Out Of The Past

GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P18
Gambit / Remy LeBeau Jubilee / Jubilation Lee Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Rogue / Mary D'Arcanto Sabretooth / Victor Creed Wolverine
24.04.2014
02.06.2016
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Die Taschen waren gepackt.
Liliths Herz war schwer, so unglaublich schwer, doch sie hatte keine andere Wahl.
Apathisch vor sich hin starrend saß sie auf ihrem Bett, darauf wartend, dass das Taxi ankam.
Ihr Blick war zur Tür gerichtet, in ihrem Rücken ging gerade rot leuchtend die Sonne unter.
Sie wollte nicht sehen, wie der Garten ein weiteres Mal im wunderschönen Licht der Abendsonne aufleuchtete, wie am ersten Tag, an dem Abend an dem sie hier angekommen war.
In ihren Händen lag eine Streichholzschachtel, die die Bruchstücke ihres Achats enthielt, der beim Kampf zerbrochen war. Sie hatte sich entschlossen, nicht zu versuchen ihn zu kleben, sollte er ewig Erinnerung daran sein, dass ihr Leben kaputt gegangen war und man es nicht mehr reparieren konnte.
Er war das einzige, was sie zur Erinnerung mit sich nehmen würde neben ein paar Fotos. Sogar ihren Kampfanzug ließ sie zurück und auch ihren neuen Namen „Replica“ würde sie wieder ablegen, sobald sie das Gelände verließ.
Sie war nicht mehr Replica und auch kein X-Men mehr. Nicht, nachdem was sie angerichtet hatte. Sie war nicht mehr würdig.
Zwar hatte sie sich von dem Schock über Nightcrawlers Tod erholt, der nun eine Woche zurücklag, aber die Schuldgefühle und die Angst saßen trotz alledem noch so unglaublich tief. Wie konnte es auch anders sein? So etwas verließ einen nicht einfach mal innerhalb weniger Tage.
Und so war es besser. Nun konnte sie mit dem guten Gewissen gehen, dass niemand ihr Vorwürfe machte. Gut, zumindest niemand außer sie sich selbst.
Das lange Gespräch, das sie mit Logan geführt hatte über ihren Dad und ihre Vergangenheit hatte gut getan, auch wenn sie nun noch genauer wusste, was Wolverine in seiner Gefangenschaft hatte erdulden müssen. Eine weitere Angelegenheit, die sie sich nie würde verzeihen können.
Doch auch diese Fragen waren nun alle ausgesprochen und geklärt, es gab nichts mehr, was es zu erledigen galt. Lilith hatte alle Türen hinter sich geschlossen, alles erledigt, was erledigt hatte werden müssen. Abgesehen davon, dass sie sich von so gut wie niemandem verabschiedet hatte.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Rogue stand im Raum.
Es kam Lilith ein wenig vor, wie ein Deja-vúe, es war wie an dem Tag an dem sie mit Logan, Scott und Charles zu ihrer Tour durch die USA aufgebrochen war. Abgesehen davon, dass Rogue damals in besserer Laune gewesen war, ebenso wie sie selbst. Es schien Jahre her zu sein.
„Du gehst?!“, fragte Anna Marie entgeistert.
Lilith verfluchte in Gedanken Cyclops, er musste ausgeplaudert haben, was sie ihm und Charles an diesem Morgen anvertraut hatte.
Lilith nickte träge, ohne Rogues Blick zu erwidern.
„Aber...warum?“, verlangte sie zu wissen, „Ich dachte es sei alles wieder auf dem Weg der Besserung und du kommst über all das hinweg oder bist zumindest dabei, darüber weg zu kommen.“
Lilith entgingen weder die Tränen in Anna Maries Augen, noch der verzweifelte Ton in ihrer Stimme.
„Ja. Bin ich“, erwiderte Lilith, „Aber ich kann nicht bleiben. Nicht...nicht nachdem was passiert ist.“
Mit diesen Worten erhob sie sich und im nächsten Moment hörten sie beide ein Hupen von draußen.
Das Taxi war da, Lilith hatte es während ihrer Worte bereits in den Vorhof rollen hören.
„Warum?“, wisperte Rogue, als Lilith zu ihren Taschen ging und schon im Begriff war sie aufzunehmen, „Wir sind doch deine Familie, deine besten Freunde. Du kannst doch nicht...“
Sie brach ab und schluchzte.
„Genau aus diesem Grund“, entgegnete Lilly und sah ihre Freundin zum ersten Mal an.
Diese erwiderte ihren Blick verständnislos. Lilith lächelte, ließ die Taschen sein und schloss Rogue in die Arme.
„Ich bin eine zu große Gefahr“, sagte sie leise, während nun auch ihr Tränen in die Augen stiegen, „Ich werde nicht zulassen, dass so etwas noch einmal passiert. Ich will nie wieder jemanden, der mir nahe steht in Gefahr bringen, verletzen oder gar töten. Und ich möchte nie mehr der Grund sein für so viel Leid.“
Rogue wusste genau, dass sie damit Liliths Kontrolle durch Mister Sinister, sowie das Verschwinden von Logan und den Kindern meinte, genau wie Kurts Tod, an dem sie sich anscheinend noch immer irgendwie die Schuld gab.
Lilith lies sie los und Anna Marie wusste nichts mehr zu sagen. Sie kannte Lilly nun schon so gut, dass sie erkannte, wann sie sich für etwas so sicher entschieden hatte, dass man sie nicht mehr umstimmen konnte.
„Du wirst mir fehlen, Anna Marie. So sehr“, sagte Lilith, während die Tränen den Weg über ihre Wangen fanden, „Ich hatte nie eine Freundin wie dich und ich weiß, dass ich nie mehr eine wie dich finden werde. Ich danke dir aus tiefstem Herzen, für all dein Vertrauen und für deine Unterstützung, deine wunderbare Freundschaft. Lebe wohl.“
„Du wirst mir auch fehlen, Lilly“, schniefte Rogue nur, sie brachte nicht mehr hervor.
Sie wollte nicht, dass Lilith ging; natürlich nicht. Trotzdem hielt sie sie nicht auf, als sie ihre Taschen nahm und den Raum verließ. Sie sank auf Liliths frisch gerichtetes Bett und begann hemmungslos zu weinen. Lilly hörte sie sogar noch, als sie an der Treppe ankam. Verfluchte übermenschliche Sinne...
Das Haus war wie leer gefegt. Es waren mal wieder Ferien und die meisten Kinder waren nach Hause gefahren, die die es konnten zumindest. Aber das war in Ordnung. So musste sie niemandem mehr erklären, wo sie hinging. Aber sie würde sie alle vermissen, ihre Schüler und Schülerinnen. Und das Haus... Sie hatte sich bisher nirgendwo so zu Hause und so zugehörig gefühlt wie hier. Wenn sie an Zuhause dachte, würde sie bis in alle Ewigkeit dieses Haus im Kopf haben.
Mit einem hoffnungslosen Seufzen auf den Lippen stieg sie die Treppen hinab und trat durch die große Halle, bevor sie die Tür öffnete.
Rötliches Licht flutete den großen, hellen Raum durch die Fenster. Oh, es sah so wunderschön aus, das Sonnenlicht auf all den Büschen, Bäumen, Blumen, dem Gras, den Marmorstatuen...
Und inmitten des von Blumen gesäumten Vorhofes der Mansion stand das gelbe Taxi, das sie fortbringen würde, wohin auch immer sie wollte.
Vielleicht zurück in die kleine Stadt, um wieder als Kellnerin zu arbeiten und vielleicht Samantha wiederzusehen und ihr alles zu erklären? Zurück nach Regina, in die Stadt wo alles angefangen hatte? Auf die Suche nach Sinister, um ihm heimzuzahlen, was alles vorgefallen war? Oder irgendwohin, wo niemand war, irgendwo in die Ödnis, wo sie niemanden gefährden und niemanden verletzen konnte. Wo ihr Herz eingehen und verdorren würde, vor lauter Sehnsucht nach diesem Ort und nach diesen Personen...
„Lil'!“, hörte sie dann plötzlich eine Stimme hinter sich und ihre Knie wurden weich. Sie hatte gehofft, sie würde ihn nicht mehr sehen, bevor sie ging. Das würde alles nur noch so viel schwerer machen, auch wenn ihr klar gewesen war, dass sie für immer bereut hätte, sich nicht von ihm verabschiedet zu haben.
„Wo willst du hin?“, wollte Wolverine wissen, auch wenn sie in seinem Gesicht schon lesen konnte, dass er es wusste. Auch ihm hatte es wohl jemand gesteckt.
„Ich weiß noch nicht“, antwortete Lilly und wischte sich die verdammten Tränen ab. Er beobachtete dies mit ernstem Blick.
„Hey, du kannst doch nicht einfach gehen...“, sagte er.
„Ich muss“, widersprach sie, „Tut mir Leid, Logan.“
Sie ließ ihre Taschen zu Boden gleiten und fiel ihm um den Hals. Er erwiderte die Umarmung mit festem Druck, während Liliths Tränen immer mehr wurden, sie konnte einfach nichts dagegen tun. Sie wusste jetzt schon, wie sehr er ihr fehlen würde, für immer und bis ans Ende aller Tage.
Als er sie fragte, warum sie gehen wollte, gab sie ihm die selbe Antwort, wie Rogue. Sie konnte nicht bleiben, zu groß war die Angst, sie könne erneut jemanden verletzen oder in Gefahr bringen, der ihr nahe stand.
Wolverine seufzte und lockerte seinen Griff so weit, dass er ihr ins Gesicht sehen konnte.
„Lilith, wir haben unser Leben für dich aufs Spiel gesetzt, jeder von uns hat das getan. Glaubst du wirklich, wir würden dich lieber hergeben, als uns eventuell in Gefahr zu bringen?“, fragte er, „Schlimme Dinge müssen manchmal passieren und es gibt nichts, was wir dagegen tun können, außer zu versuchen sie besser zu machen.“
Liliths Unterlippe zitterte. So fest entschlossen war sie gewesen und nun bröckelte ihr Wille einfach davon, wie eine baufällige Wand.
„Aber...“, versuchte sie ihren letzten Widerstand aufzubauen, doch Logan unterbrach sie: „Und was willst du tun, wenn du weg bist? Wo willst du hin?“
Als sie nicht antwortete, schob er nach: „Willst du den ganzen Rest deines Lebens irgendwo allein in der Einöde leben, nur weil du es nicht wagen willst, irgendjemanden zu gefährden?“
Lilith ließ Logan los, zuckte mit den Schultern und starrte zu Boden.
Er hatte genau erraten, was eine ihrer Optionen war, so lächerlich sie auch klingen mochte. Sie wollte nur fort, um die Menschen zu schützen, die ihr so sehr ans Herz gewachsen waren, dass sie es sich nie mehr verzeihen würde, wenn ihnen ihretwegen was passierte. Das mit Kurt reichte für ihre Maßstäbe für mehr als ein Menschenleben.
Wenn die ewige Einsamkeit der Preis dafür war, dann würde sie ihn bezahlen.
Als sie den Blick hob, sah sie Jubes am anderen Ende der Halle stehen. Lilith hatte sie noch nie so traurig gesehen, abgesehen von dem regnerischen Tag von Kurts Beerdigung.
Sie sah die Tränen auf Jubilees Wangen glitzern. Doch noch während Lilly zu ihr hinüber sah, machte sie auf dem Absatz kehrt und verschwand im rechten Flur. Jubilation, die sie so schnell in ihr Herz geschlossen hatte und die für sie da gewesen war, wie niemand anders, die für sie geworden war wie eine kleine Schwester.
Lilith glaubte ihr Herz noch ein Stück weiter brechen zu hören. Sie hatte gedacht, es wäre einfach zu gehen. Sich davon schleichen und nicht sehen, wie sehr es den anderen schmerzte. Cyclops hatte wohl seine eigene Methode gehabt, Lilith am Gehen zu hindern. Oder vielleicht war es auch Charles gewesen?
Es sah fast nach einem Plan von ihm aus, nicht Lilly selbst zum Bleiben zu überreden, sondern das die anderen tun lassen, alle anderen, damit sie sah, dass sie hier gewollt war und dass sie vermisst werden würde.
Als sie einen Moment die Augen schloss, sah sie Kurt vor sich. Sie trat zurück, Logans Arme glitten von ihr ab.
„Ich kann nicht bleiben“, wisperte sie, trotz dem stechenden Schmerz in ihrer Brust und nahm ihre Taschen wieder auf, die Hände zitternd.
Ein letztes Mal traf ihr Blick den aus Logans tiefblauen Augen, dann wandte sie sich ab und trat zur Tür hinaus, eilte die Treppen hinab und steuerte zielsicher auf das Taxi zu.
„Lilith, warte! Bitte!“, rief Logan ihr nach und sie hörte seine Schritte hinter ihr. Er packte sie unsanft am Arm, als er sie erreichte und versuchte sie zurück zuhalten.
„Lass mich los!“, verlangte sie, ohne ihn anzusehen.
„Geh nicht, Lilly. Komm schon! Du kannst das doch nicht ernst meinen!“, versuchte er nun harscher sie umzustimmen.
„Ich wiederhole mich ungern. Ich kann und werde nicht bleiben“, spulte sie verzweifelt erneut ab, was sie schon zu oft gesagt hatte.
Als Wolverine erneut ansetzte, sie zu überreden, schnitt sie ihm schluchzend das Wort ab.
„Erinnerst du dich an den Tag, an dem du von... An dem du verschwunden bist?“, fragte sie und versuchte sich nicht daran zu erinnern, was an diesem Tag außerdem mit ihm passiert war, „Du warst so eisern in deinem Willen zu gehen, keines meiner so stichhaltigen Argumente hat dich dazu bewegt zu bleiben oder wenigstens zu warten. Meine Entschlossenheit ist genau so tief und sicher, wie die deine es an diesem Tag war und es gibt nichts, was du sagen könntest, das mich dazu bewegt hier zu bleiben. Wenn du mich jetzt nicht gehen lässt, werde ich dich dazu zwingen müssen.“
Die Drohung in ihrem letzten Satz ließ ihn kalt, die Worte davor allerdings nicht. Sie sah ihm an, wie sie tiefer sanken und er zu straucheln schien.
Doch dieser Moment währte nur kurz.
„Dann wirst du mich zwingen müssen. Zwei Mal schon habe ich eine gravierend falsche Entscheidung getroffen, die dich länger als mir lieb war von mir getrennt hat und das wird mir nicht noch einmal passieren. Wenn du weiter auf deiner Meinung beharrst, dann leg los. Aber ich werde dich nicht kampflos aufgeben, das schwöre ich bei meinem Leben“, entgegnete er. Zwei Mal.
Die Situation, die Lilly angesprochen hatte und die vor all den Jahren, als er sie in dem Heim zurück gelassen hatte...
Liliths Verzweiflung drohte sie zu ersticken.
„Musst du es mir noch schwerer machen als ohnehin? Glaubst du allen Ernstes ich lasse all das hier GERN zurück? Warum kannst du mich nicht einfach gehen lassen, Herrgott nochmal?!“, weinte sie und versuchte ihren Arm aus seinem eisernen Griff zu winden, während der Taxifahrer das Fenster öffnete und sich ärgerlich erkundigte, ob sie nun endlich mal einsteigen würde, woraufhin Logan ihn wütend anbellte, er solle sich geschlossen halten.
Dann wandte er sich wieder Lilith zu und seine Augenbrauen zogen sich leicht zusammen, sein Gesichtsausdruck zeigte eine Mischung aus Schmerz und Anstrengung.
Es gelang ihm nicht so recht Worte zu finden.
„Ich könnte dir jetzt etwas erzählen, wie dass ich mich für dich und dein Wohlergehen verantwortlich fühle, weil deine Eltern gute Freunde von mir waren und ich es Ava versprochen habe oder dass du hier an der Schule gebraucht wirst, weil du eine so exzellente Lehrerin und erfolgreiches Mitglied der X-Men bist. Ich könnte dir auch sagen, dass du nirgendwo so sicher sein wirst wie hier und dass alle hier dich vermissen würden und du wahrscheinlich nie wieder eine Familie haben wirst wie hier“, sagte er dann in seiner so typisch ehrlichen und unverblümten Art, „All das wäre wahrhaftig nicht gelogen, aber um ganz ehrlich zu sein... Es mag egoistisch klingen, aber ich brauche dich. Ich will, dass du bleibst, weil ich dich brauche.“
Sie sah ihm tief in die blauen Augen, forschend, verwirrt, neugierig.
'Ich brauche dich.' hatte er gesagt.
Es klang...anders.
Anders als alles, was er je zu ihr gesagt hatte.
Anders als ein 'Wir sind beste Freunde, ich möchte, dass du bleibst.', sondern genau das, was die Worte bedeuteten. Ich brauche dich.
Sie dachte zurück an den Tag im Dezember, als er ihre Hand genommen hatte, so gut gelaunt, so leicht und frei. An den Achat, den er ihr zu Weihnachten geschenkt hatte, wissend, wie gut er zu Lilith passte und deutlich machend, wie viel er von ihr wusste. An Silvester, als er nur ihretwegen mit auf diese dämliche Feier gekommen war. An den Abend in Washington, das Knistern zwischen ihnen, das unabsichtlich von Scott unterbrochen worden war. An die Worte, die er ihr gesagt hatte, um sie wieder zur Vernunft zu bringen und aus Sinisters Kontrolle zu befreien. Und sie dachte an all das, was er für sie getan hatte, ohne dass sie ihn je darum gebeten hatte.
Konnte es doch sein, dass...?
Ihr Herz klopfte schneller.
Hatte sie nicht auch schon die ganze Zeit mehr für ihn empfunden, als sie sich vielleicht hatte eingestehen wollen?
Nach Washington hatte sie einiges an Gefühlen unterdrückt und als nicht so wichtig abgestempelt, nur eine kleine Schwärmerei für einen guten Freund.
Sie erinnerte sich an den Schmerz, die Sehnsucht und die Sorge, als er fort gewesen war und sie nicht gewusst hatte, wo sie nach ihm suchen sollte und ob sie ihn je wiedersehen würde. Erinnerte sich an die grausamen Alpträume in der Nacht, die er vertrieben hatte, den Trost, den sie bei ihm immer gefunden hatte. Erinnerte sich an das wunderbare Gefühl, als er nach ihrem Kampf mit Sabretooth gesagt hatte, er sei stolz auf sie und ihren Mut. Und sie erinnerte sich an diese kleine Freude, die sie immer empfand, wenn er den Raum betrat, in ihrer Nähe war.
Lilith schlug die Augen nieder.
Wohin nun? Wohin sollte sie mit sich und dem, was sie jetzt fühlte?
Logans Hand glitt erneut von ihrem Arm, ließ ihr eine Wahl. Sie zweifelte nicht daran, dass er weiterhin hartnäckig bleiben würde, was ihr Gehen betraf, aber er ließ ihr etwas Raum. Raum zu denken. Zu fühlen.
Er sagte nichts, sah ihr nur in die Augen. Sie ertrank fast in den seinen. So blau wie das Meer, in das sie sich in San Francisco so verliebt hatte und das zu einem ihrer künstlerischen Lieblingsmotive geworden war.
Einen Wimpernschlag noch gab sie sich diesem Augenblick hin, dann blinzelte sie und wandte sich ab.

Logan glaubte, sein Herz würde im nächsten Moment einfach stehen bleiben, als er sie zum Taxi laufen sah.
Sie würde gehen.
Er hatte es verbockt.
Sie würde verschwinden, als hätte sie es nie gegeben und würde sich irgendwo allein verkriechen und irgendwann genauso allein sterben, nur mit der Erinnerung an das was sie gehabt und geliebt hatte.
Der Gedanke tat ihm in der Seele weh, nicht einmal vordergründig, weil er wusste, dass er sie jämmerlichst vermissen würde, mehr als er irgendetwas in seinem Leben je vermisst hatte, sondern weil er die Vorstellung kaum ertragen konnte, seine Lilith irgendwo allein versauern zu lassen, einsam mit ihrem Schmerz und dem gebrochenen Herzen.
Dabei hatte er sich doch geschworen, dass er sie nie mehr verlassen und dass er immer auf sie aufpassen würde.
Dann, ehe er zu ihr laufen und sie daran hindern wollte ins Taxi zu steigen sah er sie aufmerksamer an.
Sie stieg nicht ein.
Sie redete mit dem Taxifahrer.
Logan glaubte erst, er hätte sich verhört, als er genau vernahm, wie sie sich bei dem Taxifahrer entschuldigte, für seine Unannehmlichkeiten und dass er jetzt extra hierher gefahren war. Sie gab ihm das Geld für die Fahrt bis zur Schule, entschuldigte sich dann erneut und wünschte ihm einen schönen Tag. Und er fuhr davon. Ohne Lilith. Sie sah dem gelben Wagen noch einen Moment nach, wie er auf das Tor der Mansion zu fuhr und anschließend auf die Straße abbog, dann drehte sie sich wieder um.
Sie war nicht gegangen.
Ein kleines Lächeln schlich auf ihr Gesicht, während sie im wunderschönen Licht der Abendröte die wenigen Schritte zurück ging.
Wolverines Herz wurde leicht, so leicht. Sie würde nicht gehen, er musste nicht mit Biegen und Brechen versuchen sie zu überreden zu bleiben.
Es hatte gereicht, dass er ihr sein Herz geöffnet hatte, wie er es schon vor Wochen hätte tun sollen, anstatt das Knistern zwischen ihnen tot zu schweigen.
Aber er hatte daraus gelernt. Solch einen Fehler würde ihm nicht mehr passieren. Nun ja. Er würde es auf jeden Fall versuchen.
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