Out Of The Past

GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P18
Gambit / Remy LeBeau Jubilee / Jubilation Lee Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Rogue / Mary D'Arcanto Sabretooth / Victor Creed Wolverine
24.04.2014
02.06.2016
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24.04.2014 4.052
 
Howdy, liebe Leser :) Es ist mal wieder Mittwoch :D
Viel Spaß beim neuen Kapitel ;)
Freue mich wie immer über Reviews!
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Der Winter war hier in Liverpool weniger weiß, wie Lilith feststellte, als sie den Blackbird über die breite Rampe verließen, die sich wieder schloss, sobald sie auf dem sicheren Boden angekommen waren.
Der Schnee war hier mehr Schnee-Matsch und der Boden war unangenehm aufgeweicht und schlammig.
Das Haus von Stan Miller und seiner Frau stand außerhalb der ausladenden Vororte von Liverpool.
Während Cyclops und Storm schnurstracks zum Haus hinüber liefen, auf dessen Grundstück sie gelandet waren, blieb Lilith zurück und sah sich um. Sie hatte bereits Wolverines Kräfte aktiviert und wollte sich schon von vorn herein ein grobes Bild von den Gerüchen und den anderen Eindrücken machen.
Logan wartete auf sie, ehe sie zusammen Ororo und Scott folgten, die bereits an der Tür geklingelt hatten.
Kurz darauf wurde auch schon geöffnet. Ein Mann, etwa Mitte 40 oder Anfang 50, schütteres braunes Haar, wässrige, blaugraue Augen, stand ihnen gegenüber; sein Gesichtsausdruck ließ deutlich spüren, dass er fertig war mit der Welt.
Aber auch seine sonstige Haltung sprach Bände. Die relativ kräftigen Schultern kraftlos nach unten hängend, den Kopf ein Stück eingezogen, wie wenn er jeden Augenblick eine Kopfnuss erwarten würde.
„Guten Morgen, Mr Miller. Mein Name ist Cyclops. Professor Xavier schickt mich und meine Freunde. Wir sollen ihren Sohn finden“, fand Scott als erstes seine Sprache wieder und man erkannte an seinem neutralen Ton nicht mehr, dass er kurz zuvor noch Logan damit geärgert hatte. Er war jetzt vollkommen ernst.
„Wenn Sie jetzt hier sind, ist es ein wahrlich guter Morgen, Mr Summers. Charles hat mir angekündigt, dass Sie 4 kommen würden und ich bin froh, Sie hier begrüßen zu dürfen, auch wenn mir andere Umstände deutlich lieber wären. Kommen Sie doch herein“, begrüßte Miller die 3 X-Men und Lilith.
Während sie hinein gingen – und Storm, Wolverine und Lilith Stan auch noch persönlich begrüßten und ihm die Hand schüttelten – spielte der arme Mann ständig nervös mit einem Zipfel seines blau-grün karierten Hemdes herum.
Er führte sie durch einen schmalen Flur in ein geräumiges Wohnzimmer, das etwas antik und etwas rustikal wirkte.
Das Sofa war aus braunem, etwas abgewetztem Leder, der Couchtisch war aus dazu passendem, dunklem Holz und sah ebenfalls ein wenig abgeschabt aus.
Die Schrankwand, in der ein Fernseher mit flachem Bildschirm stand, war aus dem selben Holz, wie der Tisch und auch die beiden Sessel passten optisch zur Couch. Die Wände waren in einem beigen, leicht orangen Ton gehalten.
Mehr sah Lilith im ersten Moment nicht, denn die Frau, die ins Wohnzimmer kam, erregte ihre Aufmerksamkeit. Sicher Raymonds Mutter.
Sie hatte dunkelblondes Haar, das sich ein wenig über ihr Haarband sträubte und ganz helle, fast stechende blaue Augen. Die Farbe wirkte schon fast ein wenig unwirklich.
Auch sie wurde begrüßt und schüttelte jedem die Hand, ehe sie bat, dass sie sich setzen sollten.
Stan ließ sich in den Sessel sinken, Scott und Ororo setzten sich auf die Couch und Wolverine gab Lilith zu verstehen, dass sie sich zu den beiden setzen sollte. Er selbst blieb stehen und ließ den zweiten Sessel für Stans Frau frei, die aber erst noch in der Küche verschwand, um den Gästen etwas zu trinken zu bringen.
Dann begann Stan mit der Erzählung über seinen Sohn, in die seine Frau einstieg, als sie wieder zurück gekommen war.
Der 13jährige war auf einer Secondary School in Liverpool, hatte einen guten Freund, der in einem Vorort Liverpools wohnte und zu dem Raymond – oder „Ray“ wie seine Mutter ihn gelegentlich nannte – häufig ging.
Im Winter ging er zu Fuß oder fuhr mit dem Bus, von Frühling bis Herbst fuhr er mit dem Rad oder seinem Skateboard.
Außer dem Skaten hatte er natürlich auch noch andere Hobbys, welche allerdings hauptsächlich alleine gemacht wurden: lesen, malen, Musik hören und lange Spaziergänge machen.
Von einem dieser Spaziergänge war er offenbar nicht wieder gekommen. Er war noch keine 48 Stunden fort, darum rührte die Polizei bisher noch keinen Finger, trotzdem machten die Eltern sich natürlich riesige Sorgen um ihr Kind, denn es war nicht seine Art einfach so zu verschwinden und sie hatten ihm – laut eigener Aussage – auch keinen Grund gegeben, abzuhauen.
„Wenn Sie mir erlauben, diese Frage zu stellen: Was für Fähigkeiten hatte ihr Sohn? Charles sagte, er sei ein Mutant. Vielleicht wäre es nützlich, das zu wissen“, war das erste, außer der Begrüßung, was Logan von sich gab.
Mr und Mrs Miller sahen sich einen Moment lang an, dann antwortete Stan: „Er...er konnte...Gefühle von anderen...beeinflussen. Ein Stück weit. Ihm fehlte die nötige Übung, um es wirklich zu können.“ Während er das sagte, war seine Frau aufgestanden und hatte ein eingerahmtes Bild geholt, auf dem ihr Sohn zu sehen war.
Logan warf als erster einen Blick darauf, dann reichte er es Ororo, die zwischen Lilith und Scott saß. Raymond sah aus wie ein ganz normaler Junge: braunes, lockiges und kurzes Haar, ebenso hellblaue Augen, wie seine Mutter und ein rundliches, noch relativ kindliches Gesicht.
Den drei X-Men drang kein Laut über das Aussehen des Jungen über die Lippen und auch Lilith hielt den Mund. Sie gab nur der Mutter das Bild zurück, die einen wehmütigen Blick auf das Portrait warf und es dann an seinen Platz zurück stellte.
„Könnten Sie uns vielleicht Raymonds Zimmer zeigen? Vielleicht finden wir auch dort einen Anhaltspunkt“, fragte Logan dann.
Stan nickte seiner Frau zu, die sich ein weiteres Mal erhob und dann die 4 Besucher in ein Zimmer im oberen Stock führte.
Lilith hatte sich bis dahin alle Gerüche eingeprägt, die sie so aufgenommen hatte und ordnete auch den von Rays Zimmer in ihrem Repertoire ein. Logan tat vermutlich das selbe, da war sie sich ziemlich sicher.
Raymonds Zimmer war wenig auffällig. Die Möbel waren normal, an den Wänden hingen Poster von Skatern und Musikern, auf dem Schreibtisch stand ein Computer, am Fußende des Bettes ein kleiner Fernseher.
Während Scott und Storm noch mit den Eltern des verschwundenen Jungen sprachen, sah Logan sich ein wenig in dem Zimmer um, Lilith ging zum Fenster und sah hinaus. Direkt neben dem Fenster ging eine Dachrinne nach unten.
'Praktisch, um daran nach unten zu klettern', dachte Lilith und wandte sich dann um, um zu sehen, was Logan tat. Er hatte gerade damit aufgehört, sich umzusehen. Sein Blick war auf Lilith gerichtet, dann sah er zu Scott hinüber.
„Cyclops? Lilith und ich sehen uns draußen um“, informierte er ihn und nickte dann Lilith zu, woraufhin sie ihm folgte. Sie gingen die Treppen hinab, erneut durch den schmalen Flur und dann nach draußen.
Das Geräusch, das ihre Schritte durch den Schlamm machten, klang irgendwie ekelhaft. Wie ein Saugnapf, der irgendwo abgezogen wurde. Lilly schüttelte sich.
„Hast du irgendwas gefunden, was vielleicht wichtig sein könnte?“, fragte sie.
„Nein, nichts. Aber es hätte mich auch gewundert, etwas zu finden, um ehrlich zu sein. Hinweise liegen nicht einfach offen herum und warten darauf gefunden zu werden, auch nicht bei einem 13jährigen, der verschwindet“, erwiderte Wolverine und ging um das Haus herum, bis er unter dem Fenster stand, aus dem Lilith vor wenigen Augenblicken gesehen hatte.
„Die Dachrinne wäre praktisch, um daran herunter zu klettern“, eröffnete sie ihre vorigen ersten Gedanken. Wolverine nickte.
„Zum Beispiel, um ungesehen aus dem Haus und dem Zimmer zu verschwinden. Die anderen Fenster auf dieser Seite sind das Büro und das Badezimmer im unteren Stock. Im Büro hält sich zu allzu später Stunde niemand mehr auf und die Scheiben des Badezimmerfensters sind milchig, dass man nicht hineinsehen kann. Hinaus aber auch nicht. Fragt sich nur, ob der Junge wirklich weg gelaufen ist oder ob hier jemand einfach einen Jungen ausgewählt hat, der...wie soll ich sagen?...praktisch war“, sagte er und ging vom Haus weg.
Etwa 50 Meter entfernt begann ein Waldstück. Lilith folgte seinen schnellen Schritten.
„Wonach suchen wir?“, fragte sie, als er unter den ersten Ästen hindurch ging.
„Ich weiß nicht genau. Dinge, die hier nicht hingehören“, murmelte er, selbst unschlüssig wonach er suchte. Er hob seine Nase in die Luft und schnüffelte mit geschlossenen Augen.
„Glaubst du, hier hat vor kurzem jemand Bäume geschnitten oder gesägt?“, fragte Lilith plötzlich und Wolverine sah sie mit gerunzelter Stirn an.
Wortlos deutete Lilly auf einen Ast, der definitiv nicht einfach so abgebrochen war. Logan ging in die Knie und sah sich den Ast genauer an, ohne ihn zu bewegen. Er hatte an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 7-8 Zentimetern und war mindestens einen Meter lang, also nicht gerade leicht.
Sacht Strich Wolverine über die glatte Fläche und meinte dann: „Wurde abgesägt. Fragt sich bloß wo.“ Mit diesen Worten erhob er sich und sah nach oben.
„Da ist ein größeres Loch!“, sagte Lilith aufgeregt, als sie die kahle Stelle entdeckt hatte.
Vorsichtig schritt Wolverine zu dem Baum hinüber und suchte nach Fußspuren. Allerdings hatte der Matsch alles fein säuberlich geebnet. Falls irgendwann einmal Spuren dagewesen waren – ob von Stan, Raymond, seiner Mutter oder irgendjemand Fremden – sie waren es jetzt nicht mehr.
„Ich klettere jetzt nach oben, es würde mich brennend interessieren, warum gerade dieser Ast abgesägt wurde. Aber ich habe da schon eine Ahnung“, grummelte Logan.
„Du glaubst, der Ast wurde entfernt, damit wer auch immer einen freien Blick zum Haus hat. Zu Raymonds Zimmer“, riet sie und er nickte.
Während er also den Stamm des Baumes hinauf kletterte, legte Lilith ihre Hand auf den Ast und nutzte Sebastians Kraft, um festzustellen, wie lange dieser Ast schon vom Baum getrennt war.
„Deine Vermutung hat sich bestätigt?“, schloss Lilith, als Wolverine mit nicht sehr begeistertem Gesichtsausdruck wieder herab geklettert war. Er nickte.
„Leider. Ich glaube, wir können ausschließen, dass der Junge weg gelaufen ist. Es sei denn er ist freiwillig mit einem Fremden mitgegangen, von dem wir wissen, dass er Raymond beobachtet hat“, konstruierte er ein paar Möglichkeiten. Lilith seufzte ein wenig hilflos.
„Der Ast liegt hier schon mindestens zwei Wochen, es ist kein Wunder, dass keine Spuren mehr da sind. Vermutlich war der Späher nur ein Mal hier, um sein Opfer zu sehen oder was weiß ich und dann kam er gar nicht mehr her. Oder er hatte einen anderen Aussichtsplatz, der günstiger war“, sagte sie.
„Wohl wahr. Lass uns noch ein Stück weiter durch den Wald gehen, bis wir am zweiten Fenster von Raymonds Zimmer sind“, wies er sie dann an und sie nickte.
In einen Laufschritt verfallend, ging Wolverine voraus und Lilith folgte ihm am Waldrand entlang, bis sie um die Hausecke waren, an der Raymonds anderes Fenster lag.
Doch sie fanden keine weiteren Spuren, nicht einmal eine Duftspur, die auf Ray oder irgendeinen anderen Menschen hinwies.
Etwas enttäuscht kehrten sie zum Haus zurück. Scott und Ororo waren derweil heraus gekommen, allein.
„Was gefunden?“, fragte Cyclops sofort.
„Der Junge wurde beobachtet, sofern sich nicht die Eltern dazu entschieden haben, irgendwo im Wald auf einen Baum zu steigen, in das Zimmer ihres Kindes zu spähen und davor noch schnell die Sicht frei zu sägen. Sieht also wirklich so aus, als wäre er entführt worden...irgendwie. Spuren gab es außer einem abgesägten Ast leider keine, der Matsch hat alles zunichte gemacht, es ist zu kalt, als dass der Waldboden gefrieren könnte, also hat sich der Boden nur irgendwann wieder geglättet, als er zu flüssig wurde“, erstattete Logan Bericht. Scott nickte missmutig.
„Hat die Befragung noch irgendwas ergeben?“, hakte Lilith nach.
„Nicht wirklich. Das einzig wichtige sind noch die Wege, die Raymond oft gegangen ist. Auf einem von ihnen muss eine Spur sein, wohin er verschwunden ist“, entgegnete Cyclops.
„Falls die Spur nicht schon längst kalt oder ebenfalls versumpft ist...“, warf Logan ein, was dazu führte, dass Scott nur ein noch mieseres Gesicht machte.
„Trotzdem müssen wir es wenigstens versuchen. Wir nehmen am besten die Motorräder“, sagte er. Wolverine nickte wortlos und ging mit Scott zum Blackbird zurück, um 'die Motorräder' zu holen.
Lilith hatte gar nicht gewusst, dass sie welche dabei gehabt hatten.
Ihr gefiel der Gedanke nicht, sich schon wieder auf eine solche Höllenmaschine zu setzen und das noch, wenn es so glitschig war. Trotzdem folgte sie zusammen mit Ororo den beiden.
„Es wäre vielleicht besser, wenn wir uns trennen, dann können wir mehrere Wege gleichzeitig ausschließen“, schlug Logan vor, der wirkte, als würde er das alles so schnell wie möglich hinter sich bringen wollte.
„Gut. Dann gehst du mit Storm, und Lilith kommt mit mir, dann haben wir in jeder Gruppe jemanden mit einem guten Geruchssinn, falls es irgendwelche Spuren dieser Art gibt und Storm und ich kennen die Wege, was auch nicht von Nachteil sein wird“, entgegnete Scott, die Rolle des Chefs annehmend.
Wolverine sah wenig begeistert drein, nickte aber nur.
Er gab Storm einen Wink und sie erhob sich in die Lüfte, während er die Motocross-Maschine anließ und lospreschte.
Auch Scott startete den Motor seines Motorrads, das gleiche Modell wie das von Logan und Lilith zog sich ihre Mütze ein wenig tiefer, damit sie nicht an den Ohren fror, ehe sie hinter ihm aufstieg und er in die entgegengesetzte Richtung des Feldwegs losfuhr, wie Logan.
Während der Fahrt hielt Lilly immer ihre Nase bereit, aber auch scannte sie die Umgebung.
Cyclops trieb das Motorrad nicht allzu sehr an, weshalb der Matsch nicht richtig spritzte und die beiden noch langsam genug waren, um nach Spuren zu suchen. Das erleichterte Lilith sowohl die Fahrt, als auch die Spurensuche.
Scott meldete sich hin und wieder kurz bei Storm und hielt Rückfrage, ob sie etwas gefunden hatten, allerdings war es bei jedem Mal die selbe Antwort: Keine Spuren.
Auch Lilith und Cyclops hatten wenig Erfolg.
„Es kann doch nicht sein, dass ein Entführer nicht die geringsten Spuren hinterlässt“, murmelte Scott, nachdem er angehalten hatte, um eine eventuelle Spur zu untersuchen, die sich aber nur als Hufabdrücke von Rehen herausstellten.
„Vielleicht waren sie oder war er einfach zu gut, um Spuren zu hinterlassen“, gab Lilith zu bedenken, während sie vorsichtig in der Gegend schnüffelte.
Im Moment roch sie allerdings nicht mehr, als die Abgase des Motorrads.
„Was ist, riechst du was?“, fragte er ungeduldig. Lilith schüttelte den Kopf.
„Allerdings macht mir der Gestank des Bikes auch einen Strich durch die Rechnung. Ich kann fast nichts riechen außer das“, entgegnete sie. Scott seufzte.
„Lass uns zurückgehen. So finden wir nichts“, meinte er dann und Lilith glaubte zu wissen, dass er mit 'so' ihre noch nicht sehr geübte Nase bezeichnete. Trotzdem sagte sie nichts, sondern nickte nur.
Er war schon wieder aufgestiegen, als sich plötzlich etwas zu verändern schien. Es war für Lilith mehr ein Gefühl, als direkt ein angesprochener Sinn. Wie eine Luftveränderung oder ein Lichtschimmer, der flackerte.
Sie bedeutete Scott wortlos mit der Hand, er solle das Motorrad noch aus lassen. Dann schloss sie die Augen und sog tief Luft durch ihre Nase. Da war etwas. Nur ein Hauch, aber es war da!
Ohne die Augen zu öffnen, tapste Lilith ein paar kleine Schritte in eine Richtung, immer wieder kurz Luft stoßweise durch ihre Nase einatmend, wie ein Hund, der eine Fährte suchte.
Sie öffnete die Augen und folgte dem Geruchsfetzen. Immer schneller wurden ihre Schritte und sie ignorierte Scotts Stimme, die ihr sagte, sie solle nicht alleine zu weit laufen.
Schließlich blieb sie stehen und ging in die Hocke. Jenes Ding, was den Geruch verströmt hatte, lag vor ihr auf dem Boden, aber sie wagte nicht, es anzufassen.
Es war ein Stück Stoff, Lilith vermutete, dass es eine Mütze war, allerdings wollte sie keine Spuren vernichten, also rührte sie sich nicht vom Fleck und sah sich stattdessen um. Es gab Spuren. Verwischt, aber sie waren da.
Mit zitternden Fingern drückte sie auf das Mini-Funkgerät in ihrem Ohr.
„Ich habe was gefunden. Spuren. Und eine Mütze. Sie ist von Raymond“, sagte sie abgehackt und aufgeregt.
„Bleib wo du bist, Lil'. Storm und ich sind auf dem Weg. Wo ist Scott?“, erwiderte Wolverine.
„Ebenfalls auf dem Weg und auch gleich da. Beeilt euch“, meldete Scott sich zu Wort und Lilith hörte ihn sowohl durch ihr Funkgerät, als auch durch den Wald hallen. Er würde gleich hier sein. Und das war er auch.
„Was hast du gefunden außer der Mütze?“, fragte er, als er noch etwa 5 Meter von ihr entfernt war.
„Bleib am Besten da stehen, nicht dass irgendwelche Spuren verloren gehen“, wies sie ihn an. Zwar war es vielleicht ein wenig frech ihn so herum zu kommandieren, allerdings gehorchte er und blieb stehen.
Wolverine und Storm waren wenige Minuten später bei ihnen. Storm landete neben Scott und überließ es Logan, sich die Spuren anzusehen und näher zu Lilith zu gehen.
„Mehrere verschiedene Leute, es sind viele Fußabdrücke“, murmelte er und versuchte bereits im Kopf ein Konstrukt des Hergangs zu erstellen.
„Die meisten sind von der gleichen Art von Schuh, festes Schuhwerk, wahrscheinlich Stiefel, nur in unterschiedlicher Größe. Ich würde auf eine Art...Kampftruppe tippen. Eine Einheit. Wir wissen alle, aus welchem Grund sie hier war“, fuhr er dann fort und deutete auf einen der Fußabdrücke, der sich von den anderen unterschied.
„Sneakers, etwa Schuhgröße 39. Das muss Raymond sein“, sagte er und kam dann bei Lilly an, ging ebenfalls in die Hocke und bestätigte ihre Vermutung, dass es sich bei dem Stück Stoff um Eigentum von Ray handelte. Oder zumindest, dass ihm sein Geruch anhaftete.
Vorsichtig zog Logan die Mütze aus dem halb gefrorenen Matsch, beäugte sie kurz und sah sich dann erneut um, schnüffelte, schüttelte dann aber den Kopf.
„Wir wissen jetzt sicher, dass Raymond entführt wurde, allerdings sind die Spuren hier schon kalt... Es wird nicht leicht, sie zu verfolgen“, meinte er. Scott nickte.
„Seht ihr euch hier um, Storm und ich werden außen herum gehen und sehen, ob die Spuren irgendwo hinführen“, wies er Lilith und Wolverine an, ehe er in die eine und Storm in die andere Richtung ging.
Logan schlich in seiner üblichen Art zwischen den Spuren herum, versucht keine davon zu zerstören und noch immer ein Bild anfertigend, das die Ereignisse plausibel erklärte.
„Raymonds Spur läuft von hier alleine weg und wird dann von den anderen wieder zurück begleitet. Er wollte fliehen und wurde wieder eingefangen?“, riet Ororo und Wolverine nickte.
„So muss es gewesen sein. Er wurde irgendwie an diesen Ort gelockt, eingefangen, konnte dann kurz türmen, aber erfolglos. Er könnte seine Fähigkeiten benutzt haben, um zu entkommen. Die Fußabdrücke führen in diese Richtung“, erwiderte er und deutete mit dem Zeigefinger in die entgegengesetzte Richtung, aus der sie gekommen waren.
„Die Spuren enden hier. Der Boden ist härter“, informierte Scott ihn wenig erfreut, als er dort angekommen war. Wolverine, Lilith und ebenso Storm schlossen zu ihm auf.
„Wir werden jetzt fächerartig ausschwärmen. Haltet die Augen offen, vielleicht wird der Untergrund an irgendeiner Stelle auch wieder günstiger“, wies Logan die anderen drei an. Gesagt getan. Und nach einigen Minuten war es erneut Lilith, die eine Spur fand.
„Hier rüber!“ rief sie laut, damit auch alle der drei X-Men sie hören konnten.
Sie stand auf einer kleinen Lichtung und einige Fußspuren, sowie zwei lange, schmale und ein wenig tiefere Eindellungen befanden sich dort. Die längeren Druckstellen waren nahezu in der Mitte der Lichtung.
„Sieht aus wie ein Helikopter oder so etwas“, vermutete Scott, als er als erster bei ihr ankam. Logan bestätigte diese Vermutung.
„Das erklärt auch, warum die anderen Spuren hier schon wieder aufhören. Die Kerle sind in ein Fluggerät eingestiegen und davon geflogen. Jetzt wird es noch viel schwerer, sie zu finden. Wir müssten die Leute in der Umgebung fragen, ob sie eine derartige Maschine gehört und vor allem gesehen haben, sonst sind wir hier auf verlorenem Posten“, grummelte Logan und machte ein mieses Gesicht.
Das hieß noch mehr Arbeit und noch mehr Probleme, die schwer zu lösen waren.
„Und selbst wenn die was wissen, wird es noch schwer genug“, stimmte Ororo zu und ein wenig Verzweiflung war in ihrer Stimme zu hören.
Lilith verstand das sehr gut, auch sie wollte unbedingt dem Jungen helfen, der mit Sicherheit entführt worden war. Bloß wohin? Und warum?
Schließlich schickte Cyclops auf Wolverines Anweisung hin Storm über den Luftweg zurück zum Blackbird, um ein Maßband oder ähnliches zu holen, denn wenn sie die Spuren ausmessen würden, könnten sie anhand dieser Daten zumindest was das Fluggerät anging die Auswahl ein wenig verringern.
Außerdem hielten sie ein paar der Fußspuren auf einer Digitalkamera fest und nahmen Raymonds Mütze mit, die vielleicht auch noch irgendetwas ausspucken würde, wenn man sie sich genauer ansah.
Nachdem das erledigt war, begaben sie sich gemeinsam zurück zu den Motorrädern und anschließend zum Jet.
Bevor sie sich wieder auf den Nachhauseweg machten, führten sie noch eine Unterredung mit Stan, dem sie schweren Herzens mitteilen mussten, dass sein Sohn vermutlich entführt worden war, sie aber kaum Anhaltspunkte hatten, wohin.

„Wer tut so etwas?“, wisperte Lilith mehr zu sich selbst, als der Blackbird abhob. Ihr Blick war starr nach vorn gerichtet, hinaus aus dem Jet.
„Es gibt leider genug Menschen, denen so etwas einfällt. So viele, dass wir gar nicht eingrenzen können, wer infrage kommt“, erwiderte Storm geknickt.
„Und wir können auch sonst nichts tun“, schloss Lilly daraus.
Niemand sagte etwas, aber keine Antwort war auch eine Antwort. Sie konnten nichts tun, sie konnten Raymond für den Moment nicht helfen.
Sie hatten – bevor sie gegangen waren – noch weiträumig in der Nachbarschaft nach dem Flugobjekt gefragt und sich erkundigt, ob vielleicht irgendjemand mitbekommen hatte, in welche Richtung es geflogen war, allerdings waren dabei keine befriedigenden Antworten heraus gekommen. Keine Anhaltspunkte. Nur eine Mütze und zu viele Fragen.
Liliths Blick wandte sich zu Wolverine.
Er krallte sich wie auf dem letzten Flug in die Armlehnen des Sitzes und machte ein mieseres Gesicht als sonst. Es machte ihn rasend, dass sie nichts gefunden hatten, um dem Jungen zu helfen.
Ausnahmsweise schienen er und Cyclops einer Meinung zu sein, denn sein Flugstil schien aggressiver zu sein, als zuvor. Ihm ging es, wie ihnen allen.
Der Rückflug verlief sehr schweigsam, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, sprach aber keine davon aus.
Es war schon später Nachmittag, als der Blackbird im Hangar der Villa zum stehen kam und die vier schon von Charles empfangen wurden. Doch schon als er ihre Gesichter sah, schwante ihm nichts Gutes.
Nach einer kurzen Begrüßung begaben sich Scott und Logan mit dem Professor in dessen Büro, um alles zu besprechen, Ororo stieg mit ihnen in den Fahrstuhl, um in ihr Zimmer zu gelangen und sich um zu ziehen, während Lilith unbemerkt im unteren Stockwerk zurückblieb.
Sie brauchte ein wenig Zeit zum Nachdenken und war nicht böse, dass die anderen sie scheinbar vergessen zu haben schienen. Sie trottete am Danger Room vorbei und hielt inne, als sie von Sabretooths Tür ein Kratzen vernahm.
Sie sah seine grünen Katzenaugen durch den Schlitz spähen und sie beobachten, während seine Krallen an der Tür entlang schabten.
„Deine Trauermiene lässt daraus schließen, dass die heldenhaften X-Men einen Fehlschlag erlitten haben“, sagte er grinsend. Lilith beobachtete ihn aufmerksam.
„Warum sollte ich dir etwas erzählen? Nur damit du dich an negativen Beiträgen erfreuen und an positiven aufregen kannst?“, fragte sie in neutralem Ton. Creeds Grinsen blieb.
„Warum nicht? Abseits von Logans Fragerei habe ich doch keine Abwechslung, also erfreue mich doch mit deinen Erzählungen“, entgegnete er.
Sein Blick trieb Lilith fast in den Wahnsinn, er war ein Psychopath durch und durch und er wusste, wie er Leute nervös machen konnte.
Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und ging weiter.
Warum verschwendete sie überhaupt ihre Zeit hier? Vermutlich weil es bei ihr das selbe war, wie bei vielen Menschen: die Faszination an etwas Skurrilem, an etwas Gefährlichem.
Manche Menschen streichelten wilde Tiere oder unternahmen Sprünge aus tausenden Metern mit einem Fallschirm und sie? Sie sprach mit einem Psychopathen, der sie beinahe getötet hätte.
Sie schüttelte den Kopf und betrat am Ende des Flurs den Fahrstuhl, der mittlerweile wieder nach unten gekommen war.
Die folgenden Tage plätscherten so dahin, die Analyse von Raymonds Mütze ergab nichts Neues und auch über den Hubschrauber brachten sie nichts mehr in Erfahrung.
Es schien als hätten sie den Jungen verloren, ohne etwas tun zu können. Der Professor versuchte ihn mehrmals mit Hilfe von Cerebro zu finden, aber es wurde nicht von Erfolg gekrönt.
Im Laufe der Woche reisten alle Schüler ab, die noch irgendwo ein Zuhause hatten und das Weihnachtsfest dort mit ihren Liebsten verbringen wollten. Außer den X-Men blieben 8 andere Kinder zurück, die Weihnachten in der Mansion feierten.
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