Star Trek Legacy IV: Silent Leges

von Telai
GeschichteAbenteuer / P16
Data
27.04.2014
20.01.2015
16
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Kapitel 1

„Sie sind aber ziemlich nass geworden bei dem Regen“, stellte Salik fest, nachdem sie Data umarmt hatte.
Der Android schaute an sich herunter. „Es scheint mir fast, als ob Sie recht haben.“
Salik kicherte leise. „Kommen Sie erst mal herein.“
Als Data eintrat, war er schon etwas verblüfft. Er hätte vieles erwartet, bloß nicht das, was er nun sah.
Das Haus, was offensichtlich Salik gehören musste, sah von innen um einiges größer aus als er erwartet hätte. Vor Data öffnete sich ein quadratischer Raum, der sicherlich um die fünf Meter hoch war. Rechts von ihm befand sich eine ebenfalls quadratische Ausbuchtung in der Wand, in der sich eine Küche samt einem Tresen in der Mitte und Barhockern darum herum befand.
Im Hauptraum gab es ein ziemlich großes Sofa mit einem niedrigen Tisch.
Jetzt konnte er auch erkenne, dass die gesamten Wände verglast sein mussten, denn man konnte nach draußen, auf den dunklen Weg schauen.
Direkt vor Data, am Ende des Raumes, befand sich eine Treppe nach oben, die zu einem Flur führte, der sich über die Länge des Raumes, indem sie sich befanden, erstreckte.
„Wohnen Sie hier, Commander?“, fragte Data ungläubig.
„Ja, so was in der Art. Das Haus gehört mir und Talon, wir leben hier nur, wenn wir Urlaub haben“, antwortet sie ihm und setze sich auf einen der Barhocker. Sie wirkte müde, wahrscheinlich hatte er sie geweckt. „Aber sagen Sie mir, Data, was verschlägt Sie so tief in feindliches Gebiet?“ Das neckische Funkeln in Saliks Augen hatte er wirklich vermisst.
„Ich muss dringend mit Ihnen sprechen. Einige Dinge sind geschehen, und da Sie nicht zu erreichen waren, dachte ich mir, ich komme persönlich vorbei.“ Data rang sich ein Lächeln ab, weil er wusste, wie bescheuert sich das anhören muss.
Salik schaute ihn einige Sekunden schweigend an, bevor sie zu lachen begann. „Welch faszinierende Beweggründe, um mitten in der Nacht hier aufzutauchen.“
Der Android hob die rechte Augenbraue. „Ich meine mich zu erinnern, dass Sie neulich erst um eine viel unpassendere Uhrzeit in meinem Schlafzimmer aufgetaucht sind.“
„Ja ja, schon gut“ Salik winkte lächelnd ab. „Das war ja alles andere als ein Vorwurf, ich freue mich ja über Ihren Besuch.“
Data verschränkte die Arme hinter dem Rücken. „Nun ja, könnten Sie mir vielleicht sagen, wie ich von hier aus zum nächsten Hotel komme? Dann würde ich Morgen um eine passendere Zeit wiederkommen.“
Nun schaute die Romulanerin verblüfft drein und begann dann zu grinsen. „Um diese Uhrzeit sicherlich nicht. Das schaffen Sie im Dunklen nicht,ohne sich zu verlaufen“, sagte sie dann.
„Aber....“, setzte Data an, doch er wurde sofort wieder von Salik unterbrochen.
„Außerdem können Sie gerne hier bleiben, mein lieber Captain.“
„Ich möchte Ihnen wirklich keine Umstände machen....“
„Ach was“, erwiderte Salik mit einem Lächeln. „Das ist doch kein Problem. Wir haben oben noch ein freies Bett, und was trockenes zum Anziehen kann ich Ihnen auch geben.“
„Das ist wirklich sehr lieb von Ihnen“, sagte Data. Er musste schon zu geben, dass er nur sehr ungern noch ein Mal vor die Tür gegangen wäre. Mittlerweile zuckte die Blitze beinahe im Sekundentakt über den nachtschwarzen Himmel, und der Regen prasselte gegen die Glasfront. Das Donnergrollen klang alles andere als freundlich.
Die Romulanerin erhob sich mit einem Lächeln. „Ich sag's ja, gar kein Problem. Kommen Sie mit nach oben, ich geb' Ihnen trockene Klamotten und zeig Ihnen das Bad. Sie wollen doch sicher duschen?“
„Ja, ich denke das wäre durchaus angebracht“, erwiderte er und atmete erleichtert aus. Ein bisschen hatte er damit gerechnet, dass sich Salik kalt und unnahbar, eben romulanisch, geben würde. Glücklicherweise schien sie sich wirklich zu freuen, Data wieder zu sehen. So legte er seinen Mantel ab und folgte Salik nach oben.

Salik grinste.
Sie hatte es sich gemütlich gemacht, mit einer Flasche Ale. Die Romulanerin saß unten auf einem der Barhocker, die sie unbedingt hatte haben wollen. Talon war dagegen gewesen, aber sie hatte sich durchgesetzt.
Und jetzt wartete Salik. Auf Data.
Es war sicherlich schon halb eins gewesen, als er so überraschend vor ihrer Haustür aufgetaucht war. Sie schaute auf die holographische Uhr an der Wand. Es war zehn vor eins.
Wenn sich Data nicht beeilte, würde sie noch einschlafen.
Endlich vernahm sie leise Schritte von oben.
Der Android kam endlich die Treppe hinunter und setzte sich neben Salik.
Salik hatte ihm ein großes schwarzes T-Shirt und ebenso schwarze Jeans gegeben. Von Talon, wohl gemerkt. Und er sah wirklich gut aus, seine Frisur saß wie immer perfekt. Sie frage sich langsam wirklich, wie er das machte.
„Also?“, fragte sie lediglich und nahm einen weiteren Schluck aus ihrem Glas. Bevor Data antwortet, griff er nach der Flasche und füllte sich ebenfalls Ale in das Glas, das Salik für ihn auf den Tisch gestellt hatte.
Beim ersten Schluck verzog er kurz das Gesicht, und Salik musste unwillkürlich lachen.
„Ich bin dieses Zeug nun mal eben nicht mehr gewöhnt“, erklärte Data, scheute sich aber nicht noch mehr zu trinken.
„Wir haben ein Problem“, begann er dann endlich zu erzählen. Natürlich, wann gab es auch mal keine Probleme? „Sie erinnern sich ja sicherlich daran, dass Kost uns bei dem Angriff der Borg gerettet hat.“
Ja, sie erinnerte sich. Wie sich Kost im Anschluss auf Data gestürzt hat, war auch sehr schwer zu übersehen gewesen. Sie lächelte amüsiert.
„Sie hat damit allerdings direkte Befehle des Flottenadmirals, der die gesamte Aktion leitete, missachtet. Und jetzt wird man sie für dieses Vergehen vor Gericht zerren.“ Data schnaufte verächtlich. Das passte absolut nicht zu ihm, wie Salik fand. Überhaupt wirkte er angespannt und fast ein wenig zynisch.
„Wir sind, sowie Foster, Tanela und noch ein paar andere, zur Verhandlung geladen, als Zeugen. Eben das ist der Grund, weshalb ich hier bin. Sie waren nicht zu erreichen, daher hat man mir, als ihr Vorgesetzter, aufgetragen ihnen die Ladung zu überbringen.“
Er verstummte und schaute in sein halbleeres Glas.
„Das hört sich aber nicht gut an“, murmelte Salik. Befehlsverweigerung war keine schöne Sache, auch nicht in der Sternenflotte.
„Eben. Ihre Aussage wird wichtig sein, ebenso wie die der anderen Zeugen. Man wirft ihr grob fahrlässiges Handeln vor, und natürlich, dass sie fast sich und die restlich Besatzung umgebracht hätte.“ Abermals ein verächtliches Schnaufen. „Hätte ich an Kosts Stelle so gehandelt, hätte man mir wahrscheinlich einen weiteren Orden für außerordentliche Tapferkeit verliehen.“
Salik schüttelte mit einem sarkastischen Lächeln den Kopf und pflichtet Data bei.
Nun wandte er den Blick von seinem Glas und schaute Salik an. „Werden Sie mit mir zur nächsten Sternenbasis kommen? Lange werden Sie nicht bleiben müssen.“
Täuschte sich Salik, oder klang in seiner Stimme ein wütender Unterton mit?
„Aber natürlich, wenn ich Kost helfen kann, sehr gerne“, antwortet sie verwirrt. Irgendetwas stimmt doch nicht.
„Das ist gut, Commander. In drei Tagen ist der Gerichtstermin, Sie sollten aber schon einen Tag vorher da sein. Hallway verteidigt Kost, außerdem möchte man die beiden Helden gerne noch ein bisschen mit Fragen belästigen. Wie das eben so ist.“ Abermals wandte Data den Blick von ihr ab und starrte wieder in sein Glas. Ihr fiel auf, dass er es bisher vermieden hatte, sie beim Namen zu nennen. Sie musste ihn ganz eindeutig irgendwie verärgert haben, doch Salik wollte nicht einfallen, wie sie das geschafft haben könnte.
Der Android schüttelte kurz den Kopf, dann erhob er sich. „Ich hoffe doch, dass es Ihnen nichts ausmacht, wenn ich jetzt schlafen gehe.“ Er lächelte gezwungen.
„Nein, nein natürlich nicht“, antwortet Salik und erhob sich ebenfalls. Schweigend gingen sie die Treppe hinauf , auf dem schmalen Flur bleib Salik stehen.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte sie leise.
Data drehte sich herum, er war bereits den Flur hinunter gelaufen in Richtung des Gästezimmers. Für einige lange Sekunden schaute er Salik in die Augen, es schien als wollte er etwas sagen. Dann schüttelte Data den Kopf.
„Vergessen Sie's“, murmelte er leise, seine Stimme klang enttäuscht. Er verschwand durch die Tür am Ende des Flurs, hinter der das Zimmer, in dem er schlafen würde, zu finden war. Salik blieb noch einige Sekunden stehen.
„Computer, Licht aus“, sagte sie dann und betrat ihr Schlafzimmer und ließ sich auf das große Bett fallen. Sie schloss die Augen und dachte einige Minuten an nichts. Morgen würde sie schon herausfinden, was nur mit ihrem Captain, der bald nicht mehr ihr Vorgesetzter sein würde, los war.

Als die Romulanerin am nächsten Morgen, durch Alpträume geplagt erwachte, musste sie sich sehr zusammenreißen, denn das, was sie wieder einmal in ihren Träumen gesehen hatte, war furchtbar gewesen. Sie schüttelte, wütend über sich selbst, den Kopf, da sie die Tränen nur mühsam zurückhalten konnte, und stand auf.
Sie tappte leise hinaus auf den Flur und hielt für einige Sekunden inne. Data schien noch zu schlafen und sie hatte nicht vor, ihn zu wecken.
Die Romulanerin betrat das Bad und duschte erst einmal, wie sie es jeden Morgen zu tun pflegte. Anschließend begab sie sich zurück in ihr Zimmer, um sich anzukleiden. Sie wäre ja sehr gerne den Morgen über noch in dem weiten T-Shirt und den kurzen Hosen, die sie wirklich liebte, herumgelaufen, aber das wäre ein wenig unpassend gewesen.
Bloß wusste sie jetzt nicht, was sie anziehen sollte. Sie musste sich ein Lachen verkneifen, so was geschah ihr sonst nie, was daran lag, dass sie den Großteil ihres Lebens auf Raumschiffen der Föderation oder aber des Imperiums verbracht hatte. Da gab es morgens nichts zu entscheiden, man zog einfach eine Uniform an. Sie sehnte sich wirklich sehr nach einer wunderbar unkomplizierten Uniform, aber auch das wäre keine gute Idee gewesen.
Salik schüttelte lächelnd den Kopf und entschied sich schlussendlich für ein ganz normales schwarzes T-Shirt und wählte eine ebenso normale, schwarze Hosen.
Sie schaute sich selbst im Spiegel an, und strich über die lange Narbe in ihrem Gesicht. Noch immer fühlte sich dieses Überbleibsel aus ihrer Zeit in Gefangenschaft des Tal-Shiars wie ein Fremdkörper an, als würde diese Narbe gar nicht zu ihrem Körper gehören.
Sie schüttelte abermals den Kopf und lächelte. Dann verließ die Romulanerin ihr Schlafzimmer und trat die Treppe hinunter.
Es war definitiv Zeit für Kaffee.

Im ersten Moment dachte Data, er wäre in seinem Quartier auf der Enterprise. Als er dann jedoch die Augen öffnete und ihn helles Licht blendete, wurde ihm sehr schnell bewusste, wo er sich befand. In Saliks Haus. Data blinzelte ein-, zweimal, bevor er sich streckte und aufstand. Er hatte erstaunlich gut geschlafen.
Auch der Zorn und die Frustration des gestrigen Abends nagten nicht mehr so sehr an ihm. Es war schon seltsam, er hätte Salik gestern Abend gerne gesagt, dass sie doch auf der Enterprise bleiben solle, doch er hatte es einfach nicht fertig gebracht, und wusste nicht genau warum. Wahrscheinlich verletzter Solz oder ähnliches. Er hatte es aufgegeben jede seiner emotionalen Reaktionen zu analysieren.
Amüsiert über sich selbst schüttelte Data den Kopf.

„Da sind Sie ja“, war alles was Salik sagte, als der Android endlich die Treppe herunter kam. Er nahm neben ihr Platz. Und es war selbstverständlich, dass sie erst einmal schweigend nebeneinander saßen und Kaffee tranken. Etwas Unausgesprochenes war zwischen ihnen, fast greifbar.
„Ich werde mich gleich auf den Rückweg machen“, sagte Data irgendwann und brach so das beinahe unerträgliche Schweigen. Salik nickte und biss sich auf die Unterlippe. Zwar wollte sie nur zu gerne erfahren, was mit Data los war, doch sie fragte nicht. Wenn er dazu bereits war, würde er sicher mit der Sprache herausrücken. Zumindest hoffte Salik das.
Abermals verfielen sie in Schweigen, bis Data ein amüsiertes Lächeln aufsetzte und sie von der Seite anschaute.
„Erinnern Sie sich noch an die Sache mit den Kreel? Als Sie mich und mein Außenteam aus diesem Gefängnis befreit haben?“
„Natürlich“, antwortet sie.
Data schüttelte den Kopf und lachte leise. „Ich hab Sie für wahnsinnig gehalten, als Sie vor dieser Zelle aufgetaucht sind und den Kreel zusammengeschlagen haben, weil er mich beleidigt hatte.“
Salik lachte ebenfalls und lehnte sich ein wenig zurück. „Ich habe nur Ihre Ehre verteidigt, Data.“
„Das haben Sie auch ganz wunderbar gemacht, sehr romulanisch wahrscheinlich.“ Er zwinkerte ihr zu. „ Ich hätte die Situation allerdings weniger gewalttätig gelöst.“
„Nur Diplomaten in der Sternenflotte“, erwiderte sie lächelnd.
„Aber natürlich.“ Der Android seufzte nostalgisch und schien in der Vergangenheit zu schwelgen. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich Sie anfangs nicht ausstehen konnte. Respekt für das was in Ihrer Akte stand, hatte ich zwar, aber ansonsten habe ich Sie einfach für vollkommen überdreht gehalten.“ Er warf ihr kurz einen besorgten Blick zu. „Bitte verstehen Sie das jetzt nicht falsch, Commander.“
„Ach was.“ Salik winkte ab. „Durchaus verständlich. Immerhin bin ich etwas gewöhnungsbedürftig.“ Dass er sie immer noch mit ihrem Sternenflottenrang ansprach, störte sie nicht sehr.
Abermals seufzte der Android, bevor er den Kopf schüttelte und aufstand. „Na ja, Vergangenes ist vergangen, was? Jedenfalls muss ich jetzt leider aufbrechen, in einer guten halben Stunde sollte das Shuttle da sein.“
Salik stand ebenfalls auf und schüttelte ihm die Hand. „Wir sehen uns also in ein paar Tagen bei der Gerichtsverhandlung?“, fragte er.
„Ich weiß nicht genau. Vielleicht werde ich Hallway meine Aussage einfach mit einem Hologramm zu kommen lassen.“ Salik lächelte entschuldigend. „Ich weiß noch nicht genau, wann ich auf mein Schiff muss.“
Sie konnte ganz eindeutig einen Ausdruck von Bedauern in Datas Augen erkennen. „Das ist wirklich schade. Heißt das, unsere Wege werden sich hier endgültig voneinander trennen?“
„Ich denke schon“, antwortet Salik etwas leiser und blickte betreten zu Boden. Als sie wieder aufsah, lächelte Data. Ohne zu zögern machte er einen Schritt auf sie zu und umarmte Salik. Die Romulanerin hielt eine Sekunde den Atem an, bevor sie seine Umarmung erwiderte und den Kopf an Datas Schulter legte. Sie schloss die Augen und genoss diesen Moment unerwarteter Nähe zwischen ihnen. Wenn Data sie umarmte, dann bedeutet das etwas, immerhin hielt er sich ansonsten wirklich sehr zurück mit so etwas.
„Danke, für alles“, flüsterte er ihr ins Ohr, bevor er sich von ihr löste und den Kopf in romulanischer Manier neigte. Wie betäubt schaute sie ihm hinterher, als er dann seinen Mantel griff und durch die Haustür verschwand.
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