Golden Week

GeschichteAllgemein / P12
Hikaru Shindou Ogata
18.04.2014
18.04.2014
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Titel: Golden Week
Autor: mistress-of-chaos
Pairing: keins, Shindou Hikaru, Ogata Seiji
Genre: comfort
Rating: p12
Zusammenfassung: Ein Jahr nachdem Sai verschwunden ist nimmt Hikaru erneut an einem Go-Wochenende teil.

Disclaimer: Die Rechte an den Charakteren und der Welt des Animes/Mangas liegen nicht bei mir. Ich möchte mit dem Verfassen dieser Geschichte keinerlei Rechte verletzen und erhalte hierfür auch kein Geld.



Der Bus hielt vor dem Hotel. Ein großes Banner über dem Eingang sagte 'Willkommen zum Go-Wochenende'. Mit einem leisen Zischen öffneten sich die Bus-Türen und die Fahrgäste stiegen aus. Einer von ihnen, ein Teenager mit dunklen Haaren und blondem Pony, blickte unsicher auf das Hotel. Er war bereits vor einem Jahr auf diesem Go-Wochenende gewesen. Nervös kaute er auf seiner Unterlippe herum.

Innerlich sprach er sich Mut zu, dann betrat Hikaru Shindou das Hotel. In der Lobby ging er auf die Rezeption zu.

"Hallo", begrüßte er die junge Hotelangestellte, die an der Anmeldung stand. "Ich bin Shindou, erster Dan."

"Ah, Shindou-kun", sie blätterte durch ihre Unterlagen. "Sie haben Zimmer 723, zusammen mit Saeki-san."

"Vielen Dank." Hikaru strahlte die Frau an. Wenigstens kannte er seinen diesjährigen Zimmergenossen. Er mochte den Älteren wirklich, auch wenn Saekis Sinn für Humor oft gewöhnungsbedürftig war.

Jetzt würde er als erstes seinen Rucksack auf das Zimmer bringen, beschloss Hikaru. Neugierig blätterte er durch die Papiere, die er zusammen mit der Schlüsselkarte erhalten hatte.

Das Rahmenprogramm, 'Mist … schon wieder Ogata-san.' Die Essenszeiten, das war ganz wichtig. Ganz unten fand der junge Go-Spieler was er suchte. 'Endlich, der Hotelplan.'

Mit Hilfe dieses Planes machte sich Hikaru auf die Suche nach seinem Zimmer. Wenig später erreichte er sein Ziel. Nachdem er seinen Rucksack in eine Ecke des Zimmers gepfeffert hatte, streckte er sich erst einmal.

"Zeit, etwas Go zu spielen", mit einem Grinsen im Gesicht kramte Hikaru erneut nach seinem Programm. Schließlich wollte der junge Spieler wissen, wann er selbst an der Reihe war.

Nachdem Hikaru das Programm und die Uhr seines Handys überprüft hatte, hatte er es sehr eilig. Er musste in zehn Minuten in der Veranstaltungshalle sein. Hastig griff sich Hikaru die Schlüsselkarte und verließ das Hotelzimmer.

Die Übungsspiele machten ihm einen Heidenspaß. Auch wenn seine Gegner nicht wirklich gut waren. Während einer kurzen Pause traf er auf seinen Zimmerpartner und konnte den Älteren  begrüßen.

"Hallo, Saeki-san."

"Hey Shindou! Na, alles klar bei dir?"

"Alles super. Ich bin ja nicht zum ersten Mal bei diesem Wochenende dabei."

Nachdem sich die beiden jungen Männer noch ein wenig unterhalten hatten, wandten sie sich wieder den Go-Brettern zu. Hikaru merkte nicht, wie die Zeit verflog. Erst als die Gäste sich langsam für die Nacht zurückzogen, trennte sich auch der junge Profi von den Steinen.

Während Hikaru seine Muskulatur ein wenig lockerte, sah er sich nach Saeki um. Er entdeckte den Silberhaarigen in der Lobby, wo er mit Ashiwara und einigen anderen Spielern in seinem Alter diskutierte. Sah so aus, als hätte Hikaru das Zimmer erst einmal für sich selbst. Mit einem Kopfschütteln verließ der junge Spieler die Halle.

Während er durch die Gänge streifte, ließ er seine Gedanken wandern. Letztes Jahr war Sai noch an seiner Seite gewesen, hier in diesem Hotel. Im Alltag hatte er keine Probleme, trotzdem vermisste er den Geist noch immer. Er war so lange ein Teil von ihm gewesen. Und seit einem Jahr fehlte dieser Teil!

Er war so tief in seinen traurigen Gedanken versunken, dass er nicht auf seine Umgebung achtete. Als Hikaru wieder aufblickte, hatte er keine Ahnung wo er war.

"Kuso, wieso muss auch jeder Korridor gleich aussehen."

Verzweifelt drehte er sich einmal um seine Achse.

"Na super, jetzt hab' ich mich verlaufen", stöhnte er. 'Außerdem fühle ich mich miserabel', ergänzte er in Gedanken.

"Jetzt muss ich auch noch einen Weg hier raus finden", sagte er sich selbst. Er entschied sich spontan für eine Richtung und ging einfach weiter.



Zehn Minuten später wusste er immer noch nicht, wie er wieder auf sein Zimmer kam. Gelegentlich nahm er seine Schlüsselkarte und verglich die Nummer mit jenen, die an den Türen waren, an denen er vorbeikam.

Da er seine Augen fast immer auf dem Boden oder seine Schlüsselkarte gerichtet hatte, war Hikaru überrascht als er gegen ein Hindernis stieß. Vor allem, weil er ein "Uff…" hörte.

Erschrocken blickte er auf. Gerade noch rechtzeitig, um einen schwankenden Ogata vor dem Umfallen zu retten.

"Entschuldigung", kam es automatisch von Hikarus Lippen.

Der ältere Mann kniff seine Augen zusammen, so als ob er etwas klarer sehen wollte.

"Shindou? Bist das du?" Zusammen mit der Frage verließ der Geruch von Sake den Mund des Blonden.

"Sch…ande, Ogata-san sie sind betrunken!"

"Ich bin nich' betrunken! Höchstens ein klein wenig angeheitert." antwortete der Ältere schmollend.

"U-huh", Hikaru dachte sich seinen Teil dazu. "Nee, Ogata-san. Wo ist ihr Zimmer? Ich bringe sie dorthin." Der Jüngere stützte den leicht schwankenden Mann.

"Na sagen sie schon, Ogata-san. Wo ist ihr Zimmer. Sie sollten ihren Rausch ausschlafen."

"Ich will gegen Sai spielen!" Diese Worte trafen Hikaru völlig unvorbereitet. Bei ihren letzten Aufeinandertreffen hatte Ogata dieses Thema nicht mehr erwähnt.

Sofern es möglich war, fühlte er sich noch ein Stück miserabler. Der angetrunkene Mann nahm ihn an den Schultern und schüttelte ihn leicht.

"Ich will gegen Sai spielen, Shindou. Du weißt wer er ist, mach' dass er gegen mich spielt."

Entsetzt merkte Hikaru, dass ihm ein Kloß in der Kehle steckte. Ihm wurde alles zu viel. Er vermisste Sai, dieses Hotel war voller Erinnerungen und Ogatas Hartnäckigkeit machte alles nur noch schlimmer.

"Sai … ist … gegangen …" presste er heraus, bevor ihn seine Stimme verließ. Dann konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten.

Es dauerte eine Weile bis diese Information durch die Alkohol-Schwaden in Ogatas Hirn drang. Entsetzt starrte er auf den schluchzenden Jungen. Es kam ihm vor, als sei Hikaru kurz vor dem Zusammenbruch.

Unbeholfen tätschelte der Blonde dessen Rücken. Dabei blickte er sich suchend um und entdeckte, dass sein Zimmer nur zwei Türen entfernt war. Mühsam bewegte Ogata sich in diese Richtung. Er selbst war nicht wirklich sicher auf den Beinen und zusätzlich klammerte sich Hikaru an ihn.

Der Jüngere stolperte hinter ihm her, ohne auf den Weg zu achten. Als der Go-Profi die Zimmertür hinter sich schloss war er nur teilweise erleichtert. Er war nicht gut, wenn es um Emotionen ging. Aber wenigstens konnte ihn hier niemand mehr sehen. Stirnrunzelnd blickte Ogata auf seinen Klammeraffen. Er wusste nicht mehr weiter.

"Shindou. Würdest du mich bitte los lassen?" Die einzige Reaktion auf diese Frage war ein Verstärken des Klammergriffes. Mit einem Seufzen griff er nach seiner Brille. Bevor er sie abnahm warf er einen kurzen Blick durch den Raum. Da es bereits Abend war, war wenigstens der Futon schon ausgelegt.

"Na gut. Wenn du mich nicht loslässt, können wir uns wenigstens hinsetzen?" Bei diesen Worten tätschelte Ogata die Schulter des Jüngeren. Langsam bewegte er sich in die Richtung des Bettzeugs.

Dieses Mal bewegte sich Hikaru selbstständig. Unbewusst hatte er registriert, dass sein unfreiwilliger Teddybär klein beigegeben hatte. Nach einigem Ächzen und Stöhnen hatten es die Beiden geschafft und sie saßen mehr oder weniger bequem auf dem Futon.

Innerlich verfluchte Ogata seine aktuelle Situation. Er würde nur zu gerne wissen, welche Gottheit er verärgert hatte. Mittlerweile saß der Jüngere auf seinem Schoß und hatte den Kopf auf seiner Schulter abgelegt. Weil er nicht wusste wohin mit seinen Armen, legte Ogata sie locker um Hikarus Hüften.

Von Hikaru kam ein zufriedenes Seufzen. Die Gegenwart des Älteren war beruhigend. Langsam verließ die Anspannung seinen Körper und er glitt in einen ruhigen Schlaf.

Der blonde Mann sah den schlafenden Jungen in seinen Armen empört an. Was sollte er jetzt damit anfangen? Nachdem Ogata seine Möglichkeiten durchdacht hatte, akzeptierte er sein Schicksal für diese Nacht. Mit vorsichtigen Bewegungen legte er sich auf seinen Futon und schaffte es mit einiger Mühe die Decke über sie zu ziehen. Nachdem er etwas herumgerutscht war fand der Blonde auch eine halbwegs bequeme Liegeposition.

Eigentlich hatte Ogata die Absicht wach zu bleiben. Doch nachdem die erste Aufregung jetzt vorbei war erinnerte sich sein Körper an den genossenen Alkohol. Es dauerte nicht lange bis der Go-Profi ebenfalls weggedämmert war.



Der nächste Morgen begann früh für Hikaru. Nachdem er von der Sonne geweckt worden war, war er zunächst etwas orientierungslos. Müde versuchte er seine Augen zu öffnen.

Er brauchte eine Weile, bis er seine Umgebung erkennen konnte. Dann erstarrte Hikaru. Nur wenige Zentimeter vor sich konnte er das Gesicht des schlafenden Ogata Seiji sehen!

Langsam erinnerte sich Hikarus Gehirn daran wo er war und was am Abend zuvor geschehen war. Er konnte fühlen wie sich das Blut in seinen Wangen sammelte. Nachdem ihm bewusst wurde, in welcher Position er sich befand, versuchte er aufzustehen.

Das wurde schwieriger, als er angenommen hatte. Ogata hatte seine Arme fest um ihn geschlungen und hielt ihn fest. Außerdem fühlte er sich warm und sicher in dieser Umarmung. Trotzdem musste er sich aus dieser Situation lösen. Seufzend versuchte er sich aus den Armen des Älteren zu winden.

Da der Blonde einen ziemlich festen Griff hatte, musste er sich anstrengen. Dabei merkte Hikaru, wie der Andere aufwachte. Gebannt sah er zu, wie sich die silbergrauen Augen langsam öffneten.



Mühsam wachte Ogata auf. Dieses träge, wattige Gefühl in seinem Kopf war ungewohnt. Mit Verzögerung kam ihm 'Kater, das wird es sein' in den Sinn. Aber weshalb war er bei Bewusstsein, wenn er noch immer so erschöpft und durcheinander war?

Jetzt registrierte Ogata auch das Gewicht, das auf ihm lag und sich bewegte. Da hatte er den Grund, warum er aufgewacht war. Ogata blinzelte, um sein unscharfes Sichtfeld etwas zu fokussieren. Der Blonde blickte direkt in ein Paar entsetzte dunkelgrüne Augen. Wieso, verdammt noch Mal lag Shindou Hikaru auf ihm?!

"Ogata-san. Würden sie mich bitte loslassen?" fragt der Jüngere zögernd.

Der blondhaarige Mann blinzelte verwirrt. So zurückhaltend kannte er den Jüngeren nicht. Er kannte Shindou als einen frechen und ziemlich selbstbewussten jungen Mann.

Trotzdem sah er einen weinenden Hikaru vor seinem inneren Auge, waren das Erinnerungen an die vergangene Nacht?

Bei diesen Gedanken lockerte sich der Griff seiner Arme, er bemerkte wie sich der Jüngere vorsichtig von ihm löste. Dieser schien sich zu schämen, so Rot wie Hikarus Gesicht war.

Langsam stand Hikaru auf. "Ich sollte jetzt gehen. Entschuldigung für letzte Nacht."

Ogata registrierte die kurze formale Entschuldigung mit Erstaunen. Genauso wie die Verbeugung, die darauf folgte. Etwas steif stand der blonde Mann auf. Unsicher streckte er die Hand nach dem Jüngeren aus.

"Ich…", setzte er mit dem Sprechen an. Aber seine Stimme war noch ganz rau vom Schlafen.

Er räusperte sich kurz. "Wenn ich mich korrekt erinnere, bin ich derjenige, der um Verzeihung bitten muss. Ich hätte dich letzte Nacht nicht so in die Ecke drängen sollen, vor Allem, weil du nur versucht hast mir zu helfen. Es tut mir ehrlich leid."

Während diesem Monolog hob Hikaru verwirrt seinen Kopf. Damit hatte er nicht gerechnet. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er den anderen Mann an.

"Es war nicht ihre Schuld. Ich hatte mich schon den ganzen Tag nicht wohl gefühlt. Mit ihrer Aktion haben sie mich nur endgültig über die Kante geschubst." Traurig blickte Hikaru den Älteren an und holte tief Luft. "Sai war mein Mentor. Er hat diese Welt vor einem Jahr verlassen. Ich vermisse ihn wirklich, wirklich sehr."

Auch ohne Brille konnte Ogata das traurige Gesicht sehen und die Einsamkeit, die in den dunkelgrünen Augen schimmerte. Unsicher machte er einen Schritt nach vorne und legte seine Arme vorsichtig um den anderen Körper. Das war eine völlig ungewohnte Situation für ihn. Leicht strich er mit einer Hand über den Rücken des Jüngeren.

Für einen Augenblick erlaubte es sich Hikaru, sich in diese Umarmung fallen zu lassen. Er spürte, wie ihn ein Teil seiner Trauer verließ. Mit leichtem Widerwillen löste er sich schließlich von dem anderen Mann. Aus einer Laune heraus stellte er sich auf die Zehenspitzen und drückte einen kleinen Kuss auf die Wange des blonden Mannes.

"Vielen Dank, Ogata-san." Danach verließ er das Hotelzimmer.

Ogata selbst blieb erstarrt zurück. Ungläubig hob er eine Hand und strick damit über seine Wange. Es dauerte eine Weile, bis er sich aus seiner Erstarrung löste und sich für den Tag fertig machen konnte.

OWARI