! Schon dabei!“ rief Bert, der sich das zweite Ruder geschnappt hatte und damit um sein Leben ruderte.
      Trotz der Anstrengungen der zwei trieb das Boot noch ein Stück weiter an den Fisch heran, der scheinbar nur auf seine Zwischenmahlzeit zu warten schien.
      Bert biß die Zähne zusammen und mochte gar nicht mehr hinsehen. Mit geschlossenen Augen kämpfte er zusammen mit seinem Freund verbissen dagegen an, weiter in die falsche Richtung zu treiben und versuchte, das Boot von dem Monsterfisch wegzubewegen. Das Ergebnis war, daß sie nun auf einen anderen Fisch aus der Gruppe zutrieben. „Cedric, wir schaffen das nie!“ ächzte Bert, als er erneut versuchte, die Richtung zu ändern.
      „Wir brauchen Hilfe!“ rief der Millionärssohn, der seinen Puls schon in seinen Ohren pochen spürte.
      „Aber wie?“ stieß Bert verzweifelt hervor. „Wir können ja nicht mal ein Notsignal senden…“ Er schrie erneut auf, als das Boot leicht ins Trudeln geriet und an einigen blitzenden Zähnen vorbeischaukelte. Mittlerweile mußte selbst der sonst so unerschütterliche Raccoon um seine Fassung kämpfen. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals so viel Panik verspürt zu haben. Er konnte sich aber auch nicht daran erinnern, jemals tatsächlich in so einer ernsten Gefahr gewesen zu sein. „Cedric, hilf mir, das Boot wieder auf einen stabilen Kurz zu bringen!“
      Der Sneerjunge versuchte es bereits, konnte allerdings auch nicht verhindern, daß sich das Boot noch ein Stück um seine eigene Achse drehte, und für die beiden Freunde deutlich zu nah an einen der Fischleiber herantrieb. Mit von Adrenalin getriebener Motivation bemühten sie sich, Abstand zwischen sich und den Killerfisch zu bringen. Plötzlich hielt Cedric inne, als er etwas Metallisches aufblitzen sah und schaute genauer hin. Verwundert hielt er inne, und während sein Kamerad noch versuchte, das Boot in eine andere Richtung zu lenken, lehnte er sich so weit es ging über den Rand des Bootes, um seine Entdeckung näher zu inspizieren. Er hatte sich nicht versehen: An der Seite des riesigen Fisches war ein Aluminiumschild angebracht. „Sneer-Industrie…?“ Er schnappte unwillkürlich nach Luft. „Bert! Bert! Alles ist gut! Das ist bloß die neue Werbekampagne von meinem Paps!“
      „Was?“ rief Bert entsetzt.
      „Ja!“ Cedric setzte sich gemächlich - und deutlich beruhigt - wieder zurück in das Boot. „Paps ist doch jetzt ganz groß ins Gastronomiegewerbe eingestiegen. Er hat eine groß angelegte Werbekampagne hier am immergrünen See geplant. Und die Fische gehören dazu. Sieh mal!“ Cedric deutete auf die Plakette mit der Firmenaufschrift. „Das muß lediglich der Testlauf dafür gewesen sein.“
      Bert sah Cedric erschüttert an und packte seinen Freund noch in heller Aufregung an den Schultern. „Werbekampagne? Diese Viecher hätten uns fast umgebracht!“ Ohne den Blickkontakt zu lösen deutete Bert neben sich auf das ausgebissene Stück vom Boot.
      Der Millionärssohn konnte sich kaum ein Schmunzeln verbeißen. „Bert, das war nur, weil wir mit dem Boot zu nah an einem der Fische dran waren, als er aus dem Wasser kam. Sieh mal, das Stück ist nicht abgebissen, sondern nur rausgebrochen!“
      „Wie beruhigend.“ kommentierte Bert.
      Cedric konnte ein Lachen nicht mehr unterdrücken, was auch seine Erleichterung zum Ausdruck brachte. „Wenn wir nicht so in Panik verfallen wären, dann hätten wir bemerkt, daß sich die Fische gar nicht bewegen. Die können uns gar nicht gefährlich werden.“
      Das Boot lag mittlerweile wieder ruhig im Wasser, sehr zur Erleichterung der beiden Kameraden, da durch das abgebrochene Stück das Wasser schneller ins Bootsinnere schwappen konnte, und mittlerweile hatte es glücklicherweise auch wieder aufgehört zu regnen, was den Freunden in der Aufregung zuerst nicht einmal aufgefallen war. Jetzt aber registrierten sie es und beschlossen, es als glückliche Fügung zu sehen, um den Tag doch noch auf dem See genießen zu können. Schnell schöpften sie das restliche Wasser aus dem Inneren und bemühten sich noch mehr als zuvor, das Boot ruhig zu halten.
      „Und was ist das genau, was Cyril da plant?“ fragte Bert, während er sich wieder gemütlich zurücklehnte.
      „Paps will hier am immergrünen See ein exklusives Fischrestaurant bauen.“ erklärte Cedric. „Diese riesigen Fische hier im See laufen auf Schienen und dienen zu Werbezwecken, um mehr Besucher anzulocken. Er wollte diese Woche einen Probelauf machen. Das hatte ich ganz vergessen.“
      „Wie gut, daß sich das aufgeklärt hat, auch wenn die Fische uns die ganzen Fische vertrieben haben.“ kommentierte Bert.
      Die beiden lachten herzlich. Und so kehrte Ruhe ein auf dem immergrünen See, während das Boot sanft zwischen den sieben großen Fischen auf dem Wasser schaukelte.
      Cedric lehnte sich wieder zurück und holte sein Buch heraus, und Bert schaute in die Wolken. Doch von Abenteuern hatte er für heute erst mal genug.


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Platz 2 von 14 Anmeldungen und 8 Abgaben (wobei ich bei den Abgaben später nachträglich in Scorpios Liste geschaut habe; diese also unter Vorbehalt. ^^)
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