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5 Centimeters per Second

von Chelast
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Het
Hiyori Iki Yato
21.04.2014
18.06.2014
3
11.063
11
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Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
21.04.2014 3.853
 
ey und ♥-lich Willkommen beim dritten und letzten Kapitel!

Zu erst einmal entschuldigt bitte die Wartezeit, aber ich hatte in den Wochen wirklich eine ganze Menge zu tun, sodass mir einfach die Zeit fehlte, ein so (meiner Meinung nach) aufwendiges Kapitel zu schreiben, welches mich zeitgleich fast viertausend Wörter gekostet hat! Darum nehmt es mir bitte nicht übel, die Hauptsache ist, dass es nun endlich da ist!

Wobei ich ernsthaft gestehen muss, dass ich ein wenig traurig darüber bin, dass es schon vorbei ist. Ehrlich gesagt hatte ich unheimlich viel Spaß dabei, diesen Three-Shot zu schreiben und es bricht mir das Herz, dass ich diesen jetzt und hier beenden muss. Bisher war das einfach die FanFiktion, welche mir am meisten Spaß gemacht hat und an der ich auch eine völlig neue Seite von mir kennen lernen durfte! Ich bin eine echte Gefühlsniete, darum war dies für mich eine echte Herausforderung und ich hoffe natürlich, dass ihr genauso viel Spaß daran hattet wie ich! Und das es euch zumindest ein bisschen gefallen hat~

Ansonsten gibt es großartig nichts mehr zu erwähnen. Allerdings möchte ich mich für unglaubliche 27 Favoriteneinträge bedanken! Ihr habt mich somit ungemein dazu motiviert, unbedingt das letzte Kapitel zu schreiben und nun hoffe ich natürlich umso mehr, dass ihr damit zufrieden seid! Ich habe mich ein wenig schwer getan, aber ich hoffe dennoch, dass was Gutes bei entstanden ist. Jedenfalls vielen, vielen Dank!

So, das war es nun auch schon für meinen Teil. Vielleicht liest man sich Mal wieder~ Ach, und vergebt mir bitte, wenn es zu langatmig ist oder Rechtschreibfehler auftreten, aber ich habe stundenlang an diesem Kapitel gesessen und war danach ein wenig faul... Überarbeitung folgt in Kürze!

Viel Spaß und alles Liebe,
Chelast~


© Alle Charaktere gehören Adachitoka allein.
Ich schreibe nur aus reiner Freude und verdiene somit auch kein Geld damit.









ღ  5  CENTIMETERS  PER  SECOND  ღ




Heartbeat Herzschlag






s regnete. Es regnete genauso, wie gestern auch. Feine Wassertropfen fielen aus den grauen Wolken, dem Boden entgegenkommend, ehe sie auf diese letztendlich aufschlugen und in tausende Einzelteile zersprangen.

So, als wären sie nichts.

So ward es kühl zu werden, sodass Yato langsam begann zu frieren und zu zittern. Die scheinbar eisige Kälte umschlang seinen ganzen Körper, legte sich auf ihn und ließ ihn dieses stechende Gefühl ertragen.
Es erschütterte ihn, er zuckte kurzerhand zusammen, doch so ließ er sich davon nicht unterkriegen.

Endlich nun konnte er sich ein Herz fassen, bei Hiyori aufzutauchen, ihr gegenüber zu treten und ihr all das zu offenbaren, was er an Gefühlen ihr gegenüber stets in sich hütete; niemals nach außen dringen lassen wollt.

So blieb ihm keine andere Chance. Zu sehr schmerzte es ihm in der Brust, wenn er nicht bei ihr sein konnte. Wenn er nicht ihren warmen Atem in seinem Nacken spürte, sollte er sie wieder einmal nach Hause tragen müssen.
Konnte nicht ihr beruhigendes und zu herzerfülltes Lächeln betrachten, welches stets ihre schmalen Lippen umspielte und zeitgleich die zierliche Röte in ihr anstiegen ließ.

In solchen Momenten, in denen er jenes Mädchen so erblickte, wollte er ihr am liebsten sein Herz ausschütten, sie in den Arm nehmen und ihr sagen, dass er sie niemals gehen lassen will.
Dass er für immer an ihrer Seite sein wird. Dass er ihr stets zur Hand gehen wird, sollte sie etwas bedrücken, sollte sie Schmerz verspüren, sollte sie weinen, lachen, schweigen.

»Ich will immer bei dir sein…«, murmelte er verzweifelt in das Tropfen des Regens hinein, während Hiyori ihn immer noch vom Fenster aus musterte, die Hand an die Brust gelegt und die Miene mitleidig verzogen.

Ihre Haare streiften leicht ihre Schulter, die Tropfen an diesen festhängend, worauf diese letztendlich schmolzen und nur noch pures Wasser zurückließen. In einem solch kurzen Moment wurden sie ausgelöscht.
Sie verschwanden genauso schnell, wie sie gekommen waren.


~✧



Das Mädchen blickte gen Himmel, betrachtete den finsteren Himmel, aus welchem jener Regen entsandt wurde und letztendlich auf die Stadt niederrieselte. Im Anschluss schenkte sie wieder jenem Gott, welcher sich vor ihrem Haus aufrecht platziert hatte, erneut ihre gesamte Aufmerksamkeit und sie spürte sofort, wie sich ein unerträgliches Gefühl in ihre Brust rammte.

Sie wollte aufschreien.

Ihr gesamtes Leid, welches sie in diesen Moment zu verspüren mag, wollte sie in die Welt hinausschreien, kläglich mit weinen beginnen und sich auf den Boden nieder sinken lassen.

Doch wieso, wieso erschien es ihr, als wäre ihr dieses Gefühl völlig ungerecht auferlegt worden?
Wieso fühlte sie sich Yato verpflichtet?
Was war der Grund dafür, dass sie glaubte, er würde höheres Leid ertragen als sie?

Sie war es doch, welche von jenem Gott immer und immer wieder ungerecht behandelt wurde, welche immer und immer wieder jenen Schmerz mit sich herum tragen musste, wenn er sie wieder einmal abwies und sich von ihr distanzierte!
Und nun schon war es so, dass sich jede Sekunde ganze fünf Zentimeter zwischen sie drangen.

Und genau das war es, was ihr so sehr zu schaffen machte.

Dennoch fühlte Hiyori sich verpflichtet. Verpflichtet gegenüber Yato, verpflichtet gegenüber dem, was sie empfand.
Das Mädchen riss die Augenlider weit auf, funkelte ihr Gegenüber ungläubig an, als sie tatsächlich schwor, eine Träne über das Gesicht Yatos fließen zu sehen. Und es zerriss ihr förmlich das Herz.

Hastig presste sie die Handflächen gegen ihren brünetten Schopf, murmelte wehleidig etwas vor sich hin, ehe sie das Fenster rasant schloss und einen ungläubigen Gott, welcher momentan mit den Gefühlen zu kämpfen hatte, draußen zurück ließ.

Doch so schwer es ihm fiel, dass jener Mensch, welcher ihm mehr bedeutete, als sein eigenes Leben, die Türe vor ihm verschlossen hatte, so rührte er sich nicht vom Fleck.
Er blieb einfach dort stehen und ließ die salzigen Tränen weiter über die blasse Haut seines Gesichtes laufen.
Mit gekrümmten Rücken stand er auf der Straße, den schwarzen Schopf gen Boden gerichtet, die Schultern entmutigt herabhängend.


~✧



Nun begriff er.

Nun, wo sie ihn jeglichen Weg zu versperren schien, hatte er es endlich begriffen. Er hatte verstanden, was er wirklich verloren hatte. Etwas, welcher er nie in seinem Leben dachte loszulassen.
Welches er stets aufrichtig beschützen und wertschätzen wollte.

Doch nun erschien ihm alles zu spät.

Auch er hatte den Schimmer, diesen unerträglich trauernden Glanz in ihren sonst so fröhlichen Augen gesehen.

Plötzlich ertönte ein vertrautes Geräusch. Trotz enormer Entfernung glaubte er, jene Wärme verspüren zu können.
Der Knauf der Tür wurde betätigt und in jenem Rahmen stand sie. Ein Hecheln ertönte, ein erschöpftes Keuchen, immer und immer wieder in ein und demselben Rhythmus.

Sein Herz klopfte und er riss die Augenlider auf, als er die Stimme jenes Mädchens zu vernehmen dachte.
Er wollte sich umdrehen, wollte ihr in die Augen blicken und ihr sagen, wie sehr er all seine Taten, welche sie jemals verletzt haben sollten, bereute. Dass er sie nie mehr gehen lassen und sie nie wieder verletzen wollte. Yato wollte ihr endgültig vor Augen führen, was für eine Bedeutung sie für ihn hatte.

Doch so kam er nicht dazu.

Zwei zierliche Arme schlangen sich, wie aus dem Nichts, um seinen Oberkörper. Deutlich begann er die Wärme und Vertraulichkeit zu spüren, welcher jener Körper, welchen gegen dem seinen gedrückt wurde, auszusenden schien.
Er spürte dünnes Haar unter seinem Kinn, ein Schopf welcher sich unter diesem vergrub und eine zierliche Nasenspitze an seinem Brustkorb. Und jene Arme, welche ihn gegen jenen Menschen drückten und ihm das Gefühl gaben, sie wolle ihn nie wieder loslassen.

Perplex von jener Geste starrte er auf das lange, brünette Haar des Mädchens herab, wich danach zu seiner blassen Hand herüber und hob diese leicht an. Für einen kurzen Moment betrachtete er diese, wandte sie ständig und musterte sie von allen Seiten.

Doch auch dann, als Hiyori sich noch fester gegen seinen Oberkörper presste, streckte auch er die Hände aus und legte jene zaghaft auf den Rücken seiner Vertrauten.
Er schwor, ein leises Wimmern und Schluchzen im Stoff seiner Jacke vernehmen zu können, welches ihm ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen zauberte, dieses allerdings genauso schnell auch wieder verschwand, wie es erschienen war.

»Yato!«, murmelte die Brünette in den Brustkorb jenes unbekannten Gottes hinein und festigte ihren Klammergriff nun umso mehr. »Du bist…« Ein schroffer Unterton zog sich zwischen den Worten entlang, doch so ließ sich jener Schwarzhaarige nicht von diesem beirren, sondern grinste einfach nur leicht vor sich hin. »Du bist…!«

Auch wenn sie sich zusammenriss und alles Mut zusammennahm, wollten ihr jene fehlenden Worte, welche sie jenem Gott nun tatsächlich an dem Kopf knallen wollte, einfach nicht über die Lippen kommen.

Vorsichtig löste sie sich nun aus jener langanhaltenden Umarmung und wich leicht zurück, die Hände an dem Stoff ihres Mantels festkrallend; der warme Atem, welcher leicht in der milden Kälte herausstach.
Nun wieder begann Yato leicht zu zittern, presste sich somit die Hände gegen die Arme und rieb diese über den Stoff seiner Jacke, während er jeglichen Blickkontakt mit der Halbdämonin auswich.

Doch diese lächelte darauf nur leicht und unbemerkt vor sich hin, betrachtete kurzzeitig das Geschehen vor sich, ehe sie den warmen Schal von sich nahm und sich an Yatos Jacke festklammerte.

Sofortig versteifte sich dieser und hielt direkt in seiner Bewegung inne, starrte nur wie gebannt auf die Schuhe des Mädchens, die Augenlider weit aufgerissen und die Hände immer noch an seiner Jacke haftend.
Doch so verspürte er genauso die zierliche Hand Hiyoris auf die seiner und eine plötzlich aufkommende Wärme, welche in ihm anstieg.

Sein Herz pochte so sehr, dass er sich nicht zu rühren wagte, während die Hand ihrerseits noch auf der seinen ruhte. Auf die Lippen der Brünetten legte sich ein leichtes Lächeln, als sie sich von dem Gott löste und erneut einige Zentimeter von ihm wich.

Und obwohl sich jede Sekunde ganze fünf Zentimeter zwischen sie drangen, so konnte sie ihm ganz plötzlich so nahe sein.


~✧



Der Schwarzhaarige ließ den Stoff seiner Kleidung los, führte seine blassen Hände Richtung Hals, wo er einen weichen Stoff ertastete, aus welchem ein vertrauter Geruch hervorging, welchen er wahrlich nur zu gut kannte und welcher jedes Mal ein Glücksgefühl auslöste, wenn er diesen wahrnahm.

Ein wenig irritiert blickte er leicht herab, sah direkt vor seinen Augen den Schal Hiyoris, welchen sie sanft um ihn gewickelt hatte. Yato sah auf. Ein einladendes Grinsen wurde ihm direkt entgegengebracht, sodass auch er nicht anders konnte, als ebenfalls kurzerhand zu lächeln und hastig seine Tränen zu trocknen.
Kerzengerade baute er sich nun vor ihr auf.
»Das… Das hast du nicht gesehen!«, er kratzte sich peinlich berührt am Hinterkopf und der Halbdämonin fiel genau die markante Röte in seinem Gesicht auf.

»Verstanden«, prustete sie darauf und verschränkte leicht die Arme vor der Brust.

Noch immer fielen die kühlen Regentropfen auf sie herab, doch so schien es, als würde auch dieser Schauer langsam aber sicher seinem Ende entgegen neigen. Immer weniger Regentropfen fielen dem Boden entgegen, immer weniger zersprangen in tausend von Einzelteile, immer weniger durchnässten ihre Kleidung.

Eiserne Stille trat plötzlich ein. Diese hinterließ in beiden ein mulmiges Gefühl, welches sich mehr und mehr in ihnen ausbreitete.
Nur schweigend sahen sie sich gegenseitig an, mitten drin das beruhigende Plätschern der Regentropfen, welches jedoch immer mehr nachließ und die Stille nur noch bedrückender erschien, als sie es ohnehin schon für beide war.

Der Schwarzhaarige räusperte sich. »T-ut mir leid.« Ein murrender Unterton breitete sich aus.
Fragend jedoch legte die Halbdämonin leicht den Schopf auf die Schulter und blickte den unbekannten Gott nur irritiert an. »Für was?«
»Es war unrecht, dich abzuweisen. Und das immer und immer wieder.«

Das Mädchen lächelte und fuhr sich vorsichtig durch das völlig durchnässte, brünette Haar. »Nein, es… es ist in Ordnung. Du hattest sicher deine Gründe.«
Der Angesprochene schwieg, senkte leicht den Kopf und ballte die blasse Hand zu einer Faust, seine Adern, welche sich unter seiner Haut entlang zogen, erschienen nun noch markanter, als es sonst der Fall war.
»Ach was! Selbst wenn, es ist trotzdem nicht gerecht!« Der Schwarzhaarige seufzte leicht, ließ die Schultern leicht senken und kniff die Augenlider zusammen. »Yukine ist gar nicht so übel, weißt du«, er hechelte. »Er hat mir erklärt, was genau ich falsch mache… Und nun verstehe ich auch, wieso ich dich damit verletzt habe.«

Immer und immer fester ballte Yato seine Faust, sodass es der Brünetten keineswegs unbemerkt blieb.

Nachdenklich  musterte Hiyori diese, streckte jedoch sofortig die Arme nach ihrem Gegenüber aus und legte ihre warme Hand auf die jenes Gottes. Sofort ließ jener locker, als er dieses angenehme Gefühl erneut in sich aufsteigen spürte. Es war so warm. So vertraut.

Und zeitgleich so wunderbar beruhigend.

Sein Herz pochte so unglaublich schnell, dass ein gewisses Gefühl von Aufregung in ihm anstieg.
Plötzlich aber erschien er sich selbst als nervös, völlig weggetreten, während dieses schlagartige Hämmern in seiner Brust einfach nicht aufhören wollte. Immer und immer wieder schlug sein Herz, immer und immer wieder, bis es sich so anfühlen mochte, als würde es nie wieder stoppen; nie wieder langsamer schlagen wollen.

Langsam wurde Yato unruhig. So schön sich auch dieses sonderbare Klopfen in seinem Brustkorb anfühlte, so war es ihm unangenehm, wie er begann zu zittern, während die Hand Hiyoris die seine umschlang und ein gewisser Drang in ihm aufstieg, auch die ihre sofort um sich zu legen, jenes Mädchen gegen seinen Brustkorb zu drücken und sie letztendlich noch ein einziges Mal, so fest es auch nur ging, in den Arm zu nehmen.

Ihre Nähe spüren, direkt an ihm; diese so vertraute Wärme, ihr beruhigender Herzschlag.


~✧



Doch was genau sollte sie dann von ihm denken?
Was sollte Hiyori von ihm halten, würde er ihr seine Hand auf den Schopf legen, die Nase darin vergraben und sie einfach nur mit seinen kräftigen Armen umschlingen?

Wahrscheinlich würde sie sich abwenden, sich von ihm entfernen und ihn direkt damit konfrontieren, was das gerade eben sollte. Würde sie ihn tatsächlich abweisen?
So, wie er es immer und immer wieder getan hatte, wenn ihm dieses unerträgliche Stechen in seiner Brust einfach nicht in Ruhe lassen wollte?

So erging es ihm doch die ganze Zeit über. Jedes Mal, wenn es ihm so unendlich schlecht ging, da dieses unbeschreibliche Gefühl und der Gedanke an sie einfach nicht verschwinden wollten, so lief er vor seinen Problemen davon.
Er versteckte sich vor ihnen, indem er jenen Menschen, welcher für ihn doch von aller Bedeutung war, einfach von sich abwies.

Doch wieso tat er so etwas?
Spürte er denn nicht, wie sehr er sich selbst damit verletzte?
Oder was noch viel wichtiger war: Bemerkte er denn nicht, wie sehr er damit auch die Gefühle Hiyoris verletzt hatte?

Nun schon war es ihm klar, dass das, was er getan hatte, falsch war. Aber dennoch plagte ihn immer noch ein solch widerliches Schuldgefühl, welches einfach nicht von ihm weichen wollte, egal wie sehr er auch versuchte, sich gut zu fühlen oder sich ein Lächeln aufzuzwingen, da sie ihm vergeben hatte.
Es blieb stetig da, an seiner Seite. Nur hatte er es viel zu spät realisiert.  

»Du musst dir keine Vorwürfe machen, Yato.« Ein leichtes Grinsen zierte die schmalen Lippen Hiyoris.

Plötzlich wurde der Kriegsgott aus seinen festen Gedanken gerissen. Sofortig riss er die Augenlider auf, stand für eine kurze Zeit stocksteif auf seinen Fleck, ehe er mit seinen fesselnden Blicken durch seine Umgebung streifte und diese letztendlich an der Halbdämonin hafteten.
Wie gebannt betrachtete er jenes Lächeln auf den Lippen des Mädchens, welches einfach nicht verschwinden wollte, ganz gleichgültig, wie lange er auch dieses betrachtete.

»Hörst du? Es ist alles in Ordnung. Ich möchte mich immerhin nicht länger mit dir streiten.«

Der Schwarzhaarige schluckte und nickte auf jene soeben ausgesprochenen Worte einfach nur, während er mit seinen Blicken weiterhin an seinem Gegenüber haftete.

»Ich…Ich möchte einfach nur für immer bei dir bleiben.«

Der Angesprochene zuckte ruckartig zusammen. Erneut begann sein Herz wie wild zu pochen und diesmal erschien es ihm bei weitem schlimmer, als je einen Moment davor.
Immer und immer wieder hämmerte es gegen seinen Brustkorb und es erschien ihm so, als würde es sofort dort ausbrechen. Als würde ihm jemand das Herz aus dem Leibe reißen wollen.

Schweißperlen bildeten sich auf seiner glühenden Stirn und begannen mit der Zeit damit, sich über sein Gesicht den Weg gen Erdboden zu Bahnen. Hastig wischte er sich jene Perlen mit seinen Ärmel aus dem Gesicht, während er immer und immer wieder jene Worte Hiyoris durch seinen Kopf gehen ließ.
»Yato…« Ein bedrückter Unterton breitete sich in ihrer so glockenklaren Stimme aus, welcher in ihm ein so mulmiges Gefühl auslöste.

Ruckartig wandte Yato seinen Schopf zu jenem besonderes Menschen; das Haar so vom Regen durchnässe, sodass die funkelnden Regentropfen in jener Drehung durch die Lüfte flogen.
Er wollte antworten, doch so brachte er, bis auf einige zusammenhanglose Silben, keinen einzigen Ton aus seiner staubtrockenen Kehle heraus.

Besorgt musterte er die Brünette, doch diese wandte sich mit dem Gesicht von ihm ab und starrte nur bedrückt über ihre Schulter. Ein gewisser Glanz, welcher Tränen voraussagte, schimmerte in ihren sonst so freundlich aufleuchtenden Augen und sie schien vollkommen deprimiert über etwas, was Yato beim besten Willen nicht verstand.
Wohl eher würde er sie nun fragen wollen, was ihr auf dem Herze liege und ihr sogleich jedes Problem aus dem Weg räumen, ganz gleichgültig, um was es sich handelte. Die Hauptsache war nur, dass Hiyori glücklich sein konnte!

Doch so war dem nicht so.


~✧



Gebannt blickte das Mädchen dem Himmel entgegen.
Sie hatte die Augenlider weit aufgerissen und die Arme leicht gekrümmt ausgestreckt. Ihre Finger deuteten auf den Erdboden, während sie ihre Blicke zu den finsteren Wolken leitete. Noch wenige Regentropfen fielen auf ihre Nasenspitze.

Ein angenehmes Gefühl von Wärme und ein so wohlbekannter und liebreizender Duft übernahm sie. Sie erinnerte sich ganz genau, als wäre es das erste Mal, dass sie diesen Duft zu vernehmen wusste.
Er war so wunderbar. So vertraut. Sie liebte diesen einfach.

»Yato…«, murmelte sie seelenruhig vor sich hin, während sie seine Arme um ihren Körper fühlte, wie er ihren Körper gegen den seinen presste und es beiden erschien, als würden sie einander nie wieder gehen wollen. Die Halbdämon lächelte zierlich, während ein bedrückter Blick Yatos über die Schulter Hiyoris schweifte.
Regentropfen, von denen sie dachte, es seien die Tränen eines Kriegsgottes, nisteten sich in dem Stoff ihres Mantels ein.

Zaghaft streckte die Brünette einen Arm aus, legte diesen sanft auf den Rücken ihres Gegenüber, während sie die andere gegen seinen Hinterkopf presste und seinen Schopf vorsichtig in ihre Richtung führte.
Erst dann, als dieser auf einer idealen Höhe zu sein schien, beugte das Mädchen sich direkt nach vorne, das Kinn angehoben und legte ihre Lippen auf die glühende Stirn jenes Gottes.

Nun presste Yato den Oberkörper seiner so ihm wichtigen Person noch fester gegen den seinen, während nun auch er seine Hand an ihren Hinterkopf gelegen hatte.
Im Anschluss löste er diese allerdings direkt wieder, als auch Hiyori langsam von ihm abließ und ihren Schopf leicht zurückstreckte.

Er jedoch wollte sie noch immer nicht gehen lassen!

Zu groß war diese Sehnsucht nach ihr, wenn ihm zeitgleich immer wieder der Gedanke heimsuchte, dass sich jede Sekunde ganze fünf Zentimeter zwischen sie drangen.

Und so löste er seine Hand aus ihrem Haar, packte mit dieser ihr Handgelenk und zog sie noch fester an sich ran, ehe die vollkommene Ruhe herrschte.


~✧



Völlig geschockt von der Situation, welche ihr gerade wiederfuhr, hatte Hiyori ihre Augenlider, soweit es ihr möglich war, vollkommen aufgerissen und blickte den hier unbekannten Gott völlig ungläubig, dennoch mit einer so unglaublich auffälligen Röte auf den Wangen, an.

Dieser jedoch rührte keinen Finger; öffnete nicht die Augen, um in die ihre zu blicken, sonder vermied jeglichen Blickkontakt mit ihr.

Fest umklammerte er ihr dünnes Handgelenk, die andere Hand auf ihren Rücken gelegt. Doch auch Hiyori selbst bewegte sich kaum.
Einfach so gab sie sich dem hin, was in diesem Moment geschah. Sie wehrte sich nicht, sie bewegte sich nicht – sie tat einfach nichts, sondern ließ es einfach zu, während sie weiterhin noch leicht irritiert das Geschehen beobachtet.

Wieder einmal bildete sich dieser so sonderbare Glanz in ihren Augen, dennoch war sie keinesfalls betrübt, sondern wollte einfach nur noch lächeln.
Sie spürte seine weichen Lippen auf ihren. Sie spürte dieses Gefühl, welches ihren Körper durchfloss, diese Emotionen, welche Yato in nur einen einzigen Kuss hineinsteckte und es ihr so schien, als wären sie beide momentan die einzigen Lebewesen auf dieser riesigen Erdkugel.

Um sie herum wirkte alles verblasst; als sei es nie da gewesen, hätte nie existiert.

Nur sie und Yato. Nur sie beide.

Nun auch schloss sie endlich die Augen und genoss einfach nur diesen Moment. Wenn sie daran dachte, wie lange sie darauf nur gewartet hatte, so war sie nun mehr als glücklich darüber, dass sie doch so geduldig geblieben war. Die ganze Zeit über.

Zaghaft lächelte sie in den Kuss hinein, was auch Yato scheinbar ein Lächeln auf die Lippen zauberte und nun beide einfach nicht anders konnten, als sich voneinander zu trennen.
Langsam löste der Schwarzhaarige seine Hände von ihren Körper, wich einige Schritte zurück und senkte eher schüchtern erscheinend den Schopf.

Die Halbdämon jedoch lächelte darauf nur, während sie mit ihren erstrahlenden Augen jenen Mann vor sich betrachtete.
»H-hiyori…«, murmelte der unbekannte Gott vor sich hin und fuhr mit der blassen Hand durch seine durchnässte Haarpracht. Angesprochene legte darauf nur den Kopf schief und wartete ungeduldig. »Sorry… Ich… Ich hätte es dir wahrscheinlich schon früher sagen müssen.«

Ein zaghaftes, breites Grinsen schlich sich auf die Lippen Yatos und auch die Hiyoris wurden von einem solchen umspielt. »Es ist schwer, jemanden zu sagen, was man für ihn empfindet…«

Der Gott nickte darauf nur und vergrub schleunigst die Hände in seinen Jackentaschen, krümmte leicht den Rücken und blickte in den Himmel empor.


~✧



»I-ich…!«, unterbrach die Brünette die derzeitige Ruhe kurzerhand, worauf Yato leicht zu jener blickte und sie interessiert musterte. »Ich hätte mich auch bemühen sollen! Yato, ich…«, sie stockte und ließ die Schultern herab hängen.
Immer noch ängstlich, obwohl es keinerlei Grund dafür gab, schluckte sie, ehe sie erneut zu Wort kam und nun jenem Gott endlich beichten wollte, was sie die ganze Zeit über bedrückt hatte.

Doch so ließ Yato jenes Mädchen nicht zu Wort kommen, als er einfach auf sie zu ging, erneut nach ihr griff und seinen Lippen auf die ihrer legte.

Und noch in jenem Kuss hielt er kurzzeitig inne und lächelte sie so sanft und lieblich an, dass sie gar nicht anders konnte, als einfach nur ein breites Grinsen auf ihre Lippen zu zaubern.
Und so war sie sicher gehört zu haben, wie er ihr sanft eines ins Ohr geflüstert hatte. »Ich liebe dich, Hiyori.«

In noch diesem Moment waren sie einander wieder näher denn je, indem er seine Lippen auf ihre legte, noch während er mit seiner sonst so blassen Hand durch ihr dünnes Haar strich.

Und nun war es Hiyori, welche eine Träne vergoss. Denn nun war sie sich sicher, dass sie und Yato gemeinsam eine so langanhaltende Hürde überwunden hatte.

Jene fünf Zentimeter, welche sich jede Sekunde zwischen sie gedrängt hatten, waren nun verblasst.

Und sie schworen sich, dass diese sich ihnen nie wieder erneut in den Weg stellen würden.







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