Scherben

von Nightwind
KurzgeschichteAllgemein / P12 Slash
Herzog von Lancaster Robin
27.04.2014
27.04.2014
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Hey :D
Dieser OS ist für philipjack, da sie sich ihn gewünscht hat. :)
Ich hoffe ihr habt ebenso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben, und hinterlasst mir eine konsturktive Kritik. :D
Gerne auch zur Kurzbeschreibung oder zum Titel :)
Honi soit qui mal y pense ;)
GLG
Nightwind
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Robin konnte sich nicht bewegen, er spürte keinen Schmerz, aber auch nichts anderes. Er wusste nicht, wo seine Beine aufhörten oder in welcher Position seine Hände lagen, alles was er konnte, war hören und denken.
Es langweilte ihn doch, wenn ihn lange niemand mehr besuchen kam. Hatten ihn die anderen aufgegeben? Wie lange war es denn her, dass jemand ihn besuchen kam? Und wer war es gewesen? Henry?
Wie von selbst hob und senkte sich seine Brust in stetigem Atem und zog ihm so den Geruch des Raumes durch die Nase. Es roch muffig nach Krankheit, Staub und selten nach Fäkalien. Robin machte sich keine Gedanken darüber. Es war einfach so.
Als Robin das Knarren der Tür vernahm, spürte er den Reflex zu eben dieser zu schauen, doch seine Augen hörten nicht auf ihn und ließen ihn im unklaren über seinen Besucher.
Schritte näherten sich Robin und laut wurde ein Schemel näher zu seinem Bett gezogen.
Henry? Lionel? Leofric? Francis? … Lancaster?
Gleich würde der Besucher etwas sagen und sich somit zu erkennen geben, wusste Robin aus Erfahrung. Doch es blieb ruhig. Schweigen. Leofric. Enttäuschung.
Wieso war er enttäuscht? Weil Leofric nicht mit ihm reden konnte? Er war trotzdem dankbar für seine Gesellschaft. Dennoch beschlich ihn wieder diese Angst, nie wieder mit Leofric kommunizieren zu können. Wenn er blind bleiben würde.... Robin vertrieb den Gedanken und konzentrierte sich auf Leofrics Atmung. Immer wieder hörte er, wie die Luft ein gesogen und ausgestoßen wurde. Nicht immer regelmäßig und begleitet von einigem Stocken. Weine er?
Doch Leofric wurde schon bald von einem Knappen gerufen, der anscheinend von Lancaster geschickt worden war und die Tür mit großer Hast öffnete. Eilig verschwanden die Zwei und ließen die Tür hinter sich zufallen.
Wieso kam Lancaster nicht persönlich? Fand er diese Angelegenheit nicht wichtig genug?
Robin vertrieb den Gedanken. Der Herzog war ein beschäftigter Mann und immer noch sein Lehnsherr und nicht seine Amme.
Robin schlief. Er hatte nichts zu tun, konnte nichts tun und keiner kam, um ihm etwas zu berichten.
War Joanna schon zuhause angelangt? Glaubte sie immer noch den Unsinn, den Alice verzapft hatte? Man konnte es ihr nicht übel nehmen. Er hatte sich nicht wie der beste Ehemann benommen. Nun dachte sie, er ließe noch länger auf sich warten und kam einfach nicht. Vielleicht hatte man ihr einen Boten geschickt, dass ihr Mann im sterben lag? Robin hatte keine Hoffnung zu erwachen. Wahrscheinlich würde er irgendwann einfach zum letzten Mal einschlafen und nicht mehr zu Bewusstsein kommen.
Als Robin schon nicht mehr daran glaubte, knarrte die Türe erneut. Wie viel Zeit wohl vergangen sein mochte? Robin konnte die Zeit nicht mehr einschätzen.
Jemand seufzte. Es war ein tiefes verzweifeltes Seufzen. Eindeutig männlich.
Erneut kamen Schritte näher. Langsamer und leiser als die Leofrics, fast zögerlich. Dann senkte sich das Bett in Robins Hüftgegend und der Besucher lies sich nieder.
Moment. Das Bett senkte sich? Robin hätte begeistert aufgelacht, wenn er gekonnt hätte. Er spürte etwas! Er konnte sich immer noch nicht bewegen, doch er spürte etwas! Die Wärme der Decke, sein eigenes Gewicht auf dem Bett, ein Kitzeln an seinem Fuß und den dumpfen Schmerz, der seinen gesamten Körper einnahm. Nicht deutlich. Eher als würde man durch Nebel sehen. Doch es war immerhin etwas.
Robin spürte die Wärme seines Besuchers an seiner Hüfte und hörte das Reiben von Stoff, als derjenige sich umsetzte. Dann nahm er die Wärme plötzlich an seiner Hand wahr.
„Robin.“, hörte er, während die fremde Hand seine eigene nahm und ein kleines Stück anhob.
Lancaster. Robin wurde heiß, sein Herz machte einen Hüpfer. Wünschte er könne sich bewegen und seine Augen aufschlagen, doch er konnte nicht.
„Robin.“, wiederholte Lancaster und drückte leicht Robins unversehrte Hand, „Was macht Ihr nur mit mir?“ Lancaster seufzte erneut und senkte seinen Kopf zu ihren Händen.
Verzweifelt versuchte Robin seine Augen zu öffnen. Wenigstens seine Hand zu bewegen und den Druck zu erwidern.
Der Herzog zitterte leicht und verstärkte seinen Griff um die Hand seines Lehnsmanns, dann richtete er sich Ruckartig auf „Sag, willst du ihn wirklich von mir nehmen, Gott? Reicht dir dieser elende Krieg nicht, um die Menschen zu dir zu holen?“ Lancasters Stimme brach.
Robin hatte seinen Lord noch nie so verzweifelt erlebt.
Leises Schluchzen ertönte, es klang, als versuchte man es zu unterdrücken.
Innerlich schrie Robin auf. Er ertrug es nicht seinen Lehnsherren so verzweifelt zu erleben, hatte es immer gehasst, den Herzog in schlechter Stimmung zu sehen, doch selten war er verzweifelt gewesen. Doch alles das, war nichts gegen die jetzige Stimmung Lancasters.
Stockend arbeitete der Herzog Gebete ab, achtete nicht darauf, wofür er betete. Klammerte sich an die Worte, als wären sie seine letzte Hoffnung.
Dann brach er ab. „Ich weiß nicht, was ich noch tun soll. Sag es mir und ich tue es.“
Er strich sacht über Robins Handrücken und verlagerte sein Gewicht.
Robin spürte eine weitere Hand an seiner Wange. Eine raue Hand, die sich vorsichtig auf die bärtige Haut legte und einen Moment verweilte.
Er hätte heulen können, als Lancaster sich erhob und seine Hand zurück auf das Bett gleiten lies.
Für einen Moment war es ruhig, bevor Robin vor Schreck zusammengezuckt wäre, hätte er es gekonnt und lautes Klirren in Begleitung eines Schreis ertönte.
Lancaster atmete heftig, als die Scherben die Wand entlang auf den Boden fielen.
Kaum einen Moment später wurde die Tür aufgerissen. „Mylord? Was ist passiert?“, meldete sich eine fremde Stimme, die sogleich verstummte, als sie die Antwort ihres Herren erhielt: „Raus.“ Lancasters Stimme glich einem Windhauch und der Bedienstete verstand nicht. „RAUS!!“
Nach hastigem Stolpern schlug die Tür zu.
Schluchzend glitt der Herzog die Wand hinab. Das Schluchzen klang erstickt, als hätte er das Gesicht in den Händen vergraben.
Robin fing an zu schreien. Er konnte es nicht mehr mit anhören. Alle litten. Alle.
Und sein Herzog saß zusammengesunken neben ihm an der Wand und trotzdem konnte er nichts tun. Robins Schrei verließ nie seine Kehle, blieb unbemerkt und stumm.
Als Lancaster sich erhob, seine Nase hochzog und trottend den Raum verließ, schrie Robin immer noch still vor sich hin.
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