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Was ist eigentlich schiefgelaufen...?

von Naddosh
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
25.04.2014
08.12.2015
59
110.612
2
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25.04.2014 1.124
 
Ich habe noch nie zu den einfachen Mädchen gezählt, die sich angepasst haben und gut mit Kritik von anderen umgehen konnten. Es ist egal, wie verständnisvoll oder vorsichtig sie dabei waren, sobald sie mir Fehler aufzeigten war es vorbei. Damit konnte ich noch nie richtig umgehen und ich habe auch so meine Zweifel daran, dass sich das jemals ändern wird.
So mit der Zeit kommt meine Umgebung glücklicherweise auch damit klar. Zumindest vermeiden sie solche Dinge größtenteils. Es ist auch nicht so, als ob ich der Meinung sei, ich könne alles schon und bräuchte mich nicht mehr zu verbessern. Im Gegenteil. Es ist ganz einfach so, dass ich meistens selber weiß, wenn ich einen Fehler begangen habe. Wenn es nicht so ist und mir jemand sagt, worin ich mich geirrt habe, dann ärgere ich mich über mich, was dann aber auch eher diejenigen abbekommen, die mich darauf hingewiesen haben.
Leider muss ich zugeben, dass ich ein kein Talent dafür habe, Aggressionen zu vertuschen. Ich weiß auch nicht wieso, aber solche Emotionen müssen immer unverzüglich raus aus mir. Eigentlich bin ich der Meinung, dass das dennoch kein Grund ist, mich zu meiden. Jeder Mensch hat doch wohl Fehler, wieso darf ich denn dann keine haben?
Die Welt ist eben ungerecht.
Es gibt allerdings trotzdem noch Leute, die mich besser kennengelernt haben. Nicht viele und mit den meisten habe ich auch keinen Kontakt mehr, denn anscheinend zählt das Halten von Freundschaften ebenfalls nicht zu meinen größten Talenten. Und eben diese Leute, die mich tatsächlich nicht gleich als aggressiv und komisch abgelehnt haben, nennen mich dann auch noch ruppig. Also ich habe ja wirklich nichts gegen sie, aber das ist ja dann doch wohl schon ein wenig übertrieben. Das klingt ja geradezu so, als würde ich mich mit jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, anlegen.
Und ganz so ist es ja nun auch wieder nicht.
Meine Leute haben einen Vorteil, denn sie treffen mich auch meistens erst dann, wenn ich vorher schon ein wenig trainiert habe, sodass ich schon so ausgepowert bin, dass ich nicht bei jedem falschen Satz sofort auf Hundertachtzig bin.
Zu ihrer Verteidigung muss ich allerdings hinzufügen, dass sie auch meinen, dass ich wirklich entspannt wäre, wenn man mich besser kennenlernt. Ich nehme das einfach mal als Kompliment, denn es ist mir lieber, wenn man mich als entspannt bezeichnet, statt als Korinthenkacker.
Na ja, ich bin und bleibe der Meinung, dass ich mich normal fühle. Nein, so ganz stimmt das auch nicht, denn ich BIN normal. Lediglich der Rest der Welt ist unterdurchschnittlich. Einfach nur unterdurchschnittlich. Ich will nicht sagen unterdurchschnittlich dumm, wobei ich auch dafür einige Beispiele nennen könnte. Vielleicht treffe ich es besser, wenn ich sage, dass der Rest der Welt einfach ein unheimliches Talent besitzt, mich auf die Palme zu bringen.
Ich tippe da ja auf eine genetische Sache, die dann bei mir wohl entweder mutiert oder gänzlich weggefallen ist. Kann ja mal passieren…
Aber ich schweife mal wieder vollkommen vom Thema ab. Das ist leider auch so ein Manko von mir, denn eigentlich wollte ich darüber nachdenken, wieso ich mal wieder hier sitze. Nun schon zum vierten Mal in dieser Woche und die Schulwoche hat doch nur fünf Tage! Wenn ich so weiter mache, kann ich vielleicht noch einen neuen Rekord aufstellen. Hey, dann würde ich es vielleicht sogar ins Guinnessbuch der Rekorde schaffen! Das wäre doch mal etwas!
Oje, ich schaffe es wirklich nicht, beim der Sache zu bleiben! Also noch einmal ganz von vorne. Ich sitze momentan im Direktorat meiner Schule und draußen regnet es in Strömen. Vielleicht sollte ich meinem Direktor dankbar sein, dass ich jetzt hier sitzen kann und nicht nach Hause laufen muss. Obwohl ich eher nicht in die Verlegenheit kommen werde, nach Hause zu gehen, denn ich habe noch ein paar Stunden. Leider. Aber ich muss mir ja gar keinen Kopf darüber machen, denn ich bin weder im Unterricht, noch auf dem Nachhauseweg.
Mal ganz davon abgesehen, ist es unwahrscheinlich ist, dass es in fünf Minuten aufhört zu regnen. Und mit den fünf Minuten meine ich es ernst, denn die Gespräche, die ich sonst mit meinem Direktor führe, sind eigentlich nie länger, als fünf Minuten. Und zusätzlich natürlich die ewige Wartezeit vorher, bei der ich glaube, dass er das mit Absicht macht, denn es ist wirklich jedes Mal so, dass ich mindestens zwanzig Minuten darauf warte, dass der werte Herr sich dazu erbarmt, mir eine Strafpredigt zu halten.
Ich vermute, dass die eigentlichen Gespräche so kurz sind, weil es schon seit Jahren immer dasselbe sein muss. Man könnte sage, dass ich hier Stammkunde bin, um mir meine tägliche Portion an Standpauken abzuholen. Also natürlich neben den normalen, die ich von den einzelnen Fachlehrern immer bekomme.
Wie lange will der denn noch palavern? Ich denke wirklich, dass die Leute um mich herum zu blöd sind. Merkt der denn tatsächlich nicht, dass ich ihm nicht zuhöre? Dass ich das, bis auf die ersten ein, zwei Male auch noch nie gemacht habe? Ich habe nämlich immer meine Kopfhörer in den Ohren.
Nun ja, vielleicht merkt man ihm dann doch schon die Vierzig an. In diesem Alter ist man eben nicht mehr auf dem geistigen Höhepunkt…
Bei diesem Gedanken muss ich unwillkürlich grinsen, was in meiner aktuellen Situation nicht unbedingt die beste Reaktion ist, denn mein Direktor muss das ja natürlich sofort wieder auf sich beziehen. Schon ein bisschen egozentrisch, der Herr.
Okay, er muss ja denken, dass ich über seine Predigt grinse. Sogar ich kann nachvollziehen, dass das jetzt nicht sehr vorteilhaft ist, aber muss man denn wirklich gleich so pingelig sein?
„Josy!“, höre ich ihn ausrufen, während er mich ansieht. Josy! Was hatten sich meine Eltern eigentlich bei diesem Namen gedacht?! Ich bin mir sicher, dass das in irgendeinem vernebeltem Zustand passiert sein muss. Wahrscheinlich genauso, wie meine Zeugung…
Okay, also darüber will ich jetzt echt nicht nachdenken.
Angewidert verziehe ich das Gesicht. Oh, hoffentlich bezieht das dieser Blödmann nicht wieder auf sich.
„Ich bin echt enttäuscht von dir…!“, höre ich ihn sagen, dann beginnt das nächste Lied. Plötzlich macht er eine auffordernde Bewegung und ich kann endlich den Raum verlassen. Na endlich!
Wenn ich so darüber nachdenke, wieso ich das eigentlich immer mache, kommen meine Gedanken jedes Mal wieder zu meinen Eltern. Was haben sie bloß falsch mit mir gemacht, dass ich so bin, wie ich nun mal bin? Wäre ich anders, hätte es mir einiges erspart.
Vielleicht sind es auch einfach die Gene. Aber selbst wenn, dann wären meine Eltern ja auch irgendwie daran schuld, schließlich ist es ja nicht meine Zusammenstellung. Aber ich fange ja schon wieder damit an.
Wahrscheinlich ist es einfach das Beste, wenn ich erzähle, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Also das war so…
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