Einfach nicht leicht

GeschichteDrama, Familie / P16
26.04.2014
15.11.2015
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26.04.2014 501
 
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Wenn die wichtigste Person aus deinem Leben gerissen wird, ist es, als hätte man das Wertvollste für immer verloren. Das, wofür es sich zu leben und zu kämpfen lohnt. Das, was einen tröstet und schützt.
Von wegen, die Zeit würde alle Wunden heilen. Totaler Schwachsinn. Die Zeit ist nur ein weiterer Gegner, der besiegt werden muss.
Davon kann ich ein Lied singen, denn ich habe nicht nur eine, sondern gleich zwei Personen verloren und stehe nun vor dem nichts.

Mein Name ist Marla Louise Matilda Lindholm. Schrecklicher Name, ich weiß. Keine Ahnung, wie meine Eltern auf sowas kommen konnten. Matilda ganz traditionell nach meiner Urgroßmutter, okay. Aber die Kombination der drei Vornamen passt ja mal gar nicht und ist viel zu lang. Von Freunden werde ich oft nur Lou genannt, meine Eltern haben mich meistens Malou gerufen und in der Schule war ich bei den Lehrern als Marla bekannt. Mittlerweile reagiere ich auf sämtliche Variationen.
Ich bin 17 Jahre alt, in einem Jahr 18. Endlich! Ich kann es kaum erwarten, volljährig zu sein.
Dann wäre ich nicht in meiner jetzigen Situation, hätte nicht weglaufen müssen und vor allem müsste ich mich nicht der Familie stellen, die mich wohl hasste, wie keine andere.

Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich langsam aufbrechen musste. Schließlich hatte ich noch genug zu packen und das Flugzeug würde nicht warten.
In den letzten Wochen hatte sich mein Leben schlagartig verändert. Ich hatte mit meiner Mum alleine gelebt, da mein Dad schon vor einigen Jahren mit dem Motorrad verunglückt war und ich keine Geschwister habe. Wir haben eine schöne Wohnung in Frankfurt gehabt und auch in der Schule lief es gut.

Plötzliches Herzversagen. Mit gerade mal 41 Jahren.
Und von dem Moment an stand ich alleine da.

Aus Angst, was mit mir passieren würde, habe ich die wichtigsten Sachen und ein paar Kleider in eine Tasche gestopft und bin so schnell es geht zu meinem Onkel und dessen Familie geflogen. Er ist der Bruder meiner Mutter und hat mich sofort bei sich aufgenommen. Auch seine Frau, meine Tante also, hat sich um mich gekümmert und mir viel Trost gespendet.
Die beiden haben zwei Kinder, Ida ist fünf Jahre alt und Emil ist gerade zwei geworden. Meine Granny wohnt nur zwei Straßen weiter und war auch täglich bei uns. Sie ist eine sehr weise Frau und ich bewundere sie schon, solange ich denken kann.

Mehr Familie habe ich nicht. Zu gerne würde ich zu meinem Onkel ziehen, wäre da nicht das Problem, dass ich als einzige in Deutschland lebe. Der Rest lebt in Schweden, bei Stockholm genau genommen. Hier fühle ich mich zu Hause, denn auch Mum ist hier groß geworden und ich war selbst unzählige Male hier. Selbst die Sprache kann ich fließend sprechen und schreiben.

Doch ich möchte in Deutschland die Schule beenden und das Jugendamt war auch nicht sonderlich begeistert von meiner spontanen Reise. Gezwungenermaßen musste ich heute also zurückfliegen und mich meiner Zukunft stellen.
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