Deja Vu

von Sowa
GeschichteDrama, Romanze / P18
Aaron "Hotch" Hotchner
16.04.2014
02.11.2016
42
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6
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16.04.2014 1.888
 
Hallihallo,

auf dem Weg zum Einkaufen drängte sich mir diese Geschichte geradezu auf, nahm dann im Supermarkt so konkrete Formen an, dass ich mit dümmlichen Grinsen und so geistesabwesend mit dem Einkaufswagen durch die Gänge kurvte, dass ich mich tatsächlich zur Ordnung rufen musste, um mich wieder auf den Einkauf zu konzentrieren, ließ mich zuhause nicht mehr los, so dass ich sie sogleich in Teilen niederschrieb. Vermutlich handelt es sich um einen Two-Shot(?), aber wer kann das schon sagen... ;)
Also, los geht's!

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Die in "Criminal Minds" vorkommenden Personen und die der Serie zugehörigen Geschichten gehören nicht mir. Ich schreibe die Geschichten zum Spaß und verdiene kein Geld mit ihnen.

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Im Nachhinein konnte Hotch nicht sagen, wie es dazu hatte kommen können, wie er es hatte zulassen können. Und jetzt saß er hier, völlig verzweifelt. Es war wie ein böses Deja Vu, das er hier durchlebte und wieder war es seine Schuld und egal, was die anderen auch sagten, es änderte nichts an seiner Meinung. Wie hatte er nur so die Kontrolle verlieren können. Aber wie konnte etwas falsch gewesen sein, das sich so gut, so richtig angefühlt hatte. Hotch ließ seinen Oberkörper nach vorne fallen und fuhr sich unwirsch mit den Händen durch die Haare...

Fünf Wochen zuvor...

Hotch saß an seinem Schreibtisch eine Tasse schwarzen Kaffees vor sich. Es war noch früh, es konnte erst kurz nach acht sein, doch er wollte noch vor der Teambesprechung um zehn einen Teil des Aktenberges abarbeiten, der sich in den letzten Wochen auf seinem Schreibtisch immer höher aufgetürmt hatte, weil das Team quasi mit Fällen überschwemmt worden war. Und so langsam aber sicher drohte ihn der Papierberg unter sich zu begraben. Aaron setzte gerade seine Unterschrift unter einen Bericht, als ihn ein Klopfen aus seinen Gedanken riss. Auf seine Aufforderung hin öffnete sich die Tür und sein neuer Vorgesetzter Section Chief Strauss betrat das Büro, eine weitere Akte in der Hand.

Aaron unterdrückte den Impuls, die Augen zu verdrehen und begrüßte seine Chefin mit aller gebotenen Höflichkeit, allerdings nicht ohne einen kleinen ironischen Unterton in der Stimme mitschwingen zu lassen: „Guten Morgen, Chief Strauss. Was verschafft mir das... Vergnügen?“ Hotch hatte sich gerade noch auf die Zunge beißen können, bevor ihm das Wort zweifelhaft über die Lippen gekommen war. Chief Strauss war sich im Klaren über das angespannte Verhältnis zu ihrem Unit Chief und ihr war auch der Unterton in seiner Stimme nicht entgangen. Sie versuchte, sich nicht darüber zu ärgern, vielmehr war sie sich sicher, dass Aaron Hotchner sicher nicht glücklich sein würde über die Aufgabe, die dem Team übertragen worden war, deshalb lächelte sie lediglich gekünstelt, als auch sie ihn begrüßte: „Guten Morgen, Aaron! Ich habe mir gedacht, dass ich Sie bereits um diese Zeit hier antreffe.“ Aaron erinnerte sich wieder an die Regeln der Höflichkeit und bat Chief Strauss mit einer Geste, in einem der Stühle vor seinem Schreibtisch Platz zu nehmen. „Also, was kann ich für Sie tun?“ Chief Strauss legte die Akte vor sich auf den Tisch. „Diese Anfrage erreichte uns und nach reiflicher Prüfung wurde ihr stattgegeben...“ Hotch unterbrach seine Chefin und verschränkte in einer abwehrenden Geste die Arme vor der Brust. „Chief Strauss, das kann nicht Ihr Ernst sein. Wir sind erst gestern sehr spät von diesem Prestigefall in Arkansas zurückgekommen, wie Sie wissen und auch in den vorausgegangenen Wochen, sind wir kaum zum Luftholen gekommen. Kann nicht ein anderes Team diesen Fall übernehmen?“ Erin Strauss lächelte noch immer: „Hätten Sie mich ausreden lassen, hätte ich Ihnen sagen können, dass es um keinen neuen Fall geht. Persephone Stevens hat unter anderem einen Universitätsabschluss in Psychologie, für ihre Doktorarbeit hat sie darum ersucht, ein Team von Profilern einen Monat lang begleiten zu dürfen und sie wurde ihrem Team zugeteilt. Hier ist ihre Akte.“ Und um dem Protest des Unit Chiefs zuvorzukommen, den Chief Strauss förmlich in seinem Gesicht geschrieben stehen sah, fügte sie hinzu: „ ...und sparen Sie sich ihre Einwände, Aaron, sie werden Ihnen nichts nützen. Es handelt sich um eine direkte Anweisung des Directors. Setzen Sie lieber Ihr Team über den Stand der Dinge in Kenntnis. Ms Stevens reist übrigens heute in einer Woche hier an.“ Mit diesen Worten erhob sich Chief Strauss und ließ mit einem süffisanten Grinsen einen zähneknirschenden Aaron Hotchner in seinem Büro zurück.

Vier Wochen zuvor...

Wie auch schon eine Woche zuvor saß Aaron um kurz vor neun am Morgen mit einer Tasse Kaffee an seinem Schreibtisch und erledigte Schreibarbeiten. Seit der Vorwoche hatte der Aktenberg nicht wirklich abgenommen und so langsam aber sicher erlag der Unit Chief dem Glauben, dass ihm heimlich jemand Akten zur Bearbeitung unterschob. Wieder klopfte es an seiner Tür, die sich nach seiner Aufforderung hin öffnete. Doch dieses Mal war es die Doktorandin Persephone Stevens, die Hotchs Büro betrat und in dem Augenblick, da sie ihren Fuß über seine Schwelle setzte und er einen Blick auf die junge Frau warf, war es um Aaron Hotchner geschehen. Natürlich gestand Hotchs Verstand das, was sein Herz sofort erkannt hatte, nicht ein, auch wenn ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg blieb, als sich Persephone anmutig seinem Schreibtisch näherte. Die junge Frau war einen Meter siebzig groß, schlank, ohne dabei dürr zu sein, ihre Haare waren eine undefinierbare Mischung aus Hellbraun- und Dunkelblondtönen, die trotz ihrer jungen Jahre von einer Vielzahl grauer und weißer Strähnen durchzogen waren und die sie im Nacken zu einem nachlässigen Knoten geschlungen hatte. Ihre Augen waren eher grau als blau, die Iris von einem dunklen Ring umgeben. Die Stellen ihrer Haut, die sichtbar waren, wiesen eine gesunde Bräune auf, ihr Gesicht war mit unzähligen Sommersprossen übersät, die die Haut dunkler erscheinen ließen, als sie tatsächlich war. Kleine Fältchen um die Augen herum und in den Mundwinkeln deuteten darauf hin, dass sie häufig lächelte und lachte. Sie trug eine hautenge, olivgrüne Baggyhose, dazu ein legeres Jeans-Hemd und darüber eine schwarze Weste. Tatsächlich dachte Aaron, dass Persephone durch ihr ganzes Erscheinungsbild so deplatziert beim FBI wirkte, wie ein... Elefant im Porzellanladen. Der Vergleich hinkte, aber im Augenblick war er zu keinem klaren Gedanken fähig.

Als Persephone fast schon vor Hotchs Schreibtisch stand, hatte auch er endlich wieder seine fünf Sinne wieder so weit beisammen, dass er sich erhob, die Krawatte glatt strich und um seinen Schreibtisch herum ging, um Persephone zur Begrüßung die Hand zu reichen. Ihr Haut war warm und weich, die Berührung schickte kleine Schauer über Aarons Rücken. Bevor er etwas sagen konnte, musste er sich räuspern und selbst dann war sich Aaron nicht sicher, dass er auch nur einen Ton herausbekommen würde. Mit etwas krächzender Stimme sagte er: „Ms Stevens, nehme ich an? Mein Name ist SSA Aaron Hotchner. Ich bin der Unit Chief der BAU-Einheit, die sie in den nächsten Wochen begleiten werden.“ Es entzog sich Hotchs Kontrolle, dass sich seine Lippen zu einem seiner seltenen Lächeln formten. Noch immer hielt er Persephones Hand in der Seinen, doch auch die junge Frau machte keine Anstalten ihm die Hand zu entziehen, vielmehr strich ihr Daumen wie zufällig über die weiche Haut zwischen seinem Zeigefinger und Daumen. Sofern das überhaupt noch möglich war, hellte sich ihr Gesichtsausdruck noch weiter auf und sie schenke Aaron ihrerseits ein Lächeln, dass sein Herz höher schlagen ließ. Als sie mit Sprechen anfing, musste sich Aaron ernsthaft darauf konzentrieren, um die Bedeutung ihrer Worte zu erfassen, die sie mit warmer, weicher Stimme sprach: „Es freut mich, Sie kennenzulernen, SSA Hotchner. Und ich danke Ihnen, dass ich Sie und Ihr Team begleiten darf. Aber bitte, nennen Sie mich Pixy. Mrs. Stevens ist meine Mum.“ Während sie redete, sah sie Hotch unverwandt in die Augen, die angenehm zu funkeln begonnen hatten. Noch immer machte Hotch keine Anstalten, die Hand der jungen Frau freizugeben, deren Daumen sich unablässig federleicht über seinen Handrücken bewegte.

Irgendwann gewann dann Hotchs Verstand doch wieder die Oberhand, widerwillig ließ er Pixys Hand los und bat sie, Platz zu nehmen. Auch er ließ sich ihr gegenüber nieder. Noch immer umspielte Pixys Lippen die Spur eines Lächelns und die Art des Funkelns in ihren Augen versetzte Hotchs Blut gefährlich in Wallung. Dennoch riss sich der Unit Chief am Riemen, er räusperte sich, setzte eine professionelle Miene auf und besprach mit dem „neuen Teammitglied“ ihre weitere Zusammenarbeit, wieder ganz der Unit Chief.

„SSA Hotchner, ich bin mir darüber im Klaren, dass meine Anwesenheit vermutlich eine große Belastung für Ihr Team darstellt. Ich werde mich keinesfalls in Ihre Arbeit einmischen und werde nach bestem Wissen und Gewissen versuchen, Ihnen und Ihren Leuten nicht im Weg herumzustehen – wobei ich in diesem Fall nicht versprechen kann, dass mir dies gelingt. Es geht mir wirklich nur darum, die Interaktion der Teammitglieder in Stresssituationen zu beobachten.“ Hotch nickte. Etwas unbehaglich fuhr Pixy weiter fort:„Allerdings setzt dies auch voraus, dass ich Sie und Ihre Leute auch zu Zeugenbefragungen, Verhören... oder bei Zugriffen begleiten darf.“ Hotchs Miene verfinsterte sich. Zugriffe waren, so gut sie auch geplant sein mochten, ein Glücksspiel und auch manche Zeugenbefragung hatte schon in einer Schießerei geendet. Hotch faltete seine Hände vor sich auf dem Schreibtisch. „Pixy, ich weiß nicht, ob ich das zulassen kann. Auch wenn Sie mein Team begleiten, sind und bleiben Sie eine Zivilistin für deren Wohlergehen ich die Verantwortung habe.“ Pixy zog ihre Stirn in Falten wobei sie in entzückender Weise die Nase kraus zog. Hotch rief sich innerlich zur Ordnung, er musste jetzt bei der Sache bleiben. „Agent Hotchner, natürlich sind Ihre Einwände plausibel. Aber genau diese Situationen sind es, bei denen es zu Stress kommt und in der das Miteinander ihrer Teammitglieder für mich von Bedeutung ist. Vielleicht könnten wir uns darauf einigen, dass wir von Situation zu Situation das Risiko für mich und mein Wohlergehen abwägen und dementsprechend entscheiden?“ Pixy hatte diesen Satz nicht als Forderung, sondern vielmehr als Vorschlag oder Bitte geäußert. Hotch dachte einen Moment nach. Natürlich verstand er, weshalb Pixy das Team auch zu Zugriffen und dergleichen begleiten wollte, aber das Risiko... Er seufzte: „Also gut, aber ich kann Ihnen nichts versprechen. Kommen Sie, es ist Zeit, Sie dem Team vorzustellen.“

Mit nachdenklicher Miene erhob sich Pixy und ging zur Tür von Aarons Büro. Aaron folgte ihr und warf im Gehen einen Blick auf sein Handy. Er bemerkte nicht, dass Pixy vor ihm in Gedanken versunken angehalten hatte, so dass er auf sie auflief. Wieder durchrieselten Hotchs Körper angenehme Schauer und - er hätte es nicht beschwören können – aber er hatte den Eindruck, dass sie sich einen winzigen Moment an ihn gelehnt hatte, bevor sie sich hastig trennten und eine Entschuldigung nuschelten.

Hotch stellte Pixy dem Team vor, das sich im Besprechungsraum eingefunden hatte. Sie wurde zwar kritisch, aber mit Wohlwollen von den anderen aufgenommen und mit einem Stich bemerkte er, dass die junge Frau auf jedes der männlichen Teammitglieder eine ähnliche Wirkung zu haben schien, wie auf ihn selbst. Jedoch registrierte er auch mit einem gewissen Maß an Genugtuung, dass sich ihr Daumen bei keinem der anderen über deren Handrücken bewegte und dass bei keinem der Händedruck länger als nötig andauerte, bei keinem ihre Augen so funkelten, wie noch vor Kurzem.
Und er fragte sich, während er sich an den Konferenztisch setzte, wie er die folgenden vier Wochen überstehen sollte, in denen er mit Pixy zusammenarbeiten und auf sie aufpassen sollte.


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