Just a day in Alicante

GeschichteAllgemein / P12
Alexander "Alec" Gideon Lightwood Clarissa "Clary" Adele Fray / Fairchild Isabelle "Izzy" Sophia Lightwood Jonathan Christopher "Jace" Herondale Jonathan Christopher "Sebastian" Morgenstern Maxwell "Max" Joseph Lightwood
18.04.2014
18.04.2014
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Just a day Alicante


Stille lag über dem großen Haus, dass die Familie Lightwood während ihrer Zeit in der Hauptstadt von Idris, dem Land der Schattenjäger, bewohnte. Alicante. Die Stadt der Schattenjäger, geschützt von den leuchtenden Dämonentürmen.

Die Stadt war wunderschön und ließ nichts von der drohenden Gefahr erahnen, von der jeder wusste, dass sie bald kommen würde. Max war das alles im Moment schnurzpiepegal. Er langweilte sich. Seine Eltern und die Penhallows waren in irgendwelchen Ratsangelegenheiten unterwegs, genau wie Alec. Izzy war mit Sebastian aus und Jace trieb sich wer weiß wo rum… Einzig Clary hockte im Erdgeschoss auf einem Sofa, die Füße baumelten über der Armlehne, in der Hand hatte sie ein Buch. Max wanderte jetzt schon seit gefühlten Ewigkeiten in der oberen Etage auf und ab, mal mit einem Comic in der Hand, mal versuchte er, mit seinem kleinen Soldaten zu spielen, den Jace ihm damals geschenkt hatte. Doch es half nichts, er war so ruhelos wie ein Heuschreckenschwarm.

Zum wiederholten Mal hockte er sich vor die Streben, die das Treppengeländer hielten und beobachtete Clary durch sie hindurch. Er hatte versucht, sie zum Spielen zu bewegen, aber sie hatte ihm gar nicht zu gehört! Beleidigt war Max nach oben gestampft und hatte seine Zimmertür hinter sich zugeknallt – sollte sie doch sehen, was aus ihr würde! Bereits im nächsten Moment hatte er sie wieder aufgerissen. Und damit hatte seine Wanderung durch das Haus begonnen. Er hatte alle Zimmer sorgfältig abgeklappert – von der kleinen Bibliothek, bis hin zu den Zimmern seiner Familie und denen der Penhallows. Er hatte sich auf Alec‘ Bett geworfen und es total unordentlich gemacht, und dann das Gleiche bei Jace gemacht. Nur das ihn hier sofort das schlechte Gewissen gepackt hatte und er das sonst so ordentlich gemachte Bett wieder gerichtet hatte. Mehr oder weniger…

Letztendlich war er aber immer wieder dort gelandet, wo er jetzt war: am Geländer hockend und Clary beobachtend. Er hatte keine Lust mehr, hier eingepfercht herumzusitzen, während alle anderen unterwegs waren! Entschlossen stand er auf und stapfte mit festen Schritten die Treppe hinunter, wobei er möglichst viel Lärm machte, um Clary auf sich aufmerksam zu machen. Die jedoch schien tief versunken zu lesen und hatte alles um sich herum vergessen. Drohend baute er sich vor ihr auf und wartete darauf, von ihr bemerkt zu werden. Zu seinem großen Leidwesen reagierte sie nicht im Geringsten auf seine Anwesenheit. Entrüstet stütze er die Hände in die Seiten und versuchte, sich möglichst groß zu machen. Laut räusperte er sich und blickte dann Clary erwartungsvoll an. Wie eine Eule blinzelnd hob sie ihren Blick von dem Buch und endlich wurde sie seiner gewahr.

»Max? Ist irgendetwas?«

Empört sah Max sie an. Ob etwas war? Natürlich war etwas! Er langweilte sich zu Tode! »Komm schon, Clary«, bettelte er, »spiel du bitte etwas mit mir? Nur ganz kurz?« Flehend sah er sie mit seinen grauen Augen an und versuchte, so beklagenswert wie möglich auszusehen. Er sah ihre Unentschlossenheit in ihren Augen und jubelte innerlich bereits los, als sie bedauernd den Kopf schüttelte. »Nein, tut mir leid, aber ich habe einfach keine Lust, jetzt etwas zu spielen. Nachher, okay?«

Bittere Enttäuschung machte sich in ihm breit und geschlagen ließ er den Kopf hängen. »Okay«, murmelte er und wandte sich ab, um wieder ins obere Stockwerk zu gehen. Vielleicht würde er in der Bibliothek ja ein interessantes Buch finden… Buch… Bücher?

Max wirbelte herum und stürzte sich auf Clary. Entschlossen hüpfte er mit einem großen Sprung auf Clary, sodass alle Luft aus ihren Lungen mit einem leisen „Uff“ entwichen und ihr das Buch aus der Hand fiel. Mit einem polternden Laut landete es irgendwo aufgeschlagen auf dem Boden, doch das kümmerte Max nicht wirklich. Mit fröhlich funkelnden Augen spielte er seinen eben entdeckten Trumpf aus.

»Du hast mir mal versprochen, du würdest mit mir Comics kaufen gehen! Ja? Bitte bitte, du hast es versprochen!« Halb flehend, halb siegessicher lächelnd blickte er Clary erwartungsvoll an. Sie würde sich doch sicherlich daran erinnern? Clary protestierte. »Max, wir sind hier in Alicante und nicht in New York. Ich bezweifle, dass es hier irgendwo einen Comicladen gibt. «

»Doch, gibt es«, behauptete Max, »und ich weiß auch genau, wo.«

»Wirklich?«, zweifelte Clary, hatte sich innerlich jedoch schon längst geschlagen gegeben. Auch sie war es leid, nur hier herumzusitzen und nichts machen zu können, während alle anderen unterwegs waren. Sie verstand Max, und sie mochte den kleinen Kerl sehr. Was war schon dabei, sich ein wenig in der Stadt umzusehen? Zwar hatte sie hier auf Jace warten wollen, weil sie mit ihm reden wollte, doch da er eh nicht auftauchte…

Seufzend richtete sie sich auf und aufjubelnd sprang Max von ihr herunter. Sorgsam hob Clary das heruntergefallene Buch auf und klappte es zusammen, ohne sich die Seitenzahl zu merken. Es war nicht sonderlich interessant gewesen. Behutsam legte sie es zurück auf den Tisch, wo sie es gefunden hatte und wandte sich dann Max zu, der bereits dabei war, sich seine Schuhe anzuziehen. Clary hatte ihre gleich angelassen und musste sich jetzt nur noch ihre Jacke schnappen, dann war sie soweit. Auch Max hatte sich eine Jacke geschnappt und war erst halb drin, als er bereits ungeduldig wartend an der Tür stand und Clary mit seinen Blicken antrieb. Lachend öffnete Clary die Tür und trat in den hellen Sonnenschein.

Blinzelnd stand Clary kurz da, geblendet nach dem dämmrigen Licht im Haus, doch ihre Augen gewöhnten sich rasch an die neuen Lichtverhältnisse. Erwartungsvoll sah sie Max an, um von ihm zu erfahren, wohin sie sich wenden mussten. Der überlegte nicht lange sondern hüpfte fröhlich auf die Straße und drehte sich dann wieder um. »Wo bleibst du denn?«, rief er Clary zu. Clary lachte und folgte ihm den gepflasterten Weg hinunter. Schon bald kamen sie in ein Gebiet, in dem Clary noch nicht gewesen war. Staunend blickte sie an den kunstvoll geschmückten Fassaden der Häuser hoch und bestaunte die Farbenpracht der Blumen, die in Körben an Fenstern und Laternen wuchsen. Efeu rankte sich an vielen Häusern empor, und irgendwo plätscherte ein kleiner Bach entlang, wie Clary den gluckernden Geräuschen entnahm. Es juckte sie in den Fingern, stehen zu bleiben und ein besonders hübsch aussehendes Gebäude zu zeichnen, an dem sie gerade vorbeiging. Ein Schild über der Tür verkündete Harrys Antiquitätenladen. Auf den Straßen war erstaunlich wenig los, kaum jemand kam Clary und Max auf ihrem Weg entgegen und wenn, dann hasteten sie eilig weiter, ohne die beiden zu beachten.

Max war das freilich alles ziemlich egal. Er genoss es einfach, raus aus dem stickigen Haus zu sein und er genoss die warme Nachmittagssonne. Fröhlich schlenderte er mit Clary hinter sich durch die Stadt. Aufmerksam beobachtete er seine Umgebung, damit er ja nicht die kleine Abzweigung verpasste, die ihn zum Buchladen bringen würde. Seine Mutter hatte ihn bei ihrem letzten Besuch in Alicante mit in den kleinen Laden genommen und Max hatte sich gleich in ihn verliebt. Der Duft von neuen, aber hauptsächlich alten Büchern in dem Laden hatte etwas, das Max geradezu magnetisch anzog und er freute sich schon darauf, den alten Mann wiederzusehen, der ihn letztes Mal so freundlich herumgeführt hatte. Vor sich hin summend lief er weiter voraus und schaute nur hin und wieder über die Schulter um zu kontrollieren, ob Clary noch da war.

Kritisch beobachtete er, wie sie langsam die Straße entlanglief und die Häuser musterte, als würde sie sie am liebsten mitnehmen. Ungeduldig wartete er an der Abzweigung, die sie zum Laden bringen würde, und endlich schloss Clary zu ihm auf. Erwachsene, echt…

»Du kannst ja später noch einmal vorbeikommen, und dann kannst du auch die Häuser zeichnen, wenn du das so sehr willst«, schlug er vor. Clary war ein wenig verblüfft. Sah man das ihr so deutlicht an? Mal wieder konnte sie den Scharfsinn des Kleinen nur bewundern.

»Wir befinden uns im Krieg, Max, das ist wohl kaum die Zeit, um sich Gedanken über ein paar schöne Häuser zu machen«, sagte sie mit leichtem Bedauern in der Stimme.

»Wenn du meinst.« Gleichgültig zuckte Max mit den Schultern, bevor er Clary weiterwinkte. »Komm, wir sind fast da! Gleich hinter der Ecke da ist es!«

Er rannte in die dunklere, deutlich schmalere Gasse und bog dann in einen Seitengang rechts ab. Clary folgte ihm mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen. War die Straße vorhin noch breit und lichtdurchflutet gewesen, so war es hier schmal und schattig. Fröstelnd beeilte sie sich, zu Max aufzuschließen, der bereits vor dem Schaufenster eines reichlich antik aussehenden Buchladens stand. Hier schien wieder die Sonne hin und beleuchtete die Auslage hinter der großen Scheibe. Alte Folianten, die teilweise schon sehr mitgenommen aussahen, aber auch neuere Bücher, von Romanen bis hin zu Lehrbüchern für Schattenjäger. Max bestaunte grade eine aufgeschlagene Seite mit einer Abbildung von Raziel, wie er aus einem See aufsteigt und dabei ein Schwert und einen Kelch in der Hand hält. Clary erkannte die Gegenstände auf einen Blick: Es waren die Engelsinsignien, die der Erschaffer der Schattenjäger seinen Kindern überlassen hatte und die sich nun in Valentins Besitz befanden.

Übermütig lief Max zu der kunstvollen Eichentür und wollte grade nach dem geschwungenen Messinggriff greifen, um sie zu öffnen, als sie plötzlich aufschwang und fast Max traf, der sich im letzten Moment mit einem Satz zurück vor der massiven Tür retten konnte.

»Vielen Dank für die Auskünfte, Mister Runeworld. Einen schönen Tag Ihnen noch«, sagte ein junger, schwarzhaariger Mann mit nach hinten gewandten Kopf, bevor er sich ganz umdrehte und sich anschickte, aus dem Laden zu treten. Dann sah er Max und Clary und blieb überrascht stehen.

»Max, Clary, was macht ihr denn hier?«, fragte er und sieht Max verwirrt an. »Solltest du nicht zu Hause sein? Und du bei Amatis, Clary?«

»Ich wollte mit Jace sprechen«, begann Clary zu erklären, doch Max unterbrach sie.

»Wir wollten Comics kaufen gehen!«, strahlte er seinen großen Bruder an, der Clary überrascht mit seinen strahlend blauen Augen ansieht.

»Du hast dich dazu breitschlagen lassen, Comics kaufen zu gehen? Und wo Jace ist, wissen die Geier. Der ist schon heute Morgen ohne eine Nachricht zu hinterlassen verschwunden« Miesbilligend schüttelte Alec seinen Kopf. »Man sollte meinen, er würde zumindest mir, seinem Parabatai, irgendwie Bescheid sagen… Aber so ist er wohl, rücksichtslos und glaubt nicht, dass es irgendjemanden kümmert, was mit ihm geschieht« Er wandte sich an Max. »Tut mir leid, Max, aber hier wirst du auch keine von deinen… Comics finden.«

»Weiß ich«, sagte Max nur und versuchte, sich an seinem Bruder vorbei zu quetschen, um in den Laden zu kommen, doch Alec versperrte ihm den Weg. »Lass mich durch, bitte!«, jammerte der kleine, doch sein Bruder schüttelte den Kopf. »Nein Max, Mr. Runeworld ist müde und krank, er kann es nicht gebrauchen, wenn du jetzt auch noch um ihn herumscharwenzelst. Lass ihn in Ruhe, morgen ist auch noch ein Tag.«

Max sah Clary mit einem so traurigen Hundeblick an, das sie nicht anders konnte, als zu versuchen, Alec umzustimmen, doch der wehrte ab. Max sah so niedergeschlagen aus, dass Clary ihn irgendwie unbedingt wieder aufmuntern wollte. Nur wie? Plötzlich kam ihr der rettende Einfall. »Max, wie wäre es, du und ich zusammen ein Eis? Ich kauf dir auch ein ganz großes, und morgen können wir ja noch einmal hier her kommen. Einverstanden?«

Max schaute unsicher zu Clary auf. »Was immer ich will?«

»Was immer du willst«, stimmte Clary zu und hielt ihm ihre Hand hin. Langsam kehrte das Lächeln auf sein Gesicht zurück und er ergriff Clarys Hand. »Worauf warten wir dann noch?«, jubelte er und stürzte los, Clary hinter sich her ziehend, nur um gleich wieder stehen zu bleiben. »Äh, wo gibt es denn hier einen Eisladen?«, fragte er ratlos und sah Clary an, die aber ebenfalls keine Ahnung hatte. Hinter ihnen seufzte Alec laut auf und trat dann zu ihnen. »Kommt mit, ich führ euch hin. Allerdings müssen wir vorher einen Abstecher zu diesem großen Brunnen machen, der hier in der Nähe steht. Ich wollte mich dort mit Isabelle und Sebastian treffen, um -« er sah auf sein Handy »oh Scheiße, jetzt! Kommt, beeilt euch!« Und damit rannte er los, die verdutzten anderen beiden im Schlepptau.

Max hatte Mühe, mit seinem Bruder und sogar mit Clary mitzuhalten. Seine kurzen Beine trommelten über den Boden und er musste aufpassen, dass er nicht über das unregelmäßige Kopfsteinpflaster stolperte. Sein Atem ging keuchend und er war bereits ziemlich erschöpft, doch Clary umklammerte seine Hand und zog ihn weiter. Unbeirrt hetzte Alec durch die Gassen, bog mal hier, mal da ab. Endlich öffnete sich die schummrige Gasse, in der sie liefen, zu einem weiten Platz, in dessen Mitte ein gewaltiger Springbrunnen stand und leise vor sich hin plätscherte. Alec verlangsamte seine Schritte, sodass Clary und Max atemlos zu ihm aufschließen konnten. Und er ist noch nicht einmal außer Atem, schoss es Clary durch den Kopf und ein leichtes Gefühl von Neid regte sich in ihr, als sie ihr eigenes, abgehacktes Keuchen wahrnahm. Aber das war noch nichts gegen den armen Max, der sich japsend eine Hand in die schmerzende Seite stütze und am liebsten zu Boden gesackt wäre. Nur sein Stolz und ein Gedanke an sein Vorbild, Jace, hielten ihn davon ab.

Alec sah sich um und atmete erleichtert auf. Scheinbar war er noch pünktlich, denn von Izzy und Sebastian war noch nichts zu sehen. Gemessenen Schrittes ging er auf den Brunnen zu, setzte sich auf den Rand und streckte seine Beine aus, die Hände in seinen Taschen.

»Dir ist schon bewusst, dass du Jace ziemlich nachmachst, wenn du dich so hinwirfst, oder?«, fragte Clary mit hoch gezogenen Augenbrauen und leicht spöttischem Blick. Alec zuckte mit den Schultern. »Na und?«, sagte er, zog seine Füße jedoch ein. Besorgt musterte er seinen erschöpften Bruder, als hätte er zuvor gar nicht bemerkt, wie schwer es für den Kleinen gewesen war, bei dem schnellen Tempo mitzuhalten. »Alles in Ordnung, Max?«

»Wa-? Ja sicher, alles klar«, antwortete Max tapfer und hüpfte neben Alec auf den Rand. Achselzuckend ließ Alec ihm das durchgehen, auch wenn er durchaus sah, dass Max‘ Atem immer noch sehr schnell ging. Doch etwas anderes hatte jetzt seine Aufmerksamkeit erregt: Da kamen seine Schwester Isabelle und Sebastian Verlac ja endlich! Die Köpfe zusammengesteckt kamen sie langsam aus einem weiteren Torbogen auf den Platz gelaufen. Sebastian schien irgendetwas sehr witziges zu erzählen, denn Isabelle lachte laut auf und hakte sich dann bei Sebastian ein. Ihre langen schwarzen Haare wehten ihr bei einem leichten Windstoß ins Gesicht und ungeduldig wischte sie sie fort. Ihre Augen hingen an Sebastian, der sie selbstbewusst angrinste und Komplimente zu ihrem tollen Aussehen machte. Isabelle weidete sich in seiner Bewunderung und konnte das Kompliment nur an den schwarzhaarigen Jungen neben ihr zurückgeben. Auch er sah verdammt gut aus… Auch wenn seine tunnelartigen schwarzen Augen, die sogar noch dunkler als ihre eigenen dunkelbraunen waren, ihr manches Mal kalte Schauer über den Rücken jagten, die sie aber versuchte zu ignorieren.

Als sie ihren Bruder bemerkte, der in Begleitung von Max und Clary auf schon auf sie wartete, ließ sie Sebastian los und kam winkend auf sie zugelaufen. »Hey, wartet ihr auf wen?«, rief sie ihnen zu.

Lächelnd stand Alec auf und begrüßte seine Schwester. »Und ob wir das tun«, meinte er und nickte Sebastian zu, der mit den Händen in den Taschen seiner Jeans vergraben langsam auf sie zu geschlendert kam. »Hallo«, grüßte auch er, schwieg dann aber und ließ seinen Blick über die versammelten Leute wandern. Er blieb an Clary hängen, die plötzlich fröstelte und ihre Jacke enger an sich zog, als hätte sie einen kalten Luftzug gespürt. Unbehaglich drehte sie ihren Kopf und begegnete Sebastians Blick, wobei ihr der altbekannte Schauer von Unbehagen den Rücken hinunterrieselte, als er sie träge wie eine Katze, nein, wie ein Panther auf der Jagd, anlächelte. Schnell wandte sie sich wieder Izzy zu, die ziemlich begeistert ob des Planes, Eis essen zu gehen, war.

»Also los, worauf warten wir noch? Lass uns losgehen!«, rief sie fröhlich in die Runde und ergriff Max‘ Hand. Während die anderen ihr gut gelaunt und lachend folgten, beugte sie sich zu ihrem Bruder hinunter und fragte: »Und, was für ein Eis wirst du dir kaufen?«

Max überlegt kurz, auch wenn die Wahl eigentlich gar nicht so schwer war. »Schokolade und Cookie!«, teilte er ihr strahlend mit und leckte sich vor Vorfreude bereits die Lippen. Isabelle lachte glücklich. Es war viel zu lange her, dass sie sich so unbeschwert gefühlt hatte, so losgelöst und einfach glücklich. Wenn jetzt Simon noch… Nein. Sie verbot sich jeden Gedanken an den jungenhaften Vampir, der so unerfahren und in dieser Unerfahrenheit irgendwie süß war… Hör auf, Isabelle! Er hat nichts in denen Gedanken verloren!, schimpfte sie sich und unterhielt sich dann mit Max über die verschiedenen Eissorten und ihre Geschmäcker, um sich abzulenken. Hinter sich hörte sie, wie sich auch Alec, Sebastian und Clary über etwas unterhielten, doch über was, konnte Izzy nicht verstehen. Es interessierte sie eigentlich auch gar nicht, wenn sie ehrlich sein wollte.

Begeistert gab Max grade seine Vorliebe für Schokoladeneis zum Besten, als eine Stimme hinter ihnen ertönte, die nicht unbedingt nett war.

»Lass sie los, Sebastian«, kam es aus den Schatten einer Nebengasse. Sebastians Hand zuckte zurück; er hatte nach Clarys Hand greifen wollen, ließ das jetzt aber lieber bleiben. Stattdessen wandte er sich zu der körperlosen Stimme um. »Wenn mich nicht alles täuscht, bist das du, Jace. Willst du nicht langsam mal aus deinem Versteck kommen? Es ist albern, wie du Isabelle und mir schon seit zwei Stunden folgst«, sagte er gelangweilt. Man hätte meinen können, er redete über das Wetter, so wenig Interesse lag in seiner Stimme.

Gemächlich trat Jace aus dem Schatten, seine goldenen Augen schienen zu funkeln und bohrten sich in Sebastians schwarze. »Ich dachte mir schon, dass du mich bemerkt hast. Deine ganze Haltung hat Wachsamkeit ausgestrahlt, die ganze Zeit über. Warum? Wenn du sogar wusstest, dass ich es bin. Warum so nervös, Sebastian?«

Betont gleichgültig zuckte Sebastian mit den Schultern. »Warum, fragt er. Weil man sich nie sicher sein kann, nie seine Deckung vernachlässigen solle, vor allem nicht zu diesen Zeiten, wo einer der unseren sich gegen die Schattenjäger verbündet hat und im Begriff steht, Alicante anzugreifen. Darum«

Jace‘ Augen verengten sich zu Schlitzen, doch er erwiderte nichts mehr. Stattdessen heftete sein Blick sich auf Clary, die es heiß und kalt durchfuhr und ein drängendes Gefühl der Sehnsucht erfüllte sie. Sehnsucht nach ihm, nach seiner Wärme, seinen starken Armen um sie, seinen weichen Lippen. Doch das war verboten. Er war ihr Bruder, und nie wieder würde sie seine Gegenwart so genießen können, wie sie es damals an ihrem Geburtstag genossen hatte. Ein schmerzhafter Stich durchfuhr sie, und schnell wandte sie ihren Kopf ab, um ihn nicht länger ansehen zu müssen.

Sebastians Lippen kräuseln sich zu einem höhnischen Lächeln, doch er unterdrückt die Regung schnell und verwandelt es in ein charmantes, so, wie sein Vater es ihm beigebracht hatte. Mach, dass sie dir vertrauen, Jonathan. Bring sie dazu, dich zu mögen, und alles wird ganz einfach sein. Sie werden nicht einmal ahnen, dass der Verräter direkt unter ihnen ist! Wie recht sein Vater gehabt hatte, es war geradezu lächerlich einfach gewesen, sich als Sebastian Verlac auszugeben und das Vertrauen dieser Leute zu erschleichen. Einzig Jace schien etwas zu ahnen, denn der ließ ihn nicht aus den Augen. Wie lästig. Und von seiner Schwester war er auch bitter enttäuscht worden. Aber wenigstens seinen Gegenspieler konnte er so quälen…

Er ergötzte sich an der Wut, die ihn Jace‘ Augen aufloderte, als er seinen Arm um Clary legte und sie an sich zog. Dass ihr Körper sich augenblickblich versteifte und sie versuchte, sich zu befreien, kümmerte ihn nicht sonderlich. Jace presste seine Zähne zusammen. »Lass. Sie. Los. Jetzt!«

Sebastian wollte zu einer provokanten Antwort ansetzen, doch Clary kam ihm zuvor. Mit voller Wucht trat sie ihm auf den Fuß und traf dabei eine ziemlich empfindliche Stelle. Er schaffte es, keinen Mucks von sich zu geben, als er Clary losließ und sie sich zu Isabelle flüchtete, doch seine Kiefermuskeln spannten sich zornig an. Dieses Biest! Nur die Tatsache, dass die anderen noch dabei waren, hielt ihn von unbedachtem Handeln ab.

Jace sah ihn immer noch so an, als würde er ihn am liebsten erwürgen, doch jetzt hatte sich auch ein Hauch von Zufriedenheit in seinen Blick geschlichen. Das war sein Mädchen! Seine… Schwester, korrigierte er sich und fühlte dabei wie immer diesen inneren Widerwillen und das Unglauben, das dieses Wort in ihm hervorrief. Schwester…  Er hasste dieses Wort!

Max spürte durchaus die Spannung, die zischen Sebastian und Jace hin und her wogte, doch er war viel zu erpicht auf sein Eis, um ihr groß Beachtung zu schenken. Konnten die ihren Disput nicht wann anders regeln? Entschlossen trat er vor und stellte sich vor Jace.  Bettelnd sah er sein Vorbild an. »Jaace…«, sagte er gedehnt, »kommst du mit Eisessen? Clary will mir kaufen, was auch immer ich will! Und ich werde Schokolade und Cookie nehmen!«, ließ er die Bombe platzen und wartete jetzt gespannt auf Jace‘ Reaktion. Langsam löste der seinen Blick von Sebastian, der sich auf dem Absatz umgedreht hatte und sich zu Isabelle – und Clary, wie er zähneknirschend feststellte – gesellte.

»Ja, ja ich komme mit«, sagte er abwesend und Max Schultern sackten vor Enttäuschung ein Stück runter. Ein bisschen mehr Begeisterung hatte er schon erwartet. Doch sogleich hellte sich seine Miene wieder auf. Er wollte ja mitkommen, also war auch alles gut! Sein strahlendes, glückliches Lächeln verleitete auch Jace dazu, seine düsteren Gedanken beiseite zu wischen und mit mehr Elan bestätigte er noch einmal seine Zustimmung. Jauchzend rannte Max wieder nach vorne und ergriff mit seiner kleinen Hand Clarys. Nachdenklich folgte Jace der Gruppe, Alec und Isabelles besorgte Blicke ignorierend. Sollten sie sich lieber Gedanken um Sebastian als um ihn machen.

Die Stimmung war eine Zeit lang noch ein wenig gedrückt und die Luft knisterte immer noch vor unterdrückter Spannung, jedes Mal wenn Sebastian Clary zu nah kam, doch nichts weiter passierte. Allmählich entspannte sich die Situation dank Max‘ fröhlichem Geplauder und dem Szenario, dass die ganzen prächtigen Häuser auf ihrem Weg boten. Auch der herrliche Sonnenschein verlangte nach guter Stimmung, und so dauerte es nicht sehr lange, bis alle wieder guten Sinnes waren, sogar Jace und Sebastian schienen sich für jetzt zu vertragen. Einigermaßen zumindest. Irgendwie…

Endlich, nach 20min durch-die-Stadt-laufen, erreichten sie ihr Ziel: Giovannis Eisladen, der beste in ganz Alicante! Der Laden war auf einem großen Platz gelegen und von Kanälen umrahmt. Brücken bogen sich rechts und links vom Laden über die Gewässer. Auf dem Platz standen Tische und Stühle verteilt unter großen, roten Sonnenschirmen und hinter dem Tresen stand ein gebräunter Mann mit dunklen Haaren. Er trug eine weiße Schürze und hantierte mit einem dieser Eislöffel. Die meisten Tische waren belegt und es stand eine kleine Schlage vor der Theke, doch es war nicht allzu voll.

Max‘ Füße taten mittlerweile schon ziemlich weh, doch dass sein Ziel jetzt in Reichweite war, beflügelte ihn einmal mehr. Er rannte schon mal voraus, während seine Freunde und Geschwister zwar ebenfalls ihre Schritte beschleunigten, aber nicht rannten. Während Max sich ungeduldig auf den Fußballen wippend anstellte, ging Isabelle los, um nach einem freien Tisch zu suchen und Jace ging einfach nach vorne zur Auslage und ignorierte die Proteste der Anstehenden. Interessiert begutachtete er das Angebot. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass er mitgekommen war, dachte er zufrieden.

Unzufrieden hingegen kam Isabelle zurück und meldete, dass keine Tische mehr frei waren. Sebastian winkte ab. »Wir sollten eh bald zurück nach Hause gehen, es wird spät, und wir sollten eigentlich immer erreichbar sein, falls sich etwas tut!«

Isabelle passte das gar nicht, doch niemand sonst schien etwas dagegen zu haben, das Eis auf die Hand zu nehmen und damit dann langsam wieder das Haus der Penhallows anzustreben, also unterließ sie ihren Protest.

Als sie an der Reihe mit bestellen waren, nannte ein jeder von ihnen das gewünschte Eis. Schoko und Cookie für Max natürlich, Clary wählte Vanille-Erdbeer, Jace Joghurt und Waldmeister, so als Experiment. Auch die anderen nahmen sich je zwei Kugeln. Sie bezahlten, wobei alle ihr Geld zusammenwerfen mussten, um es überhaupt bezahlt zu kriegen, und gingen dann zufrieden leckend los. Langsam schlenderten sie zurück nach Hause und genossen einfach nur ihren schönen, freien Tag inmitten eines Krieges, der jederzeit ausbrechen konnte.

Man sollte schließlich im Jetzt leben, und nicht in der Zukunft, nicht wahr?




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Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Angel, liebste Parabatai!! ;**
Ich hoffe, der OS hat dir gefallen :*

Ich weiß, das Ende kam ein wenig abrupt, und ich bin insgesamt nicht wirklich zufrieden hiermit, aber na ja ^^ Für einen OS wird es hoffentlich gehen ^^
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