Out Of The Past

GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P18
Gambit / Remy LeBeau Jubilee / Jubilation Lee Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Rogue / Mary D'Arcanto Sabretooth / Victor Creed Wolverine
24.04.2014
02.06.2016
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Hallöchen! :)
Es freut mich, dass ihr trotz meiner nicht ganz gelungenen Kurzbeschreibung zu dieser Geschichte gefunden habt! Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und würde mich über Reviews freuen :)

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„Was für ein ätzender Abend“, dachte die junge Kellnerin des Phönix, einer Kneipe nahe dem Stadtkern einer kanadischen Kleinstadt. Die Kneipe war hauptsächlich ein Sammelpunkt für Männer aller Altersklassen über 25, die sich meist nur in der stickigen Luft der Räumlichkeit aufhielten, um sich ordentlich einen hinter die Binde zu kippen.
Manche taten dies leise für sich allein, so wie der Kerl mit dem Hut und der Zigarre in der dunkelsten Ecke des Lokals, andere wiederum laut und tönend mit ihren ebenso betrunkenen Freunden, wie die für die Kellnerin beunruhigende Gruppe, die sich nahezu im Mittelpunkt des Phönix tummelte und dort den größten Tisch belagerte. Auch kleinere Gruppen waren vorhanden, manche an Tischen nahe der Tür, einige andere tummelte sich um den Billardtisch und bei der Dartsscheibe weiter hinten im Raum.
Warum war das ein ätzender Abend für betreffende Kellnerin?
Nun, es war Freitagabend, Haupteinnahmezeit, das hieß also viel zu tun und nicht nur das. Durch den reichlich fließenden Alkohol waren die meisten Männer mutiger als zu früherer Stunde oder an anderen Tagen, das bedeutete für die doch recht hübsche Frau, dass sie nicht nur häufig angegraben wurde, sondern auch dass gelegentlich einer der Männer sich genug Mut angetrunken hatte, um sie betatschen zu wollen. Oft genug wich sie gekonnt aus, allerdings war schon der Gedanke daran verdammt unangenehm. Trotzdem musste sie freundlich bleiben, andernfalls würde sie von ihrem Chef eines auf die Finger bekommen oder gleich ihren Job verlieren.
Natürlich wäre es nicht ihre Schuld gewesen, wenn sie auf einen Annäherungsversuch zu unfreundlich reagierte, doch ihr Chef war ein Mann, der jede Art von Unannehmlichkeiten hasste, auch jene, denen er eigentlich vorbeugen müsste. Unannehmlichkeiten bedeuteten zusätzliche Arbeit und eventuell Einnahmeverlust und das war für den recht geizigen Mann indiskutabel.
Würde sich also jemand bei ihm über seine Kellnerin beschweren, würde das für ihn nur Probleme bedeuten, die er zu lösen hatte, was dann im Endeffekt wieder auf die Kellnerin zurückfallen würde, da sie ja der Verursacher des Problems war.
Also lieber schön lächeln und 'Arschloch!' denken.
Gerade war es wieder ein Mal soweit. Die große Gruppe in der Mitte des Raums hatte eine weitere Runde bestellt und es war natürlich ihre Aufgabe, jene Runde zu den Empfängern zu bringen.
„Da ist ja unsere Kleine!“, lallte einer der Kerle und himmelte sie mit seinen hellblauen, aber vom Alkohol fast trüben Augen an, „Willst du nicht was mit uns trinken?“ Sie setzte ein falsches Lächeln auf, während sie die Bierkrüge auf den Tisch stellte. Die Kälte des Biers drang durch das Glas bis auf ihre Haut.
„Tut mir Leid, ich habe noch zu tun. Vielleicht später, wenn meine Schicht zu Ende ist, hm?“, speiste sie ihn ab und zwinkerte ihm zu. Er musste ja nicht wissen, dass ihre Schicht die ganze Nacht bis in die frühen Morgenstunden ging, in denen jeder der Männer schon betrunken unterm Tisch liegen würde und nicht mehr genug Grips im Kopf haben würde, um sich daran zu erinnern, die 'Kleine' auf einen Drink eingeladen zu haben.
„Ach komm schon, setz dich einen Augenblick!“, bat er breit grinsend und durch ihr Zwinkern ermutigt.
Wie wenn er ihre Gedanken gelesen hätte, hob nun der Mann in der Ecke mit dem Hut seine Hand und winkte sie zu sich.
Unbemerkt tief und erleichtert seufzend sagte sie: „Sorry, Süßer, ich hab noch zu tun. Später.“ Mit diesen Worten entschlüpfte sie seinen Fängen und begab sich zu ihrem neuen Kunden.
„Einen doppelten Whiskey. Ohne Eis“, bestellte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, ohne sie anzusehen. Sein Gesicht war fast ganz unter dem Schatten des Hutes verborgen und das fahle Licht machte es auch nicht leichter es zu sehen. Er hatte seine Unterarme auf dem Tisch vor sich abgelegt und die Schultern leicht hochgezogen, was für sie sehr abweisend wirkte.
„Gern“, sagte die Kellnerin, lächelte erneut falsch, auch wenn sie hätte schwören können, dass er das ohnehin nicht gesehen hatte und machte sich dann auf den Weg zur Bar, um dem Barkeeper die Bestellung zu übermitteln. Während sie wartete, schweifte ihr Blick durch die Kneipe, nur um dann zu bemerkten, wie der Kerl mit den blauen Augen sie angrinste und ihr winkte.
Sie hob gespielt schüchtern und lächelnd die Hand und winkte nur mit den Fingern zurück.
„Hier, der Whiskey“, lenkte der Barkeeper ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Arbeit.
„Danke, Paul“, erwiderte sie, griff nach dem Glas und brachte es zu dem Tisch in der Ecke, wo sie es mit einem „Bitteschön“ auf die Tischplatte stellte. Der Mann nickte kurz und hielt es nicht einmal für nötig, sich bei ihr zu bedanken.
Ohne ein Wort darüber zu verlieren wandte die Kellnerin ihm den Rücken zu und schlenderte durch den Schankraum, erkundigte sich an ein paar Tischen, ob noch Wünsche offen waren und erfüllte jene. Wenn sie ein paar Minuten Ruhe hatte, klebten ihre Augen leblos an dem Fernseher, der oberhalb der Theke angebracht war.
Gegen Mitternacht kamen die Nachrichten. Sie blickte auf den Bildschirm, nahm aber nicht wirklich wahr, was darüber flackerte. Nur mal wieder irgendwelche Unruhen in Toronto und Ottawa, die vermutlich etwas mit Mutanten zu tun hatten, wie des öfteren. Nichts, was einen in der Kleinstadt, weitab jener großer Städte beunruhigen musste. Hier passierte so gut wie nie etwas und das war irgendwie auch gut so.
„Hey, Sweety“, riss eine Stimme sie aus ihren Gedanken. Wieder der Kerl von dem großen Tisch, er winkte wieder. Sie verdrehte gedanklich die Augen, legte aber einen freundlichen Gesichtsausdruck auf und 'schwebte' schnellen und leichten Schrittes zu ihm hinüber.
„Möchtet ihr nochmal etwas trinken?“, fragte sie zuckersüß. Sie stand neben ihm und legte ihm eine Hand auf die Schulter, wie um ihre Präsenz zu untermalen. Dass ihm das gefiel, war ihm anzusehen.
„Sag, Sweety, wie heißt du überhaupt?“, fragte er. Sie strauchelte einen Moment. „Lass uns doch bei Sweety bleiben, das gefällt mir viel besser, als mein richtiger Name“, erwiderte sie dann schnell. Er grinste breit. „Also schön. Ich bin Brian“, erwiderte er, sein Grinsen wirkte etwas dümmlich und vor allem betrunken. Die Kellnerin lächelte höflich und war dann schon dabei sich abzuwenden, als Brian noch eine Runde bestellte. Wie zuvor ging sie zurück zur Theke, orderte bei Paul die Getränke und trug sie zu dem Tisch.
Kurz überschlagen waren es schon gut und gerne mehr als 10 Bier pro Mann zusätzlich zu den härtere Bargetränken, die sie schon in sich hinein geschüttet hatten. Sie fragte sich insgeheim, wer das alles zahlen würde oder ob die Herren wie fast immer anschreiben lassen würden, um es dann erst Wochen später oder niemals zu bezahlen. Wie sich die Kneipe hielt, war ihr schon ein Rätsel, seit sie dort arbeitete, aber solange sie ihren Lohn bekam, sollte es ihr egal sein. Sie brauchte das Geld, das meiste andere war nebensächlich.
Wie auf Kommando machte sich nun wieder der Kerl in der Ecke bemerkbar. Sie wettete in Gedanken mit sich selbst, ob er nun noch einen Whiskey, ein Bier oder einfach nur bezahlen wollte.
Die Stimme in ihrem Kopf, die für das Bier gestimmt hatte, gewann. Sie wunderte sich, dass er überhaupt kein Anzeichen von Trunkenheit zeigte, allerdings gab es unter den Stammgästen der Kneipe genug Männer, die verdammt viel vertrugen oder es sehr gut verstanden, ihren Rausch nicht zu zeigen.
Als sie ihm sein Bier brachte und mit dem obligatorischen „Bitteschön“ abstellte, war sie schon fast dabei, sich wieder abzuwenden, als er fragte: „Geht dir das nicht auf die Nerven?“ Sie hielt inne und musterte ihn verwundert, da er ja zuvor kaum ein Wort gesprochen hatte.
„Was meinst du?“, hakte sie nach, da sie nicht so ganz verstanden hatte, worauf er hinaus wollte.
„Dieses ständige Gesabber dieser jämmerlichen Kerle, die sich nur sturzbesoffen trauen, eine Frau anzusprechen und es selbst dann noch so lächerlich tun, dass jede Frau die Augen verdrehen und von dannen ziehen würde“, erläuterte er. Wieder sah er sie nicht an, hielt sein Gesicht weiterhin im Dunkeln.
Die Kellnerin zuckte mit den Schultern. „Es ist mein Job, freundlich zu ihnen zu sein, auch wenn ich sie am liebsten rauswerfen lassen würde. Diesen Luxus kann ich mir eben nicht leisten, ich brauche diesen Job. Jeder muss mal irgendetwas tun, was ihn nervt oder was er nicht machen möchte. In meinem Fall muss ich eben nett zu jedem Gast sein und wenn es noch so ein schleimiger Affenarsch ist“, antwortete sie.
„Ich würde mir das nicht gefallen lassen. Jeder dieser Kerle liegt meilenweit unter deinem Niveau, Lady“, murmelte er.
Was sollte das denn heißen? War das etwa seine Art ihr zu sagen, dass sie gut aussah? Sie war verwirrt und etwas verunsichert.
Dann schob er mit dem Daumen seinen Hut weiter nach oben, hob den Kopf und sah sie durchdringend an. Die Augen unter den Brauen, welche ebenso tiefschwarz waren wie sein Haar und seine ausgeprägten Koteletten, waren von einem tiefen, dunklen Blau, das sie nicht so ganz einordnen konnte.
Locker lehnte er sich zurück und legte seinen Arm auf die Rückenlehne der Bank, auf der er saß, während er gekonnt cool einen Zug von seiner Zigarre nahm.
Wollte dieser Kerl sie jetzt etwa auch noch angraben? Selbst wenn, er stellte es jedenfalls um einiges geschickter an, als die meisten anderen Kerle, die ihr hier so über den Weg liefen.
„Du könntest so viel mehr sein, als nur eine kleine Kellnerin in einer schmierigen Kneipe, mit schmierigen Kerlen, die so eine Perle wie dich gar nicht verdient haben“, schob er hinterher und beobachtete ihr Minenspiel genau, die Art wie sie ein wenig rot wurde, die Unsicherheit, die in ihr aufstieg.
Gegen gewöhnliche Kerle mit billigen Anmachsprüchen kam sie wunderbar an, konnte schnell eine liebe Erwiderung von sich geben, aber das hier war neu für sie. Vor allem weil dieser Mann keineswegs so betrunken war, wie die beträchtliche Anzahl seiner Getränke es hätten vermuten lassen. Aber es war nicht nur das. Er hatte eine Art...Aura um sich, die – so kindisch das auch klingen mochte – etwas gefährliches an sich hatte.
„Verunsichert, Schwester?“, fragte er und ein belustigtes Glitzern trat in seine Augen.
„Ich...“, fing sie an, ehe sie schüchtern nickte, während ihre Finger nervös an ihrer Schürze zupften.
Noch ehe er etwas dazu sagen konnte, hörte sie Brians Stimme ein lang gezogenes „Sweety!“, rufen.
„Entschuldige, ich habe zu tun“, presste sie hervor, wandte sich eilig ab und folgte Brians Rufen.
„Was hast du denn mit dem Kerl zu bereden gehabt, Sweetheart?“, fragte er und sie konnte ihn gerade noch davon abhalten, dreist seine Hand auf ihren Hintern zu legen.
„Er hat gefragt, ob es noch etwas zu essen gibt, worauf ich ihm mitteilen musste, dass es nur bis 22 Uhr warme Küche gibt. Nichts beunruhigendes“, entgegnete sie der Einfachheit halber und lächelte ein weiteres Mal gekünstelt.
Doch auch jetzt kam es nicht zu einem richtigen Gespräch, denn eine andere Gruppe von Gästen wollte bezahlen.
Und wie wenn dies eine Welle ausgelöst hätte, verlangten auch einige andere nach der Kellnerin, um zu bezahlen und anschließend zu gehen. Sie hatte also vorerst zu tun und freute sich über das gelegentlich recht üppige Trinkgeld. Wenigstens ein Vorteil, wenn man zu allen Gästen nett und freundlich war. Das Geld konnte sie mehr als gut gebrauchen.
Langsam aber sicher wurde es dann ruhiger und sie hatte Zeit ein weiteres Mal den Herrn in der Ecke aufzusuchen.
„Was meintest du damit, ich könnte mehr sein? Es klang als wüsstest du etwas ganz bestimmtes“, sagte sie und setzte sich ihm gegenüber. Er hatte wie anfangs dagesessen, den Hut wieder ein Stück ins Gesicht gezogen und seine markanten Gesichtszüge im Dunkeln verborgen, doch nun sah er ein weiteres Mal auf, damit er sie mustern konnte.
Sie musste zugeben, sie hätte ihm nicht nachts in einer dunklen Gasse begegnen wollen. Trotz dass er eine Lederjacke trug, erkannte man, dass er sehr muskulös war und er sah nicht aus wie jemand, der einer guten Schlägerei oder ähnlichem aus dem Weg gehen würde. Nachdem dieser Gedanke sich in ihrem Kopf gebildet hatte, fragte sie sich unwillkürlich, warum es sie eigentlich interessierte, was er gemeint hatte. Warum machte sie nicht einfach weiter ihren Job und vergaß, was der seltsame Unbekannte von sich gegeben hatte? Sie war kurz davor, wieder aufzustehen, doch dann machte er doch den Mund auf.
„Nein, es war einfach nur so dahin gestellt, eine reine Vermutung von jemandem, der dich nicht kennt und nur dein Äußeres wahrnehmen kann. Vielleicht täusche ich mich ja auch und das hier ist das Beste was du kriegen kannst“, entgegnete er.
Empört klappte ihr Mund auf, nur um sich dann unverrichteter Dinge wieder zu schließen.
„Was fällt dir ein, du...“, fing sie an, besann sich dann aber wieder dem „Chef der kein Problem haben will“-Problem und schluckte die sehr unfreundliche Betitelung, die sie dem Mann hatte aufdrücken wollen tapfer hinunter, ehe sie sich erhob und eingeschnappt davon stakste. Was bildete dieser dahergelaufene Kerl sich eigentlich ein? Sie hätte gehen sollen, bevor er etwas gesagt hatte.
„Alles klar bei dir?“, fragte Paul, als sie mit vor Wut rotem Gesicht an der Bar ankam. Allerdings klang er nicht wirklich so, als würde er jetzt ihre Sorgen hören wollen, weshalb sie nur ein „Ja ja“, murmelte und dem Drang widerstand in die massive Holztheke zu treten.
„Sweety, wir nehmen noch eine Runde!“, rief Brian in diesem Moment durch den Schankraum. Genervt atmete sie tief durch, um dann wieder ihre Maske mit dem Lächeln aufzusetzen, sich umzudrehen und zu dem immer betrunkener werdenden Brian und seinen Freunden zu gehen.
„Jungs, meint ihr nicht, ihr hattet genug? Ich bringe euch gerne eine Runde Wasser für jeden“, schlug sie vor.
„Ach Quatsch! Bring uns noch eine Runde Bier, Schätzchen“, entgegnete Brian kaum verständlich, der Alkohol hatte seine Zunge schon sehr schwer gemacht, ganz im Gegensatz zu seinen Händen, von denen sich eine schon wieder auf ihren Hintern legen wollte, nur um wieder von ihr weggeschoben zu werden.
„Komm schon, Sweety, ich weiß, dir gefällt das“, war er sich sicher und startete einen erneuten Versuch, den sie erneut abwies.
„Nein, tut es nicht, bitte lass es sein“, sagte sie, trat einen Schritt zurück und war zum ersten Mal nicht mehr zuckersüß. Vielleicht hörte sie sich das Geschleime dieser Kerle an, aber befummeln ließ sie sich ganz bestimmt nicht. Ihr Stolz war ohnehin schon angeschlagen und für den Moment hatte sie es satt, „Sweety“, zu sein.
Brian sah sie verwundert an, er hatte nicht mit einer Abfuhr gerechnet. „Was hast du denn, Kleines, vorhin hast du dich doch auch nicht so geziert“, versuchte er sie umzustimmen und packte sie am Arm, um sie näher zu sich zu ziehen.
„Lass mich los“, verlangte sie, doch Brian war schon taumelnd aufgestanden und hatte ihr einen Kuss auf die Lippen gedrückt. Ihr wollte schlecht werden. Sein Atem war einfach nur widerlich, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er einer der letzten Männer der Welt gewesen wäre, die sie freiwillig geküsst hätte. Allerdings war sie zu schwach um ihn weg zu drücken. Im Hintergrund vernahm die das ermutigende Gegröle und Gejubel von Brians Freunden, von denen sie jedem einzelnen am liebsten eine gescheuert hätte.
Doch sie musste sich auch kurz darauf nicht mehr abmühen, da er sich von ihr löste. Erst jetzt sah sie, dass der Mann aus der Ecke, der vorhin noch so gemein gewesen war, Brian nun am Genick gepackt hatte und ihn zurück in seinen Stuhl drückte.
„Die Lady hat nein gesagt, weißt du was nein heißt, Kumpel? Nein heißt, dass du deine verfluchten Dreckfinger bei dir behältst und der Lady nicht zu nahe kommst, capiche?“, zischte er beängstigend drohende.
Die Kellnerin stand da wie versteinert und sah zu, wie Brian etwas verängstigt nickte. Es war auf einmal sehr still in der Kneipe geworden, das Grölen war verstummt und alle Augen hingen an ihnen. So viel Aufmerksamkeit war ihr unangenehm.
Ruckartig ließ die große Hand von Brians Nacken ab, wo rote Abdrücke zurückblieben. Angenehm war das ganz bestimmt nicht.
Ihr 'Retter' warf ihr noch einen kurzen Blick zu, ehe er sich wieder in seine Ecke verzog und seine Zigarre erneut anzündete, um anschließend daran zu paffen.
Sie stand noch einen Moment regungslos da, dann ergriff sie die Flucht und verzog sich eilig aus dem Schankraum. Ihr Weg führte sie in die Damentoilette, wo sie sich ein wenig Wasser ins Gesicht spritzte, um wieder klar denken zu können. Während sie das Wasser anschließend mit einigen Papiertüchern wieder abwischte, betrachtete sie ihr Gesicht im Spiegel, während die Leuchtstoffröhre darüber zu flackern begann. Was war das für ein schräger Film? Schon vor Stunden hatte sie gewusst, dass dieser Abend bescheiden war, aber gleich in diesen Ausmaßen?
Sie atmete noch einmal tief durch und begab sich dann zurück zur Theke, um so zu tun, als sei nichts geschehen.
Es folgten auch den Rest der Nacht keine Zwischenfälle mehr, sie sprach kein Wort mehr mit dem Mann in der Ecke, außer der Frage ob er noch etwas trinken wolle und dem „Gern“ und „Bitteschön“, das ihr ihre Höflichkeit gebot.
Auch Brian war seltsam still geworden und hatte seine Flirtversuche auf ein Minimum reduziert, was der Kellnerin alles andere als unangenehm war.
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