my chief's fake ex boyfriend

von Bilinski
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 Slash
Donna Paulsen Harvey Specter Michael "Mike" Ross Rachel Zane
20.04.2014
19.03.2016
9
22307
8
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Mike hätte gerne gewusst, wie man in so eine Situation geraten konnte. Er jedenfalls saß hier und hatte immer noch keinen blassen Schimmer.

„Und seit wann genau sind Sie nicht mehr zusammen?“, fragte die Dame in ihrer Pseudo-Therapeuten-Strickjacke und lehnte sich ein wenig vor, um ihn und Harvey abschätzend zu mustern. Sie hatte diese Art von Röntgenblick, bei dem Mike am Liebsten schützend die Arme vor der Brust verschränkt hätte.

„Seit einem Monat.“, antwortete Harvey neben ihm ruhig, womit er sich nur einen irritierten Blick seitens Mike einfing. Wie in aller Dreiteufelsnamen konnte sein Chef so ernst klingen?
Die Frau, von der Mike dank des pinken Namenschildes direkt unter der selbst gebastelten Holzperlenkette schließen konnte, dass ihr Name Cora Stevens lautete, nickte knapp. „Dennoch haben Sie sich dazu entschlossen, es mit einer Paartherapie zu versuchen.“, stellte sie mit betont mitfühlender Stimme fest.
Es war nichts Neues, dass Mike am Liebsten gelacht hätte. Oder geweint. Oder beides.
„Richtig. Mein Partner und ich haben zusammen viel erlebt und waren quasi füreinander geschaffen. Leider kam es zu einer Reihe von Komplikationen, die unsere Beziehung sehr belastete. Mit gegenseitigem Einverständnis haben wir uns schließlich getrennt. Einen Monat danach wurde mir diese Therapie empfohlen und ich habe Mike um eine letzte Chance gebeten.“, erläuterte Harvey recht ungerührt.
Okay. Halt mal. Er und Harvey hatten wie bitte?

Die Therapeutin nickte und wandte sich kurz ihren Unterlagen zu, ehe sich ihre mausbraunen Augen auf Mike richteten. Der junge Anwalt versteifte sich nervös in seinem Sitz.
„Und wie fühlen Sie sich damit, Mr. Ross?“
Mike presste kurz die Lippen aufeinander. Dann sagte er vorsichtig: „Nicht gut. Ähm. Natürlich nicht. Ich meine, Harvey und ich, wir, ähm…“ Er stieß ein falsches Lachen aus und fing sich dafür ein Stirnrunzeln seitens seines Mentors ein. Aber Herrgott noch mal! Er gehörte nun mal nicht zu denjenigen, die sich selbst in den verrücktesten Situationen so vollkommen problemlos in eine fremde Rolle einfühlen konnten! Er wollte sich in diesem Fall ja noch nicht einmal in die Rolle einfühlen! „… Ich würde es gerne noch einmal versuchen.“, schloss Mike lahm ab und verkroch sich noch tiefer in seinen Sitz.

Glücklicherweise schien Mrs. Stevens  nichts Ungewöhnliches zu bemerken, denn sie nickte erneut verständnisvoll und vermerkte sich einen kurzen Satz in den Unterlagen. Gerne hätte Mike gewusst, was genau dort nun stand, aber vielleicht war es auch besser so. Er wollte nicht so etwas lesen wie Patienten sind immer noch wahre Turteltäubchen.
Er konnte erleichtert aufatmen, als sie sich gleich wieder an Harvey wandte. „Gut, beginnen wir einmal ganz von vorne. Sie sagten etwas von Komplikationen, Mr. Specter. Von welchen Komplikationen sprechen wir hier denn genau?“
Der Staranwalt lehnte sich gelassen zurück, aber Mike bemerkte, fast ein wenig schadenfroh, dass auch er langsam ins Schwitzen kam. Na also! „Nun. Seine Eltern. Meinungsverschiedenheiten. Und es ist nicht ganz leicht, eine gemeinsame Arbeitsumgebung zu haben. Die Kollegen tuscheln gerne. Das ist auch der Grund, warum wir unsere Beziehung noch nicht publik gemacht haben.“
Was für ein Humbug. Und was hatten Mikes Eltern darin zu suchen?

„Verstehe ich das richtig? Mr. Ross’ Eltern waren gegen die Beziehung?“, vergewisserte sich die Therapeutin interessiert. Er hatte definitiv nicht zugestimmt, auch noch seine Eltern mit ins Spiel zu bringen, und Mike musste sich zusammenreißen, um nicht die Stirn zu runzeln. Dennoch nickte er notgedrungen zustimmend.
Mrs. Stevens senkte sich kurz erneut über ihre Unterlagen. Vielleicht hatte sie ja nur bemerkt, wie aufgeblasen Harvey war, und schrieb die zehn besten Vorgehensweisen auf, mit denen man ihn am Besten von seinem hohen Ross holen konnte, auch, wenn Mike es stark bezweifelte.
Schade eigentlich. Wenn sie das hinbekam, würde sie vielleicht sogar tatsächlich brauchbare Ergebnisse liefern. Manchmal konnte Harveys Stolz und diese ganze Gefühle-sind-nur-ein-Hindernis-auf-dem-Weg-zum-Erfolg-Nummer ziemlich nervtötend sein. Im Grunde war der Staranwalt ja ein ganz Lieber, man musste ihn nur richtig zu nehmen wissen.
Apropos Harveys Stolz, wo war der in diesem ganzen Fiasko eigentlich geblieben?

„Gut. Dann ist diese Sitzung für heute beendet.“, meinte Mrs. Stevens. Erleichterung durchströmte Mike, als er die erlösenden Worte hörte. Gut. Er musste nämlich dringend mal mit Harvey sprechen! „Für nächstes Mal ist eine volle Stunde geplant, wie Sie sicher noch in Erinnerung haben.“ Weil ihm plötzlich ein höllischer Durst überfiel –vermutlich die Aufregung-, griff Mike noch einmal schnell quer über den Tisch nach Harveys bisher unberührten Glas Wasser. Sein eigenes hatte er schon am Anfang geleert.

„Ah, bevor Sie gehen, noch eine Kleinigkeit.“, meldete sich Mrs. Stevens mit eifriger Stimme noch einmal schnell zu Wort. Mehr oder weniger aufmerksam lauschend setzte Mike das Glas an die Lippen und begann, in großen Schlucken zu trinken.

„Wenn es Ihnen peinlich ist, müssen Sie mir nichts erzählen, aber es könnte große Relevanz bezüglich ihres Problems besitzen. Gab es innerhalb ihres Sexlebens Probleme?“

Prustend spuckte Mike den halben Inhalt über den Tisch und ruinierte dabei die Hälfte der Unterlagen, die die Therapeutin säuberlich neben ihrem Laptop aufgestapelt hatte. „Scheiße!“, fluchte er und wischte eilig mit seinem 200-Dollar-Ärmel einen Teil der Pfütze weg, „Sorry, war keine Absicht!“, beteuerte er schuldbewusst.

„Ist schon in Ordnung, mein Fehler. Das war zu plötzlich.“, sagte Mrs. Stevens freundlich und holte eilig ein paar Tücher, um die Sauerei zu beseitigen. Noch, während sie das tat, sagte sie: „Verschieben wir dieses Thema auf nächstes Mal, bis dahin können Sie sich ja Gedanken darüber machen. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag.“
Harvey, der die ganze Zeit nur daneben gestanden und Mike halb vorwurfsvoll, halb amüsiert beobachtet hatte, nickte. „Bis zum nächsten Mal.“, meinte er, rückte seine Krawatte zurecht und begab sich mit langen Schritten Richtung Ausgang, ohne auf seinen Angestellten zu warten. Mike hatte Mühe, es ihm nachzutun. „Tschüss.“, stimmte er seinem Chef hastig zu, nickte der lächelnden Mrs. Stevens noch einmal zu und gab dann sein Bestes, ihn einzuholen.

Kaum schlug ihnen die frische Luft entgegen, packte er ihn an der Schulter und zwang ihn dazu, stehen zu bleiben. „Was war das?“, zischte er.
„Was meinen Sie?“, erwiderte Harvey, die Unschuld in Person mimend. „Ich habe Ihnen erzählt, dass ich Ihre Hilfe dafür brauche, um Beweismaterial zu besorgen.“
„Genau! Mehr haben Sie nicht erwähnt!“, schnaubte Mike.
„Weil Sie nicht nachgefragt haben.“
„Weil ich nicht mit so etwas gerechnet habe! Sie und ich – als homosexuelles Paar in einer Paartherapie! Und warum lassen Sie sich überhaupt auf so etwas ein – dabei noch unter echtem Namen? Das könnte an die Öffentlichkeit gelangen!“

„Ah, kommen Sie.“ Harvey hob eine Augenbraue und musterte Mike. „Auf welchem Weg bitte? Die Therapeutin untersteht einer Schweigepflicht und ich wüsste auch nicht, weshalb jemand versuchen sollte, diese zu umgehen.“
„Vielleicht, um eine Schwachstelle zu finden. Um Sie –oder mich- zu erpressen.“, schlug Mike vor.
Harvey hob eine Augenbraue. „Ist das ihr Ernst?“, fragte er spöttisch.
„Ja…?“
„Haben Sie keine anderen Probleme?
„Es könnte ja sein…“, nuschelte Mike.
Harvey hielt es offenbar nicht für nötig, darauf einzugehen. „Was das andere betrifft…“, meinte er, „Die Paartherapeutin, die wir gerade besucht haben, hat sich auf homosexuelle Paare spezialisiert. Ja, so etwas gibt es, fragen Sie nicht. Es ist der begründete Verdacht aufgekommen, dass wir es mit Manipulation, Betrug und Erpressung zu tun bekommen werden. Leider ist die Beweislage auch nach gründlichen Nachforschungen sehr rar.“

Mit einer eleganten Bewegung wandte er sich schon halb ab, aber Mike sprang eilig vor und stellte sich ihm gerade noch rechtzeitig in den Weg. Oh nein, so schnell würde sein Chef ihm nicht davonkommen. „Ich dachte, für die Drecksarbeit seien Sie sich zu fein.“, hakte er nach.
Offensichtlich genervt runzelte der Ältere die Stirn. „Es ist etwas Persönliches.“, sagte er kühl.
„Wie, persönlich? Muss ich mir Sorgen machen?“
„Inwiefern?“
„Naja, Sie haben gerade so getan, als sei ich ihr fester Freund, was Sie anscheinend für zu persönlich erachten, um es als Drecksarbeit abzustempeln…“
„Werden Sie nicht albern. Ich kenne meinen Mandanten persönlich.“
Nun war es an Mikes Augenbrauen, in die Höhe zu schnellen. „Woher denn?“ Er musste grinsen. „Lassen Sie mich raten: Es war ein angenehmer Abend der Bar. Der Alkohol floss in Strömen und Sie bandelten mit den verschiedensten Leuten an. So, wie das ja nun leider jedem passieren kann, verloren Sie die Kontrolle. Am nächsten Morgen wachten Sie in einem fremden Zimmer auf, mit einem Stechen in der Lendengegend und einem Bettnachbarn der etwas ungewöhnlicheren Art…“

„Machen Sie sich nicht darüber lustig.“, unterbrach Harvey ihn eisig und versuchte (erfolglos), sich einen Weg an Mike vorbeizukämpfen.
Mike entglitten die Gesichtszüge. „Was? Echt jetzt?“, stieß er fassungslos aus. Ihm war bewusst, dass Harvey ein Frauenschwarm war, aber das hier war schon ein Kaliber für sich.
„Natürlich nicht.“, knurrte Harvey. „Dennoch bin ich ihr Chef und erkenne einen herablassenden Ton, wenn ich ihn höre.“
„Ich bin überhaupt nicht herablassend!“, protestierte sich Mike sofort. „Wirklich nicht. Nur… uhm. Wir sind nicht zusammen. Und weder Sie noch ich sind… na ja.“ Wenn er sich seinen Chef vorstellte, der zusammen mit ihm… Nein, böser Gedanke! Ganz böser Gedanke! Zugegeben, Harvey war attraktiv, aber Mike hatte da schon seine Schmerzensgrenzen.
Der Altersunterschied war da noch seine kleinste Sorge.

„Das ist mir bewusst.“, schnaubte Harvey. Endlich fand er seinen Weg an Mike vorbei und überbrückte das letzte Stück zu seinem Auto. Ehe er aber einstieg, wandte er sich noch einmal zu Mike um, der ihn ziemlich bedeppert anstarrte, deshalb nicht auf seinen Weg achtete und beinahe gegen eine Laterne lief. Gerade noch rechtzeitig konnte er ausweichen.
Harvey seufzte. „Hören Sie zu.“, sagte er ruhig und legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter. „Das ist nur ein Job, nehmen Sie das nicht ernster, als es ist. Konzentrieren Sie sich einfach auf die Arbeit, dann ist er bald geschafft.“ Er klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, dann wandte er sich ab und öffnete die Tür. „Und nun kommen Sie, wir wollen doch nicht den ganzen Tag hier draußen herumstehen.“, rief Harvey ihm noch zu, ehe er einstieg.

Kopfschüttelnd lief Mike um das Auto herum und ließ sich ebenfalls auf den Hintersitz fallen. Als er die Tür zuschlug, wurde ihm bewusst, wie ungewöhnlich hektisch sein Atem ging. Verdammt, dieses Erlebnis hatte ihn traumatisiert.
Aber vermutlich hatte Harvey Recht und er regte sich zu sehr auf.  Schließlich handelte es sich um Harvey, den die Sache so überhaupt nicht aufzuregen schien. Der Harvey in all seiner selbstverliebten Manier um die Welt stolzierte, als wäre sie sein Eigentum. Kurz blickte er noch mal zu seinem Chef, wandte seinen Blick aber genauso schnell wieder ab.
Er würde es schon überleben – so oder so.
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