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As Deep As Only True Love Can Be

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Dylan Hunt Tyr Anasazi
20.04.2014
20.04.2014
9
15.799
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20.04.2014 1.332
 
Auch während des gemeinsamen Dinners auf dem Aussichtsdeck war die Angespanntheit im Verhältnis zwischen Tyr Anasazi und Andrem Verjar für jeden der Anwesenden deutlich zu spüren, am deutlichsten freilich für Dylan selbst.
Er kannte seinen Partner und wusste, wie extrem unwohl sich Tyr fühlen musste. Allerdings durfte Dylan von ihm die Professionalität erwarten. Auf der Andromeda war Tyr schließlich ein Mitglied der Ehrengarde. Andrem Verjar war an diesem Abend Gast auf dem Raumschiff.  Das musste jeder an Bord akzeptieren, auch Tyr.
Dylan ignorierte die finsteren Blicke, die der Nietzscheaner dem Neuankömmling immer wieder zuwarf, und bemühte sich um eine ungezwungene, höfliche Kommunikation mit Andrem Verjar. Der Mann hatte nichts getan. Es gab für ihn keinen Grund, sich ihm gegenüber anders zu verhalten als einem Gast gegenüber üblich.
Andrem Verjar schien dankbar zu sein für Dylans Bemühen, der Situation einen Anschein von Gewöhnlichkeit zu geben. Er beteiligte sich rege am Smalltalk, erwiderte manchmal jedoch Tyrs Blicke mit der gleichen Schärfe.
Dylan überging das Verhalten der beiden Männer, das ihn fühlen ließ, als wäre er ein Beutestück. Er kam sich vor wie ein Kaninchen, das ins Visier zweier hungriger Wölfe geraten war. Er fand das einfach lächerlich, auch oder gerade weil Andrem Verjar ihm hin und wieder Komplimente machte und ihm damit zu verstehen gab, dass sein Interesse durchaus über den Smalltalk hinausging.
Dylan bedankte sich für die Komplimente höflich, wenn es angezeigt war, drückte jedoch gleichzeitig aus, dass er dem Gesagten keinen besonderen Wert beimaß. Er war sehr geschickt darin und ein geübter Smalltalker, weshalb der Abend trotz der unterschwellig vorhandenen Aversion zwischen Tyr und Andrem für alle Anwesenden angenehm wurde.
Später begleiteten Tyr und Dylan ihren Gast zu dessen Kabine.
"Ich hoffe, der Abend auf der Andromeda hat Ihnen gefallen", sagte Dylan, als sie vor der Kabinentür stehenblieben.
Andrem deutete eine Verbeugung an. "Er hat mir sehr gut gefallen, Dylan! Das lag aber in erster Linie an Ihrer Anwesenheit. Sie sind ein ausgezeichneter Gesellschafter."
"Nett von Ihnen, das zu sagen", meinte Dylan mit einem höflich-distanzierten Lächeln, das zu unverfänglicher Konversation passte.
"Besonders gut gefällt mir übrigens diese Gala-Uniform an Ihnen", fuhr Andrem fort, noch ehe Dylan die obligatorische "Gute Nacht" wünschen konnte, die unweigerlich folgen musste. "Sehr schick! Aber wirklich nur an Ihnen."
Dylan schaute an sich hinab. Die Gala-Uniform war ähnlich geschnitten wie seine gewöhnliche schwarze Dienstuniform, nur dass sie statt grauen Streifen weinrote aufwies. "Oh....... vielen Dank. Sie schmeicheln mir."
"Weil Sie das verdienen", nahm Andrem den Faden sofort auf. "Sie sind ein bemerkenswerter Mann."
Tyr verfolgte den Dialog mit zunehmender Angespanntheit. Seine Kiefermuskeln spielten, während er die empfundene Aggression zurückhielt.
"Oh, äh...... Ich halte mich für ganz gewöhnlich", sagte Dylan mit jenem verlegenen, kleinen Lachen, das Tyr so sehr an ihm liebte.
"Sie sind ganz und gar nicht gewöhnlich, Dylan", beharrte Andrem. "Sie sind etwas ganz Besonderes. Wenn ich Sie mit einem einzigen Adjektiv belegen sollte, würde ich sagen......." Der langhaarige Nietzscheaner hob den Arm, und seine Hand strich hauchzart wie ein Schmetterlingsflügel über Dylans Wange, während er weitersprach: ".......Sie sind zauberhaft."
Das Wort war kaum verklungen, als Tyrs Handkante gegen Andrem Verjars Unterarm schlug und die Berührung, die kaum eine richtige gewesen war, brutal beendete.
Andrem rieb sich erschrocken den Arm, während er Tyr anblickte, der sich vor ihm aufbaute und sogar Dylan auf einmal größer und kräftiger erschien als sonst. Anscheinend kannte Tyr einen Trick, sich aufzuplustern, ähnlich wie manche Tiere auf der Erde.
"Wenn Sie ihn noch ein einziges Mal anfassen", rollte es bedrohlich dumpf aus Tyrs Kehle, "breche ich jeden Knochen Ihrer widerlichen Figur einzeln."
Tyrs imposante Statur unterstrich dabei, dass seine Worte keineswegs eine leere Drohung waren.
"Tyr!" entkam es Dylan schwach. Er hatte einmal mehr Mühe, Tyrs Überreaktion einzuordnen und fühlte sich vom Verhalten seines Partners beschämt.
Andrem winkte ab, um ihn von der Bürde der Peinlichkeit zu entlasten. "Ist schon gut, Dylan! Sie können nichts dafür. Es ist Mr. Anasazis gutes Recht, sich so zu verhalten."
Tyr richtete den Zeigefinger drohend gegen Andrem. "Dann beherzigen Sie gefälligst, was ich gesagt habe!"
"Keine Sorge." Andrem wirkte friedlich, rieb sich nach wie vor die schmerzende Stelle am Arm, wo ihn Tyrs unnachgiebige Handkante schmerzhaft getroffen hatte. "Danke für den schönen Abend, Dylan. Schlafen Sie gut."
"Sie auch, Andre", sagte Dylan und schaute dem hellhäutigen Nietzscheaner nach, bis dieser in seiner Kabine verschwunden war.

+++++++

"Musste das sein, Tyr?" fragte Dylan verständnislos, während er neben Tyr durch den Korridor ging. "Dieser Mann hat Dir verflucht nochmal nichts getan. Warum drohst Du ihm?"
"Nichts getan? Du gefällst mir vielleicht, Dylan! Er hat berührt, was mir gehört. Und das haben Nietzscheaner gar nicht gern."
Dylan blieb stehen und schaute Tyr an, bis dieser ebenfalls stehenblieb. "Ist das alles, was ich für Dich bin? Dein persönlicher Besitz?"
Tyr verdrehte ungeduldig die Augen. "Ich sagte schon, Du verstehst das nicht."
"Warum beantwortest Du nicht einfach meine Frage?"
"Nein. Dass Du mein persönlicher Besitz bist, ist nicht alles, Dylan. Selbstverständlich nicht! Nietzscheaner haben erst dann einen persönlichen Besitz, wenn sie ihr Herz verschenkt haben. So wie ich meines an Dich verschenkt habe. Von diesem Augenblick an betrachten Nietzscheaner ihren Partner als......."
"Eigentum", fiel Dylan ihm ins Wort. Es klang verbittert.
"Beschützenswürdig", verbesserte Tyr. "Wie könnte ich zulassen, dass Dich ein anderer Mann berührt oder gar begehrt? Wehret den Anfängen, heißt es. Wenn ich so lange warte, bis dieser Verjar Dein Herz erobert hat, werde ich das Nachsehen haben."
"Herrgott, Tyr! Andrem Verjar wird mein Herz nicht erobern. Weil es Dir gehört."
Tyr kam näher, umfasste sanft Dylans Arme. Der Blick, mit dem er jetzt in Dylans Augen schaute, war weich. Weich und liebevoll. "Deshalb verhalte ich mich so, wie ich es tue. Eben damit er es nicht erobert."
Dylan atmete leise seufzend aus. Er verstand Tyr nicht. Doch er akzeptierte, dass Tyr gute Gründe haben musste für sein Verhalten.
"Also schön, Tyr. Aber bitte denke dabei auch an mich. An meinen guten Ruf als Captain eines Ehrengarderaumschiffs. Und daran, mich nicht vor der Crew zu....... blamieren."
"Ich blamiere Dich nicht", versprach Tyr. Seine warmen Hände umfassten Dylans Gesicht, und er hauchte einen Kuss auf Dylans Lippen. "Ich liebe Dich. So sehr, wie Du es nie begreifen wirst. Es ist Menschen nicht möglich, nachzuvollziehen, was Nietzscheaner empfinden, wenn sie lieben. Wirklich lieben."

+++++++

Nein.
Dylan verstand Tyr in der Tat nicht.
Und am allerwenigsten verstand Dylan, wieso das Auftauchen des anderen Mannes seinen Partner derart aus der Fassung brachte, dass er in dieser Nacht keine Anstalten machte, sein Versprechen einzulösen, das er Dylan am Nachmittag gegeben hatte. Zu jenem Zeitpunkt war es Tyr nicht schnell genug gegangen. Es hätte nicht viel gefehlt und er wäre im Korridor der Andromeda über Dylan hergefallen.
Nun auf einmal schien Tyr die Lust vergangen zu sein, und das nur, weil er sich einbildete, Dylan könnte sich von ihm ab- und Andrem Verjar zuwenden. Woran Dylan überhaupt kein Interesse hatte. Seine Beteuerungen indessen halfen nicht, Tyrs Stimmung zu verbessern, und so war Dylan schließlich nach dem Austausch harmloser Liebkosungen unberührt eingeschlafen, das Gesicht auf Tyrs Brust gelegt, ohne zu erfahren, was Nietzscheaner nun eigentlich über die Stimulation einer gewissen Drüse bei menschlichen Männern wussten.
Wenigstens hatte Tyr seinen Geliebten in eine zärtliche Umarmung geschlossen, und seine warme, starke Hand ruhte schutzgebend auf Dylans Wange. Er küsste Dylan hin und wieder zärtlich, ohne dass der Schlafende es merkte. Auf die Stirn. Aufs Haar.
Und voller Besorgnis lauschte Tyr Anasazi auf den Schlag seines nietzscheanischen Herzens, das geradezu schmerzlich erfüllt war von der Liebe und Zuneigung, die er für den Menschen empfand.
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