Out Of The Past

GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P18
Gambit / Remy LeBeau Jubilee / Jubilation Lee Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Rogue / Mary D'Arcanto Sabretooth / Victor Creed Wolverine
24.04.2014
02.06.2016
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24.04.2014 1.224
 
Sie schrie auf und brach auf die Knie zusammen vor Pein. Da war Blut auf dem Boden und als sie auf ihre Hände blickte, fühlte sie sich fast in ihren Albtraum versetzt, denn aus ihren Händen ragten je 3 Krallen, wie die von Wolverine, nur dass diese nicht aus Metall, sondern aus Knochen bestanden. Schon nach wenigen Sekunden waren ihre Wangen nass von Tränen und der Schmerz jagte noch immer durch ihren Körper. Sie bemerkte kaum, wie Logan neben ihr auf in die Knie ging.
Er war einen Moment nicht bei Lilith gewesen, um eine andere Übung aufzubauen, als er gesehen hatte, wie sie zusammengebrochen war. Der Geruch des Blutes war sofort in seine Nase gestiegen und als er näher kam, hatte er nicht mehr überlegen müssen, was Lilith solche Schmerzen bereitete. Denn auch das kam offenbar mit Logans Kräften: die Krallen in seinem Handrücken, die bei ihm mit Adamantium überzogen waren, ebenso wie alle anderen Knochen.
„Was...was ist das? Warum...“, wimmerte Lilith, während sie apathisch auf die Krallen starrte.
„Meine Kräfte, die du offenbar genutzt hast“, erwiderte er grollend und packte ihre Handgelenke, ehe er diese ein wenig von ihr weg hielt, damit sie sich nicht selbst verletzte.
„Konzentrier dich, dann ziehen sie sich zurück“, wies er sie an und Lilith tat wie ihr geheißen. Allerdings dauerte es länger, als sie erwartete, bis sie die Krallen dazu bekam, sich zurück zu ziehen und es schmerzte so höllisch! Natürlich verheilten sogleich die Wunden, die die Krallen hinterlassen hatten und nachdem das geschehen war, schob Lilith die Kraft fort. Allerdings konnte sie nicht leugnen, dass eine Art Phantomschmerz zurückblieb.
„Wie...wie hältst du das aus?“, wisperte sie, während Logan sie fest und wie selbstverständlich in die Arme schloss, um sie zu trösten, „Oder tut das bei dir nicht weh?“
„Doch, es schmerzt jedes Mal. Aber ich habe über die Jahre gelernt, Schmerzen auszublenden, zumindest die körperlichen. Für jemanden wie mich ist der Schmerz meist nur ein kurzes Intermezzo, da das meiste sehr bald heilt. Und gegen das, was ich sonst einstecken muss, sind die Schmerzen, die mit den Klauen kommen Kinkerlitzchen“, murmelte er nachdenklich.
Lilith erschauerte in seinen Armen. Es war für sie unvorstellbar, dass er das alles einfach so wegstecken konnte, die Schmerzen waren höllisch! Sie hatte gedacht, die Kratzer die Sabretooth ihr zugefügt hatte, seien schmerzhaft gewesen, doch das hier war weitaus schlimmer. Und Wolverine war nie das geringste anzumerken, wenn er seine Krallen einsetze.
Sie verharrten noch einige Momente so und regungslos auf dem Boden, Lilith war ein weiteres Mal froh um die warme, breite Brust, an die sie sich lehnen durfte. Dann lockerte Logan seinen Griff und musterte Liliths Gesicht prüfend.
„Lass uns für heute Schluss machen, in Ordnung?“, bot er ihr an. Sie wollte nichts lieber, als sich in ihrem Bett zu verkriechen, aber um ehrlich zu sein, wollte sie nicht wie ein Weichei wirken, also schüttelte sie den Kopf.
„Es geht schon“, sagte sie – aufgrund ihrer zitternden Stimme – wenig überzeugend, „Ich brauche nur noch eine kurze Pause, dann geht es wieder.“ Logan nickte, erhob sich und half ihr auf die Beine, ehe er sie bis zur Wand und einem dort stehenden Turnkasten führte, auf dem sie sich niederlassen konnte. Dann verließ er den Danger Room für ein paar Minuten und kam mit etwas zu trinken zurück. Eine Cola, damit Liliths Kreislauf durch Koffein und Zucker wieder in Schwung kam.
„Danke“, sagte sie mit noch immer zitternder Stimme, aber schon ein wenig gefasster als kurz zuvor. Sie hatte sich auch das Gesicht mit den Ärmeln ihres Shirts abgewischt und bekam sogar ein kleines Lächeln zustande, als Logan ihr die Cola reichte. Er ging neben ihr in die Hocke und beobachtete sie sehr genau.
„Na? Wer hat dich auf die glorreiche Idee gebracht, mich zu linken?“, fragte er mit seiner rauen Stimme und Lilith war sich im ersten Moment nicht sicher, ob er wütend war oder nicht.
„Kitty“, erwiderte sie dann kleinlaut, aber wahrheitsgemäß und als sie seinen entspannten Gesichtsausdruck sah, war sie sich sicher, dass er nur neugierig gewesen war und nicht sauer.
Sie trank etwa die Hälfte der Flasche, dann stellte sie sich weg und erhob sich. Logan tat es ihr gleich. Sie sah wieder vollkommen in Ordnung aus, die Blässe aus ihrem Gesicht war gewichen und nur die ein wenig geröteten Augen zeugten noch davon, dass sie geweint hatte. Und natürlich das Blut auf ihren Klamotten verriet die Vorkommnisse der Trainingsstunde.
Auch Wolverine hatte sich wieder aufgerichtet und Lilith bemerkte, dass er nun auch entspannter wirkte, als vor der Stunde. Sie sah ihn fragend an und wollte dann von ihm wissen, was ihn vorhin bedrückt hatte.
„Ich habe geahnt, dass auch die Krallen sich bei Gelegenheit zeigen würden. Warum erst jetzt, weiß ich nicht. Allerdings bin ich erleichtert, dass der erste Schmerz jetzt vorbei ist und dass du weißt, was dich erwartet“, antwortete er.
„Jetzt warten aber keine unschönen Überraschungen mehr auf mich oder?“, fragte sie und lächelte erneut.
„Nein, meines Wissens nach hast du es jetzt soweit überstanden“, erwiderte er und schmunzelte ebenfalls ein kleines bisschen und Lilith war erleichtert darüber. Noch eine solche Überraschung hätte sie nicht mehr mit so viel Fassung getragen.
Sie führten die Trainingseinheit fort, dieses Mal jedoch nutzte sie nur ihre eigenen Kräfte. Sie hatte allerdings das Gefühl, als würde ihr das Training schon heute leichter fallen als gestern.

„Hast du dir sehr wehgetan, Lilith?“, hörte er das Mädchen fragen, nachdem Lilith gestolpert und unsanft im Kies aufgekommen war. Sie setzte sich gerade auf und weinte ein wenig, als sie die Schürfwunde in ihrer Hand bemerkte. Doch wie selbstverständlich stand sie dann auf, schniefte kurz und sagte: „Nein, ist schon okay.“
Tapfere Lilly, dachte er.
Schon den ganzen Morgen beobachtete er sie und ihre Freundin Samantha, die mit ein paar anderen Kindern im Garten des Kinderheims spielten. Letzte Nacht hatte er routiniert die Gegend durchforstet, den umgebenden Wald gecheckt und sich ein wenig in den Spelunken der Stadt umgesehen. Nichts war ihm ungewöhnlich erschienen und keiner der Menschen, Gerüche und Begebenheiten war ihm in irgendeiner Weise verdächtig vorgekommen. Es war alles gut. Abgesehen von der Tatsache, dass er noch keine Fortschritte gemacht hatte, was Avas Mörder anbelangte und dass er sich eben hatte zurückhalten müssen, um nicht alles über Bord zu werfen und zu Lilith zu gehen. Wann würde er das wohl wieder können? In ein paar Wochen? Oder Monaten oder am Ende gar Jahren? Eine unangenehme Vorstellung.
Gelächter riss ihn aus seinen tristen Gedanken. Lilith und Samantha spielten Fangen mit den anderen Kindern und es schien ihnen sehr viel Spaß zu machen.
Wolverine löste sich aus seiner Haltung, er hatte an eine Hauswand gelehnt dagestanden und gedankenverloren an seiner Zigarre gepafft. Es war so besser für Lilith. Hier hatte sie Freunde und konnte lange genug Kind sein, ohne sich zu viel mit Dingen beschäftigen musste, die eigentlich nur Erwachsene etwas angingen. Es erschauerte ihn, wenn er sich vorstellte, Lilith könnte in seiner Nähe sein, wenn er in eine seiner Rasereien fiel und dabei jemanden verletzte oder gar tötete. Er wollte nie wieder solche Angst auf ihrem Gesicht sehen, wie in der Nacht, als er sie aus den Flammen gerettet hatte. Nie wieder. Ihre Kinderaugen hatten schon genug schreckliche Dinge gesehen.
Und so zog er von dannen, wie das letzte Mal und wie noch viele weitere Male, die folgen würden.
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