Familienglück

KurzgeschichteFamilie, Fantasy / P12
27.04.2014
27.04.2014
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Dies ist mein Beitrag zum Wettbewerb: "Die Liebe"


Familienglück


Das hätten sie jetzt nicht erwartet. Dabei war Ariel doch nur für einen Gesundheitscheck zum Arzt gegangen und jetzt wurde ihr mitgeteilt, dass sie schwanger war. Es war nicht so, dass sie sich nicht darüber freute, aber es überraschte sie doch ungemein. War sie doch schon schwanger gewesen und Engel bekamen selten ein zweites Kind. Ein Kind zu bekommen war auch mit bestimmten Bedingungen verknüpft. Das Paar musste sich aufrichtig lieben und dazu mussten sie noch auf die Fruchtbarkeitsphase des weiblichen Engel´s achten, welche doch meist sehr schwankte. Da konnte es passieren, dass Frau monatelang fruchtbar war und dann wiederum jahrelang nichts war.

Doch daran sollte Ariel jetzt nicht denken. Sie war sehr froh über ihr Glück und das war ihr Gefährte -Yukihito- auch, welcher gerade nicht seine Finger von ihr lassen konnte. Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Seine Arme waren um ihre Schultern geschlungen und seine Hände lagen auf ihren Bauch, wo noch keine Anzeichen einer Schwangerschaft zu sehen waren. Doch das würde noch kommen. Sie war ja erst in der dritten Woche. Ein Lächeln zierte ihre roten Lippen.

„Gabriel wird sich bestimmt freuen, wenn er davon erfährt.“, sagte sie glücklich.

„Wahrscheinlich wird er vor Stolz platzen und es allen seinen Freunden erzählen. Der Junge ist ein kleiner Wirbelwind, aber er wird ein gute großer Bruder sein.“, sinnierte ihr Gefährte und küsste ihr auf den Kopf, in das lange, bis zur Hälfte ihres Rücken reichende, schwarze Haar, welche sanft ihre Schultern umfloss.

„Das wird er.“, lachte die Schwangere. „Unser Kleiner ist schon eine Nummer für sich.“

Es klopfte an der Haustür. Yukihito ging zur Tür und ließ seinen zehnjährigen, blonden Sohn ein. Gemeinsam gingen sie in die Stube, wobei Gabriel ihm von seinen Schultag erzählte.



„Deine Mutter und ich müssen dir etwas wichtiges mitteilen.“, sagte Yukihito als sie alle in der Stube saßen.

„Was denn?“, fragte der junge Engel aufgeregt seine Eltern ansehend.

Was konnten Mam und Dad zu sagen haben? Sie sehen so glücklich aus! Dann ist es sicher etwas gutes! Dachte sich der Junge. Er saß wie auf heißen Kohlen. Das Kind war total hibbelig.

„Du weißt ja, dass es geschehen kann, dass Engel noch ein zweites Kind kriegen können.“, sagte Ariel.

Gabriel nickte schnell und ungeduldig.

„Wir haben dieses Glück. Bald wirst du großer Bruder!“

Der Zehnjährige sah seine Eltern ungläubig an. Das konnte er jetzt nicht glauben. Er bekam ein Geschwisterchen? Nur einmal hatte er davon gehört und das war vor drei Jahren gewesen. Seine Klassenkameradin Amelie hatte in der Schule damals gefragt, was Geschwister sind. Der Lehrer hatte ihnen erklärt, dass Geschwister Kinder von denselben Eltern seien und das Amelie sich darauf freuen könne, denn sowas gab es selten. Jetzt war ihr kleiner Bruder fast zweieinhalb Jahre alt und sie hatten auch schon öfter mit ihm gespielt. Jetzt freute er sich, dass auch er ein so kleines Wesen in der Familie hatte. Das Einzige, was ihm missfiel war, dass er seine Eltern teilen müsse und dann wohl auch sein Spielzeug.

Aber dann kann ich wenigstens zeigen, dass ich schon groß bin! Dachte er.



Die Monate vergingen so normal wie immer. Yukihito ging gewohnt seine Arbeit als einer der vier Leibwächter Gottes – von den niemand den Namen wusste, nicht einmal sein engster Vertrauter – mit stolzgeschwellter Brust, nach. Als seine drei Kollegen ihn danach fragten, hatte er ihnen von Ariel´s erneuter Schwangerschaft erzählt. Ariel ging weiter ihrer Arbeit als Kindergärtnerin nach. Es war der zweitgrößte Kindergarten in der größten Stadt der Engel. Sie hieß Angel´s Fly und beherbergte 10.000 Engel.

Am Vormittag des 31. Dezember 6274 in der Inus – Zeit platzte ihre Fruchtblase. Ariel wurde von der Frauenarztstation zum Kreissaal gebracht und ihre Familie wurde benachrichtigt. Yukihito wurde in den Kreissaal gelassen, aber Gabriel war leider zu jung, weshalb er draußen warten musste. Eine Kinderpflegerin passte auf ihn auf. Als die Kreissaaltür dann geöffnet wurde, da wurde das Krankenbett mit seiner Mutter in ihr Zimmer geschoben. Gabriel und sein Vater folgten.

Wo ist denn das Kleine? Fragte er sich und dementsprechend fragend sah er seine Eltern an.

Yukihito bemerkte die stumme Frage seines Sohnes und antwortete ihm. „Dein kleiner Bruder wird gerade untersucht. Das ist bei jedem Neugeborenen so.“

„Ach so.“, sagte der Zehnjährige und stellte sich an das Bett zu seiner Mutter. Sie sah ihn müde lächelnd an und strich dem Kind durch die fünfzentimeter langen Haare.

Nach einer halben Stunde kam der Pfleger mit dem in eine Decke gewickelten, schlafendem Baby wieder, welches er der Mutter in die Arme gab.

„Der Kleine ist kerngesund. Er ist 45 Centimeter groß und wiegt 3,2 Kilogramm.“, sagte dieser lächelnd und verabschiedete sich von der nun vierköpfigen Familie.

Gabriel sah fasziniert auf das kleine, schlafende Baby und legte eine Hand auf die weiche Wange. Das Baby lehnte sein kleines Köpfchen der Hand entgegen und seine kleine Faust umschloss den Daumen des Zehnjährigen.

„Der kleine Luzifer scheint dich schon ins Herz geschlossen zu haben.“, lächelte Ariel glücklich.

„Luzifer. So heißt du also, kleiner Bruder.“, sagte er glücklich.

Er sieht so klein und wehrlos aus. Ich werde ihn beschützen. Schwor sich Gabriel.
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