Berts Romantik-Dilemma

von - Leela -
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
22.04.2014
22.04.2014
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Berts Romantik-Dilemma

Bert saß demoralisiert auf der niedrigen Mauer, welche die hintere Terrasse des Sneer-Anwesens begrenzte, stützte den Kopf in die Hände und sah gedankenverloren vor sich hin.
      Cedric setzte sich neben ihn und musterte seinen Freund besorgt. „Jetzt erzähl mal, Bert. Was ist vorgefallen?“
      Bert seufzte tief. „Das ist eine längere Geschichte, Cedric.“
      Darauf hatte sich der junge Aardvark bereits eingestellt. Als Bert ihn angerufen hatte, weil er gerade in einer Krise steckte, hatte er bereits bemerkt, daß der sonst so draufgängerische Waschbär einmal wieder einen Freund brauchte. Und er hatte schon befürchtet, daß der Raccoon sich einiges von der Seele zu reden hatte. Dafür kannte er Bert mittlerweile zu gut.
      „Du erinnerst dich doch noch an das Lampion-Festival bei Lady Baden-Baden, oder?“ fragte Bert, eher rhetorisch.
      Cedric nickte. „Und ob. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Aber wir haben uns an dem Abend kaum gesehen.“ erinnerte er sich.
      „Das hatte auch seine Gründe.“ meinte Bert niedergeschlagen.
      Cedric zuckte etwas zusammen. „Bert, wenn es deswegen ist, weil Sophia und ich mit Melissa und Ralph die ganze Zeit drinnen beim Tanzen waren, dann tut es mir leid. Ich habe zwischenzeitlich mal nach dir gesehen, aber ich habe dich nicht gefunden.“
      Bert machte eine abwinkende Geste. „Ach, Quatsch, ihr habt damit gar nichts zu tun! – Obwohl ihr euch schon ein bißchen mehr um euren besten Freund hättet kümmern können!“ fügte er bei der Gelegenheit mit einem leichten Vorwurf an.
      Cedric mußte schmunzeln. Er wußte, daß es eher neckisch von Bert gemeint war.
      „Nein, das Problem liegt ganz anders, Cedric.“ seufzte Bert. „Ich hatte auf dem Fest selbst ganz andere Dinge zu tun. Zum Beispiel wollte ich Lisa beeindrucken.“
      Cedric seufzte tief. Er hätte es ahnen können! Schon seit Bert Lisa kannte, versuchte er, sie für sich zu gewinnen. Bis jetzt waren seine Versuche erfolglos geblieben, und so wie Bert gerade auf ihn wirkte, würde sich daran auch kaum etwas geändert haben. „Scheint nicht ganz geklappt zu haben!“ warf der Aardvark ein.
      „Nein.“ bestätigte Bert. „Ich habe mir wirklich alle Mühe gegeben und meinen ganzen Charme spielen lassen. Wir haben uns auch ganz nett unterhalten, aber sie wollte noch immer alles nur auf rein freundschaftlicher Basis.“
      „Tja, Liebe kann man nicht erzwingen, Bert.“ warf der Aardvark ein.
      „Ja, ich weiß. Darum geht es aber auch gar nicht. Naja, jedenfalls habe ich mir so überlegt, daß es sie vielleicht nachdenklich stimmt, wenn ich so tue, als hätte ich kein Interesse an ihr. Also habe ich versucht, sie eifersüchtig zu machen.“ Cedric schnappte nach Luft, doch da erzählte Bert bereits weiter. „Am Buffet hat es sich dann ergeben, daß ich ein hübsches Kranichmädchen angesprochen habe. Nun, ich habe sie dann ein wenig angeflirtet…“
      „… und sie hat dir eine geschellt?“ mutmaßte Cedric.
      „Nein!“ Bert mußte sich zurückhalten, nicht allzu ärgerlich über die Unterbrechung zu werden. Er beruhigte sich und erzählte weiter: „Sie ist auf das Spiel eingegangen.“
      Der Sneerjunge biß unwillkürlich die Zähne wie in stiller Vorahnung zusammen. „Hast du ihr erzählt, wofür du das machen willst?“ erkundigte er sich, während er vor seinem geistigen Auge schon das Szenario sah, wie sein Freund von zwei Frauen abserviert wurde.
      „Natürlich, ist doch klar.“ winkte der Raccoon ab. „Und sie hat sich auch dazu bereit erklärt, das Spiel mitzumachen.“
      „Ja, und?“ fragte Cedric neugierig weiter. „Was ist dann passiert?“
      Bert machte eine hilflose Geste. „Lisa hat’s nicht einmal interessiert! Im Gegenteil, ich hatte sogar den Eindruck, sie war erleichtert, als sie mitbekommen hat, daß ich ein anderes Mädchen am Start habe!“
      Cedric konnte ein Lachen nicht unterdrücken. „Tja, Bert. So ist das manchmal! Lisa will eben wirklich nur eine Freundschaft, spätestens jetzt solltest du das akzeptieren!“
      „Das ist ja auch gar nicht mein Problem!“ wandte Bert hilflos ein.
      „So? Was ist es dann?“ erkundigte sich Cedric erstaunt.
      „Natürlich war ich geknickt, daß von Lisa so gar nichts in Richtung Eifersucht rüberkam. Aber ich habe es, ehrlich gesagt, auch schon ein bißchen mit eingerechnet, nur für den Fall der Fälle. Nachdem ich mir also sicher sein konnte, daß ich nie bei Lisa landen werde, habe ich keine Energie mehr da reingesteckt.“
      „Aber warum hast du dann jetzt ein Problem, wenn du mit Lisa abgeschlossen hast?“ erkundigte sich Cedric konsterniert.
      „Naja, da ich ja nun mal Zeit hatte, bin ich etwas mit Maylin - das ist die Kranichdame - spazieren gegangen.“ erzählte Bert weiter. „Zuerst haben wir uns einfach viel unterhalten. Weißt du was, Cedric? Sie steht auf Erdnußbutter!“
      Cedric lachte. „Klingt, als hättet ihr viel gemeinsam!“
      „Ja, sie mag sogar Baseballspiele und Eishockey.“ erklärte Bert euphorisch. „Jedenfalls, je mehr wir uns kennenlernten, desto mehr merkte ich, wie ich Lisa vergessen habe…“
      Cedric schnappte nach Luft. „Du meinst…“
      „Maylin ist ein tolles Mädchen.“ schwärmte Bert. „Das tollste Mädchen der Welt!“
      Langsam verstand der Sneerjunge, wo diese Unterhaltung enden würde. „Das klingt ja, als wärst du richtig verliebt in sie!“
      „Das bin ich, Cedric!“ bestätigte Bert berauscht. „Wir sind fast den ganzen Abend spazieren gegangen, und irgendwann brauchte keiner von uns mehr etwas zu sagen. Es war, als würden wir uns so verstehen, ganz ohne Worte. Es war so romantisch, mit den vielen Lampions, die sich im Fluß gespiegelt und das ganze Gelände mit ihren warmen Schein erfüllt haben…“
      ‚Oh-oh…’ dachte Cedric alarmiert. ‚In so einer emotionalen Verfassung habe ich Bert ja noch nie erlebt! Das gibt gleich ein böses Ende.’
      „Naja, als wir schließlich in trauter Zweisamkeit unten an dem kleinen Teich angekommen waren, konnte ich mich nicht länger zurückhalten und habe ihr gesagt, was ich für sie fühle.“ fuhr Bert nachdenklich in seiner Erzählung fort.
      „Und sie hat dir einen Korb gegeben, so wie Lisa…“ schlußfolgerte Cedric. „Oh, Bert, das tut mir leid. Ich hoffe, sie hat es dir schonend beigebracht…“
      Bert sah ihn verwirrt an. „Korb? Iwo, wo denkst du hin?“
      Cedric hielt erstaunt inne. „Bitte?“
      „Sie hat mir keinen Korb gegeben! Im Gegenteil…“ Die letzten Worte kamen mit einem Seufzen. „Sie hat mir gestanden, daß es ihr genauso geht wie mir! Das war einer der glücklichsten Momente in meinem Leben, Cedric!“ erklärte der Raccoon förmlich schmachtend.
      „Aber, was ist dann passiert?“ forschte Cedric, der noch nicht ganz hinter den Sinn der Unterhaltung kam.
      „Was dann passiert ist?“ Bert machte eine theatralische Geste und intonierte in bester Dichtertonlage: „Ab da sind wir Arm in Arm weiter durch den Wald gegangen, dorthin, wo wir völlig ungestört und unter uns sein konnten!“
      „Ja, aber… Wenn der Abend so toll für dich gelaufen ist, warum bist du dann so fix und fertig? Habt ihr, als ihr euch so nah ward, festgestellt, daß ihr doch nicht so viel füreinander fühlt?“
      „Du ahnst gar nicht, wieviel wir füreinander fühlen.“ hauchte Bert, und allein seine Tonlage schickte eine Gänsehaut über Cedrics Körper.
      Als er nicht weitersprach, machte der Aardvark eine verständnislose Geste. „Und was hindert dich dann daran, hier wie ein überglücklicher Flummi herumzuhüpfen? Gibt es vielleicht irgendwelche kulturellen Regeln in ihrer Familie, wegen derer ihr nicht zusammen sein dürft? Oder ist sie etwa schon liiert? Oder hat sie ein Gelübde abgelegt, das ihr verbietet, eine feste Beziehung einzugehen? Oder ist es die alte ‚Bitte gib mir noch etwas Zeit’-Variante?“
      „Ach, Quatsch!“ erwiderte Bert kategorisch. „Im Gegenteil! Das Mädchen ist der Jackpot, sage ich dir! Sie ist so völlig wunderbar unkompliziert, Cedric. Sie ist einfach alles für mich, so als wäre ich plötzlich im Himmel gelandet, und du kannst mir glauben, ich konnte es kaum fassen, daß sie wirklich ja gesagt hat, als ich sie gefragt habe, ob sie fest mit mir zusammen sein will! Es ist wie Bestimmung, so als würden wir einfach zusammengehören! So als hätten wir nur auf diesen Augenblick gewartet, um uns unsere Liebe zu gestehen. Es war so romantisch, Cedric!“
      „Dann seid ihr jetzt ein Paar?“ fragte Cedric fasziniert nach.
      „Worauf du wetten kann!“ bestätigte Bert energisch.
      Cedric gab auf. „Und wo ist jetzt das Problem?“
      Bert machte eine verzweifelte Geste: „Wie küßt man jemanden, der eine Schnabel hat?“
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