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As Deep As Only True Love Can Be

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Dylan Hunt Tyr Anasazi
20.04.2014
20.04.2014
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15.799
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20.04.2014 1.992
 
Seamus Harper erschien im Eingang zum Hangardeck, in dem Andrem Verjars kleines Raumschiff geparkt war, gerade als Tyr die Handfeuerwaffe auf den Fliehenden richtete.
"Verjar! Bleiben Sie stehen!" hallte Tyrs Stimme durch das Deck. "Schauen Sie mir ins Gesicht, Sie feiges Schwein!"
Andrem Verjar wirbelte herum. Er stand mit dem Rücken vor dem geöffneten Eingang zu seinem Schiff. "Verpissen Sie sich, Anasazi! Ich habe Ihr Eigentum nicht angerührt!"
"Elender Lügner!" Tyr ging noch einige Schritte auf Andrem zu, die Waffe im Anschlag. "Sie wollten Dylan missbrauchen, und weil er Ihnen nicht freiwillig gab, was sie von ihm wollten, haben Sie ihn unter Drogen gesetzt."
"Weil er ein Feigling ist, Ihr ach so geliebter Dylan."
Der Sicherungsbügel der Waffe klickte vernehmlich, als Tyr ihn umlegte. "Ich kenne nur einen Feigling, und das sind Sie, Verjar! Sie sind das Niederträchtigste, was mir je begegnet ist."
Tyr hob die entsicherte Waffe. Andrem Verjar erstarrte. Er würde sterben. Er sah es in Tyr Anasazis Augen.
Und auch Seamus Harper wusste es. Tyr würde schießen. Doch wenn der Nietzscheaner einen Mord beging, war es vorbei mit seiner Liebe für Dylan. Er würde eingesperrt werden, irgendwo auf einem Gefängnisplaneten, und er würde Dylan nie wiedersehen. Und Dylan würde der unglücklichste Raumschiffcaptain des Universums sein.......
"Tyr!" gellte Harpers Ruf hinüber zu den Männern. "Tun Sie das nicht!"
"Verflucht, Harper!" schrie Tyr aufgebracht, ohne den Blick oder die Waffe von Andrem Verjar zu nehmen. "Ich habe Ihnen doch befohlen, bei Dylan zu bleiben!"
"Ich kehre sofort zurück zu Dylan, wenn Sie aufhören, Andrem Verjar zu bedrohen."
Harper bemühte sich nach Kräften, die Angst, die er angesichts der Situation empfand, aus seiner Stimme herauszuhalten. Alles hing von ihm ab. Er durfte sich nicht den kleinsten Fehler erlauben, oder drei Lebewesen wurden für immer ins Unglück gestürzt. Andrem Verjar würde sterben, Tyr kam ins Gefängnis, gebrandmarkt als Mörder, und Dylan würde auf ewig seiner großen Liebe Tyr hinterhertrauern.
"Ich höre sofort auf, Verjar zu bedrohen", sagte Tyr gefährlich ruhig. "Weil ich ihn töte."
"Das dürfen Sie nicht, Tyr!", flehte Harper.
"Niemand schlägt ungestraft den Mann ins Gesicht, den ich liebe. Niemand, Harper. Verstehen Sie?"
"Ihr verweichlichtes Schnuckelchen wird es überleben, Anasazi!" spie Andrem Verjar gehässig heraus. Er hatte nichts mehr zu verlieren.
Schnuckelchen?, überlegte Tyr. Wie süß!
Dann krümmte er den Finger um den Abzug.
"Tyr! Nein!" schrie Harper.
"Niemand schlägt den Mann, den ich liebe", wiederholte Tyr.
Und drückte ab.

+++++++

"Dylan!"
Die liebliche Stimme von Trance Gemini erklang neben Dylans Ohr. Eine sanfte Hand legte sich auf seine Brust, zart wie ein Schmetterling. "Dylan, Sie Armer! Was ist mit Ihnen passiert?"
"Trance.......", sagte Dylan schwach und bemühte sich, die Augen offenzuhalten.
Trance nahm seine Hand und drückte sie, dann legte sie Dylan prüfend die Hand auf die Stirn. Offenbar stand Dylan unter der Einwirkung eines Medikaments. Sie bemerkte die Rötung auf Dylans Wange und zog die gleichen Schlüsse wie Tyr.
"Sind Sie geschlagen worden, Dylan?"
Dylan nickte mit traurigem Blick. Andrem Verjahr hatte ihn vergewaltigen wollen, und er hatte ihn geschlagen. Obwohl er wehrlos war.
"Ist schon gut!" tröstete Trance ihn und streichelte ihm die Haare aus der Stirn. "Bleiben Sie ruhig liegen! Ich bleibe bei Ihnen."
Sie wandte sich ab, um Nadel und Kanüle zu holen. So unauffällig und vorsichtig wie nur möglich nahm sie Dylan etwas Blut aus einer Vene im Unterarm ab und gab es zur Analyse in ein spezielles Gerät.
Während sie auf das Ergebnis wartete, stand sie neben dem Bett, streichelte Dylan über die Stirn, hielt seine Hand und lächelte ermutigend auf ihn hinab. Dylan fielen immer wieder die Augen zu, als wäre er zu Tode erschöpft.
Ich hätte ihn nicht allein lassen sollen, warf sich Trance vor. Aber das konnte ich nun wirklich nicht wissen.
Das Gerät piepte. Trance schaute sich auf einem kleinen Display das Ergebnis der Blutanalyse an. Dylan war ein schnell wirkendes, starkes Beruhigungsmittel gespritzt worden. Dem Anteil zufolge, der sich in der Blutprobe befand, würde es einige Stunden dauern, bis das Medikament abgebaut war.
Trance holte eine Decke und legte sie über Dylans Körper. Sie registrierte, wie trocken seine Lippen waren und sorgte für ein Glas Wasser, um ihn trinken zu lassen.
"Trance?" flüsterte Dylan nach einer Weile. "Wo ist....... Tyr?"
"Das weiß ich nicht, Dylan", sagte Trance wahrheitsgemäß. Und ein bisschen enttäuscht. Hatte der Captain denn nur noch Augen für männliche Nietzscheaner? "Er kommt bestimmt zu Ihnen, sobald er abkömmlich ist. Fühlen Sie sich nicht wohl in meiner Gesellschaft?"
Jetzt lächelte Dylan trotz seiner Schwäche. "Doch. Es ist schön, dass Sie...... hier sind."
Trance erwiderte das Lächeln. Sie sorgte dafür, dass er ein weiteres Glas Wasser trank, danach fuhr sie fort, seine Hand zu streicheln, bis Dylan einschlief.

+++++++

Die Kampf-Lanze in Seamus Harpers Hand blitzte nur ganz kurz auf, dann brach Tyr Anasazi zusammen.
Der Schuss, den Tyr aus seiner Waffe abgefeuert hatte, hieb in die Decke des Hangars.
Andrem Verjar stand noch immer wie erstarrt an seinem Platz und blickte voller Unglauben auf das, was sich eben zugetragen hatte.
Tyr war im Begriff gewesen, die Waffe auf ihn abzufeuern, da war ihm Seamus Harper zuvor gekommen. Und Seamus hatte nicht etwa auf ihn gezielt, sondern auf seinen eigenen Mann.
Jetzt schaute Seamus fassungslos auf die Waffe in seiner Hand. Die Waffe, die Dylan Hunt gehörte und die eigentlich nur ein Highguard-Captain führen durfte. Aber Dylan hatte es ihm schließlich befohlen. Und es hatte tatsächlich funktioniert! Wie Dylan es ihm gesagt hatte. Den Hebel nach links stellen. Auf Betäubung.
Endlich hob Seamus den Blick und schaute zu dem am Boden liegenden Tyr und zu Andrem Verjar hinüber.
"Na los!" zischte er dem blondhaarigen Nietzscheaner zu. "Verschwinden Sie! Tyr wird nicht ewig friedlich schlummern."
"Aber.......?" Diesmal war es der sonst nicht auf den Mund gefallene Andrem, der die Vorgänge nicht begriff. "Sie lassen mich gehen?"
"Ich schon", sagte Seamus und warf sich in die Brust. Dann zeigte er auf Tyr. "Er nicht. Also beeilen Sie sich besser."
Andrem Verjar begriff zwar nicht, was genau vorging, doch er begriff zumindest eines: Wenn er aus dem ganzen Schlamassel, den er angerichtet hatte, ungestraft herauskommen wollte, war jetzt seine einzige Chance.
"Obwohl ich...... Dylan das angetan habe, lassen Sie mich gehen?"
"Dylan ist nicht schwer verletzt", erklärte Harper. "Dass ich Sie gehen lasse, tue ich nur für Dylan. Weil ich nicht will, dass er unglücklich wird. Er ist nämlich ein guter Boss, wissen Sie."
Andrem schluckte hart. Nachdem er Harper noch ein paar Sekunden angestarrt hatte, warf er sich herum und stolperte über die ausgefahrene Rampe in sein Schiff, als wäre eine Horde Verrückter hinter ihm her.
Wenige Minuten später war das kleine Raumschiff aus dem Hangar verschwunden.
Nur Harper kniete noch dort, neben dem besinnungslosen Tyr, und wunderte sich, wie er es fertiggebracht hatte, diese gefährliche Situation zu bereinigen, ohne dass jemand zu Schaden gekommen war.
Vermutlich war er eben ein Genie auf der ganzen Linie.

+++++++

Tyr Anasazi kam nach zwanzig Minuten zu sich. Stöhnend rieb er sich den Nacken und schaute sich um. Er bemerkte den leeren Hangar und blickte anschließend an Seamus Harper hoch, der neben ihm stand und Dylans Kampf-Lanze in der Hand hielt. Allerdings zielte er damit nicht mehr auf Tyr. Die Lanzenspitze zeigte zu Boden.
"Was meinen Sie, dass Sie getan haben, Harper?" fragte Tyr vorwurfsvoll, doch Seamus beschloß, keine Angst vor dem Nietzscheaner zu haben. Er hatte nichts Falsches getan, im Gegenteil.
"Ich habe getan, was Dylan mir befohlen hat", antwortete er deshalb ruhig. "Ich habe Sie davor bewahrt, einen Fehler zu begehen, den Sie für den Rest Ihres Lebens bereut hätten."
"Sie maßen sich an, das für mich zu entscheiden?"
"In diesem Fall: Ja."
Tyr wirkte durcheinander, so als wüsste er nicht, ob er Seamus an die Gurgel gehen oder ihn zu seinem Mut gratulieren sollte. "Dylan hat Ihnen befohlen, mich lahm zu schießen?"
"Dylan hat mir befohlen, Sie davor zu bewahren, eine Dummheit zu begehen. Und Sie waren kurz davor. Sie wollten Andrem Verjar umbringen."
"Aus gutem Grund", maulte Tyr, doch es klang recht zahm. "Ist Ihnen klar, was dieser verfluchte Bastard Dylan anzutun versuchte?"
"Ich denke schon."
"Sie denken?" Tyrs braune Augen schauten den Bordingenieur fassungslos an.
Schließlich rappelte Tyr sich auf. Er hatte keinen Grund, sauer auf Seamus Harper zu sein. Wenn Seamus nicht zufällig am Medizindeck vorbeigekommen wäre, mitbekommen hätte, dass Dylan in Gefahr war und ihn sofort verständigte, hätte Andrem Verjar sein schändliches Vorhaben in aller Ruhe durchführen können.
"Sie haben Dylan allein gelassen!" warf Tyr ihm dennoch vor. "Obwohl ich Ihnen befohlen habe, bei ihm zu bleiben."
"Dylan hat mir aufgetragen, Ihnen zu folgen."
"Er war doch völlig betäubt!"
"Jedenfalls nicht betäubt genug, um keine Anweisungen geben zu können", sagte Seamus.
"Sie haben sein Leben riskiert!" schimpfte Tyr. "Haben Sie die Erste-Hilfe-Ausbildung übergangen, als Sie auf Ihrem ersten Raumschiff anheuerten? Einen halb Besinnungslosen allein zu lassen ist fahrlässig! Wenn er erbricht, kann er daran ersticken......."
"Ich habe Trance gebeten, nach Dylan zu sehen, bevor ich Ihnen gefolgt bin", unterbrach ihn Seamus.
Tyr schluckte. Das hatte er nicht gewusst. Damit war Seamus natürlich rehabilitiert.
"Anscheinend hatten Sie heute wirklich einen guten Tag", knurrte der Nietzscheaner, kam auf Harper zu und legte dem kleineren Mann den Arm um die Schultern, um zusammen mit ihm das Hangardeck zu verlassen.
Was für Tyrs reservierte Art eine wirklich großherzige Geste war.

+++++++

Trance legte Dylans Hand auf die Bettdecke zurück, als sie Tyr auf das Medizindeck kommen sah, und ging ihm entgegen.
Dylan brauchte sie jetzt nicht mehr. Oder vielmehr würde Tyr dafür sorgen, dass sie nicht mehr gebraucht wurde. Sie wusste, Tyr schätzte es nicht besonders, wenn sie Dylan so nahe war, auch wenn ihre Fürsorge ausschließlich der medizinischen Versorgung des Captains galt. Trance verstand Tyrs Beweggründe dafür zwar nicht, die zweifellos purer Eifersucht entsprangen, schließlich hätte Dylan an ihr niemals erotisches Interesse gehabt. Doch sie vertiefte ihre Überlegungen nicht weiter. Die privaten Gefühle der beiden Männer gingen sie nichts an.
"Wie geht es Dylan?" verlangte Tyr zu wissen, als Trance vor ihm stand.
"Er ist okay", sagte sie zufrieden. "Ihm ist ein starkes Sedativum gespritzt worden. Er wird für mindestens zwölf Stunden groggy sein und die meiste Zeit schlafen."
Tyr nickte zum Zeichen, dass er die Information zur Kenntnis genommen hatte. Dann trat er an das Bett, auf dem Dylan lag, bis zur Brust zugedeckt, die Augen geschlossen.
"Was ist denn passiert?" fragte Trance hinter ihm leise.
"Andrem Verjar hat ihn überfallen", antwortete Tyr, schien mit seinen Gedanken jedoch kaum bei ihr zu sein, sondern bei seinem schlafenden Geliebten. "Er hat ihn geschlagen."
"Das...... tut mir leid."
"Er hat ihn ins Gesicht geschlagen, Trance", sprach Tyr weiter. "Kannst Du Dir das vorstellen? Dass es jemand fertig bringt, einen Menschen wie Dylan zu schlagen? Wieviel Boshaftigkeit muss dafür vorhanden sein?"
Trance blickte zu Boden, unsicher, wie sie sich verhalten sollte. Das Ganze nahm Tyr anscheinend sehr mit.
"Nein, ich kann es mir nicht vorstellen", sagte sie schließlich leise.
Tyr nahm Dylans Hand in seine, und nachdem sie noch einen Moment gewartet hatte, es jedoch offensichtlich war, dass sie nicht mehr gebraucht wurde, verließ Trance wortlos das Medizindeck.
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