Frei nach Bronte

von Queen Don
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Donia Keenan
24.04.2014
24.04.2014
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Das wird  die erste Geschichte hier, die länger wird als eine Seite! Yay- wir sind inspiriert und machen Fortschritte! Ich lese momentan Jane Eyre und es ist wirklich ein wunderschönes Buch und es hat viele inspirierende Stellen- und Stellen die mich an Donia und Keenan erinnern- meine beiden Goldstücke und mein zweites Wicked Lovely-Otp! : ) Es wird Zeit, dass ich ihnen hier auch mal eine Geschichte widme.

Die Szenen sind von Charlotte Bronte´s Jane Eyre inspiriert oder sehr ähnlich- manche Dialoge sind in der Wortwahl gleich, weil ich dieses Buch wirklich liebe. Donia und Keenan gehören Melissa Marr.





Kapitel 1



1917



Obwohl Donia ihr Bett mit einem anderen Mädchen teilen musste, fühlte sie sich darin einsam, und selbst das Schnarchen ihrer Bettgenossin vermochte die Geräusche des Sturms nicht zu übertönen. Donia starrte in die Dunkelheit und klammerte sich an ihre Bettdecke. Ihre Gedanken wanderten zu ihrer Mutter. Bestimmt hatte sie sich wieder in den Schlaf geweint. Das tat sie so oft, dass Donia aufgehört hatte zu zählen und egal was sie versuchte, die Tränen, die ihre Mutter weinte, versiegten selten. Sie stellte sich vor, wie sie auf ihrem Schoß saß, das Gesicht an ihre Brust drückte, um sie zu trösten, doch seit ihr Vater und ihr Bruder gestorben waren, vermochte sie kaum noch etwas zu trösten und Donia hatte sie seit diesem schrecklichen Tag nicht mehr lächeln sehen. Wer kümmerte sich um sie, wenn Donia nicht da war? Sie wusste nicht, ob ihre Mutter sich einfach zu Tode hungerte. Donia hatte sie angefleht es nicht zu tun und zu essen, aber sie war sich nicht mal sicher, ob sie es gehört hatte, denn oft saß ihre Mutter apathisch auf dem Stuhl, starrte vor sich hin, bemerkte nichts und niemanden; auch nicht die Tränen, die ihre Wangen hinabliefen und sie rot färbten. Donia hatte Angst. Was wenn sie sich während ihrer Abwesenheit etwas antat? Bei dem Gedanken musste das kleine Mädchen die Tränen zurückdrängen und ihr war als würde ein Stein auf ihrer Brust liegen, der ihr das Atmen zur Qual machte. Sie wünschte, sie wäre nicht in dieser fremden Schule, wo sie niemanden kannte, sie wünschte, sie könnte ihrer Mutter helfen und sie wieder glücklich machen, doch das konnte sie nicht. Donia wischte sich die Tränen weg und fiel schließlich in einen traumlosen kurzen Schlaf.    

Donia wurde von einem Glockenton geweckt und blinzelte verschlafen ins Morgenlicht. Ihre Bettgenossin und die anderen Mädchen waren bereits auf und drängelten sich zu fünft um ein winzig kleines Waschbecken, um sich den Schlaf aus den Augen zu waschen. Ungelenk stand Donia auf, schüttelte ihr Bett auf, zog sich an und wusch sich ebenfalls das Gesicht. Bei dem Gedrängel am Waschbecken war es schwer sich auf den Beinen zu halten und sie bekam mehr als ein Mal einen Ellenbogen ins Gesicht oder Wasser auf ihr schlichtes braunes Kleid.

Das Frühstück bestand aus angebrannten Haferbrei und einem Glas Wasser und wurde auf harten Holzbänken nach dem Morgengebet eingenommen. Sie hatte großen Hunger und die Portion war nicht ausreichend um ein hungriges 10-jähriges Mädchen für den Tag zu stärken, doch das Essen war ungenießbar und sie konnte nicht mehr als zwei Löffel der angebrannten Nahrung herunterwürgen. So blieb nur ein kleines Glas Wasser, das sie eilig hinunterstürzte, auch wenn es abgestanden schmeckte.

Ein weiteres Gebet folgte in dem kleinen Klassenzimmer in dem Lesen, Schreiben, Geschichte und das Subtrahieren von Zahlen gelehrt wurde und Donia wurde von der Lehrerin- eine schreckliche Frau mit Hakennase- einer Gruppe zugeteilt, die gerade ein Gedicht von einem Mann abschrieb, dessen Name Donia nicht mal aussprechen konnte.

„SMITH!“ Erschrocken sah Donia in die kalten Augen ihrer Lehrerin. „Was ist das für ein Fleck auf deinem Kleid?“ „Wasser, Madame“, murmelte Donia entschuldigend. „Was macht Wasser auf deinem Kleid? Hat man dich nicht zur Achtsamkeit und Ordnung erzogen? Was für ein Licht wirft das auf unsere Schule?!“, rief die Frau und sie klang, als würde sie gleich einen Anfall kriegen. „Stell dich an die Wand da! Und da bleibst du für den Rest der Stunde und das mir das ja nicht noch mal vorkommt. Ich hoffe, ich habe mich klar ausgedrückt.“ „Ja, Madame.“ Donia erhob sich und stellte sich wie ihr geheißen an die Wand. Sie spürte die Blicke ihrer Mitschüler in ihrem Rücken, aber sie ertrug ihre Strafe. Ihre Lehrerin hatte Recht. Es war nicht akzeptabel so zum Unterricht zu erscheinen.

Donia bemühte sich sehr und der Vormittag verging, ohne das sie ein weiteres Mal getadelt wurde. Als die anderen Mädchen ihre Köpfe mit Hüten bedeckten, tat sie es ihnen nach und folgte ihnen ins Freie, wo sie den Nachmittag damit verbrachten Hausaufgaben zu erledigen. Die Meisten ihrer Mitschüler bildeten Gruppen und arbeiteten schweigend zusammen. Donia gab sich die größte Mühe, ihren Hunger zu vergessen und sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren, aber sie hatte vorher nie eine Schule besucht und so vieles ergab für sie keinen Sinn. Ihre Mutter hatte ihr das Lesen beigebracht, aber von Zahlen und Geschichte hörte sie das erste Mal. Ratlos sah sie auf ihre Aufgabe herunter. Sie hatte vergessen, was Subtrahieren hieß und traute sich nicht, eines der Mädchen aus ihrer Arbeit zu reißen und zu fragen. Also schob sie ihre Aufgaben sorgfältig zusammen und schaute sich um. Das Blumenbeet sah traurig aus, denn für Blumen war es zu kalt und Donia zog ihren grauen Mantel zitternd enger um sich. Alles wirkte grau: Die Himmel über ihr, die Mauern des Schulgebäudes vor ihr, sogar ihr Frühstück war grau gewesen und die Hautfarbe einiger Lehrerinnen war es ebenfalls. Es war ein seltsamer Ort, so dachte sie bei sich, als sie ein Husten dicht hinter sich hörte. Sie wandte sich um und sah einen Jungen, vertieft in ein Buch, auf einer Steinbank sitzen.

„Ist dein Buch interessant?“ Eine Pause entstand, in der der Junge sie prüfend musterte. „Es gefällt  mir.“ „Wovon handelt es?“ Donia war eine ruhige Person, die außer ihrer Familie niemanden in ihr Herz geschlossen hatte, aber die Beschäftigung des Jungen entlockte ihr ein Lächeln und das brauchte sie an diesem grauen Platz. „Du kannst es dir anschauen“, sagte der Junge und reichte ihr das Buch. Sie nahm es und überflog argwöhnisch die Beschreibung vom Inhalt. Jane Eyre. Der Name faszinierte sie. Sie sah ein kleines Mädchen vor sich, dass man nur liebhaben konnte und mit dem sie gerne befreundet wäre, doch der Inhalt schien nicht allzu interessant zu sein. „Gefällt es dir nicht?“, fragte der Junge mit einem freundlichen Lächeln, als er ihren skeptischen Blick bemerkte. Er durfte ungefähr drei Jahre älter als sie selbst sein und hatte warme grüne Augen, die Farbe die Gras im Sommer hatte, wenn die Sonne darauf herabschien. Donia schüttelte unschlüssig den Kopf. „Magst du nichts, wo keine Zwerge, Feen und Elfen vorkommen?“ Das schien ihn zu belustigen und er legte den Kopf schief, was ihn selbst ein bisschen wie einen Elfen aussehen ließ. Donia zuckte die Schulter. „Magst du Liebesgeschichten?“, fragte der Junge weiter. „Das ist eine. Wenn du willst leihe ich sie dir aus, wenn ich fertig bin.“ „Darf ich mich neben dich setzen?“ Sie fragte, weil einige Leute hier sie anguckten, als würden sie ihr die Hand abbeißen, wenn sie ihnen zu nahe kam. Als der Junge nickte, und er lächelte immer noch, ließ sie sich auf die Bank sinken. „Hast du die Lehrerinnen gern?“ „Es geht. Ganz gern.“, entgegnete er, während seine Hände über den Einband des Buches streichelten. Donia beobachtete ihn und kam sich ganz plötzlich ganz entsetzlich einsam vor. Es war Tage her, dass sie liebevoll im Arm gehalten worden war. Sie wollte nach Hause, wollte von ihrer Mutter im Arm gehalten werden. „Bist du hier schon lange?“, fragte sie.

„Zwei Jahre.“

„Bist du Waise?“

„Mein Vater ist tot“ Er hielt in seinen Streicheleinheiten inne und ein grimmiger Ausdruck lag nun statt des hübschen Lächelns auf seinem Gesicht. Sofort bereute Donia ihre Frage. „Bist du glücklich hier?“, wollte sie wissen, um ihn abzulenken. „Du fragst aber ziemlich viel.“, stellte er fest, aber ein kleines Lächeln zuckte um seine Lippen. „Ich habe dir schon genug gesagt. Nun möchte ich lesen.“ Donia wollte sich für seine Geduld bedanken oder für ihre Fragerei entschuldigen, aber ein Glockenton erklang, bevor sie auch nur ein weiteres Wort sagen konnte. Sie schenkte dem Jungen ein letztes Lächeln und eilte ins Grau des Gebäudes, wo trockenes Graubrot ihr Abendessen war.
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