Out Of The Past

GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P18
Gambit / Remy LeBeau Jubilee / Jubilation Lee Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Rogue / Mary D'Arcanto Sabretooth / Victor Creed Wolverine
24.04.2014
02.06.2016
45
117.896
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Dieses Kapitel
1 Review
 
24.04.2014 3.860
 
Howdy, liebe Leser :)
Es ist Mittwoch, darum hier das neue Kapitel :)
Viel Spaß beim Lesen!

PS: Das nächste Kapitel kann eventuell nicht am nächsten Mittwoch hochgeladen werden aus Zeitmangel und zeitweiliger Schreibblockade für ein eventuell eingefügtes Kapitel. Sorry schonmal im Voraus, ich hoffe ich schaffe es in der Woche noch das Problem zu beheben ;) Wenn nicht, wisst ihr Bescheid :)
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„Lauf nicht zu weit weg, Schatz, in Ordnung?“, sagte Ava und ließ die Hand ihrer Tochter los, nachdem diese schnell genickt hatte. Und schon war Lilly los gerannt, zu dem kleinen Spielplatz in der Mitte des grünen Parks.
Ava folgte nur langsam, gemächlich. Lilith wusste ja, wo sie hin musste und Ava wusste, wo sie ihr Kind finden würde.
Mittlerweile redete Lilith nicht mehr viel von Jack und Ava war froh darüber.
So oft hatte die Kleine von ihrem Dad geredet und jedes Mal, wenn sie sich etwas wünschen konnte, wünschte sie sich, ihr Vater möge zurückkommen, auch wenn Ava ahnte, dass ihre Tochter tief im Inneren wusste, dass dieser Wunsch ihr nicht erfüllt würde.
Trotzdem hatte auf ihrer Wunschliste für den Weihnachtsmann nur dieser Wunsch gestanden und der Vermerk, dass sie nie wieder irgendwelche Geschenke wollen würde, wenn sie ihren Daddy wieder bekäme.
Schon der Gedanke daran trieb der dunkelhaarigen Frau die Tränen in die Augen.
Nicht nur Lilith vermisste Jack, oh nein.
Schließlich kam die junge Mutter bei dem Spielplatz an, setzte sich auf eine der Parkbänke und sah zu, wie Lilly das Klettergerüst erklomm und mit ein paar anderen Kindern spielte.
Ein halbes Jahr war es nun her, dass Jack sie verlassen hatte.
Logan hatte sich – nachdem er eine Woche geblieben war, um Ava mit dem Umzug zu helfen und auch damit nicht den Verstand zu verlieren – nicht mehr sehen lassen seit dem. Aber das wunderte sie nicht.
Logan tauchte immer nur sporadisch auf und verschwand auch nach dem selben Prinzip.
Ava hätte gern gewusst, wie er und Jack sich kennen gelernt hatten. Sie hatte keinen der beiden Männer je danach gefragt und von sich aus hatten sie nie darüber geredet.
Er war für Ava einfach immer ein guter Freund ihres Mannes gewesen, der auch irgendwann der ihre geworden war.
Sie wünschte er wäre länger geblieben und hätte ein wenig auf sie und Lilith aufgepasst.
So schrecklich verloren kam sie sich hier vor, in dieser größeren Stadt und so sehr vermisste sie die kleine Farm, die sie nun an eine andere Familie vermietet hatte, damit ein wenig Geld hereinkam. Die Wohnung hier in der Innenstadt, die sie nun mit Lilly behauste war billiger, als die Miete für die Farm, die sie bekam. So konnte sie nebenher einer geringfügigen Arbeit nachgehen und hatte trotzdem noch genug Zeit für Lilith. Auch wenn es nicht viel war, das sie hatten, es reichte doch.
„Mommy, schau mal!“, rief Lilith von dem Gerüst herüber. Sie hatte gerade die Spitze erklommen.
„Wow, das machst du echt super, Liebling!“, lobte Ava ihre Tochter mit gezwungenem Lächeln und war froh darüber, dass Lilith doch häufig genug ein sehr glückliches Kind war, auch wenn ihr ihr Vater fehlte.
Wie so oft dachte sie über Jacks Todesursache nach. Das Virus war den Ärzten gänzlich unbekannt gewesen, sie hatten nicht die leiseste Ahnung gehabt, mit was sie es zu tun hatten, dementsprechend hatten sie Jack auch kaum helfen können.
Ava hatte da allerdings ihre Vermutungen, auch wenn sie diese bisher nur in Jacks Gegenwart geäußert hatte. Er war sich nicht sicher gewesen, hatte es aber nicht ausgeschlossen.
Schließlich schob Ava die Gedanken fort. Das würde ihren Mann nicht wieder lebendig machen. Es zeigte ihr nur, dass die Welt nicht fair war und dass man auf das aufpassen musste, was man hatte und liebte.
Träge erhob sie sich und ging auf Lilith zu, die gerade mit dem Abstieg vom Klettergerüst beschäftigt war. Als die beiden sich auf Augenhöhe befanden, fragte Ava: „Hast du Lust zu schaukeln?“
Natürlich hatte Lilith Lust zu schaukeln. Welches Kind hatte das nicht?
Und so ließen sie sich zusammen auf einer der Schaukeln nieder, Lilith auf dem Schoß ihrer Mom. Ava holte Schwung und jedes Mal, wenn sie am höchsten Punkt angekommen waren und wieder in die andere Richtung zurück glitten, wurden Mutter und Tochter von einem kleinen Glücksgefühl erschauert, das sogar Avas Herz für kurze Zeit ein wenig leichter zu machen schien.


Am späten Nachmittag schlichen Lilith und Jubilee sich davon, in den Hangar. Sie konnten es kaum fassen, dass sie tatsächlich ohne bemerkt zu werden dort ankamen, in den Minijet steigen konnten und auch nicht aufgehalten wurden, als Jubes den Jet durch das sich öffnende Tor flog.
Sie hatte ihre Sonnenbrille aufgesetzt und Lilith konnte nicht leugnen, dass sie eine coole Pilotin abgab, auch wenn Lilly sich nach ein paar Minuten des Flugs wünschte, Jubilation könne auch so gut fliegen, wie sie aussah, denn der Flug war eine sehr wackelige und unsichere Angelegenheit, der Lilith mehrmals beinahe ihr Mittagessen kostete, das ihr nun wie ein Stein im Magen lag.

„Oh, lieber Ja-hames“, hörte Wolverine Creeds Stimme aus seiner Zelle flöten.
„Was willst du, Flohsack?“, knurrte Wolverine mies gelaunt.
Hatte er doch zu Lilith gesagt, sie sollte nicht allein irgendwohin gehen und nun war sie wie vom Erdboden verschluckt.
Seine Sinne hatten ihn hier herab in den Keller geführt und es beruhigte ihn nicht im Geringsten, dass sich Jubilees Duftspur mit der von Lilith mischte. Er hatte gerade darüber nachgedacht, ob er überhaupt genauer wissen wollte, was die beiden ausgeheckt hatten.
„Ich an deiner Stelle würde eiligst herausfinden, wohin deine beiden kleinen Mädels verschwunden sind“, sagte Sabretooth amüsiert und Wolverine hielt inne, was seinem Erzfeind natürlich nicht entgangen war.
„Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, sie waren auf dem Weg in Richtung Hangar, was meinst du?“, stichelte er.
Logan nahm sich nicht die Zeit für eine Antwort, sondern trabte weiter. Zum Hangar. Und so sehr er sich auch wünschte, Creed hätte gelogen, die Fährten sprachen für sich. Lilith und Jubilee hatten das Institut mit einem der Mini-Jets verlassen.
„Verdammt!“, fluchte Logan lautstark und es folgten noch einige noch weniger schöne Flüche, während er sich in den Kontrollraum begab und checkte, wohin die beiden unterwegs waren. Und wie er schon befürchtet hatte, schien es, als wären sie auf dem Weg nach Norden. Nach Regina vermutlich.
Was wollten sie dort? Der Anrufer war vermutlich schon längst verschwunden, weil er gewusst hatte, dass jemand kommen würde. Andererseits...vielleicht war auch gerade das ein Grund zu bleiben?
Wolverine verlor keine Zeit mehr, hetzte den Weg zurück in den Hangar und hüpfte in den anderen Mini-Jet, der bereit stand. Er betätigte ein paar Knöpfe und schon erschienen die Koordinaten auf dem Schirm, die Jubilee ebenfalls eingegeben haben musste.
Mit immer mieser werdender Laune startete er den Jet und folgte den Koordinaten. Die beiden konnten etwas erleben, wenn er sie fand. WENN er sie fand, dachte er, ließ allerdings nicht zu, dass sich seine Wut in Sorge wandelte. Wut war ein besserer Antrieb als Sorge.
Eine viel zu lange Zeit später entdeckte er den Mini-Jet auf dem Dach eines Hochhauses. Er landete daneben, sprang heraus und sah sich um. Tatsächlich waren sie nach Regina geflogen.
Die Tür, die wohl ins Haus führte, sah etwas lädiert aus. Als er näher kam, wusste er auch warum: Jubilee hatte das Schloss mit ihren Kräften bearbeitet, damit die beiden nach unten konnten.
Die erste Treppe nahm er mit zwei großen Sätzen, dann schlug er viel zu fest auf den Knopf des Fahrstuhls, der nur Sekunden brauchte, um auf der Etage zu sein und die Türen auseinander gleiten zu lassen. Ein Schritt hinein, der Knopf zum Erdgeschoss gedrückt und schon fuhr er nach unten.
Vor dem Haus hob Logan den Kopf und sog tief Luft durch seine geweiteten Nasenflügel.
Jubes und Lilly waren noch nicht lange weg, er hatte gut aufgeholt während des Flugs. Das musste an Jubilees verkümmerten Flugkünsten liegen.
Wolverine kannte sich mäßig aus in Regina und der Duft, dem er folgte, führte definitiv zu dem Haus, aus dem der Anruf gekommen war. In dem Ava gestorben war. Ihm wollte schon fast schlecht werden bei der Erinnerung, dass er ihr nicht mehr hatte helfen können.
Sein Weg setzte sich zügig fort.
Er war verwundert als er an dem Wohnblock ankam, denn er war restlos zerfallen. Über den Fenstern - beziehungsweise den Löchern, die einmal Fenster gewesen waren, denn die Scheiben fehlten – der Wohnung von Ava und Lilith sah man noch schwarz den Ruß des Feuers.
Entgegen seiner Erwartung hatte man das Haus nach dem Brand wohl nicht restauriert, sondern die anderen Mieter anderweitig untergebracht und das Gebäude verfallen lassen. Ob da wohl auch wieder jemand seine Finger im Spiel hatte, nur um eine neugierig machende Kulisse für Lilith hier zu lassen?
Er hätte sie und Jubilee fast gar nicht wahrgenommen.
Sie lungerten ganz unauffällig auf der anderen Straßenseite herum und spähten immer wieder zu dem verfallenen Haus hinüber. Offenbar hatten sie noch nicht den richtigen Plan, um das Haus zu betreten.
Noch ehe er ganz bei ihnen angekommen war, meldete sich Liliths 'Frühwarnsystem' in Form ihres Instinkts und sie wandte sich um.
„Logan!“, sagte sie entgeistert und war wirklich überrascht ihn hier zu sehen.
Auch Jubes klappte ordentlich die Kinnlade nach unten, als sie Wolverine erblickte.
„Was zur Hölle tut ihr hier?“, fuhr er die beiden ohne jegliche Begrüßung an, als er bei ihnen angelangt war und warf mit seinen grimmigen Blicken um sich, die die beiden Damen abwechselnd trafen.
„Ich wollte wissen...“, begann Lilith. Ja was hatte sie eigentlich wissen wollen?
Die Neugierde hatte sie hierher getrieben in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, was ihr helfen konnte. Helfen wobei?
Vielleicht hatte sie auch einfach nur gehofft, hier etwas zu finden, was auf ihre Vergangenheit wies.
„Herrgott, Lilith, willst du dich ihnen gleich auf dem Silbertablett servieren? Und nimmst dazu auch noch Jubilee mit und bringst sie in Gefahr?“, knurrte er und deutete beim letzten Satz auf Jubilation, die murmelte „Ich kann auf mich selbst aufpassen.“
„Jubilation Lee du bist keine 18 Jahre alt und du weißt genauso gut wie ich, dass du das nicht kannst! Jedenfalls nicht in einer Sache wie dieser, wo ihr noch nicht einmal wisst, was euch erwartet!“, wandte Logan gereizt sich an Jubes, die plötzlich brav schwieg, um dann wieder zu Lilith herumzufahren, „Ich hätte mehr von dir erwartet, als dass du nicht nur dich selbst, sondern auch deine Freundin einer Bedrohung aussetzt, was auch immer sie sein mag!“
Lilith senkte den Blick. Sie kam sich vor, wie ein kleines Mädchen, das Ärger für einen Streich bekam.
„Du hättest an ihrer Stelle doch das selbe getan. Jeder Hinweis auf deine Vergangenheit war dir wichtig und du bist ihm nach gegangen!“, mischte Jubilation sich erneut ein.
Sie zuckte zusammen, als Logan ein wütendes Schnauben von sich gab.
„Ich rate dir, Jubes, halt einfach den Mund, wenn du nicht willst, dass ich hier auf offener Straße die Geduld verliere, kapiert? Ihr wisst beide, dass ihr nicht hier sein solltet, sonst hättet ihr euch nicht so unauffällig aus der Mansion davon gestohlen und jetzt versucht nicht mich zu verarschen!“, knurrte er und keine der beiden wagte es mehr den Mund aufzumachen, aus Angst Logan würde noch wütender werden als ohnehin schon.
Er hatte ja Recht, aber...
Ja. Aber. Eigentlich war alles was in einem Satz vor dem „aber“ stand, wert- und bedeutungslos.
„Logan, beruhige dich. Bitte. Es ist nichts passiert. Ja, es war unvorsichtig, aber ich musste wissen, ob es hier irgendetwas zu finden gibt. Dass der Anruf gerade von hier kam, erschien mir wie...wie ein Hinweis. Ein Fingerzeig, ein...“, versuchte sie sich zu erklären und erhaschte auf der anderen Straßenseite kurz die Gestalt eines Mannes, der ihr bekannt vor kam.
Fieberhaft versuchte sie sich zu erinnern, dann fiel es ihr wieder ein.
Der Kerl von der Neujahrsfeier.
Nathaniel.
„Ein was?“, riss Logan sie aus ihrer Beobachtung und nachdem sie ihm kurz einen Blick zugeworfen und anschließend wieder zu Nathaniel geblickt hatte, war er verschwunden. War er es wirklich gewesen?
Lilith seufzte.
Sie hatte durch diese Sinnestäuschung, als was sie es abstempelte, den Faden verloren.
Sie hielt dem erbarmungslosen Blick von Wolverines tiefblauen Augen tapfer stand.
„Du hast mich schon verstanden“, sagte sie, ohne den Faden wieder wirklich aufzunehmen, „Und wenn ich die Bitte hierher zu kommen vor dir, Charles oder Scott geäußert hätte, hättet ihr mir den Vogel gezeigt und mir verboten hierher zu kommen. Rogue oder Kitty hätten bei so etwas nie mit gemacht und ich kann keinen Jet fliegen.“
Er schnaufte geräuschvoll.
„Ihr beide werdet jetzt die Straße runter gehen und ein paar Straßenecken weiter von hier auf mich warten, verstanden? Und ich gehe da rein und sehe mich um. Wehe ihr wartet dort nicht auf mich“, murmelte er missgelaunt und deutete die Straße hinab, ehe er ihnen den Rücken zuwandte und unauffällig über die Straße schlenderte.
Lilith packte Jubes etwas unsanft am Arm und zog sie mit sich.
Etwa eine halbe Stunde später stieß Wolverine – wie abgemacht – ein gutes Stück die Straße unten zu ihnen.
„Und?“, fragte Lilith neugierig.
„Bleibt in Bewegung, weniger auffällig“, nuschelte er und sie liefen los.
„Jemand war definitiv vor nicht allzu langer Zeit in der Wohnung, die Duftspur war sehr frisch, mir allerdings soweit unbekannt. Ansonsten war nichts zu finden. Keine Hinweise, nichts“, erwiderte er während des Weges.
Lilith nickte geknickt. Sie war sich so sicher, dass es etwas zu finden gegeben haben musste!
Mehr durch Zufall kamen sie an einem Ort vorbei, der Lilith bekannt vorkam. Sie blieb abrupt stehen und sah zu der kleinen Kirche hinüber, die sich unweit von ihnen entfernt in den Himmel erhob.
Erinnerungen stoben in ihrem Geiste auf, von einer Trauerfeier, einer Beerdigung und unglaublich vielen Besuchen nahe dieser Kirche.
Ohne auf Jubes und Logan zu achten, wandte sie sich von ihnen ab und rannte los.
Logans zischendes „Lil', bleib hier!“, nahm sie gar nicht wahr.
Es war nicht die Kirche, die Lilith so angezogen hatte, sondern die Tatsache, dass sie sich an den Friedhof erinnerte, der direkt daneben lag.
Die vielen älteren Gräber kamen ihr so schrecklich bekannt vor und es dauerte nur wenige Minuten, bis sie den dunklen, glatten Granitblock gefunden hatte, auf dem „Jack Michael Stewart“ stand.
Nur etwas war anders, als beim letzten Mal an dem sie hier gewesen war. Unter Jack Stewart und seiner Lebensspanne prangte ein weiterer Name mit dessen Daten. „Ava Christine Stewart“.
Das Grab war schlicht und es wuchs fast nur Efeu darauf. Wer sich wohl um das Grab kümmerte?
Einen Augenblick später hatten Wolverine und Jubilation Lilith eingeholt.
„Was sollte das?“, schnaufte Jubilee außer Puste, erst dann folgte ihr Blick Liliths.
Logan hatte den Mund erst gar nicht aufgemacht, er kannte den Ort ja.
Sanft glitten Liliths Finger über die eingravierten Buchstaben, die verkündeten, dass ihre Eltern hier ruhten.
„Würdet ihr mich einen Moment allein lassen?“, fragte Lilith mit fast tonloser Stimme.
„Wir warten bei der Kirche drüben“, entgegnete Wolverine und schob Jubes vor sich her zur Kirche, während Lilly allein zurück blieb. Sie sahen von ihrer Position aus noch, wie sie sich auf den feuchten Boden kniete, dann war sie außer Sichtweite.
Ein paar Minuten später stieß sie wieder zu ihren beiden Freunden. Ihr Blick war abwesend, nachdenklich.
„Alles in Ordnung?“, fragte Jubilee vorsichtig und legte eine Hand auf Liliths Arm.
„Ja, danke. Alles gut“, erwiderte sie wenig glaubwürdig, doch noch ehe Jubes erneut etwas sagen konnte, wandte sie sich an Logan: „Wie hast du das angestellt, damals? Wurde nicht nach mir gesucht?“
„Keine Ahnung. Vermutlich ist man davon ausgegangen, dass du in den Flammen umgekommen bist, wie deine Mutter“, antwortete er ausweichend.
„Das heißt, eigentlich wurde ich für tot erklärt, aber da es keine Leiche gab, wurde ich auch nicht da drauf geschrieben“, schloss sie daraus und meinte mit 'da' natürlich den Grabstein.
„Vermutlich“, antwortete Wolverine und zuckte mit den Schultern.
„Wie kommt es dann, dass mein Pass noch gültig ist?“, wollte sie wissen und musterte Wolverines Mienenspiel genau.
„Du hast einen neuen bekommen. Zwar nicht ganz legal, aber na ja...“, erwiderte er und führte es aufgrund von Liliths fragendem Blick weiter aus, „Du wurdest nicht in Moose Jaw geboren, auch wenn das so in deinem Pass steht und du denkst, dass es so ist. Du wurdest nicht Mal in Saskatchewan geboren. Und dein Geburtstag ist auch nicht der 12. April, sondern der 12. Mai.“
„Was?“, entfuhr es Lilly. Wolverine hob hilflos die Hände.
„Ich musste mir irgendetwas überlegen, du konntest nicht weiterhin mit deinen wahren Daten herumlaufen, das hätte nur jemanden angelockt“, verteidigte er sich, „Deinen Namen zu ändern wäre unmöglich gewesen, das hätte nicht funktioniert, eine Information die sich deinetwegen nicht ändern ließ... Aber dein Geburtsort? Unwichtig für ein Kind deines Alters. Und dein Geburtstag? Was macht schon ein Monat unterschied? Du hast es nie bemerkt, dein Geburtstag wurde immer am 12. April gefeiert, weil die anderen es nicht besser wussten und du warst damals so klein und musstest so viel ertragen in deinem jungen Leben, dass es auch dir nicht aufgefallen ist. Auch dass du zuvor in einer Stadt gelebt hast, die „Regina“ heißt, war nicht mehr wichtig. Die aus dem Heim glaubten, du kommst aus Yorkton. Dich selbst hat es nicht wirklich gekümmert wo du herkamst. Du hattest mit wichtigeren Dingen zu kämpfen.“
Lilith atmete tief ein und aus. Und sie war vorhin schon enttäuscht gewesen, weil sie nichts herausgefunden hatte.
Sie hatte wohl zu früh gejammert, jetzt hatte sie etwas sehr interessantes erfahren, auch wenn Logan nicht den Eindruck machte, als hätte er ihr das erzählt, wenn sie nicht danach gefragt hätte.
Warum hätte sie das auch fragen sollen an einer anderen Stelle und Situation, wie hier?
Trotzdem wusste sie nichts zu sagen. Sie konnte ihm keinen Vorwurf machen, warum auch?
Er hatte sie schützen wollen und er hatte ihr ein anderes Leben ermöglicht, als erst lange von Behörden herum geschubst und befragt zu werden, bevor wieder an Normalität zu denken war.
„Lasst uns nach Hause gehen“, sagte sie und schob ihre Hände in die Taschen ihrer Jacke.
Logan nickte und ging voran, Jubilee hakte sich an Liliths Arm ein und ging mit ihr hinterher.
Bevor sie auf dem Dach des Hochhauses wieder in die Jets stiegen – Lilith wie auf dem Weg hierher bei Jubilee – musterte Wolverine Lilly prüfend. Sie ahnte, dass er gerade versuchte, ihre Stimmung zu deuten. Ob sie sauer auf ihn war.
War sie nicht. Darum zwang sie sich kurz zu einem Lächeln und nahm dann hinter Jubes Platz, die sogleich startete und mit ihrem üblichen Flugstil davonflog. Logan wartete noch einen Augenblick, dann stieg er ebenfalls ein und startete den Jet.

In der Mansion folgte natürlich ein Gespräch mit dem Professor, der Liliths, wie auch Jubilees Verantwortungsgefühl in Frage stellte und an sie appellierte, das nächste Mal besser darüber nachzudenken, was sie taten.
Ein weiteres Mal kam Lilith sich viel jünger vor, als sie war. Sie sah Jubes an, dass es ihr nicht anders ging. Aber was hatte sie auch erwartet?
Es war klar gewesen, dass ihr Verhalten nicht unentdeckt bleiben würde und auch dass es Folgen nach sich ziehen würde.
Allerdings fanden sie beide, dass der kurze Ärger mit Logan und das Gespräch mit dem Professor schon genug gewesen sei, als sich auch Cyclops – immer wieder unterschwellig darauf aufmerksam machend, dass er der Anführer der X-Men war – noch einmischte und ihnen ebenfalls eine Standpauke hielt.
Trotzdem ließen sie es beide über sich ergehen und schalteten auf Durchzug, wie trotzige Teenager. Gut, Jubilee war ja auch noch einer.
Dieser Gedankengang machte Lilith erst wirklich bewusst, in wie viel Schwierigkeiten sie Jubes hätte ziehen können.
Sie war erst 17. Lilith 26 und sie hatte nicht mehr aufgepasst, als Jubilation.
Während Scott noch immer einen Vortrag hielt, schwor Lilly sich, dass das nicht wieder passieren würde. Sie wollte niemanden irgendwo hineinziehen, wenn es ihn nichts anging und wenn es gefährlich war.
Als sie mit Jubilee allein war, auf dem Weg zu ihren Zimmern, eröffnete sie ihrer Freundin den Gedanken und entschuldigte sich für ihr unbedachtes Verhalten.
„Ach, ist schon gut. Wirklich. Ich bin froh, dass du mich gefragt hast“, entgegnete Jubes grinsend und Lilith ahnte worauf sie hinaus wollte.
Dieses kleine – im Nachhinein ungefährliche – Abenteuer hatte die Bindung zwischen ihnen noch ein wenig verstärkt.
Sie waren durch ein gemeinsames unnormales Erlebnis mehr zusammen gewachsen.
Das machte Lilith glücklich. Sie war so froh, dass sie hier sein durfte und so wunderbare Freunde und auch Schüler hatte.
„Dass Scott sich jetzt auch noch eingemischt hat, war so unnötig“, murmelte Jubilee.
Lilith kicherte.
„So ist das eben, wenn man der Chef ist“, erwiderte sie grinsend mit einer guten Spur Ironie.
Jubes grinste ebenfalls.
„Ich weiß nicht, warum er sich immer so aufspielt... Es ist, wie wenn er Angst hätte, jemand könne ihm diese Position abspenstig machen, wenn er nicht regelmäßig alle anderen daran erinnert, dass er sie inne hat“, meinte sie dann etwas ernster.
„Wer will das schon? Am Ende wird man dann selbst zu so einem aufgeblasenen...“, fing Lilith an, ehe die beiden ein Räuspern hinter sich vernahmen und erschreckt herumfuhren.
„Reichen eure Dummheiten für heute noch nicht?“, fragte Jean spitz und Lilith war sich sicher, sie würde gleich empört die Hände in die Hüften stemmen, „Glaubt ihr nicht, ihr seid mittlerweile zu alt für solche Dinge? Sich erst in Gefahr bringen und am Ende die Menschen verunglimpfen, die nur auf euer Wohlbefinden aus sind und euch in Sicherheit wissen wollen?.“
Einen Moment machte sie eine Pause, wie wenn sie warten würde, ob Lilith oder Jubilee ihr widersprechen würden.
Als aber beide schwiegen fuhr sie fort: „Von dir, Lilith, erwarte ich nicht mehr. Du bist noch nicht lange genug hier, um zu wissen, wie es hier zugeht. Aber du, Jubilation? Du weißt, was für eine Bürde und Verantwortung es ist, auf sein Team zu achten, jedenfalls solltest du das wissen!“
Je mehr sie sagte, desto wütender schien sie zu werden.
„Was maßt ihr euch also an, so über Scott zu sprechen?“, fragte sie.
Jubilee fehlten jegliche Worte, während Lilith noch an dem zu kauen hatte, was Jean gesagt hatte.
Es hatte geklungen, wie wenn sie gar nicht dazu gehören würde und ihr Aufenthalt in der Mansion und bei den X-Men nur temporärer Natur wäre.
„Tut uns Leid, Jean. Wird nicht wieder vorkommen“, sagte Jubes kleinlaut und mit gesenktem Kopf. Was konnte man gegen so eine Anschuldigung auch anderes sagen?
Lilith tat es wirklich schon fast ein wenig Leid, was sie gesagt hatte, auch wenn sie trotzdem auf dem Standpunkt haften blieb, dass Cyclops sich manchmal einfach zu sehr aufspielte.
„Das hoffe ich“, sagte Jean, sah die beiden noch einen Augenblick an, dann machte sie kehrt und begab sich zur Treppe, bevor sie nach unten ging.
Schweigend setzten Lilith und Jubilee ihren Weg fort, um sich dann nur vor Jubilations Zimmertür eine gute Nacht zu wünschen. Lilith ging nachdenklich weiter zu ihrem eigenen Zimmer.
Wahrscheinlich war es wirklich ein wenig kindisch gewesen, so etwas von sich zu geben. Aber um es zu bereuen, war es schon zu spät.
Die Worte waren bereits gesagt und Lilly war sich sicher, dass sie Scott dank Jean nicht verborgen bleiben würden. Dass sie sich keine Freunde damit gemacht hatte, war ihr auch klar.
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