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As Deep As Only True Love Can Be

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Dylan Hunt Tyr Anasazi
20.04.2014
20.04.2014
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20.04.2014 1.674
 
Am anderen Morgen führte Dylan Hunt seinen Gast auf der Andromeda herum.
Dylan war es gewohnt, um eine solche Besichtigungstour gebeten zu werden, wann immer ein Fremder auf dem Raumschiff war. Die Andromeda Ascendant war ein beeindruckendes Schiff, und niemand konnte sich ihrer Faszination entziehen. Auch nicht Andrem Verjar.
Allerdings blieb Dylan nicht verborgen, dass Andrem nicht nur an der Andromeda interessiert war. Die Blicke, mit welchen der gutaussehende Nietzscheaner Dylan bedachte, während er dessen Auführungen lauschte, ließen gar keinen anderen Schluss zu.
Die Bemerkungen, die Andrem zwischendurch anbrachte, auch nicht. "Ein großartiges Schiff, Dylan. Allerdings nur so großartig wie ihr Captain."
Wenn es möglich war, überging Dylan die Bemerkungen völlig, zwischendurch lächelte er höflich. Und immer wieder musste er an Tyr Anasazi denken, der an diesem Morgen mit reichlich zerknirschter Miene auf das Kommandodeck gegangen war, um seinen Dienst zu versehen. Tyr passte es offenbar überhaupt nicht, Dylan allein in Andrem Verjars Gesellschaft zu wissen, auch wenn er Tyrs diesbezügliche Besorgnis nach wie vor nicht nachvollziehen konnte. Er war schließlich Captain eines Raumschiffs und litt nicht gerade unter mangelndem Selbstbewusstsein. Er würde sich gegen ungewollte Avancen zu wehren wissen.
Es verlief auch alles zu Dylans Zufriedenheit, jedenfalls bis sie das Aussichtsdeck erreichten. Dylan verhielt sich Andrem Verjar gegenüber so distanziert-höflich, wie es die Etikette der Ehrengarde verlangte, und er hütete sich, in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten, die Andrem mit seinen leicht übertriebenen Komplimenten aufzustellen versuchte. Dafür war Dylan zu erfahren und zu geübt im Smalltalk.
Auf dem Aussichtsdeck, beim Blick in die unbegreifliche Unendlichkeit des Alls, hatte Dylan von jeher das Gefühl gehabt, eine Art magischer Zauber würde sich über ihn und alle anderen Anwesenden legen, als würde der Anblick etwas in Gang setzen, etwas, das vorher nicht oder nur latent da gewesen war, und vielleicht war das nicht einmal eine Einbildung.
Als er neben Andrem hinausschaute auf die Myriaden leuchtender Sterne und das neonblau strahlende Band eines planetarischen Nebels fühlte er sich friedvoll und leicht, und als Andrem ihn plötzlich sanft am Arm berührte, ihn dazu veranlasste, sich ihm zuzuwenden und ihn anzuschauen, ihm in die Augen blickte, da tat Dylan nichts, um es zu verhindern.
Im Gegenteil.
Ohne sich erklären zu können, was überhaupt mit ihm los war, fühlte er sich von Andrem Verjar angezogen, von dessen sympathischem Wesen, von einem grazilen Körper, der so ganz anders war als die athletisch-kraftvolle Figur von Tyr.
"Diese Sterne da draußen", hauchte Andrems sanfte Stimme ihm zu, "sind das Wundervollste, was es überhaupt gibt. Und ich möchte sagen, Du bist einer von ihnen, Dylan."
Was für ein wundervolles Kompliment!
Dylan stand vollkommen still, wagte es nicht, sich zu rühren.
Was zur Hölle war es, das ihn lähmte? Was war es, das ihn schließlich nur lächeln ließ, anstatt sich abzuwenden? Was war es, das zuließ, dass Andrem ihm immer näher kam, bis die schmalen Lippen des Nietzscheaners hauchzart die seinen berührten?
Dylan schloß die Augen angesichts des Kusses, der zart und flüchtig war, der ihn dennoch in seinen Bann zog, wie er es vor wenigen Augenblicken nicht für möglich gehalten hätte.
Die schlanke, warme Hand Andrems berührte seine Wange, ließ ihn innerlich erglühen.
Warum?, ging es Dylan durch den Sinn. Was fasziniert mich an diesem Mann so sehr? Ich liebe Tyr. Ich vermisse nichts in meiner Beziehung mit ihm. Und doch......
"Wäre es möglich, für einige Tage auf der Andromeda zu bleiben?" hörte Dylan wie von weit her Andrems Stimme. "Ich würde mich gerne etwas ausruhen, bevor ich meinen Flug fortsetze, um die Medikamente abzuliefern."
Noch ehe er überhaupt bewusst darüber nachdachte, hörte Dylan sich sagen: "Ja, natürlich."
Er fühlte sich merkwürdig, als stecke er in einer Art Blase. Als wäre er hypnotisiert worden.
Wieder berührte die zärtliche Hand seine Wange, umfasste sie und strich darüber. "Ich danke Dir, Dylan. Du bist ein wunderbarer Mensch. Aufmerksam. Gütig. Und so wunderschön. Nichts in der Galaxis kann es mit Deiner Schönheit aufnehmen."
Dylan lächelte verlegen und schaffte es, heiser zu antworten. "Übertreibst Du nicht ein wenig?"
"Keineswegs. Die Liebe meines Lebens war ebenfalls ein Mensch, ein hübscher, blonder Mann, gerade so wie Du. Leider starb er viel zu früh."
Dylan schluckte. Er senkte kurz den Blick, und endlich schien das Gefühl, in einer Blase zu schweben, nachzulassen. Was tat er hier eigentlich, verdammt nochmal? Stand auf dem Aussichtsdeck und ließ sich von einem anderen Mann küssen! Einem Mann, den er kaum kannte.
Schon wieder strich Andrems Hand über seine Wange. Dylan umfasste Andrems Unterarm und zog die Hand sanft von seinem Gesicht fort. "Wir sollten das nicht tun, Andre."
"Warum nicht, Dylan? Fürchtest Du, ich würde in Dir lediglich nach meinem früheren Geliebten suchen?"
"Nein. Es fühlt sich nicht richtig an, das ist alles."
"Du meinst, weil Du mit Tyr Anasazi zusammen bist?"
Dylan erwiderte Andrems Blick offen. "Ich stehe nicht zur Verfügung, Andre. Nicht für das, was Du von mir möchtest. Tut mir leid."
Andrem wirkte völlig gelassen, als würde er sich seiner Sache sicher sein. "Man kann seine Meinung ändern, Dylan. Soweit ich mitbekommen habe, bist Du mit Tyr liiert, aber nicht verheiratet."
Wieder lächelte Dylan sein kleines Lächeln, das Lächeln, das seine Verehrer um den Verstand brachte. "Noch nicht."
Andrems Augenbrauen kamen hoch. "Er hat also um Deine Hand gebeten."
Dylan schaute hinaus ins Weltall. "Er möchte mich unbedingt heiraten, nur war dafür noch keine Zeit. Meine Aufgaben auf der Andromeda haben es bisher nicht erlaubt."
"Könnte das nicht ein Wink des Schicksals sein?" versuchte Andrem, Dylans Gefühle in Aufruhr zu bringen. "Wärst Du bereits verheiratet, wäre alles umso komplizierter. Jetzt aber kannst Du Dich noch frei entscheiden. Anders entscheiden."
Dylans blaue Augen fanden wieder den Blick seines Gesprächspartners. "Ich kenne Dich doch gar nicht, Andre. Jedenfalls nicht gut genug, um eine solch weitreichende Entscheidung zu treffen."
"Das lässt sich ändern", meinte Andrem gelassen. "Übertrage Tyr das Kommando über die Andromeda, und wir beide haben genug Zeit, uns näherzukommen."
Endlich gelang es Dylan, entschlossen den Kopf zu schütteln. "Ich will das nicht, Andre. Ich liebe Tyr."
"Wenn Du mir keine Chance gibst, Dir zu zeigen, wie es wäre, mit mir zusammen zu sein, kannst Du nicht herausfinden, welchen von uns Du lieber als Partner fürs Leben hättest."
"Mein Partner fürs Leben ist Tyr. Es tut mir leid, wenn es Dich vielleicht verletzt, keine Chance zu haben."
"Es verletzt mich nicht, denn ich habe alle Chancen", sagte Andrem.
Und mit einem selbstsicheren Lächeln wandte er sich ab und ging hinaus, einen verwunderten und verwirrten Dylan zurücklassend.

+++++++

"Du hast WAS getan? Diesem Verjar erlaubt, mehrere Tage auf der Andromeda zu bleiben?" ereiferte sich Tyr am Abend in ihrer gemeinsamen Kabine, nachdem Dylan ihm davon erzählt hatte. Die Details seiner gemeinsam mit Andrem Verjar verbrachten Zeit auf dem Aussichtsdeck verschwieg er wohlweislich. "Bist Du noch zu retten, Dylan?"
"Warum regst Du Dich so auf? Was hat Dir dieser Mann eigentlich getan?"
Dylan erschrak, als Tyr ihn plötzlich mit beiden Händen an den Oberarmen packte und dabei ziemlich fest zulangte. "Dylan! Du hast keine Ahnung, zu was ein verknallter Nietzscheaner in der Lage ist! Und wie soll ich Dich vor ihm beschützen, wenn Du mich dazu verdonnerst, auf dem Kommandodeck herumzustehen und Dienst zu machen, während Du mit ihm durch die Korridore stolzierst?"
"Ich brauche keinen Beschützer, Tyr", sagte Dylan so ruhig wie möglich, obgleich er sich über Tyrs merkwürdiges Benehmen ärgerte. "Ich kann auf mich selbst aufpassen."
"Das möchte ich sehen", gab Tyr gehässig zurück. "So viel Training im Fitness-Studio könnte ein Mensch gar nicht hinlegen, dass er es an Körperkräften mit einem Nietzscheaner aufnehmen könnte."
"Ich bin ein Schwerkraftweltler", erinnerte ihn Dylan. "Ich verfüge von Natur aus über größere Körperkräfte als ein gewöhnlicher Mensch."
Dylan zuckte zusammen, als Tyr ihn unvermittelt anschrie: "Das sind aber nicht genug Kräfte für einen Nietzscheaner! Wenn er es will, nimmt Dich dieser Mann auseinander, noch bevor Du den kleinen Finger rühren kannst!"
Dylans Stimme klang heiser, während er seinen Partner mit einem Blick aus Erschrockenheit und Entsetzen anschaute. "Ist das jetzt Deine neue Art, mit mir zu reden?"
Der Blick traf Tyr regelrecht ins Herz und machte ihm seinen Fehler bewusst. Er ließ Dylans Arme los. Statt dessen nahm er Dylans rechte Hand in seine, um sie sanft zu drücken. "Tut mir leid, Dylan! Es tut mir so leid. Ich wollte Dich nicht anschreien."
"Warum tust Du es dann?"
"Weil ich Dich liebe." Tyr hob sich Dylans Hand an den Mund und küsste ihn sanft darauf. "Und weil ich weiß, in welcher Gefahr Du bist."
Dylan beobachtete, wie Tyr mit den Lippen seine Hand liebkoste. "Du unterstellst Andrem Verjar einfach, er sei liebeskrank, und mir unterstellst Du, ich könnte mich nicht angemessen wehren. Wie, glaubst Du, habe ich jahrelang dieses Raumschiff geführt, wenn ich so hilflos bin, wie Du behauptest?"
"Himmel, Dylan, versteh’ doch! Niemand behauptet, dass Du hilflos bist. Du hast nur nicht die geringste Chance gegen einen liebestollen Nietzscheaner."
Dylan entzog Tyr seine Hand. Er ging ein paar Schritte auf und ab und hob die Schultern. "Also schön. Ich werde besonders gut aufpassen, wenn es Dich beruhigt. Aber ich kann Andrem Verjar den Aufenthalt auf der Andromeda nicht verwehren. Ich müsste im Protokoll eine Begründung angeben, wenn ich es ablehne, ihn als Gast an Bord zu haben, und ich glaube nicht, dass der Ehrengardegeneral begeistert wäre, wenn ich einem mir fremden Rasseangehörigen Zudringlichkeit unterstelle, bevor überhaupt irgendetwas passiert ist."
"Na gut, Dylan. Dann lass’ es in Deiner Leichtgläubigkeit darauf ankommen. Aber sage hinterher nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt!"
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