Drei Haselnüsse für John

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
23.04.2014
08.06.2014
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Hi.
Endlich mal wieder was neues von mir.
Habe in letzter Zeit mehr gelesen als mich selbst kreativ zu beschäftigen.
Aber wie das so ist. Irgendwann küsst dich die Muse wieder.



Drei Haselnüsse für John


Heute war einer der ersten schönen sonnigen Tage im Mai. Die Menschen zog es raus an die frische Luft in die Parks, wo die Bäume mit ihren grünen Blättern mit der Sonne um die Wette strahlten. Kinder spielten im Sandkasten und kletterten auf die Bäume, wenn ihre Eltern mal nicht so genau hinsahen. Verliebte Pärchen saßen im Straßencafé oder in einer Eisdiele, wo sie gemeinsam aus einem Eisbecher aßen oder sich gegenseitig fütterten.


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Doch von all dem bekam der junge Mann in dem herrschaftlichen Haus nichts mit. Er saß tief gebeugt über dem Abschlussbericht der letzten Fusion. Doch er tat es nicht gerne. Jedenfalls nicht unter diesen Umständen. Leider würde die Firma, welche er durch sein Herzblut am Laufen hielt, erst in zwei Jahren ihm gehören. An seinem 25. Geburtstag würde er endlich das Sagen haben.
Zur Zeit arbeitete er für seine verschwenderische Stiefmutter und ihrer Tochter, seiner Halbschwester Harriet. Sie hatte die selben blonden Haare, die gleiche Größe, nur das sie mit weiblichen Attributen ausgestattet war. Da sie aber meistens mit Hosen und T-Shirt rumlief, konnte man die Beiden von hinten schon mal verwechseln.

Der junge Mann, John, hielt kurz in seiner Arbeit inne und schwelgte in Erinnerungen als sein Vater noch gelebt hatte und ihn in die Firma eingeführt hatte. Das war jetzt schon fünf Jahre her. Leider war er damals unverhofft an einem Herzinfarkt gestorben und hatte seine Familie zurück gelassen.
Er hatte lange um ihn getrauert.
Während sie davor eine glückliche Familie waren, veränderte sich Miriam, seine Stiefmutter, in eine geldgierige Furie.
Miriam selber hatte keine Ahnung von den Angelegenheiten in der Firma, spielte sich aber im Aufsichtsrat immer groß auf und trumpfte mit Johns Wissen auf. Jeder sah in ihr eine geschäftstüchtige, verwitwete attraktive Frau. Nur John wusste es besser.
Wenn er nur einen kleinen Fehler in die Unterlagen einbauen würde, würde Miriam auffliegen, doch würde er damit gleichzeitig seiner Firma schaden, was für ihn selbstverständlich nicht in Frage kam. Es würde allen Mitarbeitern schaden für die er sich verantwortlich fühlte und das wollte John nicht.
So lies er sich weiter von Miriam unterdrücken.

So wie auch heute. Jetzt war es schon fast 18.00 Uhr und eigentlich wollte er wenigstens die letzten Sonnenstrahlen genießen.
Gerade als er sich erhob wurde er von Miriam zurück gerufen.
„Wo willst du hin!“ wurde er herrisch gefragt.
„Raus. Joggen.“ Antwortete er einsilbig. Mit gesenktem Kopf wartete er auf eine weitere Schimpftirade.
„Ist der Bericht fertig?“
„Ja.“
„Gut. Du bist um 20.00 Uhr wieder hier. Ich habe zu einem kleinen Umtrunk geladen um die Fusion zu feiern. Bring mir den Bericht auf mein Zimmer, damit ich ihn mir durchlesen kann. Ich hoffe du hast nicht wieder so viel Fachchinesisch reingeschrieben. Du weißt, ich habe dann meine Schwierigkeiten, wenn Fragen kommen. Deshalb will ich dich auch in meiner Nähe haben. Wir müssen eine Einheit bilden. Schließlich sind wir eine Familie.“ Sie lächelte ihn höhnisch an und drehte sich um. Schon im Gehen erwiderte sie noch „Außerdem kannst du bei eventuell auftretenden Fragen gleich einspringen.“
John fing innerlich an zu brodeln. Sie wollte sich also wieder mit fremden Federn schmücken. Genau genommen mit seinen Federn. Mit seiner Arbeit. Mit seinem Erfolg.


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Am anderen Ende der Stadt saß ebenfalls ein junger Mann über seinen Geschäftsunterlagen gebeugt da. Doch dieser Mann tat das freiwillig. Die Welt da draußen interessierte ihn nicht. Sie war langweilig, außer es war etwas geschäftliches.
Sherlock versuchte der Langenweile durch riskante Geschäfte zu entkommen. Je riskanter und schwieriger die Fusion, umso besser. Er und sein Bruder waren die Köpfe eines großen Imperiums.
Er war eiskalt in seinen Entscheidungen und wurde von vielen gefürchtet.
Nicht nur für sein Auftreten, auch für seine Worte. Er sagte immer was er dachte und zwar genau in dem Moment, wo er es dachte. Er hielt sich an keine Konventionen, keine Höflichkeitsfloskeln, keine Regeln für einen entspannten Umgang während der Gespräche und Verhandlungen.
Er war einfach ein arroganter, unhöflicher, gefühlloser, verzogener Bengel würde man seine Gegner fragen.
Er selber würde eher die Attribute klug, überlegen und extrem gutaussehend wählen. Er hatte schon die eine Frau oder den anderen Mann beglückt. Dabei ging es jedoch immer nur um Sex. Manchmal auch, um seine Geschäfte in seinem Sinne voranzutreiben.

Jetzt jedoch musste er über sein letztes Gespräch mit seinem Bruder Mycroft nachdenken. Dieser wollte das Sherlock sich endlich vermählte. Wie sich das anhörte.
Nur noch einen Partner für immer?!
Wozu sollte das gut sein?
Mycroft hatte was von sozialer Kompetenz, besseren Umgangsformen, Nähe zu einem anderen Menschen gefaselt. Er meinte, es würde Sherlock besser machen.
Noch besser?
Ging das überhaupt?
Er war sehr mit sich zufrieden.

Er wurde nicht von lächerlichen Gefühlen in seiner Denkweise beeinflusst. Er sah jeden Tag, das Gefühle einen Menschen schwächer, angreifbarer machten. Also wieso sollte so etwas gut sein? Gefühle sind nicht von Vorteil!
Aber um dieses Gespräch so schnell wie möglich zu beenden, hatte er zugesagt.

Mycroft wollte einen Maskenball veranstalten, wo er potentielle Junggesellinnen und Junggesellen in seinem Alter einlud, damit er sich Eine oder Einen aussuchen konnte. Mycroft wusste, dass er Frauen und Männer mochte und er war noch nicht so verknöchert oder nicht mehr an alte Traditionen gebunden, um ihm Vorschriften zu machen, dass es nur eine Frau sein durfte. Das musste er ihm hoch anrechnen.
Er musste sich ja schließlich nicht an diesem Abend entscheiden.
Außerdem war der Ball gut dazu zu gebrauchen sich noch ein paar Kandidaten für einen One Night Stand zu suchen. Mycroft konnte manchmal so großzügig sein dachte er sarkastisch und ließ ein teuflisches Lächeln auf seinem Gesicht aufblitzen.


Jetzt würde er aber erst mal mit seinem besten und eigentlich auch einzigsten Freund, Greg, joggen gehen.
Um diese Uhrzeit müsste der Park eigentlich die meisten Kinder und ihre Eltern ausgespuckt haben, so das er in Ruhe seine Runden drehen konnte.


Im Park angekommen, ließ er die Sonne hinter sich und rannte los. Nichts war nerviger als die ganze Zeit die Augen zu zukneifen um etwas zu sehen. Und auf dem Rückweg wäre sie hoffentlich hinter den Baumkronen verschwunden.


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Schnell zog John sich um, schwang sich auf sein Rennrad, mit welchem er bei dem Feierabendverkehr besser voran kam. Er fuhr mit einem höllischen Tempo Richtung Stadt. Er wollte in den Park, um dort ein paar Runden zu laufen. Seine Wut aus dem Körper powern.

Er trat ordentlich in die Pedale als er durch ein Industriegebiet fuhr. Gerade als er an einem der letzten kohleverarbeitenden Fabriken vorbei kam, machte er einen Satz über den Lenker. Als er sich erhob sah er das die Kette von der Pedale gesprungen war.
Leider sah er auch ein aufgeschürftes Knie, eine Schnittwunde an seiner Hand und vor allem viel Kohlenstaub auf seiner Kleidung und auch teilweise auf seiner Haut.
Nach der Reparatur der Kette kam auch noch ein bisschen Schmiere dazu. Was sollte er jetzt tun?
Am sinnigsten wäre es umzudrehen und nach Hause zu fahren, aber seine Wut war noch nicht verraucht, eher noch größer geworden wegen seines Missgeschickes.
Kurz wägte er seine Optionen ab, um sich dann auf sein Fahrrad zu schwingen und weiter Richtung Park zu fahren.
Er kannte hier kaum Leute. Sollten Sie doch über ihn reden. Er würde wahrscheinlich keinen von ihnen je wiedersehen.


Endlich am Park angekommen schloss er sorgsam sein Fahrrad an und lief langsam in den Park hinein. Noch schmerzte sein Bein von dem Unfall, aber wenn er die ersten Meter hinter sich haben würde, würde der Schmerz nachlassen.
Als er den Laufweg erreicht hatte wendete er sich der Sonne entgegen.
Sie stand zwar schon sehr tief und schränkte seine Sicht extrem ein, aber er wollte ein paar ihrer Strahlen auf seiner Haut, seinem Gesicht fühlen.
Und sollte ihm jemand entgegen kommen, konnte dieser ja ausweichen, denn er würde definitiv von dem Anderen gesehen werden.
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