Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

As Deep As Only True Love Can Be

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Dylan Hunt Tyr Anasazi
20.04.2014
20.04.2014
9
15.799
2
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
20.04.2014 1.991
 
"Kommunikationskanal zu dem verfolgten Schiff", verlangte Dylan wie gewohnt diensteifrig, als er mit Tyr auf das Kommandodeck kam. Nichts deutete darauf hin, dass der Captain wenige Augenblicke zuvor in Tyrs Armen gelegen und innige Küsse von dem Nietzscheaner empfangen hatte. Und Dylans köstliche Hand hatte Tyr erst losgelassen, als die Tür zum Kommandodeck schon aufging, und es war dem Nietzscheaner alles andere als leicht gefallen.
"Geschaltet, Captain", antwortete der Avatar des Raumschiffs kühl.
"Hier spricht Captain Dylan Hunt vom Ehrengarde-Raumschiff Andromeda Ascendant. Offenbar sind Sie in Schwierigkeiten. Identifizieren Sie sich, wenn Sie unsere Hilfe wünschen."
Das Gesicht eines überaus gutaussehenden Mannes erschien auf dem Panoramaschirm der Andromeda. Sein hellbraunes Haar reichte ihm bis zu den Schultern, der Schnurrbart war gepflegt und die grünen Augen verrieten Charakterstärke.
"Mein Name ist Andrem Verjar. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, Captain Hunt!"
"Warum werden Sie verfolgt?"
"Ich transportiere Medikamente zu einem Planeten. Die Medikamente sind wertvoll und daher schnell zu Geld zu machen."
Der Mann ist ehrlich, entschied Dylan spontan.
Beka Valentine bestätigte ihm seine Einschätzung. "Ich kenne das aus meiner Zeit als Pilotin der Eureka Maru. Sobald man Fracht an Bord hat, die sich einfach und überall verkaufen lässt, wird man schneller zum Freiwild, als es einem lieb ist."
Dylan schaute zu Beka hinüber. "Sind Sie also der Meinung, dass dem Mann geholfen werden sollte?"
"Absolut. Wenn wir nichts tun, werden sie ihn jagen, bis sie ihm die Fracht abgenommen haben."
"Tyr! Warnfeuer auf die Verfolger", befahl Dylan. "Keine Treffer! Sie sollen nur Angst kriegen."
"Wie Du meinst, Dylan."
Aufgrund seiner Konzentration auf die Situation und wie sie am besten im Griff zu behalten war, damit niemand zu Schaden kam, bemerkte Dylan nichts von den skeptischen Blicken, mit denen Tyr das Geschehen verfolgte. Seine Warnschüsse waren dennoch geschickt platziert. Nach wenigen Minuten hatten die Verfolger begriffen, dass sie gegen ein Geschützfeuer der Andromeda keine Chance hatten und drehten ab.
"Danke, Captain, vielen Dank!" Das attraktive Gesicht des Geretteten erschien wieder auf dem Schirm. "Ich stehe in Ihrer Schuld!"
Zuvorkommend, wie es seine Art war, winkte Dylan ab. "Unsinn! Kommen Sie an Bord. Bei einem gemeinsamen Abendessen können wir Erfahrungsaustausch betreiben."
"Um Himmels willen, ich will Sie nicht behelligen......" wehrte der Eingeladene aus Höflichkeit ab, doch natürlich ließ Dylan das nicht gelten.
"Bitte tun Sie uns den Gefallen. Wir haben selten Gäste auf der Andromeda. Meine Crew und ich freuen uns über Ihre Gesellschaft."
Der Mann lächelte. "Na schön. Dann freue ich mich ebenfalls."
"Beka Valentine wird Sie in einen Hangar einweisen. Wir sehen uns dann."
Andrem Verjar lächelte dankbar, dann verschwand sein Gesicht vom Bildschirm.

+++++++

Wenn Dylan Tyrs seltsame Mißgestimmtheit auffiel, dann höchstens dadurch, dass Tyr ungewohnt schweigsam war, während sie nebeneinander zum Hangardeck gingen, um ihren Besucher in Empfang zu nehmen.
Als der Mann schließlich vor ihnen stand, wurde das Gefühl geradezu handgreiflich. Dylan kannte Tyr gut genug um zu merken, wenn sein Partner angespannt war.
"Ich bin Dylan Hunt. Willkommen an Bord!"
Dylan hielt dem Neuankömmling die Hand hin, die dieser sofort ergriff, formvollendet höflich und beinahe etwas zu galant. Zu Dylans Überraschung verbeugte er sich auch noch vor ihm, gerade wie ein Adliger, der einer Lady den Hof machte. Fehlte nur noch der Handkuss.
"Bitte nennen Sie mich Andre. Ohne "m". Das ist einfacher."
"Nur, wenn Sie mich Dylan nennen."
"Es ist mir eine Ehre! Und vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft."
Dylan fürchtete, Andrem würde seine Hand nie mehr loslassen, und eine peinliche Befangenheit ergriff ihn. Da ließ der andere Mann jedoch zu seiner Erleichterung von ihm ab, um Tyr anzuschauen.
"Tyr Anasazi", stellte Dylan seinen Partner vor, und seine Erleichterung wich unangenehmer Verlegenheit, denn Tyr starrte Andrem an, als wollte er den Mann mit seinem Blick niederstrecken.
Die Kälte in Tyrs Augen war Dylan völlig fremd. Jedenfalls war dieser Blick kein Vergleich mit den Blicken, die Dylan von Tyr geschenkt bekam, insbesondere während ihrer intimen Begegnungen.
Aber was fast noch viel schlimmer war: Andrem starrte ebenso böse zurück. Dylan fühlte erneut Befangenheit aufkommen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Vielleicht waren sich die beiden Männer schon einmal begegnet und hatten keine guten Erinnerungen aneinander.
"Tyr?" sagte Dylan hilflos, weil er nicht wusste, wie er die Situation auflösen sollte. Er hoffte, seine Stimme würde Tyrs Verhalten normalisieren. "Ich glaube, unser Gast würde sich über eine Begrüßung freuen."
"Willkommen", sagte Tyr emotionslos.
"Ich danke Ihnen, Mr. Anasazi."
Andrem Verjar deutete ganz kurz eine gönnerhafte Verbeugung an. Anschließend schaute er Dylan an. "Ich wusste nicht, dass die Ehrengarde solch gutaussehende Captains beschäftigt."
"Oh......." Dylan lachte hilflos. Es hätte nicht viel gefehlt, und er wäre errötet. "Das.......äh....... gilt auch für Frachtraumschiffpiloten."
Tyr trat plötzlich einen Schritt zur Seite und stellte sich halb vor Dylan, wobei er seinen unverwandten, drohenden Blick in die Augen des anderen Mannes wieder aufnahm.
"Um irgendwelchen Missverständnissen vorzubeugen", sagte der Nietzscheaner mit jener extrem ruhigen, gelassenen Stimme, von der Dylan wusste, sie signalisierte in Wirklichkeit höchste Kampfbereitschaft. "Dylan gehört mir."
Mit einem Kopfnicken deutete Andrem Verjar an, Tyrs Äußerung zur Kenntnis genommen zu haben. Gleichzeitig umspielte ein sarkastisches Lächeln seine Mundwinkel.
Dylan war Tyrs Verhalten peinlich. Er schob seinen Partner sanft zur Seite, um wieder ungehinderte Sicht auf den Gast zu bekommen. "Äh....... tut mir leid, Andre. Tyr wollte Ihnen nur einen angenehmen Aufenthalt wünschen."
"Ist schon in Ordnung, Dylan", erwiderte Andrem gelassen. "Ein Mann ohne Stolz ist kein Mann."
Da er sich nicht sicher war, wie die Äußerung gemeint war oder worauf sie sich bezog, lächelte Dylan nur, hilflos und höflich.
"Ich kann Sie nur warnen!" sagte Tyr da, und Dylan bekam das ungute Gefühl, es würde nicht mehr lange dauern, bis ein offener Konflikt zwischen den beiden Männern ausbrach. Ein Konflikt, dessen Ursache Dylan schleierhaft war, hatte er doch nichts weiter getan, als Andrem Verjar aus einer lebensgefährlichen Situation zu helfen.
"Sparen Sie sich Ihre Drohungen, Mr. Anasazi", erwiderte Andrem Verjar, wobei er den Namen betonte. "Sie wissen genau, sie sind überflüssig."
"Ich bin auf diesem Schiff zu Hause, und ich drohe, solange es mir passt."
"Also, ich würde vorschlagen, wir ziehen uns erst einmal in unsere Kabinen zurück und treffen uns später zum Dinner auf dem Aussichtsdeck", beeilte sich Dylan, die Situation zu entschärfen. Er fasste nach Tyrs Schulter und schob ihn sanft von dem Besucher weg. "Beka zeigt Ihnen ein Quartier, wo Sie sich frisch machen können."
"In Ordnung, Dylan. Danke."
Andrems Lächeln war liebenswürdig, und es fiel Dylan tatsächlich schwer, den Blick von dem attraktiven Gesicht zu nehmen.
Schließlich aber gelang es ihm. Schweigend ging er neben Tyr her bis zu ihrem gemeinsamen Quartier. Und er wartete sogar geduldig, bis sich die Tür hinter ihnen schloss.

+++++++

"Okay, Tyr." Dylan wandte sich seinem Partner zu und schaute ihn auffordernd an. "Du schuldest mir eine Erklärung."
"Wofür?"
"Für Dein ungebührliches Benehmen eben. Was zur Hölle sollte das?"
Tyr lächelte. "Weißt Du eigentlich, dass Du unglaublich anziehend auf mich wirkst, wenn Du Dich aufregst?"
"Lenk’ nicht vom Thema ab! Kennst Du Andrem Verjar?"
"Woher soll ich ihn kennen?"
"Das frage ich Dich!"
Tyr spielte den Arglosen. "Ich kenne diesen Mann nicht. Nie vorher gesehen."
Tyrs zur Schau gestellte Lässigkeit ärgerte Dylan. "Und wie kommst Du dann dazu, einem Mann, den Du noch nie gesehen hast, und den ich gebeten habe, mein Gast zu sein, derart unfreundlich zu begegnen?"  
"Ich bin ihm nicht unfreundlich begegnet. Ich habe nur Fronten geklärt."
Dylan wirkte, als verlöre er jeden Moment die Geduld. "Welche Fronten?"
Tyr atmete hörbar aus und rieb mit den Fingern über seine Stirn. "Okay. Du kannst das nicht wissen. Du bist kein Nietzscheaner. Ich mache Dir keinen Vorwurf."
"Was kann ich nicht wissen?"
"Dieser Kerl will Dir an die Uniform, und ich werde einen Teufel tun, das zuzulassen."
Die Behauptung überraschte Dylan, obwohl ihm in der Tat nicht entgangen war, dass Andrem Verjar durch seine Komplimente mit ihm zu flirten versucht hatte.
"Wie kannst Du das einfach so behaupten? Er hat ein bisschen übertrieben mit seiner Höflichkeit mir gegenüber, na und? Um eine solche Bagatelle muss man keinen Aufstand machen." Dylan trat einen Schritt näher und sah Tyr tief in die dunkelbraunen Augen. "Und darf ich bitte erfahren, was die Aussage `Dylan gehört mir´ genau bedeuten soll? Ich will nicht hoffen, dass Du mich als eine Art Besitz oder Trophäe betrachtest, Tyr. Das würde mich an Deinen Gefühlen für mich zweifeln lassen, und zwar sehr."
"Dylan." Tyrs Stimme war geduldig und leise. Er umfasste Dylans Oberarme und zog ihn sanft zu sich hin. "Dass ich das gesagt habe, gründet auf meinen Gefühlen für Dich. Gefühlen, die so viel tiefer sind, als ich es Dir zeigen kann. So viel tiefer, als Du es Dir vorstellen kannst! Ich liebe Dich so sehr, ich würde mein Leben für Dich geben. Und bevor ein Nietzscheaner das für jemanden tut, muss verdammt viel Gefühl im Spiel sein. Du kannst nicht erwarten, dass ich zulasse, Dich kampflos an einen Nebenbuhler zu verlieren."
Die Worte, die ein Geständnis seiner Liebe für ihn beinhalteten, ließen Dylan nicht unberührt. Er bemühte sich um Verständnis für Tyrs Verhalten, wenn es ihm auch unpassend erschienen war.
"Du wirst mich nicht verlieren, Tyr", versicherte er aufrichtig. "Weder an Andrem Verjar noch an irgendwen sonst. Solange Du mich liebst und mich in Deinem Leben haben willst, werde ich zu Dir gehören. Nur zu Dir, Tyr."
Tyrs warme Finger legten sich zärtlich unter Dylans Kinn. "Du weißt nicht, was es bedeutet, wenn ein Nietzscheaner liebt. In der Liebe sind Nietzscheaner nicht vernünftig. Sie erkennen nicht, wenn sie nicht gewollt werden oder bei jemandem keine Chance haben. Sie sind so gepolt. Nietzscheaner sind wie wilde Tiere. Wollen sie jemanden, kämpfen sie bis aufs Blut darum. Ungeachtet aller Folgen, die ein solches engstirniges Verhalten haben kann."
Dylans große, blaue Augen schauten Tyr geradezu hilflos an. "Was meinst Du damit, Tyr?"
"Ich meine damit, dass Andrem Verjar Dich haben will, und er wird alles daran setzen, Dich zu bekommen."
"Das ist Unsinn", sagte Dylan leise, doch es klang keineswegs überzeugt. "Ich werde ihm schon klarmachen, dass ich kein Interesse habe."
"Ich sage ja, Du verstehst das nicht", wiederholte Tyr, wobei seine Finger über die Unterseite von Dylans Kinn streichelten. "Mit einem Menschen würdest Du vielleicht fertig werden. Aber andere Rassen verhalten sich eben anders, wenn es um die Paarung geht."
Dylans ohnehin eindrucksvolle Augen schienen noch größer zu werden, während er Tyr fixierte. "Willst Du damit sagen, Andrem Verjar ist....... kein Mensch?"
"Du hättest ihn vielleicht besser nach seiner Rasse fragen sollen, bevor Du ihn an Bord geholt hast", erwiderte Tyr mit vorwurfsvollem Blick.
Dylan schaute ihn fragend an, bis Tyr fortfuhr. "Andrem Verjar ist ein Nietzscheaner. Und er will Dich. Ich habe es in seinen Augen gesehen. Du hast mir einen Nebenbuhler beschert. Nun werde ich es schwer haben. Verdammt schwer."
Dylan schüttelte nachdrücklich den Kopf. "Ich liebe Dich, Tyr. Du hast von ihm nichts zu befürchten."
Tyr schwieg einen Moment, erwiderte stumm Dylans Blick.
"Oh doch", sagte er, und es klang traurig und unheilvoll zugleich. "Ich habe eine ganze Menge zu befürchten."
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast