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Undercover 4

GeschichteHumor / P12 / Gen
Pearl
28.04.2014
16.05.2014
7
6.834
 
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28.04.2014 1.096
 
Kaffee. Ich brauche unbedingt eine Tasse Kaffee, sonst überlebe ich den Tag nicht. Ich drücke den Knopf an meiner Kaffeemaschine und will ein Taxi rufen, das mich von der Küche bis ins Badezimmer fährt, so dröhnt mir der Kopf. Im Badezimmerspiegel betrachte ich mein Gesicht, das immer noch von Make-up verschmiert ist. Eine heiße Dusche. Das tut gut. Einige Minuten später sitze ich am Küchentisch, halte verkrampft meine Kaffeetasse umklammert. Langsam kommt die Erinnerung zurück. Der gestrige Tag war der schlimmste Alptraum und zugleich das stärkste Erlebnis, das ich je hatte. Ich überlege ernsthaft, ob ich überhaupt noch einmal zum Theater am Stadionring zurückkehren sollte. Hatte ich doch nach meinem unfreiwilligen Outing vollends mein Gesicht verloren. Schande. Oh, welche Schande! Ich vergrabe mein Gesicht in den Händen. Was kann mir jetzt eigentlich noch passieren? Mehr als raus schmeißen werden sie mich wohl nicht. Aber verdammt noch mal, was hätte ich denn tun sollen? Hätte ich mich etwa totschießen lassen sollen? Ich mag nicht dran denken, dass es auch hätte alles anders ausgehen können. Karl, du hast nichts mehr zu verlieren. Ich gehe also hin. Alleine um weiter aufrecht durch mein Leben gehen zu können. Show must go on!

Der Vorplatz des Theaters ist am Vormittag wie leer gefegt. So langsam als hätte ich Kaugummi unter den Schuhsohlen schreite ich auf die mittlerweile so bekannte Glastüre zu. Die Dame am Empfang springt, als sie mich erkennt, wie von der Tarantel gestochen auf. Ihre Lippen bewegen sich, als wollte sie etwas sagen, doch sie öffnet mir wortlos die Türe.
Schließlich stammelt sie vertraulich leise: " Es ist eine Konferenz einberufen worden. Die Leitung und diene Kollegen warten schon auf dich."

"Ist es schlimm?"Wie ist die Stimmung? Glaubst du wirklich, ich sollte..."
"Geh ruhig, Carla. Nur zu. Sie werden dir nicht den Kopf abreißen. Ich glaube, sie wollen sich bei dir bedanken."
Mir fällt ein Stein vom Herzen. Zaghaft klopfe ich an die Türe des Konferenzraumes. Die Türe öffnet sich, wie von selbst. Drinnen, betretenes Schweigen. Die Managerin kommt auf mich zu. Sie hat als erstes ihre Fassung wieder. "
" Ich glaube, wir stehen alle in deiner Schuld, Carla...Karl..ja, wie sprechen wir dich denn jetzt eigentlich an?"

"Carla."
Langes Schweigen. Papa durchbricht schließlich die Stille mit Worten , die schwerer wiegen als Gold und denen niemand zu widersprechen wagt.

"Es ist völlig egal, wer oder was sie ist. Das Herz zählt. Und ein Herz hat sie am rechten Platz. Ein Herz, dass so manchem von uns in die Hose gerutscht wäre. .....Na, was glotzt ihr alle so doof!"
Erleichtertes Gelächter
Bevor mir ein Heiligenschein wachsen kann, holt mich die Stimme der Managerin wieder auf den Boden zurück.
"Trotzdem müssen wir noch einmal über deinen Vertrag reden, Carla. Nachdem die Dinge sind, wie sie sind.... "

" Was werden Sie denn jetzt tun?"

"Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll..."
"Darf ich es ihr sagen...?" kiekste Dinah.

Nein, Dinah, einen Augenblick noch!"

" Dann tue ich es" sagte der Theaterleiter. "Die meisten Leute haben nicht mitbekommen,was da gestern wirklich passiert ist. Am wenigsten die Zuschauer. Das Telefon hat heute morgen gar nicht mehr still gestanden Wir haben Säcke voll Fanpost bekommen. Das Publikum war begeistert von dir. Man will dich als Pearl sehen. Viele haben angerufen und ihrem Herzen Luft gemacht, wie gut du angekommen bist und wie überzeugend du warst und trotz allem die Show so gemeistert hast."

" Sogar die Starlight-Oma hat angerufen!" ergänzt Papa.

"Die Starlight-Oma?" Jetzt verstehe ich nur noch Bahnhof, aber dieses Gefühl ist an einem solchen Arbeitsplatz nicht neu für mich.

" Wer ist denn die Starlight-Oma?"

Papa erklärt: "Du bist vielleicht noch nicht lang genug hier, um die zu kennen. Starlight-Oma, das ist Oma Strenzke. Bella Strenzke aus Mülheim, besser bekannt als "Die Starlight-Oma". Sie sitzt jeden Sonntag in der Vorstellung. Schon seit Jahren. Ein echter Musical Fan. Ich glaub, sie hat die Show schon über 500mal gesehen!"

"Richtig." Unterbricht die Managerin. " Oma Strenzke ist eine alte Bekannte. Oft bekommen wir Post von kleinen Fans, die uns lange Briefe schicken und  uns Bilder malen. Wir können unmöglich auf alle diese Briefe antworten. Diese rüstige Rentnerin nimmt uns viel Arbeit ab, denn sie spielt unsere Briefkasten-Oma. Wir leiten einen sehr großen Teil der Fanpost an sie weiter und sie nimmt sich die Zeit, auf alle diese Briefe unter den Pseudonym "Starlight-Oma" zu antworten.

"So wie beim Nikolaus, weißt du!"sagt Dustin mit leuchtenden Augen.

Papa erklärt weiter: "Deshalb nennen wir Belle Strenzeke auch oft liebevoll "Belle". Ist doch eine gute Sache und so hat unsere Bochumer Produktion und auch ich doch noch eine Belle, haha!"

Der Theaterleiter unterbricht: " Selbst die Starlight-Oma hat angerufen und gesagt, dass sie ihre Karte verkauft, wenn du nicht auftrittst."
Ich kann immer noch nicht ganz folgen.

"Ich fürchte, ich verstehe nicht ganz."
"Nun. ich weiß immer noch nicht, wie ich es dir sagen soll"
"Darf ich, darf ich?"
Alle: "Klappe Dinah!"

Die Managerin weiter: " Du musst jetzt noch einmal sehr stark sein, Carla"
"Ja?Gut."
" Carla..., ...Karl...Kalle..., die Theaterleitung und ich, wir haben beschlossen, dich aus den Vorstellungen zu nehmen. Punkt. Jetzt ist es raus."

"Was?" Ich blicke mich um. Um mich herum schadenfrohes Grinsen.auf den Gesichtern meiner Kollegen.
"Ich verstehe. Ich...es ist wohl das Beste, wenn ich gehe. Soll ich sofort gehen? Ich mache keine Szene. Ich..hab ich noch Zeit, ein paar persönliche Sachen aus der Garderobe zu holen?"
Die Managerin lächelt verstohlen. "Nein, Carla, nein. Du bleibst schön hier. Du musst proben."

"Wie meinen sie das?"

"Du bist nicht textsicher. Siehst du, du hast den neuen Text noch nicht drin. Wie war der doch gleich? Was gewesen ist, das ist vergessen und wir fangen ganz von vorne an....O.K? Du verstehst."
"Nein. Nicht ganz."
Nun kann Dinah nichts mehr zurück halten. Sie roll freudig auf mich zu.
" Du hast die Rolle, Carla! Du bist demnächst First Cast Pearl! Freu dich doch!"

"Herzlichen Glückwunsch, Carla.... das heißt, wenn du einverstanden bist."
"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll..."
Alle: "SAG JA!!!!
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