Winterhimmel

von cmc
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
01.05.2014
15.06.2014
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Dieses Kapitel
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Es war eisig kalt. In der letzten Nacht hatte es wieder geschneit. Aber jetzt waren die Wolken verschwunden, der Himmel war klar und strahlend blau. So ein schönes Blau…

Jannick schloss für einen Moment die Lider. In seiner Vorstellung sah er nun Augen, die genau dieses Blau hatten. Mit einer ganz feinen Maserung, die in der Nähe der Pupille graublau war, am Rand der Iris hingegen dunkelblau. Wunderschöne Augen, die ihn nie wieder ansehen würden.

Jannick atmete ganz tief durch. Die eisige Luft stach in seinen Lungen, und er begrüßte dieses Gefühl. Denn für einen Moment lenkte ihn das kalte Stechen von dem anderen Schmerz in seiner Brust ab. Nochmal ganz tief Luft holen. Dann öffnete er langsam die Augen und blinzelte die Tränen weg.

Er drehte sich um, in Richtung Eingang. Jetzt hatte er die Sonne direkt vor sich und das Blau des Himmels erschien sehr viel heller. Das strahlende Sonnenlicht ließ die dichte Schneedecke hell glitzern. Es tat in den Augen weh. Okay, er hatte keine Lust, schneeblind zu werden. Jannick entriegelte den Wagen nochmal, beugte sich ins Innere und setzte seine Sonnenbrille auf.

Niemand begegnete ihm, es war alles ruhig und sehr friedlich. Dick und schwer lag der Schnee auf den Sträuchern und Bäumen. Sah irgendwie aus wie ein Postkartenmotiv. Naja, jedenfalls fast. Denn wer wollte schon eine Postkarte, auf der Grabsteine abgebildet waren?

Nur der Hauptweg des kleinen Friedhofs war geräumt. Die schmalen Seitenwege waren tief verschneit, bei den meisten war die Schneedecke unberührt. Nicht so auf dem Weg, den er nun selbst einschlug. Zwar hatte der Schnee, der letzte Nacht gefallen war, die Spuren teilweise schon wieder verdeckt, aber sie waren noch deutlich sichtbar. Es waren ziemlich viele. Offenbar waren gestern zum ersten Todestag nicht nur seine Eltern und Schwiegereltern hier gewesen.

Seine Vermutung bestätigte sich, als er gleich darauf neben dem Grab stehen blieb. Auf der silbergrauen Grabplatte lagen einige frische, schöne Gestecke. Alle aus Tannenzweigen und anderen winterharten Pflanzen. Normale Blumen überstanden bei den frostigen Temperaturen kaum mehr als einen Tag.

„Hallo, mein Schatz.“ Ganz sanft strichen seine Finger über die Inschrift im Stein.

Michael Forster, geb. Kessler
23.09.1981 - 16.02.2010

Für immer geliebt


„Ich hab‘s gestern nicht geschafft, tut mir leid. Es ging einfach nicht, Mike.“ Jannick holte zittrig Luft und versuchte, den dicken Kloß in seinem Hals zu schlucken. „Bin nicht mal aus dem Bett gekommen vor lauter Heulen. Du verstehst das bestimmt.“ Mike hätte es wirklich verstanden, das wusste Jannick. Er hatte ihn immer verstanden. Das war eins der tausend Dinge, die er so sehr vermisste.

Vorsichtig schob er die Gestecke zur Seite, wischte mit den Händen den Schnee von der Platte und ließ sich auf dem Rand nieder. Er lehnte den Kopf gegen die Seite des Steins und gab dem Schmerz nach. Heute waren es stille Tränen, die er weinte. Im Gegensatz zu gestern. Da hatte er stundenlang laut schluchzend auf dem Bett gelegen, bis er schließlich völlig erschöpft eingeschlafen war. Aber auch dieses stille Weinen jetzt tat ihm irgendwie gut. So ein bisschen hatte es eine heilende Wirkung. Nicht viel, aber immerhin.

Wenigstens konnte er jetzt weinen. Dazu war er nach Mikes Tod lange nicht in der Lage gewesen. Nicht einmal am Tag der Beerdigung. Monatelang war er wie erstarrt gewesen. Der Schmerz war tief in ihm drin, innerlich weinte und schrie er Tag für Tag, aber er konnte es nicht raus lassen. Er hatte es auch lange nicht geschafft, zum Grab zu gehen. Erst im Juni war er zum ersten Mal nach der Beerdigung hier gewesen, und war dann prompt ins andere Extrem verfallen. Tag für Tag hatte er von da an stundenlang an Mikes Grab gesessen. Manchmal still und schweigend, manchmal hatte er lange mit seinem toten Geliebten geredet, auch wenn der ihm nicht antworten konnte. Er hatte sich Mikes Antworten einfach vorgestellt. Geweint hatte er auch da nie.

Bis Mitte August war das so gegangen. Bis seine Familie etwas unternommen hatte. Sie hatten lange mit Geduld und Liebe versucht, ihm zu helfen. Keine Chance. Nach Mikes Tod hatte Jannick sich völlig zurückgezogen. Niemand schaffte es, an ihn heranzukommen. Nicht die Familie, nicht seine Freunde.

Meistens ging er einfach allen aus dem Weg. Damit sie nicht irgendwann bei ihm auftauchten, rief er einmal in der Woche seine Eltern und Schwiegereltern an. Ab und zu auch seine Freunde. Aber Gespräche über Mike oder sich selbst blockte er einfach ab. Hielt die Telefonate kurz und unverbindlich, und ging einfach nicht an die Tür, wenn es klingelte. In dem halben Jahr seit dem Tod seines Mannes hatte Jannick die Familie nur vier mal besucht, obwohl sie keine fünfzehn Minuten voneinander entfernt wohnten. Und diese wenigen Besuche waren jedes Mal sehr kurz gewesen. Er hatte einfach niemanden in seiner Nähe ertragen. Es gab nur einen Menschen, den er in seiner Nähe haben wollte. Mike.

Damals im August war Markus, seinem Schwiegervater, dann schließlich der Kragen geplatzt. Sozusagen. Markus hatte am 14. August Geburtstag, und Jannick fiel keine passende Ausrede ein, um die Einladung seiner Schwiegereltern abzulehnen.

„Wir feiern nicht richtig. Nur Kaffee trinken und abends Grillen im Familienkreis,“ hatte Ina am Telefon gesagt. Natürlich hatte Jannick zuerst versucht, sich herauszureden. Aber schließlich hatte er doch zugesagt, einfach damit sie ihm seine Ruhe ließen. Er war fest entschlossen, direkt nach Kaffee und Kuchen wieder aufzubrechen. Die eine Stunde würde er eben über sich ergehen lassen. Aber da hatte er die Rechnung ohne seine Familie gemacht.

Außer seinen Eltern und Schwiegereltern war tatsächlich niemand da. Jannick war heilfroh, dass sich das Gespräch beim Kaffeetrinken nicht um Mike oder ihn drehte. Vielleicht hatten sie es ja endlich kapiert. Hoffte er zumindest. Jedenfalls so lange, bis er sich direkt nach dem Kaffeetrinken erhob.

„Danke für den tollen Kuchen, Ina. Ich muss jetzt los.“

Sein Schwiegervater sah ihn ernst an. „Nein, das musst du nicht. Bitte setz dich wieder. Wir wollen mit dir reden.“

Alles in Jannick spannte sich an. „Ich wüsste nicht, was es zu reden gibt. Außerdem habe ich noch was vor.“

Markus schüttelte den Kopf. „Es gibt so einiges zu bereden, und was du vorhast, wissen wir. Mikes Grab ist morgen noch an der gleichen Stelle. Heute wirst du nicht stundenlang dort sitzen.“

Einen Moment lang war Jannick sprachlos. Dann war plötzlich die Wut da. Er war ausgerastet. Hatte seine Familie angeschrien, ihnen vorgeworfen, dass sie keine Ahnung hatten. Ihn nicht verstehen konnten. Und Markus, der sonst immer so ruhig blieb und nie die Stimme erhob, schrie zurück.

„Das denkst du? Dann hast du keine Ahnung! Ja, er war dein Mann. Ihr habt euch sehr geliebt. Ihr wart acht Jahre lang ein Paar. Aber du vergisst dabei, dass er so viel länger unser Sohn war. Wir haben ihn genauso geliebt wie du! Wir vermissen ihn auch, wir trauern um ihn. Deine Eltern tun das ebenso. Nicht nur du hast ihn verloren. Und jetzt haben wir Angst, auch dich zu verlieren. Das hätten wir schon längst, wenn er dich nicht dazu gebracht hätte, ihm dieses Versprechen zu geben. Dachtest du, wir wüssten nichts davon? Er hat es uns erzählt, schon allein deswegen, damit wir uns um dich keine so großen Sorgen machen müssen. Aber das müssen wir eben doch, denn du hältst dein Versprechen nicht. Nicht so, wie er es gewollt hat. Du bist nicht tot, aber du lebst auch nicht. Mike würde dir deswegen in den Arsch treten, wenn er könnte!“

Jedes einzelne Wort traf Jannick, brachte die Mauer, die er um sich herum aufgebaut hatte, mehr zum Bröckeln. Aber es war dieser letzte Satz, der sie zum Einsturz brachte. Denn Markus hatte recht. Mike würde ihm wirklich in den Arsch treten, wenn er es noch könnte. Das war es, was Jannick in die Knie zwang. Wortwörtlich. Seine Beine trugen ihn nicht mehr, er fiel auf die Knie, vergrub den Kopf in den Händen und fing an zu weinen.

Und er konnte stundenlang nicht mehr aufhören zu weinen. Aber seine Familie war für ihn da, sie hielten ihn abwechselnd fest in den Armen. Irgendwann hatte Markus einen alten Freund angerufen, der Arzt war. Der hatte Jannick ein leichtes Beruhigungsmittel gespritzt, und schließlich war er auf der Couch in der festen Umarmung seines Vaters eingeschlafen.

Zum ersten Mal seit Mikes Tod hatte er eine ganze Nacht durchgeschlafen. Fast den ganzen Sonntag war er bei Ina und Markus geblieben, zusammen mit seinen Eltern. Sie redeten über Mike, teilten ihre Erinnerungen und weinten miteinander. Gleich am nächsten Morgen hatte Jannick einen Termin bei einem Therapeuten vereinbart, und seitdem ging es in ganz kleinen Schritten wieder bergauf. Es war ein sehr schmerzlicher Prozess, der noch längst nicht beendet war. Aber jetzt, 366 Tage nach Mikes Tod, hatte Jannick einen Teil des Wegs geschafft.

Er wusste, dass er noch weit davon entfernt war, wieder ein normales Leben zu führen. Aber wenigstens versuchte er jetzt, wirklich zu leben. Das war es, was er seinem Mann damals versprochen hatte. Leben. Auch wenn dieses Leben, das nun vor ihm lag, ganz anders sein würde, als das, was sie gemeinsam geführt hatten. Noch immer konnte er sich nicht vorstellen, dass sein über alles geliebter Mike nie wieder an seiner Seite sein würde. Der Schmerz war noch genauso tief, aber nicht mehr ganz so scharf.

Es gab immer noch viele Tage, an denen Jannick das Gefühl hatte, dass dieser schreckliche Schmerz sein Herz zerquetschte und niemals aufhören würde. Sein Therapeut hatte ihm erklärt, dass das völlig normal war. Es würde noch eine ganze Weile mal gute und mal schlechte Tage geben.

Irgendwann würden die guten Tage überwiegen und Jannick musste sich an den schlechten Tagen vor Augen halten, dass es eben auch wieder bessere Zeiten geben würde.

Als Jannick mit der Therapie angefangen hatte, konnte er sich nicht vorstellen, jemals wieder lächeln zu können. Aber das konnte er. Als er sich das erste Mal dabei ertappte, hatte er sofort ein schlechtes Gewissen gehabt. Hatte er denn überhaupt das Recht, zu lächeln, wenn Mike es nicht mehr konnte?

„Würde Mike denn von Ihnen erwarten, dass Sie nie wieder lächeln? Würde er das wirklich wollen?“ hatte Dr. Hartmann ihn gefragt.

Nein, zu beidem. Ganz im Gegenteil. Das wusste Jannick ganz sicher, und er hätte es auch gewusst, wenn Mike es ihm nicht gesagt hätte. Aber das hatte er. Ziemlich deutlich sogar. An dem Tag hatten sie sich zum ersten Mal gestritten. Sie waren acht Jahre ein Paar gewesen, aber zwischen ihnen passte einfach alles. Es hatte kaum jemals Grund für Unstimmigkeiten gegeben. Das konnte man echt an den Fingern abzählen. Siebenmal? Oder achtmal? Jannick wusste es nicht mehr genau, und das waren wirklich nur harmlose Meinungsverschiedenheiten gewesen. Richtig gestritten hatten sie sich nie.

Bis zu jenem Morgen, als Mike ihm gesagt hatte, wie er sich Jannicks Zukunft vorstellte. Nach seinem eigenen Tod. An dem Tag hatten sie sich zum ersten und einzigen Mal so richtig gefetzt. Ein paar Stunden später hatten sie sich heulend beieinander entschuldigt und den Streit aus dem Weg geräumt. Sie hatten echt tollen Versöhnungssex gehabt, den ganzen Nachmittag und Abend. Stundenlang, mal leidenschaftlich, mal unglaublich zärtlich. So lange, bis sie beide völlig erschöpft gewesen waren. Kurz vor dem Einschlafen hatte Mike ihn ganz intensiv angesehen. In seinen wunderschönen blauen Augen lag all die Liebe, die er für seinen Mann empfand. Seine tiefe Stimme war weich und sanft.

„Jan? Wenn es umgekehrt wäre… Wenn du gehen müsstest… Würdest du wollen, dass ich weiterlebe?“

Jannick hatte ihn fassungslos angesehen. „Natürlich, Mike! Natürlich würde wollen, dass du lebst!“

„Das will ich auch für dich. Du sollst leben, und ich meine wirklich leben. Versprich mir das.“

„Mike, ich…“ Jannick wollte protestieren, aber er versank in diesen unglaublichen blauen Augen, die so viel ausdrückten. So viel Liebe. So viel Vertrauen. Aber auch Angst, und Jannick wusste, dass es keine Angst vor dem Sterben war. Mike hatte Angst um ihn. Diese Angst wollte und konnte er seinem Mann nehmen. „Ja, ich verspreche es dir. Ich werde leben.“

Jannick dachte oft daran zurück. Es war eine bittersüße Erinnerung, schmerzlich schön. Er dachte auch jetzt daran, während er weinend auf dem Grab saß. Mike war seit einem Jahr nicht mehr bei ihm, aber durch die Therapie war Jannick nun wenigstens in der Lage, sein Versprechen wirklich zu halten.

Irgendwann versiegten die Tränen, und langsam spürte Jannick auch die Kälte. Er stand auf, küsste seine Fingerspitzen und drückte sie sanft auf die Inschrift des Grabsteins. „Ich fahr jetzt mal besser, mein Schatz. Bis nächste Woche. Ich liebe dich.“

Fröstelnd ging er zu seinem Wagen, startete den Motor und drehte die Heizung auf. Dann zog er sein Handy hervor, schaltete es wieder ein und sah, dass seine Schwiegereltern angerufen hatten. Mittlerweile redete er wieder gerne mit seiner Familie und seinen Freunden. Sein Glück, dass seine Freunde ihm den monatelangen Rückzug genauso leicht verziehen hatten wie seine Familie.

Jannick drückte die Rückruftaste und musste lächeln, als er nach dem dritten Klingeln mit den Worten „Hallo, mein Junge, schön dass du anrufst,“ begrüßt wurde. Anruferkennung war echt eine tolle Erfindung.

„Hallo, Markus. Bei euch alles okay?“

„Ja, aber wir haben dich gestern vermisst.“ Kein Vorwurf lag in der Stimme seines Schwiegervaters, nur liebevolle Wärme. „Bist du in Ordnung?“

„Jetzt ja. Aber gestern – ich hab das echt nicht gepackt. Sorry.“

„Kein Grund, sich zu entschuldigen. Wir verstehen das, das weißt du. Für uns war das gestern auch sehr schwer.“ Markus räusperte sich. „Ina sagte, dass du gestern Morgen kurz angerufen hast, um Bescheid zu sagen, dass du zuhause bleibst. Wir können gut verstehen, dass du allein sein wolltest. Auch wenn wir dich gerne getröstet hätten.“

Jannick schluckte. „Glaub mir, dieses heulende Elend wolltet ihr euch ohnehin nicht antun“, versuchte er zu scherzen. Er atmete tief durch. „War echt ein beschissener Tag gestern. Ich hab den ganzen Tag im Bett gelegen und geheult. Aber so richtig.“ Er atmete nochmal tief durch und wechselte dann das Thema. „Ich war eben bei Mike. Gestern waren wohl einige Leute da.“

„Wir haben deine Eltern getroffen, und ein paar eurer Freunde. Wir sollen dir von allen liebe Grüße ausrichten. – Hör mal, Jan… Wir haben da noch was für dich. Das würden wir dir gerne heute noch geben. Kannst du vorbeikommen?“

„Ja, klar. Was ist es denn?“

Markus zögerte einen Moment mit der Antwort. „Das ist eine Überraschung. Kannst du gleich kommen? Oder ist dir heute Abend lieber?“

„Nein, ich komm lieber jetzt vorbei. Liegt ja auf dem Weg. Dann bis gleich.“

„Ja, bis gleich.“

Jannick unterbrach die Verbindung und sah einen Moment grübelnd aus dem Fenster. Eine Überraschung? Jetzt war er aber wirklich gespannt. Keine zehn Minuten später parkte er vor dem Haus der Kesslers.

Ina öffnete ihm die Tür und zog ihn in eine liebevolle Umarmung. Sie drückte ihn fest, und strich dabei über seine Wange. „Geht es dir gut?“

Er lächelte schmerzlich. „Den Umständen entsprechend ja, ganz gut. Euch hoffentlich auch.“

Sie seufzte. „Ja, schon. Aber gestern war echt ein schlimmer Tag.“

Jannick nickte. „Hm, ein ganz schlimmer Tag.“ Die warme Umarmung seiner Schwiegermutter tat ihm gut, dennoch löste er sich daraus und schloss endlich die Haustür. Er folgte Ina in die Küche und wurde auch von Markus mit einer Umarmung begrüßt. Gleich darauf saßen sie jeder mit einer Tasse Kaffee vor sich in der gemütlichen Essecke. So neugierig Jannick auch war, er wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. So unterhielten sie sich zuerst einmal über ganz alltägliche Dinge.

Schließlich hielt Jannick es nicht mehr aus und sah seinen Schwiegervater neugierig an. „Was ist denn nun diese Überraschung, von der du gesprochen hast?“

Seine Schwiegereltern tauschten einen seltsamen Blick, dann griff Markus neben sich auf die Eckbank und legte gleich darauf einen dicken Umschlag auf den Tisch, mit der Rückseite nach oben. Es war eine dieser großen, weißen Versandtaschen, wie sie für Kataloge benutzt wurden. Jannick runzelte verwirrt die Stirn, und sah seinen Schwiegervater an. „Was ist das?“

„Dreh ihn mal um“, sagte Ina sehr leise. Er zögerte einen Moment, dann griff er nach dem Umschlag. Er war nicht gerade leicht, und offenbar befand sich eine flache Schachtel darin. Jannick drehte ihn um. Sein Herz fing an zu rasen und er zog scharf die Luft ein. Die drei Worte sprangen ihn geradezu an.

Für meine Sonne stand da in der schwungvollen Handschrift, die ihm so vertraut war.

Fassungslos starrte Jannick auf den Umschlag. „Was… Wann…“ Er brachte keinen vernünftigen Satz zustande und hatte das Gefühl, keine Luft zu bekommen.

Sanft schlossen sich Inas Finger um seine linke Hand. „Wir hätten dir das so gerne schon früher gegeben. Aber Mike hat darauf bestanden, dass wir bis zu seinem ersten Todestag warten und dir vorher nichts davon sagen.“

„Was ist da drin?“ brachte Jannick rau hervor.

„Das wissen wir nicht, mein Junge“, sagte Markus ruhig. „Mike lässt dir ausrichten, dass du den Umschlag zuhause in eurer Ecke aufmachen sollst. Er sagte auch, wir sollen dich nicht danach fragen. Es ist nur für dich allein bestimmt. – Komm, ich fahre dich nachhause. Ina kommt mit unserem Wagen hinterher.“

Jannick war dankbar für das Angebot. Er wusste selbst, dass er völlig durch den Wind war und jetzt besser nicht fahren sollte. Seinen Schwiegereltern war das offenbar genauso klar. Während der Fahrt nachhause schossen ihm unzählige Gedanken und Fragen durch den Kopf. Den Umschlag hielt er mit beiden Händen fest umklammert.

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Das ist die erste Geschichte, die ich überhaupt jemals veröffentliche. Falls jemand über diese Story "stolpert": Ich freue mich über Reviews. Kritik und Anregungen sind immer willkommen.
Vielleicht gefällt ja jemandem die Geschichte. Einige Kapitel sind fertig und gehen zeitnah online.

Danke fürs Lesen.
Chris