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[DRAMAtical Murder] Clear - like a jellyfish

von Erenya
GeschichteDrama, Familie / P12 / Gen
17.04.2014
17.04.2014
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Dunkelheit umgab ihn. Eine Dunkelheit, die begleitet von einer grausigen Musik sein Bewusstsein quälte. Die Musik war ihm vertraut, doch gleichzeitig war sie wie eine Folter, weil etwas in seinem Bewusstsein einer Gewissheit unterlag, dass er diese Musik kannte, dass er mit ihr in Verbindung gebracht werden konnte. Machtvoll presste dieses Lied die ersten Tränen seines Lebens heraus. Zumindest war ihm klar, dass es die ersten Tränen waren, denn er hatte so etwas noch nie gespürt. Er konnte sich nur noch an diese gleichgültige Leere erinnern. Und auf einmal brach alles über ihn ein. Gefühle, Gewissheit und sein Gewissen. Wie eine Welle die durch diese Musik noch aufbrausender wurde, spülte ihn das alles tiefer in die Dunkelheit und in dieses neue Gefühl namens Verzweiflung. Wie ein ertrinkender klammerte er sich an die Erinnerung an seinen Meister, von dem er hoffte, dass dieser ihn erlösen oder retten würde. Doch es kam kein Meister. Niemand kam.
Niemand, außer eine beruhigende, angsteinflößende Stille. Stille, die ein jedes Wimmern verschluckte. Stille, die Seine Ohren schmerzte. Stille, die die Dunkelheit noch tiefer und finsterer werden ließ.
Und plötzlich... Eine ruhige Melodie erklang. Treibend, sanft, zärtlich drang sie in seinen Geist. Nahm ihm die Angst und die Schmerzen. Sie hüllte ihn in sich ein, wurde zu einem neuen Teil von ihm. Zu seinem Licht, dass die Dunkelheit in ein seichtes meerblau hüllte. Und im Takt dieser Melodie, tanzten Quallen um ihn herum. Klare, durchschimmernde, weiche Quallen.

**~~**


Als er die Augen öffnete, erschien es ihm, als wäre die Dunkelheit, das weite Meer und auch die Quallen ein Traum gewesen. Ein Albtraum, der durch das Lied der Quallen besser wurde, schöner, begehrlicher. Doch dort, wo er jetzt war, schien es auch nicht schlecht zu sein. Eine warme Decke hüllte seinen kalten Körper ein, versuchte diesen zu wärmen, auch wenn ihm selbst im tiefsten Inneren klar war, dass es vergebens sein würde. Doch er genoss diese Wärme, und den Geruch dieser Frische. Sein Kopf sagte, dass er Lavendel roch. Mit einer seichten Brise Zitrone. Es war ein vertrauter Geruch, doch er konnte nicht mehr einordnen, woher er ihn kannte.
Angestrengt dachte er darüber nach, doch es wurden nur einige Bilder von weißen Wänden, weiß gekleideten Menschen und sterilen Gerüchen erzeugt. Nichtssagend. Ohne genau zu erklären, woher er das alles hatte. Es existierten absolut keine Erinnerungen, die sich mit diesen Bildern verbanden. Sein Kopf war leer. Wie eine unbemalte Leinwand und doch waren da Striche. Zeichen, die einst ein komplettes Bild gewesen waren.
„Ah, du bist wach.“
Sein Blick neigte sich zu seiner linken Seite, bei der ein Mann, wohl mittleren Alters mit braunen gekämmten Haar, saß. Er trug einen dieser weißen Kittel, an die er sich erinnerte, oder viel mehr die er gesehen hatte bei dem Versuch sich zu erinnern.
„Wie geht es dir, Clear?“
Ein freundliches Lächeln lag auf den dünnen Lippen des schmalen Gesichts. Er erinnerte sich nicht an diesen Mann, doch scheinbar erinnerte er sich an ihn. Er kannte ihn. Nur woher? In seinem Kopf arbeitete es. Es musste doch eine Information dazu geben. Und schließlich, untermalt von der Musik die er in seinem Traum gehört hatte, kam ihm ein Wort in den Sinn. Ein Bekanntschaftsgrad mitsamt einer Erinnerung, die ihm ein Lächeln entlockte.
„Großvater!“

**~~**


Der Wind wehte ihm durch das Haar, als er über die frei geräumten Wege des Schrottplatzes lief, den er und sein Großvater als „ihr Zuhause“ bezeichneten. Clear konnte nicht verstehen, wie die Menschen des Old Districts und Platinum Jail so viele wertvolle und noch zu benutzenden Dinge wegwerfen konnte. Sie funkelten, gaben lustige Geräusche von sich und manche... Manche erinnerten ihn an seinen Traum. Auch heute, als er wieder seinen Weg durch diesen gottverlassenen Platz schlug, suchte er nach diesen Gegenständen, die ihn an Quallen erinnerten. Gegenstände, die er noch nicht hatte.
Und so, als ob er diese Gegenstände locken wollte, sang er dieses beruhigende, sanfte Lied, das ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Er sang es immer, wenn er die Gelegenheit dazu hatte und meist gab ihm sein Großvater diese Gelegenheit. Immerhin forderte er Clear oft genug dazu auf, dieses Lied zu singen.
„Damit wir beide gut schlafen können“, begründete sein Großvater diesen Wunsch immer.
Und in der Tat, sein Großvater schlief dann immer gut. Er hatte dieses schöne Lächeln auf den Lippen. Anders als in Nächten, in denen Clear das Lied nicht gesungen hatte. Dann war sein Gesicht von Leid und Schmerz geprägt und erfüllte Clear mit diesem seltsamen Gefühl, dass er einfach nicht in Worte fassen konnte. Dabei wollte er seinen Großvater nicht leiden lassen sehen. Immerhin war er der einzige Mensch, den er in dieser Welt noch hatte. Er war alles, woran er sich erinnern konnte, weil seine Eltern früh gestorben waren. Zumindest vermutete Clear das, schließlich besaß er keine Erinnerung an seine Eltern. Auch wenn etwas in ihm sagte, dass das unnormal war. Nicht wie sein Großvater, oder andere Menschen. Warum sonst sollte er diese Gasmaske tragen, und durfte sein Gesicht nicht zeigen? Warum sonst, war der Spiegel in seinem Zimmer abgedeckt? Warum sonst sollten sie so abgelegen hier leben?
Er musst wirklich aufs schrecklichste entstellt sein. So sehr, dass nur sein Großvater es aushielt bei ihm zu sein, weil er ihn liebte. Liebe... Es war ein Wort das Clear mit Worten nicht verstehen konnte. Doch das brauchte er auch nicht. Er verstand es allein durch die Gesten seines Großvaters. Nur wegen ihm verstand er, was es bedeutete zu lieben. Allein wegen seiner Gesten, die er imitierte ohne sich dessen bewusst zu sein, verstand er, dass er seinen Großvater ebenso liebte. Deswegen vertraute er diesem Mann, der ihm ein zweites Mal seinen Namen „Clear“ geschenkt hatte. Er zweifelte nicht an seinen Worten und akzeptierte diese Einsamkeit, die Gasmaske und seine Warnungen.
„Clear, geh nicht dahin wo sie dich sehen können.“
Clear wusste nicht, wer „Sie“ waren, aber er vertraute seinem Großvater. Er hielt sich distanziert von den Menschen. Immerhin konnten „Sie“ unter ihnen sein, oder waren sogar mit dieser Warnung gemeint.
Zwar zog es ihn in regelmäßigen Abständen ins Old District, aber er wusste, wie er vermeiden konnte gesehen zu werden. Schließlich achtete niemand auf die Dächer der Stadt. So konnte er alles sehen und lernen.

Clear hatte sich vor einen Haufen leerer Glasflaschen niedergelassen und betrachtete diese interessiert. Sie hatten alle verschiedene Farben, rot, grün, weiß, braun. Und diese ganzen Formen, sie faszinierten ihn. Doch am meisten war er von einer runden, tiefen Schale fasziniert. Sie war blau hatte eine geschwungene Öffnung, die aussah, als wären es die Tentakel einer Qualle.
Vorsichtig berührte Clear diese Tentakel, zog die Konturen, die Auf und Abs nach, bevor er die Vase, so nannte man so ein Gefäß wohl, mit beiden Händen umschloss und hochhob. Neugierig blickte er durch das blaue Glas, hielt es gegen die Sonne und sah die Welt so, wie er sie einst in seinen Träumen gesehen hatte. Er hatte wieder das Gefühl im Wasser zu sein, umgeben von der durchsichtigen Schönheit der Quallen.
„Clear!“
Der Junge sah von dem Gefäß auf und sah in die Richtung aus der er gekommen war. Ungefähr in 5km Entfernung befand sich das Haus seines Großvaters. Und sein Großvater, der ihm zum Essen rief.
Lächelnd umklammerte er diese Vase und lief los. Es war einer dieser Momente, in denen er sich freute wieder zurück zu seinem Großvater zu finden und ihm seine Entdeckung zeigen zu können. Am liebsten hätte er allen die Schönheit der Quallen und ihre beruhigende Wirkung gezeigt, doch er durfte es nicht.

**~~**


Clear konnte nicht sagen, wie viele Jahre bereits vergangen waren. Er konnte nicht sagen, wie viele unzählige Male er über den Schrottplatz gelaufen war und eine neue Flasche oder ein anderes Glasgefäß gesammelt hatte. Alles was er sagen konnte, war wie selten er die letzten Wochen das Haus verlassen hatte.
Sein Großvater war alt geworden, was sich deutlich an den tiefen Furchen in seinem Gesicht zeigte. Er war abgemagert, das braune Haar war von unzähligen grauen Strähnen durchzogen und wenn Clear ihn nicht jeden Tag gesehen hätte, so hätte er seinen Großvater wohl nicht mehr wieder erkannt.
Clear machte sich Sorgen, denn er sah seinen Großvater dahinsiechen und nicht einmal sein Lied der Quallen konnte etwas dagegen tun.
„Clear, wie geht es dir heute?“
Sein Lächeln war noch dasselbe, ebenso die Sorge um Clear, die ihn wohl vergessen ließ, dass er der gebrechliche Teil dieser kleinen Familie war. Ein beruhigendes Lächeln lag auf seinen Lippen, als er seinen Großvater ansah.
„Mir geht es gut, Großvater. Wie geht es dir heute?“
Vorsichtig nahm Clear die Hand seines Großvaters. Er hatte sie schon unzählige Male gespürt. Wenn er ihn gesund gemacht oder einfach nur sie gehalten hatte. Doch sie fühlte sich heute so anders an. Etwas kälter. Vielleicht lag das an der Erkältung, die sein Großvater in den letzten Tagen ausgebrütet hatte.
„Heute geht es mir schon viel besser, Clear. Es ist nur etwas kalt. Komm her.“
Lächelnd griff der Großvater in eine große Tüte, aus der er einen gelben Schal holte. Mit einer Handbewegung deutete er Clear an, näher zu kommen, was dieser tat. Er war gespannt was sein Großvater mit diesem Schal wollte. Doch statt zu fragen, trat er näher zu seinem Großvater, der ihm mit diesem unsterblichen Lächeln den Schal umband.
„Damit mein kleiner Clear nicht friert“, begründete er sein Tun.
Für den alten Mann war es nicht seltsam, dass Clear immer diesen alten weißen Mantel über sein Hemd und der Hose trug. Dazu diese Handschuhe, die Gasmaske und nun auch noch diesen gelben Schal. Clear wusste wahrscheinlich nicht einmal, wie unangenehm diese viel zu warme Kleidung für einen Menschen war. Auch wenn er spürte das es warm war, nahm er es als normal hin. Er war eben anders als die sterblichen Menschen. Als sein Großvater, der einfach nur froh war, wenn es Clear gut ging.
„Clear, sei so gut und sing mir doch dein Lied. Großvater ist etwas müde.“
Clear dachte sich nichts dabei. Immerhin sang er oft sein Lied für seinen Großvater und er war ja auch jedes Mal froh, wenn er das tun konnte. Froh darüber, hilfreich zu sein, setzte er zu seinem Lied und ließ für einige Momente alles Leid aus diesen vier Wänden verschwinden, als hätte es das nie gegeben, als würde nicht einmal der Tod vor der Tür stehen und nur noch darauf warten zuschlagen zu können.

**~~**


Clears Großvater war innerhalb kürzester Zeit gealtert und Clear verstand, dass es langsam mit ihm zu Ende ging. Doch er wollte es nicht wahrhaben und entwickelte etwas, dass man Hoffnung nannte. Er hoffte, dass es doch wieder Berg auf ging. Dass sein Großvater bald wieder braunes Haar hatte und die Furchen in seinem Gesicht schwanden.
Clear hatte sich vorgenommen, dann mit ihm das Old District zu besuchen, ihm zu zeigen was er entdeckt hatte und ihm ein Quallen-Stofftier zu schenken, damit er immer an ihn denken konnte. Er hatte noch soviel vor und wollte noch soviel von seinem Großvater lernen. Es gab immerhin sonst niemand anderen, der ihm diese Welt erklären konnte.
Doch im Moment konnte er ihm nicht einmal die Welt erklären. Er schlief die meiste Zeit. Schlaf war gesund, doch Clear beschlich langsam dieses Gefühl namens Angst. Er hatte Angst, dass sein Großvater nicht mehr erwachte. Und deswegen, war er jedes Mal erleichtert, wenn sein Großvater für wenige Stunden, manchmal nur Minuten, die Augen öffnete.
„Clear... Komm her...“
Schwach drang die Stimme seines Großvaters zu ihm vor. Das erste Mal seit einigen Tagen. Ein gutes Zeichen aus Clears Sicht, der sofort lächelte und zu dem Bett seines Großvaters trat.
Vorsichtig nahm er die alte, gebrechliche Hand, auf denen sich bereits Flecke abzeichneten. Altersflecke, so hatte sein Großvater es ihm vor einigen Wochen genannt. Laut seinem Großvater zeigten sie, das ein Mensch langsam alt wurde und seine Lebenszeit sich dem Ende neigten. Clear hatte daraufhin versucht diese Flecken unsichtbar zu machen, sie zu übermalen, damit sein Großvater noch lange Zeit bei ihm bleiben konnte.
„Clear, mein Junge, hör mir gut zu. Ich werde vielleicht nicht mehr lange Zeit hier sein.“
Das Atmen fiel seinem Großvater immer schwerer. Clear erkannte, dass ihn diese Anstrengung zu reden und gleichzeitig zu atmen schon schmerzte. Doch er wusste auch, dass sein Großvater sich jetzt nicht davon abhalten lassen würde, diese Anstrengung zu verringern. Er hatte etwas auf dem Herzen, was er unbedingt Clear sagen wollte.
„Hör zu“, forderte er noch einmal ausdrücklich, um sich der Aufmerksamkeit Clears bewusst zu sein. „Wenn ich nicht mehr bin, möchte ich, dass du dich ausschaltest. Du sollst nicht alleine in dieser Welt leben. Niemand will alleine in dieser Welt leben, auch ich wollte das nicht.“
Seine Worte klangen entschuldigend, fast schon so, als hätte er Clear zu irgendwas gezwungen, oder ihm was schlimmes angetan. Doch Clear verstand es nicht so. Er war froh über all die Jahre die er mit Großvater hatte und er wollte noch viel mehr Jahre mit ihm verbringen.
„Versprich mir das, Clear.“
Flüssigkeit trat aus Clears Augenwinkeln. Flüssigkeit die er noch nie verloren hatte. Er machte sich aber keine Sorgen. Es fühlte sich einfach richtig an, jetzt so zu fühlen und zu reagieren.
Sanft hielt er die Hand seines Großvaters, drückte sie sich an die Wange. Er sollte spüren, dass er diese Flüssigkeit verlor. Er sollte spüren, dass er ihm doch sehr ähnlich geworden war.
„Ich verspreche es, Großvater“, flüsterte Clear und bemühte sich, stark zu klingen.
Doch ein dicker Kloß machte ihm das reden schwer. Er hatte so etwas noch gefühlt, noch nie war ihm die Funktion des Redens so schwer gefallen. Doch er wollte vor seinem Großvater stark sein, weswegen er anfing, das Lied der Quallen zu singen. Es sollte ihn selbst beruhigen und auch seinen Großvater, der schon nach wenigen Tönen wieder in den Schlaf entglitt.

Sein Lied war schon seit Stunden verstummt und sein Blick lag zielstrebig auf seinen Großvater gerichtet, der so friedlich auf seinem Bett lag, die Augen geschlossen hatte und schlief. Clear konnte nicht einmal mehr sagen, wie viele Stunden er bereits seinen Großvater beobachtete. Er wartete auf die Zeit, an dem sein Großvater wieder aufwachte. Wieder tief Luft holte und Farbe in sein Gesicht kam. Doch es war anders als gewöhnlich. Er hörte seinen Atem nicht, sein Herz schwieg und selbst das Rauschen seines Blutes, dass er sonst immer hörte, hatte inne gehalten.
„Großvater?“
Leise setzte Clear an und legte seine Hand auf die steife Schulter des alten Mannes. Er wusste, dass etwas nicht stimmte, denn sein Großvater fühlte sich auf einmal so anders an. Wie eine steife Puppe. Nicht echt, nicht lebendig.
Sanft schüttelte Clear den Körper, der einfach nachgab, aber nicht wieder lebendig wurde. Er wusste, was es bedeutete. Aber wahrhaben wollte er es nicht.
„Großvater!“
Verzweifelter wurde seine Stimme. Erneut verließ Flüssigkeit seine Augenwinkel und rann seine Wangen hinab. Er konnte es sich immer noch nicht erklären und sein Großvater konnte ihn nicht mehr dahingehend aufklären oder ihm sagen, was das alles zu bedeuten hatte. Er war nun ganz allein in dieser ihm völlig fremden Welt. Ein Gedanke, der ihn zerriss. Der sicher auch seinen Großvater zerrissen hätte und ihn dazu gebracht hatte, ihn darum zu bitten, dass er sich selbst ausschaltete.
„Gleich, Großvater...“, wisperte Clear und hob den Körper des Toten auf seine Arme.
Bevor er sich ausschaltete, gab es noch etwas, das er tun wollte. Sein Großvater hatte ihm schließlich weit in der Vergangenheit davon erzählt, was man mit Verstorbenen machte. Er wollte ihm diese Ehre zuteil werden lassen und ihn in sein letztes Bett legen.

**~~**


In seinen Träumen schwamm er im Meer der Quallen und sang mit ihnen zusammen ihr Lied. Zeit war schon lange nicht mehr von Bedeutung für ihn. Zumindest seit er sich ausgeschaltet hatte. Nichts konnte diesen Zustand mehr ändern. Diesen glücklichen Zustand, in dem er mit seinen Freunden den Quallen verweilte. Mit Sicherheit sah sein Großvater das auch. Und sicherlich genoss er diesen Moment genauso sehr, wie sein Lied. Er tröstete sich mit dem Gedanken, dass sein Großvater auch jetzt noch glücklich war. Es machte die Trauer des Verlustes erträglich, zumindest für diesen ewig während Augenblick dieses Traumes.
Ren, 'Jubilation' set
Clear horchte auf, als er diese vertraute Stimme bis in die Tiefen seines Traumes vordringen hörte. Er wusste nicht, woher er sie kannte, aber sie war ihm bekannt. Anders, aber doch bekannt.
„Master?“
Wie von selbst formte sich dieses Wort. Er wusste um dessen Bedeutung, immerhin lag sie in seinen Erinnerungen verborgen.
Mach schon!
Erneut war es die Stimme seines Masters. Ja. Es konnte nur sein Master sein. Und er brauchte ihn. Zumindest wollte er zu ihm, ihm helfen. Es fühlte sich an, als wäre es seine Bestimmung gewesen nur auf diesen einen Moment zu warten. Nur auf diese eine Stimme.

Langsam öffnete Clear die Augen. Er hatte wieder ein Ziel vor Augen. Oder viel mehr eine Person, die ihm die Einsamkeit nehmen konnte. Er hatte einen Meister. Jemand der ihm diese Welt zeigen konnte, der ihn brauchte, dem er wieder das Lied der Quallen vorsingen konnte.
Glücklich nahm er seine Gasmaske und setzte sich diese wieder auf. Er wusste, dass er sie nun in nächster Zeit nicht mehr abnehmen würde. Er durfte niemanden im Old District, das war sein Zielort, sein Gesicht zeigen. Niemals. Auch nicht seinem Meister, denn er wollte ihn nicht mit seinem abscheulichen Gesicht erschrecken. Er wollte nicht auch noch die letzte Person verlieren, die ihm in diesem Leben die Einsamkeit nahm.
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