Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Frozen Heart

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Aragorn Gandalf Gimli Glorfindel Legolas OC (Own Character)
25.04.2014
29.01.2023
55
187.570
75
Alle Kapitel
120 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
19.02.2021 1.572
 
Für alt und neu: Infos unten bitte lesen
______________________________________________________________________


„Ihr werdet des Hochverrates angeklagt. Und Ihr werdet des Mordes angeklagt. Wie lautet Eure Antwort auf diese Anschuldigungen?“

Eine unangenehme Stille befiel den Raum, während die Augen aller auf ihre einsam stehende Gestalt in der Mitte des Raumes gerichtet waren. Langsam sah sie von einem Hochfürsten zum Nächsten, bis ihr Blick schließlich an dem Mann hängen blieb, der erwartungsvoll auf irgendwelche Worte ihrerseits wartete.

Sofort rief sie sich ein freundliches Lächeln auf die Lippen. „Unschuldig“, verkündete sie voller Zuversicht – ganz so, als wäre irgendeine andere Antwort völlig ausgeschlossen – und nahm ein weiteres Mal den Blickkontakt mit jedem einzelnen der Männer auf, um diesen bestätigend zuzunicken, „ich würde diesen Vorfall vielmehr als einen Unfall bezeichnen als mutwilligen Mord.“

„Ihr habt den Hochfürsten Gharos erstochen“, erinnerte einer der anwesenden Fürsten, der von seinem erhobenen Platz aus auf sie hinabsah. Sie wirkte beinah verloren, so allein im Zentrum des weiträumigen Saales; umgeben von einem Dutzend feindseliger Südländer, die ihr Urteil erwarteten. „Wie kann dieser Vorfall Eurer Meinung nach als ein Unfall gewertet werden?“

In einer verwerfenden Geste winkte sie seinen Vorwurf ab. „Das hätte doch jedem passieren können.“

„Mehrmals habt Ihr auf ihn eingestochen, bis ihn letztendlich ein Stich durch die Kehle getötet hat“, merkte ein anderer an.

Aus einer anderen Richtung wurde ergänzt: „Und das alles vor den Augen seiner eigenen Wachen.“

Es vergingen einige Sekunden, in denen nicht mehr als das stetige Pfeifen des Windes zu vernehmen war. Während draußen ein Sturm wütete, der den heißen Sand der unendlichen Harad-Wüste aufwirbelte und den Himmel in ein rötliches Licht tauchte, staute sich die Hitze im Inneren des trostlosen Palastes. Hier und da krabbelten ein paar verirrte Käfer über den Boden, bevor ein Windhauch, gepaart mit Sand, durch die schmalen Fenster hineinwehte und das Insekt mit sich zehrte.

Dann ließ sie ein nervöses Lachen vernehmen und zuckte fragend mit den Schultern. „Es war Selbstverteidigung?“

Ihre Frage, triefend voller Sarkasmus, ließ sie anwesenden Männer stumm zurück. In ihren Gesichtern – teilweise kunstvoll bemalt, teilweise drapiert mit goldenen Schmuckstücken – konnte sie eine Mischung aus Missgunst und Zorn erkennen, der von ihrer kühnen Art nur weiter geschürt wurde.

Das Volk der Haradrim im Süden Mittelerdes war nicht für seine zivilisierte Sitten und moralischen Werte bekannt. Unter den verschiedenen Stämmen herrschte immer wieder Krieg – um Landesgrenzen, fruchtbare Böden; um Tiere und Sklaven, die von einem Fürsten an den nächsten verkauft wurden. Es wurde geraubt, geschändet und gemordet. Doch erst, wenn eine Frau es den Männern gleichtat, schien eben jene Verhaltensweise zu einem Problem zu werden.

Tatsache war, dass der Hochfürst Gharos - ein abscheulicher Bastard, der seine Finger nicht bei sich behalten konnte – sein Schicksal mehr als verdient hatte. Sie bereute lediglich, dass sein Tod so schnell von statten gegangen war, anstatt ihn für seine grausame Art, für die er im ganzen Reich der Haradrim bekannt geworden war, leiden zu lassen. Zu ihrem Leidwesen teilten die anwesenden Männer, die zusammen den Hohen Rat der südlichen Fürsten bildeten, diese Meinung jedoch nicht mit ihr.

Verdammte Heuchler.


Während das Rauschen des Windes die unangenehme Stille weiterhin als einzigen Laut durchbrach, betrachtete sie erneut den großzügigen Raum, der einst vor vielen Jahren aus dunklem Sandstein gefertigt wurde. Es war für sie ungünstig, dass sie sich in der scheinbar unendlichen Wüste des Südlandes befand, weit weg von jeglicher normalen Zivilisation, die den Westen Mittelerdes bewohnte. Gleichzeitig konnte sie es den versammelten Hochfürsten hoch anrechnen, dass sie alle den Aufwand betrieben hatten, sie bis hierher eskortieren lassen, um sie vor dem Urteil ihres Gerichtes zu stellen – immerhin hätte man sie auch einfach hinrichten können. Aber dass die Haradrim aber eben dies nicht getan hatten, obwohl in den Geschichten nicht gerade viel von der Barmherzigkeit und Geduld des Volkes berichtet wurde, sprach deutlich für irgendeine Absicht, wegen der die versammelten Hochfürsten sie am Leben ließen.  

Irgendetwas wollten sie von ihr – und es war einzig und allein ihre eigene Neugierde, die sie weiterhin dazu antrieb, dieses elendige Spielchen weiter mitzuspielen. Denn wäre es eine andere Situation, so hätte sie sich längst von diesen lästig juckenden Seilen, mit denen man ihre Handgelenke viel zu eng zusammengeschnürt hatte, befreit und wäre ihrem ursprünglichen Weg östlich in die Region Khand gefolgt.

Diese scheinbar ewig andauernde Stille, die von den Männern anscheinend dafür genutzt wurde, um ihre Gestalt nicht gerade unauffällig zu mustern, wurde letztendlich von dem Fürsten durchbrochen, der im Zentrum der Stuhlreihe verweilte und schon zuvor die ihr vorgeworfenen Anklagepunkte aufgelistet hatte.

Es war ein bereits älterer Mann, dessen Gesicht beinah vollständig mit weißer Farbe bemalt worden war. Seine goldenen Schmuckstücke, die in Vielzahlen seine gesamte Gestalt schmückten, sprachen von seinem hohen Rang, den er als einer der Haradrim innewohnte – ein Hochfürst, der seit Jahrzehnten ungeschlagen und somit unübertroffen war. Einer der Unbesiegten. Jene, die laut den Legenden des südlichen Volkes einst von den Valar gesegnet worden waren.

Eine vielerzählte Sage, von der sie wusste, dass es eine Lüge war.


„Wie ist dein Name?“, fragte er schließlich, bevor er sich langsamen Schrittes in Bewegung setzte und die wenigen Treppen von seinem hocherbauten Sitz hinunterlief. Sie beobachtete ihn voller Skepsis dabei, wie er durch scheinbar gelassen durch den weiten Raum schlenderte und sich ihr näherte.

Als Antwort zuckte sie nur mit den Schultern und rief sich einen passiven Ausdruck auf das Gesicht. „Keine Ahnung. Den habe ich wohl vergessen.“

Ein Lachen, voller Spott und Ironie, hallte in dem Raum wider. Für einen kurzen Moment wandte er seinen Blick von ihr ab und sah stattdessen zurück zu den anderen Hochfürsten, ganz so, als erwartete er ihrer aller Zustimmung, bis er erneut sie betrachtete und weiterhin die wenigen Meter zwischen ihnen überbrückte. Mit jedem Schritt, den er lief, klimperten seine goldenen Ketten und glänzenden Juwelen; mit jedem Lachen, das er weiterhin von sich gab, wurde es ein Hauch unechter und gefährlicher.

Ihr war bewusst, dass sie ein riskantes Spielchen spielte – aber nach all den Jahren, die sie bereits auf dieser Erde verweilte, war es das Risiko, dass ihr einen Hauch der Lebensfreude zurückgab.

Und deshalb lächelte sie nur, als er letztendlich vor ihr zum Stehen kam. Sie lächelte, wie eine Wahnsinnige es nur im Angesicht des Todes tun würde. Oder wie eine Frau, die absolut nichts mehr zu verlieren hatte.

„Ich habe viele Dinge über dich gehört“, hauchte der Mann schließlich so leise, dass die anderen Fürsten es kaum mehr verstehen konnten, „über eine Hexe aus dem Westen – entsandt, um unsere Männer zu verfluchen und unsere Kinder zu töten-“

„-ja und eventuell verspeise ich sie danach auch noch.“

Ihre Erwiderung ließ sein Grinsen einen Hauch breiter werden, während er gleichzeitig drohend mit dem goldenen Griff seines Dolches spielte. „Über eine Elbe, die vor langer Zeit von ihrer Sippe verstoßen und in das Exil geschickt wurde, um von ihresgleichen vergessen zu werden.“

„Nun, das wäre aber ein ziemlich langweiliges Ende für meine Geschichte, nicht wahr?“, kommentierte sie erneut und grinste ebenfalls.  

Doch ein weiteres Mal wurde ihr ungefragter Einwand übergangen und der Mann sprach einfach weiter. „Und über eine Kriegerin, deren Fähigkeiten im Kampf absolut miserabel sind.“

„In Ordnung, dieses Gerücht ist vermutlich wahr, das kann ich nicht leugnen.“

„Aber trotz all dieser Erzählungen kennen wir nicht die Wahrheit. Denn was ich hier vor mir sehe, ist eine gewöhnliche Frau“, unsanft umfasste er ihr Gesicht mit seinen dreckigen Händen und drehte dieses von einer Seite zur anderen, als würde er ihr Aussehen genaustens bewerten, „schön anzusehen, aber mit einer Zunge, die ihr herausgeschnitten werden sollte-“

„Ich mag meine Zunge“, unterbrach sie ihn spottend, bevor sie sich mit einem Ruck von seinem Griff befreite.

Er ließ sie gewähren, betrachtete sie jedoch zeitglich mit solch einer Gier in den Augen, dass sie angewidert die Nase rümpfte. Doch trotz ihres Ärgernisses ertrug sie seine unverhaltene Musterung mit Würde und wartete gespannt darauf, dass er weitersprach.

Etwas zu lange blieben seine Augen an ihrem Oberkörper haften, dann ließ er ein weiteres Lachen vernehmen und sah zu ihr auf. „Man könnte dich als eine gute Sklavin verkaufen – wäre es nicht um das hohe Kopfgeld, dass man für deinen Namen ausgesprochen hat.“

Sie hatte vieles von der Versammlung des südlichen Rates erwartet, doch seine Antwort war das Erste, was sie seit ihrer Ankunft in der entfernten Wüstensiedlung überraschte. Für den Bruchteil einer Sekunde war ihr diese Verwunderung auch anzusehen, bis sie diese gekonnt mit einem belustigten Grinsen ihrerseits maskierte. „Also bin ich, auch wenn ich eine gewöhnliche Frau bin, doch einige Münzen wert? Wie erfreulich.“

Er erwiderte ihr Grinsen. Und es war diese Überlegenheit – diese absolute Selbstsicherheit, mit welcher er auf ihre kleinere Gestalt hinabsah – die sie letztendlich doch nervös werden ließ.

„In der Tat – also sag mir, Amara, Wiedergängerin: Warum hat der Hexenkönig von Angmar es auf deinen Kopf abgesehen?“


______________________________________________________________________

Die folgenden Infos gerne lesen :)


A/N: Ja ups, was ist denn hier passiert - die Geschichte wurde doch 2016 beendet :D

Jaa, nach fünf Jahren dachte ich mir, wird es mal Zeit für ein Remake - denn die Geschichte liegt mir noch immer am Herzen, wie vor Jahren, als ich mit dieser hier auf der Seite angefangen habe. Nur jetzt, wo Jahre vergangen sind und mein Schreibstil sich verändert hat, wollte ich die Story einfach mal von Grund auf überarbeiten.

Für die alten Leser: Willkommen zurück! Ich hoffe euch gefällt die neue Variante, die im Kern noch die alte bleiben wird - nur hoffentlich besser :D

Für die neuen Leser: Herzlich Willkommen hier und viel Spaß beim Lesen! :)

Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast